Stadtschloss Berlin: Der Thread für den Wiederaufbau

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    Mmmh, die Elbphilharmonie ist vermutlich kein gutes Beispiel weil der alte Speicher eher als Sockel für den weithin sichtbaren spektakulären Aufbau dient, während das Humboldforum die Moderne in sich trägt.


    Ich finde das Foyer schon beeindruckend...


    Ich hoffe nicht das Opfer eines Schlosshasser Amokläufer zu werden, vielleicht wäre ein Umzug ratsam Arty Deco ... :S

  • Ganz einfach: Berlin zählt bereits, unter den wesentlichen Weltstädten, zu den hässlichsten Orten überhaupt. Zu recht wie ich finde.

    Das finde ich schon recht verkürzt. Wer den Artikel gut durchliest, wird feststellen: Hier handelt es sich um eine etwas spitz formulierte, dicke fette Liebeserklärung an die Stadt, wie sie - sagen wir 1986 - an New York nicht besser hätte geschrieben werden können.


    Und die Tatsache, dass Berlin mittlerweile auf internationaler Bühne solche Listeneinträge neben Osaka und Sao Paulo überhaupt wert ist, sagt doch viel mehr über 'Weltgeltung' aus, als wie dieses oder jenes Bauwerk gelingt ...


    Marco


    Und jetzt bitte zurück zum Thema. Danke

    Bato

  • Sicher dient er als Sockel, dennoch verankert er den Bau architektonisch in Hamburg und wertet ihn enorm auf. Spektakulär zu bauen finde ich nicht so entscheidend für die Bewertung, zumal in Europa.


    Abgesehen von der Elbphilharmonie fällt mir in Deutschland eher wenig Neues ein, was massiv raussticht. Der Berliner HBF hätte das Zeug, wenn die Spezies ihn nicht verstümmelt hätten. Ansonsten gibt es in Berlin viele gute Bauten nach 45 und einige nach 90.


    Das Humboldt Forum mit seinen Rekofassaden empfinde ich als enorme Wohltat - ein Glücksfall wegen der Schönheit aber auch um Geschichte besser greifbar zu machen. Etwas vom Palast der Republik hätte man jedoch integrieren sollen. Zumindest ein paar Exponate würde ich mir wünschen u. A. ein großes Modell.

  • ^ Je länger ich mich mit der berühmt-berüchtigten Ostfassade vertraut mache, desto mehr finde ich, es hätte richtig gut ausgesehen wenn dieser Teil eine Reko des Palastes der Republik gewesen wäre.*


    Das ganze Gebäude wäre ein einziges, abgefahrenes historisches Statement gewesen. Und dann die braunen Fensterscheiben ...:love:


    Aber so ist's auch ganz schön.



    *keine Satire!

  • Ganz einfach: Berlin zählt bereits, unter den wesentlichen Weltstädten, zu den hässlichsten Orten überhaupt. Zu recht wie ich finde.

    Lieber Arty Deco - ich glaube, du hast einen Punkt, ich verstehe ihn bloß noch nicht: Du sagtest doch, dass das HF international keine Anerkennung finden wird - warum ist dir das wichtig, bedeutsam? Ich hab den verlinkten Blog gelesen. Zitat: "When you have soul like Berlin's, looks become irrelevant." Ich für meinen Teil kann mit Statements dieser Art leben; die Weltliga mag sich woanders austoben.


    Mir ist übrigens kein anderes Projekt weltweit bekannt, dass sich mit der konkreten Gemengelage des HF, einem ähnlich komplexen Kontext von Ansprüchen, Historie und Sensibilitäten, auseinandersetzen musste - hast Du eins im Auge? Und wie ist es denn da überzeugend gelöst worden?

  • Ich habe es schon mehrfach in den letzten Jahren hier angesprochen und sage es im aktuellen Kontext nochmal. Das Schloss, wie es heute ist, ist kein Zufallsprodukt. Es ist das Resultat einer fast zwanzigjährigen Diskussion und letztlich ein gebauter Kompromiss. Und weil man immer von der Ehrlichkeit in der Architektur spricht, so ist es in diesem Fall wirklich einmal der richtige Ausdruck. Der Bau steht auch nach außen in seiner Architektur und der damit verbundenen Widersprüchlichkeit für diese extrem komplizierte Genese.


