Holbeinviertel - Neuentwicklung Güterbahnhof Süd

  • Holbeinviertel - Neuentwicklung Güterbahnhof Süd

    Eine sehr interessante Meldung findet sich heute im Property-Magazine. Die aurelis Real Estate hat das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Süd in Sachsenhausen an die Wilma Wohnen Süd GmbH verkauft. Entstehen sollen in dieser sehr guten Lage ("Malerviertel") vor allem Wohnungen im Geschosswohnungsbau, zu einem kleineren Teil Büros. Das Quartier soll Holbeinviertel heißen.


    Ein Bebauungsplan (sollte B-Plan Nr. 835 sein) wird vorbereitet, bis 2008 soll das Verfahren abgeschlossen sein. Die Planung wird das Büro AS&P Albert Speer & Partner übernehmen. Die weiteren Fakten:


    • Grundstücksgröße: ca. 30.000 m²
    • Wohnungen: ca. 230, überwiegend Mietwohnungen
    • Anteil 3- und 4-Zimmer-Wohnungen ca. 70%, ansonsten 2- und 5-Zimmer-Wohnungen
    • Gesamt-Wohnfläche: ca. 20.000 m²
    • Gewerbefläche: ca. 3.000 m²
    • Kindertagesstätte: ca. 1.000 m²
    • an den Gleisen ein gegliederter fünf- bis sechsgeschossiger Riegel
    • dient auch dem Lärmschutz, unten Garagen und oben 200 - 300 m² große Loft-Wohnungen
    • nördlich davon die Erschließungsstraße
    • anschließend vier dreigeschossige Wohn-Komplexe mit großen begrünten Innenhöfen
    • Bauweise mit Steinsockel und "hohen Fenstern"
    • Investitionsvolumen 61,5 Mio. Euro
    • Baubeginn geplant: 2008
    • Fertigstellung geplant: 2011


    Eine Visualisierung und weitere Informationen in der FR und in der FNP.


    Hier das Gebiet rot markiert auf einem Satellitenbild:



    Bild: Google | Bearbeitung:Schmittchen


    Im Jahr 2001 gab es für dieses Gebiet bereits einen Wettbewerb, seinerzeit war noch ein deutlich höherer Anteil an Gewerbeflächen vorgesehen. Den ersten Preis gewann damals das Darmstädter Büro Hoechstetter und Partner, der Entwurf sieht so aus:



    Hoechstetter und Partner

  • Einfach schön zu sehen wie das Wohnen in die Stadt zurückkehrt. Auf der Visualisierung kann man nicht all zu viel erklären, aber da es sicher nicht billig wird bin ich mal frohen Mutes

  • Dazu auch: http://www.fr-online.de/frankf…c3294c63c3&em_cnt=1189398


    Da ist auch eine Visualisierung dabei, die allerdings als "Architektenentwurf" bezeichnet ist, so dass es sich eventuell noch nicht um einen endgültigen Entwurf handelt. Jedenfalls sollen die Häuser nach Aussagen der Architekten von AS & P "in der Typologie der Bürgerhäuser der Gründerzeit" gebaut werden.


    Wenn das so gelingt wie auf der Visualisierung wird das neue Viertel mE sehr schön werden.

  • Auf dem Areal sieht es noch immer so aus wie auf dem - bekanntlich ja schon ein paar Jahre alten - Google-Earth-Satellitenbild in #1. Eindrücke vom vergangenen Wochenende:





    Bilder: Schmittchen

  • Ein Abschluss des Bebauungsplanverfahrens (s. o.) ist immer noch in weiter Ferne. Ähnlich wie bei dem Straßenbahnprojekt auf der Stresemannallee sind einige Anwohner und Stadtteilpolitiker mal wieder so ziemlich gegen alles. Die FR berichtete am 20. Mai 2008, dass die Bauentwürfe deswegen bereits mehrfach überarbeitet worden seien. Der Grüne Stefan Majer hält sie nun für "grüner und besser".


    Das Baugebiet ist schmaler geworden, um nicht in die "Grünfläche" einzugreifen. Gemeint ist offenbar das Gestrüpp auf dem zugewucherten Güterbahnhof-Areal, auf dem letzten Foto oben teilweise zu sehen. Der Bauriegel zu den Geleisen muss zwei Stockwerke niedriger werden. Auf eine hohe Quartiersgarage wird verzichtet, dafür wird die KiTa vergrößert. Die Bahn ermöglicht nun voraussichtlich doch eine Straßenverbindung auch zur Stresemannallee, wodurch die Zufahrt zu dem Baugebiet keine Sackgasse bleiben muss.

  • Ja so ein Gestrüpp ist schon wirklich erhaltenswert... einfach nur lächerlich!


    War nicht der Riegel entlang der Bahn als Lärmschutz gedacht? Auch nicht wirklich sinnvoll, den niedriger zu machen... :doof:

  • na ja, das Grünzeug ist ja eine Sache; es gibt ja auch noch Heuschrecken und Fledermäuse auf dem Gelände. Zudem muss die ganze Sache entwidmet werden.... bleibt also spannend und vielleicht gibt es Baurecht in einem Jahr. Die Anbindung an die Stresemannallee ist wohl durch, was die Qualität m.E. deutlich verbessert.

  • Die alten Bauten des Güterbahnhofs Süd, in Beitrag #4 noch zu sehen, wurden mittlerweile abgerissen. Auch eine schmale Erschließungsstraße von der Stresemannallee wurde inzwischen gebaut. Diese ist zwar derzeit frei befahrbar, aber von ihrer Breite ist sie wohl lediglich als Zufahrt zu der Lokführermeldestelle im westlichen Teil des Areals ausgelegt. An diesem DB-Gebäude wird zur Zeit gebaut, auch Rohrvortriebsarbeiten sind im Gange.


    Ansonsten passiert nichts. Das Bebauungsplanverfahren kommt offenbar nicht voran. Wahrscheinlich ist der Entwurf immer noch nicht "grün" genug, siehe Beitrag #5. Ein Foto von heute:



    Bild: Schmittchen


    Weil die Links zu FR und FNP in #1 nicht mehr aktiv sind, hier noch einmal die bisherigen Entwürfe von Albert Speer & Partner:





    Bilder: AS&P

  • Erwartungsgemäß ist das Vorhaben eingedampft worden, auf Betreiben der Nachbarn und angeblich auch weil Teile der Planung sich als schwer vermarktbar erwiesen. Dies berichtet die FNP heute.


    Der auch vor Lärm schützende Riegel zu den Bahngleisen hin ist nun deutlich niedriger geplant als ursprünglich. Statt eines zweigeschossigen Parkhauses und vier Wohn-Etagen darüber soll es jetzt nur eine eingeschossige Garage mit Reihenhäusern darüber geben. Zwischen diesen Wohnhäusern und den Gleisen sind Gärten geplant, begrenzt von einer Lärmschutzwand. Die Gesamtfläche reduziert sich dadurch um 10.000 auf 26.900 Quadratmeter. Auf einen Bebauungsplan kann daher dem Leiter des Planungsamts zufolge verzichtet werden.

  • Auf den Seiten des Stadtplanungsamts ist jetzt offenbar die geänderte Planung zu finden. Nun wohl das was die Grünen als grün genug erachten. Wie es allerdings für mich aussieht, ist eine ehedem ambitionierte großstädtische Planung einer kleinstädtischen Piefigkeit gewichen. Nicht nur angesichts der Lage und der baulichen Umgebung aus meiner Sicht unverständlich. Einerseits wird stets über angeblich knappes Bauland gejammert, anderseits werden rare große Wohnbauflächen in zentraler Lage ohne Not viel zu gering ausgenutzt.


    Plan:



    Perspektive:



    Das ist leider noch nicht alles: Gekippt wurde offenbar auch das m. E. überzeugende städtebauliche Konzept aus dem Hause Albert Speer & Partner. Die Frankfurter Architekten waren mit dem Anspruch angetreten "in der Typologie der Bürgerhäuser der Gründerzeit" zu bauen (oben #3). Der neue Entwurf soll nun von gewissen Hartmann Architekten stammen. Zu den Gleisen hin sind jetzt Reihenhäuser vorgesehen, deren auf der Parkgaragendecke liegende Minigärten an einer Schallschutzmauer enden. Famos. Und die Architektur sieht nun nach dem zehntausendsten Aufguss dessen aus, was Lieschen Müller für "modernen Bauhausstil" hält. Großartig.



