Berliner Immobilienwirtschaft

  • Vielen Dank, widerlegt aber meine Aussagen nicht.


    Zu den Fakten:
    1. Nach dem Destatis (Zensus 2022) standen insgesamt rund 1,9 Mio. Wohnungen in Deutschland leer – das entsprach etwa 4,3 % aller Wohnungen. Destatis+2BMWSB+2

    Für Ostdeutschland insgesamt (inklusive Städte + ländlicher Räume) melden Quellen ca. 576.000 leerstehende Wohnungen, was einer durchschnittlichen Leerstandsquote von 6,4 % entspricht. BMWSB+2Deutschlandatlas+2

    Ohne das Stadt- und Umlandgebiet von Berlin liegt die durchschnittliche Leerstandsquote in den ostdeutschen Flächenländern bei etwa 7,7 %

    2. Die Politik ist der Hauptverantwortliche ist falsch. Mindestens verkürzt. Wir dürfen heute und sollten endlich begreifen, daß es kein Top-Down gibt - wir leben in einer Demokratie, dort wird ein Kompromiss gefunden, kein Diktat erteilt. Bedeutet es sitzen viele Beteiligte am Tisch die eine Entscheidung tragen.

    Der größte Preistreiber in Städten der letzten 10–15 Jahre waren private Finanzinvestoren, deren Geschäftsmodell auf Wertsteigerung statt Wohnversorgung setzt.

    Quellen:

    • DIW
    • Bundesbank
    • EU-Kommission
    • Mietenspiegelanalysen in Berlin, München, Hamburg

    Der Mechanismus ist simpel:

    Kapital sucht Rendite → investiert massenhaft in Wohnimmobilien → treibt Boden- & Immobilienpreise → Mieten steigen → Neuvermietungen explodieren preislich.

    3. „Zuwanderer empfinden die Mietpreise als moderat“ Das ist eine persönliche Wahrnehmung, aber keine empirische Tatsache. Die Realität:

    • In Städten wie Berlin geben viele Migranten über 50 % ihres Einkommens für Miete aus.
    • Wohlfahrtsverbände sprechen von extremen Wohnraumbelastungen in migrantischen Haushalten.
    • Die durchschnittlichen Einkommen von Migranten liegen deutlich unter deutschen Durchschnittseinkommen – also trifft die Wohnkostenbelastung sie besonders hart.

    Das Bild vom „wohlhabenden Zuwanderer, der entspannt Mieten zahlt“, ist schlicht falsch, nicht repräsentativ und widerspricht allen Sozialdaten.

    4. „Die Innenstädte werden multikultureller, nicht verwaist“
    → Auch hier eine falsche Verallgemeinerung. Faktisch gilt:

    • Innenstädte werden vielerorts entmischt, nicht „multikultureller“.
    • Die ärmeren Gruppen (egal welcher Herkunft) werden an die Stadtränder verdrängt.
    • Innenstadtanteile von Migranten sinken in vielen Regionen – wegen der Preise.

    (Mietspiegel- und Segregationsanalysen der Stadtsoziologie Berlin & Hamburg)

    5. Fazit:
    ✔ Leerstand auf dem Land – besonders im Osten – ist empirisch sehr gut belegt.
    ✔ Wohnungsknappheit ist kein nationales Phänomen, sondern ein metropolitanes Problem.
    ✔ Das städtische Wohnungsproblem ist systemisch und hängt stark mit dem Finanzierungsmodell der Immobilienbranche zusammen – nicht nur mit Zuwanderung oder Baukosten.

  • alexsb73, vielen Dank für die ausführliche und verständliche Darstellung ihrer Problemanalyse des Wohnungsmarktes. Ihre Aussagen widerlegen jedoch meine Aussagen auch nicht.

    Selbst all diese so "empirisch sehr gut belegten" Tatsachen über den Leerstand von Wohnraum ändern ja nichts an der Tatsache, dass der verfügbare Wohnraum einfach zu wenig ist und den Bedarf nicht decken kann. Es hilft dem der Wohnraum sucht wenig über angeblich leerstehende Wohnungen zu philosophieren wenn man diese aber dem Markt nicht zuführen kann. Darüber hinaus halte ich eine gewisse Leerstandsquote für normal und würde das nicht zwangsläufig mit einer Verschwörung des Kapitals gegen den Wohnungsmarkt in Verbindung bringen. Die Gründe für einen gewissen Leerstand sind oft vielschichtiger als man denkt.