Lehrter Stadtquartier & Hauptbahnhof Umfeld

  • Es geht nicht ums Bewahren bis ins Letzte. Es geht auch nicht um die Verteufelung der Moderne. Es geht um mehr Berücksichtigung des Menschen in der Architektur. Heute können wir die Toilette im Hausflur verschwinden lassen, ohne dabei ganze Wohnblöcke abzureißen. Heute können wir uns wieder der Tradition im Bauen bewußt sein! Darum geht es! Und wenn wir das nicht mit neuen Mitteln schaffen, müssen wir uns eben der Bautradition bedienen. Nicht immer muss das Rad neu erfunden werden, das gilt für die Kunst, Musik und auch für die Architektur. Pinsel, Leinwand, Notenblatt und Zeichentisch (auch virtuell).

  • @ DerBe


    Hab ich auch nur ein Wort zum Städtebau gesagt? Den find ich gar nicht schlecht, zumindest den Teil südlich des Bahnhofes. Stammt meiner Erinnerung nach von O.M. Ungers.

  • Dass es für die Bahnlogistik günstiger ist Durchgangsbahnhöfe zu betreiben statt Kopfbahnhöfen kann man aber wohl kaum den Politikern in die Schuhe schieben. Ist halt einfach praktischer wenn der Zug in die gleiche Richtung weiter fahren kann.


    Das mit der Bahnlogistik von Durchgangsbahnhöfen ist sicher richtig, nur paßt es als Argument für den Abriß der Kopfbahnhöfe nicht zur Situation in der geteilten Stadt.


    Da es dann nach der Wiedervereinigung keine Kopfbahnhöfe mehr gab machte nun ein Durchgangsbahnhof natürlich Sinn. Und somit paßt das Argument nur für den Bau des Hauptbahnhof.



    Gruß, Jockel HB

  • Dass es für die Bahnlogistik günstiger ist Durchgangsbahnhöfe zu betreiben statt Kopfbahnhöfen kann man aber wohl kaum den Politikern in die Schuhe schieben. Ist halt einfach praktischer wenn der Zug in die gleiche Richtung weiter fahren kann.


    Nun ja, das kann man für heute als Argument nicht ganz gelten lassen.


    Schauen wir uns mal die Situation von vor dem 2. Weltkrieg an.
    Da sind die Fernzüge aus dem damaligen Reich von sehr weit her gekommen (Königsberg, Wien, Breslau, München, Danzig usw.) und endeten hier in Berlin. Berlin war damals eben das Magnet für alle die ihr Glück versuchen wollten und lag in der Mitte des Deutschen Reiches.


    Mir sind heute lediglich 3 Fernzuglinien bekannt die Berlin durchfahren. Das ist der ICE München - Leipzig - Hamburg, der EC Hamburg - Prag und der InterConnex Leipzig - Warnemünde. Teilweise beginnen und enden aber auch diese Züge in Berlin. (Berichtigt mich wenn es weitere gibt)


    Bei einigen ICE aus Basel, Frankfurt und Hamburg wird der Hauptbahnhof (tief) auch heute als Kopfbahnhof genutzt. Die Züge fahren über den Nordring rein, machen Kopf und fahren via Ostring ins Betriebswerk nach Rummelsburg.


    Die REs lassen wir mal aussen vor, denn die Umlandzüge sind auch schon zu Zeiten der Kopfbahnhöfe über die Stadtbahn durch Berlin gefahren.


    Die Durchgangsbahnhöfe haben heute lediglich den Vorteil dass sie Umsteigemöglichkeiten zum ÖPNV in Berlin bieten, aber auch das haben die damaligen Kopfbahnhöfe mit ihren guten Straßenbahnanschlüssen geleistet.


    Die neuen Berliner Durchgangsbahnhöfe machen erst dann richtig Sinn wenn es weitere, durchgehende und bessere Fernzugverbindungen in unsere Nachbarländer gibt. Da wären Stettin, Prag, Danzig und Breslau zu nennen. Aber es sieht eher nicht danach aus, ganz im Gegenteil, zum nächsten Fahrplanwechsel wird der EC nach Breslau eingestellt und durch einen Fernbus ersetzt.


    Abschließend sei gesagt, die Kopfbahnhöfe würden in Berlin auch heute noch ihre Berechtigung haben. Sie funktionieren ja in anderen Städten auch weiterhin, da sei bloß mal London erwähnt. Wenn hier nicht der 2. Weltkrieg und diese dämliche Mauer gekommen wären würden sie auch sicher noch in Betrieb sein.

  • Ich weiß zwar nicht, wie ihr hier auf das Thema Kopf-/Durchgangsbahnhof gekommen seid, aber manches im Beitrag zuvor sehe ich anders.


    Ja, Moskau, London, Paris und weitere Städte haben immer noch mehrere Kopfbahnhöfe (und keinen zentralen Hbf). Das hat historische Gründe, zudem sind diese Städte die absolut dononierenden Metropolen in ihren Ländern und diese wiederum eher zentralistisch ausgelegt. Die Nachteile sind aber beträchtlich: Einmal für Reisende, die weiterfahren wollen und erst mühsam zu einem anderen Kopfbahnhof gelangen müssen. Zum anderen sind da die großen Flächen, die verbraucht werden, besonders durch die notwendigerweise großen Gleisanlagen.


    In Frankfurt oder Leipzig ist der Kopfbahnhof wenigstens ein einziger Hauptbahnhof, so dass Nachteil 1 keine Rolle spielt. Und aufgrund der gut erhalteten prachtvollen Architektur lohnt sich hier der Weiterbetrieb trotz bestehendem Nachteil 2. Zumindest S-Bahnen fahren dort aber inzwischen über neue Tunnel durch.


    Ein Kopfbahnhof im Zentrum Berlins war nun einmal nicht mehr vorhanden. Einen neuen repräsentativen Kopfbahnhof als Hauptbahnhof zu bauen, wäre wegen den genannten Nachteilen 1 und 2 absolut unsinnig gewesen. Auch wenn einige Fernzüge betriebstechnisch Kopf machen (die meisten von denen aber eher am Südkreuz).


    Übrigens sind auch damals nicht alle Vorortzüge über die Stadtbahn gefahren. Und die gemeinsame Nutzung von Fernbahnhöfen durch Fern- und Nahverkehrszüge ist mehr als sinnvoll. Nervig genug, dass in Berlin aus Kapazitäts- und Kostengründen einige RB-Linien nur von bzw. zu etwas außerhalb liegenden Stationen (Lichtenberg, Karow, Wannsee...) fahren.


    Dass es an Fernverbindingen nach Osten (Polen) mangelt und diese eher weiter reduziert werden, ist in der Tat ein Trauerspiel.

  • Ein Kopfbahnhof im Zentrum Berlins war nun einmal nicht mehr vorhanden.


    Ich unterschreib ja alles, aber nur (als Ergänzung), dass es keinen Kopfbahnhof mehr gab nach dem Krieg. Es gab mindestens einen: Bilder des Anhalter Bahnhofs 1959, (baufälliges) Dach gesprengt 1948, 1959 gesprengt und abgetragen gegen massiven Protest der West-Berliner.



    Quelle: Wikimedia/Bundesarchiv, creative commons, gemeinfrei

    Quelle: Wikimedia/Bundesarchiv, creative commons, gemeinfrei

  • ^ Die spiegelverkehrte Darstellung beweist jedenfalls beängstigende Ortsunkenntnis des Architekturbüros. Diese ist klischeehaft ein typisches Manko der internationalen Archtiketenszene.


    Scheint was dran zu sein.



