Bahnhofsviertel auf Metaebene

  • Fusion von Druckräumen abgelehnt

    Zuletzt wurde im Mai über die Zukunft des Bahnhofsviertels diskutiert. Jetzt gibt es neue Themen zu besprechen. Wie die Rundschau schreibt, werden die die Drogenkonsumräume nicht zusammengelegt.


    Auf Antrag der FDP sollten die Einrichtungen der Integrativen Drogenhilfe, der AIDS-Hilfe und des Drogennotdienstes in einer zentralen städtischen Liegenschaft untergebracht werden.


    Seit im vergangenen März ein offener Brief von Bürgern zur Drogenszene für mächtig Aufregung gesorgt habe, hätten sich die Dezernenten intensiv mit den Bürgern auseinandergesetzt. Es heisst, man sei auf einem guten Weg.


    Weitere Entwicklungen zur Aufwertung durch die Szene:
    - Der seit 1999 stattfindende Wochenmarkt in der Kaiserstraße könnte bald an drei Wochentagen stattfinden. Angeregt wurde die Erweiterung von Wirtschafts- und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). Bislang findet der Markt dienstags am Kaisersack und donnerstags auf dem Abschnitt der Kaiserstraße zwischen den Kreuzungen Mosel- und Elbestraße statt.
    - Auch dieses Jahr soll es eine Bahnhofsviertelnacht und ein Kaiserstraßenfest geben und zwar zur 125 Jahr Feier des Bahnhofs am 18.8. Man darf gespannt sein.
    - James Ardinast's „100 Yards Block Festival“ in der Niddastraße soll in diesem oder nächstem Sommer stattfinden
    - Cream Music plant ein Festival in der Taunusstraße, bei dem seine Kunden auftreten sollen – allerdings erst im Jahr 2014

  • Rückblick auf die letzten zehn Jahre - Ausblick auf Pissoir

    Anlässlich der bevorstehenden Bahnhofsviertelnacht hat das Presse- und Informationsamt der Stadt heute ein Feature herausgegeben, zu verstehen als Zwischenbilanz zum Stadtumbau im Viertel. Lesenswert, denke ich, daher in voller Länge:


    [INDENT]Stadtumbau im Bahnhofsviertel geht ins zehnte Jahr
    Lebenswertes Quartier am Bahnhof: Bislang hat die Stadt 20 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt


    (pia) Aus Anlass der bevorstehenden Bahnhofsviertelnacht am Donnerstag, 21. August, zieht Bürgermeister Olaf Cunitz eine Zwischenbilanz zum Stadtumbau im Bahnhofsviertel, der nun ins zehnte Jahr geht. „Unserem Ziel, das Bahnhofsviertel zu stabilisieren, Leerstand abzubauen und vor allem das Wohnen in diesem innerstädtischen Quartier zu stärken, sind wir deutlich näher gekommen“, sagt Cunitz. „Zieht man allein die amtliche Statistik zu Rate, hat sich während des Stadtumbaus die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz um rund 1.000 auf 3.436 Personen erhöht, was einer Steigerung von fast 40 Prozent entspricht. Im letzten Jahr konnte das Bahnhofsviertel mit 10,2 Prozent das zweithöchste relative Bevölkerungswachstum im Vergleich der Frankfurter Stadtteile verzeichnen. Und auch die Zahl der Wohnungen erhöhte sich gegenüber dem Tiefstand zu Beginn des Jahrtausends um etwa zwölf Prozent auf 2.015 Wohnungen Ende 2012.“


    Im Jahr 2005 hatte die Stadt Frankfurt die „Förderungsrichtlinie Bahnhofsviertel“ zur Vergabe von Mitteln zur Sanierung des Wohnungsbestandes, zur Schaffung neuen Wohnraumes durch Umwandlung von Gewerbe in Wohnen und zur Wohnumfeldverbesserung beschlossen. Für die Umsetzung des Programms wurden bisher Fördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro bereitgestellt und eine kostenlose Modernisierungsberatung für die Eigentümer eingerichtet.


