Projekt "Flare of Frankfurt" - Neuentwicklung FR-Areal (fertig)

  • So leid mir's tut, aber ich finde das alles ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau. Das Rundschau-Haus war eine Ikone - wegen der Rundschau. Das Gebäude selbst hat mich nie so recht überzeugt, schon die nach unten merkwürdig wegknickenden, überaus massiven Pfeiler und die eigentlich ziemlich ungelenk in den Bau eingeklinkte Rundung der Ecke waren nicht erste Garnitur. Und dem Langhof-Entwurf weine ich ebenfalls keine Träne nach. Eine Raster - Kiste mit Natursteinverblendung. Ja, die runde Ecke. Hat eigentlich mal jemand daran gedacht, daß es auch einen Zusammenhang zwischen dem Winkel, in dem Straßen aufeinander stoßen und der Wirkung einer runden Ecke gibt? Es gab Zeiten, da hat man über derartige Ecklösungen ganze Abhandlungen geschrieben. Was im spitzen Winkel zwischen Freßgaß und Goethestraße die Ideallösung ist, muß es bei nahezu rechtwinklig aufeinanderstoßenden Straßen wie Stift- und Große-Eschenheimer-Straße noch lange nicht sein. Hier ist nicht mehr als ein Viertelkreis möglich und deshalb sieht auch der Tektonik-Entwurf nicht halb so überzeugend aus wie Goethe-34.
    Wer in einer architektonisch so disparaten Umgebung baut, muß sich an irgendetwas orientieren - und Teherani wählt dafür (recht logisch für einen Außenstehenden ohne Frankfurter Vorbelastung) den optisch alles und speziell das zu bebauende Grundstück beherrschenden Nextower. Was er daraus macht, finde ich mit der Herausarbeitung der leichten Krümmung der Eschenheimer durch die Dreigliederung prinzipiell gar nicht mal schlecht. Auch hier fällt der in lediglich zwei Blöcke aufgeteilte Entwurf von Tektonik plumper aus. Nur sollte er sich hinsichtlich der dreidimensionalen Fassade einmal in der Mainzer Landstraße anschauen, wie man so was macht UND die Maßstäblichkeit der Umgebung behält. Denn deren Fehlen ist mein Hauptkritikpunkt an seinem Entwurf. Wie schon Schmittchen sagt, das Erdgeschoß ist viel zu niedrig und lediglich viereinhalb Fenster pro Etage machen den Kasten plumper als er sein müßte - weshalb er zu Recht viele an 70er-Jahre-Produktionen erinnert - inklusive der vollverglasten Staffelgeschosse mit freitragendem Betondeckel.
    Daß das T&T-Palais auch von dieser Seite eingemauert wird und eine einsame Traditionsinsel bleibt, war nicht anders zu erwarten. Keiner der Architekten kann es sich gegenüber dem Auftraggeber leisten, die Grundstücksausnutzung auch nur ansatzweise auf ein diesem Gebäude angemessenes Maß herunterzuschrauben. Ironisch ist daran nur, daß es ein Gebäude trifft, das sich einst ähnlich maßstabsprengend zwischen der kleinteiligen Altstadtbebauung breitmachte.

  • Danke für die wieder einmal umfangreiche Dokumentation, Schmittchen.


    Cunitz hat Recht, wenn er sagt, dass sich das neue Gebäude in die Nexttower-Umgebung einpassen würde. Aber genau das ist meiner Ansicht nach auch das Problem. Das Palais Quartier ist seit der ersten Minute ein Fremdkörper an der Stelle, insbesondere der Nextower erschlägt einen und das Stadtbild egal wo man steht. Das hat man eigentlich auch in der Stadtverwaltung erkannt. Umso unverständlicher, dass die hässliche kleine Schwester des Fortyseven&Co. und "neu interpretierter Hortenkachel" hier zum Sieger erkoren wurde.


