Hochhausbebauung [der Diskussionsthread]

  • Moin.


    Wie ich hier im Forum schon mal angemerkt hatte, könnte man das Europahochhaus am Bochumer Hauptbahnhof durch eine Umgestaltung wesentlich ansprechender machen.


    Ich selbst habe mir mal Gedanken darüber gemacht, wie ich das Hochhaus gestalten würde.



    Vorweg noch ein Foto vom Europahaus wie es aktuell aussieht

    Quelle: Hito


    Zunächst wollte ich es in seiner Charakteristik mit den horizontal verlaufenden Fensterbänden, nicht groß verändern. Also skizzierte ich es mit höheren Fenstern auf einem Blatt Papier. Das Ergebnis gefiel mir aber nicht besonders. Meine nächste Idee war es, dem Hochhaus ein völlig neues Aussehen zu verpassen, also seinen Charakter zu verändern.
    Von horizontal verlaufenden Fensterbändern wechselte ich nun zu vertikal Verlaufenden, um das Streben in dir Höhe mehr zu betonen.
    Meine Idee gefiel mir auf dem Papier so gut, dass ich es als CAD Modell bauen musste.


    Und je weiter das Modell voran schritt, umso detaillierter wurden meine Vorstellungen. Ich würde dem Europahaus nicht nur einfach eine komplett neue und andere Fassade verpassen, sondern es auch um 6 Geschosse erhöhen, um im Kontext mit dem visionären Stadtturm besser zu wirken.
    Vorerst konzentrierte ich mich nur auf das Hochhaus und ließ die Sockelgebäude weg.


    Das Ergebnis ist folgendes:


    Links: Nord/Süd Seite ; Rechts: Ost/West Seite

    Links: aufgestockt (84m | 22 Geschosse) ; Rechts: nicht aufgestockt (60m | 16 Geschosse)


    Im nächsten Schritt, überlegte ich mir, wie ich die Sockelgebäude umgestalten würde. Und genau hier packte mich die Begeisterung. Ich schaute mir den umliegenden Bereich bei Google Earth an und entschied mich, den gesamten Bereich zwischen Kurt-Schumacher Platz, Huestr und Hellweg um zu Gestalten. Den Bereich habe ich im folgenden Google Earth Bild markiert.

    Quelle: Google Earth


    Nun die Visualisierungen des gesamten Bereichs, wie ich ihn umgestalten würde.
    Zum Vergleich ohne Blockrandbebauung.

    Mit Blockrandbebauung.



    Axonometrie Ost/Nord-Ost




    Alle Visualisierungen (c)Hito


    Wie ihr sehen könnt, wären nach meinen Vorstellungen, umlaufend 6 Geschosse mit Staffelgeschoss als Blockrandbebauung vorgesehen. Durch diese Höhe würde die urbane Wirkung auch verstärkt werden.
    Das Erdgeschoss wäre ebenfalls zurück gesetzt wodurch am Eingang der Bochumer Innenstadt, sehr imposante Arkaden entstünden. Auch die weiße Farbe wäre so vorgesehen, da die Gebäude dadurch sehr edel wirken würden. Zur Nutzung gäbe es halt die "üblichen Verdächtigen". Geschäfte im Erdgeschoss, Büros, Anwälte, Ärzte, Architekten, Wohnungen etc. darüber.


    Auf Basis meiner Ideen und Visualisierungen, die ich aber ausdrücklich als visionär oder utopisch bezeichne, möchte ich gerne mit euch darüber diskutieren, wie man die Bochumer Innenstadt weiter aufwerten könnte.
    Auch Nicht-Bochumer dürfen sich hier gerne beteiligen und Vorschläge machen bzw. Wünsche äußern.


    In diesem Sinne hoffe ich auf rege Diskussionen. ;)

  • Finde den Entwurf super. Es wäre schön, wenn man die Fassade so ähnlich
    umgestalten würde.


    Das Hochhaus braucht auf jeden Fall mehr Glas...die Aluminium/Kunststoffverkleidung muss runter.


    Das wird wahrscheinlich auf absehbare Zeit nur ein Wusch
    bleiben.


