Ökonomische Perspektiven Frankfurts

  • Ich kann vielen Unternehmen nur raten, sich in Limburg statt in Offenbach anzusiedeln. Die Gewerbesteuer ist niedriger, man ist schneller am Flughafen (ICE, mit 300 km/h in 18 Minuten), Grundstücke gibt es für einen Apfel und ein Ei, die Wiesen sind grün, von Fluglärm hat man hier noch nie etwas gehört, die Autobahn- und Schnellstraßenanbindung ist in jede Himmelsrichtung vorhanden, die Zentralität ist sehr hoch, die Altersstruktur ist gut.


    Und wer am Flughafen arbeitet und nicht unbedingt in einer Großstadt wie Offenbach oder Frankfurt leben will (oder es sich leisten kann), der ist auch willkommen. Es locken bezahlbare Häuser und Wohungen und ein entspanntes Leben in einer schönen Stadt. Und komplett ab von Schuss ist man hier auch nicht :lach:
    Das ICE Jahresticket zum Flughafen kostet zwar ab Limburg 1500€ mehr als ein S-Bahn Ticket ab Offenbach oder Frankfurt kosten würde aber dieses Geld hat man schnell wieder drin, da man allein für die Zugfahrt fast 4500€ Pendlerpauschale absetzen kann.
    :2cents:


    PS: Unser Bürgermeister ist kein SPD Mitglied

  • Na ja Xalinai, daran kann es ja nicht liegen. Schließlich beweist man in Gateway Gardens gerade auch, dass man viele Firmen ansiedeln kann, obwohl dort die Flugzeuge so nah und laut wie kaum wo anders sind.


    Dass Firmen, die direkt vom Flughafen leben, sich dort ansiedeln ist etwa so wahrscheinlich wie dass ein Kettenraucher Kippen hat.

    Als ich noch am Kaiserlai gearbeitet habe, konnten wir die Fenster offen lassen und haben bei schönen Wetter auch draußen gegessen. Ja man hat die Flugzeuge gehört, aber ich konnte mich trotzdem immer problemlos mit anderen unterhalten.


    Tja, ich wohne noch am Kaiserlei und werde aktuell täglich um 04:45 geweckt.


    Das war im letzten Jahr noch anders, da bog ab und zu ein Flieger nach Norden ab und ansonsten war der Flugverkehr knapp vor der A3 und nicht 200m südlich.



    Auch die Einwohnerzahl ist in Offenbach die letzten Jahre weiter gestiegen. Aufgrund der hohen Mieten in Frankfurt und den günstigen in Offenbach ziehen auch immer mehr Studenten in die Innenstadt.


    Es wird immer Menschen geben, deren wirtschaftliche Lage so ist, dass sie aus Kostengründen an Orte ziehen, die eigentlich nicht akzeptabel sind. Gerade Studenten sind hier ein gutes Beispiel.


    Also so lebensfeindlich kann Offenbach trotz Fluglärm nicht sein, was man auch daran erkennt, dass sich z.B. am Mainufer immer mehr Menschen im freien aufhalten.


    Oder das Mainufer ist so attraktiv, dass es trotz Fluglärm interessant ist.


    Dazu kommt, dass weite Teile des Mainufers immerhin jetzt so weit von der Anflugstrecke (Hebestraße/Bismarkstraße) entfernt sind, wie es hier früher war. Die Hafeninsel ist auch nur von der Nordostrichtung betroffen.

  • Zitat von Xalinai

    Es wird immer Menschen geben, deren wirtschaftliche Lage so ist, dass sie aus Kostengründen an Orte ziehen, die eigentlich nicht akzeptabel sind. Gerade Studenten sind hier ein gutes Beispiel.


    Sorry, aber das ist pure Polemik. Du tust so als ob nur arme Menschen nach Offenbach ziehen, weil sie keine andere Wahl haben. Erst im Mai hat sich jemand die Villa Rosenheim in der Parkstraße gekauft. Auch die Vermarktung vom ehmaligen Lohwald sowie dem Hafenviertel nimmt immer mehr fahrt auf. Zwischen den Stadtteilen Rumpenheim & Bürgel entstehen bald 29 neue Häuser, von denen schon jetzt 22 in kürzestes verkauft waren. Diese Leute waren auch vor Ort um "sich selbst ein Ohr zu machen", für sie "zähle Schule, Umfeld, Vereine, Infrastruktur" aber mehr als Fluglärm (Printausgabe Offenbach Post, 06.05.).


