Rekonstruktion Hof im Pellerhaus

  • Die Rekonstruktion eines ursprünglichen Gebäudezustands halte ich durchaus für legitim, weshalb ich auch den Wiederaufbau des Hofes uneingeschränkt unterstütze.


    Schwieriger stellt es sich bei Gebäuden dar, die gar nicht mehr existieren (Berliner Stadtschloss). Ich würde mir wünschen, dass die heutige Architektur so stark wäre und echte Argumente hätte, die für eine "moderne" Neubebauung sprechen können. Das ist aber nicht der Fall, weshalb eine Rekonstruktion zumindest die Garantie leisten kann stadräumlich und ästhetisch verträglich zu sein.

  • Die teils erbitterte Diskussion ist mittlerweile ziemlich ausgelutscht, auch wenn die alten Argumente immer wieder fröhliche Urständ feiern. Die Auseinandersetzung basierte auf ziemlich vielen Mißverständnissen beiderseits. Ich denke, daß die Diskussion in den vergangenen Jahren generell sehr fruchtbar war.


    In Nürnberg ist die Diskussion eben um das Pellerhaus und den Pellerhof geführt worden. Man kann sogar von Glück reden, daß ein solches Projekt in Nürnberg angeschoben wurde, sonst hätte in dieser Stadt wohl nicht so schnell eine Diskussion zum Thema Rekonstruktionen stattgefunden, wo es doch gerade in einer Stadt mit diesem Zustand so ein wichtiger Bestandteil des Architekturbewußtseins ist.


    Dennoch ist deutlich, daß gerade in Nürnberg in den sogenannten Fachkreisen und in der Verwaltung sowie bei bestimmten Interessengruppen noch nicht angekommen ist, daß das extreme und kategorische Ablehnen von Wiederaufbaumaßnahmen eine äußerst gestrige Position ist. An dieser Stelle könnte man wieder etwas böswillig sagen: es dauert immer etwas länger, bis Tendenzen in der Provinz ankommen; vielleicht bauen wir in 20, 30 Jahren das Toplerhaus wieder auf. ;) Ich möchte insofern die Diskussion nicht wieder anheizen, sondern nur einen Leserbrief zitieren, der damals zum Bericht über Pollmanns Pellerhof-Projekt geschrieben wurde:

    „In any other country, a war-destroyed Pellerhaus would have been
    restored fifty years ago. For God’s sake, go on with it.“
    (Leserbrief aus der NZ vom 31.12.2005)

  • Der gerade erschienene neueste Band der "Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg" beinhaltet auch zwei Aufsätze zum Thema Pellerhaus/Pellerhof.
    Quelle: http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=939255&kat=317


    Ich habe sie aber noch nicht lesen können, da ich die Mitteilungen noch nicht habe. Ich hoffe, daß sie mir noch vor Weihnachten zugestellt werden. Vor allem auf den Artikel von Herbert May bin ich gespannt.

  • http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=969995&kat=11


    Laut diesem Artikel der NZ bringt sich Nürnberg ins Gespräch um den Sitz des zukünftigen "Museum der Bayerischen Geschichte"! Als Standort wird das Pellerhaus vorgeschlagen!


    Das wäre ein Paukenschlag, würde auf die Frankenmetropole die Wahl fallen! Es würde Symbol des modernen Bayern werden! Allerdings traue ich diese Weitsicht der CSU nicht zu. Wahrscheinlich wird in München ein representatieves Museum hierfür gebaut. Aber lasst uns träumen...

  • und wieder berichtet die "NZ" über die arbeiten am pellerhof.


    Man habe einige überraschende entdeckungen gemacht.
    - zum beispiel habe man einen 10 meter tiefen und 2 meter breiten brunnenschacht mit unterirdisch verzweigten gängen gefunden und ausgegraben.
    - außerdem sei man auf unter den herausgerissenen betondecken der 50er auf teile des original fußbodens aus solnhofener platten im "rosensptz-muster" gestoßen.
    - und schließlich hätte man teile eines spätgotischen hauses in der anlage ausgemacht, das offenbar im pellerhof überbaut und integriert war.


    letztlich gehen die bauarbeiten gut voran. bis 2016 will man den hof fertig bekommen. dazu fehlen jedoch noch 2 millionen euro. bislang habe man 300 000 euro verbaut, zur verfügung stünden bereits 1 million (von insgesamt benötigten 3).


