Bauakademie - Rekonstruktion und Geschichte

  • Je länger ich über die Bauakademie nachdenke, desto mehr bin ich der Überzeugung, dass eine Rekonstruktion - die eh keine wäre - nicht die optimale Lösung ist.

    Was immer hier unter dem Schlagwort Rekonstruktion herumschwirrt, würde im allerbesten Fall eh nur ein Hybrid werden. Außen Ähnlichkeit mit Schinkel, ob die sehr eigenwillige Konstruktion überhaupt heute machbar wäre, bezweifle ich sehr. Innen würde es auf jeden Fall völlig anders aussehen.

    Das Ganze wäre eine Mogelpackung und ein paar Backsteinziegel machen noch keinen Schinkelbau.


    Ich fände es besser man würde im Sinne Schinkel - und da hat Architektenkind recht, wenn er das als zulässig beschreibt - etwas völlig Neues bauen.

    Ich glaube auch Schinkel wäre der Letzte, der was dagegen hätte, um mal genauso dämlich zu argumentieren wie die Rekonstruktionsbefürworter, wenn sie Umfragen hervorkramen, die von Leuten unterstützt werden, die keine Ahnung haben, was die Bauakademie überhaupt ist, sondern einfach nur Rekonstruktion lesen.


    Der übliche Aufschrei bei einem modernen Neubau würde groß sein, aber ich würde es befürworten.

    Die Bauakademie war etwas völlig Neues zu seiner Zeit. In diesem Sinne würde ich mir ein Gebäude wünschen, das der Architektur gewidmet ist und entsprechende Nutzung erfährt. Ob das jetzt ein Holzbau wird, oder sonst was Innovatives. Das wäre wesentlich besser und würde Schinkel mehr gerecht, als jeder backsteinromantisierender Hybrid.

  • Ich bin auch ein Bürger, dazu noch in Berlin und direkt betroffen, anders als so Manche, die aus fünfhundert Kilometern Entfernung ihre Forderungen stellen.



    PS

    Das ist genauso, wenn einer aus München oder Freiburg nach Berlin kommt und sich auf die A100 hockt, damit sie nicht gebaut wird.

  • Die Bauakademie war etwas völlig Neues zu seiner Zeit.

    Und trotzdem wurden Jahrtausende Architekturgeschichte im Sinne von Proportion und Ornament respektiert. Ein Moderner Bau würde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Ornament und keine klassische Fassaden Struktur zulassen geschweige denn respektieren, sondern irgendeinen Holz- oder wahlweise Glasquader hinstellen und diesen "Bruch" dann mit Architektur-Geblubber selbst-bejubeln.

  • Theseus532 Allerdings ist Berlin nun einmal Bundeshauptstadt, sie vertritt (gerade in ihrem Zentrum mit relativ wenigen lokalen Anwohnern) gesamt Deutschland und wird dazu zum Teil (wiederum gerade im Zentrum) auch vom gesamten Land finanziert. Entsprechend finde ich es schon völlig angemessen, dass für so etwas eine bundesweite Umfrage durchgeführt wurde. Dass gerade Du als mW selbst Zugezogener so auf die Einmischung "Auswärtiger" schimpfst, finde ich ehrlich gesagt etwas schade. Bei der Form manchen Protests mag ich Dir zustimmen. DASS die Leute dafür nach Berlin kommen, finde ich aber recht nachvollziehbar (die A100 ist/wäre übrigens wie der gesamte Autobahnbau auch eine Bundesautobahn, kein Landesprojekt). Für mich ist Berlin alles zugleich: Stadt der Kieze, Bundeshauptstadt, Weltstadt. Diese Spannung muss man manchmal aushalten, ich finde es aber auch gerade spannend so.


    Ansonsten bist Du zwar in der Tat auch ein Bürger - aber eben auch nur EIN Bürger. Das gehört eben dazu, dass man immer wieder überstimmt wird und mit den Ergebnissen leben muss. Geht mir auch regelmäßig so (wenn es nach mir ginge, wären wir auch nie aus der Kernkraft ausgestiegen, jetzt bekomme ich aber auch die hohe Energierechnung).


    Zur Sache: Ich wünsche mir tendenziell auch eher die Reko, vor allem da ich bei modernen Entwürfen keinen großen Wurf erwarte (eher wieder so was wie beim Museum der Moderne, wo mir jeder Euro deutlich mehr weh tun würde). Außerdem würde es zum Ensemble passen bzw. dieses weiter prägen. Im Innenraum wäre eine Reko womöglich interessant, da würde ich aber schon Kosten und Nutzung stärker einbeziehen. Ich habe nichts gegen einen Hybrid aus interessanter Hülle und sachlichem Kern.

  • Ich bin auch ein Bürger, dazu noch in Berlin und direkt betroffen, anders als so Manche, die aus fünfhundert Kilometern Entfernung ihre Forderungen stellen.

    Diese Feststellung ist nur als Argument zu gebrauchen, wenn du davon ausgehst, dass die Umfrage in Berlin anders ausgefallen wäre als im bundesdeutschen Schnitt. Hast du denn belastbare Fakten, die dies nahelegen?


    Angesichts der neusten Ereignisse rund um die Bauakademie, habe ich mir erlaubt, einen eigenen Artikel zu schreiben, den ich hier in Teilen der Diskussion beifügen möchte:


    Seit dem Beschluss zum Wiederaufbau im Jahre 2016 stockt das Projekt. Dabei mangelt es nicht an ernsthaften Ideen. Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hatte bereits vor Jahren den Vorschlag eines Architekturmuseums in die Diskussion geworfen. Das ist für die Bauakademie so naheliegend wie das auffällige Desiderat einer solchen Einrichtung in einer Stadt wie Berlin, die europäische Architekturgeschichte schrieb. Dabei ist die Entscheidung über die äußere und innere Gestalt des Neubaus noch nicht abschließend gefallen.


    Doch zeigt sich hier am Beispiel Bauakademie, dass sich eine überwältigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung – insofern das Votum halbwegs als repräsentativ bezeichnet werden darf – mit Rekonstruktionen identifizieren kann, ohne daraus eine ideologische Fragestellung werden zu lassen. Und nachdem die Politik den Weg für eine Wiederauferstehung von Schinkels Ideen schon vor Jahren geebnet hat, sollten nun endlich die nächsten Schritte gegangen werden.


    Es gibt sehr gute städtebauliche Argumente dafür, die Lücke im Baugefüge des Schinkelplatzes zumindest äußerlich mit einem Original zu schließen. Das würde nicht zuletzt das rekonstruierte Berliner Schloss sowie die benachbarte Friedrichswerdersche Kirche aufwerten und eine weitere Wunde in dieser von Zerstörungen gebeutelten Stadt schließen. Und auch inhaltlich sehe ich das Original entscheidend im Vorteil, denn es steht wohl außer Frage, dass das Nutzungskonzept der neuen Bauakademie in der Tradition von Schinkel stehen wird.


    Den gesamten Artikel findet ihr hier.

  • Das ist genauso, wenn einer aus München oder Freiburg nach Berlin kommt und sich auf die A100 hockt, damit sie nicht gebaut wird.

    Dass ich sechs Jahre meines Lebens in Berlin gelebt und sogar noch länger gearbeitet habe, sollte zählen.
    Auch ein Teil meiner Familie wohnt dort.
    Vielleicht werde ich irgendwann zu denen ziehen - wer weiß?
    Nachdem ich nach Kräften für die Schloss-Fassade gespendet habe, würde ich auch Geld für die Schinkel´sche Bauakademie locker machen.
    Ich denke schon, dass ich damit eine andere Ausgangslage habe als die "Letzte-Generation-Klebe-Fritzen" aus Süddeutschland. :P

  • Ein Moderner Bau würde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Ornament und keine klassische Fassaden Struktur zulassen geschweige denn respektieren

    Die Bauakademie hatte gar keine klassische Fassadenstruktur, das machte sie ja so revolutionär: Die Fassade brach mit allen ästhetischen Vorgaben des damals noch tonangebenden Klassizismus' und griff auch keine barocken, gotischen oder sonst tradierten Gestaltungsmuster auf. Sie bildete streng das Konstruktionsprinzip aus 9 x 9 Pfeilern mit je acht identischen Flächen dazwischen ab. Eine krasse Abkehr von der Tradition, die damals auf einigen Widerstand stieß. Das heute zu ignorieren und den Bau als "traditionelle Architektur" einzustufen - das wäre tatsächlich ein Affront gegen Schinkel (weil es negiert, was ihn besonders macht).

  • Ich will doch niemand sein Recht verwehren seine Meinung zu artikulieren, allerdings ist es schon etwas gewagt die Bauakademie als ein Gebäude von nationaler Bedeutung zu bezeichnen. Das ist sie einfach nicht. In Berlin kennt sie schon kaum jemand in München oder Hamburg nur ein paar Liebhaber.


    Und nochmal zu den Umfragen. Es ist einfach Quatsch Architekturfragen mit Umfragen zu entscheiden. Kaum ein historisches darunter viele innovatives Gebäude wären gebaut worden wenn man vorher Umfragen gemacht hätte, angefangen von der Cheopspyramide über Neuschwanstein bis zum Eiffelturm oder Centre Pompidou.



    Man kann bei identitätsstiftenden Gebäuden gerne Volkes Meinung mitberücksichtigen wie Frauenkirche oder Schloss, aber das ist die Bauakademie nun wirklich nicht.


    Abgesehen davon geht mein Hauptargument wieder völlig unter. Es wird keine Rekonstruktion geben, sondern einen Hybrid, warum sich das antun.

    Ausmaß und Kubatur werden beibehalten, vielleicht mit Backstein gebaut - gähn - und das isses dann auch schon.


    Daher fände ich einen innovativen Neubau wesentlich interessanter.

  • Ich will doch niemand sein Recht verwehren seine Meinung zu artikulieren, allerdings ist es schon etwas gewagt die Bauakademie als ein Gebäude von nationaler Bedeutung zu bezeichnen. Das ist sie einfach nicht. In Berlin kennt sie schon kaum jemand in München oder Hamburg nur ein paar Liebhaber.

    Das sehen die Kunst- und Architekturhistoriker ganz anders. Die Bauakademie ist und war ein epochaler Bau. Mit den Namen Schinkel kann nämlich fast jeder etwas anfangen. Und nun sollen die Menschen ausgerechnet eine seiner wichtigsten Schöpfungen nicht kennen? Der Grund, warum der Bau in breiten Bevölkerungsschichten nicht mehr präsent ist, ist seine Zerstörung. Und genau dies wieder zu ändern, dafür bietet sich jetzt die Chance.


    Abgesehen davon geht mein Hauptargument wieder völlig unter. Es wird keine Rekonstruktion geben, sondern einen Hybrid, warum sich das antun.

    Nach dem Krieg ist ein Großteil der Kriegsruinen auf diese Weise wiederhergestellt worden. Außen die historische Hülle, innen mit moderner Raumaufteilung. Das hat dem Stadtbild gut getan und trotzdem ein Nutzungskonzept erlaubt, das modernen Ansprüchen genügt.

  • Ich denke schon, dass die Bauakadamie von Schinkel für Berlin ein identitätsstiftender Bau ist. Es liegt an ihrer zentralen Lage am Spreekanal und am Schinkelplatz, ihrer einzigartigen Bauweise, ihrer Ensemblewirkung mit der Friedrichswerderschen Kirche und ihrer böswilligen Zerstörung durch die DDR.


    Sie heilt eine Wunde, sie erzählt eine Geschichte und sie umschließt einen Raum, den Berlin bestimmt gut bespielen kann.


    Das wiederaufbaufähige zerstörte Schloß war ideologisch noch irgendwie nachvollziehbar, die Bauakademie zu schleifen war eine sinnlose Dummheit.


    Platz für einen innovativen Neubau findet man in Berlin hektarweise. Eine Rekonstruktion der Bauakademie geht aber nur auf diesem Grundstück. Wenn man sich nicht für eine Rekonstruktion entscheiden kann, sollte man eine Grünfläche anlegen und alle zehn Jahre drüber nachdenken.

  • Wenn man sich nicht für eine Rekonstruktion entscheiden kann, sollte man eine Grünfläche anlegen und alle zehn Jahre drüber nachdenken.


    Wäre mMn nicht die schlechteste Idee. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Ein solches Projekt passt (derzeit) einfach nicht in die Zeit.

    Mal sehen wie Land und Gesellschaft in gut einer Dekade aussehen und über so etwas denken. Auch dürften sich die Stadtschloss-Debatten bis dahin gelegt / entschärft haben.

  • Die Sache ist aber doch nun die: Es ist Berlinweit kein modernes Gebäude entstanden das auch nur annähernd innovativ, richtungsweisend, oder allgemein geachtet und aus herausragend gelobt wäre wie die schinkelsche Bauakademie. Auch kein Architekt der Moderne hat bisher diese Kombination aus Bedeutung für die Stadt als auch für die Architektur selbst erlangen können.

    Die Forderung nach einem modernen Gebäude an diesem Standort ist somit umso absurder: Der Standort ist unter anderem aufgrund von Schinkels wirken überhaupt ein Standort. Die moderne hingegen hatte (und hat) mehrere Jahrzehnte und die gesamte Stadt mit absoluten bestlagen gehabt um etwas ähnlich richtungsweisendes zu produzieren. Außer dem Cube (der jedoch im internationalen Rahmen auch kaum außergewöhnlich ist) fällt mir hier nichts ein. Warum denken immer noch manche gerade hier könnte uns musste das anders sein?

    Die Originalgestalt ist die einzige Richtige Lösung hier. Baut gerne eine moderne, bessere Bauakademie auf dem Marx Engels Forum, der Wiese vor dem Reichstag, der Europacity, vor dem Hocaust Mahnmal (Upps, zu spät), dem Tempelhofer Feld, dem Hardenberg Platz, dem SEZ, am Alexanderplatz, an der Köpenicker Straße, an der Mediaspree oder oder in der City West hinter dem Bahnhof Zoo. Auch im Zentrum rund um den Checkpoint Charlie gab und gäbe es Flächen.

    Hier wird wieder versucht das Pferd von hinten aufzuräumen: Nicht der Ort macht den Baumeister, sondern der Baumeister den Ort. Von außen zu entscheiden so jetzt nehmen wir eben eine hervorragende moderne Lösung scheitert daran dass sich noch kein Baumeister offenbart hat der sich aufdrängen würde.

  • Ich will doch niemand sein Recht verwehren seine Meinung zu artikulieren, allerdings ist es schon etwas gewagt die Bauakademie als ein Gebäude von nationaler Bedeutung zu bezeichnen. Das ist sie einfach nicht.

    Schinkels Bauakademie war aber ein Gebäude von nationaler Bedeutung. Allein aus Architekturhistorischer sicht sollte man diesen Bau nicht unterschätzen. Mit seiner vergleichsweise schlichten Gestaltung war die Bauakademie ihrer Zeit weit voraus. Man könnte sie auch als einen frühen Vorläufer der modernen Architektur bezeichnen.


    Es wird keine Rekonstruktion geben, sondern einen Hybrid, warum sich das antun.

    Was wäre so schlimm an einem Hybriden Gebäude mit rekonstruierter Fassade und einem Modernen Innenleben? Das Funktioniert auch bei vielen anderen Gebäuden wie dem gegenüberliegenden Schloss, dem Stadtschloss in Potsdam oder auch beim Fürstbischöflichen Schloss in Münster mit einem Mix aus einer historischen Barocken Fassade und Innenräumen im Stil der 50er Jahre sehr gut. Warum sollte es also ausgerechnet bei der Bauakademie nicht klappen?


    Es wird ähnlich sein wie beim Schloss. Denn auch für die Fläche des Schlosses gab es viele moderne Entwürfe. Am Ende hat sich dennoch die historische Fassade durchgesetzt. Das wird bei der Bauakademie genauso sein. Auch, weil ich nicht glaube, dass ein Moderner Entwurf es schaffen kann, auch nur annähernd an die Qualität Schinkels heranzukommen. Daher gehe ich davon aus, dass die Bauakademie am Ende mit Schinkels Originalfassade und modernen Innenräumen rekonstruiert wird. Sie würde sich auch sehr gut in das Umfeld aus Schloss und Friedrichswerderscher Kirche einfügen.

  • Es ist recht lustig, die Argumente und Gegenargumente zu lesen, und wie sich die Diskussion verselbständigt.

    Aber letztendlich soll doch die in den Medien geteilte Umfrage eigentlich nur bedeuten, daß die 60 MioEUR + x MioEUR Fördermittel vom Bund auf eine forensische Mehrheit trifft. Schlecht, wenn es anders wäre. Die Nutzung ist derzeit völlig unklar, würde mich nicht wundern, wenn eine Nutzung durch Ministerien o.ä. gerade im Innenbereich eine Reko nahezu ausschließt. Dann doch wenigstens die Fassade.;)

  • Zum Standardargument, jede Zeit müsse eine eigenständige Lösung finden, deswegen darf es keine Reko geben:

    Erinnert sich noch jemand den Wettbewerbssieger aus dem Jahr 1994?

    So hätte statt dem Schloß und dem Palast der Sieger ausgesehen:

    https://www.stadtentwicklung.b…ueckbau/pix/4_02_02_B.jpg


    Bernd Niebuhrs Plan hätte den Abriss des Palastes der Republik, des Aussenministerium und des Staatsratsgebäudes bedeutet.

    Die Bauakademie wäre nicht rekonstruiert worden. Das wäre ein unglaublich selbstgerechter Akt gewesen, der sowohl die preußische, als auch die DDR Geschichte vollkommen verleugnet hätte.

    Wir müssen wirklich froh und dankbar sein, dass wir heute diese Vielfalt von Staatsratsgebäude, Schloßrekonstruktion, Kommandantenhaus und hoffentlich bald auch der Bauakademie haben.

  • Man kann bei identitätsstiftenden Gebäuden gerne Volkes Meinung mitberücksichtigen wie Frauenkirche oder Schloss, aber das ist die Bauakademie nun wirklich nicht.


    Das sehen die Kunst- und Architekturhistoriker ganz anders. Die Bauakademie ist und war ein epochaler Bau.


    Ich denke schon, dass die Bauakadamie von Schinkel für Berlin ein identitätsstiftender Bau ist. Es liegt an ihrer zentralen Lage am Spreekanal und am Schinkelplatz, ihrer einzigartigen Bauweise, ihrer Ensemblewirkung mit der Friedrichswerderschen Kirche und ihrer böswilligen Zerstörung durch die DDR.


    Sie heilt eine Wunde, sie erzählt eine Geschichte und sie umschließt einen Raum, den Berlin bestimmt gut bespielen kann.

    In seiner Vorlage zur Operation Thunderclap - dem Flächenbombardement Berlins - an das Britische Kriegskabinett hatte der Chef des Bomber Command Sir Charles Portal gerade auch die psychologische Bedeutung der Zerstörung identitätsstiftender Orte betont: 'The attack should 'produce an effect amounting to a national disaster'. And more: the bombs had to hit places and landmarks that were absolutely central to the identity of Berlin. Such notable targets - governmental, cultural - would involve 'the maximum associations, both traditional and personal, for the populations as a whole.' (zitiert aus: Sinclair McKay: Dreden. The Fire and the Darkness, S.102). Die DDR hat diesen Angriff auf die Seelen der Berliner mit ihren Mitteln fortgesetzt. Für mich ist daher auch von Bedeutung, dass jede Rekonstruktion ein Triumph über die Ethik der Flächenbombardements und des Krieges ist.


    Ganz klar: Neubauten können das auch leisten, selbst wenn sie, wie der Fernsehturm, an sich nur ein großer Schornstein sind. Es gelingt leider zu selten, und mir fallen da für die letzten 30 Jahre in Berlin wenig Beispiele ein. Vielleicht is 'the Cube' die neue Bauakademie? In diesem Sinne sind Rekonstruktionen verlässlicher als in Beton gegossener Zeitgeist. Den Architekten Berlins fehlt hier einfach der Sinn für das Vermittelnde, das Aussöhnende, Charme und die Eleganz.

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    Bei der Frage, ob eine Rekonstruktion als "Triumph" angesehen werden kann, kommt es mMn aber auch auf die Art und Weise dieser Rekonstruktion an.

    Die Frauenkirche ist ganz überwiegend originalgetreu wiederhergestellt worden (d.h. "Stein auf Stein"). Insofern mag man von "Triumph" sprechen können

    Das Stadtschloss ist ein Stahlbeton-Skelett mit davorgehängter Fassade. Von "Triumph" zu sprechen liegt mir da ziemlich fern.



    Es gibt noch einen anderen Aspekt, der bei der Sehnsucht nach Rekonstruktionen so gut wie gar nicht erörtert wird: Ich würde diesen Aspekt mit "Authentizität" bezeichnen.

    Das meine ich wie folgt: Die Frauenkirche ist "authetisch" insofern als sie weitgehend wieder ist wie sie war ("Stein auf Stein"). Auch beim Taschenbergpalais oder dem Kurländer-Palais geht es in diese Richtung (wenn auch in geringerem Maße). Alle diese Dresdner Rekonstruktionen konnten auf beachtliche bauliche Reste zurückgreifen, die dann (plus/minus originalgetreu) wieder zur Reko vollendet wurden (Refrain: "Triumph").


    Das Stadtschloss hingegen ist so gut wie gar nicht "authentisch", weil es einen rein technischen Kern hat und nur die Hülle davor.

    Da war der Palast der Republik viel authentischer: Er war "orignale Geschichte" wie sie nach 1945 an diesem Ort stattgefunden hatte und gebaut worden war (ob man das mag oder nicht).

    In gewisser Weise hat das heutige Stadtschloss diesem Platz erst die maximale Ent-Historisierung beschert. Was da jetzt steht mag viele Betrachter versöhnlich stimmen: "Authentisch" ist es nicht. Im Grunde ist es eine optische Täuschung (Refrain: "Triumph").


    Zum Schluss:

    Die Stahlbeton-Skelettbau-Altstadt in Ffm. ist natürlich auch nicht "authentisch", sondern geht leider auch in Richtung optische Täuschung (Refrain: "Triumph"). Das nur zur Klarstellung, damit man nicht meint, ich wolle hier partout gegen Berlin polemisieren.

    Ich bin ein Anhänger des alten "Technischen Rathauses" in Ffm., weil es ein "authentischer" Nachkriegsbau war (reinster Beton-Brutalismus, den ich im Übrigen gar nicht so schlecht finde). Das war "authentische" Nachkriegszeit, die man partout getilgt haben wollte. Kann ich nachvollziehen, ist aber nicht mein Standpunkt dazu.