Charité - Bettenhaus und Ambulanzzentrum [in Bau]

  • Die moderne Fassade ist eine schöne Ergänzung zu dem Backstein-Rot in der Umgebung. Und mehrere hundert Millionen Euro für die Renovierung sind wirklich genug. Manchmal frage ich mich, wo hier so mancher sein betriebswirtschaftliches Denken gelassen hat... Die DDR-Fassade vorher war die eigentliche Katastrophe!

  • ^^Gut gestalten kann man auch ohne viel Geld.... Vor allem kann man gut gestalten, wenn man per definitonem nicht viel Geld hat. Es muss nicht Back- oder Sandstein sein....Es geht auch disruptiv-selektiv Glas z.B..... neben der Plaste und Elaste-Schiessscharten-Ummantelung.

  • Die moderne Fassade ist eine schöne Ergänzung zu dem Backstein-Rot in der Umgebung. Und mehrere hundert Millionen Euro für die Renovierung sind wirklich genug. Manchmal frage ich mich, wo hier so mancher sein betriebswirtschaftliches Denken gelassen hat...


    Es sind 202 Millionen... Und das sind nicht nur ein paar neue Fassadenplatten am Bettenhochhaus, sondern schließt den OP Neubau, die gesamte Technik, inkl. Medizintechnik mit ein. Für einen Bau dieser Größenordnung ist das absolut unterstes Budget.

  • ... letzten Endes ist der ausgeprägte Sparzwang auch eine Folge der Überschuldung der Stadt. Bei so einem Prestigeobjekt wie dem weithin sichtbaren Charite Hochhaus hätten Städte wie München sicherlich mehr Geld in die Fassade gesteckt. Es gibt wirklich schöne Alufassaden, diese gehört m.E. nicht dazu. Viel zu schmale Fenster, da sah die Vorgestaltung besser aus.
    Die Charite zehrt von ihrem einstmals großen Namen, der gesamte Campus wie auch viele der Gerätschaften / Labore etc. wirken wie aus der Zeit gefallen. Ich war mal bei einer Führung dabei, dass was man dort zu sehen bekam war im historischen Kontext interessant, aber wie internationales Spitzenniveau wirkten der Campus und die Ausstattung auf mich nicht.

  • Kleist: Die Charité zehrt natürlich auch aber keinesfalls allein von ihrem guten Namen. In der Spitze (Forschung, Kompetenz für Behandlungen) ist sie nach wie vor ziemlich weit vorne und genießt bis heute einen sehr guten Ruf der sich auch in entsprechenden Rankings immer wieder bestätigt. Ich habe aber mehrfach gehört, dass sie andererseits in der Breite (u.a. die Pflege bereits behandelter Patienten) in der Tat sehr schwach finanziert sein soll.


    Zurück zum Thema: Je großflächiger die Fassade zu erkennen ist, desto ernüchternder finde ich das optische Ergebnis - zumindest auf den Bildern und beim momentanen Wetter. Da man aber nicht weiß wie die anderen Renderings real umgesetzt worden wären, bin ich skeptisch ob da die Begeisterung größer gewesen wäre. Glas bspw. wäre an sich interessant gewesen, aber hätte auf den großen Flächen und den leicht "plumpen" Proportionen vielleicht nicht unbedingt ganz so offen und attraktiv gewirkt wie auf dem Rendering. Um es mal vorsichtig zu formulieren und gar nicht erst an die vermutlich deutlich höheren laufenden Kosten zu denken.


    Die Kostenfrage sehe ich von zwei Seiten. Natürlich ist es extrem schade, dass der Backsteinsockel nicht kommt. Andererseits kann Berlin es sich nun wirklich nicht leisten wegen der Optik spürbare Mehrausgaben zu stemmen. Das Projekt stand lang genug auf der Kippe. Woanders explodieren die Kosten auch schon (BER, Deutsche Oper...) und es gibt zugleich einen beängstigenden Sanierungsstau in der Stadt der uns auch noch auf die Füße fallen könnte.

  • Man muss jetzt auch nicht übertreiben, bzgl. der Stellung der Charite in der Republik. Die klinische Versorgung ist in Deutschland glücklicherweise flächendeckend exzellent, in Heidelberg gibts genauso Medizin auf int. Spitzenniveau wie in der Bundeshauptstadt (das ist nicht in jedem Land so, auch nicht in jedem Industrieland).


    Und ich bleibe dabei, es ist und bleibt ein Klinikbau und zeigt mir doch bitte die zahlreichen Beispiele im In- und Ausland, wo neuere Bettenhäuser nach höchsten Ansprüchen an Materialität und Ästhetik gestaltet wurden?


    Weiterhin ist der Baukörper an sich in der Tat relativ "plump" ("kurz und breit", simpler Quader). In Kombination mit dem engen Budget, aber höchsten Ansprüchen an die medizinisch-technische Infrastruktur, bleiben nur ganz kleine Spielräume für architektonische Gestaltung. Und dafür würde ich sagen, ist eher das "Glas halb voll", ich habe schon wesentlich unansehnlichere Bettenhäuser gesehen (auch und gerade in Berlin).

  • @ Eisber


    ... ein Beispiel eines Klinikneubau aus diesem Jahr, der m.E. hohen Ansprüchen genügt. Children s Hospital of Philadelphia, ein Bestandsgebäude Bild 2 des gleichen Klinikum.


    Ich stimme Dir und jan85 insofern zu, dass es nicht sinnvoll erscheint, die Verschuldung des Klinikum wegen der Fassade hochzutreiben.
    Es gibt i.Ü. zahlreiche Artikel zur Charite und deren internationalen Renommee. Darunter viele von hochranigen Mediziner mit kritischen Unterton.
    Gute Patientenrankings sind nur bedingt aussagekräftig, da den meisten Patienten der internationale Vergleich fehlt und die Forschungsaktivität durch die Patienten nicht beurteilt werden kann.
    Internationale Spitzenforschung mit Top Kräften zum BAT- Ost ?

  • Überdies bitte ich bei ausländischen Beispielen zu bedenken, dass Häuser in öffentlicher Trägerschaft weltweit wirtschaftlich anders kalkulieren müssen, als zB das hochgradig privatisierte Gesundheitswesen in den USA, wo man Spitzenmedizin und Wohlfühlatmosphäre in schicken, modernen Gebäuden sicherlich flächendeckend in Kliniken findet - aber nur wenn man eine sehr gute Krankenversicherung und überdies einen tiefen Geldbeutel für die hohen Selbstbehalte hat. Die öffentlichen Krankenhäuser dort, die auch die Notfälle ohne Krankenversicherung behandeln müssen usw., sind dafür häufig in einem baulichen Zustand, wie wir dies nirgendwo in Deutschland Patienten zumuten.


    Dann doch lieber "demokratische" Medizin in zweckmäßigem Gewand für alle (Schnickschnack wie ein aufpreisiges Einzelzimmer bedeutet ja noch keine bessere medizinische Versorgung). Be careful what you wish for - you just might get it.

  • ^das würde dir also in Mitte gut gefallen?


    Auch scheint man hier von der Vergangenheit zu zehren. Zumindest heißt es in Presseberichten zur Sanierung dieses Gebäudes, dass man zB die bisherige Vollklimatisierung der Patientenzimmer im Zuge der Sanierung ausbaut und durch normale Einzelheizkörper ersetzt. Das wird von der Presse zuerst als Benefit verkauft, von wegen jetzt kann man endlich die Fenster für Frischluft öffnen, als Patient der den ganzen Tag in Bettzeug verbringt, häufig auch fiebrig usw., hat man es im Hochsommer ja auch äußerst gern die Hitze reinzulassen (ich war die 2x in meinem Leben, wo ich in eine Klinik musste, heilfroh, dass mein Zimmer vollklimatisiert war im Hochsommer). An anderer Stelle heißt es dann nur kurz und knapp, dass die Krankenhausbauförderung keine Klimatisierung vorsieht, d. h. der Standard wird runtergeschraubt weil gespart werden muss und Freunde dieser sicherlich streitbaren Fassadengestaltung dürfen sich fragen, wie sich die Sanierung auf die Fassade sich ausgewirkt hätte, wenn diese nicht unter Denkmalschutz stünde.


    "Berlin ist überall".

  • ^Was verstehst Du nicht an: --> ;) <--?


    Was soll es denn bedeuten? Das Klinikum galt ja als es gebaut wurde als sehr teures riesiges Hightechgebäude. Die Gestaltung ist doch nicht der Sparsamkeit geschuldet.


    Die Staatsbibliothek oder das ICC wurden ja auch nicht aus Sparsamkeit so gebaut.

  • ^^ [ERBSENZÄHLMODUS] Das --> ;) <--- bezieht sich auf die Art der Architektur, und die Beispiele hab ich gebracht, eben weil überproportional investiert wurde, eben drum. RWTH Aachen vs. Charite und nebenan Bahnhof Liege vs. Ostkreuz-Ringbahnhalle. [/ERBSENZÄHLMODUS]

  • ... Eisber, erst willst Du internationale Beispiele sehen und wenn sie kommen, dann fallen Dir Gründe wie "demokratische Medizin" ein, um sie zu entwerten.


    Das Childrens Hospital of Philadelphia ist i.Ü. in öffentlicher Trägerschaft.
    Hier noch ein Beispiel aus Abu Dhabi, wo die Cleveland Clinic einen Ableger betreibt. Gut, mit den Ölscheichen müssen wir uns nicht messen.

  • @ Eisber


    Nun solltest du auch nicht übertreiben. Die medizinische Flächenversorgung für Standardbehandlungen in Deutschland ist in Ordnung. Sobald es etwas komplizierter wird, steht man allerdings schnell im Regen, da kann ich leider ein Lied von singen.


    Im Übrigen gibt es ein nicht zu schmales Spektrum zwischen "höchsten Ansprüchen" und kleinstmöglichen.

  • ^da ich bereits in diversen anderen (westlichen) Ländern gelebt habe, weiss ich die deutschen Verhältnisse im positiven Sinne zu schätzen. Die deutsche Autosuggestion (bei uns ist alles schlecht, überall sonst alles besser) führt leider häufig zu einem etwas unrealistischen Selbstbild. Ob es Extremsituationen sind, wie zB dass kein Land auf der Welt mehr Isolierstationen für Hochrisikokrankheiten wie Ebola "auf Standby" unterhält, als die Bundesrepublik, oder einfach die Zahl von Kernspintomographen pro 1.000 Einwohner. Und das alles zu int. auffälllig günstigen Gesundheitsausgaben pro Kropf und dem extrem bequemen Sachleistungsprinzip. Und das nutzen wir auch ausgiebig, siehe rekordverdächtige Arztbesuche pro Kopf/Jahr. Nicht weil wir sonst nichts zu tun haben, sondern weil unser leistungsfähiges Gesundheitssystem sehr viele Leistungen bietet, die in anderen Ländern in Eigenregie verdoktort werden (zB per Griff ins OTC Regal im Supermarkt, wo vielfach Zeug freiverkäuflich ist, was bei uns aus gutem Grund rezeptpflichtig ist).


    Auch wenns mir die Beitragsbemessungsgrenze erlaubt würde ich niemals die GKV verlassen, beim Sachleistungsprinzip zück ich mein Plastikkärtchen und 99% aller Leistungen sind abgegolten, als Privatpatient darf ich erstmal vorstrecken, krieg ja doch nie alles zurück von der Versicherung abgesehen vom Selbstbehalt und wenns dann mal mehr ist, als eine Packung Antibiotika, wird das finanziell durchaus zum Kraftakt, ein Bekannter von mir ist chronisch krank und braucht zum Überleben jeden Monat Arznei im Wert von ca. 1.000 Euro. Er muss nur 10 Euro Zuzahlung in der Apotheke auf den Tisch legen und kriegt immer, was er auch wirklich braucht. Wenn man sich da die Situation nicht nur bei den Angelsachsen anschaut, sondern auch zB bei den vielfach gehypten Skandinaviern (dort sind Arzneipreise stärker reguliert und es gibt "Positivlisten", da kriegt man dann vielfach einfach nicht das neueste und wirksamste Medikament bezahlt), dann möchte er da auch nicht tauschen und hat nie ein schlechtes Wort über unser Gesundheitswesen verloren, gerade weil er gezwungenermaßen soviel damit zu tun hat, weiss er zwischen Nickligkeiten wie Krankenhausarchitektur und Essentialia wie seine Arzneien zu differenzieren.



    Und da irgendwo das Geld herkommen muss ist mir zweckmäßige Krankhausarchitektur deutlich lieber, als bei diesen Solidarleistungen zu sparen (in den USA ist dies beispielsweise leider so, wer dort keine Krankenversicherung hat, was nach wie vor Mio. Bürger betrifft, der kriegt einfach keine Therapie, wenn er Krebs, HPV, usw. hat, er kriegt nur akute Notfallhilfe, aber keine Heilung - da sind die Schultern der "Starken" und öffentliche Budgets natürlich an dieser Stelle entlastet und man kann mehr Geld an anderer Stelle ausgeben).

  • @ Bato


    Vielleicht sollte man dies besser in die Lounge verschieben, hat mit dem eigentlichen Thema nicht mehr viel zu tun.


    @ Eisber


    Sicher gibt es (auch westliche) Länder, in denen die medizinische Versorgung schlechter ist, es gibt aber auch genügend Beispiele, wo sie erheblich besser funktioniert.


    Ich wiederhole meine Aussage nochmal: die medizinische Standardversorgung in Deutschland funktioniert im Großen und Ganzen - wer Insulin braucht, eine Magenspiegelung oder Betablocker wird dies auch bekommen.


    Darüber hinaus wird es aber schnell dunkel. Meine eigenen Erfahrungen sowie Ereignisse in der Familie und im Freundeskreis haben teils Bizarres hervorgebracht. Dies reicht von 13 Monaten Wartezeit auf einen einfachen Termin in einer Augenklinik und 11 Rheumatologenbesuchen (bis der 11. dann die spektakuläre Diagnose Rheuma stellte) über Trips nach Bulgarien, weil Zahnersatz in Deutschland das Preisniveau eines Mittelklasse-Neuwagens ohne weiteres erreichen kann, bis hin zu nicht erkannter Syphillis mit anschließendem Todesfall (obwohl bei rechtzeitiger Diagnose ohne weiteres heilbar). Also nein, ich teile deine Euphorie keinesfalls. Zumal man nicht vergessen darf, daß das deutsche Gesundheitssystem zu den teuersten der Welt gehört (Ineffizienz und Pharmalobbyismus als wesentliche Faktoren). Zusammengefasst: die medizinische Versorgung hier ist sicher besser als in manch anderen Ländern. In Anbetracht der Kosten und im Vergleich zu einigen Nachbarn sollte man aber nicht zu stolz darauf sein.


    Um den Bogen zurück zur Architektur zu schlagen: mir ist es auch lieber, das Geld wird in die Patientenversorgung investiert statt in repräsentative Bauten, ein gestalterischer Minimalstandard sollte allerdings drin sein.