Königstadt-Carree [realisiert]

  • UrbanFreak


    Das hat nichts mit Trauma zu tun, sondern damit, dass nach dem Krieg schnell massenhaft günstiger Wohnraum geschaffen werden musste. Es fehlte schlicht das nötige Kapital für eine ETW - und Faktoren wie nicht steuerabzugsfähige Kreditzinsen für Immobilien oder deutlich höhere Baukosten als im europäischen Ausland wie Spanien oder Griechenland spielen heute ebenfalls eine Rolle.

    Die Bundes- und Landesbauprogramme waren daher nach dem Krieg nicht auf Eigentum, sondern ganz bewusst auf Mietwohnungen ausgelegt, was dann ab den 60ern in z.T. riesigen Trabantenstädten gipfelte. Wie die Richtung in der DDR ausgesehen hat, muss ich sicher nicht ausführen.

    Im Rückblick war es mMn dennoch ein Fehler, die Förderung der Eigentumsquote von staatlicher Seite aus derart zu vernachlässigen. Der Staat zog sich sukzessive aus den geschaffenen Mietwohnungen zurück, mit System wie auch des Öfteren überstürzt und unüberlegt, große Immobilienfirmen kauften auf - per se nicht unbedingt schlecht. Aber der Anteil kommunaler Wohnungen könnte und müsste noch deutlich höher sein; auch das Genossenschaftswesen wurde lange beiseite gedrängt, hier kommt es erst seit kurzem wieder zu vermehrter Aktivität (zumindest in M, wie es da in Berlin aussieht, weiß ich nicht).

  • Bousset Willst Du hier ernsthaft behaupten, die Linkspartei wolle die Leute arm halten, um sie für eine Art Aufstand mobilisieren zu können? Ich fasse es nicht...

    Erstaunlich, was Du bei mir immer liest. Es ist nur so, dass die CDU als Regierungspartei in den 80ern eben diese Eigentumsförderung betrieb, auch mit dem von mir genannten Grund, nun ja, sagen wir mal Abhängigkeiten zu schaffen. Sie hatte ja als Regierungspartei durchaus ein Interesse daran, dass die Stimmung ruhig bleibt. Es müsste heutzutage im Interesse sein, Eigentum auch für Geringverdiener möglich zu machen. Das Beispiel Osteruopa ist nicht uninteressant. Jedoch zähle ich auch zu den Mietern, nicht weil ich faul bin. In der Gegend, in der ich gerne lebe, kann ich mir kein Eigentum leisten. Mit meiner Miete könnte ich in Zossen Eigentum abzahlen, aber was soll ich in Zossen?

  • ^ Okay, ich bitte um Entschuldigung. In Kombination mit Theseus' Beitrag hatte ich gelesen: Die Linke will, dass die Leute arm und Mieter bleiben, damit sie sich für die Interessen der Partei leichter einspannen lassen. Das passt halt wunderbar zu dem "Klientel"-Begriff, der auf die Linken-Wähler hier so gerne angewendet wird. Du hast es anders gemeint, tut mir leid.


    Mit dem Mieten und dem Kaufen geht es mir ähnlich wie Dir: Ich bin seit 2014 in Berlin und habe seitdem ein Mittelstandsgehalt, von dem ich mir eine einfache (!) Mietwohnung im Gründerzeitgürtel gut leisten kann. 2014 hätte ich mir auch noch eine kleine Eigentumswohnung in Kreuzberg oder F-Hain leisten können; aber ich war nicht kreditwürdig, weil ich Ketten-Zeitverträge hatte. Erst seit diesem Jahr bin ich entfristet – und inzwischen sind die Kaufpreise so hoch, dass ich locker auf ein Drittel meiner Wohnfläche verzichten müsste, wenn ich kaufe. Auch wenn ich jetzt in der Lage bin, längerfristig Geld anzulegen, scheint mir Wohneigentum (nicht zuletzt wegen der erwähnten Blasen-Gefahr) gerade nur mäßig attraktiv.


    Für jene, die weder mein Gehalt noch meine (neue) Sicherheit haben, ist es schlicht utopisch. Und mir scheint, dass auf diese Leute hier im Forum gerne herabgeschaut wird. Ich mag das Berlin, in dem die Altenpflegerin noch in der Nachbarschaft wohnt, statt jeden Tag aus Zossen oder Eberswalde anreisen zu müssen. Aber dieses Berlin wird von vielen als zu bereinigende Markt-Anomalie betrachtet.

  • ^


    Sehr interessante Beiträge, aber sehr themenfremd.


