Bauakademie - Rekonstruktion und Geschichte

  • Es muss doch deutlich werden, dass das Gebäude so nicht 200 Jahre überdauert hat, sondern ein Neubau ist. Sonst ist es doch Betrug am Betrachter, oder?

    Ich habe die Lösung dafür mal als schnelle Skizze festgehalten ;)


    skizzeu3j6d.jpg

  • Alles andere als Schinkels Bauakademie am Schinkelplatz und mit Schinkel-Denkmal davor würde ich als absurd empfinden.
    Zumindest äußerlich, finde ich, sollte es daher schon wieder Schinkels Design sein. Im Inneren können sich dann die Architekten austoben. Aber auch wirklich austoben, bitte. Ich erhoffe mir etwas Spektakuläres, eine Besonderheit ihrer Zeit, so wie die Bauakademie es zu ihrer Zeit war.

  • Wusste gar nicht das Philippe starks geisterhafte Louis Seize interpretationen in Acryl

    1. auch Richard Sapper hatte einen Acryl Stuhl gestaltet (Tosca).

    2. Hauptsache von Norman Foster werden nicht die Airline Systembestuhlungssysteme verwendet, das wäre dann wie in der Wartehalle.


    Zur Beleuchtung im Innenraum könnte man die Cestellos von G. Aulenti verwenden.

    Beim Palazzo Grassi in Venedig wurde das ja zum ersten Mal realisiert.

    Ich finde so eine Beleuchtung, sollte man in der Bauakademie hinkriegen:

    https://cdn6.iguzzini.com/geta…g.jpg?width=1000&ext=.jpg

  • Die Erwiderung zu Urbanfreaks Kommentar war richtig und nötig. Aber ich hoffe, dass es dabei bleibt und wir nicht in die bekannten und zu nichts führenden Grabenkämpfe abrutschen.


    Fakt ist, dass das Ding da mal stand und jetzt nicht mehr und nun ist dort eine (fast) freie Fläche, die bebaut werden darf.


    Fakt ist, dass die Bauakademie ein innovativer und wegweisender Bau von einem der wichtigsten Architekten der deutschen Geschichte war. So wie die Humboldt-Brüder die Wissenschaft und Lehre, Beethoven die Musik und Goethe die Dichtkunst und Literatur, hat Schenkel die Architektur revolutioniert (apropos "identitätsstiftend"...) und mit der Bauakademie einen Initialbau der Moderne geschaffen. Er schlägt eine metaphorische Brücke zwischen den vorangegangenen Epochen bis ins heutige Zeitalter. Proportionen und Formensprache finden sich selbst in den Neubauten der Gegenwart wieder. Die Bauakademie ist nicht der einzige Bau auf den diese Beschreibung zutrifft, aber wohl einer der wichtigsten. Er hat eine enorme kulturgeschichtliche Bedeutung.


    Fakt ist auch, dass wir hier im Gegensatz zu anderen Rekonstruktionsprojekten einen ganz entscheidenden Vorteil haben: Der Bau ist nicht politisch-ideologisch vorbelastet. Es handelt sich hier nicht um die Rekonstruktion eines absolutistischen Herrschaftsbaus, für den zunächst ein bestehender (partei-)absolutistischer Herrschaftsbau abgerissen werden muss. Es gibt generell keine relevanten Bestandsgebäude, die erstmal zerstört werden müssen. Von daher tun wir uns und dem Prozess keinen Gefallen, wenn wir die alten Reizthemen auch hier in die Diskussion eintragen. Wenn ich mir die bisherigen Beiträge im Forum anschaue, habe ich den Eindruck, dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer zumindest die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade befürwortet.


    Vielleicht kein Fakt aber zumindest aus meiner Sicht offensichtlich ist die unschlagbare Ensemblewirkung. Natürlich mit Schloss, Dom und dem Alten Museum, aber auch dem Deutschen Historischen Museum, Kommandantenhaus und der Friedrichwerderschen Kirche. Kontrastreich ergänzt durch die moderne, aber der Umgebung doch Respekt zollenden Wohnbebauung am Schinkelplatz, dem mutigen und mMn sehr gelungenen Neubau des Außenministeriums, dem durchaus interessanten Staatsratsgebäude und der kommenden "Einheitswippe". Ein wilder Ritt durch die Architekturgeschichte, von Klassizismus bis Postmoderne (selbst die Ostmoderne lässt sich blicken)... Mehr Wandel und Bewegung, Zerstörung und Heilung, Neu- und Wiederaufbau geht kaum. Typisch Berlin! Gäbe es eine bessere Kulisse für einen Wegweiserbau wie die Bauakademie, welcher zwischen all diesen Stilen vermittelt?


    Das Motto "So viel Schinkel wie möglich" finde ich genau richtig. Aufgrund der architekturgeschichtlichen Bedeutung des Baus und der Bestandsbebauung im Umfeld, würde auch ich zumindest die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade befürworten. Keinen der bisher gezeigten Entwürfe von merkwürdig kontemporär interpretierten Fassaden finde ich auch nur ansatzweise überzeugend. Ich halte das auch generell nicht für realistisch - da ist die Originalfassade in Form und Proportion zu ausgereift und abgestimmt. Bis man hier ein harmonisches Gesamtbild erreichen würde, wäre der Charakter der ursprünglichen Bauakademie wohl nicht mehr erkennbar. Bei den Innenräumen wäre ich gegenüber einer modernen Auslegung offen. Das wäre einfacher und schneller umzusetzen, günstiger und damit realistischer. Oder man greift den fortschrittlichen Charakter des Gebäudes auf und erprobt wirklich innovative Raumkonzepte. Mit der rekonstruierten Fassade als äußeres Gewand und einem dynamischen inneren Körper. Besonders schön wäre es natürlich, wenn sich eine spätere Nutzung des Baus der Lehre, Vermittlung, Diskussion und Gestaltung von Architektur widmet.

  • ... und mit der Bauakademie einen Initialbau der Moderne geschaffen. Er schlägt eine metaphorische Brücke zwischen den vorangegangenen Epochen bis ins heutige Zeitalter. Proportionen und Formensprache finden sich selbst in den Neubauten der Gegenwart wieder. Die Bauakademie ist nicht der einzige Bau auf den diese Beschreibung zutrifft, aber wohl einer der wichtigsten. Er hat eine enorme kulturgeschichtliche Bedeutung.

    ...

    ganz richtig. Allerdings muss man auch in Berlin das Rad nicht jedesmal neuerfinden zumal es mit dem Martin-Gropius-Bau schon in den 80er Jahren, ebenfalls einem sehr wichtigen Bau in der Folge der Bauakademie mit ähnlihem Volumen und ähnlicher Nutzung bis vor dem Krieg als Kunstgewerbemuseum und dann ähnlich stark zerstört durch Kriegseinwirkung, fas 40 Jahre als Ruine direkt an der Mauer, bewiesen hat, wie man ein solches Gebäude äusserlich wiederherstellt und im Inneren eine zeitgemässe Nutzung ermöglicht. Selbiges trifft für die Museumsbauten der Museumsinsel oder die unlängst fertiggestelle Staatsbibliothek zu.

    Eine Aufgabe wie diese sollte man Herrn Chipperfield übertragen, der kennt sich inzwischen mit den Berliner 'Spezialitäten' wohl zur Genüge aus.


    link zum MGB:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Martin-Gropius-Bau

  • Um die Diskussion wieder etwas zu versachlichen, wollte ich auf den heutigen Artikel im BauNetz hinweisen.


    Dort wird auf die Wichtigkeit der Ausschreibung des Realisierungswettbewerbs hingewiesen. Dazu hat die Bundesstiftung Bauakademie einen „Thinktank Wettbewerb“ berufen. Der trifft sich im August, September und Oktober an vier Tagen, um möglichst griffige Handlungsempfehlungen für die Ausschreibung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) auszusprechen.


    Dieses 17-köpfige Gremium setzt sich sowohl aus Reko-Befürworter(innen) als auch aus Befürworter(innen) progressiver Lösungsansätze zusammen. Wer es ist, kann hier nachgelesen werden.


    Parallel zu den Workshops des Thinktanks sind alle Interessierten - also auch wir hier - eingeladen, an einer „Werkstatt Bauakademie“ teilzunehmen. Ergebnisse und Statements sollen direkten Einfluss auf die Diskussionen des Thinktanks haben. Anmeldung bis zum 5. August unter werkstatt@bundesstiftung-bauakademie.de anmelden.


    Hier noch die Webseite der Bundesstiftung.



  • Dieses 17-köpfige Gremium setzt sich sowohl aus Reko-Befürworter(innen) als auch aus Befürworter(innen) progressiver Lösungsansätze zusammen. Wer es ist, kann hier nachgelesen werden.


    Ernstgemeinte Frage: Was haben denn in diesem Zusammenhang "progressive Lösungsansätze" zu bedeuten, bzw. warum wird hier ein Gegensatz zwischen Rekonstruktion und Progressivität suggeriert?


    Die Bewahrung (bzw. Wiederauflebung) bedeutender architektonischer Werke finde ich äußerst progressiv. Das Barney-Stinson-Mantra "Neu ist *immer* besser" ist da eher ein alter Hut.

  • Popper


    Ich habe ja nur aus dem BauNetz-Artikel zitiert. Es spielen natürlich noch viel mehr Dinge eine Rolle, z.B. Nachhaltigkeit oder Interdisziplinarität. Es ist auf jeden Fall ein breites Spektrum und man wird abwarten müssen, was die zustande bringen.


    Aber dann kommt ja auch erst der Wettbewerb und der wird zeigen, ob es „progressivere“ Lösungen jenseits der 1:1 Rekonstruktion gibt. Und dann wird es noch ein illusteres Preisrichtergremium geben und natürlich viele Diskussionen hier im Forum :).

  • ich muss gestehen ich mag den Tosca überhaupt nicht - ich muss bei muss bei der formalen Ähnlichkeit unweigerlich an die kaputten Billigheimerplastestühle denken die bis in die 2000er an den unmöglichsten Orten entsorgt wurden.


    Der Airline ist mir auch zu sperrig und technoid - das passt sicher ins Wartezimmer beim Arzt oder mit seiner Anmutung eines ausgebauten Verkehrsmittelsitzes sinnigerweise in nen Busbahnhof, Flughafem oder in die fiktive 2000er Version der Hindenburg.


    Irgendwie ist mir der Gedanke an eine Verwendung von themenfremden, letztlich nur selbstreferenziellen Designikonen, ausgerechnet in einem initial auf Schinkel und seinem Andenken berufenem Projekt auch nicht wirklich nahe.

    Ich möchte die xte überteuerte Reedition von Mythisierten Objekten Aus der Vitra-Kollektion und Co eigentlich eher nicht dort sehen.


    Ich fänds da eher angemessen Schinkels Tafelstuhlmodellentwurf von 1822/23 der unter anderem im Schinkelpavillon in Charlottenburg Verwendung fand, aufzurufen - den empfinde ich als elegant, pur und zeitlos ohne unbehaglich zu sein


    Vorstellbar wäre eine Verwendung in einem etwaigen Café oder einer Restauration im Gebäude.


    Für die übrige Auststattung wäre für mich eine zeitgenössisch orientierte Auseinandersetzung mit Schinkel und seiner Bauakademie, im Rahmen eines interdisziplinären Projektes zwischen TU und evtl. der Designhochschule Weißensee

    naheliegend.


    Das hätte in gewisser Weise sogar Tradition.


    Schinkel kann wohl als erster bedeutender Produkt/Industriedesigner gelten, er entwarf sowohl singuläre Ausstattungsobjekte für die Räume seiner Gebäude als auch Gebrauchsgüter für die serielle Fertigung.


    Die TU als Produkt der Zusammenlegung aus der BA am Spreekanal und Gewerbeakademie(Gewerbeinstitut)in der Klosterstraße 36 von 1829 von kann gleich auf 2 bedeutende zerstörte Stammbauten von Schinkel zurückblicken.

    Damit sollte die TU mit einer erklecklichen Anzahl von notwendigen Begabungen aus ihren Disziplinen für den sensiblen Wiederauf- und Innenausbau eines Gebäudes wie die BA eigentlich motiviert aber mind. in ihrer Kompetenz ein geeigneter Akteur für den Wiederaufbau sein.
    Die Position der TU zur nunmehr nur noch erwogenen Rekonstruktion des Gebäudes od wenigstens seiner Fassade erscheint mir jedoch prominent, zumindest mit Von Buttlar und Bodenschatz eher widerstreitend.


    Ich weiß noch gar nicht was ich von diesem Neusten Debattiercoup der Bundeststiftung Bauakademie halten soll - wenn es sich effektiv für die Fertigstellung des Baues lediglich um das moderierte erreichen von „Handlungsempfehlungen“ zur Wettbewerbsausschreibung handeln soll - das wäre doch dann in Eigenschaft einer Empfehlung eher unverbindlich und in diesem vorgelagerten Prozess mit einer „vielleicht möglichen“ konkreten Konsequenz auf eine eventuelle Formel zur Wettbewerbsausschreibung darf man sich dann als Stimmungsbarometer und Impulsgeber beteiligen das vielleicht Einfluss auf den Diskussionsverlauf innerhalb dieses Gremiums hat.

    Versteh ich das so richtig?


    Ich kann mir nicht helfen aber diese Form von Beteiligungs- „HURZ“ - „kommt mir komisch vor“ wann will man denn mit dem Bau anfangen, zum 200järigen von Schinkels BA in 2036 oder gar zum 100. Jahrestag der Zerstörung in 2062.

    Gibts da n zeitlichen Zielpunkt, hab ich den überlesen?

  • Das ist doch unglaublich, dass dieses Projekt immer noch im Sand steht, obwohl alle Fachmänner einstimmig die Rekonstruktion befürworten !


    [...]


    Mein lieber Karl Friedrich ! Wie lange sollst du noch warten, bis dein einmaliges Objekt wieder steht ?


    Das ist ein Zitat aus dem allerersten Post dieses Strangs #1, geschrieben vor 19 Jahren (!), also noch vor der Amtszeit Merkels. Inzwischen wurde das Schloss wiederaufgebaut, der Flughafen fertig gestellt, Chinas BIP verdoppelte sich in dieser Zeit... Is es da nicht tröstlich, dass in einer Welt des beschleunigten Wandels und der Ungewissheiten man sich wenigstens auf eines verlassen kann: dass der Wiederaufbau der Bauakademie nicht vom Fleck kommt?

  • Laut dem Tagesspiegel plant die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine Verordnung zu erlassen, die eine Rekonstruktion der Fassade zwingend vorschreibt.


    Sollte das stimmen, spricht das dafür, dass die neue Baudirektorin ihre Handschrift durchsetzt. Dies wäre sehr erfreulich!

  • Das ist ja mal eine erfreulich Nachricht. Und längst überfällig nach all dem Hin und Her der letzten Jahre. Städtebaulich kann dieser Platz meiner Ansicht nach nur funktionieren, wenn Schinkel vor Ort auch noch erlebbar ist. Wie man den Innenausbau der Bauakademie gestaltet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

  • Ja, sicherlich ist die Schinkel´sche Fassade eine wichtige Vorgabe.
    Aber die Bauakademie war nicht nur wegen ihrer Vorhangfassade so besonders, die Innenkonstruktion mit ihren gusseisernen Tragelementen
    war ja auch epochemachend.
    Ich hätte gerne das Gesamtkunstwerk! :love: