Festspielhaus (nicht realisiert)

  • Das ist wirklich interessant, bisher dachte ich, es handele sich um einen Standort am Rhein zwischen Beethovenhalle und Kennedybrücke.
    Dann müsste zumindest der vor einigen Jahren gebaute Südtrakt der Halle weichen, zudem das Restaurant (was nun wirklich kein Verlust ist). Aber ohne Überbauung der Straße wäre ein Festspielhaus wohl kaum realisierbar.
    Dann allerdings bekäme man ein exponiertes Plätzchen - und bestimmt ein Problem mit den "verschatteten" Nachbarn...


    ^Oder es zieht den Herrn aus Rheinisch-Babylon gleich ins Hummer-Stübchen, respektive Ins Schiffchen seiner Heimatstadt, wo er neben dem Dom sicher auch eine Veuve gereicht bekommt. Sobald die Dame seines Herzens dann leicht angeheitert ist, wäre der Breidenbacher Hof nicht weit...


    Ob es dazu auch in Bonn kommen wird? Ich bin sehr gespannt, die Utopie ist aber durchaus nicht utopisch. Vielleicht wird ein Investor sogar auf der Idee des Hotels bestehen?
    In bezug auf das Hamburger Ehepaar Greve würde mir nur spontan ein durch erneuerbare Energien sehr wohlhabender Herr aus Godesberg einfallen...

  • Zitat

    Das ist wirklich interessant, bisher dachte ich, es handele sich um einen Standort am Rhein zwischen Beethovenhalle und Kennedybrücke.


    Bist du des Wahnsinns? Grundstück, Abriss usw., alles viel zu teuer! Nein, man dockt das Festspielhaus an die Beethovenhalle an und spart gleich die ganze Infrastruktur (Parkplätze, Gastronomie, Toiletten...). Das Grundstück hat man ja eh schon. Genial oder?


    Man verzeihe meinen Sarkasmus, aber...

  • foemschön,


    "Pluralismus" heißt ja, daß jeder offensichtlichem Blödsinn frei widersprechen darf.


    Den Abriß der Wohnbauten aus den Fünfzigern kann man sich nicht wünschen. Auch wenn sie nicht schön sind, vermitteln sie durch ihre Größe und Anordnung Dichte und Geschlossenheit. Wo findet Blockrandbebauung mit solch einer Traufhöhe sonst noch in Bonn? Hier sollte man zumindest nicht unbedacht ein Loch hineinschlagen. Eben diese hohe Raumausnutzung im Bestand behindert m.E., ganz unabhängig vom neuen Festspielhaus, jede Wandlung des nördlichen Rhein-/Stiftsviertels. Wie monströs müßten die Neubauten sein, die es rechtfertigen würden, diese Wohnhäuser abzureißen? Und was könnte das Festspielhaus an dieser Ausgangslage tatsächlich ändern?
    Die Strahlkraft dieses Projekts für das Viertel zu nutzen, wird sehr schwierig. Vielleicht kann die Gelegenheit genutzt werden, das monofunktionale Wohngebiet durch einen großangelegten Umbau der Erdgeschoßbereiche in den vorhandenen Wohnbauten zum Beispiel mit Gastronomie zu bereichern. Das wäre aber sehr teuer, und wenn die Wohnungen im Parterre sicher vermietet sind, wird sich kein Eigentümer darauf einlassen.


    mischakr,
    mit dem Rheinviertel ist gerade der seit ältester Zeit am dichtesten besiedelte Teil der Altstadt verloren. Der Münsterplatz und das Gebiet weiter zum Bahnhof, heute der zentrale Teil der Innenstadt schlechthin, waren noch im frühen 19. Jh. zum großen Teil Wildnis, von einigen Kanonikerhäusern abgesehen. Und weil gerade die spät bebauten Teile der Altstadt auf uns gekommen sind, befindet sich unter den erhaltenen Bauten auch noch überproportional viel Gründerzeit. Zähle mal die vorindustriellen Profanbauten Alt-Bonns an den Fingern ab und schaue, ob Du überhaupt Deine zweite Hand brauchst. Es sind die falschen Viertel, die überlebt haben. Erst wenn das endlich klargestellt wird, ist eine späte Würdigung des Rheinviertels möglich.

  • @formschön:


    Spaß beiseite: Es gibt schon eine kulturelle Elite (zu Teilen sehr wohlhabend) in Düsseldorf (und nicht nur dort), die selbstverständlich über die Kölner und Bonner Kulturszene bestens im Bilde ist und ständig das enorme Kulturangebot entlang der Rheinschiene (+ Essen) voll ausnutzt. Mir sind solche Personen persönlich bekannt. MoMa und Guggenheim bspw. waren natürlich Themen an der Düssel. Von einem echten Konzerthaus in Bonn würde in jenen Kreisen ohne jeden Zweifel Notiz genommen.