    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1269746&kat=11&man=4


    D.

  • Es gibt endlich mal wieder was zur Rekonstruktion des Pellerhofes zu berichten.


    Der erste von drei Bauabschnitten konnte inzwischen fertig gestellt werden. Fuer den kompletten Weideraufbau des Hofes sind bislang 1,2 Millionen von 3,5 Millionen Euro zusammen gekommen. Man hofft auf mehr Initiative seitens der Nuernberger Wirtschaft, das buergerliche Engagement waere schon recht ordentlich gewesen.



    Artikel mit Foto:
    http://www.nordbayern.de/nuern…bereits-erahnen-1.1130220



    D.

  • Ich wünsche mir sehr eine Rekonstruktion der Straßenfassade. Warum? Ich lebe seit 9 Jahren in Nürnberg. Ich war schon mehrfach im Fembohaus und führe jeden Gast auch dorthin oder mindestens daran vorbei. Das Pellerhaus dagegen war für mich jahrelang ein Mythos. Ich wusste wo es stand, aber von der inneren Laufer Gasse aus gesehen habe ich nur diese abschreckende Fassade gesehen, die mich sehr an ein frühsozialistisches Kulturhaus erinnerte, wie ich ähnliche in Ostberlin, Dessau oder Leipzig erwaten würde. Die Streng geschlossene und gar nicht altstädtische Fassade hat mich nie angelockt.
    Bis ich sehr spät mitbekam, dass darin ein Innenhof sein soll, der wohl sehr sehenswert sein soll. Bis heute habe ich den aber nicht mit eigenen Augen gesehen. Es wäre besser gewesen, das Vorderhaus ganz weg zu lassen, sodass vom Egidienplatz aus der Innenhof sichtbar wird.


    Was ich damit sagen will: Für einen Architekturlaie, aber Stadtinteressierten Besucher ist der Egidienplatz kein Erlebnis und es nichteinmal wert, die Innere Laufer Gasse entlangspazierend nach norden abzubiegen. In etwa mit diesem Kommentar: "...ein steiler Platz, eigentlich ein Parkplatz, eine Barockkirche und sonst eigentlich nicht viel Sehens- und Erlebenswertes, lass uns weiter zum Hauptmarkt, da gibts etwas zu sehen".


    Die Rekonstruktion des Innenhofes aber kostet derzeit schon viel, und dauert schon sehr lange. Ich halte es daher für wahrscheinlich, dass irgendwann die Konsequenz gezogen wird auch die Vorderfassade wiederherzustellen. Der Jetzige Zustand - Denkmalschutz hin oder her - hat meiner Meinung nach, an dieser Stelle und dieses Juwel im innern verbergend, bestenfalls Provisioriencharakter.

  • Da scheiden sich die Geister. Sicherlich war die alte Renaissance-Fassade ein Prachtstück, das man nach dem Krieg wieder hätte aufbauen sollen. Man hat sich damals leider anders entschieden. Das war sicherlich ein schwerer Fehler.


    Trotzdem hat - meiner Meinung nach - die Nachkriegsfassade auch ihren Reiz. Sie spiegelt den filigranen Stil der 50er Jahre wieder und steht inzwischen auch unter Denkmalschutz. Wenn man die Bauten der 60er Jahre bis heute mit dem "neuen" Pellerhaus vergleicht, dann sticht dieses doch qualitativ deutlich ab.


    Der Egidienplatz an sich ist momentan äußerst häßlich, da gibt es dringend Handlungsbedarf. Der Platz wäre gewiss für Nürnberg wichtiger gewesen als der Umbau des Aufseßplatzes.
    Ein anderes Problem ist die offene künftige Nutzung des Pellerhauses. Der Hof wird ja von den Altstadtfreunden wieder hergestellt. Das Gebäude wird demnächst - nach Auszug der Stadtbibliothek - leer stehen. Eigentlich kann man sich so einen Unsinn, dass ein derartiges Objekt in dieser Lage keine Nutzung findet, kaum in einer anderen Stadt vorstellen.

  • Der Egidienplatz wird ja saniert. Dazu gibts hier auch schon nen Fred. Die zukünftige Nutzung des Pellerhauses steht anscheinend wirklich in den Sternen?! Zuerst schickte die Stadt das Gebäude ja in Rennen , um das Bayerische Museum nach Nürnberg zu holen. - Leider vergebens. Regensburg hat das Rennen gemacht. Durch den wunderschönen Innenhof und den sanierten Platz wird das Gebäude sicherlich Touristen anlocken. Es müsste auch entsprechend vermarktet werden... Langfristig sehe ich für die in den 50er errichteten Gebäudeteile keine andere Lösung, als das Gebäude zu entkernen und danach neu zu strukturieren. Denn eine Rekonstruktion der Fassade erscheint mir definitiev zu teuer!

  • Es war schon mal ein Hotel im Gespräch. Dürfte aber mit der Gebäudesubstanz unmöglich sein - geringe Geschoßhöhen.
    Eigentlich wäre das der ideale Standort für ein städtischen Kunstmuseum. Die Stadt Nürnberg besitzt eine riesige Kunstsammlung, die zum großen Teil im Depot vor sich hin gammelt. Aber angesichts der Finanzlage kann man das wohl vergessen. Die Stadt Nürnberg gibt einfach zu viel Geld für Konsum und zu wenig für Investition (auch in die Kultur) aus. Hinzu kommt die Benachteiligung durch München.

  • Stimme ich dir zu, harher, es wäre ein idealer Hort für die Kunst. Ob wechselnde Ausstellungen oder Dauerausstellungen, oder auch eine neue Heimat für ein Auktionshaus könnte ich mir prima vorstellen.

  • Keine Ahnung wo ich diesen Link mal plazieren sollte. Aber es wird über die Schönheit und den Zweck der modernen Architektur überall diskutiert. Link. Und zum Pellerhof bin ich immernoch der Meinung, dass das, was dort bis 1945 gestanden hat, das schönste war, was der Mensch an diesem Plätzchen Erde fähig war und sein wird, zu bauen :)


    Generell sollte in der Architektur niemals ein Bau einem weniger schönen Bau weichen.


    Baut's wieder auf!

  • Stimmt, aber das Thema ist auf absehbare Zeit gegessen.
    Übrigens sind die Denkmalschützer der Auffassung, dass man Verlorengegangenes nicht wieder rekonstruieren soll. Sozusagen, was weg ist, ist weg ...
    An sich ist der Nachkriegsbau ja nicht sooo schlecht (da gibt es in Nürnberg noch viel schlimmere Dinger), nur war das historische Gebäude natürlich viel schöner.

  • ..., was weg ist, ist weg ...



    Was sich am Ende aber kontraproduktiv auswirkt hinsichtlich des Sinn und Zwecks des Denkmalschutzgedankens. Denn das beruht eher auf der Idee, den Zerstörungsprozess als Dokument mit in den Denkmalgedanken aufzunehmen. Aber seit dem Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden ist diese Denkweise doch eigentlich obsolet.


    Es verkennt außerdem, dass eine Stadt immernoch in erster Linie ein Lebensraum ist und keine Ansammlung von Denkmälern (Vorallem wenn ein Gebäude durch dessen Abwesenheit ein Denkmal sein soll).


    Mag sein, dass das erstmal vom Tisch ist. Aber das kommt trotzdem immer wieder. Ich hoffe eben nur, das mit der Zeit auch das Verständnis für die Sinnhaftigkeit von Rekonstruktionen wächst. Dass der Innenhof des Pellerhauses ja auch nicht im Ist-Zustand verbleiben soll, ist ja schonmal ein Zeichen in die Richtige Richtung.