Leipzig: Höfe am Brühl (eröffnet)

  • Leipzig: Höfe am Brühl (eröffnet)

    Jetzt wird es mal Zeit ein eigenes Thema zur Brühlbebauung zu eröffnen.
    Die Verkleidung von http://www.fischer-art.de wurde entfernt und wie schon beim Thema: "Bausituation in Leipzig" bericht, die 3 Wohnblöcke und die Zwischenbauten, wo bis vor kurzem noch Geschäfte untergebracht waren, werden entkernt bzw. abgerissen.






    Heute sind auch die Würfel für die Brühlbebauung gefallen. Das Berliner Büro „Grüntuch-Ernst“ bekam den Zuschlag. Geplant sind demnach Geschäfte, die aber nicht wie eine klassische Shoppingmall angeordnet werden, sondern viele Freiräume lassen. Auf dem Dach sollen Wohnungen im Stadthausstil entstehen. Der Baubeginn ist im Herbst nächsten Jahres geplant - 2010 soll das neue Brühl-Areal eröffnen.

  • Wie das Leipziger Studentenradio mephisto97,6 in Erfahrung bringen konnte, hat sich der Entwurf von Grüntuch und Ernst deshalb durchsetzen können, weil dieser sich am besten ins Stadtbild einfügt. Es sollen mehrere Gebäude entstehen, die mittels Passagen aus Glas verbunden werden.


    Grüntuch und Ernst machten jüngst in Berlin-Mitte mit dem Projekt 3 Leipziger auf sich aufmerksam, an dem sich bekanntlich auch die Patzschkes beteiligten.


    EDIT: Jetzt gibt es die ersten Bilder des Siegerentwurfs zu sehen (Bild 4 bis 7):
    http://www.lvz.de/slideshow/content/bruehlbebauung.html

  • Schwer zusagen ob mir der Entwurf gefällt. Besser als der Istzustand siehts alle mal aus und die Idee etwas Kleinteiligkeit zu schaffen, statt einer riesigen Shoppingmall ist gut. Abwarten wie's fertig aussieht bzw neue Visualisierungen kommen.

  • für ein einkaufscenter ist der entwurf schon ganz passabel, für diesen standort ist er es noch nicht. mal sehen, was die weiterentwicklung des entwurfs noch bringen wird. richtig originell sind eigentlich nur die riesigen lamellen-porträts leipziger musiker, innen wie aussen. falls die noch wegrationalisiert werden, wird es völliger einheitsbrei.

  • Die Innenansicht des Siegerentwurfs erinnert mich stark an die Fünf Höfe in München, speziell die "hängenden Gärten". Wobei mir der dritte Platz aufgrund seines Aussichtsturms besser gefallen hätte...


    ...aber ehrlich gesagt, alles ist besser als der jetzige Bestand. Leipzig ist insgesamt eine der schönsten Städte Deutschlands für mich...und das von einem Münchner ;)


    münchner.

  • münchner, da hast du recht. die ähnlichkeit innen zu den "fünf höfen" ist mir auch schon aufgefallen. von aussen sollen noch parzellenstruktur und vertikale fassadengliederungen stärker herausgearbeitet werden. mal sehen, was dabei herauskommt.


    p.s.: der dritte platz erinnert mich eher an "fünf busbahnhöfe".

  • richtig originell sind eigentlich nur die riesigen lamellen-porträts leipziger musiker, innen wie aussen. falls die noch wegrationalisiert werden, wird es völliger einheitsbrei.


    Nun, meines Erachtens handelt es sich um Portraits von Clara Schuhman, deren hübsches Gesicht vor einigen Jahren noch unsere 100DM Scheine zierte, auf der anderen Visualisierung meine ich Goethe zu erkennen. Beide verbrachten wohl auch Zeit in Leipzig. Clara Schumann war die Frau Robert Schumanns und Klaviervirtuosin und Komponistin. zu Goethe muss man ja wohl nichts sagen;)

  • ^ Nee, Goethe war kein Musiker, deshalb ist auch Richard Wagner zu sehen. Wagners Geburtshaus stand bis 1886 direkt auf diesem Areal.


    Edit: Der Brühl hat evtl. doch großen Einfluss auf den jungen Goethe gehabt. Ein Experte will aus seinem ersten Gedichtband an Behrisch und - verschleiert - aus "Dichtung und Wahrheit" herausgelesen haben, dass Goethe in Schönkopfs Weinhaus am Brühl sich unsterblich und heftig in die Gastwirtstochter verliebte, die seine Liebe jedoch nicht erwiderte. Seinen Liebeskummer soll er in "Die Leiden des jungen Werthers" und in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" mit verarbeitet haben. Vielleicht kann man diese Liebestragödie auch auf Lamellen darstellen.;)

  • Die Abrissarbeiten der Plattenbauten am Brühl schreiten zügig voran. HIER gibt es ein Update zur aktuellen Entwicklung. Außerdem ist mir zu Ohren gekommen, dass das ehemalige Interpelz-Gebäude nun abgesperrt ist. Die Abbrucharbeiten stehen somit unmittelbar bevor.


