Museumsinsel und Erweiterungsbauten (James-Simon-Galerie)

  • Das Neue Museum war eine Ruine, gut das es in den heutigen Zustand versetzt wurde.


    Bein Pergamon Museum gab es keinen "historischen" Zugang sondern nur den von 1982 (ist ja eigentlich auch schon historisch),

    Der neue Portikus mag schlicht sein, fügt sich, wie ich finde, aber gut ein.


    Was mich mehr stört ist die Bauweise. Bei so viel massivem Stein drum herum, wirkt ein Eingang aus verkleidetem Stahlgerüst zu leicht, zu wenig massiv, zu instabil.

  • das "Tempietto" sieht in natura noch schlimmer aus, und die Farbe der Steinverkleidung passt nicht einmal zum Rest des Gebäudes. Das überrascht nicht, wenn es von zwei der absolut schlechtesten Architekturbüros aller Zeiten kommt. :-P

  • Ich muss sagen Ungers Version vom tempietto im Innenhof gefällt mir gar nicht - den fand ich im Rohbau mit seiner Grazilität erfrischender - besonders in diesem Steinschweren Milleu des Hofes, das sich mit dem Tempietto und dem neuen Flügel nun vervielfacht

    Diese weissen Fenster sehen zudem verdächtig nach Alu-Kunstofffenstern aus- das wirkt hässlich - ich hoffe das ist blos ne Folie sonst ist man schnell bei Aldi aus den 90ern.


    Messels Entwurf sah ja neben dem Tempelchen und ja noch Skulpturen und Bauschmuck vor, was die Gesamtwirkung doch etwas weniger klobig hätte wirken lassen - Auch der nun gebaute 4 Flügel der etwas besser gelungen scheint als der Tempietto war bei Messels Entwurf noch eine Feingliedrige Kolonnade aus dorischen Säulen.
    Man hat damit eigentlich dieser Massivität des Baues, Mäßigung verschafft und es etwas aufgelockert

    Das scheint man aber bei der Erweiterung, auch wenn sie wesentliche Elemente von Messels Plan wieder aufgreift etwas aus den Augen verloren zu haben oder hat diese Intention zur Wirkung überhaupt nicht verstanden.

  • Das Neue Museum war eine Ruine, gut das es in den heutigen Zustand versetzt wurde.

    Der neue Portikus mag schlicht sein, fügt sich, wie ich finde, aber gut ein.

    Warum ist es gut, dass das Konzept vom Neuen Museum mit Sichtbetonrampen "versetzt" wurde. Wieso fügt sich der schmucklose neue Portikus (tempietto)nach Ihrer Meinung gut ein? Er sieht völlig anders aus und zerstört die Gesamtansicht des Gebäudes erheblich.

    Selbst bei Wikipedia sind zahlreiche Bilder der Gesamtplanung für die Museumsinsel, warum können Sie keinen historischen Bezug (außer 1982) finden?! Auch wenn Sie sogenannte "zeitgemäße" Architektur mögen, warum wünschen Sie, dass die wenigen historischen Bauten so stark verändert werden. Würden Sie umgekehrt auch verlangen, in die Philharmonie eine Barock-Orgel einzubauen !?


    https://de.wikipedia.org/wiki/…museum_Berlin_Ansicht.jpg

  • ^ Muss sich Baukörper bei Ihnen dafür entschuldigen, dass er einen anderen Architekturgeschmack hat als Sie? Frage ich Sie in diesem Ton? Na? Antworten Sie! *Sarkasmus aus*


    Ich finde den Wiederaufbau des Neuen Museums beeindruckend. Wie ich die zeitgenössischen Ergänzungen des Pergamonmuseums finde, bleibt abzuwarten – warum sie vorgenommen werden, können Sie allerdings überall nachlesen. Es geht um Platz, den weder das ursprünglich geplante noch das später umgesetzte Torgebäude boten. Der Entwurf für "Tempietto" und vierten Flügel stammt von Oswald Matthias Ungers und steht seit 2006 (!) fest. Tatsächlich könnte man sagen, dass Ungers, der seinen Höhepunkt in den 80ern hatte, schon fast ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt – andererseits galt das zum Eröffnungszeitpunkt auch für das ganze Pergamonmuseum, insofern passt es.


