Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee

  • Der Grünstreifen ist laut Morgenpost quasi sicher und bringt eine enorme Verbesserung auf der breiten Straße mit sich, die so zu einem ansehnlichen Stück Stadt wird. Im gesamten ersten Bauabschnitt der KMA gibt es diesen Streifen ja auch. Wenn dort Parkplätze wären, würde der Eindruck massiv entwertet. Im chaotischen Hinterland, welches der DDR Städtebau um die Hauptachse herum angelegt hat, gibt es genug Parkplätze und auch keine konkurrierende Vision. Um so wichtiger ist es wenigstens die Achse repräsentativ zu Gestalten. Sehr gut.


    Unsinnig erscheinen mir aber die Schikanen auf dem Superradweg. Sie sollen wohl der Entschleunigung dienen, könnten aber zu Unfallgefahr führen.

  • Das sind Fußgänger-Querungshilfen. Bei Bürgeranhörungen wurden mehr Fußgängerübergänge gewünscht. Eine Ampel werden Sie jedoch nicht erhalten. Angeblich soll der Radweg an den schmalen Stellen aber immernoch 2,70m breit sein. Bei der Informationsveranstaltung wurde gesagt, man werde die Situation beobachten und vielleicht auch die Seitenparkstreifen aufgeben und den Raum anders nutzen.

  • ^ Ja, die Fußgängerbuchten sehe ich auch nicht als großes Problem. Derzeit kreuzt der Radweg auf der KMA direkt die Routen der Fußgänger, und an Ampeln stehen sie gerne mittendrauf. Es wird also auf jeden Fall besser.


    Zur Debatte um den Grünstreifen: Parkende Autos in der Mitte einer Allee sind hässlich, selbst wenn das einem zu schützenden Zustand entsprechen mag (wie die Linke hier argumentiert). Ob es wirklich der Stadtökologie hilft, wenn so ein Parkstreifen entsiegelt und bepflanzt wird, vermag ich nicht einzuschätzen. Der Stadtoptik hilft es auf jeden Fall.


    Zu dem Argument mit dem Parkplatzmangel: In meiner Straße (Gründerzeit, Friedrichshain) finden sich fünf oder sechs Parkplätze vor einer Mietskaserne mit ca. 30 Wohnungen. Im Viertel um die KMA gibt es 3700 Parkplätze auf 4700 Wohnungen. Ca. 170 Parkplätze sollen jetzt wegfallen. Das erscheint mir verschmerzbar.


    Und ich wiederhole mich: Wenn es um ihre Wohnungen geht, werden die Leute in der KMA in diesem Forum regelmäßig verdächtigt, eine "Klientel" zu sein – wahlweise alte SED-Kader oder "Sozialschmarotzer", die der Entwicklung einer modernen Hauptstadt im Wege stünden, weshalb ihnen keinesfalls ein "Recht" zustehe, in Mitte zu wohnen. Geht es um ihre Parkplätze, mutieren dieselben Personen zu gebrechlichen alten Leuten, denen kalte grüne Ideologen den dringend benötigten Weg zum Arzt unmöglich machen wollen. Irgendwie beschleicht mich der Eindruck, hier geht es nicht um alte Leute, sondern um die eigene Angst, mit der autofixierten Stadt könnte es irgendwann doch vorbei sein...

  • ^sehe ich nicht so. Wenn du aber selbst mal krank bist oder einen Partner hast der krank ist, hättest du womöglich mehr Verständnis für die Notwendigkeit von Individualverkehr in Großstädten. Eine kluge, begrüßenswerte Entscheidung des Senats war in diesem Kontext z.B. die Parkraumbewirtschaftung in Friedrichshain. Dadurch hat sich die Parkplatzsituation verbessert. Andererseits wurden und werden aber immer mehr Parkplätze "Opfer" von Spezialangeboten: Zusätzliche Fahrradparkplätze (obwohl die meisten ihre Fahrräder so und so im Innenhof oder sogar in die eigene Wohnung mitnehmen), zusätzliche Plätze für irgendwelche elektro roller usw.
    Finde ich schade.

    Bzgl KMA: Man hätte ja auch etwas für beide Seiten tun können: Warum kein Kunstrasen der es ermöglich das Wasser versickern kann und trotzdem Autos parken können?