    An dieser Stelle im Kontext mit so ziemlich allen Gebäuden im Umfeld passt der Teherani-Entwurf überhaupt nicht. Gerade auch in Bezug zum Bauprojekt in der Stiftstraße, den Gründerzeitlern und dem Eschenheimer Turm hätte Langhof und selbst Tektonik wunderbar gepasst und Stadtreparatur versprochen. Sehr schade, dass diese Chance vertan wurde.

  • Gut finde ich, daß der "Kelch" des MüllerReimann-Entwurfs an uns vorbeigegangen ist. Für diese langweilige Kiste sollte man kein Architekt sein müssen. Ausserdem erinnert mich der Entwurf an das "TurmCarree2", ohne den dort alles in allem passenden Baukörper abwerten zu wollen.


    Der Teherani-Entwurf wirkt auf mich -zumindest auf den ersten Blick- wenigstens nicht langweilig. Die mal nicht eckigen Fenster wirken interessant. Die Gebäudeöffnungen, die auf Strassenniveau dann doch keine mehr sind (Stichwort: Durchwegung) hätte es mMn nicht zwingend gebraucht, stören aber auch nicht.


    Ob ein Gebäude als "zeitlos" gelten kann, wird logischerweise immer erst die Zukunft weisen können. Darüber möchte ich mir heute noch kein Urteil erlauben.


    Nicht zu vergessen wird bei allen Vorschlägen wohl auch immer die wirtschaftliche Darstellbarkeit, sprich: die Kosten, sein.
    Das wird vielleicht auch Grund für einige zumindest fragwürdige Entscheidungen des Preisgerichts sein,
    z. B. warum der ansehnliche Vorschlag von Tektonik nicht die Chance auf Überarbeitung erhielt!?

    Darüberhinaus hätte ich mir auch sehr gut das seinerzeitige Langhof-Gebäude für diese Ecke vorstellen können, aber letztlich kann es nur einen geben...;)

  • Keiner der Architekten kann es sich gegenüber dem Auftraggeber leisten, die Grundstücksausnutzung auch nur ansatzweise auf ein diesem Gebäude angemessenes Maß herunterzuschrauben.


    Soso ... komisch nur, dass der Auftraggeber sich dann aber die verschwenderischen wie ebenso missratenen Öffnungen im Blockrand (oder was davon übrig bleibt) leistet. Diese Flächen- und damit auch Geldverschwendung hätte gut und gerne auch für einen etwas großzügigeren Abstand und besseres Fassadenmaterial (= Stein) gereicht.


    Eigentlich ist es ziemlich verlockend auch den Rest von deinem Beitrag zu kommentieren ... ich lass es lieber sein und ordne es gerade so noch unter "Geschmäcker sind verschieden" ein.

  • Ich verstehe die Haltung der Stadt überhaupt nicht. In dieser Lage wird der Investor sehr viel Geld verdienen können. Deshalb kann der Herr Cunitz auch mal verlangen, dass ordentlich Geld in die Hand genommen wird, um auch einen Beitrag zur Stadtreparatur zuleisten. Man war ja schon im Vorfeld mit den Entwürfen unzufrieden, doch ließ man sie nur geringfügig überarbeiten. :nono:


    Am Geschmack kann es meiner Meinung nach nicht liegen...Paris findet doch jeder schöner als Pjongjang.

  • zu #105:


    Ich kann mich irren aber für mich sehen diese Öffnungen nach dem Versuch aus mehr hochwertige (Büro-)Flächen zu schaffen, indem die Oberfläche des Gebäudes und damit die Fensterflächen vergrößert. Klar, diese Fenster geben wenn überhaupt nur indirektes Tageslicht weil sie zu einer Art überdachten Innenhof zeigen aber trotzdem sind Flächen mit solchen Pseudo-Fenstern für viele Nutzungen besser als eine große Etage, die in der Mitte nur fensterlose Flächen bietet...

  • Lange nichts mehr geposted: Ein gelungener Entwurf, gute Kubatur und in dezentem Kontrast zur Umgebung. Er nimmt sich zurück und wird daher den echten und fake-Altertümern in der Nachbarschaft nicht die Luft rauben, ganz im Gegenteil.


    Außerdem darf man bei Teherani auf eine sehr hochwertige Ausführung und schöne Details hoffen.


    Ich bin - ganz ehrlich - der Ansicht, viel besser hätte es hier nicht laufen können. Viele wünschen sich wohl einen weiteren 50er Retro-Bau an dieser Stelle. Aber, mal ehrlich: Wer will das wirklich?

  • Ich kann mich mit dem Teherani-Entwurf auch anfreunden. Gut, Tektonik hat die runde Ecke, das EG wird in der Tat nicht so erdrückt wie bei Teherani und die Fassade nimmt auf Gründerzeitbauten, Palais und Eschenheimer Turm mehr Rücksicht. Allerdings gefällt mir - soweit man das auf dem Bild erkennen kann - bei Tektonik der Abschluss nach oben nicht. Wirkt mir zu schuhkartonartig. Mir fehlt da ein Staffelgeschoss oder so. Das löst Teherani besser. Außerdem bleibt das Problem, dass man sich entscheiden muss, auf welche Architektur man Bezug nimmt. Teherani hat sich für den Nextower entschieden. Der sprengt in der Tat den Maßstab, gefällt mir vom Design her aber außerordentlich gut.

  • Heute hat die FAZ die Kritik aus dem Forum am Siegerentwurf aufgenommen. Das Forum wurde explizit nicht genannt. Vor allem die Tatsache, dass der drittplatzierte Architekt Wenzel von Tektonik seinen Entwurf nicht überarbeiten wird kritisiert. Wenzel vertritt auch die Meinung, dass es ein Fehler sei sich am Nexttower zu orientieren.


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    Mod-Hinweis: Der Artikel ist mittlerweile auch online verfügbar.

  • Hier noch 4 weitere Bilder des TekToNik Entwurfs.


    Längsansicht, Grosse Eschersheimer Strasse:



    Bild: Tektonik Architekten Wenzel & Partner


    Lageplan:
    Besonders gut gefällt mir hierbei die öffentliche Durchwegung.



    Bild: Tektonik Architekten Wenzel & Partner


    Die berühmte Rundschau Ecke:



    Bild: Tektonik Architekten Wenzel & Partner


    Und noch ein Blick auf den nördlichen Platz vor dem Palais:



    Bild: Tektonik Architekten Wenzel & Partner


    Mehr dazu hier:
    http://www.tektonik.net/wettbe…-areal-frankfurtmain.html




    PK: Achja, schön wäre es gewesen...

  • Beeindruckend. Hervorzuheben aus meiner Sicht auch der respektvolle Abstand zum Palais Thurn und Taxis. Ein sehr guter Ansatz, das Wohngebäude nach allen Seiten freizustellen. Insgesamt ein überzeugender Entwurf, der zwischen den Bauten der Umgebung vermitteln kann und der die zweiten Ränge jedenfalls äußerlich um Längen schlägt. Tektonik ist Preisträger, der Wettbewerb richtete sich demnach nach der RPW, der Auftrag könnte also auch an das Frankfurter Büro gehen. Wenn Strabag Real Estate ein Einsehen hätte.


    Erstaunlich, wie weit sich das Büro Tektonik der Gestaltung des Rundschau-Eckgebäudes annähert (die anderen Bauteile des FR-Komplexes dagegen waren Mist). Das Bürohaus zitiert sogar die im Erdgeschoss nach innen gezogenen Stützen, die beim Original von Berentzen so aussahen:



    Bild: Michael König (Magadan) mit GNU-Lizenz für freie Dokumentation @Wikimedia

  • Der TekToNik Entwurf ist um Meilen besser. Völlig unverständlich, dass er nicht gewonnen hat.


    Dennoch ist es sehr gut, dass das Thema auch bei der FAZ nochmal angesprochen wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt und das letzte Wort ist vielleicht noch nicht gesprochen. TekToNik sollte auf jeden Fall nochmal eine Chance bekommen, den Grundriss anzupassen.

