Lagergebäude als architektonischer Hingucker!

  • Lagergebäude als architektonischer Hingucker!

    Hi,


    an der Ecke Äußere Bayreuther-/Welserstraße soll ein öffentliches Lagergebäude gebaut werden. Der Investor verspricht einen architektonischen Hingucker!


    hier ein Auszug aus der NZ:


    "Architekt Andreas Emminger betont, dass sich das Unternehmen mit seiner Eigenwerbung durch Schriftzug und Firmenlogo an der Fassade in Zurückhaltung übt. Nur am unteren, milchig-weiß verglasten Teil des Gebäudes soll der Name «SelfStorage» prangen. Dieser gläserne Sockel, der von außen nicht einsehbar ist, wird nachts von innen leuchten – der obere Gebäudeteil scheint dann darüber zu schweben. Er besteht aus anthrazitfarben changierendem Wellprofil, das im Fensterbereich gelocht ist. Von innen kann man durch Lamellen nach außen blicken, umgekehrt sieht aber niemand, was eingelagert ist.


    Nur von der Straße her wirkt der Bau kubusartig. Von oben erkennt man: Es ist ein diagonal aufgeschnittener Würfel, also ein Dreieck, zu den Wohnhäusern hin terrassenförmig gestaffelt und aufgelockert, so dass es die Umgebung nicht erschlägt. Die Planungen wurden vom Baukunstbeirat positiv beurteilt."


    Der gesamte Artikel inkl. Visualisierung ist hier zu lesen:
    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=666502&kat=11


    Gruß


    Mattes

  • Daß die Lücke geschlossen wird ist natürlich positiv, denn die Kreuzung ist eine Katastrophe - im Süden eine noch viel größere Lücke und im Norden auch keine vernünftige Eckbebauung. Daß man für diese Nutzung nicht den großen Wurf erwarten kann ist auch klar, aber wenn der Investor von einem Hingucker spricht, dann mache ich mir schon Gedanken, ob das auch gerechtfertigt ist. Ein verglastes Erdgeschloß und darüber ein relativ geschlossener Baukörpfer ist auch wirklich nicht besonders innovativ - muß nicht schlecht sein, aber meiner Meinung nach wird hier viel zu hoch gegriffen:
    Dieser gläserne Sockel, der von außen nicht einsehbar ist, wird nachts von innen leuchten – der obere Gebäudeteil scheint dann darüber zu schweben.
    Den oberen Gebäudeteil dann wird man im Dunkeln gar nicht richtig wahrnehmen. Man wird ein beleuchtetes Erdgeschloß sehen, das übrigens nicht transparent ist - was sieht man dann da? ein einförmiges helles Band? - und das war's. Wenn man will, daß etwas im Dunkeln schwebend aussieht, dann müßte das Erdgeschloß dunkel sein und der obere Bereich leuchten - wobei es natürlich schwierig ist, den Sockel dann wirklich stockdunkel zu halten. Das wäre außerdem dann für Fußgänger - gibt's dort nicht sehr viele, aber ein paar schon - eher unangenehm.
    Er [der obere Gebäudeteil] besteht aus anthrazitfarben changierendem Wellprofil, das im Fensterbereich gelocht ist.
    Wellprofil - das hört sich ja richtig gut an. Lagerhallencharme - paßt immerhin zur Nutzung.


    Ich habe durchaus Verständnis für wirtschaftliche Zwänge und kann mit relativ banalen Entwürfen auch leben - kommt halt auf die Lage an - aber man sollte meiner Meinung nach dann den Mund nicht so voll nehmen. Vielleicht werde ich ja noch positiv überrascht, wenn man das Gebäude in Wirklichkeit betrachten kann - Entwürfe sind hier ja immer etwas problematisch, gerade in Hinblick auf die Wirkung von Oberflächen - aber meistens ist die Realität noch viel trister als der Entwurf.

  • Tja, leider kann man nicht wirklich viel erkennen. Da gebe ich Euch Recht. Aber das Architekturbüro e+z ist schon ein sehr gutes in Nürnberg und hat ja auch erst bei den Architektouren in diesem Jahr ein Objekt beigesteuert.


    Warten wir mal ab, wie es in Wirklichkeit dann aussieht. Das der Baukunstbeirat das Projekt positiv beurteilt hat, bedeutet ja auch was Gutes.

  • Gestern hatte ich in einer Diskussion im Frankfurt-Unterforum das hier gesehen. Wenn die Kiste noch mehr schween würd, dann würde sie wegfliegen.
    Gerade dadurch, dass das Untergeschoss und nicht die darüber liegenden Teile beleuchtet werden kommt doch der schwebende Charakter auf. Das verglaste Untergeschoss löst sich so als Masse auf. Ich habe mal einfach bei google nach einem passenden Bild gesucht nd zu den Stichworten Glas und Nacht das hier gefunden. Ist ein Kunstwerk. Was man schönes sieht, ist dass das Glas ganz weg ist, diese Platten aber da bleiben. Muss ich ja nicht erklären, weils total banal ist, aber dadurch schwebt die Kiste. Würde man den oberen Teil des Gebäudes beleuchten, wie Norimbergus es fordert, dann würde diese schiere Masse noch schwerer wirken. Selbst wenn man sich das Gebäude bei Tag vorstellt schwebt es ja schon.
    Von daher sehe ich den selbst gestellten Anspruch durchaus erfüllt.

  • OK, kommt auf die Situation an. Bei einem freistehenden Gebäude mit relativ hellem Himmel im Hintergrund wie in oben gezeigtem Beispiel kann es wohl ganz passabel funktionieren. In der Nürnberger Situation habe ich da so meine Zweifel.
    Mein Gedanke war ja auch der, daß das Erdgeschoß wirklich stockdunkel ist, so daß es gar nicht richtig wahrgenommen wird und der beleuchtete Teil über der Dunkelheit schwebt - was zugegebenermaßen auch kaum realisierbar ist! Somit korrigiere ich meine Aussage: Ich halte es so oder so für kaum möglich, einen schwebenden Eindruck zu erwecken!


    Die Meinung des Baukunstbeirats ist für mich völlig irrelevant für die Frage nach der Qualität! Ich habe bisher keinerlei Korrelationen zwischen meinem Architekturgeschmack und dem des Baukunstbeirats entdecken können.