Berliner Immobilienwirtschaft

  • Das Leben ist keine Walldorfschule!


    Aber Menschen sind auch keine Wohnlagen. Und einfach und gut ist kein Gegensatzpaar, das Gegenteil von einfach und das von gut wird jeweils anders bezeichnet. Aber egal.


    Die Frage ist, was passiert mit den "einfachen Mietern" oder wie es in dem Video so schoen heisst "den leicht querulantischen Altmietern"? Auch dazu findet sich auf dem Blog von Andrej Holm ein aktueller und interessanter Beitrag:


    Berlin: Randwanderung der Armut als Rückseite der Medaille
    http://gentrificationblog.word…s-ruckseite-der-medaille/


    Diese Entwicklung mag den besagten Makler nicht so sehr interessieren und auch das alltägliche Geschäftsmodell der immobilienwirtschaftlichen Inwertsetzung kaum in Frage stellen, aber gesamtgesellschaftlich sollte schon die Frage erlaubt sein, ob eine solche Entwicklung von Vorteil fuer unsere Gesellschaft als Ganzes und natuerlich insbesondere fuer die nicht gerade kleine Gruppe der "einfachen Mieter" ist. Handeln wir uns mit einer ungebremsten Entwicklung in diese Richtung nicht Probleme ein, die den gesellschaftlichen Frieden schwerwiegend stoeren wird und deren Bekaempfung uns letztlich viel viel teurer kommt als die kurzfristige Rendite von 23 Prozent fuer Einzelne?

  • Mit Verlaub ich hab ein ausgesprägtes soziales Gewissen und Gerechtigkeitsgefühl. Aber da haben wir meiner Meinung nach einen Punkt erreicht wo ich unsere Gesellschaft für verhätschelt und entrückt von jeglicher Bodenhaftung halte. Liegt vielleicht an der mangelnden Geschichtsbildung (alles vor den beiden Weltkriegen zumindest), um zu verstehen was für Lebensbedingungen die gesamte Menschheitsgeschichte bis "vorgestern" (historisch gesehen ist das 20. Jahrhundert ein Augenschlag) ganz normal waren. Auch lange vor der elenden "Sozialen Frage" der Industrialisierung. Was für ein gefährliches, mühsames und kurzes, sehr arbeitsreiches und beschwerliches Leben ohne Freizeit, Lebensfreude oder gar "Selbstverwirklichung" 99,99999999% der Menschen überall auf der Welt einst hatten. Dafür gibt es Null Bewusststein, man sieht kitschige Sisi-Filme und alte Schlösser und scheint irgendwie zu denken "so schlimm kann es doch nicht gewesen" sein. Meine Güte.


    Und was Menschen auf dieser Welt außerhalb der Industriestaaten für ein Dasein fristen müssen, kaum besser als das unserer Vorfahren vor 200 Jahren. Wir sehen nur die Verhungernden, schlimm genug, aber nicht die MILLIARDEN die durch 12-14 stündige Arbeit, sieben Tage die Woche ohne Perspektiven und Rechte, sich gerade so über Wasser halten können und existentiell keine Hilfsorganisationen etc. benötigen. Hausen wie man bei uns kein Tier halten dürfte (wortwörtlich!).


    Und dann reden wir es ohne rot zu werden zu einer Frage von Menschenrechten, Menschenwürde und was weiss ich alles hoch wenn Leute nicht ihr ganzes Leben im selben Gebäude als Mieter leben können weil der Eigentümer sich entscheidet das Gebäude aufzuwerten und die Miete entsprechend anhebt. Auch ist es kein Menschenrecht im Zentrum einer Stadt zu leben. Überdies sind die Mieterrechte in Deutschland dermaßen ausgeprägt dass man auf legalem Wege - und nur das können wir überhaupt diskutieren - einen Mieter kaum "los" wird, sofern man kein Privatvermieter ist und "Eigenbedarf" anmeldet (was ich für absolut legitim halte, es ist ohnehin schon viel zu unattraktiv für "Laien" als Altersvorsorge 1-2 Wohnungen zu kaufen und weiterzuvermieten, diese vermeintlichen Mieterwohltaten führen dazu dass nur Wohnungskonzerne mit Rechtsabteilungen und Mietausfallversicherungen die Risiken noch händeln können, nicht nur wegen Themen wie "Mietnomaden").


