Nürnberg - Lounge

  • Also,ich geb dir recht das sagt man von seiner Heimatstadt immer leicht. Aber da ich bei der U-Bahn in Nürnberg arbeite,hab ich jetzt während des Christkindlesmarktes mit VIELEN Touristen gesprochen und kontakt gehabt, und die könnten sich auch sehr gut vorstellen hier zu leben,das erleb ich halt ziemlich oft.(Kann auch nichts dafür,is halt so)!!

  • Nach meiner Wahrnehmung ist Nürnberg mehr bekannt als andere Städte vergleichbarer Größe. Das liegt vor allem an den internationalen Leitmessen, die Leute aus aller Herren Länder anziehen: Spielwarenmesse, IWA, BioFach usw. usf. verschiedene Hightech-Messen ...

  • Grins...
    oder auch an internationalen Leitmessen wie Kriegsverbrecherprozessen und Reichsparteitagsrelikten.


    Natürlich auch internationale Christbaumkugelmärkte, logisch.


    Aber im Ernst, was mir beim Thema der diversen, doch sehr unterschiedlichen Halbmillionenstädte meist etwas schwer im Magen liegt, ist der völlig hinkende Vergleich mit Leipzig und Dresden.


    Mal ehrlich, ich reise dorthin des öfteren und auch ganz gerne, aber vom Stadtleben, vom Stadtbild (bei allen Nürnberger Wunden), von der erlebten Lebendigkeit der Region mit der Stadt als Zentrum, sind diese beiden Städte doch wohl meilenweit entfernt.


    Ganz nebenbei, zu den ganz nüchternen und meist verzerrt wiedergegebenen Argumenten: Leipzig ist ausgeblutet, nur im Kern erkennbar als Stadt intakt (wieder), auf sehr weiter Fläche aber nur rudimentär als Stadtgebilde erkennbar und flächig vollständig ruinös, umzingelt von einem völlig beliebigen Fertighallen-Aldi/kik/Ramsch-"Center"-Gürtel, der die Stadt und die umliegenden Städte endgültig abgetötet hat. Und vor allem und stets unterschlagen: Leipzig ist bevölkerungsmäßig ausgestorben. Die angebliche Bevölkerungszahl lebt schlicht nicht in Leipzig, sondern viele Tausend davon in getrennten Orten, die noch vor wenigen Jahren nicht zur Stadt gehörten. Wenn man also so überflüssige Dinge vergleicht, wie die reine Einwohnerzahl (ob nun 488, 511 oder 503000, merkt man das?), dann doch bitte auf einer vergleichbaren Basis.


    Das hieße, entweder Leipzig in als solchen erkennbaren Grenzen von 1990 oder Nürnberg nach der imaginären (und naheliegenden aber irrealen) Gebietsreform inklusive Stein (14000), Schwaig (8000), Röthenbach/Peg. (12000), nur als Beispiel, schon wärens 34000 mehr...soviel zur Halbmillionenstadt Leipzig.


    Ganz nebenbei reden wir hier von Nürnberg/Fürth, was zweifellos gerade in der Betrachtung außenstehender eine Einheit bildet (lokales mal außer Acht gelassen). Da gehts dann weiter, was ist mit Zirndorf (26000), den -asbachs (17000), zu Fürth (114000)? Zu Nürnberg?


    Man rechne zusammen und vergesse als gerade wirtschaftlich sehr wichtigen Teil des Städtedreiecks Erlangen (105000) nicht, was außenstehende ebenfalls als Teil des Batzens "Nürnberg" wahrnehmen. Auch ER hätte einige unmittelbar angrenzende Wohnnester, die faktisch Teil des städtischen Bereichs sind, Bubenreuth (5000), die VG Uttenreuth (5000), Möhrendorf (4000).


    Nein, nicht Bayreuth oder Ansbach. Das ist einfach nicht Teil des verstädterten Bereiches "Nürnberg", der für jeden Fremden als solcher empfindbar und erkennbar ist.


    Aber N-FÜ-ER, mit den unmittelbar tangierten Städten aber noch eigenständig erkennbaren Städtchen und Märkten wie SC (38000), LAU (26000), Herzogenaurach (23000), Wendelstein (16000), Feucht (13000) sehr wohl. (Man verzeihe mir die nicht vollständige Aufzählung als Altdorfer, Rother usw, ich meine, irgendwo dor, wo eine längere Trennung durch Forst oder Land kommt, ist dann mit dem empfundenen Verstädterungsbereich einfach Ende, gilt ggf. auch für Wendelstein und Feucht, die ich wie Herzo, LAU und SC eben als die ersten eigenen Städtchen UM den Verstädterungsbereich empfinde.


    Und dann vergleiche mal erneut mit der "Halbmillionenstadt" Leipzig und man wird zu einer anderen Bewertung kommen, denn die ganzen unmittelbar einst angrenzenden Käffer sind dort überwiegend längst als "Stadtgebiet" mitgezählt.

  • ich gebe "Klaus1971" völlig recht in seiner beschreibung von Fläche und Bewohnerschaft in Nürnberg, Dresden und Leipzig. Nürnberg ist, wie es heute OB Maly in seiner Neujahrsbotschft erwähnt hat, eine der dichtbesiedelsten Städte Deutschlands.


    Allerdings haben sowohl Leipzig als auch Dresden eben den Vorteil, das beide Städte nur ein Rathaus haben. Wieviele hat der Großraum Nürnberg? Das ewige gezänk um U-Bahnerweiterungen und dergleichen ist leider teil der fränkischen realität. man ist ja dabei sich zu stärkerer zusammenarbeit zusammen zu raufen, es gibt ja auch keine alternative, aber politisch ist die steuerung hier doch wesentlich komplizierter.


    letztlich muss man auch eingestehen, das Nürnberg von Dresden bezüglich seiner medialen inszenierung weit abgehängt wurde. das hat natürlich auch mit dem hohen interesse an wiederaufbauleistung in ostdeutschland zu tun. dresden wurde zum synonym für sichtbare erfolge der vergangenen 20 Jahre. ausserdem ist die stadt regierungssitz und genießt dadurch zusätzliche privilegien. trotzdem darf man sich in Nürnberg nicht einfach damit vertrösten sondern muss die stadt gut positionieren!


    im falle von leipzig ist es vor allem die "junge kreative klasse" die der stadt ein gutes image verleit. anders als in Nürnberg ist die Uni hier im stadtzentrum und somit wesentlicher impulsgeber für cafes, restaurants und bars. die günstigen mieten in den ja üppig vorhandenen und sehr gut sanierten altbauquartieren sind bundesweit ja auch einmalig. die kurze fahrtzeit nach berlin hat leipzig bislang weniger geschadet als geholfen junge köpfe in wissenschaft, kunst und kultur anzuziehen.


    Für Nürnberg sind beide Städte dirkete kokurrenten die ernst genommen werden müssen. beide werden gern als dynamische und flexible metropolen im aufbruch dargestellt. Wie steht es da um Nürnberg?


    Der Eiserne Vorhang war gewissermaßen eine große Chance für Nürnberg. Vor dem Krieg konnte es sich weder mit Dresden noch Leipzig wirtschaftlich, politisch und kulturell messen. Die Teilungsjahre waren für Nürnberg ein Chance die die Stadt genützt hat um zu überhohlen und innerhalb der halbmillionenstädte in Fürhung zu gehen. die städtische infrastruktur dieser zeit symbolisiert das recht anschaulich (Messe, Hafen, U-Bahn, Flughafen und vieles mehr). Der tatsächliche Vorsprung sollte nun nicht wieder verloren gehen.



    D.

  • Dexter, da wird ein Schuh draus, genau.


    Ich besuche leipzig immer wieder gerne, ich wollte nur die doch sehr augenfälligen Unterschiede beschreiben, die diese Vergleiche immer etwas hilfos wirken lassen.


    Leipzig ist schräger, weniger in sich etwass zu sehr ruhend. Aber Leipzig ist eben auch unheimlich gehypt, wie ich rein persönlich finde, doch etwas übertrieben, denn das "wunderschöne Leipzig" beschränkt sich eben auf einen Quadratkilometer, das Gleiche gilt für das "wunderschöne Dresden", was allerdings immer und immerwieder als Synonym für die Gesamtheit dieser Städte gebraucht wird-aber eben die Realität nicht trifft. Leipzig ist halt auf sehr weiter Fläche Leerstand, Ruine, Brache und ungeklärte Verhältnisse. Und der "besondere reiz", von dem ich mich keineswegs freimachen kann, läßt dann nach einer Weile doch nach. Dann ist halt Ende mit "hip" und "anders", es bleibt Leere, Ruine und Verfall neben einem geschniegelten und zweifellos attraktiven kleinen Zentrum.

