Bauakademie - Rekonstruktion und Geschichte

  • Etikettenschwindel...

    Dieses Argument ist ja nun wirklich genauso alt, wie es langweilig ist. Das posaunten doch schon (damals) junge Architekten, als im gerade wiedervereinten Berlin noch kein Stein auf den anderen gelegt war. Ob es um die "kritische Rekonstruktion" ging, um die Wiederherstellung alter Straßenfluchten, um die Rekonstruktion der Kommandantur, des Stadtschlosses, alter Platzanlagen, Wiederaufstellung alter Denkmale... die Liste ist lang. Und jedesmal hat der Erfolg des jeweiligen Projekts die Krakeler eines besseren belehrt - oder hätte, wenn entsprechende Protagonisten denn hingeschaut hätten.


    Und nun kommt wieder eine junge Generation von Architekten aus den Hochschulen geschwappt und versucht sich mit derartigen vermeintlichen Provokationen ins Gespräch zu bringen.


    Es wird sich kaum etwas daran geändert haben, daß Architekturstudenten keinerlei Verständnis und erst recht kein Respekt für die Leistungen und die Bedeutung ihrer Vorgänger beigebracht wird. So sind entsprechende architekturpolitische Äußerungen bestenfalls als spaßgesellschaftliche Begriffsstutzigkeit zu sehen - schlimmstenfalls als purer Kulturbolschewismus.


    Die praktische Machbarkeit einer Rekonstruktion wurde in den letzten Jahren wieder und wieder unter Beweis gestellt. Die moralische Machbarkeit haben Alberti und sogar Dehio furios dargelegt.


    Leider scheinen eben jene jungen... unbekannten... Architekten keinerlei Verständnis für die Bedeutung gerade eines Hauses wieder des der Bauakademie zu haben. Gerade diesen Bau qua eigener mediokrer Entwürfe zu ironisieren, müßte einem gebildeten Architekten wirklich gegen die Berufsehre gehen.


    Die Bauakademie mit ihrer seriellen Fassade kann man mit einigem Recht als einen Prototyp modernen Bauens in Berlin verstehen. Zu seiner Zeit, war das Akademiegebäude geradezu avantgardistisch; war etwas wie der Grundstein moderner Architektur in Preußen.


    Geschichte ist kein Abenteuerspielplatz!

  • Es sollte auch nicht um das Lobhulden von Rekonstruktionen gehen. Die Suche nach anderen Lösungen ist in sofern ja nicht verwerflich, sondern sehr interessant (für mich jedenfalls).


    Die Argumentation und die Rechtfertigung der Entwurfsverfasser für ihre Alternativen, sind aber mindestens so einäugig, wie ihre Gegenargumente zur „Fake-Bauakademie“.


    Nehme man nur die Äußerung: "städtebaulichen Etikettenschwindel" und stelle fachlich betrachten DIESEN Entwurf dagegen…
    Welchen Eindruck gewinnt der Fachmann, wie der Leihe, ohne von den bisher geführten Grabenkämpfen vorbelastet zu sein???


    Für mich sieht das eher SO aus. Wie ein Louis Sullivan; in den Anfängen der Hochhausentwicklung. Ein Gebäude was aussieht als hätte man es vom Chicago Ende des 19. Jahrhunderts, in die Mitte Berlins des 21. Jahrhunderts drapiert.

    Städtebaulich völlig abwegig und die Proportionen des Schinkelbaus miserabel verzerrt. Da wollte jemand zeigen wohin Schinkels „innovativstes Gebäude“ uns HEUTE hin geführt hat, was heute möglich ist und zeigt uns dabei ein Gebäude was ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte, aber ebenfalls „die Moderne verneint“ . = „städtebaulicher Etikettenschwindel“, Etikettenschwindel mit billigen Plagiaten von Übersee!? Das kann nur als Provokation oder als Denkanstoß, Kunst etc. (jedenfalls nicht als ernsthafter Entwurf) empfunden werden, mit moralischen oder grundsätzlichen Bedenken zur geplanten Rekonstruktion, oder mit architektonischem Sachverstand hat das nichts zu tun. Was eine tolle Parodie auf Schinkel, der Mann traut sich ja was.


    Bei dem anderen Entwurf ist Analogie zum olympischen „BIRDS NEST“ nicht ganz zu verleugnen. Ich finde den Entwurf gar nicht so übel, er hat aber mit dem Standort recht wenig zu tun.


    Und für die, die Doppelmoral und kuriosen Argumente beider Seiten nochmal sehr anschaulich, und sprichwörtlich, sehen möchten, nochmal der bekannte Entwurf des renommierten Architekturbüros Bolles + Willson, mit der Bauakademie als „doppeltes Lottchen“. Eine Alternative zur Schlossrekonstruktion, indem man den Schlossgrundriss flutet, ein Gebäude auf Stelzen hinein stellt, an dem rekonstruierte Innenräume hängen, dagegen aber die Bauakademie gleich zwei mal um das Gebilde rekonstruiert.

    Also ich würde das alles nicht zu ernst nehmen, es ist typisch für die Berliner Intellektuellen- und Kunstscene und als solches auch ein Teil der Berliner Identität.;)


    @ Gralsritter
    Bei dem Begriff „Kulturbolschewismus“ braucht man nicht begriffsstutzig zu sein, um ihn vielmehr mit einer allseits bekannten Ideologie zu verbinden. Diesen Begriff finde ich im Allgemeinen nicht sehr angebracht.

  • AN timmi

    Bei näherer Betrachtung läßt sich Ihr Vergleich mit einem Gebäude von Sullivan leider nicht aufrecht erhalten. Mußmaßlich denken Sie an das Prudential Building in Buffalo, NY. Die Ähnlichkeit zu einer aufgestockten Bauakademie läge allerdings einzig in der Stereometrie und der Materialwahl. Sullivans Baumassen- und Fassedengliederung ist eine grundsätzlich andere. Gleiches gilt für die Ausformung des bauplastischen Schmucks.


    Aber derartige Betrachtungen sind müßig. Hier soll nichts aus Übersee importiert werden. Dem Verfasser dieses Gegenentwurfs ging es m.E. nur um Provokation und darum, das alte Gebäude lächerlich zu machen. Es ist kein ernst gemeinter Beitrag.


    P.S.: Spaßgesellschaftliche Begriffsstutzigkeit und Kulturbolschewismus waren disjunktiv gesetzt. Entweder das Eine oder das Andere. Der Begriff Kulturbolschewismus wurde dem kleinen irren Österreicher inzwischen erfolgreich entrissen, indem er vom bürgerlichen Lager über Jahrzehnte im Sinne von Kulturverfall verwendet wurde. Aber wenn Sie mögen, nennen wir es doch Kulturochlokratie. Inzwischen ist es ja kein gelenktes Phänomen mehr, sondern entspringt einer unbewußten, originären Kulturlosigkeit.

  • Um Millions Frage aus #92 zu beantworten:

    Foto von mir


    Die eine Straße an der zukünftigen Bebauung entlang wird also für den Verkehr freigegeben, das restliche Rund wird wohl Fußgängerzone.

  • Hat sich übrigens seit Abrissbirnes Beitrag nix getan auf dem Schinkelplatz - aber das kennen wir ja von diesem Platz. Aber wenn dann mal was geht wird's erstaunlich schön, darauf kann man sich freuen.



    Kopierrecht liegt natl. bei mir.

  • Soweit ich weiß hatte ja Hans Wall eine Spende von bis zu 20 Mio. Euro für den Wiederaufbau der Bauakademie gegeben. Dann wurde 2008 das Grundstück unter der Auflage die Bauakademie dort wieder aufzubauen EU-weit zum Kauf ausgeschrieben. Weiß jemand ob es schon Ergebnisse bezüglich Ausschreibung gibt oder Planungen zum Baustart?

  • Hallo Richard Neutra,


    erstmal willkommen im DAF.


    Hans Wall hat übrigens bisher noch keine Spende gegeben. Er hatte damals davon gesprochen eine geben zu wollen, aber im Zuge der Wirtschaftskrise sei dies derzeit nicht von ihm zu stemmen.


    Von dem Ausschreibungsverfahren Ende letzten Jahres wurden bis heute keine Ergebnisse berichtet. Vermutlich weil es nichts zu berichten gibt. In der momentanen wirtschaftlich angespannten Lage, ist es wahrscheinlich sehr schwierig für solch ein Projekt einen Privatinvestor zu finden.


    Ansonsten viel Spaß im DAF :)

  • Danke für die freundliche Begrüßung! :)


    Schade, dass sich nicht eine Runde von wohlhabenden Berlinern findet, die zusammenschmeißen um diesen wunderschönen Bau wieder aufbauen zu lassen. So hoch sind die Baukosten ja im Vergleich zu anderen Projekten ja nicht und im Grunde liegen alle Pläne ja schon vor, könnte ich mir denken.

  • Halte ich für sehr geschickte Firmenpolitik. Es ist ja nicht nur Vis-a-vis des Humboldtforums, sondern auch direkt gegenüber der Bertelsmann-Kommandantur. Und angesichts der doch noch 'überschaubaren' Bausumme und noch dazu kostenloser Grundstücksvergabe wundert es schon ein wenig, dass da nur so wenig Interessenten aufgesprungen sind.

  • Das Vergabeverfahren zur Wiedererrichtung der Schinkelschen Bauakademie geht ab heute in die zweite, finale Phase. Gesucht wird - wie bekannt -, "ein ernsthaftes Angebot für das Grundstück und den Wiederaufbau der Bauakademie" und damit "ein Investor, der die Bauakademie gemäß dem historischen Vorbild wiedererrichtet und betreibt." Der Investor soll "rd. 75% der Nutzfläche [kostenfrei] an die noch zu gründende Akademie für Architektur und Städtebau" übergeben. Das Erdgeschoss soll er selbst nutzen bzw. vermieten können.


    http://www.stadtentwicklung.be…h_0909/nachricht3631.html

  • Nix Neues von der Bauakademie. In der BZ echauffiert sich Gunnar Schupelius darüber, dass der Kultursenat von Berlin offenbar eine 15-Millionen-Spende für die Bauakademie von Hans Wall ablehnte. Hintergrund ist, dass das Land Berlin den Wiederaufbau nicht selbst sondern durch einen Privatinvestor finanzieren lassen möchte.

    Artikel BZ


    Jetzt müsste es eigentlich auch bald mal wieder Neuigkeiten zum laufenden Vergabeverfahren geben. Damals hieß es in einer Pressemitteilung der Senatsverw. f. Stadtentw., dass in den ersten Monaten des Jahres 2010 mit einer erfolgreichen Vergabe zu rechnen sei. To be continued...

  • Mal wieder...

    Ich war heute mal wieder am Schinkelplatz. Er scheint fertig zu sein, auch wenn man dank des Schnees nicht viel davon sieht. Allerdings sind mir diese Poller sofort ins Auge gesprungen. Ich finde, die passen weder von der Form, noch von der Farbe zum Platz. Hätten es nicht auch ein paar weniger sein können? Mal wieder hat man es geschafft, mit wenig Aufwand einem kleinen Juwel seinen Glanz zu nehmen.





    Wieso nicht die klassischen aus Eisen, wie man sie an jeder Ecke findet und die vor allem besser passen?

  • Ganz richtig, falls diese Poller nicht nur vorübergehend aufgestellt worden sein sollten, ist der Mangel an ästhetischem Spürsinn und die Geschmacklosigkeit der Verantwortlichen kaum zu überbieten. Durch diese Betonabtrennung wird die Gesamtwirkung des Platzes enorm gestört. Den Verantwortlichen empfehle ich, einige Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen, z.B. zu den Themen "Landschaftsarchitektur", "Respekt vor historischen Bauten und Plätzen" und "Was ist der Unterschied zwischen Schinkel und OBI?".

  • Allerdings. Wie kann man nur soviel Geld in eine Platzgestaltung stecken und sich dann das billigste an Pollern dazuholen.
    Ob diese nur vorübergehend aufgestellt sind mag ich bezweifeln. Dass sie Kraftfahrer zwar hindern vor lauter Schnee den Platz zu überfahren würde zwar Sinn machen - aber dafür werden i.d.R. keine derartigen Poller platziert.

  • Das ist ja grauenhaft. Da hätte man ja gleich Betonschweine aufstellen können. Fehlt nur noch die rot-weiß-gestreifte Warnplatte um jeden ersten Poller. Die sind zudem so eng gestaffelt, dass man selbst mit Fahrrad kaum durchkommt. Ich habe den Eindruck hier fehlt jedes sensible Gespür für diesen Platz.
    Eine höhere Bordsteinkante mit den klassischen Pollern hätte vollkommen ausgereicht - schließlich will man ja hier keine Panzer am Parken hindern.

  • Man wollte wohl eher den Eindruck einer "schwarzen Wand" von Pollern vermeiden. Bitte stellt euch mal vor, wie eng gestaffelte dunkle Poller an dieser Stelle wirken würden.

  • Nun ja, immerhin hat man es doch nach vielen Monaten geschafft den großen Steinhaufen zu einem Pflaster zusammenzufügen. Wenn es auch momentan unterm Schnee verschwunden ist. Wie sich das Ganze tatsächlich präsentiert, wird sich wohl erst nach den Pflanzarbeiten im Frühjahr/Sommer zeigen.



  • Beim zweiten Bild gehts ja noch so halbwegs. Aber da fallen sie auch nicht so schnell ins Auge, wie wenn man neben der Kommandantur den Platz am spitz zulaufendem Ende betritt.


    Hach Kent, du hast die Zuständigen durchschaut ;). Damit die anderen Poller als wie eine Wand wirken, bedürfe es aber einen ganz schönen Haufen. Hier haste ne Wand: