Rekonstruktion Hof im Pellerhaus

  • Rekonstruktion Hof im Pellerhaus

    Hallo Zusammen,


    Letztes Jahr wurde das Pellerhaus 400 Jahre alt, der Steinmetz Harald Pollmann schenkte vier von ihm originalgetreu rekonstruierte Sandsteinquader der Stadt Nürnberg. Damit hat er eine Diskussion angeschoben, ob das Pellerhaus, welches im Krieg zum größten Teil zerstört wurden, wieder rekonstruriert werden sollte? Die momentanen Bestrebungen gehen dahin, den nicht mehr aufgebauten Innenhof wieder komplett herzustellen. Manche gehen selbst soweit, dass die neukonzipierte Fassade (nach dem Ende des Krieges) ebenfalls durch die Rekonstruktion ersetzt werden soll.


    Zitat:
    "Kaum eine andere Stadt Deutschlands hat so ihren alten Charakter bewahrt wie Nürnberg. Keine andere Stadt hat so viele alte Häuser und Höfe, wie diese deutscheste Stadt aller Städte. Eine Unsumme von verborgenener Reize und heimlicher Schätze erschließt sich dem Besucher, der nicht allein dem große Zug der Stadtanlage folgt, sondern in Ruhe den Einzelheiten nachspürt.
    Von allen Häusern und Höfen aber wird er am Ende seiner Entdeckerfahrten dem Pellerhaus mit seinem herrlichen Hof den ersten Preis zuerkennen. Der ganzen deutschen Kunstgeschichte ist diese Hausanlage bekannt und man hat sie nicht mit Unrecht als den schönsten Bürgersitz des ganzen Reiches bezeichnet..."


    Reinhold Schaffer, 1932


    Bilder findet Ihr hier:


    http://www.baukunst-nuernberg.…ce&objekt=Pellerhaus#Reko


    http://de.wikipedia.org/wiki/Pellerhaus


    So, nun die Frage an Euch, was haltet Ihr davon? Sollte man es wieder aufbauen? Oder sollte man die Arbeit derjenigen, die damals den Wiederaufbau betrieben haben respektieren? Ist es nicht ein Teil der Geschichte Nürnbergs, eine Narbe für den Weltkrieg?


    Mich würde mal Eure Meinung interessieren?


    Mittlerweile unterstützten diese Bestrebung auch die Altstadtfreunde.


    Des weiteren habe ich auch noch einen Auszug der Pressemitteilung der Stadt Nürnberg vom 21.4.2006 angehängt:
    Bürgermeister Dr. Klemens Gsell hat sich gegenüber den Altstadtfreunden Nürnberg e.V. vorbehaltlos für einen Wiederaufbau des Hofes des Pellerhauses nach den eingebrachten Vorschlägen ausgesprochen.


    "Der Pellerhof kann damit zu einem herausragenden Kleinod in diesem Bereich der Altstadt werden. Diese Einschätzung treffe ich nach eingehenden Gesprächen mit dem Steinmetz Harald Pollmann, Vertretern der Altstadtfreunde und Dr. Oscar Schneider als Zeitzeugen aus dem damaligen Stadtrat, der mir die seinerzeitigen Gründe über die getroffene Lösung dargelegt hat. Zudem habe ich mich über die Argumente der Denkmalschützer und des Baureferats informiert.


    Nach diesen Informationen und Gesprächen kann ich sagen, dass Nürnbergs Altstadt im Bereich des Egidienplatzes deutlich an Attraktivität gewinnen würde. Mit einem existenten Pellerhof wäre die Brücke zwischen dem hochattraktiven Burgviertel und den bedeutenden Bereichen um den Hirsvogelsaal und dem Tucherschlösschen mit einer Art Brücke verbunden, die interessierte Touristen in diesen Bereich der Altstadt lenken würde.


    Vor allem steht aber auch der positive Aspekt für unsere Heimatstadt im Vordergrund. Wie sehr stark durch die Bombardierungen des Krieges in Mitleidenschaft gezogene Städte von Rekonstruktionen profitieren, ist an vielen Gebäuden in Deutschland und Europa zu sehen. Solche Bauten wirken als identitätsstiftender Faktor für Bürgerinnen und Bürger. Diese gelungenen Beispiele zeigen darüber hinaus, dass die heutigen Handwerker durchaus in der Lage sind, solche Meisterwerke wie den Pellerhof mit dem damaligen Flair wieder entstehen zu lassen. Das Argument einer seelenlosen Fassade läuft nach meiner Überzeugung ins Leere.

