Bremen: Überseestadt

  • Das mit dem Kreuzfahrtterminal ist richtig und wäre auch jetzt theoretisch schon möglich. Eine der Straßen im Weserquartier heißt ja auch etwas großkotzig "Am Weserterminal".


    Abfertigungsgebäude etc. sind und waren nicht geplant, dafür wäre die voraussichtliche Frequenz von Kreuzfahrtschiffen zu niedrig, aber die Kajen/Spundwände sind alle erneuert, anlegen (wie letztes Jahr die Cap San Diego) können auch größere Schiffe auf jeden Fall.


    Hauptproblem ist wohl das kurze Tidezeitfenster, das die Schiffe hätten, um bis dahin zu kommen, abgesehen davon, dass es sich sowieso niemals um Schiffe der Kategorie "Queen Mary" handeln könnte, klar. Ich glaube, die Wassertiefe bei Niedrigwasser ist in dem Bereich schon so niedrig, dass jedes ernstzunehmende größere Schiff bei Niedrigwasser auf Grund liefe, weswegen eigentlich nur mit auflaufender Flut angekommen und mit ablaufender Flut abgefahren werden könnte, was die Aufenthaltsdauer in Bremen quasi auf ne halbe Stunde reduzieren würde.


    Trotzdem werden da in Zukunft wohl immer mal kleinere Schiffe anlegen, so ist es zumindest geplant...

  • So niedrig ist die Weser in diesem Bereich?


    Bis zu den Industriehäfen sind es doch immerhin noch 10,70 Tiefgang. Aber das sind natürlich 6 Weserkilometer weiter nördlich.


    Leider finde ich keine Infomationen zur Wesertiefe an der Eisenbahnbrücke. Wieviel bietet da die Fahrrinne tideunabhängig? Der Tidenhub beträgt auch in diesem Bereich ca. 3,80 Meter, wodurch zumindest zwischen auflaufender Flut und ablaufender Ebbe eine Anfahrt auch für größere Schiffe möglich sein sollte.


    Eine Vertiefung des Liegeplatzes, so dass größere Schiffe am Anlieger auch bei Niedrigwasser nicht auf Grund setzen, gibt es zwar nicht umsonst, dürfte aber doch machbar sein.

  • Ich muss gestehen: Ich weiß nicht, wie tief das Wasser in dem Bereich ist. Kann mir aber gut vorstellen, dass da in den letzten Jahren nicht mehr viel gemacht wurde, da de facto keine Seeschiffe mehr die Weser ab dem Wendebecken/Einfahrt in den Holz- und Fabrikenhafen befahren.


    Zumindest nutzen die einzigen Anlieger in diesem Bereich (Rickmers Reis und Kelloggs) soweit ich weiß schon seit Jahren keine Seeschiffe mehr, allenfalls Binnenschiffe.


    Aufgrund der klammen Finanzlage der Stadt kann ich mir aber kaum vorstellen, dass man wegen weniger und nichtmal sicherer Kreuzfahrtschiffeinläufe diesen Abschnitt ausbaggern würde.


    Trotzdem hast du natürlich recht: Die Kombination aus gelegentlichem Seeschiffverkehr (ggf. auch wie die Cap San Diego letztes Jahr aus Hamburg) plus regelmäßigem Fährverkehr (am realistischsten hier aus meiner Sicht eine Pendelverbindung zwischen Waterfront, Molenturm und Rablinghausen, diese Verbindung könnte sogar "echten" Pendlerverkehr generieren) würde schon einiges an echt maritimem Flair und Belebung bringen.


    Einer der geografischen Nachteile Bremens gegenüber Hamburg ist es eben auch, dass die Innenstadt und auch große Teile der Überseestadt flussaufwärts der Häfen und nicht gegenüber den Häfen liegen, so dass der Seeschiffahrtsbetrieb in Bremen weitgehend unsichtbar bleibt, während in Hamburg quasi die ganze Stadt auf den Hafen kuckt.

  • Neue Sonderausstellung

    Das Hafenmuseum hat nun ihre kostenlose Sonderausstellung zur Überseestadt erneuert. Diese steht nun unter dem Motto "Zehn Jahre Masterplan". Kann man sich also bei Gelegenheit mal anschauen.

  • Habe mir während des Überseetörns den Schuppen 1 genauer angeschaut. Der weserabwärtige Teil war im Innenausbau noch nicht vollends fertiggestellt, wirkte aber schon sehr überzeugend. Dies dürfte der einzige freizugängliche Teil sein, indem man das schiere Raumvolumen erleben kann. Mal gucken wieviele der aufgestellten Borgwar dann im Ausstellungsbereich zu sehen sind. Das ganze Konzept aus diversen kleineren Dienstleistern rund um das Thema Liebhaberaufos fand ich sehr stimmig. Die mit Lastenaufzügen erreichbaren Privatwohnungen konnte ich mir leider mangels Zeit nicht anschauen.

  • Neues aus der Überseestadt

    Ich war an diesem schönen Märzentage endlich mal wieder in der Überseestadt unterwegs und konnte ein paar Fotos machen, um mir (und Euch) einen Eindruck über den Fortgang der Arbeiten in diesem Gebiet zu machen. Meine letzte Runde habe ich im Dezember 2012 gedreht, ist also schon wieder mehr als ein Jahr her. Warum Bremen in diesem Forum eine so geringe Rolle spielt, bleibt mir ein Rätsel. Es ist ja nicht so, dass dafür die Bremenbereiche in Konkurrenzforen brummen würden. Die Stadt ist natürlich kein Berlin und auch kein Frankfurt, aber hier passiert schon einiges, nicht nur in der Überseestadt.


    Nun gut, ich fange wieder an der Schlachte im Weserquartier an, wo das neue Steigenberger-Hotel und das rechts mit Rostfassade angeschlossene Varietétheater nun seit einem halben Jahr fertig gestellt sind (im Hintergrund ragt der Wesertower über die Szene). Ob das Ganze wie erhofft läuft, wage ich nicht zu beurteilen, Leute sind jedenfalls da:



    Ein Blick zurück gen Innenstadt mit schöner Morgenstimmung:



    und einer weiter die Weser stromabwärts Richtung Kellogs mit der erneut verlängerten Weserpromenade Schlachte (im Vordergrund der Teherani-Bau WQ1):



    Auch am benachbarten "Luv und Lee", im Dezember 2012 noch frühester Rohbau gehen die Bauarbeiten zu Ende:




    Die architektonische Qualität dieser Gebäude ist aus meiner Sicht fragwürdig, zu sehr erinnern sie mich an 70er Jahre-Deutsche-Bankfilialen mit ihren vorgehängten Metallfassaden.


    Wir gehen Richtung Europahafen, wo zwei Dinge im Bereich zwischen "Auf der Muggenburg" und "An der Reeperbahn" geschehen. Zum einen wird der sehr schöne Weinspeicher aus der unmittelbaren Nachkriegszeit behutsam renoviert, sogar der Paternoster soll in Betrieb bleiben:




    Zum anderen ein typisches, etwas unambitioniertes Kleinprojekt, auch von Justus Grosse vermarktet:



    Von den gezeigten beiden Projekten im Niemandsland zwischen Weserquartier und Kopf des Europahafens habe ich jetzt einen Sprung an den Schuppen 1 (Baujahr 1960) gemacht, dessen zweite Hälfte nunmehr ebenfalls seit ca. einem halben Jahr fertiggestellt sein dürfte und v.a. durch seine Kubatur echt beeindruckende Dimensionen erreicht. Ein Blick an der Uferseite im Gegenlicht:



    und in die andere Richtung flussabwärts mit dem Landmarktower am Ausgang des Europahafens:



    Gegenüber wartet ein weiterer, baulich ähnlicher, aber deutlich kleinerer Vertreter auf seine Aufhübschung, dies wird aber noch einige Zeit dauern, da langfristige Mietverträge eine Nutzung durch ein Speditionsunternehmen garantieren und die "Kellogs"-Seite des Europahafens sowieso noch nicht weiter als das Kranhaus entwickelt wurde:



    Eingezogen ist automobilaffiner Einzelhandel mit vielen Oldtimern. Ein Blick durch den zentralen "Hauptflur" lässt die Dimensionen erahnen, und das Ende des Ganges ganz hinten markiert erst die halbe Gebäudelänge:



    Noch ein Foto des Schuppens 1 von seiner westlichen Kopfseite:



    Als letztes noch ein paar Schnappschüsse vom westlichen Ende der Gebiete unter Entwicklung, der Hafenkante. Beim letzten Mal noch früher Rohbau, sind die ersten Projekte demnächst bezugsfertig:




    Auch der Überseepark als querverlaufender Parkriegel hinter dem Großmarktgelände nimmt Gestalt an:



    Nun noch ein Grosse-Bürogebäude, gestaltungstechnisch in etwa dem leider mäßigen Standard entsprechend:



    Man sieht: Es ist seit 2012 viel passiert, wobei zur Zeit doch eine gewisse Ruhe in puncto neuer Entwicklungen einkehrt, zumindest stehen meines Wissens nirgendwo Baubeginne unmittelbar bevor. Es werden wohl noch in absebarer Zeit ein Hotel im Bereich Überseehafenkopf und ein Studentenwohnheim für die HfK am Waller Tor in Umsetzung gehen (wobei es da auch gefühlt ein wenig hakt). Außerdem hat sich der Zoll eine erwartbare freudlose neue Zentrale im Bereich zwischen Schuppen eins und dem Waller Wied gegönnt. Es wundert mich insgesamt, wie gut gerade die Wohnungen angeischts der für bremische Verhältnisse gerade Richtung Hafenkante doch ziemlich dezentralen Lage "weggehen" und auch die Gastronomie brummt wie nichts Gutes, auch an dezentralsten Lagen sind die Restaurants immer rappelvoll.


    Ich denke, der stadtnahe Bereich der Überseestadt wird sich nun peu à peu seiner Vollendnung nähern, städtebaulich interessant bleibt weiterhin die geplante Kopfbebauung des Europahafens zusammen mit dem seit nunmehr 7 Jahren trotz Grundstückseignerwechsels brachliegenden Projekts "Bremium". Rund um den Park an der Reeperbahn sind auch schon diverse Projekte in Planung.


    Problematischer sehe ich nach wie für die bauliche Füllung der immensen Flächen des Areals Hafenkante. Die Wasserlagen werden noch gut gehen, wie man sieht und Richtung Wendebecken ist der Ausblick ja auch wirklich grandios mit Halbinselcharakter und einer tollen Hafenkulisse, aber was die Gebäude in 2.-4. Reihe angeht, bin ich dank des Schildbürgerstreichs der Verfüllung des historischen Überseehafens skeptisch, ob der Markt solche Neubauflächen in Bremen hergibt.


    Trotzdem ein weiterhin sehr interessanter Stadtteil, der aus meiner Sicht wegen des doch noch beachtlichen Altbestands auch nicht so "steril" wie die Hafencity wirkt, auch wenn diese architektonisch gesehen fraglos in einer anderen Liga spielt.

  • Vielen Dank für den ausführlichen Zwischenstand, Heinzer.


    Ich verstehe auch nicht, warum dieses städtebauliche Großprojekt so wenig Beachtung findet. Bremen ist vielleicht nicht so eine hippe Stadt wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg, aber die schiere Größenordnung sollte doch zumindest einige mal aufhorchen lassen.


    Zudem finde ich den "bremischen Weg" bei der Neuausrichtung eines ehemaligen Hafenviertels um ein Vielfaches interessanter. Hier treiben faktisch drei Bauherren-Konsortien mit abgesteckten Claims die Entwicklung von drei Seiten voran.


    Die Siedentopf AG aka Eduscho-Dynastie arbeitet sich mit Großprojekten (Wesertower, GOP, Steigenberger) von der Innenstadtnahen Seite vor.


    Justus Grosse baut vom Europahafen aus gefällige Klötzchenbauten sowie esprit- wie zeitlose Dudler-Optik.


    Der Schöngeist Hübotter entwickelt stattdessen vom Holz- und Getreidehafen einen Kreativstadtteil mit einer gelungenen Einbeziehung alter Bausubstanz.


    Vom architektonischen Anspruch hat für mich schon lange Hübotter das Rennen gemacht, aber die Grenzziehung zwischen den Claims orientiert sich leider nicht am Geschmack sondern am Geldbeutel.


    Mit drei vollkommen unterschiedlichen Entwicklungszentren, die in sich selber wiederum eine gemeinsame Formsprache verwenden (wenngleich nicht in allen Fällen eine schöne), ist das zumindest deutlich interessanter als die meisten anderen Hafencity ähnlichen Projekten.


    Zumal in der Überseestadt nicht nur Hafenfolklore bleibt, sondern tatsächlich Produktion und Distribution mit all seinen Auswirkungen. Je nach Windlage kann man Kaffee, Malz oder Fischmehl riechen. Allerhöchstens eins davon mag man vielleicht dauerhaft als angenehm empfinden.

  • Die wichtigsten Entwicklungen für die Überseestadt finden für mich dieses Jahr nicht auf den Bauplätzen am Land, sondern im Wasser statt.


    Erstens wird gerade ein Konzept für die Alexander-von-Humboldt aka "Beck's-Schiff" ausgetüftelt. Wenn das wirklich gegenüber der Beck's-Brauerrei dauerhaft als Restaurant-Schiff festmachen sollte, könnte das tatsächlich die Initialzündung sein, um Publikumsverkehre zu diesem Teil der Schlachte umzubiegen. Denn während die Ostseite der Schlachte an warmen Tagen aus allen Nähten platzt, herrscht an der weitläufigen Westseite zumeist noch heimelige Ruhe.


    Auch beim zweiten Punkt geht es darum, neue Wegebeziehungen in der Überseestadt zu knüpfen. Der Bremer Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 geht in die entscheidende Runde und da wird man sich in der senatorischen Behörde grundsätzlich festlegen müssen, wie die wasserseitige Anbindung der Überseestadt aussehen soll.


    Die erst im letzten Jahr eingeführte Fährverbindung zwischen Lakenauer Höft, Rablinghausen (linkes Weserufer), Waterfront, Gröpelingen (rechtes Ufer, nördlich des Wendebeckens) und Molenturm, Überseestadt (rechtes Ufer, südlich des Wendebeckens) wurde äußerst gut angenommen. Ein ernstzunnehmendes Verkehrsmittel ist das allerdings noch nicht, da die Pusdorp eher einem Schlepper als einer modernen Personenfähre gleicht und zudem nur Wochenendverkehr besteht (dann aber zumindest 20 Minuten Takt).


    Nachdem die Reederei "Hal över" schon mehrmals versuche unternommen hat, das Thema Waterbus auf die Tagesordnung zu bringen, dürft mit dem VEP 2025 nun die Grundsatzentscheidung fallen. Für die Überseestadt ging es dabei um viel, denn es sind meiner Ansicht nach drei Optionen denkbar.


    1) Verbesserung der bisherigen Weserfähre zum öffentlichen Nahverkehrsmittel im 20-Minuten-Takt auch wochentags. Einbindung in das VBN-Tarifsystem ggf. mit Fährenzuschlag (vergleichbar mit dem Nachtzuschlag).


    2) Ausbau des Weser-Terminals (vor dem Weser-Tower) zu einer Art "Bremen Landungsbrücken". Fährverkehr als öffentlicher Nahverkehr (ggf. mit Fährzuschlag) zwischen Weser-Tower und Vegesack im Zick-Zack-Verkehr. Denn ab dem Weser-Tower gibt es weserabwärts keine feste Querung mehr für Fußgänger und Radfahrer.


    3) Ausbau des Martinianlegers an der Ostseite der Schlachte zu "Bremen Landungsbrücken" mit einem Waterbusverkehr zwischen Martinanleger und Vegesack.


    Die Lösung 1 wäre natürlich die mit Abstand kostengünstigste. Da müsste man nur den Anleger am Molenturm verbessern und im Laufe der Zeit mal über ein modernes Fährschiff nachdenken, um auch bei größeren Fahrgastzahlen einen 20-Minuten-Takt halten zu können.


    Lösung 2 würde den Schwerpunkt des maritimen Flairs von der Schlachte zum Weser-Terminal verschieben. Eigentlich macht ein Fährverkehr zwischen Martinianleger und Weser-Terminal nämlich wenig Sinn, denn hier gibt es drei feste Querungen für Fußgänger und Radfahrer dazwischen (Eisenbahn-, Bm-Smidt- und Teerhofbrücke). Außerdem ist die Straßenbahnlinie 3 auf dieser Strecke einfach schneller. Der Weser-Terminal als Umstieg von der Fähre auf die Straßenbahn wäre damit eigentlich sehr sinnig.


    Lösung 3 würde den maritimen Schwerpunkt (es geht nur um das Flair für Besucher und Touristen - nicht tatsächliche maritime Wertschöpfung) am Martinianleger belassen. Wenngleich die Fähre zwischen Weser-Terminal und Martinianleger wenig Zusatznutzen bringt, ermöglicht sie somit die umsteigfreie Anreise in die Innenstadt.

  • Die Alexander von Humboldt aka Beck's-Schiff wird tatsächlich dauerhaft nach Bremen kommen. Liegeplatz ist wohl noch offen, aber ich tippe mal ganz stark darauf, dass das Schiff vor dem Weser-Tower festgemacht wird.

  • Zech baut Skyline am Europahafen

    Die Zech Group verwirklicht einen Entwurf der Cobe Architekten.
    Am Kopf des Europahafens in der Bremer Überseestadt entsteht ein vierteiliges Büro- und Wohnensemble mit über 100.000 qm BGF.


    Investitionssumme: 200 Mio. bis 300 Mio. Euro


    Die Zech Group möchte hier 300 bis 400 Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen in zwei Gebäuden sowie in einem 18-geschossigen Hochhaus 32.000 qm BGF Bürofläche realisieren.


    In das höchste Hochhaus ziehen auch 6-7 Unternehmen der Zech Unternehmensgruppe.


    Flankiert wird das höchste Hochhaus (ca. 66m-70m) von 2 weiteren Hochhäusern mit einmal 13 und einmal 11 Geschossen.


    Das gesamte Bauprojekt soll im Jahr 2020 abgeschlossen sein.


    Bilder:


    Baugebiet:


    Bild: https://abload.de/img/jes_europahafenkopf1fzes32.jpg


    Bild: JES, Florian Gehle


    Digitales Modell und Rendering:


    Bild: https://abload.de/img/jes_europahafenkopf9c3ns7v.jpg


    Bild: https://abload.de/img/jes_europahafenkopf10t0skh.jpg


    Letzte 2 Bilder: Cobe Architeten, Zech Group

  • Bürohochhaus „Bömers Spitze“

    Bauherr: Justus Grosse Projektentwicklungs GmbH
    Architektur: Hilmes Lamprecht Architekten, Bremen
    Investitionsvolumen von ca. 35 Mio. Euro
    Etagen: 13
    Höhe: 49m
    11.500 m² Bürofläche sowie ein separates Parkhaus mit 250 Stellplätzen


    Baubeginn erfolgt.
    Fertigstellung: Sommer 2019


    Bild: https://abload.de/img/b_amers_spitze-05_01_5zsvx.jpg


    Bild: https://abload.de/img/b_amers_spitze-06_01_hssp8.jpg


    Bild: https://abload.de/img/b_amers_spitze-07_01_fksps.jpg


    Bilder: Justus Grosse Projektentwicklungs GmbH / Hilmes Lamprecht Architekten, Bremen

  • flat iron

    Da bekommt Bremen nun sein eigenes flat iron – wenn auch nicht ganz so schön. Aber so ist ähnlich ist das ja auch in Bremerhaven ihrem Burj al Arab.

  • Bremen lernt noch, wird aber einen qualifizierten Abschluss nicht schaffen.


    Habe bisher nirgendwo erlebt, dass ein Hafenbecken für einen Großmarkt zugeschüttet wird und gleichzeitig ringsum hochwertige Wohnungen gebaut werden. Jede Stadt ist froh über eine Pfütze, Bremen schüttet zu und ist gleichzeitig nicht in der Lage das Güterverkehrszentrum, Beginn etwa vor 30 Jahren, bis heute eine vernünftige Verkehrsanbindung zu ermöglichen.

  • Da ist was dran, Tonsteine. Die Verschüttung des Überseehafens war sicher einer der größeren Böcke im Bremer Städtebau. Man darf aber die Entstehung dieser Aktion nicht vergessen: Damals schrumpfte Bremen und der gesamte Freihafenbereich war eine riesige fast tote oder zumindest mindergenutzte Fläche. Es dachte damals auch niemand daran, dass da jemand wohnen wollte oder könnte, denn die damals noch sehr mächtige Hafenwirtschaft wollte um jeden Fall Flächenkonkurrenz und Auflagen für Lärmschutz, Emissionen etc. verhindern. Der neue Großmarkt war ein typisches Kompromiss-Starterprojekt für eine damals klar gewerblich ausgerichtete Neuplanung der heute Überseestadt genannten Flächen.


    Erst etwa zur Jahrtausendwende schwante den Verantwortlichen, was man alles mit einer solchen Fläche machen könnte, damals ging es langsam in der Hafencity los und es kursierten erste Masterpläne. Aber noch bis weit in die Nuller Jahre hinein gab es massive Widerstände gegen Wohnbebauung, der Bausenator konnte gerade noch "Wohnen als Sonderform" für etwa 1000 EW (!!) in die Pläne bekommen, gegen den Widerstand des Wirtschafts- und Häfensenators.


    Dass das Wohnen dort so brennen wurde, kündigte sich erst ab 2009/2010 und verstärkt dann mit der demografischen Wende ab 2014/15 an. Seitdem werden dort Flächen, die für Büros vorgesehen waren, sogar als Wohnen vermarktet.


    In den letzten 5 Jahren ist es dann richtig explodiert dort, in einem Ausmaß, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Im letzten Jahr sind mit dem Europaquartier (ehemaliger Schuppen 3), der Überseeinsel (Ex-Kelloggs-Gelände) und den oben gezeigten Zechgebäuden am Europahafenkopf allein drei für eine Stadt wie Bremen riesige Entwicklungsprojekte an den Start gegangen - es wird in die Höhe gebaut, es hat sich ein gewisser postindustrieller/20er Jahre-Backsteinstil herausgebildet, das ganze hat wirklich heftig Fahrt aufgenommen. Die erste Reihe der Hafenkante genannten Wohnungsprojekte in der hinteren Überseestadt ist bereits voll bebaut, die zweite im Bau, in den aktuellen Planungen ist von 25.000- 30.000 Einwohnern die Rede. Und auch vorne geht es richtig los jetzt, mit dem ebenfalls gezeigten "Bömers Spitze" und den ganzen Projekten um die Straße "An der Reeperbahn".


    Alles in allem hat das Projekt in einem für mich nicht vorstellbaren Ausmaß an Fahrt aufgenommen, und auch die Architekturqualität hat sich von "öde WDVS-Kiste" über "generische Klinkerarbeitsamtarchitektur" extrem gesteigert in den letzten 5 Jahren.


    Nein, bei allem immer berechtigten Spott und Häme gegenüber den etwas bräsigen Bremer Entscheidungsträgern, das Ding brennt, und zwar richtig. Noch 2006/2007 war der Tenor hier und in anderen Foren "wenn Bremen sich da mal nicht verhebt", und "ob das nicht in die lange Reihe von Pleiteplanungen in Bremen passt" - jetzt kann ich nur allen Spöttern mal einen Besuch vor Ort oder zumindest der entsprechenden Homepages empfehlen. Da geht richtig was, und die große Welle kommt erst noch ab 2019 mit dem ganzen Europahafen und ehemaligen Kelloggsgelände.

  • Nicht, dass Ihrs verdient hättet, aber ich habe noch ein paar Fotos von der Überseestadt:
    Weserquartier:


    Überseetor:



    Landmark-Tower


    Hafenkante:




    waveline:


    Deichhäuser:



    Am nordwestlichen Ende des Gebiets am Wendebecken entsteht ein Strand, genannt Waller Sand:



    Und als Schmankerl ein frisches Baustellenfoto von Bömers Spitze, wo das siebte Geschoss erreicht wurde:


  • Vielen Dank für die Bilder, Heinzer! Das sieht doch schon sehr schön aus. Wie empfindest du denn die Aufenthaltsqualität in den bereits fertiggestellten Bereichen?

  • Diese ist noch nicht sehr gut, was aber nicht unbedingt an der Architektur liegt, sondern hauptsächlich daran, dass es mindestens 4 Entwicklungskerne gibt, die bislang alle ein bisschen nebeneinander her existierten und erst jetzt allmählich zusammenwachsen.


    Das Gebiet krankt außerdem an seiner sehr länglichen Ausrichtung und zwei entwicklungsbehindernden großen Flächen, die eine der bereits erwähnte Großmarkt, der sicherlich irgendwann zur Disposition gestellt wird, das andere ist das ebenfalls der große, mittlerweile ehemalige Kelloggsgelände, das immer die Verbindung von Weserquartier und Europahafen behindert hat und Wohnbebauung im vorderen Teil der Überseestadt erschwert hat.


    Aber mit dem Weggang von Kelloggs läuft jetzt ein Ideenwettbewerb für dieses insgesamt 41 ha große Areal des Europahafens Süd (davon 15 ha Kelloggs), so dass hier ab 2020/21 ebenfalls noch richtig was gehen wird in direkter Wasserlage in Südwestausrichtung.


    Es geht um folgendes Gelände:



    (Quelle: https://www.ueberseestadt-bremen.de/de/page/ueberseeinsel)


    Sehr zu empfehlen, auf der Seite ein bisschen rumzustöbern, gibt sehr schöne Visualisierungen der drei gleichberechtigten Gewinner des Ideenwettbewerbs in den dort zu findenden pdf-Dokumenten.


    Weiterhin erwähnenswert ist das Europaquartier, das an der Europahafennordseite endlich die Verbindung zwischen Europahafen und Hafenkante weiter westlich schaffen wird, auch hier handelt es sich für bremische Verhältnisse um ein Riesending vom Investitionsvolumen her mit einem geförderten Wohnriegel von Stefan Forster mit Klinkerexpressionismus, einem Hochpunkt und 8 Wohnhäusern mit Wasserbezug. Webseite auch zu empfehlen:


    https://www.europa-quartier.de


    So sieht der Forster-Riegel aus, Baubeginn I/2019:



    Weiter hinten entsteht bereits jetzt eine ganz gute Aufenthaltsqualität, da hier das größte zusammenhängende und nicht so zerrissene Gebiet entstanden ist mit Park am Wasser und einer insgesamt ordentlichen Dichte:


    Exemplarisch mal das Cecilienquartier, bereits im Bau:



    So siehts da im Moment aus:



    Nach anfänglicher Skepsis auch bei mir bin ich mittlerweile der Überzeugung, dass das Projekt sehr gut läuft und auch die Architektur wesentlich besser als noch vor 5 Jahren ist, insgesamt werden die Prinzipien der europäischen Stadt mit einer (aufgelockerten) Blockrandbebauung und belebten Erdgeschossen beherzigt und das ganze mit den jetzt unmittelbar bevorstehenden Großprojekten auch nochmal deutlich besser zusammenwachsen. Im Moment sind da schon noch viele Brachen und untersetzte Flächen zwischendurch, die aber nun peu à peu gefüllt werden.


    Kardinalproblem bleibt die längliche Ausrichtung und der Riesenbock der Großmarktansiedlung, die wie ein UFO mitten im zentralen Gebiet liegt und LKW-Verkehr anzieht sowie die logische Zentrumsbildung verhindert. Aber ich bin mir wie gesagt sicher, dass der Großmarkt spätestens mit der Vollbebauung in den nächsten 10 Jahren zur Disposition gestellt wird und somit das "Herz" der Überseestadt auch noch erschlossen wird.


    Gerade für das alles andere als erfolgsverwöhnte Bremen eine große Erfolgsgeschichte, auch wenn es natürlich immer viel zu mäkeln gibt, die fehlende Straßenbahnanbindung der Hafenkante, das alltägliche Verkehrschaos, weil die Straßen gar nicht auf so viel Verkehr eingestellt/geplant waren 2002....