    Das Jahr 2007 ist damit das innerstädtische Plattenabrissjahr schlechthin. Erst fiel der riesige Uni-Komplex, und jetzt fallen die Brühl-Platten und das Interpelzgebäude. Das Gesicht der Innenstadt wird sich noch einmal stark verändern. Zum besseren auf jeden Fall, wenn in meinen Augen auch nicht immer zufriedenstellend.

  • Seit den sechziger Jahren prägt die Blechbüchs,am Ring das Leipziger Stadtbild.


    Ein Berliner Verein setzt sich jetzt aber dafür ein, dass die historische Sandsteinfassade, die hinter den grauen Waben schlummert, wieder ans Licht kommt. Die alte Außenhaut war nach dem Krieg nicht saniert, sondern mit einer Aluminium-Verkleidung verhängt worden.


    Der geplante Umbau des ehemaligen Kaufhauses im Zuge der Brühlbebauung ist eine einmalige Chance für die Wiederaufbereitung der jahrzehntelang versteckten Fassade


    In Leipzig will der Verein nun eine öffentliche Debatte zur Blechbüchse anstoßen, obwohl diese bereits heftig geführt wurde.Vielen gefällt ihr Äußeres, aber wir sehen keinen künstlerischen Wert darin.
    Olaf Plotke, Sprecher von MfI, hält wenig von einer neuerlichen Debatte: "Die Alufassade ist denkmalgeschützt. Solange das so ist, brauchen wir nicht über etwas anderes nachzudenken."


    Die Sandsteinfassade sei viel stärker zerstört als viele glaubten. Die historische Dachkonstruktion sei nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso abgeschlagen worden wie die Balkone und das Hauptgesims. Zudem hätte die Fassade Löcher.


    Dennoch könnte die alte Front zumindest kurz wieder zum Vorschein kommen, wenn die Blechbüchse für die neue Brühlbebauung saniert wird. Danach soll das Gebäude in das geplante Wohn- und Geschäftsareal integriert werden.



  • ^ *Ähem*, ich bin der Hauptschuldige für diesen Artikel. Ich habe im Namen von Stadtbild Deutschland (=Berliner Verein, was aber so nicht stimmt, da er nur in Berlin registriert ist) vor 2 Tagen u.a. die LVZ und andere Medien und Institutionen angeschrieben, dass wir uns für die Wiederherstellung der Sandstein-Fassade stark machen. Keine 2 Stunden später hatte ich 'ne LVZ-Autorin an der Strippe gehabt, die mich über die Hintergründe des Engagements ausfragte (die sind immer ganz heiß, wenn "Auswärtige" sich für Leipzig interessieren - wollen wohl nicht als Provinzblättchen angesehen werden). Da ich zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt war, alle Vorbereitungen für 'ne am Nachmittag bei mir stattfindende Kinder-Krabbel-Gruppe zu organisieren, und meine 2-jährige Tochter mir ständig in den Ohren lag, war ich etwas kurz angebunden. Die Autorin verriet mir aber auch nicht, dass sie mit meinem Gesagten und meinem Namen gleich 'nen Artikel schreiben würde. Da hätte ich ihr vmtl. gesagt, dass ich sie in 'ner ruhigen Minute zurückrufen werde. Naja, jetzt ist er geschrieben (ist eh nur ein Online-Artikel) mit ein paar Fehlern drin (z.B. bin ich schon 31 Jahre alt).


    Hier der ganze Artikel: http://www.lvz.de/aktuell/content/47813.html



    Mit diesen Vergleichsbildern habe ich mfi Essen, Grüntuch&Ernst, Stadtplanungsamt Leipzig, Denkmalschutzamt Leipzig, LVZ und die Leipziger Internetzeitung angeschrieben (Bildrechte gesichert):




  • Diese Woche ist nun auch das letzte Wohnhaus verschwunden. Ende April 2008 wird das Areal dann an die Firma mfi Essen übergeben. Es sind ca. 55.000 Tonnen Schutt und 100 Tonnen gefährlicher Müll angefallen.



  • mfi wird dann als nächstes den noch verbliebenen rötlichen plattenbau abreissen lassen. das dahinterliegende kaufhaus wird auch vollständig entkernt, nur die aussenmauern bleiben stehen. bin mal gespannt, wie das technisch bewerkstelligt werden wird. vielleicht wird die alu-fassade zumindest teilweise während der bauphase abgenommen. da könnte man dann sehen, was sich wirklich hinter ihr verbirgt.

  • Wirkt sehr eintönig. Differenziertere Baukörper und vorallem eine abwechslungsreichere, gerne auch etwas höhere Dachlandschaft würde sich wesentlich besser machen.Das Gebäudeeck an der Kreuzung sollte auch betont werden, sei es nur durch eine Rundung oder einen Erker (die Gründerzeithäuser im Umfeld machen's vor). Mäckler hat das auch ganz gut und zeitgenössisch hinbekommen.