  • Der Hof sollte rekonstruiert werden. Es ist wirklich ein herausragendes Beispiel der Baukunst jener Epoche und ein charakterisierender bau für Nürnberg !


    Allerdings würde ich mich dann doch zunächst auf den Hof beschränken und die Außenfassade belassen. Auch sie ist bei näherer BEtrachtung durchaus erhaltenswert und sollte zumindest nicht leichtfertig aufgegeben werden - wie etwa das Rundschauhaus in Frankfurt. Ein herber Verlust !

  • schade um die vergeudete energie!
    für die rekonstruktion der bonzenvilla die leere stadtkassen öffnen und dagegen kinderspielplätze etc. verwahrlosen zu lassen finde ich unverantwortlich romantisch.
    na vielleicht blüht der hüttenzauber in 500 jahren auch bill gates´ völlig überdackelter residence?
    lasst die toten ruhen.

  • Wenn man keine besseren Argumente hat, dann spielt man halt das, was einem nicht paßt, gegen Kindergärten, Schulen usw. aus - ziemlich langweilig! Außerdem wird die Rekonstruktion durch Spenden finanziert. Gewisse Kosten entstehen der Stadt natürlich dadurch, daß das Bauamt Planungen übernehmen soll - das ist richtig. Aber das sind doch Peanuts im Vergleich zu dem, was die Stadt dadurch wiedergewinnt.


    Zu Deinen "Argumenten" aus dem Thread Ideen für Nürnberg:


    Zitat von bluecher

    du siehst sie nicht? ich schon. abgeschlossene entwicklungen durch rekonstruktion neu aufzurollen und in einer momentanen laune zu entwerfen zerstört mehr als es neu erschaffen kann.
    das ist beim verkehrsberuhigten boulevard so krass wie beim begrünten steinernen mittelalterlichen platz.


    ich denke mit dehio und riegl: konservieren statt restaurieren.
    disneyland ist amerikanisch. nur! dort sind die originale in einem anderen maßstab, also ablesbar gefaked.


    was soll man von einer zeit denken, die ihre energie in die rekonstruktion von bonzenvillen der renaisance steckt? (sorry - gehört wohl eher zur peller maske)


    Wer sagt, daß der Mayersche Wiederaufbau eine abgeschlossene Entwicklung ist? Der Vorkriegszustand war eigentlich eine abgeschlossene Entwicklung, bis durch die Zerstörung in den abgeschlossenen Zustand eingegriffen wurde und der unsensible Wiederaufbau eine offene Wunde (und damit automatisch einen nicht-abgeschlossenen Zustand) hinterlassen hat.
    Wer spricht von einer momentanen Laune? Schon mal den Artikel von Bartetzko über das Pellerhaus gelesen? Er schreibt dort zwar viel fragwürdiges (und nach Aussage von Harald Pollmann stimmen die meisten Daten im Artikel gar nicht - ich kenne mich mit der Baugeschichte nicht gut genug aus, als daß ich das beurteilen könnte), aber mit einem hat er Recht: die Nürnberger haben das Mayersche Pellerhaus von Anfang an gehaßt und heute ignorieren sie es größtenteils. Die Ablehnung hat also eine fünfzigjährige Tradition und sie wird weitergehen, so lange dieser Zustand existiert - da kann dem dummen Volk noch so oft erzählt werden, wie schön das Haus in Wirklichkeit ist.
    Zu Dehio nur soviel: Er konnte die gewaltigen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nicht vorausahnen. Er konnte nicht wissen, daß fast alle deutschen Großstädte fast komplett ihrer historischen Stadtkerne beraubt werden würden. Wenn er das gewußt hätte, dann hätte er möglicherweise andere Maßstäbe angesetzt. Und wenn er trotzdem auf seinen Grundsätzen bestanden hätte, dann wäre er eben ein sturer Ideologe gewesen, dem man keinesfalls Folge leisten darf.
    Und was soll man von Leuten halten, die eventuell sogar zugeben, daß das ursprüngliche Pellerhaus ein Höhepunkt der europäischen Architektur war, die aber in ideologischer Verblendung die Wiederherstellung dennoch verteufeln und stattdessen ernsthaft behaupten, der jetzige Zustand sei auf jedem Fall einer Rekonstruktion dieses architektonischen Meisterwerks vorzuziehen? Was soll man von Leuten halten, die sich sogar der Wiederherstellung des teilweise erhaltenen und auch schon in den fünfzigern zum Teil rekonstruierten Innenhofs widersetzen, obwohl dadurch am Mayer-Bau nichts geändert wird (die teilweise Rekonstruktion des Innenhofes, insbesondere die Tatsache, daß nach dem ersten Obergeschoß nicht weitergebaut wurde, kann man ja wohl kaum als schützenswerte eigene geistige Leistung ansehen)?
    Und was soll man von Leuten halten, die unser kulturelles Erbe wegen ein paar Euro gegen Kindergärten aufrechnen? Was soll man von Leuten halten, die das bedeutendste deutsche Renaissance-Bürgerhaus als "bonzenvilla" abtun, die aber wahrscheinlich über italienische "bonzenvillen", die nur das Glück hatten, im Krieg nicht zerstört worden zu sein, in höchste Entzückung geraten? Ich weiß, was ich von solchen Leuten zu halten habe!

  • nicht besonders originell und auch unsachlich!

    man muß
    a) nicht jedem rekonstruktör nacheifern. kaputt bleibt kaputt. wiederbeleben und rekonstruieren ist keine denkmalpflege, die leistungen des wiederaufbaus der nachkriegszeit haben zusätzlich zum sachwert auch einen baukulturellen.
    und
    b) generell und pauschal habe ich noch keinen nürnberger kennengelernt, der das fünfziger jahre pellerhaus der mayers "haßt". rhetorisch also nachbesserungswürdig,
    c) dehio hat die zerstörung der historischen originale genau durch die hier vorherschenden haltung baulicher substanz gegenüber auf das schärfste kritisiert. es ging damals um den wiederaufbau des heidelberger schlosses. es ist eine tatsache, dass durch jene unverantwortlichen "reparateure" mehr kaputt geht als durch kriege. und da darf man
    d) fragen, ob es im sinne der allgemeinheit ist, bestimmten rückwärts orientierten strömungen geld für ihre individuelle hingabe zu opfern, statt sich dem allgemeinwohl zu verpflichten,
    und auch noch
    e) wird jeder fälscher von banknoten mit gefängnis bestraft. bauwerke darf man nach ansicht eines überwiegenden teils dieses forums ungestraft verfälschen und nachäffen. merke: nicht jeder gegener dieses baukulturellen fälschertums gerät in höchste verzückung beim betrachten mediterraner bonzenvillen...

  • zu a)
    kaputt bleibt kaputt: Wenn ich etwas repariere, ist es nicht mehr kaputt. An den Stellen, an denen ich repariert habe, ist es nicht mehr die Originalsubstanz, aber das geschieht doch bei den alten Kirchen andauernd. Hier ist es ganz normal, daß von Abgasen zerfressene Elemente der Bauplastik ausgetauscht werden. Im Pellerhof sollen im Krieg zerstörte Elemente wiederhergestellt werden – wo ist das Problem?
    leistungen des wiederaufbaus der nachkriegszeit haben zusätzlich zum sachwert auch einen baukulturellen: Der baukulturelle Wert des Nachkriegs-Pellerhauses ist aber wesentlich niedriger anzusetzen ist als der ursprüngliche Zustand - und auch deutlich geringer als die Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands. Hier mögen manche vielleicht anderer Meinung sein, aber dazu kann ich nur „akademischer Elfenbeinturm“ sagen. Außerdem steht im Moment die Rekonstruktion des ganzen Hauses sowieso nicht zur Debatte und der Wiederaufbau des Hofes greift gar nicht in die Substanz des Mayer-Baus ein.


    zu b)
    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: die Nürnberger haben das Mayersche Pellerhaus von Anfang an gehaßt und heute ignorieren sie es größtenteils. Sprich: der Haß hat sich im Laufe der Jahrzehnte in Nicht-Beachtung und Verdrängung gewandelt. Harald Pollmann hat mir erzählt, daß einem seit Jahrzehnten in Nürnberg tätigen Auktionator(!) das Pellerhaus bis zum letzten Herbst völlig unbekannt war. Vor dem Krieg hat es jeder gekannt, den Mayer-Bau kennen die Leute höchstens als Standort der Stadtbibliothek - das spricht doch Bände!


    zu c)
    Wie viel originale Substanz haben wir nach dem Krieg überhaupt noch? Natürlich riesige Mengen aus der Nachkriegszeit, aber nicht jede Originalsubstanz ist schützenswert, sonst dürften wir ja gar nichts abreißen. Im Falle des Pellerhauses muß man halt abwägen – und hier gewinnt ganz klar die Rekonstruktion.


    zu d) Wer sagt denn, daß die Pellerhof-Rekonstruktion "rückwärts orientiert" ist? Für mich ist das eine Zukunfts-orientierte Entwicklung, die ihre Wurzeln in der Geschichte der Stadt hat. Wer legt denn fest, was zeitgemäß ist? Die Architekten? Dann gute Nacht!
    Wer sagt denn, daß die Pellerhof-Rekonstruktion nicht dem Allgemeinwohl dient? Ich finde, daß die Wiedergewinnung eines der bedeutendsten Bauwerke in der Geschichte Nürnbergs der Stadt mehr bringt als vieles andere, das die öffentliche Hand finanziert – und dabei werden die Kosten für den Pellerhof größtenteils durch Spenden getragen.


    zu e) Unglaublich witzig! Ich kann mich kaum halten vor Lachen!



    Ein paar Fragen noch:
    Was hältst Du eigentlich vom Luginsland (war praktisch komplett zerstört), oder von zahlreichen anderen Gebäuden, die bis auf Teile der Außenmauern zerstört waren, aber in den Vierziger- und Fünfziger-Jahren wiederaufgebaut wurden (Kaiserstallung, Rathaus – hierbei Verkürzung des Wolffschen Baus um zwei Achsen)? War der Wiederaufbau in Ordnung? Waren das keine "Fälschungen"? Hätten wir die charakteristische Silhouette der Stadt der "Wahrheit" wegen nicht wiederherstellen sollen? Wird der Fünfeckturm (im oberen Bereich übrigens auch zerstört) durch den Luginsland entwertet?
    Und wo ist überhaupt die Grenze zwischen Reparatur eines vorhandenen und Rekonstruktion eines teilweise zerstörten Gebäudes? Jede Reparatur mit Wiederherstellung des Ursprungszustands ist eine teilweise Rekonstruktion, und wenn es nur der Ersatz eines alten Steines durch einen gleich aussehenden neuen ist, wenn es nur die Bemalung einer Wand mit der früher vorhandenen Wandfarbe ist! Alles Lüge, weil der Stein im 21. Jahrhundert behauen und eingebaut wurde. Alles Fälschung, weil die Farbe nicht hunderte von Jahren alt ist. Im Grunde müßte sich der Denkmalschutz darauf beschränken, den Status quo zu erhalten; jegliche Reparaturen müßte er als nicht-authentisch verteufeln. Lieber stürzt das Haus ein, als daß man es saniert! Und wenn man saniert, dann muß alles reparierte als neu erkennbar sein, also Kunststofffenster ohne Sprossen in jahrhundertealte Häuser, damit auch jeder sieht, daß das Fenster neu ist – ein neues gesproßtes Holzfenster wäre ja eine Lüge! Das ist die zwingende Konsequenz aus diesem esoterischen Authentizitäts-/Wahrheits-/Lüge-Gefasel.

  • zu a
    bauunterhalt und rekonstruktion ganzer gebäude ist ein großer unterschied.
    dieser krieg, der das pellerhaus zerstört hat, ist vor 61 jahren zu ende gegangen. es erfolgte bis weit in die 60 iger jahre aufbau, wiederaufbau, und auch rekonstruktion von identitäts und identifikationsstiftenden gebäuden. ob das alles richtig war kann man diskutieren. nicht diskutieren kann man deinen heutigen ansatz, diese weitestgehend abgeschlossene epoche der bau- und kulturgeschichte neu aufzurollen, und bauwerke derart in frage zu stellen, dass rhetorisch zumindest eine abwertung und gar ein abriss von gebäuden dieses aufbauprozesses in erwägung gebracht wird. diese fanatisch-romantische haltung hat vor ca 150 jahren in meiner heimat rothenburg im zuge der mittelaltersehnsucht zur zerstörung großer teile der barocken gebäude geführt. deshalb plädiere ich erst mal für repekt dem gegenüber was es gibt, auch wenn es dinge ersetzt hat, die es heute nicht mehr gibt, und dessen rekonstruktion ein munteres raten der selbsternannten retter der altstadt bedeutet.
    zu b
    ich habe selten so viel psychpathische projektionen gelesen. wer kann häuser haßen? wen kümmert das, ob das gebäude als bibliothek oder als ren.bonzenbau bekannt ist? welche sehnsüchte stecken hinter solchen verklausulierungen?
    zu c
    dein gewinner ist mein verlierer, hm!! mit respekt vor dem was andere leute gemacht haben kann nur ein geblendeter den abriss des durchaus beachtllichen mayerschen baus und rekonstruktion des ebenso beachtlichen renaisance baus propagieren.
    zu d
    lass dir sagen, nicht die architekten machen die architektur, sie planen sie (nur) und müssen überzeugen und sich durchsetzen. jede architektur ist von bauherrn bezahlt, und die bauen das wovon sie überzeugt sind. deine emotionalen äußerungen disqualifizieren dich aufs ärmste. sie sind reich an fehlgeleitender respektlosigkeit der baukultur im ganzen gesehen.
    zu e
    freut es mich zu unterhalten.
    ##
    zum rest siehe a.

  • zu a
    Ist es ein Unterschied, ob man zehn oder sechzig Jahre nach der Zerstörung "lügt"? Wenn man der Meinung ist, daß es sich dabei um Lügen handelt, dann muß man jeglichen rekonstruierenden Wiederaufbau ablehnen.
    Wenn ich der Meinung bin, daß in einer abgeschlossenen Periode Fehler begangen wurden, dann darf ich diese Fehler natürlich korrigieren. Ich muß doch nicht ewig mit den Folgen von Fehlentschiedungen leben, nur weil es mir der Respekt vor den früheren Ansichten (einiger weniger damaliger Zeitgenossen, die leider die wichtigen Lobbyisten und Entscheidungsträger waren; einige von ihnen haben aber später ihren Fehler als solchen erkannt - Heinz Schmeißner beispielsweise) gebietet. Natürlich muß der Denkmalschutz dafür sorgen, daß Dokumente dieser Epoche erhalten bleiben, aber man kann nicht alles schützen, sonst ist eine Weiterentwicklung der Stadt nicht möglich. Es sind Abwägungen nötig, und der Stadtrat hat sich hier für eine Rekonstruktion entschieden - in meinen Augen und in den Augen der meisten Nürnberger, die sich dafür interessieren (man hat nur die Leserbriefe in den Zeitungen lesen müssen - das Meinungsbild war eindeutig), völlig zu recht.


    zu b
    Die Erkenntnis, daß die Nürnberger das Pellerhaus gehaßt haben und jetzt ignorieren, stammt ursprünglich nicht von mir, sondern von Dieter Bartetzko.
    Und wenn jemand nicht erkennt, daß es ein Unterschied ist, ob die Bürger ein Haus kennen, weil es ein architektonisches Meisterwerk ist, oder nur, weil sich darin eine bestimmte Einrichtung befindet, dann kann ich demjenigen auch nicht helfen.


    zu c
    Den Mayer-Bau und den Renaissance-Bau mit dem gleichen Adjektiv "beachtlich" zu versehen und somit implizit auf eine Stufe hinsichtlich der kunsthistorischen Bedeutung zu stellen - was soll man dazu noch sagen?


    zu d
    Daß in der Architekturszene über die Feuilletons und über Preisgerichte, in denen sich die immer gleichen Namen mit einigen ihnen genehmen Neulingen gegenseitig die Preise zuschieben, eine Stimmung dafür erzeugt wird, was als modern zu gelten hat, kann nun wirklich niemand ernsthaft bestreiten. Durch die Hochschullehrer wird dafür gesorgt, daß der Nachwuchs die wahre Lehre vertritt. Da sich die meisten Auftraggeber nicht für Architektur interessieren, aber ein "modernes" Gebäude haben wollen (als Symbol für ein modernes Unternehmen) folgen sie einfach dem Trend. Und wenn man davon ausscheren will, dann wird man gerügt, wie in Nürnberg, wo Wöhrl einen Sechziger-Jahre-Bunker durch einen Patzschke-Bau ersetzen wollte (wegen Diskrepanzen mit der Stadt bezüglich der Stellplatzablöse, die im Falle eines Neubaus fällig gewesen wäre, ist dann doch nur renoviert worden) - da hat der Baukunstbeirat, natürlich bestehend aus Vertretern der "richtigen" Architekturauffassung, gleich den Untergang der Baukultur aufkommen sehen.


    zum rest siehe a.
    [aus 'zu a'] es erfolgte bis weit in die 60 iger jahre aufbau, wiederaufbau, und auch rekonstruktion von identitäts und identifikationsstiftenden gebäuden. ob das alles richtig war kann man diskutieren.
    Ich möchte es eigentlich gar nicht diskutieren, ich möchte Deine Meinung wissen. War es richtig, den Luginsland, die Kaiserstallung und das Rathaus so wiederaufzubauen, wie es geschehen ist? Es sind ebenso "Lügen" wie der Pellerhof eine "Lüge" sein wird. Der Unterschied liegt nur im Zeitpunkt, an dem "gelogen" wurde.

  • zuerst tu ich mir aus meiner natur heraus mit deinen knöchernen vorstellungen sehr schwer -
    ich liebe nun mal freejazz, stockhausen und bach gleichermaßen (aktiv wie passiv). und so geht es mir in der bautechnik eben auch mit glas, stahl und lehm (auch hier aktiv über 30 lehmhäuser in freilandmuseen aufgebaut).
    un so auch in der architektur---
    nur was schreibst du!
    zu a
    etwas wirr und unschlüssig ist dein vortrag in bezug auf den patienten pellerhaus. dabei hatte ich mir mühe gegeben meine meinung klar zu formulieren.
    es lag 1945 so ziemlich alles darnieder. man hat sich aus gründen der identität in nürnberg für die rekonstruktion einiger im wesentlichen an der achse burg-bahnhof liegender historisch wichtiger und bedeutender gebäude entschieden. auch das ist dir sicherlich bekannt. man mußte sich auch aus gründen des schnöden mammon auf bestimmte projekte konzentrieren, denn schließlich standen viele bürger obdachlos auf der straße, wohnten unter heute unvorstellbaren bedingungen.
    man hat sich gegen die rekonstruktion des pellerhauses entschieden, und nach einem wettbewerb ein heute für die 50iger jahre typisches gebäude errichtet. diese entscheidung wurde damals gefunden, und ist teil eines historischen prozesses, der als solcher seine wertigkeit und seinen repekt auch von dir verdient. die wertschätzung der nachkriegsepoche ist noch nicht populismusfähig. das hast du gut erkannt und nutzt es für deine argumentationsketten. deine schlüsse indes bleiben schwach und arm an verantwortung der gebauten umwelt im ganzem gegenüber.
    richtig dumm empfinde ich die aussage "aber man kann nicht alles schützen". wirklich richtig dumm und irreführend.
    zu b
    wenn du psychopatisches zitierst, dann ist es gute sitte dies zu kennzeichnen. so jedenfalls entlarvst du dich als nachplabberer eines herrn baretzko.
    zu c
    wir können gerne über die beachtlichen entwürfe der architekten wolff und vater und sohn mayer diskutieren. es ist zu früh die kunstgeschichtliche bedeutung des mayerschen baus bewerten zu wollen. erinnere dich bitte an den wert von dürer im barock!! und schließe den text an der kunsthalle mal in deine abendlichen hoffnungsgebete nach reinkarnation mit ein...du jedenfals hast nicht das recht und bei allem was von dir hier zu lesen ist die kompetenz den kunstgeschichtlichen wert des mayerbaus zu beurteilen, und stets den abriss dieses zeitzeugnisses zu fordern. und höre auf mit dem willen des volkes zu argumentieren. auch ich bin teil dieses volkes!! vor vielen jahre hat im sportpalast in berlin schon mal jemand den willen des volkes befragt! und auch vor 2000 jahren in israel! merkst du denn nicht auf welcher dünnen intelektuellen mehlsuppe du dahergeschwommen kommst?
    zu d und den architekten...
    diese blöse hättest du nicht auch noch geschuldet!! ersetze architekt durch künstler, musiker, bänker, politiker usf. man spürt förmlich deinen frust.
    ##
    zum zeitpunkt der lüge.
    es gibt in der tat manchmal gründe für eine rekonstruktion, die ich auch gelten lassen will. der wiederaufbau der brücke von mostar, als ein versöhnliches symbol des brückenschlags, der aufbau der frauenkirche in dresden als eine symbol die nachkriegszeit abgeschlossen zu haben, der aufbau der großen kathedralen in nürnberg, und der burg als symbol dieser stadt usf.
    nur ist diese entscheidung beim pellerhaus vor ca 60 jahren gefallen. und was jetzt dort steht ist gut so wie es ist - auch weil es entscheidungen im umgang mit historischer substanz dokumentiert, und das ist so.
    ##
    noch zu deiner signatur "Frei statt Bayern"
    das ist genau das holz wo aus dummen verantwortungslosen chauvinismus bürgerkriege entstehen.
    We are the World -- sang kürzlich ein pop hero----

  • ich liebe nun mal freejazz, stockhausen und bach gleichermaßen (aktiv wie passiv). und so geht es mir in der bautechnik eben auch mit glas, stahl und lehm (auch hier aktiv über 30 lehmhäuser in freilandmuseen aufgebaut).


    Jaja, du kannst dir unserer allgemeinen Bewunderung auch sicher sein - und nun zurück zum Thema:


    man hat sich gegen die rekonstruktion des pellerhauses entschieden, und nach einem wettbewerb ein heute für die 50iger jahre typisches gebäude errichtet. diese entscheidung wurde damals gefunden, und ist teil eines historischen prozesses


    ... und alles, was heute entschieden wird, ist auch Teil eines historischen Prozesses.
    Wird heute der Innenhof des Pellerhauses wieder aufgebaut, wird in 60 Jahren ein anderer "bluecher" erklären, warum das damals okay war, es heute aber nicht nicht mehr wäre...:nono:


    Der Rest deines Beitrages ist mir, ehrlich gesagt, zu sehr auf Krawall aus (und zu wenig auf Argumentation), als dass ich mich heute abend noch damit befassen würde...


    Gute Nacht!

  • warum schreibst du, restitutor (=Rückerstattungspflichtiger), wenn du nichts beizutragen hast? heute ist heute, und wird heute auseinandergesetzt. kannst du der diskussion sachlich folgen?
    und dank an norimbergus für die unterlassung des nachsatzes...

  • Ich weiß generell nicht, wo das Problem liegt.


    Das Pellerhaus ist im jetzigen Zustand nicht besonders hübsch.
    Zumindest kann man ja mal eine Umfrage starten und wird das dann sehen. Was spricht also dagegen, was was anderes zu bauen? Es ist doch ziemlich wahrscheinlich, daß eine größere Anzahl von Leuten das jeztige Gebäude nich so dolle findet.


    Wahrscheinlich niemand, nichtmal bluecher.
    Was man baut ist doch dann auch egal. Die Leute wollen wohl ein schöneres Haus als jetzt sehen. Also gut.


    Die Entscheidung kann sein, was völlig Neues zu bauen, was Altes zu rekonstruieren oder Disneyland hinzustellen. Das ist Sache desjenigen der bezahlt. Fertig.


    Aufregen kann man sich drüber, mehr aber nicht. Schließlich sucht man sich im Restaurant irgendwas aus und bezahlt genau für dieses Essen. Wäre schlimm, wenns anders wäre und der Kerl vom Nachbartisch mir was vorsetzt, was ich dann essen soll.


    In Ludwigshafen hat man das älteste Fachwerkhaus abgerissen. Abgesehen davon, daß die Stadt kaum alte Gebäude hat, hatte der neue Eigentümer keine Geld für die Erhaltung, wurde dann abgerissen.
    Ärgerlich, aber nunja, es gibt sowas wie Eigentumsrechte in diesem Land.


    Und wenn die Mehrheit wohl das alte Pellerhaus toll findet, warum nicht? Geschichtliche Belastungen sind so unpragmatisch. Selbst beim neuen Kanzleramt durften keine Säulenreihen entstehen, wie sie ursprünglich geplant waren, weil "Du-weißt-schon-wer" dort ebenfalls Säulen GEPLANT hat!


    Es geht nicht darum 10% Intellektuellen zufriedenzustellen.
    Als Kind hab ich auch nie verstanden, warum man vieles nicht rekonstruiert hat. Wegen historischer Bedenken, na toll, wobei wahrscheinlich die Hälfte der Leute noch nichtmal wissen von wann bis wann der zweite Weltkrieg war.


    Laßt sie bauen, und wenn sich die Leute dann freuen, paßt es doch. Wenn nicht, in 50 Jahren kann man es wieder abreißen und den Jetztzustand wieder herstellen.