Altes Landesbehördenhaus

  • Altes Landesbehördenhaus

    (Neuer Strang zu altem Thema)


    Die Bonner IVG plant am Landesbehördenhaus den Bau von fünf Bürogebäuden, unter ihnen ein Hochhaus mit siebzehn Stockwerken. Dieser Entwurf ist der Sieger eines Wettbewerbes, den das Düsseldorfer Architektenbüro RKW (Rhode, Kellermann, Wawrowski) im Dezember 2006 gewonnen hat.


    Die IVG hatte bereits im Juli einen Kaufvertrag mit dem Land abgeschlossen, kann aber noch bis September 2007 zurücktreten. Gebaut wird nur, wenn Bedarf vorhanden ist; außerdem gibt es noch Oval Offices und artquadrat.
    Das Projekt umfaßt 80 000 m² Bürofläche im Endausbau, die einzelnen Bauten können unabhängig voneinander errichtet werden.


    Das Landesbehördenhaus liegt im Bundesviertel an der B9, direkt am neugeschaffenen Platz der Vereinten Nationen. Das Hochhaus könnte sich eines Tages mit dem auf der anderen Straßenseite geplanten Telekom-Hochaus (120 m) zu einem repräsentativen Tor zur Stadt verbinden. Letzteres wird allerdings nicht so bald gebaut.


    Im Landesbehördenhaus befand sich zuletzt das Polizeipräsidium .


    (Hier klicken, um eine interessante Ansicht des VN-Platzes zu sehen, links das Landesbehördenhaus)


    Und nicht zuletzt: Der Siegerentwurf.


    https://www.general-anzeiger-b…mid=10490&detailid=250108

  • Im ersten Moment kommen einem die Tränen, wie man an so einem prominenten Standort den Elfer ohne Torwart drüber haut und diesen tollen Entwurf auf Platz zwei verweist - im ersten Moment.
    Allerdings ist der Entwurf von JSK doch eher vom Typ Effekthascherei, schon beim zweiten Hinsehen wird deutlich, dass es sich um eine gesichtslose - zugegeben gewaltige - Glaskiste ohne rechte Rücksicht auf die Umgebung gehandelt hätte; sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang das Rendering mit den Bergen im Hintergrund. Die riesigen Hänge erinnern eher an die Rocky Mountains denn an die Sieben Berge - ob die Sache schon mal in Denver gelaufen ist?
    Dass RKW allerdings nicht von alleine auf die Idee gekommen sind, das Hochhaus an der B9 mit der Möglichkeit einer Torsituation zu errichten, lässt einen schon leicht fassungslos zurück. An der Bahn sieht der Turm aus wie bestellt und nicht abgeholt, zudem ist die ungewöhnliche Breite in Verbindung mit der eher durchschnittlichen Höhe eine ganz und gar unpassende Reminiszenz an Tulpenfeld und Bonn-Center - mehr Mut! Das Preisgericht scheint dies ja glücklicherweise ähnlich zu sehen und schreibt den Architekten zumindest ins Stammbuch, das Hochhaus zu verlagern.
    Ob das auch mehr Höhe bedeutet? Besser aussehen als ein reiner Glaskasten wird es allemal, als schöner Kontrast zum Post-Tower.
    Bin sehr gespannt, ob die IVG mit gleich drei Großprojekten im Abstand von einigen hundert Metern genügend Mieter findet - sollte der Aufschwung weiter gehen, ist nichts auszuschließen.

  • Wenn der Siegerentwurf in den kritisierten Punkten deutlich besser gewesen wäre als Nummer 2, würde ich Dir uneingeschränkt zustimmen. Trotz oder gerade wegen des deutlich gegenüber der restlichen Bebauung herausgehobenen Turmes wirkt der JSK-Entwurf nicht so unruhig wie der von RWK. Und die Kante zur B9 ist auch immerhin siebenstöckig.


    Selbst wenn das Hochhaus bei JSK an die B9 wandert, wird sich an diesem Eindruck nichts Grundlegendes ändern.


    Auch ich hätte lieber ein steinernes Hochhaus als Gegengewicht zum Post-Tower. Rechnet man aber mit dem Telekom-Hochhaus, das unbedingt in der Formsprache der Office-Port-Bebauung erstehen muß, wäre etwas Glas am Landesbehördenhaus vielleicht sogar wünschenswert. Außerdem würde mit JSK ein "richtiges" Tor entstehen, nicht so ein schiefes.


    Nicht zuletzt verbauen die ganzen Achtzehnstöcker mittlerweile die Landschaft eher als sie zu akzentuieren. Das fällt besonders beim Blick von der Kennedybrücke auf, der bald zusätzlich noch mit de UNCC-Hotel bereichert wird.


    In Bonn, das von Glaskästen noch nicht überschwemmt ist, würde ich lieber Nummer 2 sehen.

  • Vielen Dank, rec! Das ist wirklich ein toller Fund!


    Schön, daß die übrigen Entwürfe langsam zusammenkommen. Noch vor einigen Tagen habe ich ihn dort nicht gefunden.


    Ich denke über diese Version ähnlich wie über die obige. Leider scheint man sich auf einen Siebzehnstöcker festzulegen, wie in der heutigen Ausgabe des Generalanzeigers noch einmal bestätigt wurde.

  • Ich will stark hoffen, dass es hier nur der Schludrigkeit des GA geschuldet ist, der weiter von dieser Höhe spricht. Schließlich sind meines Wissens die überarbeiteten Entwürfe noch nicht publiziert worden. Wenn die Architekten des Ersten Preises nicht total mit dem Klammerbeutel gepudert sind, werden sie nicht nur das Hochhaus an die B9 bauen, sondern auch in die Höhe gehen UND die Fassadengestaltung von der van den Valentyns abheben.

  • Ob es aber gleich dreißig Etagen werden? Etwas Hoffnung bleibt mir erhalten, denn der Generalanzeiger hat, sollte ich nicht vollkommen irren, auch sehr lange und hartnäckig von fünfzehn Stockwerken für das UNCC-Hotel geschrieben.

  • Beitrag von Schröder-Schevardo Architekten, Bonn, zum Gutachterverfahren. Auffällig das Hochhaus, welches gut mit dem gegenüberliegenden Bau der Telekom (so er denn kommt) korrespondieren würde.


    http://www.hh-vision.de/Detailansicht.158.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=717&tx_ttnews[backPid]=338&cHash=5447a1c285


    Der Rat wünscht sich, bei einer Bebauung des Geländes nach dem Plan von RKW, das Hochhaus von der Bahnstrecke an die B9 zu verlegen, um die Torsituation zu betonen. Dass Planungspolitiker die Investoren auf sowas hinweisen müssen...

  • Ich hatte mich schon gewundert, dass die IVG gleich drei grosse Projekte in unmittelbarerer Nähe initiiert. Man hatte lange Zeit nichts mehr von diesen Objekten gehört, insofern ist die Absage zu erwarten gewesen. Die IVG war wohl zur Aufgabe des Projekt gezwungen, da sie sich sonst endgültig hätte dafür entscheiden müssen und die Flächen kaufen müssen.
    Persönlich fand ich den Entwurf für das Arreal am Platz der VN am schwächsten. Gerade an diesem Eingangstor zur Stadt hätte ein elegantes Hochhaus auch mit mehr als 16 Etagen Sinn gemacht.
    Auf die realisierung der Oval offices hoffe ich sehr, da sie ein sehr interessanter Entwurf sind und eine zentrale Baulücke füllen.
    Zudem muss man bedenken, dass Zur Zeit viel hochwertiger Büroraum entsteht: Die Parc offices der Post und die Telekambauten werden jeweils von Konzernmitarbeitern bezogen, die andere Flächen in Bonn freiwerden lassen (auch wenn diese nicht allzu hochwertig sein dürften). Und im Bonner Bogen entstehen auch noch in den nächsten Jahren viele Quadratmeter hochwertigster Bürofläche mit Rheinblick.
    Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Zudem würde mich interessieren, was mit dem Arreal des geplanten Telekomhochhauses passiert. Ich denke, dass sich die Telekom hier weitere Möglichkeiten offenhält, das Ensemble noch zu vervollständigen.
    Eventuell wäre auch das Landesbehördenhaus für die Telekom langfristig interessant, da hier an die Zentrale angrenzende Strukturen ergänzt werden könnten.

  • Der GA berichtete heute, dass der BLB (Bau- und Liegenschaftsbetrieb) NRW als Grundstückseigentümer nun, nachdem die IVG das Projekt Anfang des Jahres aufgegeben hatte, nach Käufern sucht und, dass es einen Interessenten gibt, mit dem der BLB NRW "gute Gespräche" führt.
    Die IVG wollte das Alte Polizeipräsidium und ehemalige Landesbehördenhaus abreißen wollen, um ein 17-geschossiges Hochhaus sowie vier freistehende Bauten errichten für insgesamt 6000 Arbeitsplätze zu errichten, was sich allerdings, so der Sprecher, nicht gerechnet hätte.


    Warten wir also mal ab, was nun der BLB erreicht.

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    Das Landesbehördenhaus wäre einer von mindestens zwei möglichen Standorten (der andere wären die Oval-Offices). Aufgrund der zu erwartenden hohen Sanierungskosten u.a. in Hinblick auf Energieeffizienz liefe es sehr wahrscheinlich auf einen Neubau hinaus.

  • Es gibt Neuigkeiten über diese Immobilie zu berichten.
    Die Universität plante eigentlich, dass die Informatiker aus der Römerstraße auf den Campus nach Poppelsdorf umziehen würden. Das hat sich wegen Planungsschwierigkeiten leider erledigt.
    Nun prüft der Bau- und Liegenschaftsbetrieb die Möglichkeit, die IT-Fachleute in einen Teil des ehemaligen Landesbehördenhauses unterzubringen. Das wäre allerdings nur ein Provisorium, denn 2014 sollen die Informatiker auf jeden Fall ihr endgültiges Domizil auf dem Campus in Poppelsdorf beziehen.
    Habt ihr da nähere Infos? Was ist eigentlich mit dem Stifter, der auf diesem Grundstück ja ein neues Stadthaus errichten möchte. Ist der Plan noch aktuell, oder hat er durch das Hin- und Her unserer Hobbypolitiker entnervt das Handtuch geworfen??

  • Die „Hobby“-Politiker haben mit Sicherheit erheblich mehr Hintergrundinformationen als der Presseberichterstattung zu entnehmen war. Und sie sind zu Recht nach dem WCCB-Desaster vorsichtig.
    Aber selbst aus der Lektüre des G.A. kann ein jeder mit gesundem Menschenverstand entnehmen, dass hier kein Geschenk an die Stadt gemacht wird, sondern dass der Investor seiner Stiftung (irgendeine bisher unbekannte, die nach seinem Tode gegründet werden soll) möglichst viel Kapital mit Hilfe der Stadt zufliessen lassen will. Noch ist völlig unklar, was die Stadt davon hätte. Wieviel kostet die Sanierung des Stadthauses? Was würde der Abriss kosten (die Kosten will der Investor natürlich auch in die Miete für ein von ihm errichtetes Stadthaus einrechnen)? Was kostet es die Verwaltungsbereiche mit Publikumsverkehr in der Innenstadt unterzubringen? Welche laufenden Kosten entstehen durch die räumliche Trennung von Sitzungsräumen des Rates und der Verwaltung? Sehr zweifelhaft, ob die Stadt bei diesem PPP-Modell Geld sparen würde.
    Strittig ist auch die Frage, ob überhaupt eine Shopping-Mall auf dem Gelände des Stadthauses stadtplanerisch gewünscht ist. Würde das die Innenstadt stärken oder eher veröden lassen, wie das in anderen Städten schon passiert ist. Wir wirkt sich so eine Mall auf das „Altstadt“-Quartier aus?
    Auch bei G.A., Express, Nimtsch u.a. hat das Nachdenken eingesetzt und das unreflektierte Jubelgeschrei „Ein Geschenk, Ein Geschenk!“ ist inzwischen verstummt.