    Das Thema ist so komplex, das zu einem "die gegen uns", gar zu "Klassenkampf", zu machen spricht nicht für eine seriöse Herangehensweise und schon gar nicht dafür im Interesse von Betroffenen zu versuchen eventuelle Härten zu dämpfen. Das schafft man nämlich nur mit Dialog und sachlicher Diskussion.


    Ja es ist richtig, berliner Mieter waren wirklich verwöhnt. Im Osten eh, da wurde vom Staat auf Pump ja weit unter den Kosten vermietet, in Berlin (West) wurde kräftig von den alten Bundesländern subventioniert und der Wohnungsbestand auf Verschleiß vermietet, was die Mieten zu den niedrigsten aller Großstädte der Bundesrepublik machte. Aber nach allgemeinen normalen Maßstäben, die Sonderstellung Berlins ist glücklicherweise beendet, kann man nach wie vor von einem Mietermarkt in Berlin sprechen. Die Ausnahme, einige sehr begehrte Wohnlagen, bestätigen die Regel.

  • Markt

    @ Baumeista: Gut gebrüllt, Löwe! ;)


    Mir als jemand, der sein Geld zur Altersvorsorge sicher und gut anlegen will, bieten sich viele Möglichkeiten.
    Zum Beispiel könnte ich mir italienische Staatsanleihen kaufen. Die bieten tolle Zinsen und wenn Italien pleite geht, dann übernimmt die EZB die Schulden. ;)
    Oder ich könnte mir in Indien ein Haus kaufen, hätte dort eine gute Rendite plus Windfall-Profits bei weiter so gutem Wirtschaftswachstum in diesem aufstrebendem Land. Oder anderswo in Asien. Einziger Mangel ist, daß ich einen guten bezahlbaren Verwalter finden muß.
    Überall in der Welt ist es normal, daß es teurer ist, etwas zu mieten als es mittelfristig oder für länger zu kaufen.
    Ist ja klar: eine gemietete Waschmaschine, ein Fernseher oder PC sind ja auch teurer.


    Und jetzt Deutschland / Berlin.
    Die deutschen Mieterrechte sind so ausgebildet wie sonst nirgendwo auf der Welt. Wenn 50% der Deutschen im Eigentum wohnen und in Berlin sogar 85 %, dann liegt das an den günstigen Mieten und den Rechten der Mieter. Hier ist es nämlich ein besonderer Kraftakt, sich etwas Eigenes zu schaffen, sei es zur Eigennutzung, sei es zur Vermietung zur Geldanlage.


    Wenn ich mich also wegen zu geringer Erträge gegen den Kauf einer zu vermietenden Wohnung entscheide, dann wirkt sich das auch auf die Immobilienpreise aus.
    Diese eine Wohnung wird sicherlich einen anderen Anleger finden aber es werden weniger Wohnungen neu gebaut, trotz vorhandener Nachfrage. Letztendlich steigen die Mieten so lange, bis auch andere Interessenten und ich mit der Rendite zufrieden bin und wir schließlich kaufen.


  • Und jetzt Deutschland / Berlin.
    Die deutschen Mieterrechte sind so ausgebildet wie sonst nirgendwo auf der Welt.


    Ich weiß es jetzt nicht. Aber die Behauptung "nirgendwo auf der Welt usw." wird fast immer gebracht wenn jemand gegen eine soziale Errungenschaft wettert. Und sie stimmt fast nie. In der Regel genügt es schon die Nachbarländer wie Dänemark, Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweiz, Österreich durchzugehen um eines mit großzügigeren Regeln zu finden.



    Wenn 50% der Deutschen im Eigentum wohnen und in Berlin sogar 85 %, dann liegt das an den günstigen Mieten und den Rechten der Mieter. Hier ist es nämlich ein besonderer Kraftakt, sich etwas Eigenes zu schaffen, sei es zur Eigennutzung, sei es zur Vermietung zur Geldanlage.



    Du meinst es vermutlich umgekehrt. Also wolltest sagen dass hierzulande und besonders in Berlin sehr viele Menschen zur Miete wohnen und kein Wohneigentum besitzen. Wie du jetzt darauf kommst dass es hier irgendwie besonders schwierig sei ein Haus zu bauen oder zu kaufen verstehe ich nicht. Sicherlich ist es u.a. wegen der Bauvorschriften hinsichtlich Wärmedämmung und Statik usw. teurer als in Schwellenländern. Aber ich denke der Vergleich sollte eher mit West/Nordeuropa oder Japan gezogen werden.


    Der Grund dafür dass die Mieten in Berlin nach der Wende relativ günstig blieben lag einfach darin dass die Einwohnerzahl zeitweilig sank und dem entsprechend viele Wohnungen frei waren. Außerdem sind die Einkommen in Berlin im Vergleich zu westdeutschen Großstädten niedriger.

  • "Mieterschutz wie nirgendwo auf der Welt"
    O.K. - Einspruch statt gegeben!
    Ich kenne nur Beispiele aus Groß Britannien, Irland, USA und Japan.
    Natürlich ist es bisweilen auch dort so, dass bei Marktverwerfungen wie derzeit in Irland die Verhältnisse umgekehrt sind: dort werden derzeit händeringend zahlende Mieter gesucht, in den USA soll es ähnlich sein. Das ändert aber nichts am langjährigen Normalfall.


    "85 % der Berliner" wohnen natürlich zur Miete, nicht im Eigentum.
    Trotz Wohnungsbauförderung der öffentlichen Hand ist eine eigene Immobilie aber ein Luxus, den nicht jeder schafft. Viele bleiben notgedrungen in einer Mietwohnung, nicht freiwillig. Mieten ist einfach bequemer (was laufende Kosten angeht) und man bleibt flexibel. Das ist ja nichts Schlechtes.

  • Das bestehende Regulierungskorsett schützt offensichtlich nicht vor "Gentrifizierung". Es macht es aber für Privatleute unattraktiv, da sehr riskant, eine Wohnung zu vermieten. Dadurch wird der Markt den professionellen Großvermietern auf dem Silbertablett serviert, entsprechend ist der Wohnungsmarkt in Berlin ja auch gegliedert. Und die haben, man weiss es aus der Berichterstattung, den kurzfristigen Profit im Kopf. Während der Privatvermieter sein Eigentum langfristig erhalten, langfristig zufriedene - also bleibende, Neumietersuche ist lästig und teuer - Mieter haben will. Und auch auf seine Kosten kommen will, das ist aber nicht unmoralisch oder so. Dieser Typus des fairen Vermieters ist aber im Aussterben begriffen, es gibt fast nur noch klassische "Hauswirte" im höheren Alter, Nachwuchs kommt kaum nach, Erben verkaufen Objekte an Wohnungsgesellschaften und Investmentfonds. Wie so oft, gut gemeint ist nicht gut gemacht. Und das Mieterrecht ist hierzulande - wie fast immer stimmend - das ausgeprägteste aller Industrieländer. Das treibt sogar so seltsame Blüten dass es in Grenzregionen populärer ist zB in Frankreich oder Holland eine Wohnung zur Altersvorsorge zu erwerben (Mietzahlungen im Alter als Einkommen) als in Deutschland, weil die Nachbarländer höhere Mieten haben (selbst münchner Mieten sind im Vergleich mit Paris, Stockholm, Amsterdam etc. ein Schnäppchen). Und weil die Mieterrechte dort nicht so unkalkulierbar sind dass einen schwierige Mieter in den Ruin treiben.



    Das Bauen wird immer teurer, weil unsere Baurechtskultur so gestaltet ist dass immer nach dem Stand der neuesten Technik gebaut werden muss und dadurch die Richtlinien automatisiert unablässig verschärft werden. Und der technische Fortschritt bleibt nicht stehen, im Gegenteil, er wird eher immer schneller und schneller. Das kostet viel Geld. Erst kürzlich traten noch schärfere Richtlinien zB zum Energieverbrauch in Kraft, die zwingend erfüllt werden müssen. Selbst "intelligente Stromzähler" sind bei Neubauten pflicht, obwohl man weiss dass sie keinen Mehrwert in der heutigen Form bringen sondern nur viel teurer in Anschaffung und Unterhalt sind und zudem ungeklärte Datenschutzprobleme haben. Und dabei waren zumindest in Westdeutschland schon in den 70er Jahren Dinge wie Doppelverglasung bei Neubauten Standard - in den meisten Industriestaaten bis heute nicht so. In normalen Zeiten lohnt sich für Investoren daher investieren in Deutschland nicht, die Mieter sind zu "geizig" (bösartig gesagt, aus der Sicht eines Investors) und die Erstehungskosten zu hoch. Darum fand der Immobilienboom auch überall in Europa statt - nur nicht in Deutschland. Auch Deutsche haben lieber in spanische Immobilien investiert als hierzulande, das Kosten/Profit Verhältnis ist durch die hohen hiesigen Auflagen einfach marginal.


