Leipzig: Höfe am Brühl (eröffnet)

  • ^ Ich bezweifle, dass Shopper sich durch ein Attraktives Bildermuseum in den Norden der Innenstadt ziehen lassen. Vor allem würde das für die Hainstrasse nichts bringen. Man kann ja zur Brühlbebauung stehen wie man will, ihr aber kaum die Funktion als Frequenzbringer abstreiten. Eine Brache oder ein Park ist da ganz einfach keine Alternative. Der Investor ECE musste sich übrigens verpflichten, nur einen gewissen Anteil Filialisten zuzulassen und unter diesen wiederum nur einen bestimmten Anteil an ebensolchen zu halten, die sich bereits mit einer Filiale ind er Innenstadt befinden. Insgesamt ist aber trotzdem zu hinterfragen, ob es auf Dauer der Innenstadt gut tut, in bestimmten Bereichen doch sehr vordergründig als Shoppingparadies aufgestellt zu werden. Man sieht das ja bereits heute in der Petersstrasse - gäbe es kein McDonalds, wäre diese nach 10 Uhr Abends absolut tot.

  • LEgende:
    wenn es durchgangshöfe bereits seit 100 jahren gibt - wieso sollen dann die höfe am brühl eine "idee aus den tiefsten 90ern" sein? und wenn durchgangshöfe eine clevere idee sind - wieso sollen dann "neue, sinnvolle lösungen" gefragt sein? und was soll man sich darunter überhaupt vorstellen? (wobei die antwort darauf sicher eher was für den tratsch & quatsch -strang wäre...)

  • @dj: Sag mal, fühlst du dich emotional nicht ganz ausgelastet? Was soll dieses ständige rumgestänker? So wie ich bei deinen Kommentaren desöfteren die Luft anhalte und mir meinen Teil denke, wäre dies für dich sicher auch ganz interessant. Auch im Sinne der Forums-Stimmung und gegenüber Anderen. Also mal ganz tief durchatmen!


    Zum Thema:
    Es geht darum, dass die jetzt so zelebrierte Idee von "Höfe(n) am Brühl" absolut nichts Neues ist, was wir in dieser Stadt unbedingt noch brauchen.
    Das ist nichts Neues, auch wenn das den (so denkt man wohl, dummen) Leipzigern so verkauft werden soll. Darum gehts! Das ist Volksverdummung und Verblendung, um dieses Ungetüm der Öffentlichkeit zu verkaufen und schmackhaft zu machen.


    Diese ganzen großen Shopping-Center wie sie in den 90ern aus dem Boden geschossen sind, sind bekanntlich nicht der Weißheit letzter Schluss.


    @Dase: Habe ich die Frequenzbringerfunktion bestritten? Nein!
    Warum also darüber aufregen?
    Lieber mal auf den Inhalt eingehen! Was bringt mir verstärkte Frequenz durch Katharinenstraße und Co., wenn die Meisten ihre Einkäufe in den Investoren-Höfen tätigen, und im gleichen Zug die Einzelhändler in anderen, heutigen Frequenzbereichen der Stadt weniger Frequenz haben? Das ist nur Verteilung von Kaufkraft, hin zu den Großen. Von Schaffung kann keine Rede sein. Wenn man natürlich wieder das Thema Rückverlagerung von der grünen Wiese, Richtung Innnenstadt aufgreifen will, frag ich mich, ob das mit den Verkehrszielen der Stadt vereinbar und überhaupt heute noch sinnvoll ist. Für ein Groß-EKZ kämen da andere Standorte sicher eher in Frage, als der ohnehin von PKW-Verkehr stark frequentierte Innenstadtring.


    Welchen Einfluss architektonische Bauwerke auf Touristen und Einwohner haben, braucht man wohl gerade in Leipzig nicht näher erläutern. Dies abzustreiten, halte ich für fahrlässig. Das Bildermuseum hat diese bekannte Funktion (so gut wie gar) nicht. Das ist so, seit dem das Ding am Sachsenplatz steht und wird sich auch nie ändern. Ganz im Gegenteil. Es war ja nie als Anziehungspunkt gedacht, sondern als Würfel-Laterne für den Innenhof der noch zu bauenden Blockrandbebauung. Man hat also das Anziehungs-Potential des Baus eines öffentlichen Gebäudes bewusst nicht aufgegriffen, sondern direkt ad acta gelegt. Einfach unglaublich. Aber das ist wohl mit moderner Kunst so.

  • LEgende:
    wenn man aus der katharinenstrasse (wieder) eine geschäftsstrasse machen will, macht es sinn, entlang der strassenfront wohn- und geschaftshäuser zu errichten - und kein museum, dass ab 18 uhr dicht ist.
    die konzeptionellen unterschiede der höfe am brühl zu den ekz der 90er (integriertes wohnen, sich zum strassenraum öffnende geschäfte, ...) wurden hier bereits hinlänglich beschrieben.
    was dir persönlich statt dessen nun genau vorschwebt, hingegen nicht.

  • Die Frage war, wie man sonst, also ohne die Höfe am Brühl die Frequenz in der nördlichen Innenstadt erhöhen könnte. Hierauf bezog sich meine Kritik am neuen Bildermuseum. Mit dem Bau in der heutigen Form wurde diese Chance einfach jämmerlich vergeben. Da braucht man kein Kritiker sein um das festzustellen, wir erleben es ja jetzt schon seit einigen Jahren.
    Vielleicht wäre es sogar besser gewesen man hätte ein attraktives Bildermuseum nicht am Sachsenplatz gebaut, sondern direkt am Ring, in einem Teilbereich dort, wo heute die Höfe geplant sind.


    Im übrigen hat nicht nur das Museum ab 18Uhr geschlossen, sondern viele andere Läden auch! Auf dem Papier klingt immer alles gut, aber die Realität sieht bekanntlich anders aus. So ist sie, die heutige Welt.

  • Das Bildermuseum steht nun mal, da braucht man nicht mehr rumzupalavern, und irgendwann wird es auch die Randbebauung geben, die uns im Idealfall mit diesem Klotz versöhnt. Bei den Höfen ist mir die ganze Strategie nicht koscher, ich sehe das ähnlich wie LEgende. Es gibt schließlich schon zwei Kaufhäuser mit einer breitem Angebotspalette von Textilien über Elektro und Feinkost bis hin zu Büchern und Drogeriewaren. Die fassen schon jetzt einen erheblichen Teil der Kaufkraft ab. Die kleinen Läden in den Nebenstraßen werden bestimmt nicht profitieren, wenn noch ein zweites Einkaufzentrenmonster (nach dem Bahnhof) in unmittelbare Nähe kommt. Die Begründung mit der Abwerbung der Kunden von der "grünen Wiese" halte ich für vorgeschoben, da kauft eine ganz andere Klientel ein.


    Ich hätte das Areal kleinzellig parzelliert und einzeln veräußert. Eine Mischung aus Wohnen, Kultur, Hotels und Geschäften, ganz in der Tradition des Brühls, würde ich für angemessen halten.


    Bitte zurück zum Thema, das da heißt "Höfe am Brühl". Und bitte die Diskussion dem aktuellen Planungsstand anpassen. Danke, Cowboy.

  • Weil es gerade an anderer Stelle anklang, hier noch mal speziell für LEgende ein klein wenig Lesestoff:


    Das langsame Verschwinden der DDR
    06. Jul 2006 15:18
    Exemplarische DDR-Architektur wird derzeit in großem Stil entsorgt. Vor allem Kaufhäuser mit den typischen Wabenfassaden müssen der Architektur der neuen Besitzer weichen.
    http://www.netzeitung.de/kultur/419106.html


    Da die Höfe zumindest pausieren, haben wir ja wieder Zeit für solche Debatten. Nur nicht unbedingt auch Lust ;) Vielleicht nur so viel: Hier werden Kriterien genannt, warum die Waben-Fassade der Blechbüchse ein Denkmal ist. Und das ist auch gut so. Persönliches ästhetisches Empfinden - häßlich, kann weg!- ist eine legitime Meinung, kann aber nicht Maßstab für die Beurteilung eines Denkmals sein. Mit dem gleichen Recht könnte ich auch sagen, alles nach 1850 ist häßlich, kann weg oder alles vor 2000, einschließlich Romanik, ist häßlich, kann weg!. In beiden Fällen würde mit einer solchen Begründung Gründerzeit fallen.

  • ^ Gut gedacht. Nur leider hast du nicht berücksichtigt, dass die Blechbüchse eigentlich kein Gebäude an sich ist, sondern nur aus einer Alu-Fassade besteht. Darunter befindet sich das eigentlich zu schützende Denkmal! ;)
    Das ist die Wahrheit! Ich wüsste nicht, warum ein Gebäude, ein Denkmal mitsamt Fassade, durch Anbringung einer anderen Fassade seinen Denkmalstatus verlieren sollte? Die Diskussion hatten wir schon vor deiner Zeit hier im Forum. Mein Vorschlag war, die Alu-Fassade, die im Rahmen der Höfe am Brühl abgebaut und aufgearbeitet werden soll, woanders anzubringen.
    Dann würde man beide Denkmäler retten und für das Gesamt-Ensemle am Gördelerring, der bekanntlich recht gut erhalten ist, wäre das auch ein Gewinn.