    Wie hier im Forum berichtet entstehen sowohl in Lauterborn 18 Reihenhäuser und im innerstädtischen Bereich wird das Projekt Luisenhof gebaut. Das sind alles Projekte die auf das klassische Bürgertum abzielen. Bei mangelnder Nachfrage würde man all das nicht tun. Aber es gibt nun einmal auch genug Leute die mit Fluglärm klar kommen oder sich nicht daran stören.


    In Offenbach wandern seit Jahrzehnten Firmen ab oder gehen Pleite. So war es beispielsweise doch logisch das manroland als Druckmaschinenhersteller in einer immer digitalisierteren Gesellschaft mit der Insolvenz kämpft und Pleite geht. Dann ist Offenbachs Pech, dass es einige Zulieferer für Opel hatte - die einzige deutsche Autobauer der seit den 90igern in der Krise steckt. Die Lederindustrie ist ins Ausland abgewandert. Der Chemiepark bei Bürgel war zu klein, um wirkliche Synergieeffekte zu erzielen, Neuansiedlungen fanden/finden auschließlich in den großen Chemieparks wie Höchst statt. Elektronikgeräte-Hersteller wie Rowentha bekamen zu starke & billige Konkurrenz aus Fernost. Das alles hat doch nichts mit dem Flughafen zu tun.


    Das nennt man Strukturwandel. Und obwohl dieser seit Jahrzehnten anhält, gibt es in Offenbach keinen Masterplan. Offenbach will zwar "Kreativstadt" werden. Hier könnte man gut mit Frankfurt zusammen arbeiten, das ebenfalls die Kreativen mehr fördern will. Aber ausschließlich Kreative anzulocken wird nicht reichen. Es bedarf vielmehr einer Gesamtstrategie. Doch wo ist denn von irgend einer Partei eine Gesamtstrategie für Offenbach? Wie will man den Strukturwandel denn endlich begegnen? Wie will man neue Firmen anlocken? Warum sollen sie nach Offenbach kommen?


    OB Schneider hatte zu seiner Anfangszeit die Strategie mehr Bürger und einkommenstarke Privatpersonen nach Offenbach zu locken. Nicht nur für die Stadtkassen, sondern auch für eine bessere "Durchmischung" der sozialen Struktur. Hierfür hatte man Pläne, Strategien - und siehe da, trotz des bösen Fluglärms funktioniert es (nach Startschwierigkeiten). Ich kann verstehen wenn einen der Fluglärm nervt und ich finde auch, dass noch viel mehr für Schallschutz & Lärmminderung getan werden muss. Ich verstehe auch, dass es viele Menschen gibt die den Lärm nicht so gut (unterbewusst) filtern können und die der Lärm stresst oder sogar krank macht. Das gerade auch ältere Menschen einen steigenden Ruhebedarf haben, ist mir auch bewusst. Hier müssen Lösungen gefunden werden.


    Aber man muss jetzt nicht alle Probleme auf den Flughafen schieben und ihn für jede Fehlentwicklung in der Region verantwortlich machen!

  • Aber man muss jetzt nicht alle Probleme auf den Flughafen schieben und ihn für jede Fehlentwicklung in der Region verantwortlich machen!


    Ich sag' ja nicht dass der Flughafen die Ursache der Probleme ist, aber er erschwert die Behebung.


    Die in der Planung anlässlich des S-Bahn-Baus vorgesehenen Wohngebiete im Bereich Kaiserlei und erweitertes Westend (Berliner Straße als kleines Europaviertel) sind gestorben.


    Der Ausbau im Bereich Rumpenheim und Bürgel ist der einzige wirklich vielversprechende Wohnausbau, allerdings weit am Stadtrand, fern der teuer aufgebauten Infrastrukturachse, so dass die Gefahr besteht, dass die dortigen Bewohner (wenn sie denn schon mal im Auto sitzen) zum Einkaufen woanders hin fahren.


    Neuansiedlung von Gewerbe erfolgt - das hast Du schön beschrieben - wegen der guten Verkehrsanbindung beispielsweise zum Frankfurter Hauptbahnhof und Flughafen. Die existiert aber nur im Bereich der S-Bahn-Strecke, das lässt sich gut mit Eschborn vergleichen, dort ist die Büroansiedlung auch auf Knoten an den S-Bahn-Stationen und Autobahnzufahrten konzentriert, das alte Industriegebiet um Fegro und Real zieht nur Kunden und Mitarbeiter mit Kraftfahrzeugen an.


    Das mit dem fehlenden Masterplan ist richtig - allerdings ist auch richtig, dass eine Planung der Stadt Offenbach ohne Koordination mit dem großen Nachbarn keinen Sinn hat, insbesondere dann wenn beide Städte ausschließlich betriebswirtschaftlich, also auf den eigenen Nutzen, statt volkswirtschaftlich, also auf die Folgen für die Gesamtheit der Bürger bedacht handeln. Und da war dseit den 1970ern keine der beiden Stadtregierungen zu einer Zusammenarbeit in der Lage.


    Was die Neubauprojekte an der Frankfurter Straße und in Lauterborn angeht, muss man die Ergebnisse abwarten, ich bin da ziemlich pessimistisch was den Verkauf angeht.

  • Offenbach hat in erster Linie ein Imageproblem.OF fehlen schlichtweg positive Alleinstellungsmerkmale Und daran kann zuallererst nur OF selbst was ändern. OF sollte sich zunächst einmal so akzeptieren wie es ist. Und dann versuchen, dass als eigenes Charaktermerkmal zu definieren. Motto: rau, aber herzlich. Das klingt jetzt alles ein bisschen platt, da ist aber was Wahres dran. Es wird schwierig, wenn es die Großstadt mit allen Facetten sein will. Eher sollte OF sich fragen, welchen Charakter es hätte, wenn es ein Stadtteil vom Ffm wäre. Diese Eigenheiten und Unterschiede sollte man dann betonen. Dann muss man halt klar sagen, was man ist und leisten kann und was nicht. Zum Beispiel könnte OF einen klaren kulturellen und sozialen Leistungskatalog aufstellen: das gibt's bei uns und das nicht. Oder eine weitgehende Liberalisierung der Gewerbe- und Bauvorschriften. Jeweils natürlich nur im Rahmen der kommunalen Kompetenzen. Damit gehen dann auch negative Folgen einher. Und natürlich sagen dann einige: OF ist nicht mehr meine Stadt und ziehen weg. Aber das hat man heute auch und ist letztlich ein ganz normaler Prozess. Auch Frankfurt kann es nie allen recht machen. In einer Großstadt sind nie alle zufrieden.


    Die Gewerbesteuer halte ich für den falschen Ansatzpunkt. Aufgrund seiner Größe und Status als Großstadt muss OF leider mehr ausgeben und kann sowieso nicht mit Eschborn und Kollegen mithalten. Außerdem ist die interkommunale Zusammenarbeit mit Ffm verbesserbar. Ich kann mir vorstellen, dass man defacto Behörden "zusammenlegt", wobei aus rechtlichen Gründen eine Trennung bestehen bleibt. Aber wieso nutzt man Gerätschaften und Gebäude nicht gemeinsam und "leiht" sich Personal.

  • Das Grundproblem ist schnell erklärt. Man betrachtet Regionalpolitik schon seit Jahrzehnten als Nullsummenspiel. Des einen Vorteil ist des anderen Nachteil. Als Teil der selben Region scheinen sich Frankfurt und Offenbach nur in äußerst seltenen Fällen zu fühlen. Wenn man alleine schon die konkurrierenden IHK und Wirtschaftsförderungs-Organisationen sieht, kann man sich nur an den Kopf fassen.


    Zudem ist die Seite der Offenbacher Wirtschaftsförderung & Liegenschaft in einem äußerst desolatem Zustand. Es ist kein Wunder, dass auch die Infrastruktur im Kaiserlei musealen Charakter hat. Warum die Stadtwerke Offenbach Holding und die Energieversorgung Offenbach (EVO) nicht besser eingebunden werden, ist mir dabei ein Rätsel. Die Aufteilung der Zuständigkeiten im Offenbacher Magistrat in kleinste Teilbereiche und Planungsgruppen erscheint mir außerdem viel zu dezentral, um nicht zu sagen wirr.