    Bis heute konnten Bewilligungen für insgesamt 346 Wohneinheiten auf 31 Liegenschaften ausgesprochen werden. Hiervon wurden 120 Wohneinheiten modernisiert und teilweise dadurch erst bewohnbar gemacht. 208 Wohneinheiten sind durch Umwandlung von Büro- beziehungsweise Gewerbeflächen entstanden. Durch Aufstockung und Neubau konnten 18 Wohneinheiten neu hergestellt werden. Die Projekte befinden sich teilweise noch in Durchführung. Aktuell befinden sich noch zwei weitere Förderprojekte im Antragsverfahren. „Vor dem Hintergrund von zwischenzeitlich nur noch begrenzt verfügbaren Haushaltsmitteln wird im Einzelfall geprüft, inwieweit für förderfähige Projekte noch Förderbewilligungen ausgesprochen werden können“, sagt Bürgermeister Cunitz.


    Neben diesen Projekten mit rein städtischer Förderung wurde das Frankfurter Bahnhofsviertel ebenfalls im Jahr 2005 in das Bund-Länder-Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ aufgenommen. Durch dieses Programm werden mit einem Umfang von rund fünf Millionen Euro verteilt über zehn Jahre primär Projekte zur Aufwertung des Wohnumfeldes und der öffentlichen Räume gefördert. Auf der Grundlage des 2005 erarbeiteten Rahmenplans Wohnen und der Weiterentwicklung durch das Ideenlabor wurde das städtebauliche Entwicklungskonzept für das Bahnhofsviertel im Jahr 2006 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Es bildet die Handlungsgrundlage für die Aktivitäten im Stadtumbauprozess.


    Die Richtlinien für die Vergabe von Zuschüssen zur Förderung von Innenhofbegrünungen im Bahnhofsviertel wurden im Februar 2013 vom Magistrat beschlossen. Die Förderung erfolgt in Form einer Finanzierungshilfe durch einen Zuschuss von bis zu 20.000 Euro pro Hof. Dabei werden die interessierten Eigentümer der Liegenschaften seit August 2013 im Rahmen eines Beratervertrages mit der Gartenarchitektin Ute Wittich bei der Planung und Umsetzung unterstützt. Auch die Erstberatung mit Erstellung einer Planungsskizze und eines Pflanzplanes werden aus dem Stadtumbau Bahnhofsviertel finanziert. „Die Förderung der Hofbegrünung findet großen Zuspruch unter den Hauseigentümern im Bahnhofsviertel“, freut sich Bürgermeister Cunitz. „Ein bewilligtes Vorhaben konnte bereits fertig gestellt werden, drei befinden sich in der Planungsphase und zu sieben weiteren Höfen wurden bereits Beratungsgespräche mit den Eigentümern geführt.“


    Der Turm der Weißfrauen Diakoniekirche wurde im Jahr 2013 denkmalgerecht saniert. Durch eine künstlerische Intervention an dem frei auf dem Gehweg stehenden Glockenturm wurde erfolgte zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem Ort und seinem öffentlich-kulturellen Charakter. Umgesetzt wurde der Entwurf von Andrea Büttner. Neben der Füllung der Turmöffnungen durch Gitter aus Lärchenholz wurden die Einrichtung eines Turmzimmers sowie die Dekoration mit drei abstrakten Bronzeformen und die Installation eines Baldachins geschaffen.


