Ganz tolle besondere visionäre Entwürfe sind seltsamerweise immer plötzlich ausgerechnet dort möglich, wo es gilt eine Rekonstruktion zu verhindern. Gut, ich hab nur auf diese Kommentare gewartet. Wo ist denn all die grandiose Architektur auf den unzähligen zentral gelegenen Bauplätzen in Berlin und anderswo, den herrlichen Wasserlagen an der Spree, dem Alexanderplatz, Hauptbahnhof, Kulturforum, dem Friedrichswerder direkt nebenan? Hier haben wir den seltenen Fall, dass tatsächlich Mal ein zweifellos toller Entwurf vorliegt, der zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, was ihn aber nicht schlechter, vor allem nicht weniger bedeutsam macht. Gut, dass er jetzt, äußerlich hoffentlich 1:1, umgesetzt wird.
Bauakademie - Rekonstruktion und Geschichte
-
-
-
Chill

Ich habe ein Beispiel genannt, von dem ich meine, dass es ein positives Beispiel einer neu interpretierten Bauakademie hätte sein können, im Gegensatz zu Ziegels Beispielen.
Dass Schinkels Bauakademie damals hochmodern und zukunftsweisend war und man daher selbstverständlich auch wieder diesen Ansatz hätte wählen können, sollte jetzt nicht solche Reaktionen herbeiführen...
-
Ist schon gut. Natürlich geht es auch heute weit besser als diese Entwürfe, keine Frage. Darauf zählen sollte man allerdings nicht und ich orientiere mich da allein an dem, was ich in der Vergangenheit in Berlin beobachten durfte.
-
"The Cradle" in Düsseldorf ist einer der seltenen zeitgenössischen Entwürfe, die Kreativität, Detailfreude, Plastizität und Proportion haben. Aber als Bauakademie auf dem Schinkelplatz? An diesem Gedankenspiel sieht man, dass "The Cradle" eines eben nicht hat: örtliche Verankerung und historische Tiefe. Es kann hier stehen oder auch dort. Die Bauakademie ist zwar auch ein seriell gedachter Bau, aber dessen Gestaltung lässt sich durchaus aus seinem Standort ableiten. Und hinzu kommt die Geschichte des Bauwerks, das von Preußischer Innovationskraft erzählt, von den Zerstörungen der Weltkriege und dem Furor des Sozialismus und ebenso von den Mühlen der Demokratie. Schinkels Akademiegebäude in den Düsseldorfer Medienhafen zu stellen, würde nicht den geringsten Sinn ergeben.
Das Bauwerk ist mit dem Ort verbunden und umgekehrt, der Ort, der Platz, ist ja sogar nach dem Architekten des Gebäudes benannt, der auch darin residierte. "The Cradle" ist als Bauwerk ebenso anonym wie seine Urheber, ein Ameisenhaufen aus 450 Büromitarbeitern, die wie von Zauberhand ihre Entwürfe über der Welt verstreuen. Ein guter Entwurf ist noch lange nicht ein herausragender, ein epochaler, ein historischer Entwurf. Und wenn man einen solchen zur Hand hat, der auch noch wunderbar ins Heute passt, dann ist es schon sehr um die Ecke gedacht, lieber den Spatz auf dem Dach als die Taube in der Hand zu wählen.
-
Der Schinkelplatz wurde in zeitgenössischem "Stil" errichtet und kolossal vermurkst. Daher bin ich froh, dass man sich an diesem Standort nicht wieder auf zeitgenössisches Bauen einlässt, da es einfach in unserem ökonomischen und regulatorischen Umfeld nur äußerst selten Ergebnisse hervorbringt, die über Mittelmaß hinauskommen. Bestenfalls. Das ist sehr schade, da wir durchaus viele Architekten haben, die tolle Bauten realisieren könnten, aber es klappt eben nur sehr selten.
-
Der Entwurf von Andrej Nicolai Harton war außen und vor allem innen stimmig.
Bei der Fassadenrekonstruktion habe ich die Befürchtung, dass man dann wie angedeutet die Innengestaltung möglichst modern / minimalistisch als Kontrast zur historischen Fassade ausführt, wie schon beim Humboldt-Forum.
-
Der Entwurf von Andrej Nicolai Harton
"Zweigstelle vom ALEXA" war meine erste Assoziation. Sorry, aber so eine beliebig wirkende Schnörkelei fände ich nur marginal besser als diese studentischen Betonwürfel.
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen. Die Wahrscheinlichkeit hier eine hochwertige, mit dem unmittelbaren Umfeld harmonisierende moderne Neugestaltung zu bekommen, ist erfahrungsgemäß einfach extrem gering. Die Masse der bisher veröffentlichten Vorschläge zu einer Neugestaltung der Bauakademie spricht doch eine deutliche Sprache, wo die Reise hingehen würde, auch wenn es sich bei manchen um studentische Vorschläge handelt.
Die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade ist für mich - and dieser Stelle und unter diesen Rahmenbedingungen - die stimmige Lösung. Bei der Innengestaltung kann man sich mMn gerne modern und innovativ austoben.
-
Ein offener Wettbewerb würde wohl andere Ergebnisse erzielen, als die oben verlinkten, überwiegend studentischen, Ideen.
Das taugen jetzt nicht wirklich als Referenzen.
Schade, ich hätte da gerne Vergleichsarbeiten gesehen und zwar mit den gleichen Wettbewerbsanforderungen, ob historisch oder modern.
Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Man weiß natürlich auch dann nicht, ob etwas halbwegs Hochkarätiges herausgekommen wäre und ich vermute stark, dass ich auch dann noch für die historische Anmutung votiert hätte. So eine Ikone möchte ich einfach nicht verloren geben, wenn man schon die Chance auf eine Auferstehung hat. Aber ich hätte es wirklich gerne gesehen, was theoretisch sonst noch so gegangen wäre.
Aber im Prinzip bin ich jetzt doch einfach glücklich, dass das vermutlich bestmögliche Ergebnis nun erstmals wieder sehr hohe Chancen zu haben scheint. Und vielleicht findet man ja auch noch eine bessere Lösung für das Erdgeschoss.
-
Zum ersten Mal lese ich im Newsletter der Stiftung das Wort "Rekonstruktion", auch wenn es nur um eine digitale geht. Im Rahmen der Ausstellung „Verloren & Geborgen“ vom 11. Februar bis 8. März 2026 wird auch die Schinkelsche Bauakademie virtuell erlebbar sein, neben sechs anderen verlorenen Bauten.
Da kann sich dann vielleicht jeder selbst einen Eindruck machen, wie man das Dachgeschoss durch Dachflächenfenster belichten und wo man den barrierefreien Zugang platzieren könnte.
Am 04. März 18 Uhr gibt es eine Veranstaltung zur Bauakademie vor Ort, genaueres weiß ich nicht.
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch - Freitag: 14:00 - 19:00 Uhr
Samstag & Sonntag: 12:00 - 17:00 Uhr
-