Berliner Immobilienwirtschaft

  • Lieber Mitforist tunnelblick, ich danke für Ihre freundliche argumentative Antwort.


    Sie müssen natürlich nicht meiner Meinung sein, und natürlich darf ich meine Meinung sagen. Allerdings – und das hat sich verändert – habe ich Konsequenzen anschließend zu tragen. Zum Beispiel auf der Arbeit ein Gespräch über gesellschaftliche Entwicklungen führte vor gut 10, 15 Jahren zu keinen Problemen, eher zu einer Diskussion, vielleicht noch launigem Gemotze. Heute wird jedoch eine „Haltung“ eingefordert (und das zu banalsten Dingen), das ist was anders wie Meinungsfreiheit. Bin ich nicht im Gefolge dieser „Haltung“, die immer menschenfreundlich daher kommt und doch nur das beste möchte, dann werde ich zum Außenseiter. Und das hat nichts mit einer Mehrheitsmeinung zu tun. In den 90er Jahren was Schwulsein nicht das Normalste der Welt in Deutschland. Die Mehrheitsmeinung war eine andere. Allerdings lag ein Grundkonsens in der Luft, d. h. Minderheitenmeinungen anzuhören und – im besten Falle – anzunehmen.


    Anlass meiner Auslassung war ja der Hinweis von Mitforist MiaSanMia „vehementer Skeptiker“ zu einer anderen Anschauung. Und die Antwort von Mitforist DaseBLN bestätigt leider meine Auffassung von unserer Gesellschaft, dass Abweichung ins Lächerliche gezogen bzw. etikettiert werden muss.


    Und ich Unterscheide schon zwischen Stromlininförmigkeit und einer fundierten Mehrheitsmeinung. Zum Beispiel heute schwenken alle Regenbogenfahnen (auch der DFB), aber was bedeutet es? Hat sich jetzt ein Fußballspieler bei er EM geoutet? Konnte man das Schwule Überfalltelefon in Berlin nun abstellen? Und hier habe ich das tiefe Empfinden, es wird heute blitzartig alles übernommen (z. B. letztes Jahr hatten wir BLM, davor Friday for Future, davor waren wir alles Frankreich, davor natürlich Charlie Hebdo, etc.) – Können sie wirklich sagen, dass die Mehrheitsmeinung durch Prüfung und Abwägung entsteht? Und hier empfinde ich selbstverständlich die Medien und das Internet als manipulativ.


    P.S. will hier niemand zu Nahe treten, ich schreibe halt von der Leber weg. Also Peace!

  • Anlass meiner Auslassung war ja der Hinweis von Mitforist MiaSanMia „vehementer Skeptiker“ zu einer anderen Anschauung. Und die Antwort von Mitforist DaseBLN bestätigt leider meine Auffassung von unserer Gesellschaft, dass Abweichung ins Lächerliche gezogen bzw. etikettiert werden muss.

    Für Herrn Lindzen trifft die Bezeichnung bei Betrachten seiner Äußerungen und seines aktiven Einsatzes gegen den mehrheitlich vertretenen Forschungsstand schlichtweg zu. Einer abwertenden Etikettierung soll das (zumindest aus diesen Gründen) nicht entsprechen (trifft das auf deinen Vorwurf hündischen Gehorsams eines Großteils der Bevölkerung auch zu?). Aber bitte gerne durch "vehementer Kritiker" / "Contrarian" ersetzen.

    Allerdings – und das hat sich verändert – habe ich Konsequenzen anschließend zu tragen. [...] Heute wird jedoch eine „Haltung“ eingefordert (und das zu banalsten Dingen), das ist was anders wie Meinungsfreiheit. Bin ich nicht im Gefolge dieser „Haltung“, die immer menschenfreundlich daher kommt und doch nur das beste möchte, dann werde ich zum Außenseiter.

    Meinungsfreiheit bedeutet ja auch nicht, dass jmd. mit seiner geäußerten Meinung nicht zum Außenseiter werden kann - tunnelKlick hat das bereits dargelegt. Ginge ich auf eine Querdenker-Demo und lobte dort die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Pandemie, stünde ich auch als Außenseiter da und ich bin es innerhalb meiner Verwandtschaft, wenn ich für eine städtische Verdichtung eintrete. Wenn du dagegen die Konsequenzen einer tatsächlich eingeschränkten Meinungsfreiheit erleben möchtest, empfehle ich eine Reise nach China ;).


    Und ich Unterscheide schon zwischen Stromlininförmigkeit und einer fundierten Mehrheitsmeinung. [...] Und hier habe ich das tiefe Empfinden, es wird heute blitzartig alles übernommen...

    Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler bestätigt die anthropologischen Einflüsse auf den Klimawandel. Wenn die darauf basierende Mehrheitsmeinung nicht fundiert sein soll, welche dann? Zum Thema Klimawandel gibt es jahrzehntelange Forschungen, die negativen Auswirkungen werden seit Jahrzehnten publiziert (zunächst übrigens in der Außenseiterrolle ;-)); eine blitzartige, gesellschaftliche Übernahme war nicht, dass Themen in der Politik kurzfristig vereinnahmt und wieder fallen gelassen werden, geschenkt, das ist nichts Neues.


    P.S. will hier niemand zu Nahe treten, ich schreibe halt von der Leber weg. Also Peace!

    Von der Leber weg schreiben - nicht, dass es dieses Hinweises angesichts deines Posts auf der Vorseite noch gebraucht hätte - und sich dann über die Außenseiterrolle beklagen...:einlichtgehtauf: Abhilfe könnten Belege und weiterführende Informationen zu eigenen Äußerungen schaffen (Fragen siehe Vorseite), ich lerne gerne dazu.

  • Sie müssen natürlich nicht meiner Meinung sein, und natürlich darf ich meine Meinung sagen. Allerdings – und das hat sich verändert – habe ich Konsequenzen anschließend zu tragen.

    Sie behaupten, Meinungen zu kritisieren, die dem aktuellen und hinreichend belegten wissenschaftlichen Kenntnisstand widersprechen, wäre eine Marotte des aktuellen Zeitgeist? Steile These! Könnte man glatt kritisch hinterfragen...

  • Danke für Antwort, ich denke ich muss meinen Einwurf nochmals untermauern, damit der Kern aussagekräftiger wird. Eine Demokratie zw. gelebter Pluralismus lebt ja vom Gegensatz. Die sogenannte oder gefühlte Mehrheitsmeinung auf den absoluten Tron zu heben widerspricht dem. Es gibt Wahlen, die klären manches, sind aber durch die Partei-Wahl nicht immer ein Rückschluss auf das was denn nun die "Mehrheitsmeinung" ist. Das Beispiel mit den Querdenk-Demos hakt, da es selektiv ist. Bei einer Pelzgegner-Demo ist der Pelzträger auch in der Minderheit. Das sagt nichts aus. Dieser von ihnen verlinkte "Konsens" betrifft aber nun plötzlich mich als Bürger sehr direkt, jetzt auch mit gesonderten Abgaben. Doch frage ich mich, wie kann ich als einzelner Laie (aber immer noch als mündiger Staatsbürger) hier demokratisch mitgestalten oder sogar dagegenhalten? So strömen wir weg vom Urteil demokratischer Prozesse, hin zu einer alternativlosen "Eliten"- oder "Experten"-Führung, die immer neue Themen zum Konsens erklärt. Die ich nicht mehr angreifen kann und darf, denn diese Herrschaften haben qua ihres Standes einfach Recht.

    Die Demokratie ist die beste Staatsform - nicht für die Regierenden - sondern für die Regierten! Deshalb bin ich so penetrant, wenn einfach dem einen qua Stellung und qua erklärtem "Konsens" bedingungsloser (!) Glauben geschenkt wird. Der Andere jedoch auf Grund der Etikettierung "nicht mehr zum Konsens zu gehören" kein Ohr mehr geschenkt wird, weil man ja weiß dass die anderen sowieso Recht haben. Und das meine ich mit hündischer Ergebenheit. Ich verstehe vor allem nicht, warum hier so unkritisch mit dem "Konsens" umgegangen wird. Es ist doch kein Geheimnis dass fast jeder Mensch auf diesem Planeten in einer gewissen Abhängigkeit zu einer anderen Instanz steht. Das ist keine plumpe Unterstellung einer Verschwörung, das ist einfach die Wirklichkeit.

    Hier mache ich einen Schlenk, thematisch vielleicht nicht ganz passend, man verzeihe es mir. Aber nur ein Beispiel wie schnell der Glaube an Obrigkeiten falsch sein kann und in Katastrophen münden kann. Das bestimmende außenpolitische Thema des Jahres 2003 war der Irak-Krieg. Die rot-grüne Regierung hat sich (aus meiner Sicht Gott sei Dank) dagegen gestellt. Die heute (zu meinem Schmerz leider auch von linken Kreisen) so unkritisch betrachtete Bundeskanzlerin hat sich damals sehr für einen Kriegseintritt Deutschlands stark gemacht. Der Grund hierfür war die Aussage der unzähligen "Experten" und des so honorigen Herrn Powell vor der UNO, der Irak habe Massenvernichtungswaffen. Das Ende kenn wir, die Anzahl der Toten, Verletzten und Verelendeten werden wir wohl nie ganz erfassen.

