Magdeburg

  • Im APH wurde zwischenzeitlich noch eine weitere Zeichnung dieses Kalibers gezeigt. Ich finde das sehr ermutigend!
    Die Kritik dazu in der Presse dagegen ist enttäuschend engstirnig:


    http://www.volksstimme.de/loka…burg-extrem-problematisch


    Enge lichtarme Innenhöfe, problematische Belüftung etc. Ich erinnere mich da an die Phrasen, die mir selber in der Schule um die Ohren gehauen wurden beim Thema Gründerzeitlicher Stadtplanung. Die Wahrheit ist eine ganz andere, das erfährt jeder der mal mit offenen Augen durch solche Viertel spaziert oder eben dort wohnt. Gerade um den Hasselbachplatz tummelt sich das gehobene Magdeburger Volk und fühlt sich pudelwohl, mitten in top erhaltener, geschlossener Gründerzeitbebeauung. Ich frage mich wie sich solche rückwärtsgewandten Phrasen heute noch ernstzunehmend äußern lassen, da wird man doch schon vor dem Satzpunkt Lügen gestraft!


  • Neubau Danzstraße, Motiv: © arc architekturconzept GmbH Lauterbach • Oheim • Schaper Freie Architekten BDA


    Mittlerweile hat der Hochbau in der Danzstraße begonnen (siehe Planungsbild von 05hamburg). Auch auf dem restlichen Baugebiet sind viele Baugruben ausgehoben und Krane aufgestellt.


    Man darf wirklich gespannt sein wie sich die Gegend zwischen Domplatz und Hasselbachplatz nach Abschluss dieses Mammutprojektes entwickelt. Das ist mMn das aktuell wichtigste Projekt in der Landeshauptstadt und wird sicherlich zur weiteren Belebung der südlichen Innenstadt, welche noch einigermaßen viel historische Bausubstanz aufweist, führen. :daumen:

  • Allgemeines Update

    Die Neubauten an der Danzstraße wachsen bereits in die Höhe.





    Weiter nördlich ist der alte Blaue Bock seit einiger Zeit vollständig abgerissen, was ganz neue Perspektiven auf die denkmalgeschützte Fassade des Karstadts ermöglicht. An der etwas dunkleren Stelle der Fassade schloss früher der Blaue Bock an. Die durch den Abriss entstehende Lücke in der Aluminium-Hülle wurde denkmalgerecht mit Originalteilen geschlossen, um ein einheitliches Bild zu ergeben.
    In der Baugrube finden derzeit noch archäologische Ausgrabungen statt.



    Als kleinen Bonus ein Bild von der die Innenstadt prägenden Zuckerbäcker-Architektur der frühen DDR. Eine derartige Dichte von stalinistischen Bauten habe ich bisher in keiner anderen deutschen Stadt gefunden.


  • Immer wieder beeindruckend wie schnell die Gebäude in die Höhe wachsen.


    Im neuen Altstadtquartier ist man noch nicht ganz soweit. Dort laufen aktuell noch die Abrissarbeiten der eher unansehnlichen Gebäude. Die entstehenden Lücken sollen anschließend neu bebaut und die bestehenden Altbauten saniert werden. Heute ist auf der Volksstimme-Online Webseite auch einiges zum Vorgehen und zukünftigen Nutzungskonzept zu lesen (Artikel und Bild Quelle: Volksstimme)


  • Ich freue mich überhaupt nicht auf das neue Domviertel.
    Was war das doch für eine Chance! Da ringt man sich tatsächlich einmal durch, zwei große Plattenbauten abzureißen und hat in einem halbwegs historisch intakten Viertel die Chance, dem Breiten Weg wieder ein schönes, stolzes Gesicht zu geben, in Anknüpfung an das großartige Gründerzeitviertel nebenan.
    Was ist dabei rausgekommen? Während sich die MWG und die Wohnungsbaugenossenschaft OvG wenigstens etwas Mühe gegeben haben, ihre Blöcke kleinteilig zu gestalten, hielt man das bei der Wobau überhaupt gar nicht für nötig. Hier wird man eine einzige große Rasterfassade bauen. Auch die Neubauten in der Danzstraße liefern überhaupt keine Anknüpfungspunkte an die benachbarten Gründerzeitgebäude. Sie werden durch die Höhe der Neubauten samt Staffelgeschoss plump übertrumpft, dazu schließt man den Blockrand zum Gründerzeithaus in der Leibnizstraße nicht.
    Das Viertel ist aus meiner Sicht eine einzige Enttäuschung. Das kann nicht der Anspruch einer Landeshauptstadt sein und ich erwische mich beim Fremdschämen, wenn ich sehe, wie sich die Verantwortlichen in der Mittelmäßigkeit ihres Projektes auch noch sonnen.

  • Domviertel Neubebauung

    ich kann Machteburjer nur zustimmen ... die Bebauung ist der Lage nicht würdig, gerade wenn man bedenkt, welch historische Chance man hier vergibt, dem Bereich um den Dom etwas Würde zurückzugeben, nachdem die 10er aus DDR-Zeiten abgerissen wurden. Die Gebäude haben für mich keinerlei historischen Bezug, sehen teilweise nur gruselig aus (vor allem dieser dunkle, schwarze Bau) und wirken unruhig und unpassend in diesem Umfeld. Das einzig Positive: Der Blockrand wird geschlossen. Mehr kann ich dem Projekt nicht abgewinnen.


    Zitat aus der Volksstimme:
    Besonderes Augenmerk richtete neben Karin Grasse auch Landesbauminister Thomas Webel auf den qualitativen Aufschwung für das Viertel mit dem Neubau der Genossenschaftler: „Das wird so schön, wie es vor der Zerstörung war.“
    Quelle
    So schön wie es vor der Zerstörung war? Haben die Leute dort alle seit min. 40 Jahren keinen Augenarzt mehr besucht bzw. sich jemals mit der vorherigen Bebauung beschäftigt? Es gibt eine Doku des Breiten Weges vom Magdeburger Stadtplanungsamt, also von ALLEN Gebäuden der Straße vor 1945... wenn man diese Bilder sieht, kann man bei der Neubebauung nur eines sein: entsetzt.


    Die Doku gab es lange Zeit nur gedruckt, allerdings ist sie mittlerweile als pdf zu haben!!!
    hier: http://www.magdeburg.de/index.….367&object=tx%7C37.193.1
    Es ist die Doku mit der Nummer 69/05, die pdf ist aufgrund ihres Umfangs in drei Teile aufgeteilt. Kann ich nur jedem empfehlen, der sich ein Bild vom historischen Breiten Weg machen will! ... und dann mit dem vergleichen, was da kommt...
    z.B. http://www.mwg-domviertel.de/


    Desweiteren saniert die MWG Genossenschaft die Leibnizstraße 48. Beim Lesen des Prospektes "Raufaser-Tapete" wird einem allerdings Angst und Bange um das Innenleben dieses Altbaus, vermutlich bleibt da (sofern vorhanden) nichts von historischem Wert übrig und das bei den Mietpreisen -.-
    https://www.mwg-wohnen.de/die-…rojekte/leibnizstrasse-48

  • Danke für den Link zum Breiten Weg. Sehr informativ.
    Tja, bei solchen Äußerungen wie von Frau Grasse fragt ma sich natürlich schon ob es Unwissenheit oder Absicht ist. Was jetzt gebaut wird, ist in der Tat ein ziemlicher Reinfall. Da sind die nach der Wende noch im Immobilienboom der frühen 90er hochgezogenen Bauten anspruchsvoller.
    Mir schien, zumindest aus der Ferne, auch das ganze Prozedere dem Standort nicht angemessen. Warum darf bspw. nur die stadteigene Genossenschaft bauen? Warum keine Privaten, warum keine Aufteilung in Parzellen?
    Als hätte man den Breiten Weg an sich schon abgeschrieben. Dabei hat der, von den nun abgerissenen Platten abgesehen, auch durchaus qualitätvolle Nachkriegsarchitektur zu bieten.

  • Das Problem ist, dass zu wenige Fachleute in der Politik sitzen (wollen). Die Entscheidungen gegen Architektur werden dort getroffen. Die Architektenkammer hat in den 90er Jahren noch versucht, Einfluß zu nehmen, aber mittlerweile aufgegeben.


    Auch die Zukunft wird uns nicht mit Fachleuten verwöhnen:
    - Verlagerung der Architektenausbildung nach Dessau
    - Abschaffung des Fachbereiches Bauwesen an der Hochschule
    - Verstümmelung des Industriedesigns
    - das Fehlen einer Kunstgewerbeschule (Brandeburger Str.)
    und vieles mehr. Ach was erzähle ich das - eh alles verloren.


    Freuen wir uns doch alle über IKEA, Schubert Motors und OBI - die Highlights des Jahres 2017. Sind das doch die Ergebnisse, mit denen sich die Politik so gerne schmückt - mehr Einzelhandel hurra. Zum Raufaser an der Wand werden ist das.

  • P.S. Wenn wenigsten die Magdeburger Volksstimme ihre gesellschaftspolitischen Korrekturfunktion nachkommen würde. Dafür fehlt es der Chefredaktion aber an Mut, zu oponieren.

  • Was jetzt gebaut wird, ist in der Tat ein ziemlicher Reinfall. Da sind die nach der Wende noch im Immobilienboom der frühen 90er hochgezogenen Bauten anspruchsvoller.
    Mir schien, zumindest aus der Ferne, auch das ganze Prozedere dem Standort nicht angemessen. Warum darf bspw. nur die stadteigene Genossenschaft bauen? Warum keine Privaten, warum keine Aufteilung in Parzellen?
    Als hätte man den Breiten Weg an sich schon abgeschrieben. Dabei hat der, von den nun abgerissenen Platten abgesehen, auch durchaus qualitätvolle Nachkriegsarchitektur zu bieten.


    Die 90er waren in der Tat ein sehr ordentliches Baujahrzehnt. Da ist viel gute-sehr gute Architektur entstanden, von der wir heute meilenweit entfernt sind.


    Das nur die Wohnungsbaugenossenschaften dort gebaut haben, lag in der Eigentümerstruktur. Die beiden 8-Geschosser gehörten ja ebendiesen und verkaufen wollten sie nicht, folglich haben die drei Wohnungsbaugenossenschaften neu gebaut. Das ist ja ansich auch gar nicht das Problem. Das eigentliche Problem liegt in der Parzellierung. Hier hätte man im B-Plan eine entsprechend kleinteilige Parzellierung festschreiben müssen. Dann und nur dann hätte man verhindern können, dass neue Blöcke entstehen, die Kleinteiligkeit nur vorspielen, bei der Wobau noch nichtmal das.


    Otto_d_Große :
    Der Druck muss aus der Bürgerschaft kommen, nur so kann es funktionieren. Dresden, Frankfurt, Potsdam etc. sind alles Ergebnisse einer engagierten Bürgerschaft. Von Architekten, Planungsämtern und Politik ist nicht viel zu erwarten.

  • Gibts in der kriegsgeschädigten Altstadt eigentlich auch Grundstücke, die nicht der Stadt gehören? Das ist zwar ein schwieriges Thema, aber die durch Enteignungen zusammengeklaubten Großstrukturen würde ich schon als ein wesentliches Problem der Stadtentwicklung sehen.

  • Das dürfte die absolute Minderheit sein. In größeren Dimensionen wohl nur im kleinteiligen Gründerzeitviertel rund um den Hasselbachplatz.
    Und natürlich die großen Neubauten der Nachwendezeit (Hundertwasserhaus, City Carree, Allee-Center, Nord-LB)

  • Danke für den Link! :daumen:


    Was da in ihrem Innenhof geplant wird, ist mir eigentlich relativ egal. Aber eines der Bilder zeigt die Rückseite vom Neubau an der Sternstraße. Wenn das auf der Vorderseite so ähnlich monoton kommt (wir sprechen hier von einem Block einer Ausdehnung von 4 Gründerzeithäusern) befürchte ich Schlimmstes für die Gesamtwirkung der historisch weitestgehend intakten Sternstraße.


    Die Vorderfront sollte mMn klar an das bedeutende und einmalige Gründerzeitensemble angepasst sein. Das bedeutet für mich in erster Linie:
    - Kleinteilige Fassadengliederung/Parzellierung (mindestens 3 unterschiedlich gestaltete Fassaden)
    - Verwendung von Sprossenfenstern (gleiche Sprossenanzahl wie bei den Gründerzeitbauten)
    - Gestaltung der Fassaden durch Gesimse, vor allem ein gescheites Traufgesims
    - Verbot der Farbe grau, dafür möglichst farbenfroher Anstrich