    Als Freund historischer Architektur wissen Sie sicher, dass es seit Jahrhunderten üblich ist, alte Gebäude mit Anbauten im jeweils aktuellen Stil zu ergänzen. So gibt es romanische Kirchen mit gotischen Türmen, und Schlösser haben oft einen Kern aus der Renaissance, wurden aber später mit barocken, Rokoko- und klassizistischen Elementen ergänzt. Dass ein neo-klassizistisches Museum nun einen zeitgenössischen Anbau bekommt, ist also kein Frevel, sondern hat bauhistorisch lange Tradition.

  • ^ zum letzten Absatz:


    Solche Analogien sind nur bedingt belastbar. Zu jener Zeit hat es noch keinen Denkmalschutz gegeben, so dass immer dem Zeitgeist entsprechend verändert und nach Belieben ergänzt werden konnte. Heute haben wir einen differenzierten Denkmalschutz, der auch den Ensembleschutz beinhaltet. Leider wird letzterer zu selten beachtet und das trifft auch hier zu. Ich hatte diese Kritik bereits bei Chipperfields James-Simon-Galerie formuliert:


    Die Spreekanal-Ansicht offenbart die Wirkung der James-Simon-Galerie als Fremdkörper in einer historischen Umgebung. Erneut stellt sich mir die Frage: Warum glauben viele zeitgenössische Architekten eigentlich, dass der Umstand des größtmöglichen Kontrastes zur benachbarten Bebauung die Qualität der Architektur steigert? Meist ist das Gegenteil richtig: Harmonie ist die hohe Kunst der Architektursprache. Und das gilt umso mehr an einem so neuralgischen Punkt wie einem Weltkulturerbe.


    Mod: Unnötiges Zitat aus dem Vorpost und den Link entfernt. Das DAF ist keine Plattform für das Bewerben eigener Publikationen.

  • Warum glauben viele zeitgenössische Architekten eigentlich, dass der Umstand des größtmöglichen Kontrastes zur benachbarten Bebauung die Qualität der Architektur steigert? Meist ist das Gegenteil richtig: Harmonie ist die hohe Kunst der Architektursprache. Und das gilt umso mehr an einem so neuralgischen Punkt wie einem Weltkulturerbe.



    Ich glaube nicht dass es Kontraste sind, sondern letztendlich sind alle Ergänzungen ein Teil dieser Harmonie. Das ist ja die Aufgabe der Architekten das so hinzuzubekommen und in Berlin gelingt das meines Erachtens auch meistens ganz gut. Auch hier im Pergamon. Und die Architekten denken sich ja meistens was dabei, was auch nachvollziehbar ist.

    Und wenn du schon so harmoniesüchtig bist, wo ist dann deine Kritik an den Preußen, dass Sie nicht die ganze Museumsinsel wie das Alte Museum gebaut haben wie Schinkel, da fängt es doch schon an. Die haben nichts anderes gemacht als Chipperfield mit der James Simon Gallerie, als sie das Neue oder das Bode oder das Pergamon gebaut haben. Sich lange überlegt was könnte als Ergänzung passen.


    Es ist ja nicht so dass bei Neubauten auf den Bestand keine Rücksicht genommen wird, auch wenn das von den Traditionalisten immer behauptet wird.

    In entscheidenden Aspekten bezieht man sich ja auf das Bestehende, sei es Höhe, vielleicht Material oder Kubatur oder anderen gegebenen Kriterien.


    Es entsteht vielleicht keine eins zu eins Kopie aber es entsteht ein Eindruck bei vielen Menschen dass das Neue oftmals dazu passt so unterschiedlich es vielleicht auch auf den ersten Blick anmutet und es hebt Einzelnes hervor und macht es sichtbarer.


    Und Harmonie ist nun mal nur nur ein Kriterium, und allein Harmonie macht ein Gebäudeensemble nicht besser.


    Ein wichtigeres Kriterium bei fehlenden Elementen in einem Gebäudeensemble ist Authenzität. Man kann heute beim besten Willen nicht mehr so bauen wie früher, man erkennt - abgesehen davon, dass man es weiß - wenn etwas nachbebaut wurde und das empfinden die meisten als Beeinträchtigung oder störend als fake. Und Ergänzungen können sowieso niemals authentisch sein.


    Man malt auch keine vielleicht fehlenden Gemälde von Dürer oder Rembrandt nach und hängt sie neben die Originale, ein etwas schräger Vergleich aber so ist es letztendlich für mich.

