Rekonstruktionen in der Hansestadt - Meinungen, Wünsche und Aussichten

  • Rekonstruktionen in der Hansestadt - Meinungen, Wünsche und Aussichten

    Wie den Meisten bereits aufgefallen ist, hat in den letzten Jahren in Deutschland ein neuer/alter städtebaulicher und architektonischer Trend eingesetzt: Rekonstrukionen, der Wunsch nach kleinteiliger und tranditioneller Bebauung und die Rückkehr zu historischen Stadtstrukturen erlebt zur Zeit eine Renaissance.


    Franfurt mit Projekten wie der Rekonstruktion der Stadtbibliotek, dem Portikus, dem Palais Turn und Taxis, der Messehalle, dem Abriss des technischen Rathauses usw.
    Berlin mit Bauakademie, Schlossplatz, Kommandantur, Abriss des PDR-->Humboldtforum, Patschke Neubauten, Stadthäuser uvm.


    Dresden mit hinlänglich bekannten Projekten: Neumarkt, Kurländer Palais, Schloss


    Wo steht Hamburg im nationalen Vergleich?


    Nach meinen Berechnungen müsste dieser Trend dann in ca. 5-7 Jahren auch in Hamburg angekommen sein. Bis dahin werden weiterhin, Altbaubestände in der Neustadt vernichtet, Brahmsquartiere gebaut und Domplätze vergurkt.


    Ernsthaft, wie seht ihr die Entwicklung. Mir sind nur wenige Projekte bekannt.
    Vielleicht können wir hier noch eine kleine Liste erstellen mit Projekten, die euch einfallen:


    Das wars, jetzt seit ihr dran.
    Meinungen, Wünsche und Aussichten!

  • Nein danke.


    Ich denke, dass die Denkmalschützer per Saldo eine gute Arbeit machen, aber Hamburg hat mangels adeliger Protzsucht eigentlich niemals große Prachtarchitektur zu bieten gehabt.


    Niemand will heute in einem Gängeviertel leben - in Wohnungen mit niedriger Deckenhöhe, ohne fließendem Wasser, lichtlos, mit steilen Treppen, die heute feuerpolizeilich nicht mehr duldbar sind. Und vorgeblendete Pseudofassaden haben wir doch schon zu bieten (Peterstraße, Deichstraße).


    Sollen die alten Fleete wieder aufgerissen werden? Mancher Abriss von Altsubstanz empfinde ich als schade, aber es bleibt doch fraglich, ob die damit verbundenen Lebensumstände heute erstrebenswert sind. Wenn diese Frage verneint wird, sollte man auch konsequenterweise auf Kulissenbauten verzichten.



    Renaissanceportal in der Deichstraße



    Fachwerkhäuser in der Reimerstwiete


    Braunschweig und Berlin sind etwas anderes, wobei ich persönlich gegen die Rekonstruktion des Stadtschlosses bin.

  • Grundsätzlich erst einmal ja zu Rekos, wobei ich mich persönlich nicht informiert habe bezüglich lohnender Projekte in Hamburg.


    Fassadismus ist übrigens grundsätzlich nichts Schlechtes, sondern hat eine jahrhundertelange Tradition und wird auch heute bei anderen Gelegenheiten immer wieder vom Denkmalschutz abgesegnet.


    Das Argument mit den Lebensumständen finde ich etwas abwegig.

  • Gute Thread-Idee.


    Als Wunsch fällt mir spontan die St.-Nikolai-Kirche ein, die wahrscheinlich mit Abstand Hamburgs schönste Kirche wäre, wenn man sie endlich restaurieren würde.


    Stattdessen lässt man dieses gotische Prachtstück als finstere Ruine das Stadtbild verunstalten. Das integrierte Antikriegsmahnmal verbreitet mit erhobenem Zeigefinger Depressionen und bildet das Alibi für den jämmerlichen Zustand des Bauwerkes.

  • Die Nikolai-Kirche wär echt schon ein nettes Ding (à la Frauenkirche in Dresden)...würde die Umgebung jedenfalls aufwerten..naja Wünsche, und da wir ja schon beim thema sind:


    Mir fällt da der alte Bahnhof Hamburg-Altona ein...bis heute ist mir der Abriss ein Rätsel! Sehr großer Verlust für Hamburg....

  • Zitat von wmeinhart


    Niemand will heute in einem Gängeviertel leben - in Wohnungen mit niedriger Deckenhöhe, ohne fließendem Wasser, lichtlos, mit steilen Treppen, die heute feuerpolizeilich nicht mehr duldbar sind.


    Weil die Gebäude heute sicherlich immer noch nicht über Sanitäranlagen und ähnliches verfügen würden, oder wie?

    Zitat


    Braunschweig und Berlin sind etwas anderes


    Ach ja? Und wieso, wenn ich fragen darf?



    Im U-ahnhof Jungfernstieg hängt jetzt, zumindest an der Treppe zur U1, eine historische Aufnahme, vom heutigen Vorplatz der Europapassage. Dieses zeigt eindrucksvoll, wie erstrebenswert die Rekonstruktion oder wenigstens traditionelle Neubebauung, dieser beiden Gebäude wäre. Weiß denn jemand was mt dem linken hier passieren soll? Schließlich ist Wormland ausgezogen.

  • Keine Ahnung. Zu hoffen wäre Abriss und Neubebeuung im klassischen Stil - oder eine Erneuerung der Fassade. Die Gliederung ist zwar ganz nett, aber es fehlt die Tiefe des Profils. Fenster, Gesimsbänder usw. schließen bündig auf einer Ebene ab, sodass die Fassade gegenüber den umliegenden Bauten viel zu flächig und unstrukturiert wirkt.

  • Da gabs dch hier schon mal ein rendering. ist aber schon recht lange her. konnte es auch nicht wiederfinden.... vielleicht war es aber auch ne ecke weiter ... bei den ganzen projekten da verliert man ja leicht den überblick

  • Ne das meinte ich nicht das war ein ganz flashiges gebäude zwischen bergstraße und rathausmrkt soweit ich mich erinnern kann.... ich kann es aber bei kleinere projekte nicht finden und weiß nicht, wo ich sonst suchen soll

  • es ist schwierig eine feste Meinung dazu zu haben.
    Muss ein Gebäude wegen Sanierungsfall verändert werden, und bleiben die Nachbarbauten stehen und entsprechen dem gleichen Stil, würde ich für eine passende Fassade plädieren.


    Ist es ein ganzer Straßenzug, der eher blass ist, vielleicht eher nicht, weil sich sonst die Moderne oder das Moderne nicht durchsetzen könnte.


    Ein Bismarck-Bad abzureissen nur weil es nicht rentabel war?
    Der Altonaer Bahnhof?
    Nun ja, die Gleisanlagen dahinter sind wohl auch nicht mehr in Betrieb, so dass insgesamt ein modernes Altona entstehen könnte.
    Andererseits, die Schellfischbahn (Hafen-Altona) soll wieder in Betrieb meine ich zu erinnern. Natürlich nict wie damals, um den Fisch vom Hafen zum Markt zu fahren, sondrn eher für de Tourismus oder tatsächlich auch als Verkehrsweg.


    Was ich als sehr entstellt empfinde sind z.B. die Riverkasematten - dort ist nun ein gutes Restaurant, aber ich finde die Front - es ist als solches nciht mehr auszumachen, welchen Zweck die mal hatten.


    Wenn ich allerdings an den Thread: Kostbarkeiten in Hamburg denke und alles was ich kenne trägt eine Denkmalsplakette - wäre das nciht auch eine Form der Übersättigung, zumal wenn nur noch die Fassaden stehen? Sind das nicht trojanische Pferde, die die Besucher eher an der Nase herumführen? (Ja, durchaus auch in anderen Städten, gar Dörfern üblich: künstliches aufblähen von nicht mehr vorhandenen Werten.)
    An der Nase herumgeführt werden mag ich nicht.

  • Ich muss diesen Thread mal wieder rauskramen. Meiner Meinung nach könnte Hamburg viel mehr Rekonstruktionen vertragen. Nach 100-jähriger Abrisswut, die ja bis heute keineswegs abgenommen hat, droht das historische Gesicht irgendwann zu verschwinden. Ich frag mich manchmal, obs hier überhaupt sowas wie Denkmalschutz gibt? Alleine in meiner unmittelbaren Umgebung wurden in den letzten drei Monaten drei (!!!) schöne Altbauten (in fast kompletten Gründerzeitstraßen) abgerissen. In meiner alten Heimatstadt durfte ich noch nicht mal entscheiden in welcher Farbe ich mein Haus streiche (dank deftiger Auflagen des Denkmalschutzes) und in Hamburg scheint offenbar jeder fröhlich alles abreissen zu dürfen was ihm nicht passt.
    Ich könnte mir gut ein Gesetz vorstellen, das vorschreibt in bestimmten Vierteln mit hohem Altbaubestand (Altstadt, Neustadt, Eppendorf, Harvestehude, Ottensen, teilweise Altona, St. Pauli und St. Georg) bei einer Neubebaung eine historische Fassade einer modernen vorzuziehen. Im besten Fall eine Reko des Vorkriegszustand (soweit der es wert ist und Pläne noch vorhanden sind) ansonsten eine stilechte Orientierung an den Nachbarhäusern. Natürlich nicht in allen Fällen, aber gerade auf die Lücken in geschlossenen Altbaustraßen bezogen, ist ein historischer Neubau meist die besser Alternative als etwas modernes. Und für spekatuläre moderne Architektur gibt es ja auch genügend blasse Viertel, z.B. die typischen 50er-Jahre-Backstein-Teppiche á la Hamm, Horn etc...


    Und nochmal was konkretes (hatte ich schonmal kurz im Utopia-Thread gepostet passte da aber nicht wirklich hin):
    Einer der größten Dornen in meinem Auge (und da stecken viele) ist der Turm der St. Jacobi-Kirche. Der obere Teil wurde im Krieg zerstört und in den 60ern durch einen schrecklich hässlichen Turmhelm ersetzt. Eine Rekonstruktion stand hier (soweit ich weiss) nie zur Debatte. Ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, da diese Kirche nach dem Michel und St. Nikolai die optisch präsenteste ist und zumal auch noch die Mönckebergstraße total dominiert. Schon irgendwie komisch, wo man doch in Hamburg in jeglichem Kontext von der Kirchensilouette der Innenstadt schwärmt, dass eine Kirche davon eine Ruine ist und eine andere ehemals schöne Backsteinkirche als 60er-Jahre-Dorfkirche verkleidet wurde...


    Jacobikirche heute / Jacobikirche vor dem Krieg


    So könnte eine Reko im heutigen Stadtbild aussehen (Originalbild von Samuel - zum Vergleich):

  • an der gr. Elbstr. 138 wird ein Haus restauriert - hab mir leider nicht mehr gemerkt, weil von Gerüsten umzingelt.
    Und neben dem Stilwerk ist auch noch ein weisses flachdachhaus aus dem 18.Jh. sehr heruntergekommen, aber von der Buttstraße aus, konnte man das Dekor noch gut ausmachen. Das ist nun abgehängt.
    Werkhaus, gr. Elbstraße - daneben wird auch den Buttberg hochgebaut- da war noch eine schöne alte Treppe.
    Die Gebäude jetzt sind noch winzig und entsprechen dem alten Fischmarkt Flair.
    (Das ist alles gegenüber dem Sandstrand, der dort nun wie eine Müllkippe liegt.)

  • Zum Thema Rekonstruktion. Hat jemand zufällig die Rekonstruktion des Eckbaus neben der roten Flora schon mal gesehen? Sieht ganz gut aus bis jetzt...mache mal demnächst ein Foto.

  • Altbau? Letzt Woche war da ein eingerüstetes Gebäude (direkt vor der Flora vom Schulterblatt kommend). Meinst du den?


    Wieso hast du das gehofft, Maegis?

  • Abrissstadt Hamburg - Viele historische Gebäude verloren

    In Hamburg stehen nicht mehr viele historische Gebäude, da viele durch Brand, Bomben oder Abriss verloren gegangen sind.

    Ich weiss, dass der Wiederaufbau schöner historischer Gebäude in Architektenkreisen eher verpönt ist. Allerdings geniesst er in der Bevölkerung im Allgemeinen einiges Ansehen: Siehe zum Beispiel die Frauenkirche in Dresden, das Stadtschloss in Berlin oder auch den Michel in Hamburg.

    Wäre es nicht sinnvoll Hamburg einige historische Gebäude wieder zu geben? Dies würde die Stadt lebenswerter, weil schöner, machen und hätte auch positive Auswirkungen auf den Tourismus.

    Welche Gebäude sollten Eurer Meinung nach wieder aufgebaut werden? Wo sollten sie aufgebaut werden, falls sich der alte Standort nicht mehr anbieten sollte? Und zuletzt: Welcher Nutzung sollten sie zugeführt werden?

    Ich fände es toll, wenn man in Hamburg Platz fände für folgende Idee: Es werden zwei Plätze gebaut, die mit einer Promenade verbunden werden, in deren Mitte sich ein Park befindet. In der Mitte der Plätze und des Parks könnten schöne Brunnen oder Denkmäler errichtet werden. Rund um die Plätze wäre der Wiederaufbau historischer Gebäude geplant. Dies würde Hamburg etwas Historie zurück geben.

    Es gibt hier also drei Themen zu diskutieren:
    I. Was ist generell von Rekonstruktion zu halten?
    II. Welche Gebäude wären es in Hamburg wert rekonstruiert zu werden? Wo, mit welcher Nutzung?
    III. Was haltet Ihr von meiner Idee eines historischen Quartiers?

    Einmal editiert, zuletzt von Oeconom () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Ich muss dazu ganz ehrlich sagen: Ich glaube nicht, dass dies der richtige Weg ist. Einzelne Gebäude z.B. mit einer historischen Fassade wieder aufbauen - Ja, sofern damit z.B. ein Werk der 70er-Jahre Architektur ersetzt werden kann.
    Hier macht Hamburg auch Fortschritte, und zwar dass inzwischen "viele" historische Fassaden erhalten bleiben und nur der Gebäudekern ersetzt wird.


    Aber: Rekonstruktion nur dann, wenn es wirklich an den Originalplätzen geschieht - Es wäre m.E. etwas komisch, Replikas von nicht mehr existenten Gebäuden einfach irgendwo zu bauen. Auch muss ein historisches Gebäude in den Kontext passen, denn was nützt einem ein 3 - stöckiges - historisches Gebäude in einem 8 stöckigen Blockrand? Relativ wenig.


    Und zu deiner Idee mit den Plätzen: Wo sollte man denn das machen? Die halbe Stadt abreißen und dann "historische" Gebäude dort errichten? Das bringt Hamburg auch nicht unbedingt Historie zurück und würde eher Historie zerstören. Wenn, hätte man so etwas in der Art nach dem 2. Weltkrieg machen müssen, jetzt ist es zu spät - und sehr abwegig.

  • Meiner Meinung nach gibt es genug Konversionsflächen in Hamburg, die sich dafür eignen würden. Man muss natürlich darauf achten solche Gebäude nur dort zu rekonstruieren, wo sie hin passen und auch sinnvoll genutzt werden können.
    Es gibt doch genug positive Beispiele aus anderen Städten für erfolgreiche Rekonstruktionen.

  • Ich stimme Malte zu, dass eine rekonstruktion nur im historischen Kontext am Originalort möglich ist. Derartige Flächen besteh nicht mehr oder haben einen neuen Kontext erreicht. An der Peterstraße ist ja ein Enseble von Bürgerhausfassaden, insbesondere des Barocks errichtet worden, die aber dort releativ isoliert sind und nicht mehr in Ihrem Kontext zu sehen sind.


    Eine Rekonstruktion nur zur historischen Erbauung bringt doch nichts mehr.


    Zur Peterstraße:




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