Baugebiet Am Eschbachtal / Bonames-Ost

  • ^ 4000 - 5000 € ist bereits heute der Schnitt bei Neubaugebieten. Bis die ersten Häuser fertig sind, können locker noch 3 bis 4 Jahre vergehen. Vor ein paar Jahren waren zB noch 3000 - 4000 € üblich.


    Ich kann mir spätere Preise von 6000 € und aufwärts durchaus vorstellen, v.a. dann, wenn die starke Nachfrage weiterhin anhält (wovon auszugehen ist) und im Stadtgebiet und Umland die Bautätigkeit nicht zunimmt. Da Baugrund immer knapper wird und bei Projekten wie diesem nicht mehr Wohneinheiten realisiert werden, dürften wir uns Münchner Verhältnissen immer weiter annähern ... eine Spitzenposition für Frankfurt, die ich ausnahmsweise mal nicht gut finde. :cool:

  • Die Frage ist doch, wovon „Planung“ (Stadtplanung, Regionalplanung, Bauleitplanung, Verkehrsplanung, Schulplanung usw.) ausgehen soll. Bevor der große Zustrom (also ca. 2006) einsetzte, ist die gesamte Stadt- und Regionalplanung von völlig anderen Zielvorgaben ausgegangen. Unter dem Eindruck starker Wohnungsnachfrage und starken Zuzugs scheint die Neigung zu entstehen, alles dem Primat des Wohnungsbaus unterzuordnen. Das führt unweigerlich zu Zielkonflikten, nicht nur in Bezug auf Regional- und Bauleitplanung. Nichts von dem, was bisher gut und richtig war, ist überflüssig oder unwichtig geworden, nur weil jetzt massenweise einkommenslose Menschen winterfest untergebracht werden müssen. Und dann natürlich die Partikularinteressen, die ebenfalls nicht weniger oder unwichtiger geworden sind.


    Mein Thema ist nicht Verdichtung vs. EFH-Gebiete, mein Thema ist auch nicht, ob sich Infrastruktur rechnet, mein Thema ist, dass man in Strukturen denken muss, um etwas zu bewegen. Es ist doch naiv anzunehmen, dass die gesamte Verwaltung auf einmal dem Thema Wohnungsbau verpflichtet wäre und alles stehen und liegen lässt. Und will oder kann man bestimmte Errungenschaften wirklich einfach über Bord werfen? Was handelt man sich damit ein? Verzicht auf das planungsrechtliche Trennungsgebot? Siedlungsbeschränkungsbereiche? Hochwasserschutz? Verzicht auf Stellplätze? Verzicht auf Barrierefreiheit? Verzicht auf Wärmedämmung? Kleinwohnungen a la Sozialwohnungen der 50er und 60er Jahre? Ganz abgesehen von der sozialen Frage, ob man sich irgendeine Form von Ghetto leisten will und der nicht ganz unwichtigen Frage, wer denn eigentlich bauen soll. Die ABG? Wilma-Wohnen? Irgendwelche Bauträger? Die Stadt? Und vielleicht auch nicht ganz unwichtig, wer’s bezahlt und wovon, wenn nicht betuchte Wohnungskäufer? Was wird, wenn die öffentliche Hand baut, dafür preisgegeben: Museumsneubauten? Theatersanierung? Brückensanierung? Schulsanierung? Die Regionaltangente West? ???


    Also kurzfristig, sozusagen winterhalber, vielleicht doch Container-Dörfer und Beschlagnahme von Ferienwohnungen und leer stehenden Fünft- und Sechstwohnsitzen neureicher …?

  • ^ Wie merlinammain bereits schrieb - das Gebiet wird ohnehin bebaut, die Frage ist nur, ob mit 1580 WE oder 2000 WE (was verhindern könnte, dass man für die fehlenden 420 WE gleich auf ein weiteres Areal zurückgreifen muss). Ich wüsste nicht, was "über Bord geworfen" wäre, wenn man sparsam mit der Fläche umgeht, sobald man überhaupt welche zusätzlich beansprucht.


    Gäbe es die Perspektive der U-Bahn-Anbindung nicht, könnte man sich überlegen, ob man auf die EFH-Bebauung nicht lieber ganz verzichtet und ein Stück Natur erhält. Hier ist aber der Anschluss fest geplant und Unbebaut-Lassen keine Option - dann sollte die Ausnutzung doch ordentlicher werden.

  • Bei der ganzen Klage über die Leute, die keine zusätzlichen Nachbarn mehr mögen, sollte man auch in Rechnung stellen, dass eine Fläche mit - jedenfalls dem Augenschein nach - "optimaler" Flächenausnutzung an den alten Ortskern von Bonames angrenzt - der Ben-Gurion-Ring. Es würde mich nicht wundern, wenn die Flächenausnutzung dort erheblich höher ist als im neuen Baugebiet, und dann sollte man der Fairness halber eine Gesamtrechnung mit Ben-Gurion-Ring und Bonames Ost aufmachen. Stellt man dann Vergleiche an, etwa zu Nieder-Erlenbach, Berkersheim oder Harheim kommen vermutlich ganz andere Stadtteile für eine "notwendige" Nachverdichtung in Betracht.
    Abgesehen davon waren die Ereignisse in der länger zurückliegenden Vergangenheit im sogenannten "Blaulichtviertel" sicherlich an der Grenze zum Traumatischen für die alteingesessenen Bonameser. Auch dies sollte man in Betracht ziehen, wenn man ein Urteil über die Zuzugsfeindlichkeit der Alteingesessenen fällt.

  • Also so einen Unsinn wie den Ben-Gurion-Ring würde heutzutage doch niemand mehr bauen, und taugt daher nicht wirklich als Argument für die Ablehnung.
    Wobei,... wenn ich an Rebstock oder Europaviertel denke... viel Unterschied ist da leider nicht auszumachen... - insofern natürlich auch ein hausgemachtes Problem. Würde man irgendwann mal anfangen anständigen Städtebau zu betreiben, könnte man den Gegnern zwar nicht allen aber doch jede Menge Wind aus den Segeln nehmen.

  • Die Frage ist doch, was abgesehen davon, dass einem die Architektur nicht gefallen mag, genau daran unsinnig war und vor allem unsinnig in welchem Sinne? Wenn damit gemeint ist, dass die Gegend zum "Blaulichtviertel" geworden ist, kann es nicht an der Bauform der Hochhäuser liegen; es gibt genügend Wohnhochhaussiedlungen, die keine Blaulichtviertel sind und umgekehrt gibt es genügend Blaulichtviertel, die keine Wohnhochhäuser aufweisen. Also daran, kanns nicht liegen.


    Meine These ist, dass Wohnviertel - unabhängig von Baualter und Bauform - immer dann abgleiten, wenn die soziale Mischung verrutscht und sich gewisse Monostrukturen herausbilden; das ist soziologisch und kriminologisch seit Jahrzehnten hineichend erforscht. Und dafür sind Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus prädesitiniert, weil die Eigentümer sich ihre Mieter nicht aussuchen können. Das Problem ist der Modus der Wohnungsbelegung.


    Europaviertel und Rebostockpark sind dagegen schon deshalb weitgehend gefeit, weil sich dort durch eine zentral gesteuerte bzw. fehlgesteuerte Wohnungsbelegung keine kriminologisch signifikanten Monostrukturen herausbilden können; es gibt keine städtisch/staatlich beeinflusste Belegung; die Architektur spielt insofern nur eine sehr entfernt mittelbare Rolle. Dasselbe gilt für die Verdichtung, wenngleich nicht zu leugnen ist, dass mit stärkerer Zusammenballung von Menschen das Potential für soziale Konflikte (Nachbarschaftsstreite z.B.) wächst.


    Daraus folgt für mich, kurz gesagt, die Mischung machts, in jeder Hinsicht.

    4 Mal editiert, zuletzt von tunnelklick () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Die Stadt hat nun wie erwartet ein Konzept für Bonames-Ost vorgelegt, das neben Plänen für ein Gymnasium an der neuen Station Bonames-Ost eine Zahl von "ca." 1580 Wohnungen vorsieht und so allen Bedenken vor Ort und den Notwendigkeiten der Stadtentwicklung Rechnung tragen soll. Vor allem kann man erkennen, dass das neue Konzept von der Bestandsbebauung an einigen neuralgischen Stellen mehr Abstand hält, indem die dort angelegten Kleingärten erhalten bleiben.
    Die zugehörige Meldung mit anhängendem Städtebaulichem Konzept findet sich =29856493"]hier.

  • Eine neue Web-Seite, baugebiet-am-eschbachtal.de wurde frei geschaltet. Dort findet man eine Menge Übersichtsgrafiken (Gebäudehöhen, Bebauungsdichte), die auch die Planungsänderungen wie Gebäudeformen und -dichte im Vergleich wiederspiegeln. Auch eine Präsentation, welche am 04.11. den Bürgern und Bürgerinnnen vor Ort vorgestellt wurde, ist dort zum download bereit. Mehrere Tabs und ein FAQ Bereich ergeben - wie ich finde - einen schönen Beginn des Projektes.

  • Kontrovers und interessant verlief eine Ortsbeiratssitzung mit besonders vielen Zuhörern, wie die FNP berichtet. Viele der Punkte wurden hier auch schon erwähnt, interessant ist, dass der Baubeginn seitens des Planungsamts nun wohl erst in 2020/2021 gesehen wird. Auf der Projekt Web-Seite ist noch von 2018 die Rede. Am Anfang der Bauarbeiten stünden die Umgehungsstraße sowie die Erschließung bevor von Norden her mit dem Bau der Häuser begonnen werden soll.

  • Aufstellung Bebauungsplan "Nordwestlich Auf der Steinern Straße"

    Die Stadt möchte für ein kleines Teilgebiet nordwestlich der Stadtbahntrasse von U2 und U9 einen Bebauungsplan aufstellen. Die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung benennt sie im Amtsblatt vom 22.01.2019: "Um dem dringenden Bedarf an Schulstandorten im Frankfurter Norden gerecht zu werden, soll mit der Aufstellung des Bebauungsplans Planungsrecht für eine weiterführende Schule und eine Grundschule geschaffen werden. Ergänzend soll Planungsrecht für den ersten Bauabschnitt der Ortsrandstraße, für eine den Bestand arrondierende Wohnbebauung mit unterschiedlichen Wohnformen sowie eine Kindertagesstätte entstehen"


    Mit der beabsichtigten Aufstellung des Bebauungsplans "Nr. 923 - Nordwestlich Auf der Steinern Straße" handelt die Stadt offenbar aus purer Not heraus. Denn mit dem seit Jahrzehnten geplanten Baugebiet (Info-PDF), der "großen Lösung", kommt sie weiterhin nicht voran. Nun ist der Bau der Schulen so dringlich geworden, bei der genannten weiterführenden Schule handelt es sich um das "Gymnasium Nord", derzeit in einem Provisorium in Praunheim untergebracht, dass nichts anderes als die Suche nach einer "kleinen Lösung" bleibt. Das ist der vorgesehene Geltungsbereich des Bebauungsplans:



    Plan: © Stadtplanungsamt Frankfurt am Main

  • Ich wäre gar nicht so pessimistisch. Vielleicht ist es so was wie der 1. BA der großen Lösung. Damit verbunden ist ja auch keinerlei Verzicht auf den Rest.


    Und genau so ist es auch. Die verlinkte Veröffentlichung im Amtsblatt bezieht sich auf die Vorlage M_211_2018 vom 12.11.2018. Darin heißt es:


    Aus dem Strukturkonzept geht ansatzweise hervor, wie groß neben den Schulen die Wohnbauflächen sein sollen.

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