    Nur in der aktuellen Krisenzeit werden deutsche Immobilien plötzlich interessant, weil es nicht mehr auf die Renditehöhe ankommt sondern auf Sicherheit und Stabilität. Aber sobald die Krisenzeit überstanden ist, was irgendwann der Fall sein wird, ändert sich das wieder. Gerade Berlin profitiert schon einige Zeit von diesen "Angstgeldern" die sich aus Resteuropa, und dem Inland, Anlagemöglichkeiten im vergleichsweise sicheren Deutschland suchen. Es ist kein Zufall dass Bauprojekte auf die man lange warten musste jetzt verwirklicht wurden und werden.

  • Wem wollt ihr da jetzt was vorwerfen? Wenn es hier trotz der Hochtechnologiebauweise relativ günstige Mieten und keinen überhitzten Immobiliennmarkt gibt ist das doch gut für die Menschen die hier leben.


    Und aufgrund der Abschreibungsregeln gab es ja auch bei uns den ostdeutschen Immobilenbauboom der halt auch den Nachteil hatte dass viele Investoren, Private wie Banken, ihr Geld verloren und nach dem Abflauen der Bautätigkeit viele Baufirmen pleite gingen.

  • Na, SIE sind gut!
    Wir (oder zumindest ich) haben doch nicht mit dem Moralisieren angefangen.
    Die Gesetze von Angebot und Nachfrage funktionieren.
    Mieterschutz und Baurecht haben ihre Auswirkungen, den Rest regelt der Markt.
    ...und das ist gut so! :daumen:

  • Whow, das sind ja gleich drei Glaubenssaetze auf einmal. Jeden einzelnen koennte man allerdings recht leicht widerlegen.


    Aus einer Ende Dezember 2011 veroeffentlichten Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes geht hervor, dass in Berlin sind immer mehr Menschen von Armut bedroht. 2010 galten hier 19,2 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet, 2006 waren es 17 Prozent.
    http://www.tagesspiegel.de/ber…ut-betroffen/5984664.html


    Da hilft es relativ wenig, wenn man feststellt, dass es vielen Menschen in Afrika oder Asien deutlich schlechter geht oder in der Bronzezeit oder um 1900 auch das Leben hier fuer die meisten viel viel haerter und kuerzer war.


    Und die Kosten fuer die Wohnung haben einen der finanziellen Belastung betraechtlichen Anteil:


    Sueddeutsche Zeitung, 11.10.2011
    Sozialbericht für Deutschland - Einmal arm, immer arm
    http://www.sueddeutsche.de/leb…rarmst-du-schon-1.1159126

  • Mieten in der Hauptstadtregion steigen

    Hier noch ein Artikel aus der jeglicher Sozialromantik unverdaechtigen Immobilien-Zeitung.


    Unternehmen | 05.01.2012
    BBU MARKTMONITOR BERLIN UND BRANDENBURG
    Mieten in der Hauptstadtregion gestiegen
    Von Martina Vetter
    http://www.immobilien-zeitung.…auptstadtregion-gestiegen


    Wahrscheinlich liest jedoch jeder von uns nur wieder das heraus, was seine Sicht auf die Dinge bestaetigt. Mich interessieren im Zusammenhang mit unserer Diskussion hier vor allem die Neuvertragsmieten in Berlin und dazu sagen die Graphik und der letzte Absatz einiges aus.



    BBU-MARKTMONITOR 2011
    Daten und Trends des Wohnimmobilienmarktes Berlin-Brandenburg
    http://web1.bbu.de/publicity/b…CEE09DA0FC125795E004CC3C8

  • Zahl der Mietwohnungen sinkt immer mehr

    Ein paar Wochen aelter und leider nur wenig konkret. Wie oben bereits angesprochen wohnen nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 86 Prozent der Berliner_innen zur Miete. Allerdings wurden in den vergangenen sieben Jahren knapp 37.000 einzelne Mietwohnungen umgewidmet. Das scheint zwar das Kraut nicht fett zu machen, wenn von den rund 1,9 Millionen Wohnungen in Berlin über 1,6 Millionen Mietwohnungen sind ( http://www.stadtentwicklung.be…de/mf_wohnungsarten.shtml , http://www.wohnungsanwalt.de/W…k/Wohnungen%20Berlin.html ), aber diese Entwicklung ist ja auch nicht gleichmaessig auf das gesamte Stadtgebiet verteilt, sondern zeigt deutliche Konzentrationen.


    Morgenpost, 5. September 2011
    Berliner Immobilienmarkt - Zahl der Mietwohnungen sinkt immer mehr
    Immer mehr Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt - obwohl Dreiviertel der Berliner zur Miete wohnen. Luxussanierungen in den attraktiven Innenstadtbezirken tragen zur Vertreibung der angestammten Anwohner zusätzlich bei.
    http://www.morgenpost.de/berli…gen-sinkt-immer-mehr.html

  • Da hilft es relativ wenig, wenn man feststellt, dass es vielen Menschen in Afrika oder Asien deutlich schlechter geht oder in der Bronzezeit oder um 1900 auch das Leben hier fuer die meisten viel viel haerter und kuerzer war.


    Und noch viel weniger hilft Lamento oder so zu tun als handele es sich um "Vetriebene" oder sonstwas. Meine Güte, da müssen Leute deren Vermieter ihre Wohnung sanieren und danach die Miete erhöhen teilweise ihre langjährige Wohnung aufgeben und sich eine andere suchen. Würde mich auch nerven aber ich habe da kein "Mitleid" oder so. Ich finde es zynisch mit welcher Melodramatik - mit welchem Selbstmitleid, wenn du so willst - hierzulande teilweise argumentiert wird. Man muss die Maßstäbe schon irgendwo wahren und sich seiner vergleichsweise privilegierten Lage trotz allen Alltagsproblemen irgendwo noch bewusst sein. Genauso maßlos wie an den Finanzmärkten oder unter den Reichen agiert wird, genauso maßlos ist das Konsum- und Materialismusdenken unserer hedonistischen Gesellschaft geworden. Die Leute sind augenblicklich unzufrieden solange ein anderer mehr als man selbst hat oder es ihm besser geht als einem selbst, ohne sich selbst je zu fragen "was brauche ich um glücklich zu sein?" oder "bin ich mit mehr glücklicher als jetzt?". Nun gut, damit es nicht in die Philosophie abdriftet, es ist glaube ich klar dass mich manche deutsche Debatte einfach befremdet.

  • Baumeista hat recht:
    Diese tränenschwangere Sozialromantik geht irgendwie an der Realität vorbei.


    Zum Problem der Umnutzung:
    - öffentlich geförderter Wohnraum muß vor Mißbrauch geschützt werden,
    - frei finanzierter Wohnraum muß wohnwirtschaftlich genutzt werden. Dazu gehört auch Vermietung für kurze Zeit!

  • Höchste Mietsteigerungen in Altbaubeständen der Gründerzeit

    Aus dem F+B-Mietspiegelindex 2011:


    Altbaubestände der Gründer- und Zwischenkriegsjahre verzeichnen nach wie vor die höchsten Mietsteigerungen. In Hamburg und Berlin ist diese Entwicklung am deutlichsten zu erkennen. Für Wohnungen der Jahrhundertwende zahlen die Mieter hier 5,2 Prozent mehr als noch 2010.


    http://www.f-und-b.de/templates/news/hNews_0_51.htm

  • Aus dem F+B-Mietspiegelindex 2011:


    [I]Altbaubestände der Gründer- und Zwischenkriegsjahre verzeichnen nach wie vor die höchsten Mietsteigerungen. ...


    Was daran liegt,dass Altbauten halt nicht vermehrt werden können und dazu kommt noch die meist zentraler Lage der Häuser.
    Der Sanierungswellen in den Altbaugebieten haben gute wie schlechte Seiten.Jahrelang wurde lamentiert,dass die Innenstadtbezirke immer mehr verkommen,es war vom Armutsgürtel,der sich um die historische Mitte gruppiert,die Rede.


    Ich selber wohne in Schöneberg,bis vor ca.10 Jahren war es so,dass dort massenhaft Famillien wegzogen und Migranten,meist ohne Job und Studenten sowie Lebenskünstler den freiwerdenden Wohnraum belegten.Es gab enorme Verwahrlosungstendenzen,gerade auch unter den zurückgebliebenen Deutschen.
    In den letzten Jahren hat sich die Szenerie wieder geändert.Häuser wurden saniert auf den Spielplätzen gibt es auch wieder Kinder,die Deutsch können und Mütter ohne Kopftuch,Kippe oder Bierflasche.