    Die Idee mit den Darstellungen berühmter Leipziger finde ich in dieser großformatigen Umsetzung absolut nicht ansprechend. Schade, dass es keinen besseren ersten Platz gab.

  • ^ Das sehe ich ganz genau so. Bei den Bildern handelt es sich aber nicht um ein neues Rendering, sondern um das alte in groß. Baudezernent Martin zur Nedden betonte, dass Grüntuch & Ernst die Fassaden gründlich überarbeiten, so dass im Moment in dieser Hinsicht kein Anlass zur Kritik bestünde. Auch die großformatige Darstellung berühmter Leipziger Musiker auf Lamellen wird so vermutlich nicht umgesetzt werden. Die Gestaltung der Baukörper soll sich aber nicht mehr ändern. Schade.

  • da stellt sich wohl die grundsätzliche frage, ob ein gebäude von innen nach aussen oder von aussen nach innen entwickelt wird.
    erker sind dazu da, in schmale, tiefe räume tageslicht zu lassen. da dies bei einem shoppingcenter nicht von nöten ist, braucht man auch keine erker. im gegenteil: schaut man sich shoppingcenter an, wird schnell klar: das einfachste sind bunker (limbecker platz essen, alexa berlin, centrum-galerie dresden). um irgendwie innenstadtkompatibel zu wirken, kann man solche bunker auch mit - in der praxis zugestellten - lochfassaden tarnen (duisburg, wiesbaden, ...).
    das eine wie das andere kann nicht wirklich befriedigen. solche lamellenfassaden wie die von grüntuch und ernst vorgeschlagenen können sicher auch nicht jeden glücklich machen. aber wenigstens besitzen sie eine gewisse originalität und einen wiedererkennungswert. das ist doch allemal besser, als den mediokren typ x oder y einfach wieder mal nachzubauen.


    interessant wird sein, ob in der weiteren überarbeitung des entwurfs dessen stärken noch besser betont oder zu allerweltsbrei eingestampft werden.

  • Sollte mfi noch grundsätzliche Änderungen am Entwurf zulassen, würde ich mir wünschen, dass die Architekten noch eine Reihe von Durchgängen zwischen dem Brühl und der Richard Wagner-Straße in ihre Pläne einarbeiten. An den Schnittpunkten mit der zentralen Mall könnte ich mir ähnlich wie in der jetzigen Planung unterschiedlich große Höfe vorstellen. So entstünden mehrere Durchhäuser (entsprechend der Tradition in Leipzigs Altstadt) deren verbindendes Element im Inneren die zentrale Mall wäre. Das Center wäre so meines Erachtens städtebaulich wesentlich besser in die Umgebung eingebunden. Einer Parzellierung der Außenfassade stünde dann auch nichts mehr im Wege. Da mfi gegenüber Kunst am Bau aufgeschlossen sein soll, böten sich die Höfe für eine Ausgestaltung an. Bekäme jeder Hof noch einen eigenen Namen, wäre dieses Projekt tatsächlich ein Stück weit von der üblichen Centerarchitektur entfernt. Bisher lässt sich das noch nicht sagen. Nicht einmal der Bebauungsplan der Innenstadt wurde beachtet. Der verbietet oberirdische Parkdecks, von denen mfi zur Zeit zwei plant.


    Liest man sich heute noch einmal den Auslobungstext des Architekturwettbewerbes durch und vergleicht das mit dem Ergebnis, dann liegt die Vermutung nahe, dass das Verfahren in etwa so abgelaufen sein dürfte: Den Auslobungstext durfte die Stadt schreiben, das Ergebnis aber allein mfi bestimmen. ;)
    Ein Ausschnitt:
    „[…] Mit dem Blick auf die Prominenz des Standortes, seine Größenordnung und die historischen Identitäten der Leipziger City als Handelsplatz hat die Ausloberin die Erwartung, dass am Brühl in Leipzig ein zukunftsgerichteter Prototyp für ein integriertes, innerstädtisches Einkaufszentrum entwickelt wird. Daher werden mit dem Wettbewerb Lösungen gesucht, die auf intelligente Weise eine für ein innerstädtisches Einkaufszentrum spezifische Ausgewogenheit zwischen der inneren Erschließung für Handelsnutzung und dem Kontext zum umgebenden öffentlichen Stadtraum herstellen können. Dabei ist die besondere Charakteristik der traditionellen Leipziger Passagensysteme zu reflektieren. Der Brühl ist zu einer positiven Unverwechselbarkeit zu entwickeln. Kleinteiligkeit, Individualität und intelligente Wiederaufnahme und Weiterentwicklung der Ortstypik sind die Prämissen für immerhin zwei Quartiere. Zu schaffen ist ein spannendes Raumgefüge, ein innovativer Typus aus unterschiedlich geprägten Ebenen, Nutzungsformen und Erschließungen, eine differenziertes und vielfältig erlebbares Stück neue Stadt. […]“