    Bereits im Jahr 2012 wurde der Hof der Weißfrauenkirche Diakonie neu geordnet und gestaltet, so dass für die Besucher der Kirche eine hohe Aufenthaltsqualität im Freibereich geschaffen wurde. In einem zweiten Bauabschnitt soll ab Mitte August 2014 die Umgestaltung und Öffnung der Freifläche vor der Weißfrauen Diakoniekirche erfolgen. Es werden Zäune, Mauern und Tore um die Kirche beseitigt und eine zusätzliche öffentlich zugängliche Freifläche geschaffen. So werden die ursprünglichen Qualitäten von Kirche und Freifläche wieder erlebbar. In der geschlossenen Blockstruktur des Bahnhofsviertels bietet dieser Platz die besten Chancen, sich als kommunikativer Ort für seine Anwohner, seine Nachbarn und die Öffentlichkeit zu entwickeln. Die Realisierung der Projekte an Turm und Freifläche wurden durch den zusätzlichen Einsatz von Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung ermöglicht.


    Der öffentliche Straßenraum vor allem nördlich der Taunusstraße und die hier wohnenden und arbeitenden Menschen sind durch wildes Urinieren in besonderem Maße belastet. Mit der Aufstellung eines Pissoirs soll stadtweit erstmals in dieser Form der Versuch unternommen werden, diesem Problem Herr zu werden. Da das Pissoir keine Möglichkeiten für neue Drogenverstecke oder andere Fehlnutzungen bieten soll, wurde seine Gestalt im Rahmen eines studentischen Wettbewerbs entwickelt. Eine in Arbeit befindliche Standortanalyse soll Aufschluss über einen geeigneten Aufstellungsort geben. Außerdem wird parallel die technische Detailplanung erarbeitet. Noch in diesem Jahr sollen nähere Ergebnisse im Ortsbeirat vorgestellt werden. Gegenwärtig wird mit einer Errichtung im Frühjahr oder Sommer 2015 gerechnet.


    Obwohl der Hauptbahnhof selbst im Gallus liegt, wird auch die Aufwertung des Vorplatzes als Tor zur Stadt eine positive Ausstrahlung auf das Bahnhofsviertel haben. Der Magistrat hatte Ende Mai die Planungsmittel für das Projekt „Verbesserung Bahnhöfe Umfeld – Hauptbahnhof“ in Höhe von 500.000 Euro freigegeben. Mit diesen Geldern wird eine Vorplanungsvorlage erstellt, die das Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher erarbeitet. Die Vorplanung bildet wiederum die Grundlage für einen notwendigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung über die Umgestaltung des Hauptbahnhof-Umfelds und das weitere Vorgehen.


    „Insgesamt gesehen hat sich das Bahnhofsviertel in den vergangenen Jahren deutlich zu seinem Vorteil entwickelt. Aktuell sind im Bereich zwischen Gutleutstraße und Untermainkai, der einige gewerbliche Leerstände zu verzeichnen hatte, eine Reihe von privaten Bauprojekten in der Planung oder Durchführung. Die Entwicklung geht also weiter – und ich freue mich, dass viele Frankfurter und Besucher das im Rahmen der Bahnhofsviertelnacht in Augenschein nehmen werden“, so Cunitz.


    Während der Bahnhofsviertelnacht wartet ein Fundus an privaten Erinnerungen, Fundstücken und Einblicken von Bewohnern des Viertels im Stadtteilbüro in der Moselstraße 6a auf Entdeckung, umrahmt von einer Bahnhofsviertelklang- und –bildkulisse.[/INDENT]

  • Erstaunlich, dass man in zehn Jahren eine Einwohnersteigerung von 40% erreicht hat. Bei der Wahrnehmung geholfen, hat sicherlich auch der Zuzug der Deutschen Bahn in den Silberturm. Eine nochmalige Steigerung um 1000-2000 Einwohner wäre sehr wünschenswert, denn die Einwohneranzahl von 3.436 Personen ist immer noch nicht genug um das Viertel auch nach Abfluß der Pendlerströme "stabil" zu halten.


    Bei der Ankunft am Frankfurter Bahnhof um 21 Uhr und einem Flanieren entlang der Kaiserstrasse konnte ich gestern mal wieder die Probe aufs Exemplel machen. Als erstes fällt auf, dass der sogenannte "Kaisersack" weiterhin eine große "Szene" anlockt, um die man dann einen großen Bogen macht und an die leidigen 80er Jahre Frankfurts erinnert. Keine Polizei, schlechte Lichtverhältnisse, übler Gestank, Rumgelungere. Hier vermag ich keine Aufwertung zu erkennen


    Anders als in anderen Bahnhofsvierteln schließen zu viele Geschäfte gegen 20 Uhr (z.B. Rossmann, dm, Starbucks). Es mag ja verständlich sein, da der Bahnhof selber als Nahversorger dient. Dennoch schließt das prominent gelegene Back Factory seine Rolläden ab 20 Uhr ganz zu, was erstens primitiv aussieht und, zweitens, zeigt, dass das Vertrauen einiger Anreiner in ihre Umgebung (noch) nicht da zu sein scheint. Positiv hervorzuheben, ist dass sich das gastronomische Angebot entlang der Kaiser nicht nur in der Breite, sondern auch qualitativ gesteigert hat (z.B. diverse Steak-Küchen). Ja, es hat sich viel getan, aber insgesamt ist noch ziemlich viel Verbesserungsspielraum um es positiv zu formulieren.

  • Netto-Markt in der Taunusstraße gibt auf

    Das Journal Frankfurt berichtet von der bevorstehenden Schließung des Netto-Supermarkts in der Taunusstraße (angeblich "Ghetto-Netto" genannt). Grund soll die problematische Klientel sein. Netto gibt laut Hausbesitzer von Bethmann auch deswegen auf, weil "die Stadt den nötigen ordnungspolitischen Rahmen nicht setzte". Nun zieht ein bisher schon an der Taunusstraße ansässiger Einzelhändler ein, laut Journal ein Moslem, der garantiert keinen Alkohol verkaufen wird. Zu erwarten ist Fachgeschäft mit einem Sortiment von Handyhüllen bis hin zu Batterien.

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    In diesem Netto-Markt war ich 2 mal einkaufen (allerdings liegt das schon Jahre zurück). Beide Male waren es wirklich "erlebnisreiche" Besuche mit hohem Unterhaltungswert. Dieser Markt ist/war wie geschaffen für eine Doku im Programm von Sendern wie N24 etc. Gewisse Parallelen kann/konnte ich sogar zur ehemaligen Esso-Tankstelle auf der Reeperbahn ziehen.
    Die Schließung finde ich irgendwie schade, obwohl ich wie gesagt diesen Supermarkt nicht nutze und auch sonst so gut wie nie an dieser Ecke vorbeikomme. Vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Tagen diesen Supermarkt noch mal zu besuchen.

  • Ortsbeirat 1 berät morgen zu weiteren Sofort-Maßnahmen

    Mod: Verschoben, bezieht sich auf diesen Beitrag.
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    Moment mal, die Bedenken der Gewerbetreibenden und direkt Betroffenen der Dealerszene sind real und kein Gespinst. Es geht um erhebliche Umsatzeinbußen und Kundenschwund, die durch die sich ausbreitende Dealer-Landschaft entstehen. Passend dazu trifft sich morgen der Ortsbeirat 1. Auch ein Alkoholverbot am Kaisersack wirdseit neustem debattiert. Mag ja sein, dass es an der Münchener Strasse und Ottostrasse immer trendiger und angesagter wird, aber die Probleme des Viertels sind alles andere als "Schnee von gestern".

  • Das mit den angeblich eingetretenen Umsatzeinbußen samt Quelle sollte man aber auch nicht vorbehaltlos als Realität annehmen. Jedenfalls betreffen die Klagen nur einen bestimmten Abschnitt der Taunusstraße. Ich bin sicher, dass die Geschäfte in anderen Teilen des Bahnhofsviertels erheblich besser laufen als noch - sagen wir mal - vor zehn Jahren. Und was Heinz hier bezüglich der Entwicklung der Gastronomie schreibt, das sollte ohnehin unbestreitbar sein.

