Dresden: Waldschlösschenbrücke [realisiert]

  • Dresden: Waldschlösschenbrücke [realisiert]

    Hallo, ich dachte, ein Forum zur Diskussion um das Weltkulturerbe des Elbtals und der Waldschlößchenbrücke wäre ganz interessant. Genau darum geht es in einem heutigen Artikel der FAZ, die sich aber eher mit juristischen Fragen auseinandersetzt. (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB…Tpl~Ecommon~Sspezial.html)


    Wie seht Ihr die Sache denn von der Stadtentwicklung her? Meine Meinung dazu ist, dass bei meinem letzten Dresdenbesuch alle Brücken eigentlich immer ziemlich leer waren. Als ich zum ersten Mal von den Plänen der Waldschlößchenbrücke hörte, habe ich mich deswegen gewundert, warum man einen so schönen Park durch eine Brücke kaputtmachen will.


    Ich denke Brücken sind auch sehr laut. Die Düsseldorfer Rheinbrücke ist schrecklich laut, macht gar keinen Spass, von der Altstadt zum Medienhafen zu laufen, und dadurch geht der Bezug der zwei Stadtquartiere meiner Ansicht nach verloren.

  • Tja, hier haben sich die Dresdner für ein Bauwerk entschieden, dass gegen die Auflagen der Unesco verstößt. Mir ist auch schleierhaft, warum man hier einen so schönen Landschaftspark kaputt machen will, mit einem Bauwerk, dass höchstens einmal seinen Zweck erfüllen wird, wenn Deutschland mal wieder eine WM ausrichtet oder wenn Dresden unerwarteter Weise die Touristenzahlen von Paris und Nizza sprengen sollte. Deshalb ist die Frage, ob diese Brücke wirklich nötig ist mehr als berechtigt. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Unesco den Welterbestatus aberkennt, falls sich Dresden für den Brückenbau entschiedet. Die Dresdner sollten deshalb vor einen neuen Bürgerentscheid gestellt werden: "Waldschlösschenbrücke oder Weltkulturerbe". Ansonsten darf man nur darauf hoffen, dass Berlin regulierend eingreift.


    Gruß


    semper

  • Aber soll es wirklich in Ordnung gehen, dass die Unesco hier bestimmt, was gebaut wird und was nicht? Sollen wir akzeptieren, dass die Unesco den Status aberkennt, weil eine Blickachse verändert wird?


    Und bitteschön: Es gab eine Volksabstimmung und eine klare Mehrheit für den Bau der Brücke. Wie kann es angehen, dass nunmehr über den klar formulierten Willen der Bevölkerung, des Souveräns, hinweg entschieden, das Ergebnis ignoriert wird?


    Diese Brücke ist vermutlich unsinnig, muss dann auch nicht gebaut werden und entsprechend kann man auf den ganzen Konflikt wohl verzichten. - Das ändert aber nichts am m.E. mehr als zweifelhaften Auftreten der Unesco. Keiner weiteren Deutschen Stadt oder Region kann empfohlen werden, sich bei der Unesco auf die Liste setzen zu lassen. Seitens Landes- und Bundespolitik sollten solche Bestreben sogar unterbunden werden.

  • Manuel , mit der Unesco gebe ich dir schon recht. Aber das mit dem Volksentscheid will ich nicht nachvollziehen. Es ist ziemlich fraglich, ob die Buerger genauso abgestimmt haetten, wenn sie ueber die ganzen Konsequenzen des projekts gewusst haetten. Deshalb faende ich es nun auch falsch, diesen Volksentscheid nun blind durchzusetzen.

  • Er wird ja vermutlich auch nicht durchgesetzt. Trotzdem stellt sich aber die Frage, ob der Bürger nun mündig ist oder nicht. Ist er es, müsste dieser Volksentscheid eigentlich gelten. Die Bürger mal auf Probe wählen zu lassen, solange an die Urne zu schicken, bis das Ergebnis passt oder bis man sicher sein kann, dass sie das auch wirklich wollen, was sie gewählt haben, geht eigentlich nicht.


    Streng genommen muss es also heißen: Der Souverän hat entschieden und nun wird es auch so gemacht.


    Aber sei´s drum, darum gehts hier ja auch nicht.


    Ich behaupte einfach mal, dass es nicht sehr viele Länder auf der Welt gibt, die mehr für den Schutz heimischer Denkmäler machen, als wir. Und wir brauchen keine UNO-Architekturfriedenstruppe, die für uns die Entscheidungen trifft, bzw. regelrecht zum vermeintlich eigenen Wohle erpresst.