  • Und wenn du schon so harmoniesüchtig bist, wo ist dann deine Kritik an den Preußen

    Das ist jetzt aber eine haltlose Unterstellung. Weil ich einmalig auf die fehlende Harmonie hinweise, bin ich harmoniesüchtig? Harmonie ist eine der wesentlichen Merkmale gelungener Architektur, insofern sollten wir alle ein Interesse daran haben. Und ich muss nicht preußische Architektur oder jede andere Architektur kritisieren, um mir eine Urteil über Chiperfields Entwürfe oder den anderen Baumaßnhamen auf der Museumsinsel zu erlauben.


    In entscheidenden Aspekten bezieht man sich ja auf das Bestehende, sei es Höhe, vielleicht Material oder Kubatur oder anderen gegebenen Kriterien.

    Das sehe ich im gegebenen Fall der Museumsinsel anders. Das habe ich auch in meinem Artikel argumentativ untermauert. Leider ist der Link dazu von der Moderation gelöscht worden. Daher nur so viel zur James Simon Galerie:


    Die klassizistische Architektursprache eines Karl Friedrich Schinkel möchte Chipperfield aufgegriffen und sie in die klassische Moderne übertragen haben. Betrachtet man den Außenbau, dann können damit sicherlich nicht die ungegliederten weißen Wandflächen gemeint sein, die einen kalten, abweisenden Charakter tragen. Vielmehr scheint er auf die filigranen Pfeilerreihen abzuzielen, die mich allerdings in ihrer bemerkenswerten Monotonie und Formreduktion an eine Heizkörperverkleidung erinnern. Es handelt sich dabei wohl um bis zur Unkenntlichkeit stilisierte Säulen einer Kolonnade. Doch weder die Proportionen noch ihre Ästhetik, schon gar nicht die nicht vorhandenen Detailformen zeigen Anklänge an Schinkels Klassizismus.

  • Die Spreekanal-Ansicht offenbart die Wirkung der James-Simon-Galerie als Fremdkörper in einer historischen Umgebung. Erneut stellt sich mir die Frage: Warum glauben viele zeitgenössische Architekten eigentlich, dass der Umstand des größtmöglichen Kontrastes zur benachbarten Bebauung die Qualität der Architektur steigert?

    Ein "größtmöglicher Kontrast" würde vielleicht bei einem Gehry'schen Verkehrsunfall zutreffen, aber doch nicht hier. Die James-Simon-Galerie greift mit den Kolonnaden und weit ausgelegten Treppen das Tempelartige der umliegenden (neo-)klassizistischen Gebäude - wie ich finde - sehr geschmackvoll auf. Sie bietet tolle Perspektiven und Sichtachsen, ohne sich zu sehr im Ensemble in den Vordergrund zu drängen.

    Es handelt sich dabei wohl um bis zur Unkenntlichkeit stilisierte Säulen einer Kolonnade. Doch weder die Proportionen noch ihre Ästhetik, schon gar nicht die nicht vorhandenen Detailformen zeigen Anklänge an Schinkels Klassizismus.


    Das sehe ich genau andersrum. Das Aufgreifen der klassizistische Formensprache ist nicht nur offensichtlich, sondern in ihrer Gestaltung auch mutig und konsequent durchgezogen. Ein stärkerer Kontrast ist unabdingbar, ihn optimal einzustellen die große Kunst. Für mich ist das bei der James-Simon-Galerie gelungen.

  • ^ Ja, und auch die Ungers-Anbauten sind alles andere als "größtmöglicher Kontrast". Kubatur, Material und Gliederung lehnen sich an den ursprünglichen Entwurf an. Nur eben in zeitgenössischer Gestalt. Man kann das schön finden oder hässlich, gerne auch irgendwas dazwischen. Von "größtmöglichem Kontrast" reden kann man nicht.

  • Von "größtmöglichem Kontrast" reden kann man nicht.

    Und doch tue ich es. Dabei beziehe ich auch den Innenbau der Galerie ein, also den gesamten Baukörper. Und genau auf diesen Zusammenhang bezieht sich meine Kritik. Sorry, ich kann es leider nicht ändern, dass es mir untersagt wird, auf meinem gesamten Artikel zu verweisen, in dem dieser Kontext deutlich wird. Insofern kann ich hier nur ausschnittsweise argumentieren.