  • Also ich kann mir nicht helfen aber das Bahnhofsviertel (ich bezieh mich hier auf den Rotlichteil und die Bahnhofsnähe) ist in meinen Augen der absolute Schandfleck Frankfurts. Das mag jetzt sehr krass klingen und ich gebe zu ich bin nicht in FFM aufgewachsen, aber der Eindruck von dem Viertel den ich habe ist alles andere als gut.
    Den hier schon zitierten Vergleich zur Reeperbahn in Hamburg, kann ich absolut nicht unterschreiben. Ich war schon oft auf der Reeperbahn und habe mich dort nachts keine Minute so unsicher gefühlt, wie tagsüber in manchen Ecken des Bahnhofsviertel.
    Die Reeperbahn ist meines Erachtens inzwischen eine Amüsiermeile wo u. a. auch Rotlichtläden sind. Der Rest sind Clubs, Kneipen und Restaurants. Im Bahnhofsviertel finde ich das höchstens Tagsüber in der Kaiserstraße. Da ist es noch ein weiter Weg.


    Die Drogenproblematik ist eine andere Sache. Hilfe für Betroffene muss sein und soll auch geboten werden. Mit dem kriminellen Rotlichtmilieu als nächster Nachbar, kann das m. E. aber nicht nachhaltig gelingen.


    Ich hoffe für das Viertel, dass das Rotlicht- und Drogenklientel (und zwar in dieser Reihenfolge) nach und nach verschwindet und der Gegend ein Neuanfang beschert ist. Die Bausubstanz sowie die Lage zwischen Stadt und Bahnhof als Tor zur Stadt bieten nämlich große Entwicklungsmöglichkeiten. Die Kaiserstraße ist auf einem Gutem Weg. Ich hoffe der Rest folgt.

    Einmal editiert, zuletzt von Feyd H. () aus folgendem Grund: Löschung eines Satzes.

  • Ich kann Deine Meinung überhaupt nicht teilen, Feyd H.


    • Vor allem der Bereich Münchner Straße/Kaiserstraße und die dazwischenliegenden Parallelstraßen haben sich mittlerweile zum "place to be" hinsichtlich Gastronomie, Bars und ausgehen entwickelt. Dort liegen alteingessene "Kultläden" wie Alims Fischimbiss oder das Orange Peel genauso wie neuere Läden wie das Maxie Eisen oder das Walon & Rosetti (die Liste ist nahezu endlos).
    • Selbiges lässt sich auch zum Bereich nördlich des Hbf sagen. Dort tut sich mittlerweile auch einiges. Der Aufwertungsdruck, der aus dem Europaviertel und dem Gutleutviertel rüberschwappt tut sein übriges.


    Ich könnte jetzt noch vieles dazu schreiben, aber ich halte mich jetzt mal kurz. ;)

  • Sipaq ich habe ja geschrieben, dass ich finde das die Kasierstraße bereits auf einem guten Weg ist und ich gebe dir Recht, dass der Aufwertungsdruck der umliegenden Viertel sich massiv bemerkbar macht. Aber das hat längst noch nicht alle Bereiche erfasst.
    Ich bin wie erwähnt kein alter Frankfurter und kenne das Bahnhofsviertel daher nicht ausreichend und wahrscheinlich ist mein Eindruck nicht ganz durch Tatsachen belegt. Aber die Gegend um die von dir erwähnte Kaiser/Münchner Straße schreckt mich einfach nur ab.
    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, einen entspannten Ausgeh-Abend in dieser Gegend zu verbringen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu "ängstlich" und nehme das deshalb nicht als Place to be wahr. :D


    Auf nördlich des Hauptbahnhofes würde ich jetzt meine Aussagen tatsächlich nicht mehr beziehen wollen. Dort hat sich wirklich was getan.


    Hoffen wir das die Entwicklung das Bahnhofsviertel nachhaltig verändert. Man sieht es an anderen Städten, dass das gelingen kann.


    Edit: Ich freue mich auf die von Schmittchen erwähnte Aufwertung des Bahnhofvorplatzes. Das ist eine postive Sache für das ganze Viertel.

