Reutlingen: ECE-Center

  • Reutlingen: ECE-Center

    ECE plant Einkaufszentrum in Reutlingen (31km südlich von Stuttgart, 112.000 Ew.).


    • Auf Hauptpost-Areal beim Bahnhof
    • 23.000qm, 80-100 Läden, Investitionssumme 120 Mio.EURO
    • Pläne kollidieren offenbar tw. mit städtischen Plänen für ein Industriemuseum & andern Kulturprojekten auf "Wandel-Areal"


    Quellen:
    http://www.gea.de/sixcms/detai…=gea_default_druckversion
    mit Rendering:
    http://www.tagblatt.de/index.php?artikel_id=1828159


    Google Maps:http://maps.google.com/maps/ms…pn=0.012741,0.039911&z=15

  • Der Artikel ist ja nicht gerade neutral bzw. fair ECE gegenüber...seriöser Journalismus sieht anders aus.


    Zitat

    So will sich ECE an der Bahnlinie breit machen: Auf den jetzigen Standort der Hauptpost an der Eberhardstraße möchte der Hamburger Investor ein Einkaufszentrum hinklotzen, auf dem Gelände der ehemaligen Paketpost jenseits der Bahn sind Parkplätze und Ersatz für Kultur-Nutzungen auf dem Wandel-Areal, das ECE schlucken will


    Ohne die genauen Umstände zu kennen scheint der Standort sehr gut für so ein EKZ geeignet zu sein und die 23.000qm sind zwar nicht gerade wenig; sollten aber für eine Stadt mit 110.000 Einwohnern in einer wirtschaftsstarken Region durchaus zu schultern sein. Oder wie sind die Verhältnisse in Reutlingen bisher; Einkaufsangebot, Leerstände usw.?

  • sebastian c
    Ja, auch die Sprache des Autors lässt zu wünschen übrig, habe aber sonst keine brauchbaren Artikel gefunden. Das Modellbild ist ja wenigstens schon mal was.


    Reutlingen ist nach meinem Eindruck eine wirtschaftlich prosperierende Stadt, architektonisch wie stadtplanerisch kommt sie Einem aber gar nicht vor wie eine Ü100.000 Ew.-Stadt, im direktem Vergleich etwa mit Ulm. Das Shoppingangebot ist wohl traditionell sehr kleinteilig organisert, das meiste natürlich davon in der recht schönen historischen Altstadt, wenig größere Kaufhäuser. Die Nachfrage wäre vermutlich schon vorhanden, der größte Widerstand kommt natürlich von den kleinen Einzelhändlern, wie überall auf der Welt. Die Einzelhändler des benachbarten Tübingen (85.000 Ew.) werden von den Plänen auch nicht begeistert sein.

  • Ich kenne Reutlingen etwas und möchte einmal eine Lanze für diese tolle Stadt brechen. Dort kann man sehr gut und angenehm leben. Die Stadt hat schon selbst alles, was es braucht. Dazu kommt die günstige Lage am Fuß der Alb, dabei nur etwa 45 Minuten vom Stuttgarter Zentrum. Nahe liegen auf der einen Seite Tübingen, auf der anderen Metzingen, das Factory Outlet Center.


    architektonisch wie stadtplanerisch kommt sie Einem aber gar nicht vor wie eine Ü100.000 Ew.-Stadt, im direktem Vergleich etwa mit Ulm.


    Naja, wenn man z.B. auf einem Marktplatz einer 50.000, 100.000 oder 150.000 Stadt steht, wo wird man deren Größe in dem genannten Bereich schon wahrnehmen können? Außerdem ist Ulm architektonisch schon speziell ehrgeizig. Auch hat Ulm architektonisch einen Pfad eingeschlagen, den es im gewissen Sinne weitergehen muß. Logisch, Ulm hat ein ganz anderes Selbstverständnis. Zwar war auch Reutlingen Freie Reichsstadt, aber Ulm gehörte einstmals zu den größten Städten im ganzen Reich. Nicht von ungefähr maß man sich im Kirchenbau mit Köln. Etwas hat man den Eindruck, das Geld, welches in Ulm in öffentliche Prestigebauten gemeisselt wurde, ist in Reutlingen über die ganze Stadt verteilt, wenngleich in Privathand. Möglicherweise eine Folge von Verdienen in der Region Stuttgart und Ausgeben kurz vor der Alb.


    Verglichen mit Ulm liegt Reutlingen historisch deutlich im Verkehrsschatten, weder an einem größeren Fluß, noch an einer Hauptverbindung wie Stuttgart-München. Doch was stört das den Reutlinger heute, ist er doch wesentlich schneller in der nächsten Großstadt als der Ulmer - was oft wichtiger sein dürfte.


    Besonders gefiel mir immer die Atmosphäre in Reutlingen. Nie so penetrant großstädtisch, aber lange nicht provinziell, nicht so studentenmäßig, aber doch gelassen frisch.

  • Max BGF
    Mir gefiel Reutlingen auch überraschend gut, steht offenbar zu Unrecht etwas im Schatten von der einiger Maßen quirligen und jedenfalls wunderschönen Nachbarin Tübingen. Du hast vermutlich Recht, dass Ulm für seine 120.000 Ew. großstädtischer wirkt als andere Städte vergleichbarer Größe.

  • Ich wohne in Albstadt und Reutlingen ist mit dem Zug in ungefähr 1 Stunde zu erreichen. Die Wilhelmtrasse ist eigentlich immer gut gefüllt was vielleicht auch daran liegt dass sie recht schmal ist ;) Aber jetzt zu dem EKZ. Ich kann mir nur schwer vorstellen dass durch das ECE center die Wilhelmstraße geschwächt würde, denn auch Galeria Kaufhof liegt nicht gerade direkt in der Fußgängerzone und trotzdem funktioniert die Innenstadt gut. Das EKZ würde das Angebot nur noch weiter ergänzen und man könnte sich den weiten Weg nach Stuttgart vielleicht sparen. Aber trotzdem gibt es natürlich wie immer einen Haken: Das EKZ soll auf der gegenüberliegen Straßenseite gebaut werden und diese Straße durchschneidet die Innenstadt doch recht stark. Die ewige Ampelwarterei nervt ziemlich :Nieder: Wer also in die Wilhemstraße, zur Galeria Kaufhof und zum ECE will muss ungefähr 8-10 Minuten Ampelwarterei im Autochaos auf sich nehmen. Gibt es eigentlich keine Pläne diese Straße unter die Erde zu verlegen oder sonstetwas zu unternehmen damit der Ampelmarathon beendet wird?


    Fragende und gerade aus Reutlingen kommende Grüße

  • Kreiswolke
    Nein, es gibt keine Pläne, die Straße unter die Erde zu legen. Reutlingen befasste sich jahrelang mit den Plänen für eine neue Stadthalle und das war auch schon alles. Die Wilhelmstraße hat sich meines Erachtens in den letzten Jahren einkaufstechnisch verschlechtert (z.B. die Übernahme von Keim durch Breuninger, da Breuninger leider nicht an die Qualität in S angknüpfte). Die gehoffte Belebung der parallel verlaufenden Metzgerstraße hat auch nicht wirklich stattgefunden.
    Max BGF
    In der Vergangenheit verdienten nur wenige Reutlinger ihre Brötchen in S. Reutlingen hatte eine starke Industrie (Textil, Maschinenbau) die leider in den letzten Jahren etwas geschwächt wurde. Nicht umsonst zählte die Stadt lange Zeit neben Sindelfingen zu den reichsten in Deutschland. Daher die über die Stadt verteilten Vorzeigebauten. Das Problem war und ist die verkehrstechnische Anbindung.

  • Suevian
    wobei strassentechnisch außerhalb der Innenstadt für die B312 sowohl Richtung Metzingen als auch Richtung Pfullingen mit dem Scheibengipfeltunnel etwas gebaut bzw. geplant ist.


    Immerhin hinterließ die einst starke Textilbranche Reutlingen hübsche Industriearchitektur für kulturelle Veranstaltungen in der Gegenwart.
    Und sonderlich schlecht kann RT diesen Strukturwandel nicht bewältigt haben, denn:
    Arbeitslosenquote im Kreis RT, Juni 2007: 4,3 %


    Übrigens baut Bosch für 150 Mio eine Chipfabrik in Reutlingen. Der Standort hat also Zukunft.

  • Max BGF
    Richtig, habe ganz den geplanten Achalmtunnel vergessen. Die Chipfabik ist allerdings nur ein Ersatz für die bisherige Fabrik, deren Produktion eingestellt werden soll.

    • Gutachten der GfK Geomarketing zur Weiterentwicklung des Reutlinger Einzelhandels in der Innenstadt liegt vor
    • ECE fühlen sich in der Einschätzung bestätigt, dass die Stadt insgesamt und vor allem die Innenstadt vom Center profitieren würde
    • ECE planen weiterhin mit 23.000qm
    • Dialog mit Stadt werde fortgesetzt


    Quelle: tagblatt.de


    Modell


    Hier gibt es eine Bildergalerie mit Plänen und Visualisierungen.
    Quelle: Reutlinger Generalanzeiger


    EDIT:
    Endfassung GfK-Gutachten Mitte März.


    Quelle: Südwest-Aktiv

  • Ich bezweifle den Nutzen eines solches Centers.
    Keine 100m entfernt existiert bereits der Kaufhof und die Müller Galerie mit 12.000 m², nicht zu vergessen die Wilhelm- und Karlstraße selber sowie etliche Nebenstraßen. Was möchte man da noch einmal mit bis zu 100 Läden? Wenn kann ich mir so etwas nur in der Art der Galerie vorstellen, in welcher der gleichnamige Drogeriemarkt den Haupteigentümer stellt. Nur welcher Anbieter wäre bereit (und in der Lage), die Hauptmiete für ein solches Gebäude zu übernehmen? Ein Großteil der dazu fähigen Ketten sind hier bereits vertreten.

  • ^
    Interessanter an der Nachricht fand ich die angesprochenen anderen Vorhaben:



    Aktuelle größere Projekte in Reutlingen, auf Basis der Meldung



    ECE-Center, wie schon erwähnt halte ich dieses für wirtschaftlich Sinnlos. Natürlich wäre eine derartige Mall klasse, gerade die Ecke untere Wilhelm/Karlstraße jedoch ist einfach bereits zu ausgebaut. Wenn überhaupt könnte ich mir so etwas für die obere vorstellen, Richtung Burgplatz/Lederstraße, dort sieht es einkaufstechnisch (noch) recht Mau aus.


    Neubau Stadthalle, ursprünglich als "Kultur- und Kongresszentrum" mit einem Investitionsvolumen von 90 Mio. international ausgeschrieben, musste der Bau aufgrund der Verschuldung drastisch gekürzt werden. Standort ist das Bruderhausgelände, welche derzeit noch ein beliebter Parkplatz (sprich Brache) ist. Die Bauzeit soll zwei Jahre betragen und womöglich noch in diesem beginnen.
    Ausführliche Seite: Stadthalle Reutlingen
    (unter "Planungsstand am 29. Januar 2009" kann man entsprechende Renderings sehen)


    Scheibengipfeltunnel, endlich. Zwar wird dadurch der Innenstadtverkehr nicht gänzlich entlastet, aber doch im großen Maße. Leider hat Reutlingen in den letzten Jahrzehnten in Punkto Stadtumgehung ordentlich geschlafen. Bauende soll laut der Meldung 1016 sein.


    Dietwegtrasse, kann wegbleiben. Sie soll zwar ebenfalls die Innenstadt weiter entlasten, würde dadurch jedoch die Nordstadt zerschneiden und ist wirtschaftlich umstritten. Nicht umsonst laufen die Überlegungen seit den siebzigern, allenfalls mit dem Scheibengipfeltunnel eine (verlängerte) Option.


    Am interessantesten ist allerdings wohl noch dieser Ausschnitt:
    "Die Regionalstadtbahn ist wichtig... Wir haben jedoch klare Signale des Landes, dass vor 2010 kein Geld für die Regionalstadtbahn fließen wird, dass dann aber die Karten wieder neu gemischt werden. Hinter den Kulissen treiben wir deshalb die Planungen für dieses Projekt mit Hochdruck voran, damit wir 2010 mit fertigen Vorschlägen ans Land herantreten können".


    Ich dachte bereits die Regionalstadtbahn sei vom Tisch.
    Nur in diesem Zusammenhang bin ich auch absoluter Befürworter von S21, denn durch den dann neugebauten Filderbahnhof käme Reutlingen anschließend womöglich zu einer Straßenbahn-, oder sogar Fernverkehrsanbindung. Derzeit ist die Stadt bahntechnisch noch absolutes Niemandsland, lediglich ein zweigleisiger Durchgangsbahnhof ist vorhanden. Meine Vision: 2030 mit der Stadtbahn zum nun sechsgleisigen Knotenbahnhof fahren können und dann im IC bis nach München. Nun ja, träumen wird man ja noch dürfen. Bei der derzeitigen Lage sollte man bereits froh sein, wenn die "fertigen Vorschläge" überhaupt angefertigt werden. :)

  • Was hat es mit der Dietwegtrasse auf sich?


    Zum ECE: Andererseits: Reutlingen ist immerhin eine kleine Großstadt und relativ reich. Es haben kleinere und ärmere Städte solch ein EKZ. Natürlich werden die Bestandsgeschäfte davon etwas spüren.

  • Genauere Infos gibt es bspw. hier: GEA.de


    Sie soll eine direktere Verbindung zwischen der B28 und B464 ermöglichen und somit die Ost-West-Trasse entlasten.


    Persönlich würde mich ein solches EKZ auch freuen, es wäre ein riesiger schritt. Man sieht jedoch bereits an der Stadthalle, das man sich in Reutlingen mit derartigen Prestigeprojekten schwer tut. Ich habe dazu mal noch ein stätisches Essay heraus gekramt, welches zwar nicht mehr das neueste ist, die Situation aber immer noch gut umschreibt: Reutlingen zum Beispiel.
    Und obwohl es derzeit doch nur eine zu groß geratene Stadt ist, mag ich sie und hoffe, das man irgendwann nicht nur Anhand der Einwohner die Alb-Metropole auch wirklich als Großstadt bezeichnen kann.