    :Nieder::Nieder::Nieder:

  • ^^Jetzt sei mal nicht so streng: nur weil ein Digital-Nerd es versemmelt hat, heisst das noch nicht, dass die internationale Architekturgilde ignorant ist... Ok, jedem Qualitätssicherungsprogramm und auch Architekten wäre es aufgefallen. Aber hey, der Entwurf ist ziemlich knorke und ich hätte ihn liebend gerne als Ersatz für den Cubus un dals Ergänzung zum Hochhaus vor dem Hauptbahnhof, jeweils 120 bis 150 Meter, zwei Türme... Der Standort (und Berlin) würde/n es vertragen.

  • Nun ja, das kann man für heute als Argument nicht ganz gelten lassen.


    Mir sind heute lediglich 3 Fernzuglinien bekannt die Berlin durchfahren. Das ist der ICE München - Leipzig - Hamburg, der EC Hamburg - Prag und der InterConnex Leipzig - Warnemünde. Teilweise beginnen und enden aber auch diese Züge in Berlin. (Berichtigt mich wenn es weitere gibt)


    Bei einigen ICE aus Basel, Frankfurt und Hamburg wird der Hauptbahnhof (tief) auch heute als Kopfbahnhof genutzt. Die Züge fahren über den Nordring rein, machen Kopf und fahren via Ostring ins Betriebswerk nach Rummelsburg.


    Die Anzahl Züge, die in Hbf. (tief) kopfmachen ist aber extrem überschaubar.


    Kopfbahnhöfe sind bahnbetrieblich immer ungünstiger als Durchgangsbahnhöfe, da man mehr Gleise benötigt, um die gleiche Zahl Züge abzufertigen und zudem viel mehr Fahrstraßenausschlüsse im Vorfeld hat (über einen Bahnhofskopf müssen alle Zugfahrten abgewickelt werden, wohingegen sich das bei einem Durchgangsbahnhof auf mindestens zwei Bahnhofsköpfe verteilt).


    Ob Kopf- oder Durchgangsbahnhof mag zu Zeiten der Dampftraktion noch egal gewesen sein, da man dort Loks ohnehin nach wenigen hundert Kilometern mehrfach im Laufweg eines Zuges tauschen musste. Heute ist es viel sinnvoller, den ganzen ICE auch am Endbahnhof nur zum Aussteigen im Durchgangsbahnhof halten zu lassen und ihn dann schnell in Richtung eines Betriebswerks (Rummelsburg) abzuräumen.


    Das Verhältnis von Anlagen- und Betriebskosten zu Zugfahrten pro Stunde ist jedenfalls bei jedem Durchgangsbahnhof besser.


    Gruß


    Thrax

  • Ich unterschreib ja alles, aber nur (als Ergänzung), dass es keinen Kopfbahnhof mehr gab nach dem Krieg. Es gab mindestens einen: Bilder des Anhalter Bahnhofs 1959, (baufälliges) Dach gesprengt 1948, 1959 gesprengt und abgetragen gegen massiven Protest der West-Berliner.


    Also den Krieg überlebt hatten zumindest auch noch Lehrter Bahnhof, Stettiner Bahnhof und Görlitzer Bahnhof...

  • ^^Kurz gegoogelt. Stimmt:


    Stettiner/Nordbahnhof 1952 (in Anbetracht dessen, dass es ein ziemlich Großer war, besonders bedauerlich



    Quelle: Wikipedia/Bundesrachiv, Creative Commons, gemeinfrei


    Originalzustand:

    Quelle: Wikipedia/Bundesrachiv, Creative Commons, gemeinfrei





    Lehrter Bahnhof 1955

    Quelle: Wikipedia/Bundesrachiv, Creative Commons, gemeinfrei


    Gorlitzer Bahnhof, Abbruch 1961/67, kein einbettungsfreies Bild gefunden, aber dafür das:


    Zitat von Wikipedia


    Im Zweiten Weltkrieg war das Bahnhofsgebäude beschädigt worden. Nach dem Wegfall des Zugverkehrs wurden die Gebäude auf Betreiben des damaligen Bausenators Rolf Schwedler trotz Protesten der Kreuzberger Kiezbewohner in den Jahren zwischen 1961 und 1967 schrittweise abgebrochen. Begründet wurde dies mit dem Ziel der Neubebauung des nicht mehr benötigten Bahngeländes, die jedoch niemals erfolgte.