    Diese Brücke hätte eine Blickachse beeinträchtigt. So zu tun, als ob das gesamte Stadtbild ganz Dresdens damit unwiederbringlich zerstört wäre, ist zudem maßlos übertrieben.

  • Manuel


    erstens muss hier mal klar gestellt werden, dass es richtig ist, dass das Volk sich für die Brücke entschieden hat. Nach den neuesten Umfragen, nachdem das Volk jetzt die Konsequenzen kennt, ist die Mehrheit jedoch nun gegen die Brücke. Doch Bürgermeister und auch Landespolitiker wollen weder den geänderten Willen des Volkes noch den Beschluss des Stadtrates akzeptieren.


    Zur Unesco muss man sagen, dass nicht etwa die Dresdner Altstadt, Zwinger oder Semperoper den Welterbetitel tragen, sondern einzig und allein das Elbtal und dieses wird eben durch die Brücke entstellt. Hier eine Brücke bauen zu wollen ist als ob man die Bamberger Altstadt abreist und sich dann wundert, dass die Unesco den Weltkulturerbetitel aberkennt.


    Gruß


    semper

  • Eben, nachdem das Volk die Konsequenzen kennt will es nun doch nicht. Aber dabei geht es nicht darum, dass das Elbtal verändert wird (das war von vornherein klar), sondern darum, dass die Unesco sagt, ihr habt falsch gewählt und wenn ihr das umsetzt werden wir Euch bestrafen.

  • natürlich geht es darum, dass das Elbtal verändert wird und zwar einzig und allein darum! Die Unesco sagt nicht, dass das Volk falsch gewählt hat, sie sagt nur, dass diese Entschiedung nicht mit den vertraglich festgelegten Bedingungen (die die Stadt Dresden liebendgern unterschrieben hat) übereinstimmt. Wie bei jedem Vertrag, der gebrochen wird ziehen die Vertragspartner die Konsequenzen. Die Beförderung des Elbtals auf die Rote Liste ist der Warnschuss, den Vertrag nicht zu verletzten. Der Unesco kann man hier wirklich keine Schuld geben. Das Volk hätte vorher schon von den Politikern ausreichend über jegliche Konsequenzen informiert werden müssen. Wie man aber jetzt sieht hat die Politik wohl gar kein Interesse am Volkswillen, noch am Weltkulturerbestatus!


    Gruß


    semper

  • Nein Semper, für so dumm halte ich die Dresdner nicht. Die haben von Anfang an gewusst, dass eine Brücke durch das Elbtal selbiges natürlich verändert. Ist ja wohl auch logisch. Trotzdem haben sie mit ja gestimmt. Nachdem die Unesco dann angefangen hat, die Stadt zu erpressen, haben die Dresdner es sich anders überlegt. - Die Unesco ist also das einzige Organ, dass legitim über der Demokratie steht.


    Früher oder Später wird die erste Deutsche Stadt ihren Status aufgeben. Das ist dann ein sehr guter Tag für das Land.

  • Im Dresdner Rathaus ist das Thema längst zur Posse verkommen. Jetzt soll wieder mal abgestimmt werden. Ist ja auch am einfachsten. Man lässt die Bürger so lange wählen bis man in der Politik das Ergebnis hat, das man sich wünscht. Wieso dann überhaupt die Bürger entscheiden lassen was mit ihrer Stadt passiert? Die Dresdner sollten erneut geschlossen für die Brücke stimmen und der Unesco die Grenzen aufzeigen. Es darf einfach nicht sein das eine weltfremde Organisation deren Nutzen durch den Titel Weltkulturerbe mehr als fraglich ist, zum permanenten Vernichter der Zukunft Deutscher Städte wird!
    Liebe Dresdner - jagt die Unesco da hin zurück wo sie hergekommen ist. Einzige Alternative wäre die Unesco selbst - diese wichtige Institution der Welt und Inhaber alles Wissens kommt selbst für die Mehrkosten eines Tunnelbaus auf. Dann könnte man reden. Vorher nicht.

  • Etwas merkwürdige Diskussion hier.