    Damals hatten wir aber eine Regierung die den Mut hatte sich gegen "Expertenmeinungen" zu stellen und eine Medienlandschaft, die Pro und Contra für selbstverständlich hielt. Heute (und das vermute ich) würde man als Kriegs-"Skeptiker" oder "Saddam"-Versteher zum nicht mehr zum "Konsens gehörend" bezeichnet werden. Es geht im kleinen los, nur wo hört es auf?

  • Nein, Berlin ist definitiv nicht das Maß der Investmentdinge.


    In dem Artikel wird einfach mal vergessen, die Investitionssumme in Relation zur Größe der Stadt zu sehen. Wenn nach Berlin der größte absolute Betrag fließt, dann sollte man vielleicht auch erwähnen, dass Berlin eine deulich größere Einwohnerzahl besitzt als die Städte auf Rang 2 und 3.


    Berlin: 5,91 Mrd. Euro durch 3.664.000 Einw. = 1.612 Euro / Einw.

    München: 3,72 Mrd. Euro durch 1.488.000 Einw. = 2.500 Euro / Einw.

    Frankfurt/Main: 3,17 Mrd. Euro durch 764.000 Einw. = 4.149 Euro / Einw.


    Bei einer Pro-Kopf-Betrachtung ist Berlin chancenlos im Vergleich zu Frankfurt.

  • Der absolut zwangsläufige Zusammenhang zwischen Einwohnerzahl und Investitionssumme ist aber schon eine von dir konstruierte Sache, oder? Wäre Berlin z.B. nicht Hauptstadt und Regierungssitz, wie sähe dann die Summe aus? Bei vermutlich ähnlicher Einwohnerzahl. Wie sähe es in Frankfurt ohne Bankensektor aus? Bei vermutlich ähnlicher Einwohnerzahl.


    Du siehst, du hast die Kausalität konstruiert, aus ihr folgt aber keine Korrelation.


    Mod: Sinnloses Vollzitat des Vorposts gelöscht.

  • Immobilieninvestitionen sind etwas Boden- und Flächenbezogenes. Es liegt deshalb nahe, das Investitionsvolumen ins Verhältnis zur Siedlungsfläche zu setzen, also denjenigen Teil der Stadtgebiete, der als Wohnbau-, Industrie- und Gewerbefläche genutzt wird (nicht Gewässer, nicht Straßenfläche und Bahngelände, nicht Feld, Wald und Wiesen). So betrachtet wurden investiert


    in Berlin 234.400 €/ha (bei 28.796 ha Siedlungsfläche)

    in München 268.600 €/ha (bei 13.848 ka Siedlungsfläche)

    in Frankfurt 290.600 €/ha (bei 9.325 ha Siedlungsfläche)

  • Wäre Berlin z.B. nicht Hauptstadt und Regierungssitz, wie sähe dann die Summe aus? Bei vermutlich ähnlicher Einwohnerzahl.

    Natürlich wirkt es sich für Berlin positiv aus, dass es Haupstadt ist. Aber wenn Berlin die meisten Investitionen im Baubereich verzeichnet, dann liegt das doch zuallererst an der schieren Größe der Stadt. Berlin hat fast 5 mal so viele Einwohner wie Frankfurt. Dann ist es doch irgendwie logisch, dass es auch mehr Investitionen im Baubereich gibt als in Frankfurt.


    Immobilieninvestitionen sind etwas Boden- und Flächenbezogenes. Es liegt deshalb nahe, das Investitionsvolumen ins Verhältnis zur Siedlungsfläche zu setzen, also denjenigen Teil der Stadtgebiete, der als Wohnbau-, Industrie- und Gewerbefläche genutzt wird

    in Frankfurt 290.600 €/ha (bei 9.325 ha Siedlungsfläche)

    Die Siedlungsfläche in Quadratmetern sagt nichts über die tatsächliche Flächenknappheit aus.

  • Man sollte die Dinge eher regional betrachten, v.a. wenn man Ffm. mit Berlin vergleicht.

    Ffm. plus näheres Umland (ohne WI, MZ und DA) hat so rund 2 Mio Einwohner.

    In Städten wie Offenbach, Hanau, Langen / Neu-Isenburg, Bad Homburg einschl. des gesamten MTK wird auch nicht unbeträchtlich investiert.

    Wie sehen die Zahlen für Ffm. aus, wenn man diese Standorte mit einrechnen würde ?

