Güterplatz: The Spin (128 m), Eden (98 m), Wohnungsbau

  • Für die Außenwirkung würde ich als Käufer einer Wohnung überhaupt kein Geld ausgeben. (...) Form follows function!


    Und genau das ist das Problem vieler zeitgenössicher Gebäude. Wenn sich niemand um die Außenwirkung scheert, muss man sich nicht wundern, wenn sterile Vorort-Tristesse mitten in der Stadt herrscht.


    Aber zurück zum Entwurf: Diesen schätze ich auf Grund seiner Eigenwilligkeit sehr. Es ist doch großartig, dass hier eine unverwechselbare Silhouette geschaffen werden soll. Auch der Sockel punktet mit den tollen Anklängen an den Internationalen Stil. Einzig die Farbgebung der vertikalen Fassadenelemente finde ich seltsam langweilig. Wieso hier nicht mal ein farblicher Akzent, z.B. Mattgold? Würde dem Viertel sicherlich gut tun.


    Was dagegen gar nicht geht ist das langgestreckte Gebäude im Rendering. Hoffentlich wirklich nur ein Platzhalter, sonst droht der Straßenabschnitt ja komplett verwaist zu werden.

  • @ itchedSky


    Meine Einschätzung beruht nur auf das Visuelle, also das was meine Augen wahrnehmen. Mag sein das die Funktion hier im Vordergrund bei der Planung stand, die Optik wird dadurch für mich aber nicht besser. Das Gebäude 56 Leonard Street habe ich mir gerade mal angesehen, wirklich schön finde ich das auch nicht. Schönheit ist für ich die gelungene Kombination aus Form, Material und Farbe. Es ist wie eine Symphonie der Sinne. Mag sein das ich da altbacken bin, aber für mich braucht ein Turm eine Spitze, oder zumindest ein Highlight als Abschluss. Ästhetik definiert sich nicht mit übereinandergestapelten Schachteln, schau dir mal das Chrysler Building das du sicher kennst an, bei dessen Anblick freuen sich meine Augen, gerne auch etwas modernes wie die Westend Str.1 oder das Japan Center. Alles Gebäude welche ich optisch als angenehm empfinde. Bei dem Entwurf hier wird das Gefühl für mich aber nie eintreten.


    Es ist aber wie alles im Leben, Geschmackssache!

  • Smily


    Ich stimme Dir zu !


    Der Anklang an den "internationalen Stil" gefällt auch mir sehr gut.
    Die versetzten Ebenen im oberen Bereich mögen "Geschmackssache" sein. In gewisser Hinsicht bringen sie eine Variation in die Reminiszenz an den "internationalen Stil" (denn solche Verschachtelungen waren für diesen Stil eigentlich untypisch).


    Dieses HH-Projekt ist mMn in vieler Hinsicht deutlich besser als manch anderes derzeitiges HH-Projekt hier in Ffm !


    PS:
    Das "langgestreckte Gebäude" im Rendering gefällt mir auch nicht. Da liegt aber ein Grundproblem dieses ganzen Vorhabens:
    Am Besten wäre es gewesen, dieses ganze Areal ware als kleine Grünfläche / Freifläche komplett unbebaut geblieben. Derzeit sieht man nämlich, welch tolle Wirkung der Grand Tower und das Skyline Plaza in den Stadtraum dort haben (würden). Diese spezielle Räumlichkeit (mit geradezu boulevard-ähnlichem Charkater) geht durch das Gesamtvorhaben jetzt leider verloren. Das ist aber keine Kritik an dem HH. Das HH für sich betrachtet ist definitiv gut.

  • Wow. Attribute wie kreativ, modern oder klassisch sind hier fehl am Platz, das Gebäude ist gewollt und nicht gekonnt - einfach nur langweilig. Der Abschluss soll stylish daherkommen, hat aber mit Kreativität nicht viel zu tun.


    Dazu der vielversprechende, große Name "The Spin", welcher Assoziationen à la The Gherkin weckt und letztlich nur für einen städtebaulichen Lückenfüller steht. Hochhäuser wie die Große Gallusstraße 10–14, das T11, die Neue Mainzer 1 oder das BHF-Bank-Hochhaus sind da kaum von abzugrenzen.


    Ich freue mich aber über euer Wohlwollen diesbezüglich.

  • Ich denke hier als Gegensatz primär an das Marienforum. Da bringt "The Spin" definitiv etwas Neues. Der Anklang an den "Internationalen Stil" könnte ein dicker Wegweiser für die kommenen Jahre / Jahrzehnte sein. In diesem Stil könnten künftig wieder viel mehr neue HH errichtet werden. Speziell bzgl. Ffm. war das der Stil, mit dem Ffm. in den 1970ern zur "Metropole" wurde. Mehr davon, bitte !:)


    Im Übrigen sehe ich das "Four Frankfurt" Projekt sehr kritisch. Das habe ich aber an anderer Stelle bereits erläuert (Stichworte: "Zahnstocher", "Baumassen", "räumliche Enge / Stadtraum/ Stadtbild").

  • Unten die Jury-Beurteilung des erstplatzierten Beitrags von Hadi Teherani. Besonders interessant aus meiner Sicht sind die deutlich gehaltenen Ausführungen zur Fassadenfarbe. Auch im Übrigen lässt sich dem Text entnehmen, was sich bei der noch folgenden Überarbeitung ändern soll.



    Weil es hier schon kritisiert wurde und (in anderem Kontext) auch im letzten Satz erwähnt wird: Die Randbebauung an der Mainzer Landstraße westlich des Hochhauses wird bekanntlich von der ABG Holding errichtet. Deren Gestaltung war demzufolge nicht Aufgabe im Wettbewerb, wohl aber der Anschluss des Hochhauses daran. Also ist auf der Visualisierung des Teherani-Entwurfs zwangsläufig ein Platzhalter dargestellt.

  • Der zweite Preis, der Entwurf von Kleihues + Kleihues:



    Die gefaltete Fassade beurteilte das Preisgericht als eine markante architektonische Geste von hohem Wiedererkennungswert. In Bezug auf die dahinter liegenden Nutzungen erschienen der Jury die Faltungen besonders im Bereich der Hotelzimmer aber auch etwas willkürlich. Ihr "Mehrwert" wurde in Frage gestellt. Das Preisgericht ging davon aus, dass die Kosten für die vorgeschlagene Fassade aller Voraussicht nach das vorgegebene Fassadenbudget zu stark überschreiten werden, um realisiert werden zu können.


    Eingangsbereich Hotel:



    Bilder: Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH


    ***


    Der drittplatzierte Entwurf von Eike Becker Architekten:



    Der der Idee des "Schachtelhalms" folgende Entwurf besitzt der Jury zufolge einen hohen Bezug zur Stadt und zum vorgelagerten Güterplatz. Die äußere Ablesbarkeit der Nutzungen und deren durch die Technikgeschosse erkennbare Trennung voneinander wurde positiv beurteilt. Die Proportionen von Kopf, Schaft und Sockel zueinander wurden als nicht gänzlich stimmig angesehen. Konzeptionell nicht wirklich begründet ist laut Preisgericht der "grüne Abschluss" des Turms. Die helle Fassade wurde positiv gesehen, ebenso deren wirtschaftliche Umsetzung infolge der vielen Standardelemente.



    Bilder: Eike Becker Architekten

  • ^ Die Fassade von Kleihus hätte in der Tat einen hohen Wiedererkennungseffekt (gehabt). Ein richtiger Knaller, der gut mit der dynamischen Fassade des Main Zero (DB IC, ML11-17) korrespondiert hätte. Und als fast kristallin wirkende Makrostruktur wäre es eine Rarität in der Frankfurter Fassadenwelt gewesen. Hätte, wäre, könnte.


    Die große Freitreppe in der Lobby scheint eine Wettbewerbsvorgabe gewesen zu sein. Auch in diesem Entwurf findet sie sich wieder, eventuell auch in dem von Eike Becker.


    Was mir an allen Entwürfen gefällt, ist die große Geste.

  • Vielen Dank!
    Rein Optisch gefällt mir der Entwurf von Kleihues + Kleihues bei weitem am besten.
    Bei diesem wird die Vertikalität stark betont. Ebenso erinnert mich die Fassade an den DC Tower 1 der Donaucity in Wien. Toll :daumen:
    Die Fassadenkonstruktion mit Erkern hätte den Nutzern und Hotelgästen einen 180° Rundblick erlaubt.


    Die Begründung der Jury bzgl. der Kosten kann ich kaum nachvollziehen. Die Konstruktion von Teheranis Entwurf ist doch weitaus kostenintensiver würde ich annehmen.


    Der Grundriss ist mir jetzt aber deutlicher geworden, kein klassisches Trapez, sondern ein Rechtwinkliges Trapez:



    Ursprungsbild: Kleihues + Kleihues, Bearbeitung: Adama

  • Sicher, beim Teherani-Entwurf wird sich die Rohbau-Konstruktion durch die Kopfausbildung verteuern. Doch werden sich die Mehrkosten für die Vor- und Rücksprünge in Grenzen halten, nehme ich an. Die Fassade hingegen dürfte, ähnlich wie beim Becker-Entwurf, viele Standardelemente aufweisen und wird wohl daher im Kostenrahmen bleiben. Im Wettbewerbsverfahren beteiligt war jeweils ein Büro für Fassadenplanung (bei Teherani dieses). Von entsprechender Expertise auch bezüglich der Kostenschätzung wird man ausgehen können.


    Die Büroetagen aus anderer Perspektive als die Gesamtansicht (wie erwähnt, handelt es sich um den Wettbewerbsbeitrag, der Entwurf wird noch überarbeitet):



    Bild: Hadi Teherani Architects / Panoptikon / Groß & Partner

  • Also mMn ist Kleihues + Kleihues Beitrag der beste Entwurf: Markant, ganz klar vom Rest absetzend und hochwertig. Natürlich gilt die Argumentation vom Preisgericht, dass der "Mehrwert der Vorsprünge" fraglich sei - aber wenn man so argumentiert, dann ist das rechtwinklige Trapez mit einer flachen Fassade und keinen Absetzung die Maxime, die es zu erreichen gilt. Was vornehm ausgedrückt, ein Haufen Pferdemist ist.


    Der Teherani-Entwurf gewann wahrscheinlich auch nicht nur weil er günstiger zu realisieren ist, sondern weil der Name Teherani dann am Endprodukt dranstehen wird.

  • Schade, ich fühle mich etwas an den Wettbewerb für ONE erinnert. Dort haben mir auch die beiden anderen Entwürfe ("Top 3") besser gefallen. Ich bin aber auch mit dem Siegerentwurf von Teherani zufrieden, von daher kann man wirklich von einer hohen Qualität des Wettbewerbs sprechen, zumindest aus ästhetischer Perspektive!

  • Der Entwurf von Kleihues + Kleihues ist auch in meinen Augen definitiv der überzeugendste, jedenfalls im Hinblick auf die äußere Erscheinung. Mit der durchgängigen kristallinen Fassadenstruktur und der "goldenen" Lobby wirkt das Hochhaus auf der Visualisierung wirklich sehr gefällig und einzigartig, eine optische Trennung der verschiedenen Nutzungen ist m. M. n. überflüssig.


    Der drittplazierte Entwurf von Eike Becker Architekten ist nicht besonders ansehnlich und wirkt vollkommen unruhig, gerade im Zusammenspiel mit Grand Tower. Dagegen ist Teheranis Entwurf ein echter Hingucker, finde ich.


    Auf die Entwicklung(en) insgesamt am Güterplatz freue ich mich aber sehr! Ich denke, dass hier ein wunderbares Entree zum Europaviertel entstehen wird. :cool:

  • Auch mir gefällt der Entwurf von Kleihues + Kleihues sehr gut! Insbesondere das scheinbar schwebende Vordach ist aller erste Sahne, wobei ich mich aber frage wie/wo hier die Last getragen wird und aus was für einem Material es besteht. Schade, dass dieser Entwurf dann wohl nicht realisiert wird.

  • Unfassbar, dass der Wettbewerb zumindest äusserlich einen so unverdienten Sieger hervorgebracht hat. Der Entwurf von Teherani ist ganz nett, Kleihues + Kleihues dagegen wirklich der große Wurf: zeitlos, abwechslungsreich, einfach in allen Belangen ansprechend. Da kann man eigentlich nur hoffen, dass die Teherani-Überarbeitung bei Groß & Partner keinen Gefallen findet und man doch noch auf den 2. Preis umschwenkt (ich weiß, unrealistisch).

  • Was hier Teherani gerade wieder an den Tag legt ist, die Misere am Eschenheimer Tor fortführend, eine mittlere Katastrophe und ziemlich geschmacklos. Der Berliner Entwurf ist hier deutlich zu bevorzugen und gerade von Groß & Partner, die woanders locker eine Milliarde in die Hand nehmen, könnte man erwarten, das deutlich überlegenere Konzept verwirklichen zu lassen.

  • Ich finde es auch schade, dass der Entwurf von Kleihues + Kleihues nicht gewonnen hat. Solch eine gefaltete Fassade scheint zeitlos zu sein, sieht man es doch an 555 California Street in San Francisco, immerhin schon 48 Jahre alt.


    Foto von Chris Yunker aus Portland
    https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7480318

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