  • ich denke dexter trifft den nagel viel genauer auf den kopf, als klaus. was die bevölkerungszahl der regionen angeht, liegt der raum nürnberg klar vorne. egal in welche richtung man mit dem pkw leipzig verlässt, nach spätestens 30 minuten ist man rechts un links von landwirtschaftlichen feldern umringt. da kommt nicht mehr viel. etwas weiter kommen dann wieder die chemie-gürtel bei halle (saale) und bitterfeld (wird wohl kaum jemand hier kennen, der nicht ab und zu mal "drüben" ist). allerdings scheint klaus auch nicht viel zu sehen, wenn er in leipzig ist, was seine schilderungen angeht. wie auch immer bringen doch die reinen zahlenvergleiche überhaupt nichts. da kann sich berlin mal ganz kurz toll fühlen, wieviele museen sie haben, und das wars. nürnberg hat einen klaren vorteil, dass es sich bereits seit 60 jahren frei entwickeln konnte, das werden dresden un leipzig schon so schnell nicht aufholen. da werden bestimmt nochmal 20 jahre vergehen, eh die beiden städte in einem belieben ranking an nürnberg vorbeiziehen könnten ... außer den arbeitslosenzahlen. da schaffst nürnberg nie vor leipzig! :P

  • Auf mich wirkt diese Diskussion eher belustigend. Das Schöne an Deutschland ist doch die Vielfalt! Hypes kommen. Hypes gehen. Das Interessante bei der Entwicklung in Leipzig ist jedoch, dass ca. 2000, also nach den von Klaus1971 erwähnten Eingemeindungen, alle Prognosen aufzeigten, dass Leipzig Einwohner in einer Größenordnung von 100.000 und mehr verlieren wird. Die pessimistischste Prognose sagte für 2030 eine Einwohnerzahl von 390.800, die optimistischste von 504.800 voraus (Quelle: PlusMinus Leipzig 2030, E. Lütke-Daltrup und M. Doehler-Behzadi, Wuppertal 2004).


    Bislang verlief die Entwicklung also anders als gedacht. Und zwar, nach meiner Einschätzung, weil regionale Firmen nicht entsprechend dieser Prognosen handelten. Statt den Vorgaben der Fachleute zu folgen, wurden ganze Gründerzeitviertel saniert und Firmen gegründet.


    Klaus1971 hat natürlich recht, wenn er die Problemviertel in Leipzig anspricht. Aber, erstaunlich ist doch wie schnell die Sanierung nach 2000 ablief. Im Moment ist auch noch kein Ende abzusehen. Man kann gespannt sein, wie es weiter geht.



    Wenn ich in Nürnberg arbeite, erstaunt es mich immer wieder, wie schnell man den urbanen Raum verlassen hat.;)



    Der Großraum „Nürnberg bildet zusammen mit seinen direkten Nachbarstädten Fürth, Erlangen und Schwabach ein Ballungsgebiet, in dem 1,2 Millionen Menschen leben“
    Quelle: WIKIPEDIA




    Im Großraum Leipzig-Halle leben 996.100.
    Quelle: WIKIPEDIA


    Nürnberg hat also gewonnen.:lach:


    Ich liebe Statistiken!

  • Bei aller Belustigung ist die Anzahl der Bewohnerschaft ein echter Standortfaktor und höchst wichtig für eine stadt in Bezug auf deren Finanzaustattung. Viele Zuweisungen der Länder an Städte erfolgen pro-kopf. Spezfische infrastruktur in Kultur oder Verkehr stehen Großstädten auch erst ab gewissen Einwohnerzahlen zu, bzw. werden dann gesondert gefördert durch Bund und Land. Diesbezüglich gibt es festgelegte Normen und Richtlinien.



    Der Vorteil von Dresden und Leipzig während der späten 1990er Jahre war, dass durch die flotte Eingemeindung die Talfahrt bei der Einwohnerenticklung erst mal gestoppt werden konnte. Man gewann damals also Zeit und verlor auch kein Geld aus Bundes- und Landeszuweisungen. Ausserdem gelang es, die Finanzströme zu bündeln. Die schicken Innenstädte mitsamt der teils neuen Verkehrsinfrastruktur (siehe Tunnel Leipzig) konnten so erst gerechtfertigt und finanziert werden!



    in Nürnberg hat man es dagegen mit einem klassischen Fall westdeutscher Stadtentwicklung zu tun. Die letzte große Eingemeindungswelle Anfang der 70er beendete das städtische Flächenwachstum. Da die Nachbargemeinden mit günstigen und attraktiven Grundstücken in damals beschaulichen Gegenden aufwarten konnten, die Kernstadt zusätzlich Straße und Schiene ausbaute, war der Suburbanisierung Tür und Tor geöffnet.