  • Kannst Du mir bitte mal sagen, ob das alte Kaufhaus aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg aus sich heraus Denkmal ist (oder früher mal war). Also jetzt nicht, ob Du es persönlich schön findest oder erhaltenswert, sondern ob es wegen seiner Baugeschichte und Baugestalt ein eingetragenes Kulturdenkmal im Sinne des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen (Sächsisches Denkmalschutzgesetz – SächsDSchG - http://www.recht.sachsen.de/De…1578152&jlink=p10&jabs=16 ) ist. Falls es das nicht es, war es nach älteren Denkmalschutzgesetzen, z.B. dem der DDR, einmal Denkmal?
    Das ist die Wahrheit! Naja, nun nicht gleich die Wahrheit, aber doch mal ein objektives Kriterium.


    Zu Deinem Vorschlag: Ich schlage vor, dass wir im Gegenzug ein anderes Kulturdenkmal im Freistaat Sachsen mal einfach woanders anbringen. Z.B. könnte ich mir die Sixtinische Madonna, die derzeit zwischen hunderten anderen Gemälden in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden rumhängt, ganz prima in meinem Wohnzimmer vorstellen. Da hängt sie für sich, ich paße auch darauf auf und lasse jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals alle Intereressierten bei mir rein. :D


    Was ich mit dem selbstverständlich überzogenen Vorschlag sagen will, ist, dass dieses Denkmal - also die Fassade - genau an dieses Haus gehört. An die Ecke und an das Kaufhaus. Die kann ich nicht mal so ans Paunsdorf-Center klatschen, selbst wenn dessen Fassade damit noch gewinnen würde. Fassade und Warenhaus sind zusammen ein Denkmal!


    Natürlich kann man Werke der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks an einen anderen Ort verbringen, wenn der Verbleib am orginalen Standort nicht mehr möglich ist. So ist ja bekanntlich das "Marx-Relief" ("Aufbruch" von Klaus Schwabe, Frank Ruddigkeit und Rolf Kuhrt) an den Campus in der Jahnallee verbracht worden. [Bitte nicht noch eine Debatte darüber beginnen oder wiederaufkochen :mad:] Die Wabenfassade ist aber kein Werk der bildenden Kunst, sondern Teil eines Baudenkmals. Ein gerettetes Portal einen abgerissenen Gründerzeithauses ist auch kein Baudenkmal, sondern eine Spolie, und nur ein ganz schlechter Ersatz für das Haus.

  • Meiner Meinung nach sollte man versuchen beide "Gebäude" miteinander zu vereinbaren, schon weil das Ganze doch eigentlich eine wunderbare Gelegenheit ist, den von der Moderne so viel zitierten Begriff der "Zeitschichten" tatsächlich mal sichtbar zu machen oder, um eine weiter schöne Floskel zu bedienen, Geschichte erlebbar zu machen. Wie viele Leipziger wissen denn, dass sich hinterm Blech noch was verbirgt. Anders als Legende bin ich aber der Meinung, dass die Blechbüchse selbst durchaus ein Wahrzeichen Leipzigs darstellt. (Inwieweit dieses schön ist oder gerechtfertigt sei mal dahingestellt.) Deshalb würde ich einen Teil der BB im jetzigen Zustand belassen, so dass zumindest von einer Stelle aus betrachtet nur Blech zu sehen ist. Im anderen Teil würde ich aber das Blech an verschiedenen Stellen durch Glas ersetzen, so dass die darunterliegende Fassade erkennbar wird. Natürlich müsste man diese zusätzlich beleuchten. Aber mit Licht lässt sich ja bekanntlich ne Menge machen (gibt ja sogar farbiges) und allzu teuer wäre es auch nicht.

  • viele beiträge der letzten tage und wochen lassen sich nur dadurch erklären, dass es wegen winter und krise so wenig neues zu berichten gibt.


    so auch bei diesem thema. wie längst bekannt, wurde die alte fassade untersucht. ergebnis: irgendwo in fünfzehn metern höhe ist gerade noch ein verwittertes reh-relief erkennbar. kein grund, deswegen die alu-fassade zu zertrümmern.


    auch sonst ist alles wie gehabt: es gab einen wettbewerb und wie man in #307 sehen kann, hat sogar der beste entwurf gewonnen. solange das projekt nicht startet oder abgeblasen wird, gibt es im grunde gar nichts zu berichten.

