Bauakademie - Rekonstruktion und Geschichte

  • ^ Ich hoffe, ich war nicht missverständlich. Auch ich bin für eine Rekonstruktion. V.a. fände ich es gut, wenn mit ihr das spezifisch Neue dieses Baus veranschaulicht und erfahrbar gemacht werden könnte, und zwar der Konstruktion selbst, (ließe sich diese rekonstruieren und zugleich ausstellen, als Konstruktion sichtbar machen?), aber auch, z.B. qua (Dauer-)Ausstellungen.


    Ich denke jedenfalls, dass sich die Bauakademie ganz besonders gut als Architekturmuseum eignet, weil sie als Bau selbst Architekturgeschichte geschrieben hat, weil sie am Rande der Museumsinsel steht, weil an ihr die Baugeschichte der frühen Moderne gut nachvollzogen werden kann, einschließlich ihrer politischen und sozio-ökonomischen Dimensionen, aber auch die Geschichte Berlins im Übergang zum Industriezeitalter und selbst grundlegende achitektonische Fragen wie eben auch die nach Stärken und Schwächen des Funktionalismus und damit einer architektonischen Richtung, die noch heute die Gemüter erregt und entzweit.

  • Vielmehr ist es eine bedeutsame und zugleich ästhetisch ansprechende Ikone der großen Berliner Industriezeit, die im Herzen Berlins mE nicht weniger identitätsstiftend wirken wird als besagte Prunkfassaden.


    Der Witz ist: Als die Bauakademie (ab 1832) entstand, konnte von Industrie in Berlin noch kaum die Rede sein. Das ging erst Jahrzehnte später richtig los. Die Akademie war stilprägend für einen Gebäudetypus, der noch gar nicht existierte, als Schinkel sie entworfen hat. Sie war ihrer Zeit um mindestens 20 Jahre voraus – und wer weiß, wie Berliner Fabriken ausgesehen hätten, wenn die Akademie nicht gebaut worden wäre? Andersherum gedacht: Schinkel hatte bestimmt nicht die Berliner Fabriklandschaft von 1890 im Hinterkopf, als er um 1830 seine Akademie gegenüber dem Schloss entwarf – er selbst lebte ja noch in einer vorindustriellen, wesentlich aristokratisch geprägten Gesellschaft.


    Solche vielfältigen, widersprüchlichen Bezüge machen die Bauakademie interessant und rechtfertigen ihre Rekonstruktion. Rein optisch findet man ähnliche Fassaden z.B. an zahlreichen Schulgebäuden, die in der wilhelminischen Ära gebaut wurden. Schinkel hat es natürlich in vielen Details besser gemacht – aber das erkennt nur, wer genau hinsieht und sich nicht vom "Ornament" blenden lässt.

  • Um es direkt zu sagen, ich wäre nicht gegen eine optische Vollrekonstruktion.
    Aber, es könnte etwas besseres geben!


    Als Beispiel möchte ich das Zeughaus und die Dresdner Frauenkirche anführen.


    Das Zeughaus ist einerseits hervorragend erhalten, renoviert und rekonstruiert, andererseits enthält es auch modernen Ergänzungen, die es m.E. sogar besser machen als das Original. Am auffälligsten ist dabei die Überdachung des Innenhofs und der moderne Anbau, der mit dem Verbindungsgang in die Struktur des Altbaus eingreift ohne zu stören.
    Wir haben also ein Original, welches modern weiterentwickelt wurde und erhielten dadurch ein besonders schönes Gebäude.


    Die Dresdner Frauenkirche wiederum war fast vollständig zertsört und wurde unter Verwendung von Originalteilen so exakt und durchdacht wiederaufgebaut, dass sie heute statisch stabiler und optisch perfekt dasteht. Man kann die Zerstörung und das 50 Jahre fehlende Gebäude bedauern, aber heute ist sie besser als das Original je war.


    Für die Bauakademie wünsche ich mir daher mehr als eine originalgetreue Rekonstruktion der Fassade, bzw. Teile des Inneren. So könnte ich mir eine teilweise gläserne Südfassade vorstellen, um das Innere sichtbar zu machen. Auch ein Wintergarten auf dem Dach oder eine Installation, die als Aussichtspunkt dient, wäre denkbar. Für einen Anbau wie beim Zeughaus gibt es leider keinen Platz.


    Ein Gebäude, das schließlich nur das wieder wird, was es schon 1832 war, wäre für mich eine vertane Chance

  • Es wäre doch völlig absurd, solche Fehler wie das Dachrestaurant oder die Ostfassade am Schloss ausgerechnet bei der Bauakademie zu wiederholen. Als ob es etwas Besseres gäbe als Schinkels Original! Sicher werden im Innern moderne Anpassungen erforderlich sein, beispielsweise Aufzüge und Toiletten, aber allein schon der Respekt vor Schinkel gebietet den originalgetreuen Wiederaufbau dieses Meisterwerks!

  • ^ Was soll an Baukörpers Vorschlägen "absurd" sein? Als "absurd" kann eher schon der Dogmatismus bezeichnet werden, mit dem persönliche Meinungen zum Dachrestaurant oder zur Ostfassade des HF einfach als "Fehler" gesetzt werden. Unfreiwillig komisch ist zudem die Fetischisierung von Schinkels Bauakademie als unantastbares, unüberbietbares Meisterwerk, obwohl Schinkel selbst hier offenbar selbstkritischer war.

  • Absurd? Das würde ja bedeuten, dass alles andere als eine Vollrekonstruktion dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Dem ist bestimmt nicht so.


    Was spricht gegen einen von Anfang an geplanten Dachaufbau?
    Wenn z.B. ein Aufzug eingebaut werden muss, bedeutet das unmittelbar, dass es auch einen modernen Dachaufbau geben wird, nämlichen das bere Ende des Aufzugschachts. Wenn man das direkt vernünftig plant kann man z.B. diesbezügliche Fehler wie beim HF vermeiden kann. Ein optisch anspruchsvoller bzw. zum Gebäude passender Dachaufbau, ich nenne ihn Wintergarten, kann gleich mehrere Vorteile haben. Er verdeckt den Aufzugschacht, er überdacht den Innenhof und er bringt zsätzliche Nutzfläche. Es mus ja kein Restaurant sein.

  • Wenn z.B. ein Aufzug eingebaut werden muss, bedeutet das unmittelbar, dass es auch einen modernen Dachaufbau geben wird, nämlichen das bere Ende des Aufzugschachts.


    Das Höhenthema eines Aufzugs kann man heutzutage sehr schonend lösen. Die meiste Aufzüge haben mittlerweile einen sog. maschinenraumlosen Antrieb. Der Antrieb befindet sich oberhalb der Kabine und fährt mit. Dadurch entfällt der Aufbau für den Maschinenraum oberhalb des Schachtes. Der rechtlich notwendigen Luftraum für die Wartung oberhalb der Kabine beträgt ca. 2,50 m. Kabine und Luftraum zusammen benötigen deshalb 5,00 m roundabout. Das lässt sich in den historischen Geschosshöhen und hinter den historischen Attiken üblicherweise problemlos unterbringen.

  • Man sollte der wiederaufgebauten Bauakademie mit Sicherheit nicht gleich ein Staffelgeschoss verpassen, aber schon bei einer Umkehrung der Dachneigung würde man viel zusätzlichen Platz gewinnen, ohne dass dies aus der Straßenansicht negativ zu Buche schlüge, weil es faktisch unsichtbar wäre.


    Die Bauakademie hatte ja zum Treppenhof abfallende Dächer. Würde man diese beim Wiederaufbau stattdessen mit leichter Neigung zum Innenhof ansteigen lassen und den Innenhof mit flacher Kuppel verglasen wird das Gebäude dadurch nicht entstellt und ragt dadurch auch nicht negativ heraus, weil Dächer mit solcher Neigung auch bei den älteren Umgebungsbauten Normalität sind.

  • Nachdem Florian Pronold nach einem Auswahlverfahren neuer Gründungsintendant der Bauakadeie werden soll und somit auch maßgeblichen Einfluss auf den Architekturentwurf haben wird, regt sich unter der Architektenschaft nun massiver Widerstand und man will seine Berufung verhindern. Der Vorwurf: Er bringe keine einzige der erforderlichen Kompetenzen für diesen Job mit.


    Zu den unterzeichnenden Architekten gehören: HG Merz, Christoph Ingenhoven, Matthias Sauerbruch, Louisa Hutton, Eike Becker, Jan Kleihues, Volkwin Marg und Gesine Weinmiller.


    https://www.tagesspiegel.de/wi…-verhindern/25281704.html


    Ich finde diese Strategie mehr als durchsichtig. Man weiß, dass Herr Pronold einer äußerlcihen Reko der Bauakademie sehr zugeneigt ist. Mit seiner Berufung ist somit schon eine gewisse Tendenz zur äußeren Erscheinung der künftigen Bauakadeie erkennbar. Und dies scheint einigen Damen und Herren nicht zu passen, die wohl eher eine kritische Reko sehen wollen, wobei die Betonung eher auf kritisch als auf Rekonstruktion liegt.


    Dass man sich nicht mal bei der Bauakademie, dieser Ikone der Architekturgeschichte, die als der Gelenkbau zwischen Historie und Moderne eine einmalige Stellung einnimmt, dass man sich nicht mal hier in friedlicher Eintracht dem inhaltichen Konzept widmen kann, sondern auch hier wieder über eine Selbstberständlichkeit streitet, macht mich traurig.


    An den Schinkelplatz, vor seine Statue, gehört die Rekonstruktion der Bauakademie, ohne Glasfassade, ohne Bruch, ohne Keil in der Seite oder auf dem Dach. Ich hoffe, man kommt zur Besinnung und lässt hier den besten Architekten ran, den Berlin je hatte. Und das war Schinkel. Mehr gibt es nicht zu sagen!

  • Auch wenn Pronold ein starker Befürworter einer Rekonstruktion - die ich selbst auch bevorzuge - sein mag, so liegt die Entscheidung über die Form des Wieder- oder Neuaufbaus letztlich beim Stiftungsrat. Die Rolle eines Gründungsdirektors ist dann doch eine andere als die Rekonstruktion/Nichtrekonstruktion in der Öffentlichkeit zu bewerben: Nämlich die grundsätzliche Findung der Nutzung, die Entwicklung eines Programms, die Einbindung von Archiven und Sammlungen, die grobe Linie von Lehre, Vorträgen, Publikationen und Tagungen zu entwerfen etc. Was Pronold hierzu befähigt, ist eine überaus berechtigte Frage.

    Der offenen Brief ist - wie der Name schon sagt - "offen" und daher auch hier einsehbar: https://www.marlowes.de/wp-con…fenerBriefBauakademie.pdf

    Es geht überhaupt nicht um die Frage der Rekonstruktion, sondern um das Auswahlverfahren und die Qualifikation. Daher sind Formulierungen einer "durchsichtigen Strategie" sowie einer "gewissen Tendenz" oder "einiger Damen und Herren" völlig unangebracht. Die Liste der Unterzeichner umfasst nicht allein "Modernisten", die "wohl eher eine kritische Reko sehen wollen", sondern viele Museums-, Archiv- und Sammlungsvertreter etwa des Architekturmuseums der TU Berlin, des Zentrum Architektur Zürich, der Stiftung Insel Hombroich, des Canadian Centre for Architecture, der Architekturgalerie München, des Flanders Architecture Institute, des Werkbunds Berlin, des Deutschen Architekturmuseums, des Architekturzentrums Wien, der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, des Bauhaus-Archivs, der Berlinischen Galerie, des Schweizer Architekturmuseums, des Staatlichen Museums Schwerin - das ist, neben den Architekten, vor allem ein Aufstand von Kuratoren und Museologen gegen ein intransparentes Auswahlverfahren.

  • So gegen eine unbescholtene Person zu wettern, finde ich menschlich fraglich. Der Mann ist ein Fachpolitiker und für den Job möglicherweise besser geeignet als ein Architekt. Im Weiteren muss man ihn an seiner Leistung messen und ihm dafür eine Chance geben. Ich wünsche ihm viel Glück und natürlich, dass endlich etwas passiert, also das die Bauakademie möglichst originalgetreu gebaut wird.

  • Ich finde den Offenen Brief sehr überzeugend und denke auch, dass Herr Pronold nicht über die geforderten Qualifikationen verfügt. Das ist ja nun keine Beleidigung, wenn man diese Tatsache sachlich feststellt. Ansonsten wurde der Offene Brief unter anderem von folgenden Personen unterzeichnet:

    -Bernd Albers

    -Harald Bodenschatz

    .Ludger Brands

    -Paul Kahlfeldt

    -Petra Kahlfeldt

    -Jan Kleihues

    -Hildebrandt Machleidt

    -Markus Tubbesing

    -Gerwin Zohlen

    Also nach einer modernistischen Verschwörung sieht mir die ganze Sache nicht aus.

  • So gegen eine unbescholtene Person zu wettern, finde ich menschlich fraglich.

    Im offenen Brief wird nicht gegen die Person Pronold "gewettert" oder gar ihre "Unbescholtenheit" in Frage gestellt, sondern das Auswahlverfahren samt seiner politischen Implikationen kritisiert sowie darauf hingewiesen, dass Pronold kein Kriterium der öffentlichen Ausschreibung erfüllt. Ich finde es befremdlich, dass bei der Wahl zum Gründungsdirektor einer Bundesstiftung eigentlich selbstverständliche Nachfragen delegitimiert werden, nur weil der Ernannte die Rekonstruktion der Fassade befürwortet ("Man weiß, dass Herr Pronold einer äußerlichen Reko der Bauakademie sehr zugeneigt ist" [Odysseus]/"Ich wünsche ihm viel Glück und natürlich, dass endlich etwas passiert, also dass die Bauakademie möglichst originalgetreu gebaut wird" [Rotes Rathaus]). Diese Entscheidung liegt nicht bei Pronold, sehr wohl hingegen die inhaltliche Ausgestaltung des Hauses. Und darauf bezieht sich auch die Kritik des offenen Briefes. Beide Themen - Qualifikation & Verfahren - wurden übrigens bereits früh in einem Interview Pronolds mit dem Deutschlandfunk angesprochen (gegen Ende nachzuhören). Auf den Inhalt der zukünftigen Bauakademie bezogen sind die Antworten Pronolds äußerst schwachbrüstig, im wesentlichen gibt er Passagen des Ausschreibungstextes seiner Stelle fast wörtlich wieder. Auf Nachfragen zum Verfahren reagiert er verständnis- bis ratlos, die Formulierung "als ob Frau Grütters Direktorin der Nationalgalerie wird" scheint ihn tatsächlich überrascht zu haben. Kritisch berichtet haben auch so unterschiedliche Organe wie der Bund Deutscher Architekten, Baunetz oder Pronolds "Genossin" Susanne Gaschke in der "Welt".

    Der Mann ist ein Fachpolitiker und für den Job möglicherweise besser geeignet als ein Architekt.

    Die Ausschreibung sprach keineswegs von Architekten, sondern von einem für die "Themen der Bauakademie relevante[n] universitäre[n] Studium" sowie Erfahrung in Museen, Austellungen etc. Das kann also vom Kunsthistoriker, Architekten und Kulturmanager über den Archivar bis zum Museologen oder Kurator alles sein, wenn es denn eben "einschlägig" ist. Selbst Juristen wie Pronold können dies selbstverständlich erfüllen. So war bis zum Sommer diesen Jahres der Jurist Hellmut Seemann Präsident der Klassik Stiftung Weimar, freilich hatte dieser zuvor auch Germanistik und Philosophie studiert, war Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Frankfurt und Direktor der Kunsthalle "Schirn". Die Frage, was Pronold zum Gründungsdirektor befähigt (außer aus der Kahrs-Schule [siehe auch hier] zu kommen), darf also gestellt werden.