    Es ist ja nicht so als hätte Offenbach keine Chance sich zu verbessern. Man schaue alleine auf die Entwicklung des ehemaligen Sorgenkindes Kassel zu einer Boomtown in den letzten 10 Jahren. Daraus sollte man in Offenbach als der neue permanent kranke Patient Hessens Lehren ziehen. Auch die Landesregierung sollte schauen, dass Offenbach nicht noch weiter unter die Räder kommt. Ein Offenbacher Bub wie Tarek Al-Wazir könnte da als Brückenbauer fungieren. Mit dem Umbau des Kaiserlei-Kreisels geht es mit der Förderung ja schonmal in die richtige Richtung, aber der Wille zur Veränderung muss immer noch aus Offenbach selber kommen.

  • Offenbach hätte ohne Fragen Chancen. Der Standort ist jetzt auch nicht schlechter als andere Städte, zB Hanau, Rüsselsheim etc. Aber das Image ist zu schlecht.


    OF muss sich deswegen halt anders vermarkten, zB mit Alleinstellungsmerkmale, die einen klaren Kontrast du anderen Städten ergeben. Eine Möglichkeit (unter anderen) wäre eben zu sagen, ich mache einen auf totalen Wirtschaftsliberalismus und promote das entsprechend. Das führt ohne Frage auch zu negativen Begleiterscheinungen. Zum Beispiel könnte man nicht das Unternehmertum fördern und sich dann beschweren, wenn sich die 150. Spielothek ansiedelt. Das sind eben die negativen Begleiterscheinungen eines solchen Weges. Auf der anderen Seite hat man aber auch viele positive Aspekte. Mir fallen viele Dinge ein, die man deregulieren könnte. Als Folge hätte man einige negative, aber eben auch viele positive Folgen. Und die könnte man gut vermarkten.

  • Helaba nun auch Zentralbank der Sparkassen in NRW und Brandenburg

    Die Helaba ist nach der Zerschlagung der WestLB nun auch für das Zentralbankgeschäft der Sparkassen in NRW und Brandenburg zuständig. Dieses hat eine Bilanzsumme von immerhin 40 Mrd Euro. Bundesweit ist man nun die Zentralbank für 170 Sparkassen in Hessen, Thüringen, NRW und Brandenburg. Dies steht für ca 40% des bundesweiten Sparkassengeschäfts.

  • Frankfurt beliebtestes Ziel für ausländische Shopping-Touristen

    Wo sind heute noch Umsatzsteigerungen von 62% p.a. möglich? Und mit wem? Mit chinesischen, russischen und anderen Touristen, die zum Einkaufen nach Frankfurt kommen. Der Chinesenkonsum steigerte sich sogar um sagenhafte 92% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.


    Frankfurt ist mit München die beliebteste Stadt für ausländische Shopping-Touristen. Quelle: Global Blue "Shopping Tourist Barometer" auf Grundlage von Mehrwertsteuererstattungen der Touristen. Via heutiger =12866445"]Pressemeldung der Stadt.

  • Die Hessenschau hat gestern ausführlich über chinesische Touristen in Ffm berichtet:


    http://www.hr-online.de/websit…sen34938.jsp?rubrik=34938
    (bei den Videos)


    Danach verbleiben 40 % (!!!) der Ausgaben chinesischer Touristen in Deutschland in Frankfurt - immerhin mehrere hundert Millionen € pro Jahr. Die Bekanntheit Frankfurt wird im Beitrag damit erklärt, dass Frankfurt auf der chinesischen Welt-Wetterkarte abgebildet ist. Für den Erfolg dürfte aber der Frankfurter Flughafen verantwortlich sein. Denn nach ihrem Europa - oder Deutschlandbesuch reisen die Chinesen von einem der Hubs zurück. Sie sind deshalb auch meist nur einen Tag in Ffm und nutzen diesen zur Einkaufstour vor dem Rückflug.

  • ^

    Indirekt passt zu dem chinesischen Besucherzustrom aus dem Vorbeitrag auch, was sich in Frankfurts Nachbargemeinde Bad Vilbel anbahnt. Demnach sollen reihenweise Besuche von Investoren, Architekten und Ingenieuren aus China in 2013 anstehen um ein 27,5 ha großes Gelände am Vilbeler Quellenpark zu begutachten. Bericht der FNP vom 11.12.12. hier sowie vom 20.12.12. hier (OK vom Stadtparlament)


    Der Handel, Kaufpreis wird mit 94 Mio € angegeben, ist noch nicht gesichert doch soll sich die Fa. BCT GmbH aus Bad Vilbel entsprechende Optionen gesichert haben. Als Entscheidungstermin steht der 30.09.13 im Raum.


    Geplant sind ein chinesisches Großhandelszentrum, Büros für Firmenzentralen für Deutschland und Europa sowie Hotels und Gastronomie. Ausdrücklich gelobt wird die Verkehrsanbindung zum Frankfurter Flughafen sowie über die B3 als auch per Schiene.


    @Mod, könnte auch in den Bad Vilbeler Strang ?

  • Avaya

    Die Deutschlandzentrale des milliardenschweren amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Avaya bleibt in Frankfurt. Aus einer =13509372"]Pressemitteilung der Stadt geht hervor, dass das Unternehmen mit beachtlichen 450 Mitarbeitern von der Kleyerstraße an die Theodor-Heuß-Allee ziehen wird, und zwar bereits Mitte des Jahres.


    Womöglich wird die jetzige ING-DIBA-Zentrale das neue Avaya-Domizil, nachdem die Bank von dort in den sanierten LEO-Komplex eingezogen ist?

  • Nein. Das American-Express-Hochhaus, Theodor-Heuss-Allee 112, siehe hier.


    Sehr interessant die Frage, was mit dem aktuellen Avaya-Firmengelände passieren wird. Auf dem ausgedehnten Areal scheint bereits jetzt ein großer Teil der Gebäude leer zu stehen. Es dürfte für Wohnungsbau prädestiniert sein. Zumal die kommenden Hotspots für Wohnungsbau an der Kleyerstraße sowie links und rechts der Lahnstraße nicht weit entfernt sind.


    Die aktuellen Avaya-Gebäude nördlich der Kleyerstraße:




    Bilder: Schmittchen

  • Folgende Beiträge aus Thread "Gedanken zum Frankfurter Nahverkehr" hierher verschoben.
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    Ich will mich jetzt auch mal in dem Thread "mitmischen" :D


    Original von Xalinai
    Vielleicht zeigt deine Kristallkugel ja auch, wann die von Dir vorgeschlagenen Maßnahmen den Status "Bauprojekte und konkrete Planungen" erreicht haben.


    Ich muß Rohne jetzt mal in Schutz nehmen. Die chronische Klammheit der Kommunen ist nicht gottgegeben oder der schwierigen Wirtschaftslage in Deutschland verschuldet. Es ist leider so, dass der Bund sehr viele Aufgabe an die Kommunen abgibt, im Gegenzug eine Finanzierung nicht mehr gewährleistet. Der finanzgestalterische Spielraum, den die Kommunen haben ist sehr gering und trifft meist Otto-Normalbürger und die Schwachen der Gesellschaft, über gestrichene Leistungen und zusätzliche zweckgebundene Abgaben. Das effektivste Mittel ist die Gewerbesteuer, aber hier haben wir im Rhein-Main-Gebiet ein ganz mieses Steuerdumping der Kommunen, das so von unserer Landesregierung gewollt ist.


    Es ist schon traurig, dass unsere Vorfahren mit weit weniger Know-How und einer verglichen mit heute witzhaften Wirtschaftsleistung weit mehr erreicht haben. Unsere komplette moderne Infrastruktur verdanken wir den 40 Jahren nach dem Krieg, danach ist nicht viel gekommen, außer den Hochgeschwindigkeitsstrecken der Bahn, die aber schon seit den 70er angedacht waren. Es bedrückt mich zu sehen, wie Schwellenländer riesige Projekte stemmen aber hier um jeden Meter Straßenbahnstrecke gekämpft werden muß.


    Konkret für Frankfurt bedeutet dies, nach einem eventuellen Regierungswechsel in Hessen, den "Landkreis Rhein-Main". Mit der Reform würde dem Steuerdumping Eschborns, oder anderer Kommunen, so etwas wie ein Riegel vorgeschoben werden, wenn dieser Vorteil der kleinen "Parasitenkommunen" entfallen würde, dann würden über kurz oder lang viele Unternehmen nach Frankfurt ziehen, wegen den Vorteilen die eine Großstadt gegenüber einer kleinen Kommune eben bietet.


    Also gemäß dem Motto "never say never" kann sich die finanzielle Wetterlage der Stadt Frankfurt auch ganz schnell ändern. Außerdem werden Projekte wie die Verlängerung der U5 und die Ginnheimer Kurve niemals gestrichen, was denn bitte soll streichen heißen, werden Vorplanungen und Überlegungen in den Müll gegeben? Der passendere Ausdruck wäre doch eher "auf Eis gelegt".


    Jetzt muß ich dir @Xalinai natürlich auch recht geben, denn weder die Verlängerung der U5 noch die Ginnheimer Kurve ist wirklich aktuell. Aber wie schon geschrieben, man darf auch ruhig längerfristig denken, ist ja kein Verbrechen ;)


    Original von siefert
    Ich finds auch bitter, dass wir das Projekt nochmals schieben müssen (letztes Jahr haben wirs noch gerettet), aber wenn man die restliche Streichliste und den Konsolidierungsbedarf im Stadthaushalt sieht wird's halt schwierig momentan drauf zu bestehen. Das Thema wir aber wieder kommen, da die Verlängerung eine relativ preiswerte sinnvolle Ergänzung darstellt (ca. 8 Mio)


    Gute Ideen sind im Gegensatz zu vergänglichen Objekten unsterblich und werden immer wieder gedacht.


    Die Verlängerung ist eben mehr als sinnvoll und das "Einfrieren" schon ein übles Trauerspiel. Aber die Verlängerung wird kommen, früher oder später.


    Original von Megaxel
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass man die Rosa-Luxemburg-Str. so lässt, wie sie ist. Abgesehen von mehrjährigen Bauarbeiten mit Riesen-Verkehrschaos wäre die Tieferlegung ziemlich teuer. An der S-Bahn-Linie muss man zudem doch wieder hoch um die Gleise zu überqueren und den Niddapark will man wohl auch nicht zerschneiden. Außerdem darf man die Vorteile der Straße nicht vergessen: Sie sieht scheiße aus, aber sie hält den Verkehrs aus den Stadtteilen. Wenn die Straße ebenerdig wäre, hätte man zig Kreuzungen mit entsprechendem Verkehrsstau.


    Korrekt! Sieht zwar übel aus, ist aber verkehrstechnisch das Nonplusultra! Außerdem sind die Anwohner im Moment vor dem Lärm der Rosa-Luxemburg geschützt, durch Lärmschutzwände. Ich denke nicht, dass die Anwohner eine Tieferlegung wirklich begrüßen würden, optisch hätten sie einen Vorteil, aber dafür faktisch den Lärm einer Stadtautobahn in den Wohnräumen.


    PS: Sorry für den langen Text, wollte aber auf mehrere Postings eingehen!

  • Konkret für Frankfurt bedeutet dies, nach einem eventuellen Regierungswechsel in Hessen, den "Landkreis Rhein-Main". Mit der Reform würde dem Steuerdumping Eschborns, oder anderer Kommunen, so etwas wie ein Riegel vorgeschoben werden, wenn dieser Vorteil der kleinen "Parasitenkommunen" entfallen würde, dann würden über kurz oder lang viele Unternehmen nach Frankfurt ziehen, wegen den Vorteilen die eine Großstadt gegenüber einer kleinen Kommune eben bietet.


    Ja, genau. Rot-Grün wird ganz gewiss mit Leichtigkeit sämtliche zementierten Widerstände überwinden und, ganz anders als gewohnt, den ganz ganz großen Wurf hinlegen. Auch Lahme werden wieder gehen und Blinde wieder sehen können. PS: Wovon träumst Du eigentlich nachts?