    Die Folge: Verhältnismäßig sehr reiche, aber kleine Gemeinden um die Kernstadt welche allesamt zu klein sind um in die Verpflichtung des Unterhalts defizitärer städtischer infrastruktur zu kommen (Theater, Schwimmbäder, Hochschulen). Die wohlhabende und recht homogene Bewohnerschaft gönnt sich dort gern so manchen schönen Luxus in Form von unzähligen, geförderten Vereinen in schicken Sportheimen und Gemeindezetren als auch gepflegteren Straßen. Mit typischen sozialen "Großstadtkosten" ist man ja auch kaum belastet (geringere Sozialausgaben z.B. bei hartzV). Jene Bürde trägt dann eben die Kernstadt. Allerdings hat die dann meist auch ihre Mittel und Wege, jene Gemeinden durch gezielte Verkehrspolitik, eine alte Achillesferse dieser kleinen Gemeinden, politisch unter Druck zu setzen (geschah in Nürnberg in Form von ÖPNV oder Straßenabindung des öfteren).



    Dies kennzeichnet die politische Struktur vieler westdeutscher Städte - zum Beispiel eben der Nürnbergs. Die poltischen Zusammenhänge sind im Vergleich zu Dresden oder Leipzig eben komplizierter, die institutionen nach aussen hin weniger flexibel weil verwobener und schwächer zentralisiert. Dafür sind sie vielleicht etwas bürgernäher. Wenn es aber um Großprojekte geht zeigt sich gerade deutlich die Anfälligkeit dieser Kleinteiligkeit (siehe Erweiterung U3 oder Stadtbahn nach Erlangen).



    Wie damit in Zukunft zu verfahren sein wird, muss sich erst noch zeigen. Die Auflösung des Fürther Landkreises zugunsten der Städte Nürnberg und Fürth wäre zum Beispiel ein enormer Vorteil für die beiden großen Kommunen. Anders als im Umland des damaligen Dresdens oder Leipzigs (1990er Jahre) wohnt hier nämlich ein steuerkräftiges Klientel!


    D.

  • Au Backe, da hab ich ja was losgetreten, so wars nicht gemeint. Genau im Gegenteil.


    Ich wollte hier kein besser/schlechter oder X vs. Y lostreten, sondern einfach verdeutlichen, daß ich Vergleiche, die sich NUR aufgrund einer momentan statistisch gegebenen amtlichen Einwohnerzahl begründen, eben noch lange keine vergleichbaren Grundlagen ergeben, weil man von völlig verschiedenen Paaren Schuhen spricht.


    Die Gründe, die für auch durchaus zeitgemäße, sinnvolle Dinge wie Neuziehung von Verwaltungsgrenzen, eben gerade wegen Bevölkerungswanderung und Abwanderung sprechen, sind dabei gar nicht das Thema. Wie ich schrieb, wäre das auch gerade im Raum Nürnberg, wie auch andere schrieben, eine sehr sinnvolle Sache aber eben aufgrund westdeutscher, festgefahrener Verhältnisse, die eine gewisse Unbeweglichkeit ergeben, dringend vonnöten, es wurde anderweitig schon angesprochen, ÖPNV, Auftritt nach außen usw.


    Schon gar nicht spreche ich "gegen Leipzig" oder irgendsowas kleinkariertes. Es geht nur um den Vergleich von nicht vergleichbarem, weiternichts, da kann ich Nürnberger sein so viel ich will :)


    Zu guter Letzt möchte ich hinzufügen, daß ich Leipzig nebst seiner Umgebung sehr wohl wahrnehme, wie mehrfach geschrieben, aber eben erhebliche Unterschiede und teilweile eine erschreckende Entwicklung der Struktur wahrnehme, die leider in vielen Städten, die nach 1990 begannen, wieder solche zu werden, vorhanden ist. Auch das richtet sich nicht "gegen Leipzig", sondern ist allgemeingültig für viele Regionen und eben in den neuen Ländern aufgrund des Schubs in kurzer Zeit deutlicher erkennbar, was für viele Städte sehr schade ist, enn sie hätten bessere Konzepte verdient, als Leerstand in der Stadt und "Center" auf der vormals grünen Wiese.


    Das gilt natürlich auch, aber eben in abgeschwächter Form alleine aufgrund der nicht so starken Entwicklungsschübe, auch für manches Beispiel in den alten Ländern, an anderer Stelle habe ich eben das auch für Nürnberg benannt - gezieltes, qualitativ hochwertiges Fördern der Nutzung von Brache vs. Neuversiegelung auf der grünen Wiese. Das wäre Aufgabe von Politik, nicht das kleinkarierte bewahren von engräumigen Funktionen in kleinsten und nicht koordinierten Verwaltungsbereichen.