  • So positiv sich zumindest die Kaiserstraße gemacht hat (wobei auch da noch viel Luft nach oben ist), die Situation an der Taunusstraße ist wirklich einfach nur erbärmlich. Unmengen von Junkies und sozialen Elend auf ganzer Länge zwischen Hauptbahnhof und Weserstraße, und gefühlt wird es tatsächlich immer schlimmer.
    Das Beste wäre natürlich Drogen und Rotlicht komplett rauszubekommen, vor allem vor den Hintergrund dass hier so ziemlich Frankfurts beste Bausubstanz völlig unter Wert genutzt wird. Bezüglich Rotlicht muss es aber auch nicht unbedingt sein, wenn es denn sein Schmuddelimage mal los würde. Amsterdams Altstadt ist auch ziemlich Rotlicht geprägt, aber dort funktioniert es halt. Und da ist es eine Touristenattraktion, während es in Frankfurt einfach nur eklig ist. Es braucht einfach mehr Nutzungsmischung, also auch diverse normale Bars ohne jeglichen Rotlichtbezug mittendrin, statt teilweise auf hunderten Metern ausschließlich nur Puffs. Mehr Investitionen in die historische Bausubstanz, auch bei Nutzung durch Rotlichtbetriebe, allgemein mehr Hygiene und Sauberkeit.
    Und vor allem gehört die Drogenszene rigoros entfernt! Absolute Fehlentscheidung damals die Idee die Drückerstube ins Bahnhofsviertel zu setzen. Hätte man ruhig in einer weniger prominent gelegenen Gegend platzieren können, aber genau da, wo zumindest das zugehörige Klientel wirklich fast jedem Auswärtigen sofort und als allererstes ins Auge springt..?


    @Feyd: leider tendiert man ja momentan dazu dem Hindenburgplatz nur eine provisorische Billigumgestaltung zukommen zu lassen, die Straßenbahn soll beispielsweise in alter Lage verbleiben. Dem noch vor Hauptwache und Römberberg prominentesten Platz der Stadt einfach mal eine große Lösung zu gönnen, dafür langt ja angeblich wieder das Geld nicht. Das Potential wäre da, ein sehr signifikanter Teil der Vorkriegsbebauung steht ja noch, und braucht nur seine Dächer zurück, aber es fehlt mal wieder der Wille. Sieht man auch daran, dass man nie drüber nachgedacht hat, den Platz so genial zu gestalten wie er sich vor dem Krieg präsentiert hat.

  • Und vor allem gehört die Drogenszene rigoros entfernt! Absolute Fehlentscheidung damals die Idee die Drückerstube ins Bahnhofsviertel zu setzen. Hätte man ruhig in einer weniger prominent gelegenen Gegend platzieren können,


    Also ich finde das jetzt ein wenig zu einfach. Wo bitte ist denn eine weniger prominente Gegend ? Seit nunmehr 20 Jahren arbeite ich im Bahnhofsviertel, teilweise sogar nachts (nein, nicht in einer Bar) und und stelle fest, das sich das Bahnhofsviertel schon positiv geändert hat. Dies liegt natürlich auch daran das z.b. die bestehende Bausubstanz in teilen saniert wurde und auch das ein oder andere Neubauobjekt. Was sich aber nie geändert hat ist die Verbindung aus Bahnhof/Rotlichtviertel/Drogenszene, ich finde speziell die Drogenszene und Rotlichszene kann man nicht trennen. Ich bin sehr neugierig wie sich das Twenty7even (Niddatsrasse 27) vermarkten lässt, weil hier in unmittelbarer Nachbarschaft sehr viele Bordellbetriebe sind und auch 100 Meter weiter das FixInn.


    Hier ist die Stadt gefordert Konzepte zu erarbeiten, mit dem Inhalt, hier abhilfe zu schaffen und damit meine ich nicht, diesen Szenemix einfach in eine weniger prominente Ecke zu schieben. Aber ich glaube das hier genau dazu der Wille fehlt, oder das Geld.

  • Laut dem FAZ-Artikel "Crack an jeder Ecke" vom 16.01.15 geht es um eine neue Qualität in der Drogenszene des Bahnhofsviertels, die sich durch heftige Revierkämpfe auszeichnet. Der "City Kiosk" sei der neue Brennpunkt der Dealer-Szene hinter der die Polizei "orgsanisierte Kriminalität" vermutet. Seit etwa 6 Monaten sei eine neue Gruppe von Crack-Dealern unterwegs, die sich durch hohe Aggressivität auszeichne. Das Crack-Rauchen finde dann auch nicht mehr in den auf Druckstuben statt, sondern eben überall.


    Zusatz:
    Eine große Negativ-Veränderung fällt mir im Wartebereich der U-Bahnstation Hauptbahnhof auf, da ich dort oft als Fahrgast längere Zeit auf Züge warte. Es ist nicht selten, dass allte Wartebereiche schon mit Schlafenden "belegt" sind oder eindeutig Crack-Süchtige den Wartebereich rauf und runter laufen. Dazu kommen die üblichen Nebeneffekte wie durchsuchte Mülleimer, übler Gestank, usw. Eine sehr unangenehme Erfahrung, die ich jede Woche wieder aufs Neue erleben darf und vielen Erstbesuchern der Stadt eine äußerst negative Wahrnehmung vermittelt. In München, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf und Stuttgart nehme ich diese extremen Zustände in den Bahnhöfen und deren Umgebung längst nicht in derselben Intensität wahr. Ja, Frankfurt ist weiterhin ein "Outlier" mit ihrem immer noch nicht behobenen Flurschaden "Bahnhofsviertel" und das ist NICHT gut so.

  • Ich finde das Bahnhofsviertel würde ohne Rotlichtviertel sein Flair verlieren. Die ganzen Junkies und Penner allerdings ziehen das Bahnhofsviertel extrem runter.
    Für zart besaitet Mitbürger ist es bestimmt eine ziemliche Zumutung wenn sie aus der B-Ebene kommen und das erste was sie sehen sind verwahrloste Menschen die sie um nen Euro anpumpen, oder die Mülltonnen nach Pfandflaschen durchwühlen, sich spritzen setzen, oder wild urinieren.
    In New York hat man die Verwahrlosung durch eine "Nulltoleranzstrategie" gestoppt.
    In Frankfurt wird man das aber kaum umsetzen können, da sofort irgendwelche Sozialverbände, Gutmenschen und Bürgerrechtler intervenieren würden.
    Eine Verlegung der Drückerstube an den Standrand, vielleicht Sportfeld Niederrad würde die Alkis und Penner eh nicht tangieren. Schätze so schnell wird sich nichts ändern.

  • Ich kenne das Bahnhofsviertel jetzt seit 35 Jahren und kann sagen, dass sich hier mehr getan hat als irgendwo sonst in Frankfurt (das Europaviertel mal ausgeschlossen). Anfang der 1980er Jahre erstreckte sich das Rotlichtviertel von der Münchner Straße über die Kaiserstraße bis zur Niddastraße und vom Hauptbahnhof bis in die Taunusanlage hinein. In der Kaiserstraße (damals eine sehr breite Straße und schmale Gehsteige und ohne Gesicht) wurde man sehr oft von aufgemotzten Damen angesprochen. In den Abgängen zur B-Ebene am Hauptbahnhof lagen regelmäßig Fixer.
    Heute kann man wohl sagen, dass die Münchner und die Kaiserstraße nicht mehr zu diesem Viertel gehören, ebenso die Taunusanlage und die Weserstraße. Das Viertel ist gewaltig geschrumpft. Ich weiß nicht ob die Stadt das damals alles so geplant hatte, wenn ja, dann ist der Plan in großen Teilen aufgegangen.
    In der Münchner Straße sind viele Geschäfte und ein, ich nenne es mal internationales Leben eingezogen, vor dem man auch nachts keine Angst haben muss.
    Die Kaiserstraße (in den 80ern völlig gesichtslos) ist komplett umgebaut worden und durch die breiten Gehsteige, etliche Renovierungen, Neubauten, Umbauten und der starken Außengastronomie, heute nicht mehr zum Rotlichtviertel zu zählen.
    Durch die Taunusanlage habe ich mich in den 80ern selbst am Tag nicht getraut und ich glaube die Polizei damals auch nicht. Heute kann man diesen Bereich als Erholungsanlage bezeichnen, ist ja auch eben neu gestaltet worden.
    Die Weserstraße hat vor allem durch den Umbau der Kaiserstraße 58 gewonnen und wird durch das "Twenty7even" weiter aufgewertet. Hier werden Leute einziehen, die das gesamte Viertel nutzen, zum Einkauf, den Kaffee zwischendurch und die zahlreichen Restaurants besuchen.
    Meiner Meinung nach ist das Viertel auf einem zwar langsamen aber guten Weg den Rotlichtbereich weiter zu verkleinern.

  • Stimmt schon, das Bahnhofsviertel hat sich zum besseren entwickelt. Ich bin ja nun nicht mehr so häufig in Frankfurt, aber als ich das letzte mal dort war (April 2014), war der Kaisersack immer noch im Belagerungszustand. Gruppen von Penner und Drogensüchtige standen an den Rolltreppen zur B-Ebene und bildeten ein Empfang Spalier, für arglose Passanten und Touristen.
    Gruppen von Sinti/Roma Frauen auf Betteltour sind mir auch in der Münchner Straße aufgefallen.
    Das sind sicherlich keine untragbare Zustände und wenn ich die Wahl hätte zwischen einem sterilem Bahnhofsviertel ohne Rotlichviertel+Straßenleben und dem jetzigen Zustand, würde ich den jetzigen Zustand bevorzugen.
    Dennoch kann ich schon verstehen, das Ladenbesitzer, Anwohner und ängstliche Passanten den jetzigen Zustand nicht gut finden.
    Optimal wäre wenn man zumindest den Kaisersack etwas aufwerten könnte, zum Beispiel durch einen verkehrsberuhigten Bahnhofsvorplatz, der sich am Vorkriegs-Zustand orientiert. Und wenn man die Drogenabhängigen und Penner am randalieren und wild urinieren abhalten könnte. Das ist natürlich schwer umzusetzen, ohne ein hartes durchgreifen der Polizei.
    Das Rotlichviertel selbst ist denke ich kein Problem, solange sich die Prostitution in den Laufhäusern abspielt und nicht auf der Straße.

  • Ging doch auch gar nicht ums gesamte Bahnhofsviertel sondern um die Zustände an Teilen der Taunusstraße, und die sind wirklich ekelhaft und sich die letzten Jahre immer weiter am Verschlimmern.
    Das Rotlichtviertel wär nicht so das Problem wenn die Drogenszene endlich weg wäre und wie ich schon sagte das ganze besser durchmischt wäre. In Amsterdam funktionierts zumindest aus auswärtiger Sicht wunderbar, auch auf der Reeperbahn ists akzeptabel. In Frankfurt dagegen wirkts gegenwärtig einfach nur billig, heruntergekommen und verranzt.
    Die ganzen Penner, Alkies und Junkies an Kaisersack und im Rotlichtviertel sind sicher auch nicht gerade ein positiver erster Eindruck für alle Auswärtigen. Da überlegt man sich sicher zweimal ob man von so einer Stadt sich noch mehr anschauen will..


    Wo bitte ist denn eine weniger prominente Gegend ?


    Die Industrieteile des Gutleutviertels zum Beispiel, ... Frankfurt hat viele Ecken die nicht jedem Fremden zuallererst auffallen und wo auch nicht die Anwohner zu sehr beeinträchtig würden.