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    Nachts träume ich von schönen Dingen ;)


    Als Beispiel, weil du mir anscheinend nicht glaubst!


    http://www.spiegel.de/wirtscha…s-frankfurt-a-727294.html


    Der Umzug der Börse nach Eschborn kostet der Stadt Frankfurt enorm viel Geld! Für die Börse ist es nur ein kleiner Schritt gewesen, für die Stadt Frankfurt ein gewaltiger Griff ins Klo.


    Dieses Geld fehlt einfach bei Allem, da muß man sich nichts vormachen, da wird eben bei der Stadtbahn genauso gespart, wie man die Kita-Gebühren erhöhen will. Die Landesregierung freuts, denn sie will ja einen Wettbewerb der Kommunen, dass dabei große Städte verbluten, weil sie viel mehr an Infrastruktur aufrechterhalten müssen interessiert dabei natürlich nicht.



    Schmittchen
    Ich glaube über so etwas wie politische Sympathien brauchen wir nicht zu streiten, jeder ist frei, mündig und kann wählen was er will! Es geht hier um Sachthemen und bei diesem Thema ist wirklich die SPD die einzige Partei die ein eher durchdachteres Konzept hat. Klar wird es Widerständ geben, wo gibt es die nicht?

  • Azichan, auf den Ideenwettbewerb bin ich aber gespannt. Nicht die Einnahmenseite der Stadt Frankfurt ist das Problem, sondern die Ausgabenseite hat die Stadt nicht im Griff.


    Kein Wunder also, dass die, in deren Taschen ständig gegriffen wird, sich auch mal aus dem Staub machen. Gut, wenn sie dann gleich wieder in Eschborn vor Anker gehen und somit dem Rhein-Main-Gebiet erhalten bleiben.


    Wenn die Frankfurter SPD weiter von Steuererhöhungen babbelt und mit diesem Populismus Wahlen gewinnt, dann werden der Börse zu Recht noch viele folgen. Das da was beim Konzept der Verteilungspolitiker durchdacht ist, vermag ich nicht zu erkennen.

  • Der "kommunale Rettungsschirm" könnte hinsichtlich Gewerbesteuer noch mal für eine gewisse Dynamik insofern sorgen, als das Land von allen Gemeinden, die unter den Schutzschirm geschlüpft sind, u.a. eine Anhebung von Grund- und Gewerbesteuer verlangt. Mir sind hessische Gemeinden bekannt, die die Grundsteuer verdoppeln und die Gewerbesteuer massiv anheben müssen. Die teils erheblichen Unterschiede beim Gewerbesteuerhebesatz werden sich dadurch reduzieren und damit auch den Abwanderungsanreiz für Unternehmen abschwächen; trifft natürlich nicht für Eschborn zu, welches es nicht nötig hat, Landeshilfen in Anspruch zu nehmen.

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    Diese Argumentation hinkt bei diesem Thema ("Eschborn") etwas. Diese Kommunen waren selbst mit niedrigen Steuern nicht attraktiv genug für Unternehmen und von daher nicht vergleichbar mit Eschborn. Denn ansonsten hätten sie nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen.
    Die zwangsweise Erhöhung dieser Steuern in diesen Kommunen führt doch gerade dazu, dass auf der einen Seite diese finanzschwachen Kommunen erst recht unattraktiv für Unternehmen werden und auf der anderen Seite erfolgreiche Steuerparadiese wie Eschborn für Unternehmen noch attraktiver werden. Eine von dir festgestellte Schwächung des Abwanderungsanreizes kann ich beim besten Willen nicht erkennen, allenfalls eine Zementierung dieses untragbaren Zustandes, mMn sogar eher eine Verschärfung zuungunsten der schwachen Kommunen.


    Es muss eine umfassende, landesweite, ja sogar deutschlandweite Lösung für dieses Problem gefunden werden, sonst wird es nicht funktionieren. Ich glaube aber nicht daran, zumal die grundgesetzlich verankerte Gewaltenteilung (hier besonders betroffen die vertikale/föderale Ebene) ein ganz mächtiges rechtliches Hindernis darstellt ... mMn aber verfehlt, weil diese Hürde ihren Ursprung in den Erfahrungen des Nationalsozialismus hat und schließlich sich eine Lösung finden lässt, die nur in wenigen bestimmten Bereichen (Steuerrecht zB) zu einer Machtkonzentration führt und ansonsten das kommunale Selbstbestimmungsrecht unberührt lässt.