    Ich kann nur nochmal wiederholen, dass die Entscheidung der Expertenkommission für das Schloss damals mit nur einer Stimme Mehrheit fiel. Und zwar für deutlich weniger Schloss, als wir heute bekommen. Heute reden wir selbstverständlich vom Schloss und selbst so manch Kritiker der Rekonstruktion bemängelt heute, dass man nicht noch mehr rekonstruiert hat. Dabei sind die Kuppel, die Innenportale, das Eckrondell und die historischen Portaldurchfahrten erst mit der Zeit als Ergänzungen dazugekommen. Übrigens mit Unterstützung des Architekten und nicht gegen ihn.


    Was heute vielleicht einige als zu wenig Schloss empfinden, war den Entscheidern damals eigentlich schon zu viel. Das Schloss war in der Diskussion immer ambivalent und wird es aufgrund der modernern Brüche auch in Zukunft sein. Aber das ist nunmal Berlin und es repräsentiert eben auch diese Zerrissenheit, die einige diesem Ort bis heute entgegenbringen.


    Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel Schloss bekommen haben, ich habe mich dafür 20 Jahre engagiert und bin über das Schloss zu Thema Architektur gekommen. Ja, ich hätte mir mehr Schloss gewünscht. Und ja, besonders im Inneren bin ich der Meinung, dass man hier noch einiges zu tun hat, damit das Schloss eben keine reine Fassadenhülle bleibt. Aber ich weiß auch noch, wie schwierig der Weg dahin war und wie oft es danach aussah, dass es eben keine Schlossfassaden, keinen Schlüterhof und keine Kuppel geben wird. Daher freue ich mich jetzt darauf, dass wir nun auf der Zielgeraden sind und wir von den Linden kommend im nächsten Jahr wieder ein grandioses Raumbild erleben können. Daher bin ich erst einmal dankbar für das Erreichte.


    Und Berlin muss sich vielleicht viel, aber sicher nicht schämen. Ich finde Berlin nach wie vor eine der spannendsten und tollsten Städte auf diesem Planeten. Sie ist vielleicht nicht die schönste Stadt, aber Paris, Rom, Madrid oder Prag haben auch nicht die Zerstörungen hinter sich, die Berlin erleben musste. Von daher sind Hauptstadtvergleiche nicht wirklich gerecht. Und als stolzer Teilzeitkölner muss ich sagen, dass eine Stadt mehr ausmacht als nur die Bauten. Daher ist mir die Diskussion hier teils etwas zu sehr verkürzt. Berlin ist eben eine architektonische Manifestation des 20. Jhr. mit all ihren Höhen, Tiefen, Illusionen und Träumen. Aber auch den teils bitteren Realitäten der Gegenwart. Das mag nicht immer offensichtlich hübsch sein, aber es ist ganz sicher eines nicht, nämlich langweilig!

  • Haltet Ihr eines Tages die Rekonstruktion eines der Innenräume Beispielsweise als Museumsraum für durchsetzbar? Wie ist eure Meinung? Brauch das Humbold-Forum einen Hohenzollern / Preußen Raum?


    So sahen diese mal aus. Ich habe Sie in einem Video zusammengefasst.


  • ^ Nein. Je Hohenzolliger das Humboldt Forum wird, desto suspekter wird es mir. Ein Einwurf von Boddien bei einer Publikumsdiskussion vor anderthalb Monaten hat mir gezeigt, dass selbst dieser mir bis dahin durchaus sympathisch und moderat-konservativ erscheinende Mann von ressentimental-reaktionären Antrieben nicht frei ist. Solche Tendenzen sollten nicht weiter befördert werden.

  • Ich fände es eher reizvoll, wenn man solche Zeitzeugnisse wie in dem Video aber auch Aufnahmen von kurz nach dem Krieg, dem Palast der Republik, der Attrappe, der Wiese und schließlich der aufwändigen mehrschichtigen Rekonstruktion mit Beton, Backstein und Sandstein als kleine Filmchen oder virtuelle 3D-Animationen (durch VR-Brillen oder auch das eigene Smartphone) sichtbar macht. Das funktioniert im Naturkundemuseum ja auch super mit den Dinoskeletten, die dann Layer für Layer Muskeln und Haut zurück erhalten. So könnte man der im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtigen Historie des Standortes mE am besten gerecht werden UND würde dabei nicht einmal Ausstellungsfläche verlieren oder sich angreifbar für die von ElleDeBE beschriebenen Anschuldigungen machen.