  • Krasser könnte der Unterschied zwischen den beiden Entwürfen nicht sein. Stadtreparatur auf der einen Seite, städtebaulicher Totalschaden auf der anderen. Schade, dass sich der Bauherr für die zweite Möglichkeit entschieden hat.

  • Als ich den Tehrani-Entwurf im ersten Moment sah, dachte ich mir, dass es durchaus hätte schlimmer kommen können. Ich schließe mich jedoch vielen Vorrednern an: Der Entwurf ist gut, ohne Frage. Er passt nur nicht in diese Ecke. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung der Wohnhochhäuser der Stiftstraße wird dieses Gebäude noch mehr wie ein Fremdkörper wirken, der aufgrund seiner Unterteilung auch nicht die damalige Blockrandbebauung des Rundschau-Areals aufzugreifen vermag.
    Abgesehen von der Qualität des Tektonik-Entwurfs und der "Bezugnahme auf die Architektursprache des Rundschau-Hauses" (so war es ja in der Ausschreibung vorgegeben) ist in dem Rendering des FAZ-Artikels meiner Meinung nach zu sehen, dass der Tektonik-Entwurf viel stärker zum Nextower passt, da dieser hierdurch auflockert wird. Es entsteht ein schöner nicht störender Kontrast zwischen Naturstein und Aluminium (?), der sehr urban wirkt. Frankfurt wird häufig gelobt für gelungene Kontraste zwischen "alten" und modernen Gebäuden. Tektonik würde gerade auch mit den Stiftstraße-Hochhäusern genau hierzu passen.
    Vielleicht kann man ja wirklich noch was bewirken. Stadtplanung und Architektur sollte meiner Meinung nach in erster Linie der Bevölkerung gefallen, da diese sich täglich damit auseinandersetzen muss. Der FAZ-Artikel war zumindest ein erste Anstoß hierzu.

  • Die Bilder im Beitrag von Adama liefern den Beweis, dass der Entwurf von TekToNik der Frankfurter Innenstadt an dieser Stelle am besten stehen würde. Tehrani, den ich eigentlich sehr schätze liefert hier nicht gerade den großen Wurf. Ich fühle mich ein wenig an Ostberlin um den Alexanderplatz herum erinnert. Man sollte noch zusätzlich eine Visualisierung zeigen, in der die zukünftigen Hochhäuser der Stiftstrasse zu sehen sind. Das würde sicherlich noch mehr Erkenntnis bringen.

  • Diese weiteren Visualierungen überzeugen auch mich. Tektonik hat den besten Entwurf abgeliefert, jedenfalls in Bezug auf die äußere Optik und die Platzierung der Gebäude. Das frei stehende Wohnhaus gefällt mir so sehr gut.

  • Interessant finde ich die angebliche Anlehnung des Siegerentwurfs an den Nextower. Doch wohl nur bezüglich der Fassadenfarbe und vielleicht des Materials? Gerade die Strukturierung passt so überhaupt nicht zum Nextower.


    Der Teherani Entwurf verblasst im Vergleich zu dem Tektonik Entwurf. Dessen Fassadengestaltung passt sich in meinen Augen insgesamt wesentlich besser in die nicht gerade homogene Umgebung ein. Die Fassaden- und Gebäudestrukturierung erzeugt ein großstädtisches Flair und strahlt eine schlichte Eleganz aus. Vor allem hebt er sich von dem derzeitigen Archtektur-Einheitsbrei ab.


    Die Entscheidung des Preisgerichts wirkt, nach Veröffentlichung der hochauflösenden Bilder des Tektonik Entwurfs, geradezu willkürlich.

  • Vielen Dank an FAZ-Autor Rainer Schulze, der die Kritik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Wenn er damit dem deutlich stimmigeren Drittplatzierten zurück in den Wettbewerb hülfe, wäre traumhaft.

  • Am Wettbewerb auch teilgenommen haben Stefan Forster Architekten. Weit sind sie mit ihrem Entwurf nicht gekommen, wie das Büro bei Facebook schreibt.



    Bild: Stefan Forster Architekten