    Berlin hat solch ein Umland nicht. Gleich hinter der Stadtgrenze kommt ziemlich schnell das Nichts.


    Noch ein Punkt:

    Wie sieht es eigentlich im Ruhrgebiet aus (ca. 6 Mio Einwohner). Von Dortmund bis Düsseldorf gibt es auch nicht wenige Investments. Der Pott wird aber bei solchen Betrachtungen eigentlich nie erwähnt. Vielleicht denkt die Immobilien-Berichterstattung da mal grundsätzlich um.

  • In dem von Arty Deco verlinkten Artikel gibt die Autorin im 4. Absatz eine Vorschau auf das 3. Quartal '21 und kommt zum Schluss das die Übernahme der Vonovia durch die Deutsche Wohnen das beste Jahr 2019 "pulverisieren" wird. Ursache hierfür ist der rechtswirksame Abschluss der Übernahme der Vonovia (Hauptsitz: Bochum) durch die Deutsche Wohnen (Hauptsitz: Berlin). Das Unternehmenswert wird mit 27 Mrd. EUR bemessen und > 70 % der Immobilien der Vonovia liegen in der Region Berlin. Folglich werden 19 Mrd. EUR dieses Wertes dem Berliner Markt zugeordnet. Jedoch ändert sich durch diesen Firmenkauf bundesweit die Eigentümerschaft der Immobilien und schlägt sich damit auch diesen Märkzen nieder.

    Und das wir seit März 2020 in der CC sind, zeigt das dies für den Immobilienmarkt irrelevant ist. Würde die EZB ihre Zinspolitik demnächst deutlich ändern, dann würde das den schon überdurchschnittlich langen Investitionsboom in Immobilien relativ zügig beendet.


    Ich hoffe ich trete jetzt keinem der Mitforisten auf die Füße aber das in Bezug setzen und relativieren mittels Fläche oder Einwohner sagt nichts aus. Lediglich das der Berliner Markt gegenüber den anderen Märkten in Deutschland einerseits volatiler ist und anderseits mehr in Immobilien investiert wird. Indirekt sagt die Größe der Stadt natürlich schon etwas über das Potential des Immobilienmarktes aus.

    Bedeutet im Umkehrschluss: hätte Vonovia 70 % seiner Immobilien in der Region Bochum dann wäre Bochum an Frankfurt, München und Berlin in 2021 vorbeigezogen.

    Freuen wir uns, und das meine ich ohne Ironie, das der Berliner Immobilienmarkt so vital ist und die anderen deutschen Märkte seit sechs Jahren in Folge abhängt.

    Bleibt zu hoffen das trotz der aktuellen Steuergesetze die Kommunen noch etwas einnehmen und 'nicht immer Neese' sind (sagt man das so in Berlin?).

  • Der Senat hat heute den Entwurf des Sechsten Gesetzes zur Änderung der Bauordnung beschlossen. Die Änderung betrifft Begrünungen, Barrierefreiheit & Typengenehmigungen:


    Der weiterhin hohe Bedarf an Wohnraum, die Förderung der Barrierefreiheit, der nachhaltige Umgang mit Baustoffen und der Klimaschutz sind wichtige Zukunftsthemen. Der Umgang mit diesen Herausforderungen soll künftig noch stärker in der Bauordnung für Berlin verankert werden. Das Bauordnungsrecht wird so seinen Teil zur Verbesserung des Stadtklimas und zum Erreichen der Berliner Klimaschutzziele beitragen.


    Die Änderungen der Bauordnung für Berlin betreffen unter anderem die Forderung nach einer stärkeren Begrünung von Grundstücken und Gebäuden. Der Entwurf sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2024 ein Fünftel eines neu zu bebauenden Grundstücks zu begrünen ist, sollte dies nicht möglich sein, muss die Begrünung über die Fassade oder das Dach erfolgen. Neue Dächer mit einer Neigung von bis zu 10 Grad sind ab dann grundsätzlich zu begrünen.


    Ab dem 1. Januar 2025 müssen im Wohnungsneubau zwei Drittel der Wohnungen barrierefrei nutzbar sein. Auch die Barrierefreiheit bei Verwaltungs-, Gerichts- und Bürogebäuden wird erweitert. Zudem soll die Typengenehmigung in die Bauordnung für Berlin aufgenommen werden, um das serienmäßige Bauen, insbesondere beim Wohnungsneubau, zu erleichtern und zu beschleunigen. Darüber hinaus erfolgt eine weitere Anpassung an die Musterbauordnung und an die Brandenburgische Bauordnung.

    https://www.berlin.de/rbmskzl/…ssemitteilung.1114368.php