    Kurzfassung: An real erlebbarer Reko reichen m.E. die Fassaden. Die verlorene/verborgene Geschichte sollte aber dennoch erlebbar gemacht werden, ohne dass man sich dabei "nur" auf die Preußenzeit begrenzt. So wird es Berlin dann auch am ehesten gerecht.

  • Ja!

    Das Schlütersche Treppenhaus hinter Portal VI und der berühmte Schlütersche Rittersaal. Beides waren herausragende Raumschöpfungen über ihre Zeit hinaus, die dadurch wieder vor Ort erlebbar würden. Und nur deshalb würde es mir gefallen, also ohne jeden politischen Hintergrund. Allerdings wäre beides nicht als Austellungsraum mit irgendwelchen Vitrinen denkbar, sondern nur als Museumsstücke an sich. Ich sehe aber sehr wohl den Platzbedarf des Humboldtforums für seine Ausstellungen und dieser sollte nicht eingeschränkt werden.

  • ^ Ich hatte das hier bereits etwas ausgeführt:

    Anlässlich einer Debatte zur Kuppelinschrift + Kreuz Ende November 2021 nannte Wilhelm von Boddien den dort vorgestellten Leuchtband als, sinngemäß, "größten Anschlag auf das christliche Abendland seit 2000 Jahren" und war sich auch nicht zu schade, darauf zu verweisen, dass in Köln der Muezzin von der Moschee ins Freie rufen könne (was, nebenbei bemerkt, noch gar nicht bewilligt wurde) und man hier Probleme mit christlichen Symbolen hätte. Abgesehen davon, dass das offenar rechtsidentitäre Emotionen schüren sollte oder solchen Emotionen entsprang, behandelte er das Humboldtforum damit nicht als Museum und das Kreuz und die Inschrift als Zeichen, die sich ausschließlich der originalgetreuen Rekonstruktion verdankten und hier keinerlei religiöse Funktion haben, sondern durch den Ausdruck "Anschlag auf das christliche Abendland" und den Vergleich mit einer Moschee implizit so, als befänden sich auf dem Humboldt Forum religiöse Symbole. Wer aber das nicht unterscheidet, christliches Symbol auf einer Kapelle und Reko-Kreuz ohne religiöse Funktion, der setzt sich dem Verdacht aus, dass er auch ein Museum nicht von einem Schloss unterscheiden kann.

  • ElleDeBE Ich unterstelle mal ins Blaue, dass Herr Boddin das schon zu differenzieren weiß, sich aber dennoch dieser populistischen Keule bediente, um eine erhoffte Wirkung zu erzielen und das (rein ästhetisch!) schreckliche Spruchband so wieder loszuwerden. Wenn das so war, heiligt der Zweck mE hier nicht die Mittel. Denn genau diese Art von symbolischer Aufladung sollte man tunlichst vermeiden. Sonst ruft man noch jede Menge unappetitliche Gestalten auf den Plan. Falls der Einwurf dagegen tatsächlich die Haltung von Herrn Boddin widerspiegelt, gehört er als leitende Figur leider selbst ein Stück weit in diesen Kreis. Das wäre mE ein schlimmerer Schaden für das Projekt als das Spruchband oder einzelne kompromittierte Spender. Insgesamt eine sehr bedauerliche Äußerung, auch wenn sie außerhalb des DAF m.W. bislang nicht bezeugt ist.

  • ^ Boddien wirkte ziemlich aufgebracht bzw. emotional, ich denke nicht, dass er das nur kühl strategisch vorgebracht hat. Er hat das wirklich so gesagt, ich war ja dort, und zumindest die Aussage mit dem schlimmsten Anschlag auf 2000 Jahre Christentum wurde auch von Medien kolportiert. Demnach sprach er, so die korrekte Formulierung, von einem "kulturellen Bruch, wie wir ihn in unserer Geschichte noch nie hatten - die Herrschaft der Säkularisierung über unsere 2000 Jahre alten Wurzeln im Christentum". Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Spruchband auf einem Museumsgebäude stellt einen "kulturellen Bruch, wie wir ihn in unserer Geschichte noch nie hatten" dar?! Ich möchste das jetzt nicht skandalisieren, der Mann war erregt, aber man muss nicht lange nachdenken, um das für einen unglaublichen Satz zu halten.

