Münchner Biergartenratsch

  • Kommunalwahl 2020

    Die CSU scheint sich im Wahlkampf schon mal zu positionieren – und dabei nicht auf Innovation, Wachstum und Entwicklung zu setzen, sondern stattdessen die Angst davor thematisieren zu wollen. Die Stadt soll ihre „bayerische Gemütlichkeit“ zurückerhalten. Man will sich an der Vergangenheit orientieren, die im Vergleich zu heute als entspannter dargestellt wird. Die Vergangenheit soll dabei bis hin zu den vergleichsweise innovativen 1960er Jahren und der Olympiazeit gedehnt werden, die als Beispiele für Innovation bei gleichzeitiger Ruhe und Zufriedenheit herangezogen werden. Das heutige München sei hingegen hektisch, unruhig und überfüllt. Immerhin nicht durch einen expliziten „Wachstumsstopp“ sondern u.a. durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs soll München seine Ruhe zurückgewinnen. Verantwortlich für dieses Konzept ist die gleiche Werbeagentur, die schon 2014 Josef Schmidt zum Wahlsieg geführt hatte.


    Ich bin gespannt, ob z.B. städtebauliche Verdichtung oder die entschlossene Entwicklung neuer Siedlungsgebiete in dieses Retro-Konzept reinpassen. Würde man sich rein an den 1960er Jahren orientieren, könnte man sich aber tatsächlich das eine oder andere Wachstums-Beispiel nehmen. Wobei ich bei aller Nostalgie ehrlich gesagt froh bin, dass man heute mehr Erfahrung und Wissen über Stadtentwicklung hat und somit einige Fehler aus der damaligen Zeit hoffentlich nicht mehr begehen wird. Liebe CSU, vergesst den Retro-Kram und lasst es uns einfach zeitgemäß und besser machen! Zukunft ist etwas Positives.


    Wie Heiner Effern in der SZ treffend kommentiert, ist es jedoch nicht unwahrscheinlich, dass diese Botschaften bei den Wählern verfangen.


    https://www.sueddeutsche.de/mu…0-csu-wahlkampf-1.4633466
    https://www.sueddeutsche.de/mu…kampf-kommentar-1.4633474

  • Hab heut einen beträchtlichen Teil der Baufirmen und Handwerker gesehen, die überall als ausgelastet beschrieben werden.
    Ich hab heut Vormittag einen Termin in Grünwald gehabt: Es war praktisch kein durchkommen wegen der Baustellen: Überall Veränderungen, Sanierungen und Umbauten.
    Sehr viel Arbeitsleistung wird momentan umgesetzt, ohne wesentlich die allgemeine Wohnungsflächen zu erhöhen.

  • Spitze! Wünsche mir eine neue Aufbruchstimmung und das endgültige Ablegen nicht mehr zeitgemäßer Normen entsprechend den drängenden Problemen der großen Mehrheit. SEM, Beschleunigung ÖPNV Ausbau, Nachverdichtung mit weniger Kompromissen und architektonische Qualität in der Breite.

  • SZ online vom 27.12.:

    Münchner Stadtbaurätin:

    Schneller Wandel löst Stress aus.


    Im Artikel: Der schnelle Wandel des Stadtbildes löst psychischen Stress aus.


    Frage: Was machen Einwohner in New York, Chicago, Hong Kong zB.

    Wenn dem so wäre, hätte ich dort auf den Gehsteigen über Leichenberge steigen müssen.


    Wieso wird Wachstumskritikern und Angsthasen bei uns so starke Aufmerksamkeit gewidmet, Gegnern der rote Teppich ausgerollt ?

    Skeptiker werden gefördert ?

  • Du meinst wohl diesen Beitrag: https://www.sueddeutsche.de/wi…20090101-191227-99-272490 Bitte in Zukunft selbst die Quelle in deinen Posts heraussuchen und nicht einfach ohne Quelle etwas hier reinklatschen (insbesondere wenn es eine Online-Quelle ist, wie du ja hier selbst schreibst).


