Dresden: Waldschlösschenbrücke [realisiert]

  • ^ Nicht wirklich, wenn man um das Gerangel am Dresdner Neumarkt weiß! So klar wie es nach außen scheint, sind die Positionen dort in Bezug auf die GHND und den Neumarkt nämlich nicht. Das heute zu Sehende ist (Teil-)Ergebnis jahrelangen Kampfes. Und das geht bei jedem Häuschen weiter...

  • Aixois : es ist zum beispiel nicht zulässig, in schiffbaren flüssen brückenpfeiler zu errichten.


    Gleichwohl ist der Wunsch (s. aixois) nach einer besseren Gestaltung zuzustimmen. In den Ausschreibungsbedingungen des Brücken-Wettbewerbs ist es versäumt worden, den Anspruch des Auslobers an eine angemessene Gestaltung verbindlich vorzugeben. Vielmehr wären Vorgaben hinsichtlich Material, Farbe und Transparenz notwendig gewesen, um eine der Umgebung angepasste und damit mit dem Weltkulturerbe vereinbare Formgebung zu erreichen - auch ohne Brückenpfeiler.


    Letztlich ist es doch das Aussehen der Brücke, welches störend ist. Mittels Marterialbeschränkungen auf Elbsandstein und/oder in Kombination mit einer transparenten Stahlkonstruktion unter Beachtung von Farbvorgaben (z.B. Blaues Wunder) bis hin zu Anlehnung/Interpretation der Formen von bestehenden Elbquerungen oder früheren Entwürfen hätte das Desaster mit Sicherheit abgewendet werden können.


    Hier musste die Verwaltung aber letztlich versagen, weil Ihr die Grundüberzeugung von Baukultur, Wertschätzung für erhaltenswerte Kulturlandschaften und generelle Entschlossenheit zu Gestaltungsqualität fehlt.

  • Von der Kuppel der Frauenkirche aus ist noch nicht sehr viel vom Baufortschritt zu sehen.
    Die Brücke wird auch so weit außerhalb des Stadtkerns gebaut, dass man sie m. E. ohne Teleobjektiv kaum wahrnehmen wird.



    Über die Gestaltungsmerkmale der Brücke kann man gewiss unterschiedlicher Auffassung sein, was mir als Nicht-Dresdner gestern jedoch sofort auffiel, war eine andere Nachkriegsbrücke in der Innenstadt. Mit Verlaub, aber die passt ja wohl noch weniger in die (Stadt-)Landschaft.


  • ^ Die Dresdner Altstadt war nicht Unesco-Weltkulturerbe, sondern das Dresdner Elbtal als einzigartige Kulturlandschaft in einer Großstadt. Die Aberkennung, bevor auch nur ein Brückenpfeiler in den Boden gerammt wurde, erfolgte, weil die Damen und Herren von der Unesco befanden, dass eine Brücke (deren geplanter Bau der Unesco bekannt war, bevor sie dem Elbtal 2004 den Welterbetitel verlieh) in dieser Kulturlandschaft (= eine durch den Menschen geschaffene Landschaft) landschaftszerstörerisch sei. Nun denn, jetzt ist es eben passiert...


    Die Nachkriegsbrücke, die du ansprichst, ist die neue Carolabrücke. Danke für die Fotos.

  • ^^wenn man nicht gerade jede Brücke als Steinbogenbrücke bauen will, wüßte ich keine Konstruktion welche sich dezenter über die Elbe spannen läßt als die Carolabrücke. Minimaler geht es kaum.


    Indessen tut sich einiges auf der Baustelle der WSB. Das 140 Meter lange sogenannte Stromfeld der Brücke wird auf der Altstädter Seite montiert. Dabei handelt es sich um den Bogen und die stählerne Trägerkonstruktion für die Fahrbahn sowie die Anbauten für die Geh- und Radwege. Die Montage soll bis Jahresende beendet sein, so daß Anfang 2010 diese Konstruktion über Hilfswagen, Pontons und Hubtürme über den Fluß geschoben werden kann. Der Brückenteil über dem Neustädter Ufer (Vorlandbrücke) wird ab Oktober entstehen. Auf der Altstädter Seite erst nach dem Einschieben des Stromfeldes.
    Der 300 Meter lange östliche Ausfahrtstunnel (stadtauswärts) auf der Neustädter Seite ist so gut wie fertig. Noch dieses Jahr sollen wieder Straßenbahnen über die Bautzner Straße rollen.


    Hier noch ein paar Impressionen:


    die Zufahrt von Dresden Johannstadt aus:


    Blick zur Neustädter Seite:



    Das Käthe Kollwitz Ufer ist inzwischen komplett verlegt und wieder befahrbar. Zu sehen auch der große Raupenkran zur Montage der Stahlteile:

    Bilder sind von mir gemacht

  • Ja. Ich halte die Carolabrücke auch für eher unkritisch. Hier durfte seinerzeit aber auch noch ein Brückenpfeiler errichtet werden. Die Waldschlössenbrücke hat mit Ihrer Lage in der Landschaft weder eine vergleichbare Leichtigkeit noch gestalterische Anknüpfungspunkte an die ortsübliche Baukultur. Das ist nicht gut.


    Es ist die logische Folge einer unkritischen Diskussion, in der man entweder dafür oder dagegen sein durfte. Eine typische Autobahngestaltung hätte aber vorher ausgeschlossen werden müssen, bevor man sich für eine Brücke an dieser Stelle entschieden hat. Dieses Selbstverständnis fehlt im Tiefbau noch völlig.


    Um es klar zu sagen: Die Zustimmung zu dem Bauwerk in dieser Form wirkt auf mich wie etwa eine Baugenehmigung für ein Hochhaus auf dem Gewandhausareal am Neumarkt.

  • Über die Gestaltungsmerkmale der Brücke kann man gewiss unterschiedlicher Auffassung sein, was mir als Nicht-Dresdner gestern jedoch sofort auffiel, war eine andere Nachkriegsbrücke in der Innenstadt. Mit Verlaub, aber die passt ja wohl noch weniger in die (Stadt-)Landschaft.


    Ich denke mal, es gibt bedeutende und unbedeutendere Welterbestätten. Bei den einen ist es klar, dass sie den Titel unbedingt verdienen, bei den anderen steht es auf der Kippe. Ob die Pyramiden von Gizeh oder die Chinesische Mauer den Titel bekommen sollten, darüber gab es sicher wenig Meinungsverschiedenheiten, und bevor man ihn wieder aberkennt, müsste schon einiges passieren. Aber wenn die Kriterien mal so gerade eben erfüllt sind, reicht schon eine kleinere Verschandelung, und der Titel ist wieder weg.


    Es war eine Anerkennung, den Titel zu bekommen, und die Unesco kann nicht mehr tun, als Ratschläge zu geben, wie der Titel behalten werden kann, falls Verschandelungen drohen. Wenn man aber die Anerkennung nicht zu würdigen weiß und wegen Vermutung Stasi-ähnlicher Machenschaften bei der Unesco stur dagegen hält, ist der Titel eben weg. Die Vermutung Stasi-ähnlicher Machenschaften erweist sich dann als selbsterfüllende Prophezeiung.

  • Ich finde die Brückenform auch immernoch angenehmer als die der neuen Carolabrücke. Es hätte deutlich schlimmer kommen können, zB eine Hängebrücke ala Radebeul. Wenigstens ist sie aus Stahl, wie das Blaue Wunder oder der Hauptbahnhof aus Stahl sind. Meiner Meinung nach tun die vielen Plattenhochbauten viel mehr im Auge weh.

  • Ich war seit fast 10 Jahren endlich mal wieder in Dresden (tolle Stadt!) - und u. a. auch an der Baustelle der Waldschlösschenbrücke.


    Meist bin ich ja eher gegen naturzerstörende und umstrittene Verkehrsprojekte, aber bei der Waldschlösschenbrücke verstehe ich den Aufruhr zumindest bzgl. des Ausblicks nicht so recht. Den "berühmten" Blick auf das wiederaufgebaute Ensemble an der Elbe habe ich doch eher westlich der in Bau befindlichen Brücke - und der bleibt ja erhalten. Die bisher gebauten Brückenteile machen auch keinen allzu monströsen oder klobigen Eindruck auf mich. Da stören mich die Plattenburgen und Betonbrücken schon mehr.


    Ich finde eher die Beeinträchtigung der Flussauenlandschaft problematisch. Über den verkehrstechnischen Sinn der Brücke kann ich mir als Nichtdresdner kein wirkliches Urteil bilden.


    Drei Bilder von mir dazu:




  • Aktueller Stand

    Die Bauleitung der Waldschlößchenbrücke hat heute entschieden, dass es auf Grund der aktuellen Wetterbedingungen morgen (14.12.2010) nicht zum Beginn des Verschubes des Brückenbogens der Waldschlößchenbrücke kommen wird. Im Laufe des 15. Dezember wird die Entscheidung über das weitere Vorgehen erwartet. Sollten die Wetterbedingungen es zulassen, könnte ggf. Ende der Woche mit dem Einschwimmen begonnen werden. Schritt 1: Verschub des Brückenbogens an das Elbufer (etwa 20 Stunden), Schritt 2: Verschub des Brückenbogens auf Pontons (etwa acht Stunden) und Schritt 3: Einschwimmen des Brückenteils (etwa 12 Stunden).

  • Das Wetter war gestern anscheinend gut genug zum "Einschwimmen" des Brückenmittelteils. Der 1800 Tonnen schwere Brückenbogen wurde am Sonntagmorgen 54 Meter flussaufwärts transportiert. Eine Seite des Teils war auf Schwimmpotons, die andere auf Rädern gelagert. Nach der mehrstündigen Verlagerung wurde der Bogen auf seinen endgültigen Halterungen aufgelegt und verankert. Ende 2011 soll die Brücke in Betrieb genommen werden.


    Ein ausführlicher Bericht findet sich >> hier << (Sachsen Spiegel)
    Sogar mit Video!

  • Feierliche Eröffnung

    Heute wird die Walschlösschenbrücke eröffnet. Für Autos ist sie ab dem kommenden Montag befahrbar.


    Die Bauzeit betrug 6 Jahre, die Kosten betragen 181 Millionen Euro. Weitere Daten und Informationen gibt es z. B. >>> hier <<< und auch >>> da <<<.


    Interessant: Die Kleine Hufeisennase (Fledermaus), die Grund für einen Baustopp vor ein paar Jahren, besondere Beleuchtung und ein zukünftiges nächtliches Tempolimt ist, wurde bisher nicht gesichtet. Die Dresdner Bürger meinen nach dem jahrelangen Zank: "So schlimm ist sie gar nicht geworden." Mir gefällt sie auch gut.

  • Dresdner Waldschlößchenbrücke ist weiter Staufalle


    Bereits am Tag eins nach der Eröffnung ist die Brücke eine Staufalle.


    Hier eine mögliche Antwort darauf.


    Bei einen anderen Bericht heißt es wiederum das man die Umliegenden Straßen,
    weit vor der Brücke ausbauen müsse, was aber nicht möglich sei,
    da es in die Millionen gehe und somit erstmal nicht machbar ist.
    Somit kann es durchaus sein, das der Verkehr auch weiterhin nicht wirklich fließt.

  • In letzter Zeit gab es einige Beschwerden über den Fahrbahnbelag der Waldschlösschenbrücke.
    Beim Darüberfahren entsteht ein sehr ruckelndes Gefühl, als wäre es nicht richtig verarbeitet worden. Ich habe es selbst schon ab und zu mitbekommen.
    Mich würde interessieren, was darüber manch anderer hier denkt.
    Grüße,
    Spock