  • MFI hält an den Höfen am Brühl fest

    Nach einem Hinweis im APH-Forum hält der Investor an den Höfen am Brühl in abgespeckter Variante fest. Die Sparvariante sieht beispielsweise vor, statt zwei nur noch eine Zufahrt vom Ring aus zu bauen (dies dürfte nicht nur meine Zustimmung finden). Ausschussmitglied Roland Quester (Grüne) geht davon aus, dass bis Monatsende das Vertragspaket unterzeichnet wird.


    Wenn besagter Vertrag unterschrieben ist, gehe ich davon aus, dass unverzüglich mit den Baumaßnahmen begonnen wird, also noch im März. Die geplanten Kosten für das Bauvorhaben lagen bislang bei 200 bis 250 Mio Euro. Ende des Monats wissen wir sicher mehr...


    Der MDR-Artikel, auf den sich mein Beitrag stützt, ist schon wieder rausgenommen wurden, weshalb ich den Link wieder entfernt habe. Cowboy

  • ^ Auch in der LVZ ist nur von der Zufahrt die Rede. Ich denke aber mal, früher oder später sickert dann durch, dass auch an den von dir genannten Punkten gespart wurde. Die Stadt sollte, was das betrifft, definitiv keine Kompromisse eingehen. Solange es aber wirklich bei der eingesparten Zufahrt bleibt, ist es eher ein gewinn für die Stadt.

  • War nicht die bisherige Variante schon abgespeckt genug. Kann man ja bloß hoffen, dass keine überschüssigen Teile des Paunsdorf Centers mit eingearbeitet werden. :lach: Na ja, ich hoff trotzdem das Beste, auch wenns schwer fällt.

  • @ Dase, stahlbauer, 19 ct boy,


    ich glaube nicht, dass die Sparvariante weitere optische Beeinträchtigungen am Gebäude nach sich ziehen wird. Dies weiß die Stadt (und das Architektenbüro Grüntuch/Ernst) mit Sicherheit zu verhindern. Es wird vermutlich gespart, was ohnehin überflüssig ist (wie z.B. die zweite Zufahrt). Ein zweites Paunsdorf Center mitten in der Stadt ist nicht zu befürchten.

  • Zur geplanten Sparversion der Höfe am Brühl gibt es jetzt auch einen LVZ-Videobeitrag. Darin verdichten sich die Anzeichen, dass diese nur den Wegfall der einen Zufahrt vom Tröndlinring beinhaltet. Die geplante Unterführung der Richard-Wagner-Straße sei mit dem Wegfall der Zufahrt nicht mehr erforderlich, weshalb viel Geld eingespart werden könne. Es soll somit nur noch eine Zufahrt vom Halleschen Tor geben. Ausschussvorsitzender Joachim Fischer sieht diese Änderung aus städtebaulicher Sicht positiv. Er geht davon aus, dass sie Ende Februar im Stadtrat eine Mehrheit findet. Die Stellflächen für PKWs sollen sich hingegen nur um 60 auf 800 Plätze reduzieren.


    http://www.lvz.de/aktuell/content/87777.html#car

  • Heute ein weiterer Beitrag zum Thema in der Lizzy. Darin wird u.A. auf die Tatsache eingegangen, dass ursprünglich für die geplanten > 800 Parkplätze selbst zwei Zufahrten als zu wenig erachtet wurden. Der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Roland Quester, gibt zu bedenken, dass der Knoten Tröndlinring/Gerberstraße/Am Hallischen Tor damit in Spitzenstunden dauerhaft das Potential zur Staufalle habe. Wenn man sich anschaut, wie kurz die Rückstaumöglichkeit vom Ring zur geplanten Einfahrt ist, ist das m.E. absolut nachvollziehbar. Er fordert im weiteren die Reduzierung der Stellplätze auf 500 und damit auch der Verkaufsfläche.


    Im weiteren geht man auf weitere Aspekte ein. u.A. zum Branchenmix, der sich wohl bisher recht schwierig gestaltet, sowie allgemein um die Kleinteiligkeit der Innenstadt und der verfügbaren Mietflächen. Das führt wiederum zum m.E. wichtigsten Punkt: das Sträuben der Stadtplanung (auch im bereits oft diskutierten aktuellen Stadtentwicklungskonzept), für die bislang vernachlässigten Innenstadt-Quartiere Perspektiven zu entwickeln, die auch Midi- und Mini-Investoren wieder Spielräume eröffnen, Nutzungsarten erlauben, die einmal nicht nur mit Shopping zu tun haben, und vor allem die City endlich wieder als Wohn- und Lebensort zu entwickeln.. Dies gilt insbesondere auch für den Matthäikirchhof, der ja vor kurzem erst Thema hier im Forum war.