    Ganz ohne Polemik: Ein junges Paar kann sich in Berlin durchaus in B-Lagen eine 3-Zimmer-Eigentumswohnung finanzieren, wenn sie über ein mittleres Einkommen verfügt. Die Zinsen sind nach wie vor historisch niedrig. Wer vor 15 Jahren gekauft oder gebaut hat, hat sich dies mit 5% Zinsen erkauft und musste zusätzlich bei vielen Banken mindestens 20% Eigenkapital mitbringen. Dem ist heute nicht mehr so, aber die (deutlich) teureren Preise vermitteln das Gefühl, dass es "zu spät" ist.

  • ^^Du beschreibst ein wirklich wichtiges Problem. Die Eigentumsquote in Deutschland ist Alptraumhaft-niedrig.


    Die Deutschen - das sind arme Menschen in einem reichen Land. Und woran liegt das: An einer verschwinden geringen Eigentumsquote.

    Die Schweizer haben sogar noch niedrigere Eigentumsquoten als die Deutschen - wie arme Schlucker kommen sie mir trotzdem nicht vor,


    "Betongold" hat signifikante Nachteile. EIn Großteil der Hausbesitzer setzt fast ihr ganzes Vermögen in den Traum vom Eigenheim anstatt Vermögenswerte breiter zu streuen und ein diversifiziertes Portfolio anzustreben.


    Und wenn dann vor Ort der wirtschaftliche Strukturwandel zuschlägt (man braucht nur ins Ruhrgebiet schauen), dann sitzt man fest anstatt umzuziehen und anderswo einer produktiveren Tätigkeit nachzugehen. Prominent dazu "Does High Home-Ownership Impair the Labor Market?" von Blanchflower und Oswald https://www.nber.org/system/fi…_papers/w19079/w19079.pdf

  • EIn Großteil der Hausbesitzer setzt fast ihr ganzes Vermögen in den Traum vom Eigenheim anstatt Vermögenswerte breiter zu streuen und ein diversifiziertes Portfolio anzustreben.

    Letztlich kommt es auf die Präferenzen des Einzelnen an, was einem wichtiger ist, womit man sich wohler fühlt, welcher Lebensabschnitt in den Blick genommen wird, wie die persönliche Risikoaffinität aussieht. Vor- und Nachteile hat jede Investition, keine Frage. Mich würde aber doch interessieren, ob die Aussage "der Großteil" auf eigenem Umfeld basiert oder hierzu tatsächlich repräsentative Statistiken existieren?

    Frei heraus würde ich vermuten, dass eine eigene und selbst genutzte Immobilie es langfristig sogar vereinfacht in ein breit gestreutes Portfolio zu investieren, in etwa: Wer "abgesichert" im Eigenheim lebt, ist risikoaffiner (z.B. höhere Aktienquote). Ob der häufig postulierte Zusammenhang zwischen Mobilität und Arbeitsmarkt für die deutschen Großstädte mit ihren kaum 20 - 30 % Eigenheimanteil, in Berlin sind es glaube ich um die 15 %, wirklich signifikant ist?

  • Wer "abgesichert" im Eigenheim lebt, ist risikoaffiner (z.B. höhere Aktienquote).

    Das stimmt natürlich - aber der-/diejenige hat meist nur noch wenig Geld übrig. Mit den restlichen 100 Euro nach dem Hauskauf kann man natürlich Aktienbonanza betreiben. ;)


    Ob der häufig postulierte Zusammenhang zwischen Mobilität und Arbeitsmarkt für die deutschen Großstädte mit ihren kaum 20 - 30 % Eigenheimanteil, in Berlin sind es glaube ich um die 15 %, wirklich signifikant ist?

    DIe Studie bezieht sich auf die USA, für Deutschland dementsprechend weniger relevant. In den USA sind die Distanzen ein krasses Problem. Wenn eine Stadt wie Detroit wirtschaftlich zusammenbricht, können Immobilien fast wertlos werden, weil Pendeln in die nächstgelegene wirtschaftlich gesunde Stadt fast unmöglich ist (Chicago ist 4 Stunden entfernt).


    In Deutschland sind die Distanzen natürlich viel geringer. Wer in der Duisburger Stahlfabrik seinen Job verliert, muss sein Eigenheim meist nicht aufgeben, denn das wirtschaftlich prosperierende Düsseldorf ist nur 20 Minuten entfernt. Nicht umsonst stellen Duisburger die größte Gruppe der Arbeiter am Düsseldorfer Flughafen.