    Bilder: Projektentwicklungsgesellschaft Holbeinviertel mbH & Co. KG

  • Wirklich schade, was aus diesem Projekt gemacht wurde. Die Visualisierungen von ASP sahen sehr vielversprechend aus. Dass ASP einen deutlich besseren Entwurf erarbeitet hatte und das Viertel genau kennt (wahrscheinlich besser als die meisten Lokalpolitiker), denke ich auch, weil deren Büro quasi einen Steinwurf von dem Projekt entfernt in der Hedderichstraße liegt...


    Naja, Chance vertan... nachher werden sich wieder Leute über "Investorenarchitektur" beschweren. Die hätte man in diesem Fall nicht unbedingt haben müssen... :(

  • Nach "erfolgreicher" Anpassung der Planung bis sie "grün" genug wurde (s. o.) ruht die Baustelle noch immer. Im April 2012 soll es nun losgehen, wie die FNP heute berichtet. Geplant sind jetzt 38 Einfamilienhäuser mit Schallschutzwand an den Bahngleisen sowie, nördlich davon, ungefähr 180 Wohnungen in zwölf Mehrfamilienhäusern mit jeweils vier Geschossen. Die Gebäude sollen eine Dachbegrünung erhalten, auch eine Kindertagesstätte und zwei begrünte Plätze sind vorgesehen. Die Bauzeit soll 24 bis 28 Monate betragen. Die Kosten werden mit rund 75 Millionen Euro beziffert.


    Das Baugebiet wird von der Oppenheimer Landstraße aus erschlossen. Für Kraftfahrzeuge wird es eine Sackgasse werden, Fahrradfahrer und Fußgänger sollen bis zur Stresemannallee weiterkommen. Möglichst schnell soll die Stadt die Kreuzung Holbeinstraße, Hedderichstraße und Oppenheimer Landstraße zu einem Kreisverkehr umbauen.


    Der FNP-Artikel bestätigt (oben #10) indirekt, dass der ambitionierte Entwurf von Albert Speer & Partner nicht verwirklicht wird. Statt dessen soll eine Planung von Hartmann Architekten aus Mönchengladbach (Website) umgesetzt werden. Das Büro ist auch bei dem Projekt auf dem Areal des ehemaligen Post-Paketverteilzentrums an der Gießener Straße tätig. Bei beiden Vorhaben ist Bauherr eine Projektgesellschaft aus Wilma Wohnen Süd GmbH und Hochtief Solutions AG. Ergänzende Ansichten:



    Bilder: Projektentwicklungsgesellschaft Holbeinviertel / Hartmann Architekten

  • Die Projekt-Website ist online, demnach hat die Vermarktung begonnen. Die Architektur kommt nun doch nicht aus Mönchengladbach, sondern vom Frankfurter Büro Magnus Kaminiarz & Cie. Architekturgesellschaft. Die Beschreibung der Fassadengestaltung verspricht angemessene Wertigkeit.


    Einfamilienhäuser entlang des Gleisfeldes, die Haustypen heißen hier Auris und Aurora:



    Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen, Haustyp Venti. Die Fassade soll aus hellem, matt geschliffenen Kalkstein bestehen, die Glasflächen bronzefarben gerahmt werden.



    Einer der Quartiersplätze, umgeben von Mehrfamilienhäusern verschiedenen Typs:



    Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen, Haustyp Silena:



    Lageplan (Vergrößerung):



    Bilder: Projektentwicklungsgesellschaft Holbeinviertel / Magnus Kaminiarz & Cie. Architekturgesellschaft

  • Mit Gründerzeit-Anflügen hat das zwar noch immer nichts zu tun: Die Entscheidung gegen die Urbanität eines Blockrands mit "ordentlicher" Straße durch das Gelände bleibt. Damit einhergehend wird das Areal ein wenig wirken wie die reinen Wohnneubaugebiete in umliegenden Dörfern, durch die sich Straßen wie Breslauer Ring und Schlesischer Weg ziehen. Ich vermute, dass das Viertel kaum zum Sachsenhäuser Leben dazuzählen und ein eher isoliertes Dasein fristen wird. Aber das scheint gewollt.


    Andererseits gefällt die Architektur mehr als die Hartmannsche. Die Reihenhäuser sehen relativ schlicht aus, dürften aber innen recht hell werden, und die Vor- und Rücksprünge ermöglichen auf einfache Weise die großzügigen Dachterrassen und den vordachartigen Schutz der Eingänge. An die Gärtchen mit Gefängnismauer werden sich die Bewohner gewöhnen müssen. Dafür lärmen die Züge nicht so.