    Ich bin mir sicher, dass es auch in New York, Chicago und Hong Kong unter manchen Bürgern Skepsis vor Veränderungen gibt. Elisabeth Merk wird in dem SZ Beitrag übrigens weiter zitiert, dass Veränderungen nötig seien, um als Stadt lebensfähig zu sein.

  • Das ist sehr interessant:

    Optische Veränderungen lösen psychischen Stress aus.


    Optische Veränderungen nach Stärke und Geschwindigkeit geordnet (Beispiele):


    1.Gewitterblitze in der Nacht

    2. Aufzug starker Bewölkung, bzw rasche Bewölkungsauflösung bei Tag/ hochstehende Sonne.

    3. Sonnenaufgang/ Sonnenuntergang bei klarem Himmel

    4. Abbruch von Gebäuden

    5. Laubfall im Herbst/ Blattwachstum im Frühjahr

    6. Bau von Gebäuden


    Frage: Wieso ist der Stress so hoch bei Rang 6 ?

  • Alle reden momentan über Klimaschutz, wieso macht man dann oft gegensätzliche Politik ?


    Man verteufelt dichte Städte und propagiert die Bevölkerung auf das Land verteilt zu lassen ?


    Der Aufwand, um einen qm Wohnfläche zu erstellen steigt und steigt.

    Er müsste aber fallen, um mehr Ressourcen pro Einwohner zu generieren, die man für die zukünftigen Aufwendungen für die Energiewende bereitstellen zu können.

  • Vermutlich meinst du u.a. diese Meldungen aus Seeon, die in den letzten Tagen durch die Medien gingen: https://www.zeit.de/news/2020-…amm-fuer-laendlichen-raum. Und natürlich viele andere Meldungen, wo es gerade auch in Bayern darum geht, durch Investitionen in ländlichen Gebieten die Wohnungsnot und die Infrastrukturprobleme in den Ballungsräumen zu lösen.


    Die CSU stellt das gar nicht so ungeschickt an. Sie weiß, dass sie immer noch viel potenzielle Stammwählerschaft in den ländlichen Gebieten hat (nicht zuletzt die Landwirte), die über derartige Meldungen natürlich immer erfreut sind. Gleichzeitig wächst in den dicht besiedelten Regionen die Verzweiflung über immer weiter steigende Mieten und den Verkehrskollaps. Auch hier erscheint vielen die neue, scheinbar konsequente Lösung der "Umverteilung" am plausibelsten. Statt weiter in die Ballungsräume zu investieren, sollen die Mittel lieber in strukturschwachen Gebieten ausgegeben werden, sodass sich die Arbeitsplätze und Menschen übers ganze Land verteilen.


    Dass das sowohl wirtschafts- als auch umweltpolitischer Unfug ist, ist sicherlich auch der CSU bzw. der Staatsregierung (die Freien Wähler vertreten diese Position ja leider noch vehementer) klar, aber zumindest die CSU hat verstanden, dass sie damit ihre Klientel zufrieden stellen bzw. im besten Fall noch weitere Wählerstimmen insbesondere bei den bevorstehenden Kommunalwahlen im Großraum München gewinnen kann.


    Und noch direkt zum Thema Klimaschutz: Wer viel über Klimaschutz redet, aber im Zweifelsfall nicht danach handelt, hat bei einem Großteil der Wähler die Nase vorn. So ist das Gewissen der Bürger beruhigt und gleichzeitig bleibt alles weitgehend beim alten und es gibt keine Veränderungen, die evtl. spürbar sein könnten. Wer das anbietet, wird gewählt - auch das hat Söders CSU von allen Parteien momentan am besten kapiert. Auch Kristina Frank baut ihren Wahlkampf hier in München derzeit entsprechend auf.

  • Die Menschen, bei denen der Bau von Gebäuden Stress auslöst, sollten wirklich überlegen, ob sie in der Stadt gut aufgehoben sind oder doch besser auf dem Land leben sollten. Jeder betreibt irgendwie Rosinenpickerei im Leben, aber daran Politik auszurichten ist wohl sehr schlecht.

  • Im Land gibt es aber auch viel Stress. Stell dir nur vor, dass der Bauer von nebenan plötzlich von einem Tag auf den anderen die Wiese mäht. Nur gut, wenn man dann einen Panikraum hat.

  • Von welchem schnellen Wandel des Stadtbilds ist denn hier eigentlich die Rede? Die können nicht München meinen, oder :) ?


    Also wenn ein Tourist vor 15 Jahren in München war, dann wird er 0,0% Veränderungen vorfinden. Zumindestens in den Gebieten, wo sich Touristen aufhalten. Innerhalb des mittl. Rings.


    Und wenn er in den Olympiapark geht und auf den Fernsehturm fährt...dann sieht er 3 Stumpnen (BVT) in weiter, weiter Ferne. Und sonst?


    Wer vor 15 Jahren in Dubai oder NYC war, der wird diese Städte in der Tat nicht wiedererkennen. NYC erfindet sich jeden Tag neu. Nicht nur, was die 100ten von neuen Wolkenkratzer betrifft. Ganze Stadtteile, wie Hudson Yards sind entstanden, die Bilionaires Row mit 432, etc. Aber auch die Läden wechseln ständig, die Restaurants, Bars, etc.! Es herrscht ein stetiger Wandel!


    Diese armen Menschen in NYC müssen demnach unter enormsten Streß stehen. Drum will ja auch jeder nach Manhatten ziehen, egal welch astronomische Summen dort aufgerufen werden.


    Dieser SZ Artikel ist mal wieder die reinste Farce und gehört nicht mal in ein Schundblatt. Wobei sich die SZ, eh so langsam, in diese Richtung bewegt.

  • Wieso wirkt sich der Druck, dass nach Möglichkeit so wenig verändert werden soll bis hier rein ins Forum aus ?

    Wie soll man viele Wohnungen erstellen, und suggerieren wenig Gebäude zu bauen ?


    Bitte gebt mir zwischen München und dem Flughafen 10qkm.

    Dann plane ich ein Stadtviertel mit 300 000 EW mit Anschluss an die Expressbahn Stadt- Flughafen.

  • Die Firma Apple erweitert ihren Standort in München um etwa 1500 Beschäftigte.

    In der SZ wird auch das "Problem" beschrieben, dass die neuen Mitarbeiter gut bezahlt werden, und daher andere Einwohner verdrängen.


    Aus meiner Sicht scheint das Thema "Veränderungsstopp" immer weiter an Bedeutung zu gewinnen und zu einem Topthema zu werden, dass man die Ansiedlung einer Weltfirma durchaus als Problem ansieht.


    Wenn man so etwas nicht mehr bewältigen kann, ist man in meinen Augen keine Tech- Metropole ??


    Entschuldigung, so etwas kann ich eigentlich niemanden erzählen.


    Man hat den Leuten Märchen erzählt, zB, dass man es hinbekommt, dass man in einer Grossstadt wie München in dieser Wirtschaftslage die Veränderungen klein halten kann.

    Kann es sein, dass man die Gegner in den letzten Jahren extrem unterstützt hat, sodass sie immer mehr fordern ?


    Somit finde ich hat sich die Politik in eine Sackgasse hereinmanövriert......?

  • Nun steht das Thema also in drei Threads, in der Lounge, im "Kleinere Projekte Maxvorstadt" und im Thread "Telekom, Spaten, Marsfeld". Wenn es sein muss...


    Schachbrett:


    Es geht doch nicht nur um Apple, sondern wie im Artikel beschrieben, um die in München stark wachsende Branche der IT / Kommunikationsunternehmen (wichtiger Unterschied!). Es ist mitnichten ein Geheimnis, dass eine große Menge gut bezahlter Arbeitsplätze, preisliche Veränderungen auf dem lokalen Wohnungsmarkt mit sich bringt. Die kritische Frage, was ein Unternehmen einer Stadt gibt, und was es sich von einer Stadt nimmt, ist durchaus berechtigt (in New York z.B. haben Bürger aus in diesem Fall gegebenen Ungleichgewicht eine neue Amazon Zentrale verhindert). Im Artikel wird jedoch nirgends ein Veränderungstopp gefordert - wir sollten nicht überinterpretieren - es wird nur der Fakt erwähnt, dass das Thema Wachstum und seine potenzielle Begrenzung Thema im Wahlkampf sind.