Lehrter Stadtquartier & Hauptbahnhof Umfeld

  • Man o man - ich bin sprachlos...


    Die alten Entwürfe mögen monoton gewesen sein - sie hatten aber wenigstens noch einen urabnen Flair.
    Aber das... Was soll das darstellen? Welcher Bauherr gibt für sowas Geld aus? Was für einen ersten Eindruck werden Reisende und Besucher bekommen, wenn sie am Hbf aussteigen...? :nono:





    (sorry für die Wortwahl - ich bin noch immer geschockt)

  • Manchmal arten sie Diskussionen hier nur noch in ein sinnloses Streiten um die individuellen Geschmäcker aus.


    Wenn der "Zahnarztentwurf" (wie ihn Guderian von vornerein abwertend nennt) halbwegs so umgesetzt wird, dann werde sicher nicht wenige Reisende am Hbf beeindruckt sein. Auch wenn das strahlende weiß naturgemäß nicht so leuchtend ausfallen kann - interessant ist der Bau allemal.
    Und nur weil du, Guderian, die Bauten des Band des Bundes als hässlichsten Gebäude Stadt empfindest, sind sie es noch lange nicht. Ich habe sehr viel mit in- und ausländischen Besuchern der Stadt zu tun und meine Erfahrung ist ganz eindeutig, dass der überwiegende Teil dieser Menschen, seien es reine Touristen oder eher fachlich orientierte Besucher, den Bauten des Band des Bundes positiv gegenübestehen. Oft sind sie sogar begeistert.


    Und wie man anhand der Visualiserungen dieser "alten Entwürfe" (bei denen nicht mal Fassadendetails erkennbar sind) beurteilen kann, dass sie urbanen Flair haben (urbanator), ist mir schleierfhaft. Weil der Mann am PC ein paar Schiffchen, Bäumchen und eineinhalb hemdsärmlige Touristen reinkopiert hat? Die Entwürfe deuten gerade mal Baumassen und Rasterfassaden an, die völlig beliebig sind. Da ist das Rendering der weiß-bunten Kunsthalle durchaus etwas aussagekräftiger.

  • Abgesehen von der weiteren Entwicklung am Humboldthafen, hat der gepostete Entwurf einiges für sich. Der Entwurf passt wesentlich besser zur baulichen Umgebung, und hat dieses gewisse Etwas. Fraglich bleibt natürlich, wie die anderen Seiten des Gebäudes aussehen sollen.
    Ich möchte noch einmal auf diese Darstellung des alten Entwurfs hinweisen. Es kann doch nicht euer Ernst sein, dass in dieser Lage eine derartige öde Bebauung hinkommt, oder? Den Vorwurf das Gebäude mit der Berliner Mauer zu vergleichen, finde ich grenzwertig. Die echte Mauer hat mehrere Todesopfer gekostet, von daher verbietet sich eigentlich dieser geschmacklose Vergleich.

  • Alle Entwürfe sind schlecht. Der letzte ist so eine typische Unterart der deutschen Moderne mit seinen riesigen weißen Brandwänden mitten im Bauwerk. Im Prinzip ein Baumarkt mit ein par Linien drin. Warum kann die Architektur nicht wenigstens das mittelmäßige Niveau der internationalen Moderne erreichen?

  • wenn man bedenkt, was man für Gruseligkeiten an der Mehrzahl der deutschen Bahnhöfe sieht, dann ist die Umgebung des neuen berliner Hauptbahnhofs eine Augenweide. Auch meie erste Assoziation zu dem 360° Entwurf war, dass er sich der Umgebung entsprechend gut einfügt. Ich habe schlimmeres, belangloseres gesehen. Zu Guderians Aussage, die Bauten des Band des Bundes betreffend, fällt mir auch nichts mehr ein. Allein Ihre Monumentalität, die durch die verwendung elementarer Formen und Materialien entsteht, ist überwältigend. In Hannover druckt man Postkarten, auf denen stadtansichten abgedruckt sind. Darunter steht: Wo Hannover aussieht wie (Paris z.B.) Unter das Regierungsviertel würde ich "wo Berlin aussieht wie Brasila"

  • Waren das denn wirklich Entwürfe? Oder nur Volumenskizzen der zu vergebenen Baufelder?

    Wenn der "Zahnarztentwurf" (wie ihn Guderian von vornerein abwertend nennt) halbwegs so umgesetzt wird, dann werden sicher nicht wenige Reisende am Hbf beeindruckt sein.

    Ich nenne es nicht Zahnarztentwurf sondern Zahnarztwerbung. („Eine Tube Photoshop macht ihre Zähne weißer als weiß.“) Es ist wirklich nicht schwer eine Illustration spektakulär aussehen zu lassen, wenn man die Sättigung aller Farben um 50% erhöht. Aber so etwas kann nicht gebaut werden. Die Wände müssten schon von Innen beleuchtet werden, um in Natura so dermaßen zu strahlen. Wenn es dem Architekten gelänge, dieses Bild halbwegs umzusetzen, wäre niemand beeindruckter als ich.


    In der realen Welt wird es aber mehr so dunkelweiß aussehen:

    Ich möchte noch einmal auf diese Darstellung des alten Entwurfs hinweisen. Es kann doch nicht euer Ernst sein, dass in dieser Lage eine derartige öde Bebauung hinkommt, oder?

    Es gibt doch bisher noch nicht einmal einen Bauherren, wie kann es da schon Entwürfe geben? Das sind für mich alles nur Ideenskizzen. Nichts davon droht tatsächlich in Kürze errichtet zu werden.

  • Dann frag ich mal andersherum, was für eine Art Architektur sollte das Gebiet um den Humboldthafen prägen?


    Mal von persönlichen Geschmackserregungen abgesehen, warum sollte Berlin nicht eine Art eigenständige Moderne mit den Schultes Bauten etc bekommen?
    Das wäre doch nun auch nichts schlechtes, oder?

  • ^ Der Entwurf da oben ist aber sicherlich keine eigenständige Moderne. Die sieht anders aus. Wie, kann man überall auf der Welt betrachten. Und selbst dort ist die Moderne oft nur als Solitär vorhanden, die von klassischeren Bauten umgeben ist.

  • Na gut, dann lassen wir mal diese Begriffsdiskussion, ob dieses ein eigenständiger Stil ist, oder nicht. Ich sehe auch nicht ein, dass eine besondere deutsche Besonderheit sei, hellen Beton zu verwenden!
    Das Gebäude hier finde ich zB. auch ziemlich gelungen!
    Die Frage ist doch eigentlich eine ganz andere: Sollen noch weitere Gebäude in einem dem Bundeskanzleramt irgendwie ähnlichen Stil verwirklicht werden?
    Und nun Butter bei die Fische! :D

  • Auch meine erste Assoziation zu dem 360° Entwurf war, dass er sich der Umgebung entsprechend gut einfügt.

    Moment mal, noch sieht die Umgebung am Humboldthafen so aus (vom Fotoeffekt mal abgesehen). Ein paar schöne alte Bauten des Campus der Charité, dazu der Hamburger Bahnhof und dazwischen viel Brache. Das Regierungsviertel von Brasilia (eine Assoziation die mir auch schon kam) gibt es bisher nur auf der anderen Spreeseite. Also in die Umgebung passt der Entwurf eigentlich nicht. Er passt nur sehr gut zum Kanzleramt, welches ebenfalls nicht in die Umgebung passt. Ich dachte die Ironie dahinter wäre soweit klar gewesen.


    Und sicher gibt es immer auch noch Orte und Gebäude, die noch schlimmer und belangloser sind, aber das wertet einen Entwurf ja auch nicht auf. Verglichen mit der monotonen Monumentalität des Band des Bundes ist dieser süße kleine Sichbetonkasten sogar ein echter Hingucker. Als S-Bahnfahrer hat man sowieso nur die Möglichkeit, sich die am wenigsten hässlichste Aussicht auszusuchen. Bisher hiess das, entweder Brasilia oder das kotzende Pferd. Am Besten man macht die Augen zu während die S-Bahn durch den Hauptbahnhof rollt.

    Sollen noch weitere Gebäude in einem dem Bundeskanzleramt irgendwie ähnlichen Stil verwirklicht werden?

    Nein bitte nicht! Nicht in Berlin und nirgendwo sonst auf der Welt. Außer vielleicht in Brasilia, das kann man damit nicht mehr versauen. Abgesehen von dem Stil, der ja durchaus verschieden ist, sollte ein Gebäude nie so aussehen, dass sich künftige Generationen fragen müssen, wie billig der Beton damals gewesen sein muss, dass man soviel davon verwendet hat.


    P.S.: Apropos "Band des Bundes", der Name ist doch ein Euphemismus. Dieses "Band" ist eine Wand aus Beton.

  • Na das ist ja ein schöner Rundumschlag. Die Frage wie dieses Gelände nun gestaltet werden soll, hast du ja damit schön umgangen.
    Manchmal ist es wesentlich besser nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, als immer nur Fundamentalkritik zu üben, und somit lediglich die Diskussion abzutöten.


    Zurück zur Ausgangslage: Der Humboldthafen soll ein zentraler Ort in Berlin werden. Neben dem Bahnof soll die Kunsthalle ein zentraler Bau vor Ort werden, und als Markenzeichen der Stadt gelten. Die Frage ist doch nun, wie man das Umfeld gestalten soll. Sollen um den Humboldthafen nun Solitäre entstehen?
    Was wäre als Idee für diese Gegend vorzugswürdig?

  • Ja, die Umgebung des Hbf und des Humboldthafens ist vielgesichtig. Die um 1900 gebauten wunderschönen Backsteinbauten der Charité im Südosten, der moderen futuristische Hbf selbst, klassische und klassizistische Altbauten (verputzte Ziegelbauten) im Nordosten (Hamburger Bf, BM Wirtschaft, Sozialgericht usw.), große Brachen um, aber vor allem nördlich des HBF, eher langweilige 60er/70er/80er Jahre-Bauten Richtung Westen, und der Spreebogenpark mit dem Band des Bundes, das Guderian nicht mag, ich aber sehr repräsentativ finde. (Daher schaue ich meist wie viele meiner Mitreisenden in diese Richtung, wenn ich die Stadtbahn entlangfahre, Guderian schließt halt die Augen) ;)


    Wo soll man also anknüpfen bei der Bebauung des Humboldthafens? Eine einzige, sich anbietende Lösung gibt es nicht. Ich kann mir sowohl eine geschlossene Umbauung mit Uferwegen und Wohnungen vorstellen (nur bitte nicht so langweilige 08/15 Fassaden wie auf den Entwürfen) als auch moderne Solitärbauten, aber bitte schön repräsentativ. Repäsentativ muss ja nicht immer exorbitant teuer sein. Wegen mir kann gern ein ähnlicher Stil wie der des BKAs gewählt werden. Die Chartitébauten wird man kaum um den Hafen herum nachbauen, denn diese bilden eine eigene (abgeschlossene) Stadt und als diese auch ein Solitärgelände innerhalb dieser Gegend.


    Wünschenswert wäre m. E. eine Mischnutzung, in der Kunst, Wohnen, kleine Läden und Cafés (deren Flair sich von der Shoppingcenter-Atmosphäre derselben im HBF abgrenzt) und sicher auch Hotels. Es sollte halt echtes Leben in diese Gegend einziehen und eine städtische Verbindung zwischen Mitte alt, Moabit und dem Regierungsviertel geschaffen werden. Bei der Wahl der architektonischen Mittel bin ich tolerant, da ich mir verschiedenes vorstellen kann. Nur bitte etwas anspruchsvolleres und keine Rasterfassaden oder 08/15 Billigbürobauten. Die ersten beiden Hotelentwürfe (Meininger am HBF, in Bau und Invalidenstr. / Lehrter Str., geplant) gehen leider in diese Richtung. Davon würde ich gern verschont werden.

  • Zum Thema Humboldthafen denke ich mir jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, dass mit dieser 1-A-Lage bitte bald auch nur irgendwas passiert, was diese grandiose Ausgangssituation nutzt. Im Prinzip könnte ich mich wie Backstein mit vielerlei Stilrichtungen anfreunden, von altmodisch historisierend mit verträumten Cafés und Arkaden bis hin zu absoluter Hingucker-Solitär-Moderne. Was mir schon eine Weile im Kopf umgeht ist das Titelbild des Spiegel-Specials "Architektur und Design" aus dem letzten Jahr:



    Ich habe nicht rausbekommen, was für ein Gebäude (als Rendering) darauf abgebildet ist und ob es überhaupt gebaut wurde. Aber ein solcher Hingucker, gerne auch genau dieser, wäre grandios für die Lage. Wenn man ihn anspruchsvoll in die Hafensituation einbindet, könnte das auch städtebaulich eine vortreffliche Lösung sein. Sprich: Uferwege zum Flanieren freihalten, vielleicht einen stegartigen Ausleger mit Café in den Hafen hinein und die Sichtachse auf das Portal des Hamburger Bahnhofs (östliche Ecke) vom Hafen aus freihalten.


    Kennt einer von das Gebäude?


    Jan

  • @original:


    das ist das geplante "Performing Arts Centre" von Zaha Hadid in Abu Dhabi


    Hier ein Artikel über den gesamten geplanten Komplex. Mit dem nötigen Kleingeld ist es schon machbar etwas spektakuläres an den Humboldthafen zu setzen. Nur das ist des öfteren Berlins größtes Problem....das Kleingeld.

  • Ich fürchte, am Ende werden wir hier einen 2. Alexanderplatz bekommen:
    Verkehrsknoten: JA
    Aufenthaltsqualtität: NEIN


    (Natürlich lasse ich mich am Ende auch gerne eines Besseren belehren ;))

  • Man weiß ja vielleicht nicht wie das Gebäude am Ende aussehen wird, aber ich finde den entwurf so schrecklich wenn ich das mal sagen darf :( Das hätte garnicht erst genehmigt werden dürfen. Es ist der Hauptbahnhof, die chance sollte genutzt werden etwas schönes aus dem gebiet zu machen. Und das is in meinen augen ja wirklich vierklassige architektur die is nun echt nicht nötig.. (ich rede jetzt von dem meininger hotel)

  • Ganz genau..... es ist der Platz zwischen dem Hauptbahnof des Bevölkerungsstärksten Landes der EU, der grössten Volkswirtschaft der EU, es ist der Platz zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt, und es kommt eine Architektur hin, die selbst in einem gewerbegebiet in München Allach als hässlich bzw trivial empfunden würde.....


    Unglaublich, wie es Mechanismen geben kann, die sowas zulassen...