  • Ehrlich gesagt ist mir nicht so ganz klar, was eigentlich an Leipzig so toll sein soll. Es gibt dort an sich keine herausragenden Sehenswürdigkeiten und auch sonst??? Allerdings hatten die ein gutes Stadtmarketing mit einem Slogan, der eingängig war: Leipzig kommt. Nürnberg mit seinen starken Köpfen sah da etwas albern aus dagegen.


    Bei Dresden schaut das schon etwas anders aus. Da sind erst einmal die touristischen Highlights, die kann man einfach nicht wegdiskutieren. Dann ist es eben Landeshauptstadt und dann gibt es dort doch moderne Industrie (Elektronik). Da kann Nürnberg überhaupt nicht mithalten.
    Und vom Flair her, da wirkt Nürnberg schon provinziell gegen Dresden.


    Ein Minuspunkt für Nürnberg mag auch sein, dass hier keine TV-Serien spielen. Es gibt Serien (meist Krimis) aus Rosenheim, Bad Tölz, München, Konstanz, Halle, Leipzig, Dresden, Berlin, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Münster, Bremen, Hamburg, Saarbrücken, Kiel, Lübeck, Wismar usw. usw.
    Nürnberg - Fehlanzeige. Der arrogante Häuptling vom BR namens Gruber meinte ja mal auf die Anfrage wegen eines zweiten Tatort-Spielortes in Bayern, das käme nicht in Betracht. Wieso funktioniert dass dann aber in NRW und BaWü? Eine Serie bringt eben doch ein Stück Bekanntheit.

  • Als gebürtiger Amberger, bin ich lediglich eine halbe Autostunde von Nürnberg gross geworden und habe später in Leipzig studiert.


    Leipzig ist bis heute für mich die faszinierendste Stadt Deutschlands und weist eben vieles auf was Nürnberg nicht hat (und auch keine andere westdeutsche Stadt in dieser Grösse): urbanes Flair (eben auch abseits des Zentrums), bei viel Freiraum für Kreativität und dies verbunden mit einem hohem Bestand an Bausubstanz aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert!
    Keine andere Stadt in diesem Land hat wohl auch nur ansatzweise so viele Gebäude aus dieser Zeit wie Leipzig: Musikviertel/Südvorstadt, Waldstrassenviertel, Gohlis etc.


    Die Hochschulen Leipzigs sind grösstenteils zentrumsnah angesiedelt: die Uni sogar im Stadtzentrum, die Hochschulen für Musik und für Graphik und Buchkunst an die Innenstadt angrenzend im Musikviertel und die HTWK(FH) in der Südvorstadt.


    Und hier hapert es halt insgesamt in Nürnberg.


    Das Vorkriegsnürnberg war zwar wohl eine verschlafene Stadt, aber das mittelalterliche Stadtbild herausragend in Europa.


    Danach wurde die Stadt, dem Zeitgeist gemäss, bieder wieder aufgebaut. Wobei es noch schlimmer hätte sein können, wie andere Beispiele zeigen. Dennoch ist der Verlust an herausragenden Bürgerhäusern in Nürnberg schmerzlich zu beklagen (Toplerhaus, Pellerhaus, etc.)


    Nürnberg hat sich seither, als Zentrum eines prosperierenden Ballungsraumes mit sehr guter Infrastruktur, wirtschaftlich und bezüglich der Einwohnerzahl gut entwickelt. Als Grosstadt aber strahlt es zu viel Biederkeit aus und mit dem Flair einer charmanten Mittelstadt kann es z.B. mit dem vom Krieg verschonten Regensburg in keiner Weise mithalten.


    Wobei Nürnberg sicherlich keine "schlechte Stadt" ist und durchaus Qualitäten hat, unter anderem die Burg, die Nähe zur fränkischen Schweiz und natürlich den CLUB!



    Ganz nebenbei, zu den ganz nüchternen und meist verzerrt wiedergegebenen Argumenten: Leipzig ist ausgeblutet, nur im Kern erkennbar als Stadt intakt (wieder), auf sehr weiter Fläche aber nur rudimentär als Stadtgebilde erkennbar und flächig vollständig ruinös, …


    Vielleicht solltest du dir mal ein paar Galerien über Leipzig ansehen, hier im DAF oder im APH


    Nur noch soviel:
    Leipzig verzeichnet seit längerem eine Re-Urbanisierung. Einerseits hat die Stadt in der vergangenen Dekade einen Einwohnerzuwachs - ohne Eingemeindungen - von 20'000 Personen zu aufzuweisen und andererseits leben in der Kernstadt heute 40'000 Menschen mehr als noch Mitte der Neunziger und ein Grossteil davon zog in sanierte Gründerzeitler!