  • "Betongold" hat signifikante Nachteile. EIn Großteil der Hausbesitzer setzt fast ihr ganzes Vermögen in den Traum vom Eigenheim anstatt Vermögenswerte breiter zu streuen und ein diversifiziertes Portfolio anzustreben.

    Stimmt absolut. Oft gibt es aber nur entweder oder - Bei oft 20,- EUR kalt für Neubauvorhaben kostet die 100qm-Wohnung nun Mal über 2K EUR im Monat, ohne, dass man von dem Geld was hat. Wer 2K EUR in eine Finanzierung stecken kann, ist nach 20 Jahren ohne Miete. In beiden Fällen bleibt bei vielen kein Geld für Aktien übrig. Wer eine bezahlbare Wohnung findet, sollte natürlich in der Tat eher in Aktien investieren. Aber wer findet das schon, wenn man nicht WBS-berechtigt ist?


    In Berlin steigen die Immobilienpreise parallel zu den Aktienmärkten im gleichen Tempo, man kann diese ja auch genauso wieder verkaufen (auch nach zehn Jahren, wenn noch eine große Restsumme offen ist -> oft ist durch den Gewinn des Verkaufs dieser sofort getilgt und es bleibt der Ursprungswert + X übrig). Provinz ist was anderes. Ob die Hauptstadt des wirtschaftlich stärksten Landes in der EU in den nächsten Jahrzehnten unattraktiv und billiger wird? Wohl kaum. Berlin hat, trotz der rasanten Marktentwicklung, immer noch gehörig Aufholpotenzial.

  • Ob die Hauptstadt des wirtschaftlich stärksten Landes in der EU in den nächsten Jahrzehnten unattraktiv und billiger wird?

    Nein und Berlin ist durch die ganzen politiknahen, quasi konjunkturabhängigen Jobs, natürlich vor zu großen Schwankungen gefeit. Solange keine Londoner Verhältnisse entstehen und die realen ökonomischen Gegebenheiten vor Ort abgekoppelt werden von chinesischer und russischer Immobiliengeldwäsche ist ja alles gut. Dann können sich sowohl Krankenschwester als auch Gründer in spe die Mieten leisten. Und wenn man mal weiter raus ziehen musst ist das auch ok solange weiter an (öffentlicher) Verkehrsinfrastruktur gearbeitet wird.

  • Das stimmt natürlich - aber der-/diejenige hat meist nur noch wenig Geld übrig. Mit den restlichen 100 Euro nach dem Hauskauf kann man natürlich Aktienbonanza betreiben. ;)


    DIe Studie bezieht sich auf die USA, für Deutschland dementsprechend weniger relevant. In den USA sind die Distanzen ein krasses Problem. Wenn eine Stadt wie Detroit wirtschaftlich zusammenbricht, können Immobilien fast wertlos werden, weil Pendeln in die nächstgelegene wirtschaftlich gesunde Stadt fast unmöglich ist (Chicago ist 4 Stunden entfernt).


    In Deutschland sind die Distanzen natürlich viel geringer. Wer in der Duisburger Stahlfabrik seinen Job verliert, muss sein Eigenheim meist nicht aufgeben, denn das wirtschaftlich prosperierende Düsseldorf ist nur 20 Minuten entfernt. Nicht umsonst stellen Duisburger die größte Gruppe der Arbeiter am Düsseldorfer Flughafen.

    Das ist zu kurzfristig gedacht. Bei noch nicht mal 1,5 Kindern pro Paar, wird letztendlich langfristig Vermögen aufgebaut. Vermögen das bereits in der 2. / 3. Generation so hoch ist, dass die werten Nachkommen relativ Sorgenfrei (finanziell) leben können.


    Ohne eine hohe Eigentumsquote, wären Länder wie Griechenland, Spanien, Italien in einer viel prekärereren Situation.


    PS: Auch im Ruhrgebiet ist nach ein Haus heute noch etwas wert. Wer dort vor 50 Jahre ein Eigenheim gebaut hat, der kann dieses nach wie vor dort verkaufen, umziehen, wie-auch-immer.

  • Ohne eine hohe Eigentumsquote, wären Länder wie Griechenland, Spanien, Italien in einer viel prekärereren Situation.

    Zugegeben OT: Andererseits ist gerade in diesen Ländern aufgrund der wirtschaftlichen Situation fraglich, was denn die Immobilien dort tatsächlich und dauerhaft wert sind (je nach Region versteht sich). Der Aussage, dass Italiener, Griechen und Spanier aufgrund ihrer Immobilien per sé wohlhabender als Deutsche sind, traue ich pauschal nicht.


    Aber ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben, war in den von Dir genannten Krisen der Länder natürlich eine große Hilfe. Ich glaube, dass Immobilien in diesen Ländern vergleichsweise mehr traditionellen Wert haben als bei uns.

  • PS: Auch im Ruhrgebiet ist nach ein Haus heute noch etwas wert.

    Natürlich. Aber es hat auch Vorteile bei dem aus den EIsenbahnerwohnungen entstandenen größten deutschen Immobilienkonzerns Vonovia Mieter zu sein, der aus seinem Portfolio auch einfach mal 1000 Wohnungen in der wirtschaftlich komplett erodierenden Stadt Gelsenkirchen "abschreiben" kann. Als EInzelperson ist man nie so flexibel, in der Masse lassen sich RIsiken teilen.


    Das Ruhrgebiet ist auch ein schönes Beispiel wie sich das Schicksal von Städten und Regionen ändern kann. Anfang der 60er Jahre war der "Pott" HIghtech und Duisburg die reichste Stadt Deutschlands. Davon ist ein halbes Jahrhundert später fast nichts übrig geblieben. Aber das hat jetzt wirklich nichts mehr mit diesem Thread zu tun.

  • Ich denke, das größte derzeitige Defizit ist die Tatsache, dass gegenwärtig in Großstädten selbst Doppelverdiener, die ein relativ gutes Gehalt haben, aus eigener Kraft sich kaum noch eine Immobilie leisten können, außer sie haben Eltern, die dann eben helfen können und sehr viele machen das auch.

    Das Problem dabei ist allerdings, dass sich Ungleichheiten dadurch noch verstärken, denn diese werden naturgemäß bei steigenden Immobilienpreisen noch größer. Dass manche Menschen mehr oder weniger besitzen ist nicht das Problem, sondern die sich daraus ergebenden Chancenungleichheit. Dagegen muss viel mehr getan werden und das darf nicht sein.

    In England ist das noch deutliche wie hier. Die Gesellschaft ist zweigeteilt, diejenigen mit und diejenigen ohne Immobilienbesitz.

    Was Architektenkind über seine persönliche Situation beschrieben hat, ist symptomatisch und ich denke, dass sich die Politik keinen Gefallen tut, wenn sie nichts etwas dagegen macht. Aktienbesitz ist keine wirkliche Alternative. Die Deutschen sind äußerst aktien- und risikoscheu und ganz ohne Polemik, die Menschen im Osten in der Regel noch viel mehr aufgrund einer anderen Sozialisation, das ändert sich zwar, aber nur langsam, außerdem haben viele gar nicht die Möglichkeit zusätzlich neben Miete monatlich in Fonds einzuzahlen. Wer dagegen eine Wohnung kauft, zahlt halt den Kredit anstatt Miete, das ist für viele machbar. Deshalb wäre genauso wichtig Menschen aufzuklären, die Ängste zu nehmen, und zu ermutigen durch viel mehr Beratung und Anlaufstellen.


    Der Staat /Land /Kommune müsste Konzepte entwickeln, Fonds einrichten und Risiken oder Bürgschaften für diejenigen übernehmen, bei denen es eben keine Eltern mit entsprechenden Mitteln gibt. Damit könnte fehlendes Eigenkapital und Kreditwürdigkeit wegen befristeter Arbeitsverträge kompensiert werden. Die Ausfälle würden sich meines Erachten in Grenzen halten bei entsprechenden Prüfungen. Ebenso müssten wieder viel mehr Anreize für Unternehmen geschaffen werden, eigene Mitarbeiterwohnungen also Werkswohnungen zu errichten. wie es früher der Fall war.

    Möglichkeiten gäbe es viele, aber Voraussetzung wäre das Bekenntnis dazu und das fehlt leider. Wenn es in Berlin eine Eigentumsquote von über 50 Prozent gäbe, daneben noch die Landesgesellschaften mit 500.000 Wohnungen, dann würde sich die Frage nach Verstaatlichungen gar nicht stellen, weil es Wohngesellschaften gar nicht mehr eine solche Anzahl von Wohnungen zusammenkaufen könnten.

    Das im Rahmen mit verstärkten Neubau, konsequenten Verbot von Grundstücksspekulation, mehr Ausweisung von Bauland und weiterer Maßnahmen, würde langfristig viel mehr helfen, als jeder Mietendeckel oder auch das kostspielige Baukindergeld - das im Prinzip ein willkommener aber nicht entscheidender Zusatzobulus für diejenigen ist, die sowieso kaufen würden - es je könnten. Was fehlt, ist der politische Wille.