    Die "Ventis" sind zwar auch nur Flachdachkisten, wirken aber durch den Naturstein, die (angedeuteten) französischen Balkone und die minimalen Vorsprunglinien hochwertig. Die unterschiedlichen Fassadenöffnungen und der Wechsel von Fenstern (normal/zurückgesetzt), Balkonen und Loggien machen die Häuser interessanter.


    Auch der "Silena" hat etwas. Dazu tragen natürlich der Vorsprung und die horizontalen Fassadenlinien bei. Hier kann man sogar von einem Relief sprechen. Ansonsten wirkt dieser Haustyp eher konventionell, auch wenn man ihn für die Visualisierung in das warme Licht der untergehenden Sonne getaucht hat.


    Durchaus positiv finde ich die Größenwahl der Gebäude. Nicht zu groß (Osthafen-Solitäre) und nicht zu klein (Riedberg) sind sie.


    Also gerade noch die Kurve bekommen.

  • Baubeginn in Holbeinviertel?

    Nachdem das (zuvor in 17 Flurstücke) parzellierte Baugelände vom Eisenbahn-Bundesamt entwidmet worden war (Amtsblatt Nr. 48/2009, Seite 1140), scheinen jetzt die Bauarbeiten begonnen zu haben. Abgesehen von Tiefbauarbeiten an der östlichen Zufahrtstraße, haben sich sogleich die Nachbarn zu Wort gemeldet: http://www.stvv.frankfurt.de/P…DOK_NAME=%27F_259_2011%27


    Edit: defekten Link enfernt, neuen Link eingefügt

  • Dem heutigen Amtsblatt, S. 25 ist zu entnehmen, dass die Straße zur Erschließung des Holbeinviertels den Namen Nell-Breuning-Straße erhalten hat; sie zweigt direkt vor der Eisenbahnunteführung von der Oppenheimer Landstraße ab und führt bis zu einem Wendekreis vor der Lokführermeldestelle im westlichen Zipfel des Geländes.


    Ansonsten herrscht wieder Grabesstille dort, lediglich ein Verkaufspavillon mit 5 Stellplätzen wurde schon vor Weihnachten inmitten des Baugeländes errichtet, nachdem es schon Tiefbauarbeiten für die Ver- und Entsorgungsleitungen gegeben hatte.

  • Wenn ich den Lageplan richtig verstehe, grenzen also die Einfamilienhäuser samt Gärten "direkt" an die Schienen, oder? Ich hoffe, dass dann noch irgendwelche Schallschutzmaßnahmen geplant sind, denn die Gleise werden ja nicht stillgelegt.


    Diese und andere Fragen werd' ich übernächste Woche mal stellen, wir haben dann ein Beratungsgespräch in dem Verkaufscontainer.

  • Die Reihenhäuser grenzen mit Ihren Gärten tatsächlich direkt an die Schienen. Wir haben es uns im Verkaufspavillion angeschaut, weil wir uns ursprünglich auch dafür interessiert haben. Man hat uns aber beruhigt und uns versichert, es handele sich bei der äußeren Schiene, die an die Grundstücke grenzt, nur um S-Bahn-Gleise und die wären nicht so laut ;)


    Ein Schallschutz ist in der Tat dennoch vorgesehen: am Ende der Gärten wird jeweils eine Mauer hochgezogen. Man sitzt also auf seiner Terasse und schaut auf die Mauer, hinter der sich dann die "S-Bahn-Gleise" befinden. Naja, uns hat es nicht ganz so überzeugt, so dass wir von der Investition Abstand genommen haben ...

  • Ich kenne solche Grundstücke aus Friedberg, östlich des dortigen Bahnhofs (Fauerbacher Straße/zur Zuckerfabrik). Die Gärten und Wohnungen liegen teils noch unterhalb der Bahn und die EG-Wohnungen sind tatsächlich leise. Die höher gelegenen Wohnungen bekommen allerdings Lärm ab.

  • Die Reihenhäuser grenzen mit Ihren Gärten tatsächlich direkt an die Schienen.


    Die nördlichen 6-7 Gleise sind Bestandteil der S-Bahn-Abstellanlage. Die Gleise des Durchgangsverkehrs von und zum Hbf bzw. Richtung Louisa verlaufen 30-40 m südlich der Neubebauung. Die Abstellanlage wird z.Z.nur in den Tagesrandzeiten und am Wochenende genutzt.



    (Bild von mir)