Potentieller Umzug von "DB Schenker" nach Hamburg

  • ^^Montabaur boomt aber und wer schon einmal in Montabaur ausgestiegen ist, der weiß wie belebt der Bahnhof dort ist. Montabaur ist praktisch die südliche Westerwald-Metropole. Der ICE-Bahnhof-Montabaur liegt im Einzugsgebiet für eine nicht unerhebliche menge Menschen. Die Stadt boomt zudem richtig: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,496455,00.html Statt wie erwartet 300 Passagiere am Tag, sind es nun 3000 am Tag in Montabaur.


    Ich würde Montabaur nicht einfach kritisieren. Als südlicher Westerwald-Verkehrsknotenpunkt ist er immens wichtig. ;)

  • Nach einer aktuellen Meldung im Hamburger Abendblatt will die Bahn den Hauptbahnhof verlängern. !!Außerdem ist ein zentraler Neubau für die rund 1500 bislang über die Stadt verteilten Arbeitsplätze im Gespräch.


    Und darüber hinaus wird über den Umzug von Schenker nach HH berichtet. Na dann schaun mer mal, ob diese Meldungen wie Seifenblasen platzen oder ob doch mehr daran ist. Letzteres würde mich sehr freuen. Bei einer Realisierung der Pläne würde m.E. der Innenstadtbereich erheblich aufgewertet!:daumen:


    http://www.abendblatt.de/daten/2008/01/25/840548.html

  • @ Midas:


    eigentlich sind wir uns glaube ich einig, die Situation ist nicht wirklich tragbar. Wer genau in der Verantwortung waere fuer Abhilfe zu sorgen bleibt jedoch weiter offen, und dass war ja meine Aussgangsfrage um festzustellen wer sich schaemen sollte. Dass bei investitionen des Bundes der Bedarf rein wirtschaftlich analysiert wird wuerde ich jedoch auch bezweifeln, wenn es hiernach ginge waere der HBF HH mit 450k Reisenden/ Tag ja nun nicht unbedingt zuletzt drann. Klares Ziel der Bundesinvestitionen ist doch unter anderem auch Wirtschaftsfoerderung fuer Strukturschwaechere Regionen zu betreiben, was ja Grundsaetzlich auch nicht unbedingt falsch ist. Infrastrukturpolitik ist aber eben in Deutschland im Endeffekt Planwirtschaft, was ja auch einige Vorteile mit sich bringt in einem Markt wie dem Schienenverkehr der ja eine natuerliches Monopol darstellt. So viel es auch zu schimpfen gibt, die Situation im deutschen Schienenverkehr kommt mir im Europaeischen Vergleich doch sehr ertraeglich vor ! Einer der negativen Nebeneffekte ist dann wohl, dass Regionalproporz zu einem gewissen Teil mit ueber Investitionen entscheidet, und da fehlt es HH doch sehr an Einfluss denke ich. Ein moeglicher Ansatz Abhilfe zu schaffen waere vielleicht die Fusion HH und SWH ? Aber dass fuehrt in diesem Thread wohl zu weit....

  • ich bin grad erschlagen - Hauptbahnhofverlängerung - Bild ist dabei in der Zeitung.
    und diesen irre langen Zug - im Fernsehen- das war beeindruckend.

  • Ich würde Montabaur nicht einfach kritisieren. Als südlicher Westerwald-Verkehrsknotenpunkt ist er immens wichtig. ;)


    Genau diese Denke ist aber das Problem in Deutschland. (Jaja, ich hab den Smiley gesehen...) Natürlich ist es für Montabaur toll wenn dort der ICE hält. Nur wurde der Stop nur mittels "politischer Erpressung" durchgesetzt. Nach dem Motto: "Halten oder wir verzögern das Bauprojekt um zehn Jahre". Keine übergeornete Instanz hatte die Kraft diesem Blödsinn ein Ende zu machen. Im Gegenteil: Weil da irgendwo noch eine Bundesländergrenze verläuft wird auch in Limburg der ICE noch mal durchgelüftet - mit 35.000 Einwohnern immerhin fast so groß wie die Weltstadt Buxtehude. (Aber wahrscheinlich ein wichtiger Knotenpunkt für Waldschrate oder sowas.) Nach selbilger Logik würden die ICE's bald bei der südllichen Ausfahrt aus Hamburg in Bardowick halten müssen. Für Bardowick wäre das sicher "toll".


    Um nicht völlig off-Topic zu werden: Dieses Zuständigkeitsgewurstel ist auch der Grund warum es in Hamburg im Bahnbereich teilweise so aussieht, wie es aussieht... nämlich sehr mäßig.


    Folgende Abendblatt-Einschätzung (die ich teile) beschreibt ganz gut das Bild der Realitäten in Deutschland. Es geht um den Ausbau des Hamburger Hbf und den Umzug von Schenker:


    "Das Verhältnis zwischen Tiefensee und Mehdorn gilt als schlecht. Insider vermuten auch, dass Tiefensee es auf Druck von Parteifreunden vermeiden will, dem Hamburger CDU-Senat im Wahlkampf zu positiven Schlagzeilen zu verhelfen. Für Hamburg könnte die Ansiedelung ein Plus bis zu 1500 Arbeitsplätzen bedeuten."


    Wenn das stimt, wäre es Missbrauch der Amtsgewalt zulasten Hamburgs.


    Interessant, dass Tiefensee in seinem eigenen Ministerium als "weitgehend inkompentent" gilt, wie vor circa einem halben Jahr nach außen sickerte. (siehe hier)


    Auszug: Nicht zuletzt aus der in dieser Umfrage veranschaulichten Unzufriedenheit stammt wohl der neue Spitzname des Verkehrsministers “Pfütze”, der seit kurzem auf den Gängen des Ministeriums kursiert, vorher hieß er im Verkehrsministerium “Flachwasser”.

  • Laut dem Abendblatt Artikel der hier glaube ich schon gelinked wurde sollen es wohl maximal 50m werden beim Neubau am HBF, das finde ich erstmal schon beruhigend, so Solitaerbauten die in einem Umfeld von 6stoeckigen Altbauten mit deutlich mehr als doppelter Hoehe des Umfeldes hochspriessen finde ich keine Berreicherung, die Stelle waere somit denkbar unguenstig gewesen !

  • Werter Midas. :) Diese Denkweise hat aber der Region südlicher Westerwald einen Boom beschert. Ich stehe voll hinter dieser politischen Entscheidung, die letztenendes sogar über ihr Ziel hinausgeschossen ist. In Frankreich preist man immer die Effektivität des TGV und wie er durch die Pampa rauscht, oh Wunder das dies in einem zentralistischen Land passiert. Es gibt Dinge dir mögen nicht sofort schlüssig erscheinen, aber funktionieren letztenendes besser als sogar gewollt. Ländliche Regionen kann man aus ihrer Strukturschwäche befreien, dann muss man sich aber auch im klaren sein das man diese Regionen nicht von der Infrastruktur ausschliesst. Ich empfehle jedem sich darüber im klaren zu sein, es kann doch nicht sein das an der Banlieu die Welt aufhört.

  • "Das Verhältnis zwischen Tiefensee und Mehdorn gilt als schlecht. Insider vermuten auch, dass Tiefensee es auf Druck von Parteifreunden vermeiden will, dem Hamburger CDU-Senat im Wahlkampf zu positiven Schlagzeilen zu verhelfen. Für Hamburg könnte die Ansiedelung ein Plus bis zu 1500 Arbeitsplätzen bedeuten."


    Wenn das stimt, wäre es Missbrauch der Amtsgewalt zulasten Hamburgs.

    Zitate, die mit "Insider vermuten" anfangen, stimmen meist eh nicht. Genau wie das Plus von 1500 Arbeitsplätzen von denen im Abendblatt die Rede ist. Im ersten Absatz desselben Artikels hiess es noch, dass es sich bei den 1500 Arbeitsplätzen, um welche handelt, "die derzeit quer über die Stadt verteilt sind". Also kein Plus für Hamburg, eher werden bei der Konzentration noch Stellen abgebaut. Nur die Ansiedlung von Schenker - bei der laut Bahn noch garnichts entschieden ist - könnte ein Plus an Arbeitsplätzen für Hamburg bedeuten. Und ein Minus für Essen (-400), Berlin (-200) und Frankfurt (-100). Daraus werden bei einer Zusammenlegung natürlich auch weniger, sonst lohnt es sich ja nicht. Also höchstens ein Plus von X < 700 für Hamburg.


    Ich denke in erster Linie geht es der Bahn um ein reines Immobiliengeschäft. Wie ich vermutet habe, gehört das Gelände der Bahn bereits. "Der Neubau könnte weitestgehend auf bahneigenem Gelände entstehen." Die Bahn versucht überall in Deutschland ihre wertvollen Innenstadtflächen in Bürohäuser zu verwandeln. Was sie nicht vermietet kriegt, bezieht sie halt selber. Und als weiterer Trend werden alle Bahnhöfe sukzessive in Shoppingcenter umgebaut. Der Schienenverkehr ist nur noch dazu da, die Kunden ranzukarren. 30 Meter längerer Bahnhof, heißt auch 30 Meter mehr vermietbare Ladenfläche. Kein Wunder das Mehdorn sauer ist auf Wowereit (und Sarrazin), denn bei einer Trennung von Netz und Betrieb blieben die Bahnhöfe mit ihren lukrativen Einkaufspassagen beim Staat und würden nicht mitprivatisiert.


    EDIT: Wie ich gerade in einem anderen Forum gelesen habe, gibt es noch einen anderen Aspekt zu beachten. Der Bahn könnten durch Umzug und Konzentration wichtige Führungskräfte verloren gehen. Durch den boomenden Logistikmarkt ist es für die hochqualifizierten Schenker Mitarbeiter relativ leicht einen anderen Arbeitgeber zu finden. Aber der Bahn dürfte es schwer fallen, Mitarbeiter zu ersetzen, die nicht nach Hamburg (oder wohin auch immer) umziehen wollen.

  • Ich bin wahrlich kein Experte fuer Transport Economics, aber die Trennung von Bahn und Schiene in England hat zu einer mittleren Katastrophe gefuehrt ! Hoffentlich wird in Deutschland nicht der gleiche Fehler wiederholt. Dass die Bahn Ihre Flaechen in den deutschen Innenstaedten aufwerten will ist doch legitim !

  • die 30 m Verlängerung Hauptbahnhof Hamburg liegen zwischen Hühnerposten udn Hbhf - davor liegt die Steinstraße - eine der Hauptverkehrsstraßen und Blickachse über St. Georg zum Berliner Tor.
    Sollte es mal bös für uns ausgehen, dürften wir froh sein, wenn wir vo Bahnhof zu Bahnhof fahren können um uns dies oder das noch zu holen zum satt werden.


    Das Foto von Mehdorn und v. Beust im Abendblatt - ein Strahlen zwischen zwei Lausbuben, die sich einen Kindheitstraum erfüllt haben..:lach:

  • johnsopb :
    Ja klar ist das legitim. Aber es ist ein ganz anderes Motiv, als die Errichtung eines Repräsentationsbaus für eine Firmenzentrale. Das Hochhaus (oder besser gesagt der 50-Meter-Bau) wird nicht für Schenker gebaut, sondern um das Grundstück der Bahn maximal zu verwerten. Deswegen wird das Gebäude auch kommen, falls Schenker nicht nach Hamburg zieht. Und deswegen kann man sich auch die Spekulationen, welcher Standort besser geeignet wäre, sparen.


    In England hat soweit ich weiss, gerade die Privatisierung der Schiene zur Katastrophe geführt. Netz und Betrieb sind eben nicht voneinander getrennt worden, sondern gemeinsam und stückchenweise verkauft worden. Dadurch gab es keine echte Konkurrenz, weil jedes Bahnunternehmen auf seinem Gleisabschnitt weiterhin ein Monopol besaß. Noch verheerender aber war das Ausbleiben von Investitionen in die Schienenwege, was zu einer Zunahme von tödlichen Unfällen geführt hat. Deswegen wird das Netz in England heute schon wieder rückverstaatlicht.


    http://www.isw-muenchen.de/download/privat-g.html
    "Nach 10 Jahren Privatisierung stellte die englische Regierung fest, dass der Netzbetrieb Railtrack das Schienennetz massiv verwahrlosen ließ, was zur Hauptursache für eine extreme Zunahme von Zugunfällen wurde. Auch hier wurden die Einnahmen und die Subventions- und Zuschussmilliarden erstrangig in Dividenden umgesetzt. Die Konsequenz: 2003 wurde die Rückverstaatlichung des Schienennetzes eingeleitet, um es vor der völligen Verrottung zu retten."


    Das Problem ist, dass das Schienennetz in Deutschland grundsätzlich nicht wirtschaftlich erhalten und ausgebaut werden kann. Jede Modernisierung der Schiene kostet bei uns gleich mehrere Milliarden Euro. Das lässt sich einfach nicht über die Tickets refinanzieren. Deswegen muss der Staat auch zukünftig weiterhin 100e Milliarden für die Infrastruktur zuschiessen. Es muss aber verhindert werden, dass auch nur ein Teil dieser Gelder als Dividenden in privaten Taschen landet. Deswegen ist es am sinnvollsten, der Staat behält das Netz, das er sowieso selber bezahlen muss, auch gleich selbst und vermietet nur die Nutzungsrechte daran.


    Nur der Betrieb kann langfristig wirtschaftlich funktionieren. Deswegen sollte auch nur dieser Teil privatisiert werden und zwar zu 100%. Loks und Löhne lassen sich aus den Ticketpreisen finanzieren. Im Betrieb können unterschiedliche Anbieter miteinander konkurrieren, wie es auf der Straße ja auch der Fall ist. Schenker gehören auch nur die LKWs und nicht gleich die ganze Autobahn. Der Autobahnbau ist Staatsaufgabe und das Gleiche muss für den Schienenbau gelten, andernfalls werden unsre Schienen genauso verrotten wie in England.

  • Habe mich am Freitag mit dem Hauptbahnhof auseinander gesetzt.


    Zunächst die Südfront von den Bahngleisen aus


    Die Fassade ist soweit, so langweilig. Allerdings bin ich mir nicht sicher, inwieweit man das Gesamtensemble Hbf durch eine neue Südfassade zerstört. Zu beachten auch die grässlichen Lampen und der Mast, dessen Nutzen mit einem Deckel hinfällig wird.


    Der Innenraum völlig chaotisch und bis auf die Bahnsteige ziemlich heruntergekommen. Erwähnenswert noch die Decke: zwischen der Stahlkonstruktion sind Holzpanele, die mittlerweile fast schwarz und in einem desolaten Zustand sind. Den Nebenhallen geht es noch schlechter.


    Detail. Die Wandelhalle scheint später saniert worden zu sein. Auchgleisseitig sieht es, wie man sieht, verhältnismäßig passabel aus.

    Bilder von mir.

  • bischen polemisch, aber im Kern hast du natürlich recht.


    Wir leben halt nicht in den neuen Bundesländern, wo die bahnhöfe auf Deubel komm raus aufgemotzt werden (Leipzig, Dresden, Berlin .. )

  • Ich weiß gar nicht, was ihr alle gegen den Hauptbahnhof habt. Meiner Meinung nach ist das eines der schönes Gebäude Hamburgs und repräsentiert eine Epoche des technologischen Fortschritts am Anfang des 20. Jahrhunderts, durch Metalbauweise und die genieteten Verbindungsstücke.
    Das einzige Problem ist, dass das Gebäude über lange Zeit ziemlich vernachlässigt wurde, was man auch deutlich sieht.
    Bin auch dagegen, am jetzigen Zustand zuviel zu verändern und umzubauen, weil das den ganzen Charme des Gebäudes nimmt. Gegen eine Erweiterung des Bahnhofs generell habe ich nichts, nur wenn in die alte Bausubstanz eingegriffen wird. :)

  • Ich bin da ganz Dykies Meinung.
    Eine Sanierung ist überfällig, keine Frage, aber es soll doch auch bitte nur saniert und eben nicht "aufgemotzt" werden.
    Besonderen Wert würde ich darauf legen, die Struktur und die Materialien der Dachkonstruktion beizubehalten. Wie wunderschön solch eine Sanierung aussehen kann, bei welcher wieder Holz, Stahl und Glas verbaut wurde, zeigt Lübecks neuer Hauptbahnhof. Wie sehr manch neumodische Baustoffe ein Bahnhofsgebäude verfremden können, zeigt sich in Dresden mit der weißen Foster-Folie (es gibt noch wesentlich schlimmere Beispiele).

  • Verfremden? Bahnhöfe waren schon immer experimentierfelder für neue Bauverfahren und materialien. und wenn es so leicht, hell und luftig ausfällt, wie am dresdner Hauptbahnhof, gratulation! Der Umbau in Hamburg ist schon lange fällig, wenn ich da bin, bekomm ich grundsätzlich platzangst, da es immer gedränge gibt.

  • In Dresden hat man meiner Meinung nach die Chance verpasst, den Bahnhof in einen der ursprunglichen Bebauung ähnlichen Zustand zurückzuversetzen (nicht in die Nachkriegsübergangslösung, die noch einmal ein gutes Stück schlimmer aussah als der jetzige Bau). Als gelungenes Beispiel kann ich nur immer wieder Lübeck nennen (welches auch ohne Folie leicht, hell und luftig ausfällt). Und gerade bei Bahnhöfen hat man meiner Meinung nach die schlimmsten architektonischen Sünden begangen, indem man beim "Umbau" von der historischen Struktur komplett abgewichen ist. Ein Beispiel hierfür wäre der Gare Montparnasse in Paris. Als Experimentierfelder sollen doch bitte Bahnhofsneubauten dienen, aber keine Umbauten.

  • Was haltet ihr eigentlich von der umgebauten St Pancras station in London ? Aber dort handelt es sich auch gleich um ein + 1 Milliarden projekt und hat natürlich auch den Hauptstadtfaktor ( Wembley-stadion) wo fast alles 5 mal so teuer umgebaut wird als anderswo mit Aussnahme von Paris.

  • Der Chef der Logistik-Tochter Schenker (Hans-Jörg Hager) verlässt freiwillig und vorzeitig das Unternehmen.


    Hr. Hager war ein Gegner der Zusammenlegung von Schenker aus Essen/Frankfurt/Berlin nach Hamburg.


    Quelle: Welt Online
    Zweiter Absatz unter der Überschrift:
    Offenbar Zoff mit Mehdorn