    Wie ich das Gemüt hier kenne, würde man aber sicher nicht tatenlos zusehen. Die Tonhalle ist seit ihrem Upgrade zwar erstaunlich verbessert, aber weiterhin ein bißchen klein... und der Düsseldorfer liebt Konkurrenz... für Stadion und Eisstadion hat man binnen weniger Jahre an die 300 Mio mobilisiert... ohne Private Sponsoren!


    Lasst uns aber über das Festspielhaus sprechen.

  • molinari,
    dass Düsseldorf sich einen Palast wie die LTU-Arena gebaut hat, ohne eine Nutzung einer (Fußball-)Bundesligamannschaft, sagt schon einiges aus über die Finanzkraft dieser Kommune.


    Zurück zum Festspielhaus: Wenn das Viertel zwischen Hilton und Beethovenhalle erhalten bleibt und der Abriss der Beethovenhalle sakrosankt ist, WO soll es dann hin? Tatsächlich, wie rec es sarkastisch andeutet, angedockt auf den Parkplatz vor der Halle?
    Ich bin wirklich ein wenig überfragt. Andererseits: Sicher hat die Verwaltung mit den Geldgebern einen Standort ausgeheckt, sie sind aber gut beraten, erst den Architektenwettbewerb auszuschreiben und die Bürgerschaft mit dem Ergebnis zu ködern. Alles andere hätte zuviel Destruktionspotential. Wie schreibt ZET-101 so schön über den Pluralismus?:lach: (Als Freund des Rechts darf ich natürlich nicht drüber lachen...:lach: )

  • @formschön: Sollte heißen: Die Wahrscheinlichkeit eines - wie ich finde - überfälligen Neubaus an der Düsselmündung wäre groß.

    Das Festspielhaus soll doch auch und gerade deswegen gebaut werden, weil man die Sanierung der Beethovenhalle scheut. Was läge dann näher, als diese gleich abzureißen? Die meisten Veranstaltungen dort wären für Bonn sicher kein Verlust und können wohl auch in Hürth oder Rheinbach stattfinden, zum Geier!


    Es gefällt mir schon überhaupt nicht, wie das angefasst wird. Den Mut, nicht allen Individualinteressen gerecht zu werden, muss man schon aufbringen, sonst hat man am Ende einen weiteren schnarchenden Kompromissbau oder eine Hängepartie in epischer Länge, wie beim Bahnhofsvorplatz.

  • @ formschön


    mal Spaß beiseite. Der Rundschau-Artikel sagt es ja recht klar, die Verwaltung beabsichtigt das Festspielhaus auf dem Grundstück der Beethovenhalle zu bauen. Wie genau, das wird sicher ebenso wie die Frage nach Erhalt oder Abriss der Beethovenhalle noch für Gesprächsstoff sorgen. Da werden auch Politik, Sponsoren, Öffentlichkeit und Architekten noch ein Wörtchen mitreden wollen. Ganz klar ist für mich allerdings, dass es aus der Verwaltung nur den Vorschlag einer "Gurken-(=absoluten low-budget)lösung" geben wird. Von dort kam wahrscheinlich auch die - ernstgemeinte - Zahl von 20 Millionen Euro. Dass man Teile der Infrastruktur der Beethovenhalle wie zum Beispiel Parkplätze mitnutzen möchte, ist für mich volkommen klar.

  • Die Metropol-Iniatitive zum Festspielhaus:



    http://www.rettet-das-metropol…ask=view&id=135&Itemid=56

  • Festspielhaus: Intendant der Kölner Philharmonie platzt vor Neid

    So schlecht wird der Neubau anscheinend nicht. Noch bevor der Grundstein gelegt wurde, hat das geplante Festspielhaus den Kölner Intendanten Louwrens Langevoort ziemlich aus der Fassung gebracht. Der dreistellige Millionenbetrag, der in Bonn verbaut werden soll, scheint ihn nicht weniger überrascht zu haben als uns, allein unsere Freude darüber kann er nicht teilen. Vielmehr muß er fürchten, daß ihm bei der Programmgestaltung ob der neuen Konkurrenz bald sehr genau auf die Finger geschaut wird. Seinen Gram zu verbergen, als er sich neulich über Dinge Gedanken machte, die ihn nichts angehen, gelang ihm nicht. "Es kann doch nicht sein, dass Bonn ein Konzerthaus baut für lediglich 24 Konzerte im Jahr", sagte er dem Generalanzeiger. Er hat leider nicht begriffen, daß die Bonner und ihre zahlreichen Großunternehmen in ihrem neuen 100-Millionen-Euro-Festspielhaus nicht ein einziges Konzert abhalten müssen, wenn sie nicht wollen, und in ihm, wenn es ihnen beliebte, auch einen Schweinestall oder ein Pulvermagazin einrichten könnten. :daumen:


    In dieser Sache muß man auch der Oberbürgermeisterin ein Kompliment machen. Sie scheint in ihrem Brief an den Herrn Intendanten genau den richtigen Ton getroffen zu haben. Es bestehe "keineswegs die Absicht, ein Konzerthaus für lediglich 24 Konzerte im Jahr zu bauen." Diese Entgegnung, so einfach sie auch ist, führt die blödsinnige Annahme Langevoorts souverän vor. "Bonn ist die Stadt, in der Beethoven geboren wurde." Super Totschlagargument - der Jung hätte sicher am liebsten seinen Hut gefressen, als er das gelesen hat. "Hier steht das Beethoven-Haus und Kulturinteressierte in aller Welt kennen die Beethovenstadt." Hoho!
    Das Beste kommt zuletzt: "Ich hoffe sehr, dass Sie sich bei der Auswahl des Kandidaten für den GMD [Generalmusikdirektor] ausschließlich von den Interessen der Beethovenstadt und unserem Ziel haben leiten lassen, künftig über ein starkes Beethoven Orchester zu verfügen". Endlich wird scharf geschossen! :lach:


    http://www.general-anzeiger-bo…mid=10003&detailid=306874

  • Wo genau das Festspielhaus gebaut werden soll, ist den Zeitungsberichten noch nicht zu entnehmen. Platz ist auf dem Grundstück der Beethovenhalle nicht ausreichend vorhanden.
    (Bild:CPK_Bonn)
    Selbst wenn überlegt werden sollte in den bestehenden Baukörper einzugreifen. Südlich der Beethovenhalle steht jedoch ein Studentenwohnheim, welches mit Grünanlage und Parkplatz als Standort in Frage kommen könnte. Was meint ihr dazu?

  • Die Grünen haben im Kulturausschuss eine Anfrage gestellt, die sich mit dem Festspielhaus befasst. 18 Fragen sind zusammengekommen, der unverholen kritische Ton teilt sich recht schnell mit.
    Interessant sind die Fragen allemal:


    1. Gibt es belastbare Zusagen von Dritten, auf deren Grundlage die Finanzierung eines Festspielhauses gesichert ist?


    2. Von welchen finanziellen Dimensionen geht man dabei bisher – auch unter Einbeziehung der Erschließungskosten - aus?


    3. Sind ggf. solche Zusagen an Bedingungen gebunden?


    4. Sind ggf. solche Zusagen an städtische Leistungen gebunden? Welcher Art sind ggf. diese Leistungen?


    5. Gibt es eine inhaltliche Konzeption für das Festspielhaus?


    6. Gibt es ein Betriebskonzept für das Festspielhaus?


    7. Gibt es belastbare Berechungen darüber, welchen Zuschussbedarf der Betrieb einer solchen Festspielhalle hätte?


    8. Gibt es belastbare Zusagen von Dritten, auf deren Grundlage der Betrieb eines Festspielhauses – auch finanziell - abgesichert ist?


    9. Ist eine Belastung der städtischen Finanzen durch den Betrieb des Festspielhauses ausgeschlossen?


    10. Sieht die Verwaltung bei den Planungen des Festspielhauses einen Zusammenhang zum Zustand und Sanierungsbedarf der Bonner Oper?


    11. Welche Kosten werden für die Sanierung der Bonner Oper aktuell für notwendig erachtet? Aus welchen Mitteln soll die Sanierung finanziert werden? Über welchen Zeitraum soll sie erfolgen?


    12. Welche Auswirkungen hätten Bau und Betrieb des Festspielhauses auf Nutzung und Sanierung der Beethovenhalle? Wie sehen hier die aktuellen Planungen aus?


    13. Wie wird das Verhältnis des Festspielhauses zur Kölner Philharmonie gesehen, die ja in ca. 30 Minuten vom geplanten Festspielhaus erreichbar ist? Gab es dazu bisher im Sinne der regionalen Zusammenarbeit Gespräche oder Absprachen?


    14. Sieht die Verwaltung die neuen bzw. neu renovierten Konzerthäuser im Ruhrgebiet als Konkurrenz?


    15. Sieht die Verwaltung in Zusammenhang mit dem Festspielhaus die Notwendigkeit zur Erarbeitung eines gesamtstädtischen Hallenkonzeptes?


    16. Wie sieht die Stadt die Möglichkeit bzw. die Notwendigkeit eines regionalen Hallenkonzeptes?


    17. Wie beurteilt die Verwaltung die erfolgreiche Etablierung eines Festspielhausbetriebes angesichts der Schwierigkeiten, die sich überregional beim Betrieb großer Konzerthäuser abzeichnen?


    18. Erwartet die Verwaltung einen Rückgang der Nachfrage bei Konzerten des Beethovenorchesters in Bonn, wenn andere Orchester im Festspielhaus gastieren?



    Kommentar: Die Stadt muss das Festspielhaus mit Entschlossenheit vorantreiben und darf nicht auf jeden Fallstrick hereinfallen. Dazu bedarf es aber hinreichender Tranzparenz. Werden diese Fragen hinreichend beantwortet, ist man ein großes Stück vorangekommen.

  • 14. Sieht die Verwaltung die neuen bzw. neu renovierten Konzerthäuser im Ruhrgebiet als Konkurrenz?


    Unsere Konkurrenz ist ganz woanders. Sydney, Hamburg....
    Gruß nach Köln. :cheers:

  • Zu #54: Seit 2010. ;)


    Die Grünen stellen dort exakt diejenigen Fragen, die man aufwirft, wenn man ein Projekt in den Kinderschuhen veröden lassen will.


    Das Wechselbad aus wagnerscher Euphorie und schostakowitschscher Selbstzerfleischung in diesem Thread macht der Kulturstadt Bonn alle Ehre. :lach:


    Angesichts der recht müden Bonner Kommunalpolitik ist allerdings viel private Initiative vonnöten, um zu einer guten Lösung zu kommen - von einer herausragenden ganz zu schweigen. Dass man sich nichtmals dazu entschließen kann, die Beethovenhalle zumindest zur Disposition zu stellen wirkt geradezu rührend provinziell.

  • In der Beethovenhalle wurde eben Bundesgeschichte geschrieben.


    Außerdem, wo werden nach einem Abriß der Halle Tagungen des Deutschen Diabetikerbundes und Abschlußbälle der Tanzschule Lepehne stattfinden?

  • Die großen Unternehmen, welche das Geld für das Festspielhaus zur Verfügung stellen, werden Planung und Architektur nicht mehr aus der Hand geben. Insofern Entwarnung.
    Die Stadt hat garnicht die Möglichkeit, das Geschenk nicht anzunehmen. Das Gelächter im Lande wäre groß. Da die Stadt wohl wenig Geld in den Topf gibt, kann sie auch nur wenig Einfluss erwarten.
    Die großen Unternehmen werden auch Geld für den Betrieb zur Verfügung stellen. Ein erstklassiges Haus mit internationaler Aufmerksamkeit an den Rhein stellen und es nachher der Stadt allein zu überlassen, ein drittklassiges Komprosmissprogramm zu organisieren ist absurd. Die Konzernchefs wollen Ihren Gästen zumindest einmal jährlch ein schickes internationales Festival erstklassiger Qualität liefern-und Ihren Namen auf den Broschüren sehen. So wie andere Konzerne ihre Namen auf den Fussballtrickots sehen wollen.


    Ich hoffe auch auf den Erhalt der Beethovenhalle allein schon wegen des Rheinpanoramas. Wenn keine Konzerte mehr dort stattfinden, könnte man sie rücksichtslos vermarkten. Und eventuell auch die Innenausstattung komplett umbauen. vielleicht sogar einen kleinen und einen grossen Saal darraus machen?

  • Molinari,
    Du hast natürlich recht, dass mit dieser duckmäuserhaften Art, wie manche an die Sache rangehen, diese den Tanzschule-Lepehne-Abschlussball-Bund-Deutscher-Diabetiker-Tagung-Kult-Kölsch-Karneval-lastigen
    Anteil, den die Beethobenhalle mit sich rumschleppt, als Totschlagargument missbrauchen.
    Das, was hier gefragt ist, ist, wie Münte immer so schön sagt: "Die Leute wollen klare Führung. Man muss ihnen das sagen, und das können die auch erwarten."
    OB Dieckmann, die ja wohl für das Festspielhaus ist, muss mit jeder Faser dafür eintreten, die CDU gewinnen, auch die Freidemokraten, auf den Pragmatismus des Bürger Bundes hoffen (dessen Bürgermeisterkandidat, Professor Schott, hatte vor der Entscheidung des Rates über das Kongresszentrum einen Leserbrief im GA, indem er sinngemäß vor den unkalkulierbaren Kosten warnte und konstatierte, man könne unter diesen Umständen nur schwerlich zustimmen - nichts gegen diese Bedenken an sich, man muss sich nur fragen, ob nicht eines Tages, nach langen Diskussionen, einfach mal entschieden werden muss) und schlussendlich versuchen, die Grünen argumentativ zu überzeugen.
    Sollte dies nicht gelingen, sei`s drum. Dann wird eben mit Mehrheit entschieden. Man kann nicht alle Abstimmungen im Rat im Konsens beschließen.


    Dass der Entwurf herausragend wird, dafür werden die Teilnehmer des Wettbewerbes und die sehr energische Frau Hempal-Soos bürgen, die nebenbei eine der vielen schillernden Facetten des rheinischen Kulturlebens darstellt.