Dresden: Waldschlösschenbrücke [realisiert]

  • Man möge mir die Einmischung als Orts- und Sachfremden verzeihen, aber warum baut man nicht einfach eine historisierende Bogenbrücke mit Sandsteinfassade, die mit der übrigen Bausubstanz besser harmoniert als die gegenwärtige Konstruktion? Das Ding könnte meinetwegen zu 95% aus Stahlbeton bestehen, nur das Äußere müsste man der Umgebung anpassen...

  • Zitat von AeG

    Oder geht's garnicht um den bourgeoisen und klerikalen Kern Dresden, sondern um die direkt angrenzenden Areale?


    Ja genau, zum Weltkulturerbe gehört in erster Linie das Elbtal, ich bin mir im Moment nicht sicher, ob die Altstadt überhaupt dazugehört.

  • Das ist eine gute Nachricht! Es konnte wohl schlecht angehen, dass die Mehrheit der Dresdner "falsch" abgestimmt hat, weil einer Organisation das Ergebnis nicht passte und die Dresdner nun damit erpresst werden. - Das wäre es nämlich geworden, wenn mit dem Ergebnis der Abstimmung nicht so verfahren worden wäre, wie das Oberverwaltungsgericht es jetzt nocheinmal bestätigen musste.


    Unglaublich, dass dazu überhaupt noch ein Urteil notwendig war und das Politiker die Frage stellen konnten, ob eine Entscheidung des Volkes überhaupt anerkannt werden muss. :nono:


    Ferner ist das jetzt endlich mal eine Vorlage für die Unesco. Jetzt müssen sie zeigen, ob sie wirklich tanzen können. - Ich glaube eher nicht. Und das führt dann endlich dazu, dass man bei der Unesco neu über sich und die eigenen Methoden nachdenken muss.


    Bei der Wikipedia gibt es übrigens einen sehr umfangreichen Artikel zur Waldschlößchenbrücke.

  • ^^Es gibt noch eine nächste Instanz, das Bundeverwaltungsgericht in Leipzig, erst wenn das entschieden hat ist der Rechtsstreit zuende. Die obersten Bundesrichter haben schon oft ein Urteil der niederen Gerichte kassiert. Sollte es aber dennoch geschehen, muss halt Dresden damit leben, dass der Welterbestatus weg ist. Wenn das der Preis ist, den die Dresdner für ihre Dickköpfigkeit zu zahlen bereit sind, na bitte! Die Unesco ist nämlich nicht generell gegen eine Brücke, sondern nur gegen den aktuellen Entwurf, den sie für zu grobschlächtig hält.


    Im Übrigen, die Spielregeln sind beim Zuerkennen des Welterbestatus bekannt, den Dresdnern muss klar sein, dass man sich aus der ganzen Sache nicht einfach die Rosinen herauspicken kann und bei Verpflichtungen sich mit den idiotischen Argumenten von angeblicher Erpressung und unterdrücktem Volkswillen herausreden kann. Diese Argumente stammen von den Kommunalpolitikern, die sich nur nicht die Blöse geben wollen, zuzugeben, dass sie über etwas haben abstimmen lassen, was gar nicht im Wege eines Plebiszits zu entscheiden war. Deshalb schiebt man die Schuld auf die "böse" Unseso.


    Lieber Manuel, ich glaube der Unesco ist es herzlich egal ob Dresden mitspielt oder nicht, wenn die Brücke gebaut wird ist der Status weg. Die Uneso ist eine weltweite Organisation die vor weit größeren Problemen steht, als in einem Land der ersten Welt den Eitelkeiten lokaler Provinzfürsten nachzugeben. Man stelle sich die weltweite Signalwirkung besonders in Gebieten vor, in denen das Kultur-und Naturerbe der Menscheheit aufgrund ideologischer Beschränktheit oder wirtschaftlicher Not tatsächlich bedroht ist. Jeder könnte eine Volksabstimmung abhalten und sich so den Verpflichtungen zum Erhalt von Kulturdenkmälern entziehen.


    Im übrigen hat die Unsesco noch nie einer Stadt oder einem Land den Welterbestatus gegen ihren Willen verliehen, das geschieht immer nur auf Antrag der Interessierten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Dresdner in der ganzen Welt unterwegs waren ihr ach so liebliche Elbtal und dessen Unantastbarkeit anzupreisen.

  • Also Du denkst, dass die Unesco den Status wirklich entzieht? Bisher hat die Unesco nämlich nur ziemlich hoch geblufft. Und ich denke, dass das auch so bleibt. - Das Problem ist, dass die Unesco sich damit selber obsolet machen würde. Sie beschützt die Kulturgüter, indem sie mit dem Entzug ihres Schutzes droht. Sollte das Beispiel Schule machen, steht die Unesco bald ohne Kulturgüter da. Zumal die Dresdner kaum einen Unterschied merken werden (mit / ohne Unesco). - Denk mal darüber nach, welche Signalwirkung die Unesco wirklich erzeugen würde, wenn sie wegen dieser Brücke den Status entzieht und es letztlich ohne Auswirkung bleibt.


    Mit der 150%-Taktik hat die Unesco sich folglich in die denkbar schlechteste Situation gebracht. Und das in der Tat vor dem Hintergrund, dass es wichtiger Aufgaben gibt, als die Dresdner Elbwiesen zu schützen und es wichtigere Schlachten zu schlagen gäbe.


    Und eines ist definitiv sicher: Kein Deutsches Gericht wird das Ergebnis einer ordentlichen und gültigen Wahl kassieren, weil eine internationale Organisation mit Liebesentzug droht.

  • zurück zur Brücke

    Ich denke, man sollte Abstand nehmen von dieser Prinzipienreiterei. Auf beiden Seiten gibt es Argumente, nämlich auf der einen dass die Volksabstimmung dafür entschieden hat, zum anderen, dass sie dies vielleicht nicht getan hätte, wenn es klar gewesen wäre, dass das Unesco Welterbe verloren gehen kann.


    Man sollte doch nochmal zurück zur Brücke kommen. Ist sie notwendig - das zweifle ich an, Staus zur Stosszeit sind doch normal, Grüsse aus London wo die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 6 km/h liegt und die Stadt trotzdem nicht zubetoniert wird.


    Wichtiger ist mir aber: der Lärm. Angeblich klagen 50 Mio Einwohner in Deutschland über Lärm. Wenn die Brücke gebaut wird, dann werden die gesamten Elbwiesen darum herum als Erholungsgebiet verloren gehen, da es zu laut wird. Abschreckende Beispiele: Düsseldorf, die Rheinpromenade ist meistens ziemlich leer und da dröhnt es wie blöd von der Autobahnbrücke - deswegen funktioniert auch nicht die Anbindung des Medienhafens, da muss man unter der dröhnenden Brücke durchlaufen. Eisenbahnbrücke am Frankfurter Bahnhof: mindert die Wohnqualität im neuen Westhafen. Von der Ostseeautobahn hört man auch, dass viele Leute nun über Lärm klagen.


    Man sollte dringend beim Strassenbau umdenken, die Strassendichte in Deutschland halte ich für übertrieben, und viele Strassen sind zu breit. Gerade im Osten gibt es so viele neue Strassen, die zu 95% der Zeit leer sind. Ist nicht nur Geldverschwendung. Bewahrung der Natur und Berücksichtigung des Lärmproblems sollte nach meiner Ansicht wichtiger genommen werden, als dies zur Zeit der Fall ist. Ich denke langfristig ist es besser für die Attraktivität von Dresden, wenn die Brücke nicht gebaut wird.

  • ^
    Sehe ich genauso. Immer nur neue Straßen bauen kann echt keine Lösung sein. Ausserdem stellt sich für mich auch die Frage: Ist durch den Bau dieser Brücke echt so viel in puncto Verkehrsentlastung gewonnen? Kann da nicht etwas über P&R gemacht werden? Vielleicht wäre das ja eine Lösung.

  • laut dem neuen spiegel wird durch den bau der brücke nicht nur dem elbtal der sonderstatus entzogen sondern es werden angeblich in ganz deutschland schützenswerten stätten in zukunft nicht mehr anerkannt. was man davon halten soll...?
    davon mal abgesehen wäre ein tunnel an der stelle sicher die bessere (aber auch teurere) alternative. obwohl ne historisierende brücke auch ganz gut werden könnte...

  • stand schon mal jemand an der stelle wo die brücke gebaut werden soll?


    meiner meinung nach stört die brücke an dieser stelle das bekannte dresden-ensemble nicht...die brücke steht viel zu weit elbaufwärts um das bild zu stören...die carolabrücke ist das störende bauwerk...


    ich begrüße die entscheidung....

  • Um sich noch einmal ein Bild davon zu machen, wie die Brücke einmal aussehen soll, stelle ich sie hier einfach nochmal rein


    Computersimulation der Waldschlösschenbrücke


    Der Link stammt aus dem aktuellen SPIEGEL und ist daher nur als solcher angegeben.
    Ich finde, dass sie von der Ästhetik her Geschmackssache ist, aber wenn die Elbwiesen so sehr als Liegeplatz und als Ort zum Sich-in-der-Sonne-brutzeln-lassen geschätzt werden, dann meine ich auch, dass ein Tunnel oder eine Aufgabe des Projektes die bessere Wahl wäre.

  • Dresden scheitert mit Klage vor Bundesverfassungsgericht

    Das Bundesverfassungsgericht wies heute eine Klage der sächsischen Landeshauptstadt zurück.


    Aus der Pressemitteilung des BVG:


    Die Welterbekonvention bietet nach Konzeption und Wortlaut keinen absoluten Schutz gegen jede Veränderung der eingetragenen Stätten des Kultur- und Naturerbes. Die Vertragsstaaten des Übereinkommens haben ausdrücklich die Souveränität der Staaten, in deren Hoheitsgebiet sich die geschützten Stätten befinden, und die bestehenden Eigentumsrechte anerkannt.


    [...]


    In Anbetracht dieses völkerrechtlichen Rahmens ist es verfassungsrechtlich möglich, dass sich der in einer förmlichen Abstimmung festgestellte Bürgerwille, als authentische Ausdrucksform unmittelbarer Demokratie, in einem Konflikt über die planerische Fortentwicklung einer Kulturlandschaft durchsetzt. [...] Als Folge müssen dann die möglichen Nachteile aus der Entscheidung – wie etwa der Verlust des Welterbestatus und ein damit einhergehender Ansehensverlust – in Kauf genommen werden.


    Also wird die Brücke gebaut. - Die Mehrheit der Dresdner Bevölkerung hat es so entschieden. :daumen:


    Pressemitteilung des BVG


    Mittlerweile gibt es auch einen Beitrag auf welt.de dazu:
    Dresden unterliegt auch in Karlsruhe

  • Möglichkeit 1: Verkehrstechnisch ist ein Tunnel doch äquivalent zu einer Brücke. Warum kann man das Abstimmungsergebnis für die Brücke nicht verwenden, um einen Tunnel zu bauen?


    Möglichkeit 2: Warum wiederholt man nicht die Bürgerbefragung? Schließlich hat sich seit damals eine neue Situation ergeben. Der "Bürgerwille" wusste bei der Abstimmung ja nichts von einem drohenden Verlust des Welterbestatus. Heute würde die Befragung sicher zuungunsten einer Brücke ausgehen.

  • Solange abstimmen lassen, bis den Herren das Ergebnis passt? - Was hätte das noch mit Demokratie zu tun?


    Das BVG hat vollkommen Recht: Das hätte die Bevölkerung schlicht früher wissen können. - Und sie hat es auch gewusst. Sie ist befragt worden, hat sich entschieden und das gilt nun. Etwaige vermeintliche Nachteile, sagt das BVG, müssen hingenommen werden.


    Und nun wollen wir erst einmal abwarten, ob die Unesco wirklich die Drohung in die Tat umsetzt und dann wollen wir ersteinmal abwarten, was sich überhaupt ändern würde, wenn es passiert. - Meines Erachtens würde sich nämlich glatt garnichts ändern und die Unesco würde als zahnloser Tiger dastehen. - Die haben so oder so zu hoch gepokert.


    Der Witz wäre: Durch diese ganzen Aktionen erhöht sich der Bekanntheitsgrad Dresdens noch mehr und es kommen noch mehr Touristen. :D

  • Warum hat man in Dresden denn nie an einen Tunnel gedacht?


    Wenn ich denn schon unbedingt im Weltkulturerbe-Gebiet etwas so Großes bauen möchte, dann doch so, dass man's nicht sieht. Wenn man die negativen Presseberichte, das Gerichtshickhack und den drohenden Verlust des UNESCO-Titels berücksichtigt, kann die Brücke doch gar nicht mehr so teuer sein. Eine schöne Flusslandschaft hat ja auch einen Wert - und sei's nur ein ästhetischer.

  • Sie wussten was sie wollen und haben mehrheitlich dafür gestimmt. Trotzdem denke ich, dass ein neuer Brückenentwurf möglich sein sollte. Und wenn man damit 1.) der Bevölkerung ihre Brücke und 2.) der Unesco ihren Kompromiss geben kann, sollte man eine schlankere Version bauen.


    Was bitte spricht denn dagegen, die Architektur der Brücke noch einmal zu überarbeiten? – Die Bevölkerung hat über eine Brücke abgestimmt, nicht über die konkrete Architektur der Brücke.


    Aber das die Unesco nun auf einen solchen Kompromiss eingehen will, ist schon bezeichnend!