Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee

  • Es ist eh völlig absurd, diese zwei Orte zum Weltkulturerbe ernennen zu wollen. Bei der Frankfurter kann ich es noch eher nachvollziehen, aber beim Hansaviertel, diesem toten Unort unurbaner Hässlichkeit, ja nun mal gar nicht.


    Ich fände es also nicht tragisch, wenn man den Grünstreifen bekäme und dadurch der Denkmalschutz entfiele bzw. kein Weltkulturerbe zustande käme.

  • Warum sollte man die Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger und Alexanderplatz in der so gebauten Form konservieren? Schon im Planwerk Innenstadt von 1999 hatte man eine Verdichtung vorgesehen. Ich würde noch weiter gehen und die langweiligen Plattenbauten hinter anderen Häusern in die zweite Reihe setzen. Durch die vorgehängte Dämmung sind sie sowieso nicht mehr im Originalzustand.

  • ^ Das ist natürlich Quatsch. Damit würde die Karl-Marx-Alle ihren Charakter verlieren.

    Was mich aber interessieren würde, warum man die Idee der Ergänzung der fehlenden Pavillons nicht vorantreibt.

  • Den heutigen Charakter sollte die KMA II auch verlieren, es sei denn man wünscht sich ein großflächiges DDR-Museum. Was nötig ist sind Wohnungen auf städtischen Flächen die bestens erschlossen sind. Das wurde in diesem Strang auch schon im Mai 2018 ausführlich diskutiert.

  • Unseren Reko-Honni lasse ich jetzt mal links liegen, aber eine Aufnahme der KMA II in die Unesco-Welterbeliste dürfte wohl nicht an einem Grünstreifen scheitern, sondern eher daran, dass die Plattenbauten seit der Wende mehrmals saniert wurden und nicht mehr im Originalzustand sind.

  • ^ Darum geht es doch überhaupt nicht. Eine völlige Überformung der KMA wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Da braucht man nicht von der Aufnahme in die UNESCO-Liste zu faseln.

  • Im Tagesspiegel wird der Frage nachgegangen, wofür und wogegen sich die Anwohner der KMA wann ausgesprochen haben, ob für den Erhalt der Parkplätze oder nicht. Das interessante Ergebnis: Die hier (auch von mir) vorausgesetzte Tatsache, es hätte ein klares Ergebnis einer Bürgerbeteiligung für den Erhalt der Parkplätze gegeben, erweist sich bei genauerem Hinsehen als fragwürdig.

  • Hier der Neubauabschnitt mit den Laternen, die mir ziemlich gut gefallen.


    Der vier Meter breite Radweg auf der Südseite scheint aber der nächste Berliner Schildbürgerstreich zu werden. Mehrere Fußgängerüberwege verengen diesen um die Hälfte und machen jeglichen Komfort zur Nichte und haben Unfallgefahren zur Folge.


  • ^ Echt jetzt? Weil die Straße wegen der Bauarbeiten leer und wegen der Nacht beleuchtet ist, assoziierst Du "Todesstreifen"? Wenn Du die KMA in diesem Abschnitt zu unwirtlich findest, dann begründe das doch einfach.


    Rotes Rathaus:


    Leider sieht man auf dem Bild vor lauter Licht die gelobten Laternen nicht. ;) Werde sie mir bald mal anschauen. Was die Radwege betrifft: In dieser Form ist natürlich viel Show dabei. Jeder weiß, dass ein solcher Aufwand schon aus Platzmangel nicht flächendeckend umzusetzen ist. Andererseits ist hier genug Platz vorhanden, warum also nicht? Und Deinem Urteil mit dem Schildbürgerstreich will ich mich (noch) nicht anschließen: Bisher lief dort eine 1,50 Meter (?) breite Fahrrad-Buckelpiste auf dem Bürgersteig und kreuzte die Fußgängerüberwege viel direkter als in Zukunft. Denn künftig bleiben immerhin zwei Meter Platz für Radfahrer, und zwar auf getrenntem Terrain, auf dem eher keine Leute herumstehen, die vor lauter Smartphone-Blingbling die Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Sicher verlangt die Verengung den Radfahrern Konzentration und Rücksichtnahme ab – aber nicht über das Maß hinaus, dass man von Verkehrsteilnehmern erwarten muss.

  • Deswegen: abwarten und Tee trinken. Das müssen wir wirklich hinbekommen, im Interesse aller hier.

    Ausserdem anmerkend: der Umbau kann nach dem Abschluss nur besser werden, hoffe auf weniger Ampeln in den Seitenstrassen, dafür mehr Zebrastreifenund besonders auch hier wieder: Funktionalität vor oberflächlicher Ästhetik, sehe neue Straßenlaternen. Wir leben in Zeiten wo man so viel erreichen kann um Strom zu sparen, effizienter zu Haushalten und trotzdem ein angemessenes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. (Ob für Radfahrerende, Fußgänger etc.) Wir brauchen keine Beleuchtung die ganze Nacht, wir brauchen Effizienz und Lebensqualität zugleich.


    Ein wahrhaft wohliger Lebensraum. Mit dem schützenswerten Charme des alten Todesstreifens.

    Wie meinst Du das?

  • Zitat von Minimalist
    "Ein wahrhaft wohliger Lebensraum. Mit dem schützenswerten Charme des alten Todesstreifens."

    Wie meinst Du das?


    Na, was ich auf dem Bild sehe, ist ein durch Peitschenlampen hell erleuchteter, breiter Raum, den kein normaler Mensch je betritt. Nicht einmal die Anwohner der KMA wollen auf ihrem eigenen Gehweg an dieser Straße tot überm Zaun hängen. Dort findet - abgesehen von dem vorbeibrausenden Verkehr - keinerlei Gesellschaft statt. Es gibt auch für Autos keinen Grund, anzuhalten, weil sich neben ein paar belanglosen Pavillons eben nur reizloses Gestrüpp findet. Und an den weit entfernten Rändern dieses Raumes stehen die zur Straße meist verschlossenen Platten wie eine Wand, die dem Raum auch nichts zu geben haben.

    Zusammengefasst ist es eben ein durch und durch 'toter Streifen', auf dem ganz offenkundig nicht einmal die verweilen wollen, die diesen Ort angeblich so überaus kostbar finden.

  • ^ Ich weiß zwar immer noch nicht, wo da ein "Todesstreifen" ins Spiel kommt, und ich bin sicher, dass die Gegend auch von "normalen Menschen" regelmäßig betreten wird (von mir, zum Beispiel) – aber sonst sind das Argumente, die ich nachvollziehen kann. Niemand würde einen Stadtraum heute noch so gestalten. In ihm vereinigen sich drei Tendenzen, die längst überholt bzw. obsolet sind: Die "autogerechte Stadt" mit ihren überbreiten Verkehrsachsen; die städtebauliche Moderne mit ihrer Auflösung des urbanen Raumes in von Grünflächen umgebene Solitäre; schließlich der Repräsentationswille des DDR-Hauptstadtbaus, der mit knappen Mitteln eine grandiose Raumwirkung erzielen und sich gleichzeitig vom Zuckerbäcker-Pomp der Stalin-Zeit abgrenzen wollte. Die Straße war nicht zuletzt auch für Paraden gedacht, und der Abstand zu den Gebäuden bot Platz für die Tribünen, von denen die Führung den vorbeiziehenden Massen zuwinken konnte,


    Auf den heutigen Betrachter wirkt das befremdlich. Viel Raum ohne Funktion; eine Transitzone ohne Aufenthaltsqualität; eine weite Leere mitten in der Stadt, deren Zweck nicht mehr so einfach nachvollziehbar ist. Aber gerade das macht diese Straße doch interessant: In ihr hallt eine untergegangene Epoche nach. Ich weiß, dass viele hier die ganze Gegend am liebsten komplett umgestalten möchten. Es gibt auch gute (pragmatische wie ästhetische) Gründe dafür. Andererseits ist die westliche Karl-Marx-Allee nicht nur das Überbleibsel eines anachronistischen Verständnisses von Stadt, sondern auch sichtbares Zeugnis eines Konflikts, der nicht nur Berlin, sondern die ganze Welt über Jahrzehnte in Atem hielt. Sollte man das einfach wegmachen?

  • ^ Ich weiß zwar immer noch nicht, wo da ein "Todesstreifen" ins Spiel kommt,

    Ich weiß ja nicht, wie alt du bist, aber der Todesstreifen in Berlin war nachts eine hell erleutete Schneise mitten in der Stadt ohne Menschen. Lebensfeindlich und leer. Mir ist klar, dass es auf der KMA keine Selbstschussanlagen gibt, aber das Bild da oben erinnert mich an den damaligen Blick auf diese helle Schneise, auf der auch kein Leben gedieh. Später habe ich mal ein paar Jahre auf der KMA gewohnt. Und auf der oben gezeigten Strecke ist mir fast nie ein Mensch begegnet. Das ist mein Empfinden, das ist meine Erfahrung. Gestatte es mir....

  • Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass der Fassadenabstand zwischen Strausberger und Alexanderplatz auch militärischen Bedürfnissen geschuldet war. Im Falle, daß ein neuer Krieg ausgebrochen und das Ostberliner Zentrum Festung geworden wäre, hätte man hier ein Flugfeld gehabt. Ich kann dazu keine Quellen finden, vielleicht weiß hier ja jemand, ob es nur ein 'urban myth' ist. Platz genug einen Jumbojet zu landen, ist jedenfalls.

  • Die militärischen Bedürfnisse hatten bei den großen Freiflächen damals immer auch eine Rolle gespielt, nicht nur für die Aufmärsche mit Panzern zum 1. Mai. Es gab ja auch die extrabreiten Autobahnabschnitte ohne Mittelstreifen die ruck zuck zu Landebahnen umfunktioniert werden konnten. Auch der riesigen Parkplätze vor dem Palast der Republik oder der wo Heute das Alexa steht oder der vor dem ehmaligen Polizeipräsidium Otto-Braun-str. wurden öfter genutzt um dort Fahrzeuge zB. der Kampfgruppen bei Großveranstaltungen zu Parken und die Truppen Marschfertig zu machen. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.


    Mod: Sinnloses Zitat gelöscht.

  • ^ und ^^: Ich wage zu bezweifeln, dass die KMA im Kriegsfall als Flugplatz getaugt hätte. Mag schon sein, dass sowas in irgendwelchen Strategiepapieren der NVA stand, aber im Ernstfall wäre es doch nach dem ersten Bombenangriff Makulatur gewesen. Zumal eine militärische Auseinandersetzung zwischen NATO und Warschauer Pakt vor der Annäherung unter Reagan und Gorbatschow binnen Tagen zum thermonuklearen Vernichtungskrieg eskaliert wäre. Und der hätte ganz Berlin in Asche verwandelt.


    Aber die Nutzung als Paradestraße war prägend für den städtebaulichen Entwurf: Wie gesagt, standen dort die Tribünen, vor denen die Führung Militär und Massenorganisationen an sich vorbeiziehen ließ. Ganz in der Nähe befanden sich die von Hensi erwähnten Bereitstellungsflächen. Ob man das als "militärische Nutzung" bezeichnen will, ist Auslegungssache. (Aber, ja: Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Ich hoffe, sie kommen nicht wieder...)