    Erstens ist es doch wohl so, dass der Bürgerwille bei politischen Entscheidungen der Stadt Dresden bisher keine große Rolle gespielt hat. Ein Bürgerbegehren mit dem Ziel der Einhaltung der Gestaltungssatzung am Neumarkt, für das die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden über 60.000 Unterschriften gesammelt hat, wurde einfach vom Tisch gefegt, wohl in der nicht irrigen Annahme, die GHND habe sowieso keine Mittel für einen Rechtsstreit. Sich jetzt also bei diesem Brückenprojekt seitens der Stadt auf den Bürgerwillen zu berufen, ist grotesk. Der Bürgerwille findet ganz offensichtlich nur dann Beachtung, wenn er mit dem politischen Willen in Einklang steht.


    Zweitens, die Stadt schmückt sich gern mit dem Titel des Weltkulturerbes für das Elbtal. Nun muss man einsehen, dass dieser Titel kein Selbstläufer ist, sondern Verantwortung verlangt. Während man beim Hochhausstreit in Köln noch eine gewisse Inkonsequenz in der Haltung der Unesco ausmachen konnte, trifft das in diesem Fall nicht zu. Wenn die Elbauen unmittelbar zum Weltkulturerbe gehören, kann man nicht einfach eine Brücke durchbauen.

  • CityHai


    Also für eine eher unnötige Brücke stimmen; einfach nur "aus Prinzip" um die Unesco zu verjagen? Finde ich ziemlich absurd..wenn die bestehenden Brücken (soweit ich weiß 4 Stück in der City) ausreichend sind warum dann die Konfrontation suchen, viel Geld ausgeben und Park plus Talansicht zerstören?

  • Die Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Starrsinn ist oft fließend und in Dresden leider längst überschritten. Die Unesco hat in ihrer Entscheidung nicht generell gegen einen Brückenschlag entschieden, sondern nur gegen den beabsichtigten Entwurf, der an Grobschächtigkeit nicht zu überbieten ist. Leider verwechseln die Dresdner in diesem Falle Bürgersinn mit Wagenburgmentalität und verkennen, dass Dresdens einzig ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor der Tourismus ist (das bisschen IT-Technologie drum herum trägt jedenfalls nicht eine Wirtschaftsregion). Insoweit war man dabei sich aus falsch verstandener Eitelkeit den Ast abzuschneiden auf dem man sitzt. Die Notwendigkeit einer weiteren Elbquerung ist durchaus vorhanden. Zwei Möglichkeiten stehen nun zur Verfügung. Entweder man erarbeitet einen neuen Entwurf in Abstimmung mit der Unseco, der den ästhetischen Erfodernissen der Kulturlandschaft Elbetal genügt oder man baut einen Tunnel unter der Elbe. Leider sind die Fronten verhärtet und die Dresdner Volksseele folgt schon lange nicht mehr dem gesunden Menschenverstand.

  • Zitat von sebastian c

    Also für eine eher unnötige Brücke stimmen; einfach nur "aus Prinzip" um die Unesco zu verjagen?


    Das sehen die Dresdner aber ganz anders sebastianc. Die aktuelle Verkehrslage in Dresden ist schlicht katastrophal. Ewige Staus zu den Stosszeiten belegen dies. Eine Berechtigung für den Bau ist klar vorhanden, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Viel wesentlicher fallen mir folgende äußerst fragwürdige Umstände ein, die mit Sicherheit der Diskussion bedürfen:


    - Hat der Unesco Titel einen Nutzen für Dresden?
    - Wieso lässt man die Bürger erneut abstimmen?
    - Wer kommt für die Mehrkosten eines evtl. Tunnels auf?
    - Hat die Unesco das Recht sich permanent als Verhinderer wichtiger Projekte vor allem in Deutschland wohlgemerkt zu präsentieren?
    - bisher konnte die Unesco nur verhindern - doch das wird der Realität nicht gerecht. Wo sind die bezahlbahren alternativen Vorschläge der Unesco?

  • Zitat von rako

    und verkennen, dass Dresdens einzig ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor der Tourismus ist (das bisschen IT-Technologie drum herum trägt jedenfalls nicht eine Wirtschaftsregion).


    Tatsächlich? Dresden lebt vom Tourismus und sonstige Technologiefirmen in und um Dresden sind ein Zubrot? Oder ist es nicht vielmehr umgekehrt? Da solltest Du Dich vielleicht noch einmal informieren.

  • Verstehe die Diskussion nicht

    Ich verstehe die Diskussion nicht. Wenn die UNESCO sagt, dass mit Brücke das Elbtal kein Weltkulturerbe mehr sein wird, dann ist das doch OK. Wenn die Bürger nun entscheiden, dass ihnen das das Weltkulturerbe nicht so wichtig ist, sondern sie lieber die Brücke haben wollen, dann ist das doch auch ok. Wo ist das Problem?


    Ich möchte mal von dieser Diskussion etwas wegkommen. Es ist denke ich fatal zu glauben, immer mehr Strassen bringen mehr Wachstum. Dem ist nicht so. Ich lebe hier in der reichsten Stadt Europas (London) und die Verkehrsverhältnisse sind grotesk. Neulich stand ich um Mitternacht in einem 5km Stau, sowas kann auch schon mal um 2h morgens passieren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt glaube ich unter 10km/h in der Stadt. Es könnte einen oft zur Weissglut bringen, es gibt einfach nicht genug Strassen, keine Tunnels, zuwenig Brücken. Dem Wohlstand tut das überhaupt keinen Abbruch, wirklich null.


    Dass Dresden sich durch die WBrücke entwickeln wird, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil. Schnelle Erschliessung des Umlands führt nur dazu, dass mehr Leute nach draussen ziehen, und so verlieren die Städte an Attraktivität (ist meiner Ansicht nach ein Problem in Frankfurt). Lieber den Verkehrsfluss einschränken, dann müssen die Bürger stadtnäher wohnen und die Städte werden belebter.

  • Zitat von vondraussen

    Es ist denke ich fatal zu glauben, immer mehr Strassen bringen mehr Wachstum.
    Schnelle Erschliessung des Umlands führt nur dazu, dass mehr Leute nach draussen ziehen, und so verlieren die Städte an Attraktivität (ist meiner Ansicht nach ein Problem in Frankfurt). Lieber den Verkehrsfluss einschränken, dann müssen die Bürger stadtnäher wohnen und die Städte werden belebter.


    Sorry, ich respektiere deine Sichtweise aber bei diesen Argumenten kann man ziemlich leicht gegensätzlicher Meinung sein.
    Niemand behauptet das es bei der WBrücke um Wachstum geht. Es geht darum die bestehenden meist historischen Brücken im Innenstadt Bereich zu entlasten. Tägliche Kilometerlange Staus zu den Stosszeiten sprechen eine eindeutige Sprache und genügen als Argument für den Bau einer weiteren Brücke. Diese Brücke wird kaum dafür sorgen das die Dresdner ihre schöne Stadt verlassen werden. Im Gegenteil. Sollte der Verkehrsfluss endlich angemessen laufen können, wird das sich positiv auf die Innenstadt auswirken und auch auf die dort gelegenen Wohnungen. (Lass uns schnell in der Innenstadt was einkaufen, dauert ja nicht länger als zum Grossmarkt auf der grünen Wiese)
    London kann man wirklich in keinster Weise mit Dresden vergleichen. Das fängt bei der Struktur an (London besteht aus etlichen eingenständigen Städten mit der Grösse Dresdens) und zweitens ist ein Nahverkehrsnetz wie in London undenkbar in einem "Städtchen" wie Dresden. zum Autoverkehr gibt es in den meisten Deutschen Städten keine Alternativen da diese nicht finanzierbar sind.

  • "... sowohl Grüne als auch Linkspartei fordern, dass sich der Bund einschaltet" Kunststück. Grünenwähler haben meist noch keinen Führerschein (ausserdem kommt man von den trendigen Innenstadtwohnungen meist recht gut mit dem Fahrrad zur Uni) und PDS-Wähler dürfen von Amts wegen kein Auto besitzen, wenn sie volle Transferleistungen beziehen wollen (beziehungsweise sind zu alt, um übeerhaupt noch bis zum nächsten Verkehrsschild gucken zu können):D. Willkommen im Land der Klientelpolitiker!



    Hut ab vor dem virtuellen Elbfug! Da muss jemand 'ne ordentliche Hardware besitzen. Sofern die im Film gezeigten Perspektiven nicht geschönt sind frage ich mich, welchen direkten Einfluss auf die Sichtbeziehungen Dresdens historischer Mitte die neue Brücke besitzen soll. Beim Tagesschau-Videostream sieht's dagegen ganz anders aus, man könnte zumindest mehr Einfluss vermuten. Oder geht's garnicht um den bourgeoisen und klerikalen Kern Dresdens, sondern um die direkt angrenzenden Areale?