    Daneben gibt es auch weniger gute Aspekte.Sanierungsbedürftige Häuser werden gekauft und zu Eigentumswohnungen umgewandelt.Das Problem hierbei ist,dass die Käufer meist Anleger sind,die Immobilien häufig den Besitzer wechseln und es langfrisitig Probleme bei Wartungs/sanierungsarbeiten gibt.Denn immer sind unter den Eigentümern Leute dabei,die nichts in den Erhalt der Häuser investieren wollen oder können.
    Dier Umwandlung von Miet zu Eigentumswohnungen geschieht auf Grund von kurzfrisitigen Renditeerwägungen.Mit dem Verkauf von Eigentumswohnungen kann man schnell viel Geld verdienen.Langfristig ist eine Vermietung i.d.R.günstiger.


    Wenn "einfache" Mieter ausziehen sollen,weil (angeblich) bis zu 23 % Rendite winken,dann kann ich das nicht begrüssen,obwohl ich sonst der Meinung bin,dass es kein Grundrecht auf ein Leben im Szeneviertel/Stuckaltbau gibt.

  • ..........,es war vom Armutsgürtel,der sich um die historische Mitte gruppiert,die Rede.
    ...


    Ich denke wenn man den Tiergarten als die Mitte der Stadt sieht dann befinden sich (grob gesehen) nördlich und südlich die ärmeren Innenstadtbezirke und westlich und östlich die wohlhabenderen Innenstadtbezirke. Also kein Gürtel.


    Das Regierungsziel ist ja üblicherweise eine Vermischung zu erreichen und keine scharfe Trennung nach Einkommensklassen. Da das nicht von selbst geschieht müsste man sich geeignete Maßnahmen ausdenken die dazu führen dass bei einer Aufwertung eines bisherigen Armenviertels ein gewünschter Anteil an billigen Wohnungen verbleibt.


    Und bei Neubauten in den wohlhabenderen Vierteln ein paar billige Wohnungen pro neuem Mietshaus vorschreiben oder irgendetwas anderes tun das dazu führt dass auch in diesen Vierteln ein gewünschter Anteil an billigen Wohnungen entsteht oder verbleibt.

  • Eine gewisse Heterogenisierung ist normal und dagegen muss man auch nicht mit aller Gewalt anplanen. Milieus und Szenen bleiben gerne eher unter sich. Solange sich keine abgeschotteten Kieze, wo "Eindringe" abgelehnt werden, bilden ist das auch vollkommen okay. Stichwort Parallelgesellschaften, die es nicht nur unter Migranten gibt.


    Ich würde behaupten dass manche Verwerfung und Unzufriedenheit von Eingesessenen daher rührt dass viele Milieus vor dem Mauerfall in Berlin kaum bis gar nicht existierten. Sei es aufgrund der Gleichmacherei nach "Unten" in der DDR - wo "Intelligenz" und Individualismus wie schon im alten Preußen eher abgelehnt wurde, im Sinne des alten Mantra "Hälst du dich etwa für etwas besseres?". Oder aufgrund dessen dass Berlin (West) für Akademiker und höhere Einkommensschichten als auch Familien schlichtweg unattraktiv war.


    Erst Mauerfall und weitreichende bauliche Veränderungen ermöglichten dass die Vielfalt in Gesamtberlin wieder zunehmen konnte. Das hat auch seine Schattenseiten wenn neue Leute hinzukommen.

  • "Mieterschutz wie nirgendwo auf der Welt"
    O.K. - Einspruch statt gegeben!
    Ich kenne nur Beispiele aus Groß Britannien, Irland, USA und Japan.
    Natürlich ist es bisweilen auch dort so, dass bei Marktverwerfungen wie derzeit in Irland die Verhältnisse umgekehrt sind: dort werden derzeit händeringend zahlende Mieter gesucht, in den USA soll es ähnlich sein. Das ändert aber nichts am langjährigen Normalfall.


    Zumindest in den USA ist dies nicht mehr der Fall. Der Mietmarkt waechst staerker als der Eigenheimmarkt. Hat vor allem mit der Kreditvergabe zu tun.


    Siehe hier: http://www.usatoday.com/money/…t-rents-rising/52397240/1