  • Da ich inzwischen selbst das Forum besichtigt habe, halte ich es ganz banal: wie sollte eine Rekonstruktion überhaupt "funktionieren" können? Das Gebäude wirkt wie ein Mehrzweckbau, und eine Verbindung zum früheren Schloss lässt sich lediglich durch die Fassaden erahnen. Weder die Raumaufteilung noch Dimensionen der Räume sind gegeben, deren Nutzung liegt fern jeder möglichen Assoziation und auch die Einrichtung ist in keiner Weiße Schloss-getreu gehalten. Rekonstruktionen würden hier wie ein weiteres Ausstellungsstück aufgenommen werden, aber nicht originär zum Gebäude gehörend.

  • ElleDeBE Vor allem verstehe ich das dann schon rein inhaltlich nicht. Wir leben doch faktisch nun schon länger in einem säkularen Staat. Der Bruch ist somit nichts Neues. Unsere Wurzeln im Christentum sind zudem ja auch längst keine 2.000 Jahre alt. Damals war ja noch nicht einmal Rom christlich, vielmehr wurden die Christen damals tatsächlich vom (polytheistischen) Staat verfolgt. Und ALS Rom dann irgendwann christlich war, haben unsere lieben (ebenfalls polytheistischen) Vorfahren ihnen bekanntlich immer wieder harten Widerstand geleistet. Der kulturelle Bruch fand da ja zunächst überhaupt erst mit der zähen (teils gewaltsamen, teils diplomatisch errungenen) Christianisierung der Heiden statt. Kurz gesagt ging der Trend von vielen Göttern und Religionen über den einen Gott hin zu gar keinem Gott/ keiner Religion.


    Da ist die Aufforderung zum Beugen der Knie doch eher schon ein historisches Zeugnis als eine kulturell aktive Botschaft, die sich brechen ließe (kultureller Bruch). Das Grundgesetz HAT diese faktisch ja bereits längst überschrieben. Gerade deshalb verstehe ich aber auch umgekehrt nicht ganz, weshalb man das dem Gebäude auf so plumpe Weise antun muss. Gegen das kaum lesbare Spruchband wirkt bspw die Siegessäule ja wie ein ausgestreckter Mittelfinger. Dennoch lässt man sie einfach stehen, ohne dass sie dadurch heute noch einen aktiven Geltungsanspruch ausstrahlt. Gerade dieser lässige Umgang macht für mich Berlin aus. Ich kann diesem ganzen anachronistischen Kulturkampf daher überhaupt nichts abgewinnen. Es ist im Grunde nur irritierend. Bedauerlicherweise leistet ein Herr Boddien mit so einer Aussage den Leuchtbandmachern sogar Vorschub, weil er ihnen unnötigerweise ein Gegenüber präsentiert. Hätte er sie doch lieber ins Leere laufen lassen. Dann wäre man (hoffentlich!) auch so darauf gekommen, dass es hässlich aussieht und inhaltlich überhaupt nicht notwendig ist.

  • ^ Boddien wirkte ziemlich aufgebracht bzw. emotional, ich denke nicht, dass er das nur kühl strategisch vorgebracht hat.


    Das glaube ich auch nicht. Die Gegenseite ist ja in ihrer Wortwahl auch nicht gerade zimperlich. Da gibt es eine zunehmend lautstarke Gruppe, die am liebsten sämtliche deutsche Geschichte ausradieren will. Sie meinen mit Verweis auf das Grundgesetz sei die Sache erledigt. und wettern ziemlich undifferenziert und einseitig gegen alles Christliche, Westliche, Deutsche. Dazu zählen auch nicht enden wollende Angriffe auf die Schloss-Reko, Versuche sie unmöglich zu machen oder im Nachhinein zu sabotieren. Auch wenn ich Herrn Boddiens Äußerung nicht zustimme und auch das Spruchband nicht wiederhaben möchte, kann ich verstehen, wenn sich bei ihm inzwischen Wut aufgestaut hat.

  • Ich persönlich fände andere Rekonstruktionen und Sanierungen sinnvoller als Innenräume des Schlosses. Das Treppenhaus wäre schön, sonst aber eher Umfeld und Äußeres. Wenn es aber Spenden gäbe - warum nicht?