    Hier noch ein weiteres Foto vom Europahochhaus.



    Wikipedia GNU Free Documentation License

  • Ich kann mich butschel hier nur anschließen; ich sehe beim Europahaus keinerlei Bedarf, hier irgend etwas zu verändern. Es handelt sich um eines der Hauptwerke von Roman Reiser und ist definitiv ein Aspirant auf Denkmalstatus hinsichtlich seiner Bedeutung als wichtiger Bestandteil der großstädtischen Neudefinition des Bochumer Zentrums rund um der neuen Hbf in den 50/60er Jahren...
    Es war Bochums erstes echtes Innenstadthochhaus überhaupt, und das sollte man auch in Zukunft noch nachvollziehen können...

  • ....und das sollte man auch in Zukunft noch nachvollziehen können...


    Zu Spät.
    Die Fassade wurde schon in den 70ern "entweiht".


    -Und es soll hier sogar Leute geben, denen sie so gefällt...:nono:


    Wieso werden eigentlich (gerade in Bochum) immer die billigsten und tristesten Gebäude als
    "besonders "schützenswert"" gehyped??


    (Der Berühmte??) Roman Reiser hatte bei diesem kunstvollen Quader ("klare Linien" oh, yeah!) ganz sicher nicht
    den Auftrag eine Schönheit zu bauen. -Vor allem nicht mit der ersten (original) Fassade.
    Vorrangig sollte es wohl einfach billig sein.


    Aber das architektonisch "meisterwerkliche" Bochum wird sicher noch mal
    zum Museum für "Design" welches sonstwo niemand haben will...


    "Zeitlos" "designt"... Herrlich immer wieder die gleichen Floskeln zu lesen.


    "Oh! Sieh! Ein weisser Schuhkarton! -Wunderschön. Originell! Ein kreatives Feuerwerk sondergleichen.
    Da sollten sich andere Architekten mal ein Beispiel dran nehmen.
    Nicht immer so´n schwuler rosa Stuck wie sonst überall in Bochum...



    @Darth Hito


    Dein Entwurf ist spitze!!!
    Allerdings ist es schon jetzt - mit der niedrigeren Blockrandbebauung -
    von der Unistrasse / Hbf aus fast unmöglich die dahinterliegende Stadtbadgalerie zu sehen.
    Mit einer (zumindest durchgängig) noch höheren Bebauung könnte unter Umständen auf dem Feldweg
    zwischen Hbf und Sowjethaus eine noch "anheimelnd-bedrückendere" Enge entstehen.


    Aber das würde einem Ruhrgebietler und besonders Bochumer sicher nicht auffallen -geschweige denn stören...


    Übrigens:
    Nachdem nach dem Umbau für erstaunliche 3 Monate mal 1 Strasse in Bochum frei von Gestrüpp gewesen ist
    und vor dem Bahnhof kurzfristig mal so etwas "trostloses" wie "Platzähnliches Flair" zu finden war, hat Bochum es
    jetzt mal wieder ALLEN voller Stolz geheuch...gezeigt, dass es es ja "NUR EIN VORURTEIL"
    ist, dass es hier grau, monoton, billig, verbaut und eng ist...


    Man hat "endlich" die Bäume gepflanzt! Ich hatte schon Panik, dass ich mich nicht mehr in der Nähe des Bahnhofs
    aufhalten könnte ohne zu ersticken!
    Jetzt ist der kleine Platz Geschichte, die Strassen werden wieder schön dreckig/rutschig, die Bäume spenden den
    dringend benötigten Schatten und man hat wieder mal ein paar Barrieren mehr direkt vor der Nase, die einen davor "bewahren" mal irgendwas anderes zu sehen als an anderen Orten von Bochum.


    Bitte noch mehr Wald dort, wo er hingehört! -Auf die Straßen...


    Anstatt die Stadt mal als Stadt wirken zu lassen (bei dem Platzmangel schon ohne Bäume sehr schwer) versucht man
    hier immer hysterisch irgendeine Art (degeneriertes) Märchenwald-idyll zu erzwingen.


    Damit hat man dann noch nicht mal mehr das Flair das man haben KÖNNTE, (das einer relativ grossen (Industrie)-(Gross)Stadt)
    sondern das "Flair" eines engen, abgewrackten und zugewucherten
    Industrie-DORFES...............................nach ´nem Atomkrieg....


    Aber "die Menschen" hier sind ja ganz stolz darauf, dass im Vergleich zu z.B. München
    (...oder auch jeder anderen x-beliebigen Stadt ausserhalb des Ruhrgebietes...)
    hier im "Naturparadies Metropole-Ruhr" viel mehr Bäume auf den Strassen stehen.


    Warum ist das in München wohl so...


    JA! GENAU!
    Die Münchner haben natürlich weniger Geld, um ihre hässlichen Gebäude hinter so zahlreichen und betörend schönen (Mammut)-"Bäumchen" zu verstecken als wir im wunderschönen Denkmal-Ruhrgebiet...


    Naja. Zurück zur Fiktion.
    Der Entwurf jedenfalls gefällt mir sehr.


    Langer Rede, kürzerer Sinn:
    Ich muss wohl zugestehen, ich bezweifle, dass hinter der "Natur" noch Platz/Sinn für solch ein grosses Gebäude bestünde.


    Und ausserdem befürchte ich, dass sämtliche Gebäude (so schön sie denn auch sein mögen)
    überhaupt nicht mehr Sichtbar sein werden in ein paar Jahren, wenn die Bäumchen ihre volle
    "Pracht" entfaltet haben...


    Es sind ja immerhin "maßvolle" ca. 20 Stück auf der engen Strasse vor dem Denkmalgeschützten Hauptbunke....
    ...ähh... Bahnhof...

  • Wohnklotz

    Bei allem Respekt, mein Lieber:


    Über Geschmack lässt sich zum Glück wunderbar streiten - oder eben garnicht.


    Ich gebe dir bei fast allen Threads hier 100prozentig Recht (vor allem was die Tristesse der Ruhrpott-Innenstädte angeht, teilweise auch was die "Verbaumung" angeht).


    Gerade beim Europahaus finde ich eben (und mit mir offenbar einige andere), dass es gelungen und erhaltenswert ist.


    Vielleicht solltest Du die Meinung anderer eben auch mal akzeptieren oder zumindest nicht als dumme Floskeln abtun.


    Ich feinde die Argumentation des Urbanisten jedenfalls stichhaltig.

  • 1. "Dumme" Floskeln hab ich nicht gesagt.
    2. Schlecht ist das Europahaus auch nicht.
    Mir gefällt sogar die Leuchtschrift und der Stern.
    Es ist ganz in Ordnung. -aber sicher kein strahlendes Highlight.


    Es ist doch noch nichtmals ganz vermietet oder?
    Dann finden es potentielle Nutzer wohl nicht so attraktiv wie ihr....


    -aber die "Argumente" für den quasi bedingungslosen Erhalt finde ich lächerlich.


    Das ist typisch (besonders mittleres) Ruhrgebiet.


    In Herne würde man sogar noch eine Wellblech-Lagerhalle aus den 90ern unter Denkmalschutz stellen
    (dem ganzen dann am besten noch einen Namen mit "Palast" oder "Kultur" geben),
    wenn irgend ein Amtstrottel dadurch eine Chance sehen würde
    damit den ohnehin lächerlich/krankhaften Lokalpatriotismus der Herner
    (ausgelöst durch Patzigkeit? Oder Naivität?) weiter zu stärken.
    Das ist zwar absolut nicht notwendig, aber die Leute freuen sich darüber hier immer...


    Für solche daraus resultierenden Sprüche beim Arzt im Wartezimmer wie:
    "Kannse ma sehen, ne?" "Was Herne so alles zu bieten hat..."


    Was ich damit sagen will ist, die Ruhrgebietler sind einfach sehr leidenschaftlich dabei sich Sachen schön zu reden, wo eigentlich nur Banalitäten vorhanden sind.
    -Und diese teilweise noch nichtmals in gut erhaltenem Zustand...


    So wie der Rhein-Herne-Kanal jetzt für 2010 plötzlich zum "Kulturkanal" geworden ist...-ohne weiteren Sinn...


    Hauptsache : "Ham´we, Ham´we, Ham´we..."


    Ich akzeptiere die Meinung der anderen. Wie kommst Du darauf, dass ich das nicht tue?
    Aber wenn jeder alles hier unkommentiert belassen würde, wäre es zum einen mal für jeden ein Monolog, oder zumindest sehr dröge...


    Der "Urbanist" präsentiert sich nach meinem Eindruck (zumindest in den Bochumer Threads) oft als auffallend uninnovativ. Und das ist irgendwie nicht sehr "Urban"...
    Deswegen meine scharfe Ironie, die Du offenbar als "Intoleranz" verstanden hast.
    Inkl. der Wortandrehung von wegen "dumme Floskeln"...


    Es ist ja nicht so, dass die Bochumer bauten nicht auch 1000fach in jeder anderen Stadt zu finden wären.
    Und es ist nicht Paris oder Heidelberg...

  • nunja, du musst das Wort "dumm" nicht verwenden, deine scharfe Ironie schreit das Wort geradezu zwischen allen Zeilen raus.


    Ob das Europahaus komplett vermietet ist, weiß ich nicht. Wenn nicht, muss das nicht unbedingt an der Unnatraktivität des Gebäudes liegen. Du glaubst ja nicht, wieviele neue, moderne und möglicherweise auch attraktive Gebäude hier in Berlin unvermietet sind.


    Zufrieden geben mit Mittelmäßigkeit ist schlecht und etwas, dass mich in Bochum und Umgebung auch sehr stört.


    In diesem Fall geht es aber nicht darum, sondern um eine Geschmacksfrage.


    Und in der sind wri eben uneins. Für mich ist das Haus eben nicht mittelmäßig (wie etwa die Twin Towers am Hauptbahnhof).


    Trotzdem: Dein Leidenschaftlicher Kampf für Fortschritt ist löblich, gut und nötig (ohne Ironie!).

  • butschel #63


    Ich persönlich finde das Europahochhaus auch nicht wirklich schlecht. Aber es wurde auch nicht für die Ewigkeit gebaut.
    Zu der Fassade und ihrer Epoche. Was glaubst du denn aus welcher Epoche diese stammt? Ich glaube hier suggeriert die Fassade dem Betrachter eine andere Herkunfstepoche als die Tatsächliche. Ich persönlich habe meinen Entwurf/Beitrag auch absichtlich als Utopie bzw. Vision bezeichnet.
    Doch alleine aus energetischen Gründen, muss am Europahaus in Zukunft was getan werden. Ich wette das Gebäude ist nen ziemlicher Stromfresser!


    Urbanist #64


    Also irgendwie wusste ich, dass dieser Beitrag/Einwand kommen würde. Wieso willst du das Hochhaus unter Denkmalschutz stellen? Es ist kein Highlight und stammt aus einer Epoche als Zweckmäßigkeit angesagt war.
    Nur weil es das erste Hochaus in der Bochumer Innenstadt war, muss es nicht gleich aug Ewig in dieser Form "erhalten" bleiben. Der Denkmalschutz wird in Bochum teilweise ziemlich übertrieben eingesetzt. Gebäude wie das alte Stadtwerkehaus, der Hauptbahnhof und der Hochbunker an der Universitätsstr. stehen unter Denkmalschutz, während zum Beispiel die Marienkirche nicht unter Schutz steht/stand und sogar vom Abriss bedroht war. Das Ganze empfinde ich als ziemlich schizophren. Was soll bitte Besonderes und Erhaltenswertes an tristen "Nachkriegs-Zweckbauten" sein?
    Anders gefragt. Wieso will man sich Bauten erhalten, die meiner Meinung nach, nur temporär das Stadtbild prägen sollten und nicht für die Ewigkeit?
    Es gibt aber auch durchaus gute und erhaltenswerte Beiträge dieser Epoche.


    Wohnklotz #65


    Teilweise stimme ich dir zu. Wobei das Europahaus ästhetisch betrachtet, durchaus gehobener Durchschnitt ist. Und die kubistische Form nur als schlecht hinzustellen, halte ich auch für falsch.
    Da es aber nicht für Ewigkeit konzipiert wurde, muss es den Zeichen der Zeit folgen.
    Es ist in der Tat nicht komplett vermietet.
    Ich denke ebenfalls, dass eine Umgestaltung des Europahauses durchaus wieder zu erhöhter Nachfrage führen würde. Ich persönlich würde sogar dieses Ibis(?) Hotel hinterm Hbf abreißen lassen und das Hotel ins Europahaus einziehen lassen. Auch um Platz zu schaffen für einen neuen Hbf. Okay, ich weiß, dass der Kasten unter Schutz steht, deshalb meine ich das Ganze auch utopisch.


    butschel #68


    Nun hast du mich aber gegen dich aufgebracht. Die beiden Park (Holiday) Inn Türme am Hauptbahnhof gehören zu meinen Lieblingsgeäuden in Bochum. Für mich sind die keineswegs nur 08-15. Die Fassade bedarf zwar einer dringenden Sanierung, aber die beiden "Türme" (die einzigen Hochhäuser in Bochum die das Kriterium als Turm/Tower zu gelten, erfüllen) sind immerhin zwei Gebäude mit denen ich Bochum seit meiner Kindheit verbinde. ;)
    Für mich sind sie auf jedem Fall ansprechender als das Europahochhaus, auch wenn letzt Genanntes wie weiter oben erwähnt durchaus gehobener Durchschnitt ist. Also bestätigt sich hier wieder mal die Aussage, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt.

  • DarthHito :
    Ich denke es geht hier um die grundsätzliche Frage, wie man den Bauten der Nachkriegsmoderne gegenüber eingestellt ist.
    Ich habe bis vor ein paar Jahren auch geglaubt, daß der Wiederaufbau als Ersatz für die Kriegszerstörungen etwas "minderwertiges" hätte, aber je mehr ich mich dann mit der Bauepoche beschäftigt habe, desto mehr Qualität habe ich daran entdeckt, und heute ist es für mich eine der interessantesten und spannendsten überhaupt...
    Deswegen glaube ich, daß diese Bauten sich nicht "rechtfertigen" müssen, weil sie ja nur "zweckmäßig" seien (ist eine rationale Entwurfshaltung schlecht?), sondern ich finde es bemerkenswert, wie gerade im Bochumer Fall aus einer tabula rasa nach dem Krieg eine neue Innenstadt geschaffen wurde, die zweckmäßig und zugleich von gestalterischer und raumbildender Qualität ist (fast alle Bauten weisen irgend eine Art von Dekoration auf, seien es Klinkerfelder, Fliesen oder Mosaikdetails, grafische Details auf Putz u.ä.; es wurde eine Vielfalt hochwertiger Materialien verarbeitet, und gerade die Klinker-/Fliesenfassaden sind bis heute sehr gut gealtert), und gerade das Europahaus ist als Höhendominante des Ensembles am Hbf ein besonders akzentuierter Bau mit besonderem Wert; er markiert das neue Zentrum am Hbf, welches eine der größten Errungenschaften des Bochumer Wiederaufbaus ist, denn dadurch wurde die ungünstige Lage des alten Hbf mit seinen Entwicklungshemmnissen korrigiert. Man kann sagen, daß der Wiederaufbau mit seiner Neupositionierung des Hbf, dem Straßenring und dem Straßenkreuz (Massenberg-/Bongard bzw. Hans-Böckler/Viktoriastr.) die Innenstadt völlig neu konfiguriert hat und so erst die Entwicklung zu einem Großstadtzentrum ermöglicht hat. Es ist die Bauepoche, die das Gesicht Bochums bis heute nachhaltig prägt, Identität gibt und dabei durchaus qualitätvoll ist, und deswegen sollte sie gepflegt und behutsam weiterentwickelt werden, anstatt sie zu zerstören...
    Der Diskurs über die 50/60er ("billig gebaut, nur temporär, muß weg") erinnert mich an die Art und Weise, wie bis in die 70er Jahre die Bauten der Gründerzeit bewertet wurden, bis dann nach einer unvoreingenommenen Beschäftigung damit ein Umschwung einsetzte und diese Epoche heute allgemein als schön und wertvoll empfunden wird; gönnen wir doch auch der Wiederaufbaumoderne die Chance, neu entdeckt zu werden und mit ihren Werten wahrgenommen zu werden...
    Ansonsten wird man in zwanzig Jahren vielleicht beklagen, daß dann als wertvoll empfundene Substanz leider in der Zwischenzeit durch Abriß verloren ging oder durch unsachgemäße Sanierung leider bis zu Unkenntlichkeit überformt wurde...
    Ich denke es bringt auch nichts, verschiedene Epochen gegeneinander auszuspielen (ich weiß nicht warum die Kirche an der Viktoriastr. nicht geschützt war, aber leerstehende Kirchen sind immer eine große Herausforderung für eine sinnvolle Nachnutzung, und es sind aus demselben Grund weiß Gott auch viele Kirchen aus der modernen Epoche von Abriß bedroht), denn letztendlich wird eine Stadt in ihrer Geschichte durch das Mosaik an möglichst authentisch erhaltenen Bauten aus verschiedenen Epochen lesbar, und für den "Text" Bochums spielt die Nachkriegsmoderne vielleicht eine noch größere Rolle als in anderen deutschen Städten. Ich denke, es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen, sondern wenn es gelingt dieses Erbe behutsam zu entwickeln und an heutige Bedürfnisse anzupassen ohne es zu zerstören kann Bochum stolz darauf sein...

  • Als kleines Schmankerl hier nochmal Visualisierungen von Stadtturm und dem umgestalteten Europahochhaus im Kontext.


    Vom Straßenniveau aus betrachtet

    So würde es sich ungefähr vom Bismarckturm aus darstellen

    Alle Visualisierungen (c)Hito


    Urbanist


    Dein Beitrag enthält durchaus interessante Anregungen. Meine Antwort darauf folgt noch etwas später.

  • An dieser Stelle möchte ich Fotos der Hochhäuser in der Innenstadt, die ich während meines Bochum Besuchs gemacht habe, nachreichen.


    Die Doppeltürme des Park Inn Hotels (man erkennt leider sehr gut, dass die Fassade einer dringenden Sanierung bedarf)



    Stadtbadgalerie (rechts daneben das alte Stadtwerkehaus)



    Stadtbadgalerie und der höhere Turm des Park Inn von der Schützenbahn aus fotografiert. (ich finde, das ist ne nette kleine Sichtachse. Die Gasse zwischen den Häusern fokussiert den Blick wunderbar) Links im Bild zu sehen, das Modehaus Baltz, rechts die Sparkassen Galeria.

    Ein Teil vom neuen Stadtwerke Hochhaus von der Bongardstraße aus gesehen

    Europahochhaus


    Die folgenden Bilder sind vom oberen Geschoss des Mc Donalds am Hbf entstanden.




    Das neue Stadtwerke Hochhaus (direkt gegenüber stehend. Wie man sieht, ist es fast unmöglich ein vernünftiges Foto davon zu machen, wegen der Bäume davor. Wollte man es wirklich ablichten, müsste man sich direkt auf die Fahrbahn des Ostrings stellen, also in Lebensgefahr begeben!)


    Jene Stelle würde sich fast perfekt eignen um Fotos zu machen. Das ist die Ecke Castroper Str/Rheinische Str.


    Zuletzt ein leider verwackeltes/unscharfes Bild vom Bahnsteig des Bochumer Hauptbahnhofes aus gemacht.

    Alle Fotos: Hito


    Die teilweise schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Ich fotografiere bisher leider nur sehr selten und bin noch nicht so geübt. ;)

  • Danke für die schönen Fotos DarthHito


    Einem Außenstehenden wird damit sicher ein guter Eindruck über die Hochhausfamilie der Bochumer Innenstadt vermittelt.


    City-Tor Süd


    In dem aktuellen Bebauungsplan zum City-Tor Süd kann man eine interessante
    Neugkeit nachlesen.
    Denn man plant nicht nur am Eingang ein neues Hochhaus, sondern auch
    am andren Ende des Grundstücks.


    In dem Schreiben der Verwaltung wird dies so beschrieben:


    ''Die Auftaktsituation des Eingangsbereichs wird durch ein Hochhaus markiert ...
    ... Durch das markante westliche Hochhaus wird der Abschluss des neuen Quartiers gebildet.''


    Quelle: Stadt Bochum


    Ich hab mal versucht ungefähr die neuen Hochhäuser in das Stadtbild zu integrieren.
    Das Ergebnis gibt es hier zu sehen.


    Foto: Stadt Bochum

  • Sehr interessant das mit dem City-Tor Süd.


    Ich bin das Schreiben mal kurz überflogen. Leider können wir aber nicht mehr als 10 Vollgeschosse erwarten. Mehr lässt der Bebauungsplan nach erstem "Lesem" nicht zu. Das wären also maximal um die 40 m Gebäudehöhe. Wobei natürlich für Bochumer Verhältnisse 40 m schon markant sind. Man müsste da natürlich abwarten, wie konkret die Planungen voran schreiten, wie die mögliche Gestaltung wird und natürlich die Wirkung im Kontext mit dem Bochumer Stadtbild.


    Zu meinen Bildern. Leider war ich an jenem Tag ziemlich in Eile und konnte nicht noch mehr Fotos machen. Auch hatte sich mein Vorhaben zerschlagen, zwei Tage länger zu bleiben. Sonst hätte ich noch die Baustelle vom Exzenterhaus fotografiert, Fotos vom Bergbaumuseum aus geschossen und vom Bergmannsheil aus. Auch auf den Tippelberg wollte ich noch. Hatte leider nicht geklappt. Das nächste Mal aber ganz sicher. :)

  • Auch auf den Tippelberg wollte ich noch. Hatte leider nicht geklappt. Das nächste Mal aber ganz sicher. :)


    Da kann ich ein wenig aushelfen, hier ein paar Fotos ;)





    Alle Fotos sind von mir


    Ich finde es schade, dass man die Innenstadt wegen der Anhöhung im Stadtpark so schlecht sehen kann. :mad:

  • Woah...ich muss sagen, dass das klasse Fotos sind. Besonders das Bild in der Mitte, eröffnet einem die Möglichkeit, sich von den Hochhäusern und deren Lage im Stadtbild zu vergewissern. :daumen:
    Übrigens, auf dem mittleren Bild, ist links neben dem Bismarckturm und vor dem Bomin Hochhaus ein Kran zu sehen, der aus dem "Wald" heraus ragt. Handelt es sich dabei, um den Kran 1 der Exzenterhaus Baustelle?

    Zu der Anhöhung die einen besseren Blick auf die Innenstadt verhindert.
    Man kann die Topographie nicht beeinflussen. Oder soll man den Stadtpark "absenken", um bessere Beobachtungs- und Fotografiemöglichkeiten zu schaffen? :D
    Es wäre schon ne große Verbesserung, wenn man den "Wald" mal ein wenig entfernen würde.

  • @ DarthHito


    Bei dem Kran handelt es sich wirklich um den Kran 1 des Exzenterhauses.
    Ich finde es nur schade, dass das Bomin Hochhaus später von dieser Perspektive aus
    nicht mehr zu sehen sein wird, weil es durch das Exzenterhaus verdeckt wird.

  • In Bochum scheint ja einiges los zu sein derzeit wie man hier im Forum merkt. Freut mich für unsere Partnerstadt ;) Das Externhaus wird wirklich ein schmuckes Ding und bin da als Dortunder ja schon etwas neidisch drauf,würde unserer Skyline auch echt gut tun die gerade ja etwas stockt;)


    Leider ist ist Bochum von der Topografie etwas benachteiligt,wie ich auf einige Fotos erkennen kann. Trotzdem sind ein paar echt tolle Gebäude dabei,gerade die zwei Doppeltürme gefallen mir sehr gut,wirke die wie die kleinen Brüder aus Essen:lach:


    Übrigens großes Lob an Darhito sind tolle Beiträge + Bilder von dir,würd mir sowas auch mal für Dortmund wünschen :lach:

  • Urbanist #71


    "Ich habe bis vor ein paar Jahren auch geglaubt, daß der Wiederaufbau als Ersatz für die Kriegszerstörungen etwas
    "minderwertiges" hätte, aber je mehr ich mich dann mit der Bauepoche beschäftigt habe, desto mehr Qualität
    habe ich daran entdeckt, und heute ist es für mich eine der interessantesten und spannendsten überhaupt..."


    Dann kann man ja nur hoffen, dass sich mehr Leute in gleichem Maße wie Du mit Architektur beschäftigen und durch
    ihre erworbenen Erkenntnisse und geschmackliche Reife dann Städtetouren nach Bochum und nicht nur zu vergleichsweise
    "langweiligeren" Städten wie London oder so machen..


    So gut Städte "lesen" wie Du, werde ich sicher nie können...
    Das ist mir allerdings auch egal, da ich nicht wüsste was ich davon hätte.
    Ich denke die Architekten beliebiger vergangener Zeiten haben auch nicht ständig an die "Lesbarkeit" ihrer Architektur in
    Zukunft gedacht, oder haben die Entürfe ihrer Prachttempel in den Müll geschmissen, weil damit sonst eine bronzezeitliche
    Holzhütte vom Abriss "bedroht" worden wäre, oder es nicht in den "Kontext der Nachbarschaft" und damit
    "unharmonisch" (man könnte auch "abwechslungsreich" sagen)
    ausgesehen hätte...
    Ich denke, (zumindest in "einigen" Fällen)... sollte es (vielleicht?? - mal ganz simpel gedacht...)
    nach Fertigstellung halt schön aussehen oder eine Stadt erstmal zu einer Stadt MACHEN...


    Daher werde ich auch weiterhin (oberflächlich und naiv wie ich bin), Städte bevorzugen, denen man Krieg, Armut
    und Geringschätzung der eher mental einfachen Arbeiterbevölkerung
    (diese ist tatsächlich meist angemessen) nicht unbedingt an jeder Ecke ansieht...

    "...denn letztendlich wird eine Stadt in ihrer Geschichte durch das Mosaik an möglichst authentisch erhaltenen Bauten aus
    verschiedenen Epochen lesbar, und für den "Text" Bochums spielt die Nachkriegsmoderne vielleicht eine noch größere Rolle
    als in anderen deutschen Städten."


    ..."authentisch erhaltenen Bauten..."


    Schliesst das die aktuelle authentische Verschmutzung mit ein? Wenn ja, werden Dir sicher die Hausbesitzer dafür
    applaudieren, dass Du ihre teilnahmslose Verwahrlosung "hernemäßig" als Kulturgut bezeichnest...
    Es wird Zeit für eine Mieterhöhung -ist ja immerhin Geschichtsträchtig...


    Und das Hauptproblem bei deiner Aussage:
    Die "Nachkriegsmoderne" in Bochum spielt tatsächlich "eine NOCH grössere Rolle" als in anderen Städten in Deuschland.
    -Oder zumindest in den meisten.


    Und dies leider ohne gross wahrnehmbare Konkurrenz.
    Ausserdem wird Bochum so mit der Zeit wohl unweigerlich in deiner Wertschätzung sinken müssen, denn es gibt gar keinen
    Willen / Platz mehr für Entwicklungen in zukünftigen Epochen.


    Dafür gibt es
    (schon seit LANGER -und von allgemeiner Glückseligkeit erfüllter Zeit)
    ein Übermaß an "zeitloser grauer Schönheit" mit "klaren Linien" aus der Nachkriegszeit als es möglichst
    schnell und billig sein musste.


    Ich kann es allerdings auch nicht fassen, dass z.B. in Bochum Langendreer noch in den 70ern eine GUT ERHALTENE
    Ritterburg fast gänzlich abgerissen wurde.
    -natürlich zu Gunsten der heute so "umschwärmten", und selbstverständlich "denkmalverdächtigen" Betonklötze.


    Glücklicherweise hat da ausnahmsweise eine Bürgerinitiative mal (meiner Meinung nach) Geschmack bewiesen
    und sich nicht nur dafür eingesetzt wird, dass ein abgeschlossener Bunker in Ruhe weiter vor sich hin rotten darf.