    Zum Innenbau: Der Innenbau hat zumindest nicht mit den Vergleichen zu Schinkel oder den umliegenden Fassaden zu kämpfen. Er kann für sich allein sprechen. Doch auch hier herrscht Ideenlosigkeit vor. Die nackten Sichtbetonwände vermitteln den Eindruck eines Rohbaus – nüchtern, kalt, nicht inspirierend. Dabei scheint man sich am Brutalismus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts orientiert zu haben. Ob es viele Menschen gibt, die sich in einer solch minimalistischen Atmosphäre wohl fühlen?

  • Dass der Ungers-Anbau einen größtmöglichen Kontrast herstellen will, halte ich auch für überzogen. Dennoch passt er in meinen Augen nicht ganz rein. Das Pergamonmuseum hat eine sehr kräftige Präsenz, doch der Ungers Anbau wirkt hauptsächlich aufgrund der bündigen Fenster fast wie eine Kulissenhäuschen, das man mit einem Schubs umstoßen könnte. Hätte man dem Anbau ein bisschen mehr optische Masse verliehen, indem die Fenster etwas vertieft eingesetzt worden wären und die Säulen dadurch hervortreten, wäre es deutlich harmonischer gewesen.

  • 1. Muss sich Baukörper bei Ihnen dafür entschuldigen, dass er einen anderen Architekturgeschmack hat als Sie?

    2. können Sie allerdings überall nachlesen. Es geht um Platz, den weder das ursprünglich geplante noch das später umgesetzte Torgebäude boten.

    3. – andererseits galt das zum Eröffnungszeitpunkt auch für das ganze Pergamonmuseum, insofern passt es.

    4. Als Freund historischer Architektur wissen Sie sicher, dass es seit Jahrhunderten üblich ist, alte Gebäude mit Anbauten im jeweils aktuellen Stil zu ergänzen.

    5. So gibt es romanische Kirchen mit gotischen Türmen, und Schlösser haben oft einen Kern aus der Renaissance, wurden aber später mit barocken, Rokoko- und klassizistischen Elementen ergänzt. Dass ein neo-klassizistisches Museum nun einen zeitgenössischen Anbau bekommt, ist also kein Frevel, sondern hat bauhistorisch lange Tradition.


    1. -Ich habe nie um eine Entschuldigung gebeten. Ihre fast aggressive und beleidigte Reaktion zeigt mir, wie empfindlich Sie sich angesprochen fühlen. Wechseln Sie doch mal die Perspektive, um andere Menschen (die Mehrheit der Bevölkerung) zu verstehen. Moderne Architekten verändern die alten Bauten völlig rücksichtslos und sind noch beleidigt, wenn jemand freundliche nachfragt, warum?!


    2.-danke für diesen hilfreichen Ratschlag, aber alles Nachlesen hat bei mir leider noch nicht die Erklärung geliefert. Deswegen gibt es so ein Forum für Architektur -um sich darüber auszutauschen- aber das ist offenbar für einen Mensch wie Sie überflüssig.


    3. -Ich hatte geschrieben, dass die Idee die Präsentation der Aussstellungsstücke hier sensationell war, Sie halten das alles für "aus der Zeit gefallen". Können Sie das genauer erklären?


    4. -Und Sie als Freund der Moderne wissen sicher auch, dass man zahlreiche Gebäude nach einer unbeabsichtigten Zerstörung auch original wieder aufgebaut hat (das Warschauer Schloss, die Oper „La Fenice“ in Venedig usw.)


    5. -Ja, das hat die Bauten immer interessanter gemacht. Bei der Moderne oder angeblich "zeitgenössischen" Architektur", die mit allen Traditionen gebrochen hat, alle Dekorationen arrogant ablehnt und selbst sich nur immer wieder kopiert, kann das nicht klappen. Warum finden Sie eine Waschbetonplatte statt des ägyptischen Hofes im Neuen Museum und das Treppenhaus im Rohbau "beeindruckend"? Kein anderer Architekt hat bei einem berühmten öffentlichen Gebäude (einer Kirche oder einem Schloss) im Verlauf der Geschichte gewagt eine solche brutale Veränderung oder "Nichtgestaltung" vorzunehmen. Das ist doch kein "ergänzen", sondern die Verweigerung des Gestaltens.

  • 1. -Ich habe nie um eine Entschuldigung gebeten. Ihre fast aggressive und beleidigte Reaktion zeigt mir, wie empfindlich Sie sich angesprochen fühlen. Wechseln Sie doch mal die Perspektive, um andere Menschen (die Mehrheit der Bevölkerung) zu verstehen. Moderne Architekten verändern die alten Bauten völlig rücksichtslos und sind noch beleidigt, wenn jemand freundliche nachfragt, warum?!


    2.-danke für diesen hilfreichen Ratschlag, aber alles Nachlesen hat bei mir leider noch nicht die Erklärung geliefert. Deswegen gibt es so ein Forum für Architektur -um sich darüber auszutauschen- aber das ist offenbar für einen Mensch wie Sie überflüssig.

    ....

    .... ..... Sie tauschen sich nicht aus, sie glauben im Namen einer nicht bestätigten nicht näher definierten 'Mehrheit' hier nach Ihrem persönlichen Geschmack, zu entscheiden was gute Architektur ist und was böse Architektur ist....

    das ist ein populistischer Trick immer mit der vermeintlichen Mehrheit zu argumentieren.

    Klappt nur hier im Forum nicht.

  • Also ich finde der Unger-Flügel passt ganz gut und aus dieser Ansicht harmoniert das alles auch gut mit der James Simon Galerie:



    © SPK / ART+COM, 2015


    Wir leben nun mal im 21. Jahrhundert und nicht im 19. Deshalb müssen wir mit der "modernen" Architektur leben. Und ich will es sogar. Im Zusammenspiel mit den "alten Steinen" wird ein Ensemble daraus.


    Und die Kritik am "Neuen Museum" verstehe ich jetzt gar nicht. Das ist doch ein weltweit gefeiertes Beispiel gelungener Rekonstruktion.

  • < .... das Einzige wa mich jetzt beim Betrachten der Visu stört, ... es wäre besser gewesen wenn Chipperfield auch den Verbindungsbau beider Pergamonflügel, in genau der gleichen Manier gebaut hätte wie die James-Simon-Galerie. Dann hätte es optisch mehr überzeugt, allein schon durch die Einheitlichkeit der Formensprache und Materialien.


    ps. ... und das sage ich als grosser Ungers-Verehrer.

  • Naja bei der Perspektive mag das vielleicht so erscheinen, aber es sind nun mal unterschiedliche Gebäude und aus jeder anderen Perspektive wird das auch deutlich. Und man hat ja auch mit Absicht für die Sanierung jedes Museums einen anderen Architekten gewählt da es sich nun mal um fünf bzw. jetzt sechs Solitäre handelt auch wenn sie als Gruppe wirken sollen, was ja die Besonderheit der Museumsinsel ausmacht.

  • .... ..... Sie tauschen sich nicht aus, sie glauben im Namen einer nicht bestätigten nicht näher definierten 'Mehrheit' hier nach Ihrem persönlichen Geschmack, zu entscheiden was gute Architektur ist und was böse Architektur ist....

    das ist ein populistischer Trick immer mit der vermeintlichen Mehrheit zu argumentieren.

    Klappt nur hier im Forum nicht.

    Ich habe gar nicht von "gut und böse, schön oder häßlich" gesprochen oder irgend etwas entschieden -nur gefragt. Schon Fragen an die "moderne Architekten-Elite" sind zu unterlassen? Haben Sie Angst vor der Mehrheit? Sie haben doch sowieso alle wichtigen Entscheidungsträger unter Ihrem Einfluss, da könnten Sie doch wenigstens so nett sein und das eine oder andere auch mal erläutern.

    Sie entscheiden doch zu 80% die Gestaltung unserer Stadt und werden auch noch unhöflich, wenn man etwas nachfragt.

    Der Populismus-Vorwurf ist wirklich eine Frechheit und sollte von den Moderatoren sanktioniert werden.

  • ^ Sie vergreifen sich im Ton.


    Ich versuche es trotzdem nochmal sachlich: Die Museumsinsel ist kein Zustand, sie ist ein Prozess. Von 1825 bis 1930 und seit 1990 wurde und wird dort eigentlich immer gebaut. Seit der Wende werden die erhaltenen Museen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert mustergültig saniert. Bereits fertig sind Alte Nationalgalerie und Bode-Museum, in Arbeit ist das Pergamonmuseum und danach folgt das Alte Museum. Sie alle werden (mit Ausnahme von Haustechnik, Toiletten, Fluchtwegen, etc.) in ihren Ur-Zustand zurückversetzt. Mit großartigem Ergebnis, wie ich meine.