  • Als gebürtiger Amberger bin ich lediglich eine dreiviertel Autostunde von Nürnberg groß geworden und habe später in Nürnberg studiert.


    Frankfurt ist für mich die faszinierendste Stadt Deutschlands, weswegen ich heute auch hier wohne. Frankfurt ist die ungleich dynamischere Stadt im Vergleich zu Nürnberg, was aber auch daran liegt, dass Frankfurt einfach unfertiger ist. Nürnberg hat eine schöne, intakte Altstadt und eine großstädtische Bebauung im gesamten Kerngebiet sowie weitgehend "abgeschlossene" Verkehrsinfrastrukturen, z. B. eine richtige U-Bahn (die ich in Frankfurt schmerzlich vermisse) und einen angemessenen und daher wohl fertig ausgebauten Flughafen, gute Autobahnverbindungen, etc.. Wenn man hier etwas baut, dann um punktuelle Verbesserungen zu erreichen, z. B. bei der U-Bahn.


    In Nürnberg gibt es zwar jede Menge biedere, relativ billige Nachkriegsarchitektur, aber man hat es dort geschafft, dass diese zwischen den erhaltenen oder wieder aufgebauten Altbausubstanzen nicht oder kaum negativ auffällt. Die gesamte Altstadt, die Gegend um die Burg, die Nordstadt, die Fürther Straße, auch die Südstadt - alles nach meiner Erfahrung städtebaulich "intakt", wie man so schön sagt. Trotz der Nachkriegsbauten hat man nicht das Gefühl, man müsste die Stadt nochmal komplett neu erfinden, so wie das in der Frankfurter Innenstadt der Fall ist.


    Das wiederum macht aber auch den Reiz von Frankfurt aus: dass die Innenstadt mit ihrer 50er-Jahre-Behelfsbebauung dermaßen grotesk entstellt wurde, hat man erkannt. Daraus ergibt sich ein viel größerer Veränderungsdruck, was eben Dynamik hervorbringt. Diese Stadt ist viel weiter von einem "fertig entwickelten" Zustand entfernt als Nürnberg. Die Stadtreparatur hat schon vieles zum Besseren gewendet, noch mehr wird kommen. Auf der einen Seite rekonstruiert man mittelalterliche Fachwerkhäuser, auf der anderen Seite baut man aber auch Wolkenkratzer mit spektakulärer "bionischer" Architektur mitten ins Zentrum, 5 Gehminuten von den Fachwerkhäusern entfernt. Gerade diesen Kontrast finde ich äußerst reizvoll, das macht Frankfurt einzigartig und dynamisch. Halt im Gegensatz zu Nürnberg, dort gibt es eben gar nicht die Notwendigkeit, so brachial durchzugreifen, höchstens hier und da ein bisschen aufzuhübschen. Abgesehen davon würden es die, sagen wir mal, eher skeptischen und traditionsbewussten Franken auch gar nicht zulassen, dass ihnen jemand ein Einkaufszentrum wie MyZeil in die Innenstadt setzt.


    Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass Frankfurt nochmal eine ganz andere Wirtschaftskraft aufweist als Nürnberg, obwohl auch diese sicher keine arme Stadt ist. Mein Fazit als Vergleich der beiden deutschen Städte, die ich am besten kenne: wer es gemütlich mag, ohne große Veränderungen, wer auf zwar großstädtische Angebote und exzellente Infrastruktur, aber doch eher auf Stabilität und Gutbürgerliches steht, der ist in Nürnberg prima aufgehoben. Für diejenigen, denen das auf Dauer zu langweilig wird und die mehr Baukräne in ihrer Stadt sehen wollen, denen Veränderung und Kontraste gefallen und die meinen, Hochhäuser können nicht hoch genug und eine Stadt müsse schon von weitem als Metropole erkennbar sein, die dafür eine städtebauliche Situation in der Innenstadt in Kauf nehmen, die teilweise noch "großes Potential zur Aufwertung hat", denen sei Frankfurt am Main ans Herz gelegt. ;)

  • Mein Beitrag sollte nicht darauf abzielen zu klären welche Stadt besser ist. Da hat sicher jeder seine eigenen Vorstellungen. Gegenüber Rankings und Prognosen habe ich aber erhebliche Vorbehalte.


    Vergleiche sind auch schwierig. In Nürnberg mag das Problem vor allem in der mangelhaften Abstimmung zwischen der Kernstadt Nürnberg und den umliegenden Gemeinden zu suchen sein. Das gleiche Problem gibt es in Leipzig jedoch auch. Zusätzlich gibt es aber das Problem, dass der Ballungsraum Halle-Leipzig von einer Landesgrenze durchschnitten wird.


    Ob Fernsehfilme wirklich geeignet sind, das Image einer Stadt zu verbessern? Bad Tölz, als Beispiel, kann ich nicht mit einem Stadtbild verbinden, trotz Ottfried Fischer. Und obwohl ich schon mehrfach in dieser Stadt war.


    Etwas dazu sagen, wie die Situation in Nürnberg verbessert werden könnte, ist schwierig. Man will den Nürnbergern ja nicht zu nahe treten. Vielleicht so viel:


    - Fränkische Bodenständigkeit kann man auch übertreiben.
    - München ist nicht an allem schuld.
    - Hotels kann man auch mal renovieren. Oder gleich neu bauen. Das betrifft besonders die reichen Umlandgemeinden.



    Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin immer wieder gern in Nürnberg (Sonst würde ich hier gar nichts posten). Hin und wieder hatte ich aber den Eindruck, dass Gäste eher als störend empfunden werden.

  • Tja, das Problem bei Nürnberg ist eben in erster Linie, dass es hier kaum Firmensitze größerer Unternehmen gibt. Und das wirkt sich eben drastisch auf die Wirtschaftskraft und auch auf die Urbanität aus.
    Natürlich braucht sich Nürnberg von der Lebensqualität überhaupt nicht verstecken. Aber es ist schon traurig, was hier noch an Industrie da ist. Und eben keine Hauptverwaltungen, sondern nur Produktionsstätten.
    In München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Essen, Hamburg und in Herzogenaurach sitzen eben viele Dax-Konzerne, in Nürnberg ist da Fehlanzeige.


    Der zweite große Nachteil ist die fehlende Universität. Auch die (in Altdorf, gehörend zur Stadt Nürnberg) wurde von München gekippt, wie so vieles ...

  • Zitat

    Ein Minuspunkt für Nürnberg mag auch sein, dass hier keine TV-Serien spielen. Es gibt Serien (meist Krimis) aus Rosenheim, Bad Tölz, München, Konstanz, Halle, Leipzig, Dresden, Berlin, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Münster, Bremen, Hamburg, Saarbrücken, Kiel, Lübeck, Wismar usw. usw.
    Nürnberg - Fehlanzeige. Der arrogante Häuptling vom BR namens Gruber meinte ja mal auf die Anfrage wegen eines zweiten Tatort-Spielortes in Bayern, das käme nicht in Betracht. Wieso funktioniert dass dann aber in NRW und BaWü? Eine Serie bringt eben doch ein Stück Bekanntheit.


    Man kann ja viele Dinge anführen, die Nürnberg leider nicht hat und die wünschenswert wären. Aber die - auch politisch und medial geführte - Diskussion um einen "fränkischen Tatort" ist nur noch peinlich. Diese Forderung lässt Nürnberg und Franken insgesamt viel biederer und ländlich-rückständiger dastehen, als die Gegend ist.

  • Es ist zwar schön, die Stadt, in der man lebt im Fernseh zu sehen, aber das war schon! Man sehe sich doch mal die vermutlich neben Berlin am stärksten im TV vertretene Stadt: Köln an. Hab mir viel erwartet, als ich das erste mal in der Stadt war, wurde aber bitterlich entteuscht... Und im Tatort aufzutauchen verändert das Stadtleben auch nicht. - Dieses ist ja bekanntlich nicht das schlechteste.

  • "Miguel" liegt hier mit seiner Beschreibung der Lage meiner Meinung nach ganz richtig!


    Nürnberg ist, wie ganz richtig bemerkt wurde, eine städtebaulich im Grunde vollständige, funktionierende Stadt. Wenn man in Phasen einteilen würde hätte Nürnberg die des "Feintunings" erreicht. Die Debatten um Wiederaufbau von Bürgerhäusern in der Altstadt, die Umgestaltung so mancher in die Jahre gekommener Plätze und Straßen, die Modernisierung vorhandener Infrastruktur, das sind die derzeit vorherrschenden Fragestellungen.


    @ harher:


    Im Falle von Nürnberg sind es tatsächlich nicht so sehr die großen Namen die beeindrucken, vielmehr der recht gesunde Mittelstand. Dieser hat auf dem Arbeitsmarkt maßgeblich dazu beigetragen das desaströse Ende der Quelle abzufedern. Damals hätte doch keiner geglaubt das Nürnberg und Fürth das so gut überstehen. Ein Großteil der qualifizierten Arbeitnehmer der alten Quelle wurde innerhalb kürzester Zeit wo anders wieder eingestellt.
    Der Arbeitsmarkt in Nürnberg ist somit also auch ohne beeinruckende große Namen recht gesund und spült ordentlich Geld in die städtischen Kassen. Lediglich die "Altlasten" aus abgewickelten Produktionstädten (u.a. Grundig, AEG) machen sich noch immer stark in den Statistiken bemerkbar. Daran wird sich wohl auch so schnell nichts mehr ändern, hier ist inzwischen zu viel Zeit vergangen, die Betroffenen sind einfach nicht mehr vermittelbar.


    Und ein paar neue Cluster schälten sich ja auch in den vergangen Jahren heraus. Die GFK hat Nürnberg zum Beispiel zur Hauptstadt der Marktforscher gemacht. Währenddessen hat sich die Georg-Simon-Ohm Hochschule nach eigener Auskunft zu einer der größten Hochschulen der "agenwandten Wissenschaften" (Statistik) innerhalb der Bundesrepublik gemausert. Mit ihren bald rund 10 000 Studenten ist die GSO eigentlich ja schon fast sowas wie eine städtische Uni, und dies sogar mitten im Zentrum...


    D.

  • Ich dachte bei TV-Serien weniger an die Innenwirkung auf die Bewohner, mehr an die Außenwirkung auf Fremde.


    Natürlich gibt es in Nürnberg einen Mittelstand, doch den gibt es sonst auch (im Osten allerdings eher weniger). Das Problem ist dann aber - wenn wir nur mal auf die Kfz-Industrie schauen - dass der Mittelstand dann oft Zulieferer für Großkonzerne ist und von diesen mehr oder weniger ausgequetscht wird.
    Und in den Arbeitslosenstatistiken sieht Nürnberg nun wirklich nicht gerade gut aus, auch im Vergleich zu Oberfranken, das ja bekanntlich nicht unbedingt eine Boomregion ist.

  • Da hier auch immer wieder in verschiedenen Bezügen Leipzig auftaucht, muss ich mich jetzt auch mal in die Diskussion einklinken. Vorneweg: ich wohne in Leipzig, habe ein halbes Jahr in Nürnberg studiert und bin oft aus persönlichen Gründen in Hannover. Ich glaube also, dass ich mir auch ein Urteil erlauben kann.


    Mit den Einwohnerzahlen ist das so eine Sache. Besonders bei Großräumen. Da kann man eigentlich nur vergleichen, wenn man exakt gleiche Flächen betrachtet. Wenn bei Wikipedia (für mich keine verlässliche Quelle) steht, dass der Ballungsraum Leipzig-Halle nur irgendwas über 900.000 Einw hat, frage ich mich, wie man darauf kommt. Kleiner Rechnerei: allein Leipzig und Halle zusammen haben ca 750.000 Einw. Da sind allerdings noch nicht mal die Orte direkt zwischen beiden Städten dabei. Geschweige denn Merseburg, Markkleeberg, Bitterfeld-Wolfen, Grimma etc... Ich denke, man kann ohne weiteres sagen, dass Leipzig-Halle ein Millionengroßraum ist.


    Thema Flughafen: Von vielen völlig unbemerkt, hat Leipzig mittlerweile einen durchaus wichtigen Flughafen, der 2010 laut DFS 61.245 Flugbewegungen hatte - zum Vergleich: Nürnberg hatte 61.181, also leicht weniger ! Die Zahl der Verkehrseinheiten in Leipzig 2010 betrug über 8,23 Mio. Mehr als in Nürnberg oder Hannover. Die Steigerung zu 2009 betrug in Leipzig über 18%.
    Und unter dem Strich zählt die Gesamtheit des Verkehrs am Flughafen und nicht nur Urlaubsbomber ! (Sorry, kleiner Seitenhieb...) :cool:


    Damit will ich Nürnberg nicht schlecht machen - aber mal bissl was gerade rücken.


    Ansonsten empfinde ich Leipzig durchaus als sehr urban. Allerdings ist es eine härtere Urbanität als in Nürnberg. N empfand ich immer etwas weicher. Allerdings auch eintöniger und bei weitem nicht so bunt wie Leipzig.


    Und nun: Feuer frei ! :lach: