Stadtschloss Berlin: Der Thread für den Wiederaufbau

  • Kosten sind nie Nebensache. Die Bundesrepublik ist auch kein neues Preußen. In der Bundesrepublik ist Berlin nicht "das Herz" sondern in geographischer Randlage und wirtschaftlich zweiter Reihe, lediglich Sitz der Bundesregierung, nach offizieller Gemarkung größte Stadt (wobei von einem kompakten Stadtgebiet wie in München keine Rede sein kann, eher mit dem Ruhrgebiet zu vergleichen, was wieder "größer" wäre...).


    Überzeugt mich also nicht. Ich verstehe hingegen voll und ganz wenn jemand sagt "mir gefällt dieses Gebäude" und daher für eine Rekonstruktion streitet. Aber bitte ohne Pathos oder Agressionen, so schadet man dem Anliegen nur. Wäre ich ein "Schlossbefürworter" würde ich jetzt ganz sachlich und ruhig auf einer belastbaren Zusage beharren dass es tatsächlich nur ein Aufschub ist und der Bundestagsbeschloss weiterhin Gültigkeit behält sowie das Baubudget bei einem verzögerten Baubeginn um einen Inflationsausgleich aufgestockt wird.



    Anmerkung Mod: Bitte beim Thema Stadtschloss bleiben. Für Diskussionen über deutsche Geschichte gibt es die Lounge.
    Bato

  • Richtig, Berlin ist kein Ort einer boomenden Wirtschaft, dafür gezwungenermaßen Vorreiter im Strukturwandel und Vorreiter in Spitzentechnologie. Adlershof und andere wissenschaftliche Standorte in Berlin sind Top in Europa oder sogar in der Welt und Berlin ist ein zusammenhängendes Stadtgebiet, kein zweites Ruhrgebiet und mit Abstand die größte Stadt Deutschlands.
    Berlin hat immer noch eine enorme Hypothek durch die Folgen der Teilung und Einheit zu tragen, gemessen daran sind erhebliche und erstaunliche Fortschritte gemacht worden. Ich als NRWler wünsche mir das Ruhrgebiet hätte sich in ähnlicher Weise dem Strukturwandel gestellt wie Berlin.


    Berlin ist ideelle und reale Bundeshauptstadt und die einzig wahre Metropole, weil nur hier auch Internationalität herrscht. Hier sind Touristen, Diplomaten, Entscheider, Wirtschaftsleute und Migranten aus aller Welt zu Hause. Berlin hat zwar noch keine wirkliche Oberschicht ausgebildet, der Aufschwung als Mode-, Kultur- und Lifestyle-Stadt legt aber eine gute Grundlage für künftigen Wohlstand. Berlin bewegt wirklich etwas, und auch wenn vieles gehypt wird, etwas wahres ist da schon dran. Nicht umsonst erobern immer mehr Modelabels aus Berlin die internationale Bühne, wird Berlin immer mehr zu dem, was es in den 20ern war: Ein Synonym für Mode, Fortschritt, Wagnis und Gegensätzlichkeiten: Hartz-IV- und Bundeshauptstadt, Mode und Ballonseide, Schein und Sein. Ich war auch in Hamburg schon sehr oft, aber nie hat mich eine deutsche Stadt so fasziniert wie Berlin, nirgendwo gibt es mehr Geschichte zu erleben und Neues zu entdecken. So wie Berlin sich in 5 Jahren wandelt wandeln sich andere Städte bestenfalls in 10 Jahren.


    Das Stadtschloss hat damit aber gar nichts zu tun, es ist vorrangig ein teurer, wenn auch schöner, Lückenfüller mit einem bisher eher fragwürdigem Nutzungskonzept.

  • Die geogr. Randlage trifft wohl auf die meisten Hauptstädte großer Länder zu, außer Madrid, Rom, Brüssel und nochn paar. Das ist ja wohl kein Argument, eine Stadt (Haupt- oder normal) hinten anzustellen. Sieht man das hingegen doch als Argument, dann ist der Schlossplatz als geogr. Zentrum Berlins (oder sogar Brandenburgs (geogr.!)) ja wohl an erster Stelle der regionalen Warteliste. Da ziehen Geld und Nutzen wohl eher als Ausrede.

  • Um nochmal auf die weiteren Entwicklungschancen des Humboldtforums zurückzukommen: das Elend ist doch, dass es offenbar nicht möglich ist, aus Zusagen verbindliche Verträge zu machen, die nicht mal eben so von einem Bundeskabinett, das gerade in Sparlaune ist, umgepustet werden können. Bei der Museumsinsel gibt es doch auch vertragliche Vereinbarungen (soweit ich weiß), die einen festen Zeitplan vorsehen. Wäre es nicht ein Akt der Fairness von der jetzigen Bundesregierung, nun einen verbindlichen Zeitplan auszuarbeiten, der dann nicht einfach mal so nach Lust und Laune gecancelt werden kann?

  • Ich muss sagen dass ich mehr als enttäuscht über das Verhalten und mithin auch die Vertrauenswürdigkeit unserer Regierung bin.


    Zudem ist es sehr interessant wo Gelder hingelenkt werden, um dann rigeros bei Schwachen und Kultur zu streichen.


    Wo ist Deutschland bloss hingesteuert, ich verstehe das Ganze nicht mehr.


    Tut mir leid.


    Der Spiegel hat auch noch eine Meinung zudem Thema.


    http://www.spiegel.de/kultur/g…aft/0,1518,699112,00.html


    Die da wäre? Bitte 1. Gebot beachten. Bei Links zu externen Artikeln stets etwas Inhalt in eigenen Worten wiedergeben. Sie bleiben nicht ewig online.Vielen Dank
    Bato


    Und auch der Architekt des Stadtschlosses Franko Stella meldet sich zu Wort und betont im Tagesspiegel von welcher Bedeutung dieses Bauwerkes für Berlin sei.


    http://www.tagesspiegel.de/ber…ung-des-baus/1854014.html

  • ^ Für manche Bild-Leser ist Stellas Kommentar als weniger wichtige dafür entbehrliche wohl gut. Für alle anderen klar denkende Deutsche braucht es keinen vom Italiener, um zu wissen, daß das Schloß - nicht aber ein Forum mit nicht zeitloser abgespeckter Innenarchitektur - wichtig ist.


    Wofür überhaupt ein Architekt? Für die Fassde? Nö.


    Jeder Architekt könnte das Schloß bauen. Wir brauchen ja nicht mal fertige Räume. Diese können, wie bereits sinniert, nach und nach rekonstriert werden. An sowas hinge die Nation sehr viel lieber als - ich bitte Euch - an einem Schloß von außen aber nicht von innen.


    Heuristiker

  • @ Heuristiker: Kannst du deinen ersten Satz bitte mal übersetzen ?


    "Für manche Bild-Leser ist Stellas Kommentar als weniger wichtige dafür entbehrliche wohl gut."


    Der ergibt einfach keinen Sinn - es scheint mir, dass da irgend etwas fehlt . .;-)

  • Mit dem Stadtschloß wird es wohl nichts mehr. Und ich fürchte, dass diese Sparmaßnahme der Regierung wohl die Einzige ist, die von der Bevölkerung nahezu ausnahmslos akzeptiert wird. Die kleingeistige Bevölkerung weis nicht, welche Bedeutung das Schloß für Berlin und die Republik hat! Und warum merken sie es nicht? Weil der Lokalpatriotismus der deutschen Kleinstaaten es unmöglich macht, die Hauptstadt als solche zu erkennen! Das eine Hauptstadt repräsentativ sein muss und festlich, das geht nicht in deren Köpfe. Stattdessen setzt sich eine Mehrheit der der Frankfurter für eine neue Altstadt ein, während der Berliner den Mittelpunkt Spreeathens zu einer schnöden Liegewiese degradiert und das auch "gut so" findet. Ein trauriges Ergebnis welches zeigt, das Berlin von den Deutschen als bloßer Verwaltungssitz betrachtet wird, in dem nur ihre kostbaren Steuergelder versenkt werden. Bonn war wahrlich viel repräsentativer für die meisten Deutschen. Kleingeistig und provinziell. Da war Berlin, Gott sei dank, immer eine wohltuende Ausnahme. Zuguterletzt: Ich bin nur für das Stadtschloß, da bis jetzt noch keine Alternative aufgezeigt wurde, die nur annähhernd diese katastrophale, städtebauliche Situation lösen könnte. So, genug ausgekotzt :-)

  • Na, und da sag mir einer noch was gegen die Bayern: Die Morgenpost meldet, dass Bundesbauminister Ramsauer den Stadtschloss-Bau doch gerne schon in 2013 beginnen würde:
    http://www.morgenpost.de/berli…ssbau-schon-2013-beginnen.
    Im Übrigen äußerte dem Vernehmen nach die Baukammer Berlin, dass wegen des Baustopps Schadenersatzforderungen von bereits eingearbeiteten Handwerkern und Ingenieuren gegen den Bund erhoben werden könnten...
    Na mal sehen, nun kommt vielleicht ja doch noch ein bisschen der Katzenjammer...

  • FAZ Artikel

    Hoffentlich hatten wirs noch nicht: Das Feuilleton der FAZ sieht in der Verschiebung des Baus eine epochale Niederlage der Kulturpolitik. Nach der nächsten Bundestagswahl sei das Projekt dann ohnehin einer ungewissen Zukunft überlassen. Der Diskussion wird angekreidet, dass der Bau als Luxusartikel dargestellt werde, aber gleichzeitig das Geld weiter für Bonn-Berlin-Pendler ausgegeben oder für eine neue BND-Zentrale verpulvert werde. Eine Mitschuld am Scheitern (bis dato) gebe man auch dem vagen und beliebigen Konzept des Humboldforums.


    Der geneigte Leser klicke bitte hier (FAZ-Artikel)


    Gruß aus Frankfurt, das wohl (bisher noch) nicht seine "neue" Altstadt einspart.

  • ... Weil der Lokalpatriotismus der deutschen Kleinstaaten es unmöglich macht, die Hauptstadt als solche zu erkennen! Das eine Hauptstadt repräsentativ sein muss und festlich, das geht nicht in deren Köpfe. ...


    Richtig!
    Und das ist gut so!
    Für mich ist Berlin zwar Bundeshauptstadt und die Regierungsgebäude sollten auch architektonisch repräsentative gestaltet sein.
    Aber es ist auch eine mit meiner Heimatstadt konkurrierende Metropole und es kann nicht sein, das der Bund in diesen Wettbewerb zu Gunsten Berlins eingreift.


    Berlin hat nicht (mehr) die überragende Bedeutung für Deutschland, wie es andere europäische Hauptstädte für ihr Land haben. Außer Italien und Spanien, gibt es kein Land in Europa, wo die größte Stadt und Hauptstadt nicht einmal doppelt so viele Einwohner zählt wie die Nummer 2 und nicht mal das dreifache der Nummer 3!


    Wenn Berlin das Stadtschloss will, dann soll es dies aus der eigenen Kasse bezahlen oder sich einen Investor suchen. Daran kann die Stadt niemand hindern. Aber dies als nationale Aufgabe zu sehen ist falsch.


    Einzig beim Erhalt von historischer Bausubstanz, etwa der Museumsinsel oder der deutschen Oper halte ich es für eine Pflicht des Bundes zu unterstützen.
    Aber dies sollte er überall in Deutschland tun!


  • Außer Italien und Spanien, gibt es kein Land in Europa, wo die größte Stadt und Hauptstadt nicht einmal doppelt so viele Einwohner zählt wie die Nummer 2 und nicht mal das dreifache der Nummer 3!


    Also die Argumente hier werden wirklich immer absurder...:lach:


    Wenn Berlin das Stadtschloss will, dann soll es dies aus der eigenen Kasse bezahlen oder sich einen Investor suchen. Daran kann die Stadt niemand hindern. Aber dies als nationale Aufgabe zu sehen ist falsch.


    Und da kannst du noch dreimal auf und niederspringen und trotzig mit dem Fuß aufstampfen - Berlin ist und bleibt Hauptstadt dieses Landes und konkurriert hier keinesfalls mit irgendeiner anderen Region. Und dies schon seit 140 Jahren!
    Das Berliner Schloss war nun mal ein ganz zentraler Bestandteil dieser gesamtdeutschen Geschichte und wurde grundlos zugunsten eines stalinistischen Appellplatzes geschleift. Hier wurden sowohl Kaiser gekrönt als auch die Republik ausgerufen. Es ist auch eine Frage des Selbstverständnis dieses Landes, wenn an dieser Stelle ein Bauwerk errichtet wird, dass die Verbindung zwischen der Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft schafft. Deshalb hat der Bundestag, das gesamtdeutsche Parlament, diesen Bau beschlossen. Find dich einfach damit ab.


  • Und da kannst du noch dreimal auf und niederspringen und trotzig mit dem Fuß aufstampfen - Berlin ist und bleibt Hauptstadt dieses Landes und konkurriert hier keinesfalls mit irgendeiner anderen Region. Und dies schon seit 140 Jahren!


    Das will ja auch keiner Berlin wieder nehmen.
    Aber natürlich konkurriert es auf allen Gebieten außer der Politik mit allen anderes Städten und Regionen des Landes.
    Ich habe ja nur auf einen Beitrag von NewUrban geantwortet, der den Lokalpatriotismus in Deutschland beklagt.
    Und mit der Beobachtung hat er recht.


    Ich bekenne mich dazu, ja ich bin Lokalpatriot!


    Und sie können es beklagen oder nicht, für mich hat das Stadtschloss keine Bedeutung.

  • Ich denke angesichts der äußerst angespannten Haushaltslage versteht es sich von selbst, wenn ein nicht so unbedingt lebensnotwendiges und relativ teures Projekt (finanziert vom Steuerzahler) erstmal verschoben wird. Ich persönlich wäre dem Projekt auch eher zugeneigt, wenn es sich um eine authentischere Rekonstruktion handeln würde (ähnlich dem Vorbild Frauenkirche in Dresden) und nicht nur einer Pseudofassade alá Disney-Land. Die Wahrheit ist: das Stadtschloss ist einer breiten Masse ausserhalb der Hauptstadt eine wohl eher unbekanntere Ikone.


    Off topic: Die Bedeutung Berlins in diesem Thread allerdings kleinzureden, zeugt nur von Neid, Kleinkarriertheit und Geschichtsunkenntnis. Ohne Teilung wäre Berlin auf Augenhöhe mit Paris und London... mit dem neuen Flughafen aber ist ein erster wichtiger Schritt getan.

  • Ich bin auch ein lokalpatriot und liebe meine Stadt aber Berlin tut sich als Hauptstadt schwer. Föderalismus hin oder her. Die USA sind auch föderalistisch, sogar noch deutlicher als Deutschland. Bloß ist dort Washington die unangefochtene Hauptstadt, wahrlich nicht ohne vorherige Kämpfe. Die einigung der deutschen kleinstaaten wurde in Berlin beschlossen und somit ist Berlin die Hauptstadt aller Deutschen. Aber das war nun genug offtopic.


    Wie gesagt, das Schloß ist eine Angelegenheit des Städtebaus. Ich stehe einer Vollrekonstruktion dieses Baus nachwievor kritisch gegenüber. Jedoch sehe ich keine Alternativen. Das Konzept der Innenstadt Berlins basiert auf dem Schloß in der Mitte als Endpunkt der Straße Unter den linden. Das Konzept, welches für das Schloß gefunden wurde, überzeugt mich schon. Es ist die konsequente Verlängerung der Museumsinsel. Auch die Idee, die außereuropäischen Sammlungen dort unterzubringen, halte ich für klug. Dem imperialen Schloß wird der humanistische Gedanke der Aufklärung (für den Berlin nunmal auch steht) entgegen gestellt. Alles in allem ein gelungenes Konzept.

  • Jetzt wird medienwirksam noch mal von allen Experten geunkt und von allen Gegnern schlechtgeredet. Was soll´s, sind doch nur Rituale. Das Schloss wird in jedem Fall kommen! Ein Doch-Nicht-Bauen wäre an Peinlichkeit nicht zu überbieten und würde wahrlich für viel Gelächter in der Welt sorgen. Und bevor DAS geschieht, stehen wir deutsche Michels lieber zähneknirschend zusammen und bauen es. :)


    OT: So ein m.E. "deutsches" Verhalten legen Berliner gerne an den Tag: Immer über die Stadt meckern, aber wehe es kommt Besuch von AUSWÄRTS - denn is Berlin dit tollste übahaupt. ;)

  • Die Debatte ist weiter offen. Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, warb am Mittwoch für die Bedeutung des Schlosses. Jetzt hat Bundestagspräsident Thierse angekündigt, parlamentarisch auf eine Korrektur des Verschiebungs-Beschlusses hinarbeiten zu wollen. Auch die Kulturpolitiker der Union wollen sich für einen Baubeginn noch in dieser Legislaturperiode einsetzen.


    Als Argumente werden wieder die Wichtigkeit des Schlosses für die Kulturnation Deutschland und die drohenden Kosten für die Sanierung der Bauten in Dahlem (ca. 200 Mio) genannt.


    Quelle: http://www.morgenpost.de/berli…cheidung-korrigieren.html

  • NewUrban und Dr. Rotkohl


    Ich beantworte Ihre die Teile Ihrer Beiträge, die hier nicht reingehören in dem Strang "Dimensionen des ..." in der City-Lounge.
    Dafür hat der Sysopp es geschaffen und schon einmal einen Satz Beiträge hinnein geschoben!


    Anm. Mod:
    Nein, für soviel OT-Geschreibsel gibt's diesen Thread.
    Bato

  • ^^
    Aber Thierse genießt gerade im linksbürgerlichen Milieu, wo ja viele Schlossgegner sitzen, hohes Ansehen. Es kennt ihn auch sonst jeder. Das ist fast wichtiger als seine Position.