Killesberghöhe & Ex-Scenario

  • ^^ Zustimmung! Architektonisches Ghetto ist der richtige Ausdruck. Jeder (der Kohle hatte) durfte machen und bauen was und wie er wollte. Hier hätte man eine bewohnbare Sichtschutzwand bauen sollen...

  • Bottega + Ehrhardt Architekten erhielten für ihre Wohnbebauung BF 30 am Killesberg eine Anerkennung zum Deutschen Architekturpreis 2015.









    Außerdem waren die Wohngebäude für den deutschen Fassadenpreis 2015 für vorgehängte hinterlüftete Fassaden nomminiert.


    Die Wohnanlage im Baunetz, und als Bau der Woche bei german-architects.

  • Frage

    Auf den Parkplatz kommen zunächst Container für Flüchtlinge. Stadt hat Finanzierung dafür freigegeben. Interessanter Nebenaspekt:
    ....
    http://www.stuttgarter-zeitung…8f-94c2-87829ad2280e.html


    Handelt es sich dabei um das hier im Jahre 2013 in der StZ beschriebene Grundstück und die damit verbundenen Bauvorhaben, wo jetzt die Container aufgebaut werden sollen?
    http://www.stuttgarter-zeitung…d7-8644-0fe86f1192eb.html

  • Seit 2013 ist die Killesberghöhe fertiggestellt. Zeit die einzelnen Architekturen dort, die alle von bekannten Architekturbüros gebaut wurden, genauer anzusehen.


    Zuerst einmal die drei Wohnhäuser des niederländischen Architekturbüros KCAP. Ein anderes Projekt dieser Architekten in Deutschland war 2003 der Holzmarkt in Hamburg an der Elbe.


    Die Stuttgarter Gebäude von von der Parkseite aus:




    Nördlich angrenzend an die Gebäude von KCAP befinden sich die Häuser von Baumschlager Eberle aus Österreich:




    Die Kubatur der KCAP-Häuser finde ich gelungen mit ihren Rücksprüngen und Terrassen:




    Positiv sehe ich auch die Fassaden, die als geschlemmte Klinker ausgeführt sind. Kein Farbverrenkungen, wie es heute oft an Wohngebäuden zu sehen ist und zudem wurde durch die Fassadengestaltungen der gesamten Anlage ein gestalterisch einheitliches Gesamtbild der Killesberghöfe geschaffen:




    Bei den Fenster überwiegen hier schmale bodentiefe Öffnungen, die aber aufgelockert werden durch einzelne andere Formate und dadurch das einzelne Fenster 'fehlen' und dadurch eine gewisse Unregelmässigkeit ein allzu strenges Raster unterbrechen:








    Auffälligstes Merkmal der Wohngebäude von KCAP sind die in den oberen Geschosse diese großen, etwas nach außen gesetzte, Panoramafenster:




    Blick von der Ecke Am Kochenhof / Stresemannstraße zwischen den O&O Baukunst-Gebäude zu einem der Wohnhäuser von KCAP:




    Zwischen den Wohngebäude von O&O Baukunst sind von der Stresemannstraße aus die Fassaden von KCAP sichtbar:




    Zum Schluss noch ein Link zum Stuttgarter Projekt auf der Website von KCAP.




    Architektur in Stuttgart.

  • Nachdem das auf mich jetzt schon irgendwie "trist" wirkt, möchte ich fast Wetten eingehen, dass dieses Quartier in 20 Jahren denselben Ghetto-Charakter haben wird, wie seit zwanzig Jahren die zu ihrer Bauzeit prächtigen Betonsilos aus den 70igern.


    Jedes Haus für sich wäre in entsprechender Alleinstellungslage durch seine Details ja vielleicht sogar ganz "nett", aber in dieser Ansammlung und engen Bebauung wirkt das auf mich mit seinen Schießscharten statt Fenstern jetzt schon "Ghettoesk" und würde eher zu "modernem Strafvollzug" passen als auf den Killesberg!

  • Lass mich raten - du warst noch nicht selbst dort und hast dir das Live angesehen, oder Sapperlott?


    Korrekt, ich ging von den hier eingestellten Bildern aus und da wirkt das ganz genau so auf mich!


    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass die Form der Fenster in Kombination mit dieser kubistisch verschachtelten Bauweise und der recht engen Bebauung sich "vor Ort" ändern würde, deswegen erspare ich mir für gewöhnlich die Begehung neuer Wohnquartiere, die ich dabei auch nur von außen beäugen kann.

  • @Sabberlot: So dicht wie es auf manchen Bildern schient ist es in Wirklichkeit nicht. Jedes Wohngebäude steht zudem entweder direkt am Parkrand oder an dem recht großen Quartiersplatz innerhalb der Gesamtanlage.

  • Nun zu den drei Wohngebäuden von Baumschlager Eberle. Baumschlager Eberle sind ein groß gewordenes Architekturbüro aus dem Vorarlberg. Ursprünglich erreichten sie eine Bekanntheit durch ihre Bauten im Vorarlberg. Inzwischen sind sie international tätig und betreiben Büros neben Östereich, Schweiz und Deutschland auch in Paris, Hongkong und Hanoi.


    Die drei fünfgeschossigen Bauten stehen im nordwestlichen Bereich der Killesberghöhe am Rand zum Höhenpark.


    Westfassaden vom Park aus gesehen:




    Links das Wohngebäude von David Chipperfield Architects:




    Die Grundforum der drei Häuser sind Quader in die die Balkone eingeschnitten sind:




    Blick vom Platz innerhalb der Anlage auf die Südfassaden. Die Fenster und die Balkonöffnungen folgen keinem strengen Raster, unterschiedliche Formate und Verschiebungen lockern die Fassaden auf. Oben gehen die Balkonöffnungen übers Eck:






    Das direkt am Quartiersplatz liegende Haus zeigt auf der Ostseite ein Spiel verschieden großer quadratischer Fenster. Die hervor tretenden Fensterumrandungen führen zu Schattenwürfen auf die Fassaden.




    Die helle Putzfassade passt zu den Fassaden der anderen Häuser:






    Bislang hatte ich diese drei Gebäude nur wenig beachtet. Erst jetzt durch die Beschäftigung und Bearbeitung der Fotos wurde mir das Besondere dieser Architektur bewusst. Mir gefallen sie fast besser als die Gebäude von KCAP.

  • Der Bau von David Chipperfield Architects

    An der Nordseite der Killesberghöhe im Übergang zum Höhenpark steht das Apartment-Gebäude mit Kindertagesstätte von David Chipperfield Architects.
    Projektpartner war Mark Randel, der eher für die chinesischen Projekte bei Chipperfield Architects zuständig ist.


    Das Literaturmusem in Marbach gehört zu den wichtigen Werken von David Chipperfield.


    Ansicht vom Killesberg-Höhenpark aus:




    Die Balkone der Wohnungen befinden sich auf der Westseite mit Ausblick auf den Park. Die 18 Wohnungen verteilen sich auf sechs Geschosse.
    Auf dem Dach befindet sich ein Swimming-Pool.


    Alle Fassaden sind klar und gleichmäßig gegliedert mit Wechsel zwischen geschlossen Bereichen und den bodentiefen Fenstern bzw. Balkone. Hier finden sich keine Verschiebungen wie an den Wohngebäude von O&O Baukunst rechts oder bei Baumschlager Eberle.




    Blick auf auf die Südfassade von der Freifläche innerhalb der Killesberghöhe:




    Schräge Detailansicht der strengen Balkonfassade:




    Die Fassade wurde mit Klinker verkleidet, ähnlich den Bauten von KCAP. Außer der Gliederung nach geschlossener und offener Flächen, werden mittels Betonstreifen auch die Geschosse nach außen abgebildet:




    Sämtliche Fassaden sind weitgehend symmetrisch aufgebaut:




    Ansicht von der Stresemannstraße aus. Hier befindet sich vorgelagert der zweigeschossige Anbau für eine Kindertagesstätte:




    Die Fassade der Kindertagesstätte ist entspricht dem des Wohnblockes. Zwischen der Tiefgarageneinfahrt und der Kindertagesstätte befindet sich ein Aufgang zum Hof der Gesamtanlage. Ansicht von Osten:




    Der Gesamtbaukörper ist L-förmig. In den flachen Bauteil der Kindertagesstätte sind im oberen Stockwerk Lichthöfe eingeschnitten.




    Blick vom Killesbergturm auf die Nordfassade des Chipperfield-Baues mit den weiteren Gebäuden der Killesberghöhe im Hintergrund:




    In London-Kensington findet sich an einem größeren Wohnkomplex mit integrierten Altbaufassaden, an einer Seite auch eine ganz dem Killesberger Projekt verwandte Fassade:




    Ein gewisse Verwandtschaft ist auch zu der neuen Wohnlage dieser Architekten in Hangzhou zu erkennen: Hier.

  • ma-frey


    Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach ist ein Geniestreich, architektonisch und konzeptionell. Dafür bin ich David Chipperfield - und anderen - ewig dankbar.


    Das Gebäude in Kensington funktioniert als hervorragender Lückenfüller, der Bau in Hangzhou als Ergänzung der natürlichen Rahmenbedingungen.


    Die Tristesse auf dem Killesberg kann man dadurch aber nicht schönreden. Die völlig unverkleidete Dachtechnik ist ein Angriff auf das ästhetische Empfinden. Nun kann man einwenden, dies bliebe sowohl den Bewohnern als auch den Passanten auf ewig verborgen. Mag sein. Handwerklich gesehen: ein Schwachpunkt.


    Was schon jetzt nicht verborgen bleibt, ist die Auflockerung der "strengen Balkonfassade": Ein farblich verwegen gestalteter Vorhang. Eine farblich korrekte Fahne. Der - fehlgeschlagene - Versuch, mittels bepflanzter Blumenkästen die Strenge zu mildern. Sonnenschirme. 5-Euro-Plastikstühle.


    Verzweifelte Versuche der Bewohner, das Beste aus der Situation zu machen.


    Was ich David Chipperfield hoch anrechne: Er wohnt selbst nicht, wie viele seiner Kollegen, in einem "Grade-A-Listed"-Landsitz in England oder einer von Frank Lloyd Wright entworfenen Design-Ikone, sondern in einer Eigenkreation in Berlin-Mitte. Strafe genug - eigentlich.


    Nur: Das würde mir als Bewohner eines seiner Gebäude den Blick durch die Baumarkt-Gitter meines Balkons nicht versüßen.

    Einmal editiert, zuletzt von John Robie ()

  • Competition online hat mehr Bilder: https://www.competitionline.com/de/beitraege/87829


    Ich finde das Konzept mit der Wand und der aufgelockerten Bebauung dahinter eigentlich ganz gut. Die "Wand" ist optisch nicht schlecht aber zu niedrig, die "Wolken" dahinter finde ich leider hässlich.
    Die niedrige Anzahl an Wohnungen ist - wie so oft in Stuttgart - der niedrigen Bauhöhe geschuldet. Das ist - direkt an einer U-Bahn-Haltestelle - echt nicht entschuldbar.