    Quelle: Wikipedia/, Creative Commons, gemeinfrei

  • Kennedy-Haus

    Mal wieder zurück in die Gegenwart zum aktuellen Baugeschehen.


    Die Montage der Fassadenelemente am Kennedy-Haus hat begonnen. Der Stein ist wesentlich dunkler, als auf den Visualisierungen angegeben. ...


    Viel ist noch nicht zu sehen, in den unteren Etagen der Ostfassade werden die von DerBe angesprochenen ersten Fassadenelemente angebracht. Wie so oft, aus Kalkstein:





    Hier noch zwei Gesamtansichten:




    Und bei der Gelegneheit noch ein Update der benachbarten Baustelle "Bertha Berlin":


  • Kann man schon abschätzen, wie sich der Farbton des Steins des Kennedy-Haus zu dem des Steigenberger verhält? Hier meinte man ja, die Fassade des Kennedy-Haus wird dunkler und grauer als erwartet. Sieht doch wahrscheinlich am Ende nicht so gut aus, wenn sich beide zu ähnlich sehen. Alles so grau in grau... :/

  • Ich unterschreib ja alles, aber nur (als Ergänzung), dass es keinen Kopfbahnhof mehr gab nach dem Krieg. Es gab mindestens einen: Bilder des Anhalter Bahnhofs 1959, ...


    Ja ich weiß, ich meinte eigentlich den Zeitpunkt lange nach Kriegsende, als die Ruinen schon längst weg waren. Speziell die Zeit nach der Wende, als man das neue Bahnkonzept samt Fernbahnhöfen plante. Hätte ich präziser schreiben sollen. :)

  • Ob Kopf- oder Durchgangsbahnhof mag zu Zeiten der Dampftraktion noch egal gewesen sein, da man dort Loks ohnehin nach wenigen hundert Kilometern mehrfach im Laufweg eines Zuges tauschen musste.


    Das war allerdings nicht der Grund für das Entstehen der Kopfbahnhöfe.


    Es gab in den Anfängen der Eisenbahn noch keine zentrale Deutsche Reichsbahn.


    Zu den großen wirtschaftlichen Zentren (so auch Berlin) entstanden aus den Provinzen/Ländern nur Eisenbahnverbindungen mit Endziel in eben diesen Zentren.
    Da die Provinzen/Länder nun in alle Himmelsrichtungen um Berlin verteilt lagen, baute natürlich jede Länderbahn/Bahngesellschaft seinen eigenen "Zielbahnhof" (meist Kopfbahnhof) ringsum verteilt.


    Aus den ursprünglichen Namen der sogenannten Zielbahnhöfe läßt sich ja wunderbar ableiten zu welchen Provinzen/Ländern oder eben Städten diese Eisenbahnverbindungen ursprünglich führten.


    Übrigens der heutige Ostbahnhof (früher Schlesischer Bahnhof) hieß ursprünglich Frankfurter Bahnhof und der ursprüngliche Ostbahnhof lag an der Kreuzung der heutigen Rüdersdorfer Straße/Straße der Pariser Kommune. Beide waren damals auch Kopfbahnhöfe.


    So gab es noch den Dresdener Bahnhof, dort wo sich heute der U-Bahnhof Gleisdreieck befindet und den Hamburger Bahnhof.


    Daß der "Hamburger Bahnhof" als einziger Kopfbahnhof überhaupt überlebt hat liegt daran, daß er 1884 bereits außer Betrieb ging und danach zu einem Museum umgebaut wurde.


    Wäre dieses Bauwerk weiter bis 1945 und darüber hinaus ein Bahnhof gewesen, hätte man ihn sicher auch als nicht "betriebsfähig" abgerissen.





    Gruß, Jockel HB