Zeil und Nebenstraßen / Konstablerwache

  • Neugestaltung Zeil und Konstablerwache

    Sehe keinen städtebaulichen Grund jetzt wieder mit einem modernen Neubau das Rad zurückdrehen zu wollen und wieder an die Kirche heranzubauen. Einen gewissen respektvollen Abstand moderner Sachlichkeit zum historischen Gebäude hin halte ich durchaus für angemessen. Nicht jede Ecke muss zugebaut werden. Für so genannte Nachverdichtungen in der Innenstadt gibt es an anderen Stellen geeignetere Möglichkeiten. Auch würde ich diese kleine Platzecke, auf dem vielgestaltigen Raum um die Hauptwache herum, vermissen.

    Einen stimmigen Neubau an der Hako-Stelle, auch gerne drei Stockwerke höher, würde ich allerdings auch nicht ablehnen wollen.

  • Die Freistellung der Kirche war eine Nachkriegsentscheidung. Sozusagen eine verspätete neugotische, denn 50–100 Jahre davor war man ja im Glauben an ein falsches Idealbild des Mittelalters auch überall bestrebt, rund um die Kirchen alles plattzumachen. Auch die Katharinenkirche ist in ihrer gesamten Gestalt, abgesehen von der Nord- und der Nordwestseite auf ein "Umbautsein" hin konzipiert worden, ein ähnlicher Befund wie am westlichen Sockel des Domturms. Gut erkennbar an der Tatsache, dass der einzige äußere Bauschmuck die Portale sind! Insofern wäre eine Wiederbebauung der umgebenden Parzellen nichts anderes als Stadtreparatur.

  • Neugestaltung Zeil und Konstablerwache

    RMA: Ja, dass war mir in etwa so bekannt. Ich bin in gewissem Sinne sehr für Stadtreparatur. Wiederhole mich aber, hier soll ja nun modern an die historische Kirche herangebaut werden. Und wie gesagt, nur dass halte ich eben nicht für angemessen.

  • RMA
    Das hat mit Neugotik nicht zwingend etwas zu tun. Der Ursprung der Kirchenarchitektur liegt ja beim Römisch-Katholischen, was ja auch die "Mutterkirche" ist und lange vor den Protestanten da war. Basierend auf römischen Markthallen, in denen u.a. Predigten stattfanden. Die frühen Christen nutzten vorhandene Infrastruktur. Erst das spätere Christentum hat, nachdem es einen starken Wandel hin zum Autoritären durchgemacht hat, aus den Kirchen tempelartige Sakralbauten gemacht. Davor fand in den Kirchen ganz normales Alltagsleben statt, dort traf man sich, trank und speiste, bot Waren feil, und so weiter. Eben ein echtes Gemeindezentrum im Wortsinne.


    In dieser Tradition waren diese Bauten schon immer von baulich herausgehobener Stellung. Erst als man sich im Mittelalter zunehmend in den immer engeren Städten verschanzte, hinter Wallanlagen, wurde alles immer enger aneinander gequetscht. Ich würde also nicht sagen dass man die Stadt "repariert" wenn man die beengten Verhältnisse, der Zeiten als es noch Stadtmauern zum Schutz brauchte, simuliert. Dies entspricht wohl eher deutscher "Altstadtromantik", enge Gassen und wie man sich eben eine "Altstadt" heute vorstellt.

  • Danke für die Ergänzung, Augsburger.


    Es ist aber eine Tatsache, dass die Neugotiker (dafür muss man nur mal ein bisschen in den Theorien von Leuten wie Ungewitter oder Meckel schmökern!) tatsächlich davon ausgingen, dass die Kirchen im "gotischen" Mittelalter frei standen, und die Umbauung erst später hinzugekommen sei. Man hatte damals noch nicht die kunstgeschichtlichen Kenntnisse, um zu begreifen, dass die Umbauung aus der Bauzeit der Kirchen stammte.


    Die ganzen Abbrüche rund um Kirchen im 19. Jahrhundert standen keinesfalls unter dem Anspruch von "Licht und Luft" o.ä. (frei nach der Charta von Athen) sondern vielmehr unter dem genau von dir kritisierten romantischen Anspruch, einen idealen Zustand des Mittelalters heraufzubeschwören.


    Der konkrete Abriss an der Katharinenkirche mag tatsächlich bereits unter dem Vorzeichen von "Licht und Luft" geschehen sein, genauso unsinnig wie das, was Jahrzehnte vorher geschah, halte ich das *persönlich* aber auch. Eine Kirche ist Teil einer europäischen Stadt, wenn man sie wie ein Monument freistellt, nimmt man ihr ihre Stellung und Würde.


    @ RobertKWF: Okay, dann hatte ich deinen Beitrag nur nicht genau gelesen. Dass Gegenwartsarchitektur auch Bezug auf Sakralbauten nehmen muss, ist meines Erachtens selbstverständlich. Beim Dachaufbau könnte man mal anfangen...

  • Ob historisch herleitbar oder nicht, die Ecke gehört zugebaut. Die "Gut Stubb" der Frankfurter, der Römer wird deswegen als "Wohnzimmer" bezeichnet, weil der Platz als Zimmer ablesbar ist. Ein Platz lebt von seinen Kanten. Und die Hauptwache hat unendliche Kanten, aber keine ablesbaren. Man muss nicht dogmatisch alles für gut befinden, was vor dem Krieg existierte, aber man muss anerkennen, wenn die Architektur und der Städtebau vor dem Krieg wertiger waren, als das, was hier heute steht. Die Platzaufteilung der Hauptwache ist auf RMAs Foto hier gut zu sehen: Es war ein dreieckiger und ganz klar ablesbarer Platz. Auch war er klar vom Rossmarkt getrennt. Das kann man hier im Wikipedia-Artikel gut erkennen.
    Sind die Platzkanten harmonisch hergestellt (was nicht immer der Vorkriegszustand sein muss), sollten die Planer sich um dem Ort entsprechende Fassaden Gedanken machen.

  • Neugestaltung Zeil und Konstablerwache

    (ok, jetzt sind wir zwangsläufig zur Hälfte auch in dem anderen Strang angekommen, an dem diese Ecke ja angrenzt.)

    @PornoPuma #385 : Kann ich nachvollziehen und gebe Dir in Deinen grundsätzlichen und allgemeinen Überlegungen absolut recht. Ein guter, klassischer Platz wirkt umso mehr als ("Wohnzimmer-") Platz, je "sauberer" er eingefasst und geschlossen ist.

    Hier möchte ich diese Auffassung aber bewusst einmal zurückstellen. Aus diesem so genannten Platzraum lässt sich eigentlich kein richtiger Platz mehr gestalten. Die "Hauptwache" als Platz ist aber entstehungsgeschichtlich wohl eher ein Verkehrsknotenpunkt gewesen, für im Wesentlichen fünf oder sechs Verkehrsstraßen-Ausfahrten. Aus der "schrägen" Verbindung Kaiserstraße/Zeil ergab sich dann die dreieckige Gestaltung und eine Art Platz ergab sich durch die Freihaltung des Bauwerkes Hauptwache. Daneben, sozusagen als Platz im Platz, der verhältnismäßig kleine Schillerplatz erweiterte das Ganze noch etwas mehr in Richtung Platzraum.

    Heute ist die Situation aber völlig anders, sie hat sich wieder weiterentwickelt. Es gibt beinahe keinen oberirdischen Fahrzeugverkehr mehr, dadurch muss sich der Platz als solcher quasi neu erfinden. Dieser Platzraum behält dennoch auch weiterhin eine Funktion als Verkehrskontenpunkt, allerdings "nur" noch für Fußgänger (und auch Radfahrer natürlich).

    Diese kleine Ecke trägt nun gerade dazu bei, auf dem neuen Platzgebilde diese dreieckige Fassung weiter abzumildern. Mein persönlicher Gedanke dabei ist ja auch, die Treppenanlagen als solche zu belassen und nur im Materialdesign in einer Neugestaltung aufgehen zu lassen. Zudem ist die bauliche Platzumgebung heute schon in ihrer Formensprache und stilistisch etwas zerrissen, beinahe bizarr, so dass diese Ecke mithilft dieses im Sinne von "Gleichgewicht" rundum etwas zu verteilen.

  • Geburtstag

    In dieser kleinen Notiz möchte ich anmerken, dass die Umbauarbeiten an der Zeil in diesem Monat offiziell ihr zweijähriges Jubiläum feiern - zum Leid der Anlieger, Einkäufer und Radfahrer. Wie hier und beim Stadtplanungsamt nachzulesen ist, blicken wir auf die folgenden Meilensteine:


    2000 - Städtebaulicher Wettbewerb ohne 1. Preis, aber mit zwei zweiten Preisen Projekt ruht.
    Herbst 2005 - Wiederaufnahme der Planungen und Überarbeitung der beiden Zweitpreisträger
    Juli 2007 - Beschluss, den Schober-Entwurf umzusetzen
    Februar 2008 - Abschluss der technischen Ausführungsplanung und Ausschreibung der Arbeiten
    Juni 2008 - Abbruch der alten Pavillons
    Juli/August 2008 - Beginn der eigentlichen Umbaumaßnahmen
    Februar 2010 - Geplantes Umbauende


    Als Ursachen der nunmehr deutlichen Verzögerung führt die Stadt die bekannten Gründe an: Schwierige Logistikbedingungen, unterschiedliche Anforderungen/Bedingungen für Kleinpflaster- und Großplattenbereiche, parallel laufende private Baumaßnahmen. Ein neuer Termin für den Abschluss der Arbeiten wurde meines Wissens nach noch nicht bekanntgegeben.

  • Herzlichen Glückwunsch, Baustelle! Ja, das sorgt für Heiterkeit. Selbst für einen veritablen Brüller ist der Verlauf dieses Projekts gut: Zusätzliche Beschleunigungsmaßnahmen führen nämlich zu einer Erhöhung der Gesamtkostenrahmens um 485.806,69 Euro. Keine einfachen Beschleunigungsmaßnahmen, notabene, sondern zusätzliche Beschleunigungsmaßnahmen! Wer es nicht glaubt, der klickt hier.

  • In dieser kleinen Notiz möchte ich anmerken, dass die Umbauarbeiten an der Zeil ... (Mod: Zitat gekürzt, für den gesamten Text auf das blaue Quadrat klicken.)


    Zehn Jahre vom Planungsbeginn bis Bauende? Sowas liefe in Zürich unter «problemlosen Verfahrungsablauf ohne Referenden, Einsprachen und Initiativen». Man tröste sich: In Zürich steht beim Bahnhof ein Ladenkomplex: Mit der Neuplanung wurde 1963 begonnen - 7 Wettbewerbe, Teilabriss, provisorischer Blechkasten, ein Bundesgerichtsurteil und gefühlte 100 Volksabstimmungen - ein Ende ist nicht in Sicht.

  • Und das alles für eine Verschlimmbesserung. Gestern bin ich mal wieder über die Zeil gelaufen und war entsetzt über den Zustand des Bodenbelags. Ich habe noch nie eine derartig schmutzige, fast ekelerregende Fußgängerzone gesehen. Oder liegt das immer noch daran, dass nicht regelmäßig gesäubert wird, solange die Baumaßnahmen nicht abgeschlossen sind?

  • Woran es liegt weiß ich auch nicht. Aber der neue Belag macht es zwinged erforderlich, dass man - wie in vielen Ländern üblich - die Zeil täglich mit Hochdruckreinigern oder ähnlichen reinigt (das beseitigt auch den teilweise auftretenden Uringestank). Außerdem sollte jeden Tag zumindest ein Mitarbeiter der Stadtreinigung mit dem Beseitigen von Kaugummis beauftragt werden. Ich denke, dass wäre angesichts der Bedeutung der Zeil/ Innenstadt für das Image der Stadt auch vertretbar.

  • Das mit dem Bodenbelag ist mir auch schon aufgefallen. Sicher nicht schlimmer als vorher, aber eben auch keine Verbesserung. Da man ja im vorneherein den Mund sehr voll genommen hatte, wie gut doch der neue Belag zu säubern sei ist das in der Summe dann doch zumindest peinlich bzw. man fragt nach dem Zwecke der Neupflasterung.

  • Wenn man die Bodenplatten während der Bauarbeiten nicht reinigt (nicht reinigen kann), sieht es eben entsprechend aus. Besonders wenn es lange nicht regnet. Dass das so ist und was die Gründe dafür sind, das steht doch bereits im Forum. Also abwarten. Überaus ärgerlich ist freilich die Umbaudauer, da wird wohl niemand widersprechen.

  • Es ist sicher sehr rücksichtsvoll Reinigungsfahrzeuge noch nicht über die neuen Platten fahren zu lassen - um so unverständlicher ist es, dass die schweren Fahrzeuge des Wochenmarktes schon darüber fahren dürfen.


    Das Ergebnis sind einige bereits gebrochene Platten in der Großen Friedberger Straße. :Nieder:

  • Baustopp!

    Dass die Frankfurter Rundschau sowas vor uns entdeckt... :nono:


    Nach Informationen der FR besteht seit drei Wochen Baustopp auf der Zeil. Grund sei nach Angaben der Geschäftsleitung der Baufirma Bratengeier aus Dreieich "Zahlungsverzug der Stadt".


    "Am liebsten würden sie am Mittwoch in der Kämmerei kein Wort über diese Angelegenheit verlieren. Ist auch peinlich genug: Die Zeil wird nicht fertig, weil die Stadt nicht zahlt." kommentiert Matthias Arning. Doch ein paar Worte konnte man einfangen: "Mit Hochdruck" werde mit der Firma verhandelt, meint die Kämmerei. Man nehme den Baustopp "überaus ernst".


    Pleite ist die Stadt zum Glück noch nicht, denn es herrscht scheinbar Uneinigkeit über Mehrkosten mit der Baufirma.


    Quelle

  • Einseitig und schlecht recherchiert, wie von dieser Zeitung gewohnt. Offenbar geht es zum x-ten Mal um Mehrkosten. Verzug besteht nur, wenn etwas zu zahlen ist. Dass es hier Meinungsverschiedenheiten gibt, liegt in der Natur der Sache. Selbstverständlich hat die Stadt solche Forderungen sorgfältig zu prüfen, bevor weiteres Steuergeld ausgegeben wird und die Überschreitung der bewilligten Baukosten groteske Höhen annimmt. Gegebenenfalls muss sie die Forderung zurückweisen und darf sich nicht durch Erpressungsversuche des Vertragspartners beeindrucken lassen. Gerade die ausführende Firma sollte den Ball flach halten. Bisher hat sie sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert - vorsichtig formuliert.

  • "Baustopp an Zeil eingestellt"

    Nun ist der Stopp eingestellt, und zur von Schmittchen monierten schlechten Recherche und einseitigen Berichterstattung gesellt sich noch eine zumindest kuriose Formulierung.


    Denn wie dieselbe Zeitung mittlerweile berichtet, ist laut Stadtkämmerer Uwe Becker mit der (zur Zeit eben nicht) ausführenden Firma Bratengeier aus Dreieich eine Einigung über die Nachzahlungen erzielt worden. Obwohl die Stadt nach wie vor Forderungen i.H.v. einer Million Euro nicht zugestimmt hat, sollen die Arbeiten ab kommendem Montag weitergehen.


    Ursache für die Nachforderungen war die Anregung der Stadt, der schon entstandenen Zeitverzögerung durch vermehrte Nachtarbeit zu begegnen, woraus Bratengeier wiederum weitere Ansprüche ableitete.

  • Anderswo würden der Firma aufgrund der Verzögerungen die Rechnungen gekürzt - schließlich vereinbart man Fertigstellungstermine und Strafzahlungen - in Frankfurt will man nachfordern.

  • Erfreuliches: Unsere Gebete wurden erhört! (Wieder mal.) "Die" Stadt Frankfurt, die FES, der Heilige Geist persönlich oder wer auch immer MUSS diesen Strang aufmerksam mitverfolgen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass just gestern und heute kleine Spielzeugputzautos die ganze Zeil blitzblank geschrubbt und von den meisten Kaugummiflecken befreit haben. Vielleicht war auch das CSD-Wochenende ein Anlass der Putzaktion. Jedenfalls scheint der ominöse Teflon-Belag seine Wirkung zu entfalten:




    Bilder von heute abend: epizentrum