  • Um der Stadtoptik und -Ökologie auf die Sprünge zu helfen und die Parkplätze nicht zu eliminieren, könnte man als Ideallösung die Parkplätze im Prinzip auch in ein öffentliches, unterirdisches Parkhaus verlegen und im Mittelstreifen zwei Einfahrten in jeder Fahrtrichtungen platzieren. Wäre in so zentraler Lage vielleicht sowieso gar nicht so verkehrt. Würde aber natürlich deutlich mehr Geld kosten. Um die Finanzierung zu erleichtern könnte man da evtl. einen privaten Investor an Bord holen, der im Gegenzug einen Teil der Fläche des Parkhauses erhält.


    Wieso die Nutzer der Parkplätze und die Befürworter einer (meiner Meinung nach sehr wünschenswerten) Grünfläche gegeneinander ausspielen, wenn man auch beides haben kann? Es braucht nur etwas Fantasie und Mut zu kreativen Lösungen.


    Um in die Debatte Stadtverkehr einzusteigen: Ich halte es für eine sehr gute Idee, den Fahrradverkehr zu erhöhen - z.B. durch den Bau breiterer Fahrradstreifen oder durch den Bau von Fahrrradschnellstraßen. Ich bin aber nicht sicher, dass es eine gute Idee ist, radikal Parkplätze aus dem öffentlichen Raum zu eliminieren. Die Vision einer "autofreien Stadt" mag vielleicht für kleine Städte realisierbar sein, für eine Stadt mit der Größe von Berlin halte ich sie für schwer umzusetzen und vielleicht auch einfach nicht wünschenswert. Es gibt eine Reihe von Use Cases, die durch Öffentlichen Verkehr und Fahrrad einfach nicht gut abgedeckt werden. Beispiel: Einkauf. Will man wirklich jeden Tag lauter Tüten Einkauf ohne Auto nach Hause schleppen? Sicher, man kann auch jeden Tag einkaufen und dafür weniger, aber das kostet dann viel mehr Zeit. Und wenn im Haushalt viele Menschen wohnen, ist selbst das nicht unbedingt eine Option. Ebenso wenig, wenn man auf einem Hügel lebt und die Bahn nicht gerade vor der Tür hält (gibt es in Berlin zum Glück nicht meines Wissens). Klar, man kann sich den Einkauf auch nach Hause liefern lassen, aber dafür braucht man weiterhin die Straßen-Infrastruktur für die Transportlaster. Wieso soll man diese Infrastruktur nicht noch mit Individualverkehr (in einem vernünftigen Rahmen) auslasten?

  • ^ Das wird wohl nicht passieren angesichts der nahenden Fertigstellung.


    Warum aber sollten die Bewohner der KMA und anliegenden Gebiete mehr Parkraum zu Verfügung haben als anderswo? - Das konnte und können wohl die Befürworter einer schönen Autoabstellflächen auf der KMA nicht beantworten.


    Ich habe hier einzig das Verfahren zu kritisieren. Das hätte man besser und vor allem gleich kommunizieren können. Die Klimaprobleme bestanden auch schon während des Werkstattverfahrens.

  • @RainerTee: Schönes Video und alles nachvollziehbar. Nur sind eben nicht alle Stadtteile darauf ausgelegt. Sogar im Friedrichshainer Südkiez. Auf meine Anfrage welcher Hausarzt z.B. noch einen Patienten aufnimmt hat meine Krankenkasse recherchiert. Das Ergebnis: Der nächste Hausarzt der Patienten aufnimmt ist 20 Autominuten entfernt. Öffentlich: 45 Minuten. Das ist nicht zumutbar wenn jemand 39° Grad Fieber hat. Klar kann man den ärztlichen Bereitschaftsdienst holen, aber das ist nur eine Notversorgung. Was ist mit der eigenen Patientenhistorie? Man sieht also: Wenn die alltägliche Versorgung nicht sichergestellt ist (und das ist in diesem Trabantenviertel KMA noch stärker der Fall), dann sind die Wege länger. Wenn die Wege länger sind und die Temperaturen kalt, wie kann das Fahrrad das Mittel der Wahl sein? Das sind Utopien und Utopien waren noch nie ein guter Ratgeber. Was mir auch noch einfällt: Was ist eigl mit Kindern? Kann man seine 6-jährige allen Ernstes mit dem Fahrrad zum Arzt schicken? Sicher nicht. Also erstmal ein Drive Now suchen oder wie soll ich mir die rosige Zukunft vorstellen? Mit dem Tandem zu Onkel Doktor?

  • ^ Mir scheint, dass Du Dich hier etwas verrennst. Gerade für jene gebrechlichen oder kranken Leute und für Kinder sind Parkplätze, die nur nach Überquerung einer mehrspurigen Straße erreichbar sind, alles andere als optimal. Wer dauerhaft behindert und auf einen eigenen Parkplatz angewiesen ist, für den bleiben zudem nicht nur überdurchschnittlich viele Parkplätze, sondern es gibt u.a. die von Tomov verlinkte Möglichkeit. Zudem übernehmen Krankenkassen in vielen Fällen Taxikosten.


    Weiter: Auf der KMA fuhren früher viele Trabants, aber es ist deswegen nocht kein "Tranbantenviertel". Wir befinden uns hier in einer zentral gelegenen Straße, wenige Minuten vom Alexanderplatz, mit U-Bahn-Anschluss, da kann man sehr gut auf ein eigenes Auto verzichten. Ich selbst lebe in Mitte, habe seit Jahren kein eigenes Auto mehr und freue mich noch immer über diese Entscheidung, weil es gerade in einer Großstadt und gerade im Zentrum Berlins so viele Alternativen gibt: ÖPNV, Fahrrad, per pedes, diverse Car,-Motor,- und Tretroller-Sharing-Dienste, (die kleinen Smarts von Share Now nehmen weniger Parkraum ein und es finden sich leicht Parkplätze), CleverShuttle, hier im Osten sogar noch der geniale Berlkönig (dessen Zukunft übrigens heute entschieden wird). Ohne ein eigenes Auto spart man zudem soviel Geld (Versicherung, Steuern, Reparaturen, Wertverfall, Parkgebühren etc.) ein, dass man sich, wenn nötig, auch sehr viele Taxifahrten leisten kann und immer noch deutlich günstiger wegkommt.

  • Was für ein Getrolle. Wir reden hier nicht von Kleinkleckersdorf, wo zwei Mal am Tag der Bus kommt und so neben dem eigenen Fahrzeug nur Taxis für die erwähnten Arztbesuche o.Ä. in Frage kommen, sondern vom hervorragend erschlossenen Zentrum Berlins, in dem man, so nebenbei gesagt, im Rahmen des VBB-Abo 65plus für 51€ (im Voraus für ein Jahr bezahlt für 49,41€) im Monat eine Fahrkarte für den gesamten VBB erhält. Mal ganz davon abgesehen, dass Langzeitbewohnern der Gegend durchaus Ärzte in fußläufiger Entfernung zur Verfügung stehen dürften.


    Genutzt wurde das günstige Parken auf dem Mittelstreifen zu nicht geringem Teil entsprechend von Berlinern und Brandenburgern, die dann am Abend mit vollgepackten Einkaufstüten aus Richtung Alexa, Alexanderplatz und anderen Teilen von Mitte wieder zu ihren Autos marschieren.

  • Sogar im Friedrichshainer Südkiez. Auf meine Anfrage welcher Hausarzt z.B. noch einen Patienten aufnimmt hat meine Krankenkasse recherchiert. Das Ergebnis: Der nächste Hausarzt der Patienten aufnimmt ist 20 Autominuten entfernt. Öffentlich: 45 Minuten.

    Vielleicht solltest Du nicht Deiner Krankenkasse vertrauen. Frag' einfach Google: Z.B. nimmt (die mir unbekannte) Dr. med. Susanne Preiß (Internistin und Hausärztin) in der Oderstr. 14 Patienten auf. Kannst sogar ohne Termin hinkommen.


    Ich finde, Debatten um die Einschränkung des Autoverkehrs nehmen immer absurde Wendungen: Jeder weiß, dass ein großer Teil der Autofahrten keinesfalls von altersschwachen Greisen und akut Kranken absolviert wird, oder von Leuten, die soviel zu transportieren haben, dass es anders nicht geht - sondern aus Gewohnheit auf Strecken, die mit dem Rad oder den Öffis teilweise schneller und einfacher zu schaffen wären. Und doch werden ständig Extremfälle zum Normalfall erhoben, damit bloß kein einziger Parkplatz z.B. für Fahrräder "geopfert" wird.


    Den Vogel abgeschossen hat vor einigen Jahren der verschwundene Nutzer "Pumpernickel": Er argumentierte für das Auto, weil Staatsanwälte die U-Bahn nicht nutzen würden - dort könnten schließlich rachlustige Ex-Knackis auftauchen, an deren Verurteilung sie beteiligt waren. :rolleyes:

  • Warum so ein einseitiger Kommentar?

    Einseitig? Ich habe nur die Realität beschrieben.

    Und auch ich bin dafür große Betonflächen aufzureißen und, wie OlympiaFlo schreibt, Betongitter oder auch gleich Rasen einzusetzen. Aber hier geht es auch um die Historie des Ortes ergo Denkmalschutz und Weltkulturerbe. Und da finde ich, dass ein Grünstreifen an dieser Stelle viel zu wenig bringt, als dass man das hinten runterfallen lassen kann.

  • Danke, ElleDeBE ! Sehe ich genau so. Bin selbst Mieter der KMA, wohne schon immer im Zentrum unserer Stadt und vermisse bis heute kein Auto, dank super ÖPNV, Fahrrad etc. Für Auswärts wäre es aber wieder anders. ;-)


    Mod: Die Zitatfunktion bitte sparsam nutzen! Danke

  • ^

    Der Vergleich mit Holland ist ein Tomaten-Bohnen-Vergleich. Ich glaube den meisten Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie klein die holländischen Städte flächenmäßig tatsächlich sind. Deren mit mehr als 800.000 Einwohnern größte Stadt Amsterdam (ohne Wasserflächen) ist z.B. deutlich kleiner als Braunschweig (300k) oder Karlsruhe (300k) und in etwa genauso groß wie die deutschen Städte Aachen (250k) oder Goslar, eine Stadt mit gar nur etwa 50.000 Einwohnern. Deren einwohnermäßig zweitgrößte Stadt Rotterdam ist flächemäßig auch nur unwesentlich größer und besitzt zwar den größten Hafen Europas, ist aber um den Faktor 3,5 kleiner als Hamburg und nur etwa so groß wie Rostock. Die einwohnermäßig immer noch deutlich kleineren Städte Bremen (560k), sowie Dresden (550k) besitzen z.B. glatt mal die doppelte(!) Stadtfläche Amsterdams und sind -jede für sich- schon beinahe so groß wie Rotterdam und Amsterdam zusammen.


    Das lässt nur zwei Schlussfolgerungen zu:


    a) Holländische Städte sind winzig

    b) Deutsche Städte sind riesig


    In jedem Fall reden wir -wenn wir Holland als Maßstab für die "autofreie" Stadt heranziehen- flächenmäßig über fucking Goslar und nicht über Berlin, das eine völlig andere Dimension von Stadt darstellt. Die "Kultiviertheit und Fortschrittlichkeit Amsterdams" müsste um den Faktor ~5,5 multipliziert werden, um mit Berlin verglichen werden zu können. Aber wie sieht es denn wirtschaftlich aus?


    BIP Amsterdam: ca. 160 Mrd. Euro

    BIP Berlin: ca. 150 Mrd. Euro (*x5,5 = 825 Mrd. Euro)


    *Berlin müsste ~225Mrd. Euro mehr Wirtschaftskraft haben als London (600Mrd. Euro) um Amsterdams Verhältnisse zu haben. Oder um es anders zu formulieren, wir setzen weniger Waren und Dienstleistungen in einem Jahr um, als das nach Einwohnern 4x kleinere und nach Fläche 5,5x kleinere Amsterdam.

  • ^Man sollte sich nicht von Verwaltungs- oder Stadtgrenzen täuschen lassen. Groß-Amsterdam hat etwa 2,5 Mio Einwohner und liegt in der Randstad mit etwa 8 Mio Einwohnern, wozu auch Utrecht gehört. Paris in seinen Stadtgrenzen ist auch nicht so groß wie Berlin. Gehört aber nicht zum Thema.

    Es geht hier um Parkplätze in der Innenstadt. Die findet man weder in Amsterdam noch in Paris so wie hier in der KMA.

  • ^Gerade die Relation Amsterdam <> Utrecht ist aber ein schlechtes Beispiel, wenn es um Radwege geht. Die Autobahn A2 hat fünf Fahrstreifen (pro Richtung!), ein sechster Fahrstreifen wurde gleich mitasphaltiert (aber nicht abmarkiert) und dazu gibt's auch 'nen Standstreifen. Das Cliché von den Niederländern, die überall hinradeln, ist leider nur das, ein Cliché...


    Im übrigen finde ich, dass die KMA zwischen Alex und Strausberger Platz auf ein humanes Maß zurückgebaut werden sollte. Braucht man da mehr als zwei Spuren pro Richtung? Und Hand auf's Herz, braucht wirklich irgendjemand soviel versiegelte Fläche? Niemand will da hin, jeder eigentlich doch nur durch oder weg. Es gibt da kaum was, deswegen es sich anzuhalten lohnte, sozusagen innerstädtisches Niemandsland.