    Ein Sonderfall ist das Neue Museum, das den Krieg nur als Ruine überstanden hatte. Die Entscheidung gegen eine Voll-Reko polarisiert, und ich verstehe alle, die lieber das Original zurückgehabt hätten. Mich aber fasziniert diese Mischung aus Erhaltenem, Ruinenhaftem und Neuem. Seien es die Säle mit den beschädigt konservierten Fresken (die auf mich wirken, als befinde man sich in einer archäologischen Ausgrabung), sei es das abstrahiert wiedererrichtete Treppenhaus, dessen Raumeindruck mich jedes Mal überwältigt. Als Voll-Reko wäre es ein weiteres, zweifellos schönes Museum aus dem 19. Jahrhundert geworden – so ist es etwas Einmaliges.


    Und schließlich wird ergänzt: Die untererirdische Promenade, die vier der Museen miteinander verbindet; die James-Simon-Galerie als Empfangs- und Veranstaltungsbau; die Ungers-Anbauten am Pergamon-Museum. Anders als Sie hier behaupten, wird dafür nichts Historisches zerstört. Keine "Dekorationen und Rundungen" werden geraubt.


    1. Die James-Simon-Galerie ist ein kompletter Neubau – an ihrer Stelle standen bis 1938 die baufälligen Reste des Neuen Packhofes von Schinkel, der allerdings schon im 19. Jahrhundert größtenteils neuen Museumsbauten hatte weichen müssen (sowas würde heute niemand mehr machen). Auch wenn tegula das anders sieht, ist die JSG in meinen Augen eine gelungene Ergänzung des Ensembles, die in Proportion und Material Kontrast und respektvoller Zusatz in einem ist. Der Packhof-Rest war viel zu klein, um neben Neuem und Pergamonmuseum bestehen zu können, die JSG bildet einen Schlusspunkt zum Kupfergraben und vermittelt geschickt zwischen den beiden Dickschiffen.


    2. Die Promenade wird, wenn sie einmal fertig ist, eine faszinierende Raumfolge bilden – Teile davon kann man im Neuen Museum ja schon sehen. Sie macht aus vier Solitären ein Museum. Eine tolle Neuerung; nur schade, dass kein Abzweig zur Alten Nationalgalerie geplant ist.


    3. Die Ungers-Erweiterungen des Pergamonmuseums sind eine zeitgenössische Auslegung der Teile des Messel-Entwurfs, die nie gebaut wurden. Anders als bei Messel, wo sie reine Schmuckelemente darstellten, haben sie bei Ungers aber auch eine Funktion: Vierter Museums-Flügel und Eingangshalle mit Verbindung zur Promenade. Auch hier wird nichts zerstört (außer der DDR-Eingangshalle aus den 80ern), und die Proportionen des "Tempelchens" gefallen mir bei Ungers besser als bei Messel (dessen Eingang neben den gewaltigen Kopfbauten doch ziemlich absoff). Mit einer endgültigen Bewertung halte ich mich hier noch zurück, bis alles fertig ist. Bin aber guter Dinge.


    Insgesamt ist die Runderneuerung der Museumsinsel für mich das spannendste Städtebau-Projekt in Berlin und weit darüber hinaus. Sage ich als jemand, der gute historische und zeitgenössische Architektur gleichermaßen schätzt. Ich hoffe nur, ich kann sie noch im (vorläufigen) Endzustand erleben und werde nicht vorher von einem Auto überfahren. Wie man angesichts dieses Gesamtkunstwerks derart missgünstig und wutentbrannt sein kann, nur weil einem nicht jede Ergänzung gefällt – das leuchtet mir echt nicht ein.

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  • Ich versteh gar nicht, warum wir hier plötzlich eine Rekonstruktionsdebatte haben.


    Beim Pergamonmuseum gibt's ja nichts zu rekonstruieren und jetzt die nie gebauten Elemente nachzuholen kann doch keiner im Ernst verlangen...


    Ich bin ja immer mehr für Weiterentwicklung, von daher bin ich, bis auf die genannte Kritik, insgesamt sehr zufrieden.


    James-Simon-Galerie, Erweiterung Pergamonmuseum in modern, Kritische Rekonstruktion des Neuen Museums, sehr sorgsame Rekonstruktion der erhaltenen Bauteile und jetzt auch die Rekonstruktion der Säulengänge an der Spree und die Perspektive auf die rekonstruierten Schlossfassaden, was will man noch?


    Insgesamt ein perfekter Ort, der völlig zu Recht Weltkulturerbe ist.