Erweiterung Bauhaus-Archiv

  • .....dann sind wir uns einig: Die Vorgaben waren sowohl bei Berlin Modern (so heisst es jetzt ja glaube ich) als auch beim Bauhaus Archiv: Bloss nix Extravagantes. Möglichst viel unter die Erde. Kann man so machen. Aber wenn man Städte im Wettbewerb miteinander sieht - und es als Aufgabe der Verwaltung betrachtet, die Stadt in diesem Wettbewerb voranzubringen - macht es schon Sinn, wenn man versucht solche Chancen zu nutzen.

    Mich wundert es doppelt - gerade aus Sicht der Modernisten! Das "Stadtschloss" mit seiner "rückwärtsgewandten" Fassade sorgt für Sichtbarkeit - sogar international. Und die beiden Modernistenbauten gehen unter/sollen sich einfügen/machen sich klein. Beim Wichtigsten - dem Bauhausarchiv - am allermeisten.

  • Ich kritisierte das Bauwerk gar nicht, erst recht nicht für die zarten gestalterischen Elemente. Im Gegenteil, das gefällt mir.


    Ich habe lediglich die Anregung eingebracht, wesentliche Qualitäten des Bauhauses, die leider wenig Beachtung finden, aufzunehmen und in den Neubau einzubringen.


    Camondo: Spöttisch ist dein seltsamer Hinweis, dass hier kein Wohnhaus gebaut würde. Darf das Gebäude deshalb nicht freundlich wirken?


    Die These, farbenfroh gestaltete Innenräume oder Kunst am Bau würden den Ausstellungsstücken Konkurrenz machen, überzeugt nicht. In zahlreichen Ausstellungshäusern hängen Kunstwerke an farbigen Wänden. Eines von unendlich vielen Beispielen ist die Berliner Gemäldegalerie. Einem starken Kunstwerk macht eine farbige Wand keine Konkurrenz. Zumal, wenn es im originalen Zusammenhang, in einem der Meisterhäuser zum Beispiel, vielleicht auch an einer farbigen Wand hing. Davon abgesehen besteht die Erweiterung des Archivs nicht nur aus Ausstellungsräumen.


    Zeitgenössische künstlerische Interventionen sind in heutigen Ausstellungskonzepten gang und gäbe. Beispielhaft hierfür mag die Stella-Installation an der Englischen Treppe im Dresdner Residenzschloss sein. Warum sollten solche künstlerischen Kontraste nicht auch das Bauhaus-Archiv bereichern? Eine Sterilität, die so gar nichts mit der Experimentierfreude des originalen Bauhauses zu tun hat, fände ich unangebracht und würde nur demonstrieren, dass der damalige Aufbruchgeist zu einer engen Orthodoxie erstarrt ist. Schön, dass Staab sich mit ihrem Entwurf schon ein bisschen was trauen, aber im Detail ist man dann eben doch noch zu verschüchtert und unkreativ.


    Die ästhetische Einheit mit den Bestandsbauten wäre durch farbenfrohe Innengestaltung und Kunst am Bau auch nicht gefährdet. Letzteres würde besonders der langgestreckten straßenseitigen Fassade gut tun. Diese wirkt trotz Streifenornament noch monoton, geschlossen und abweisend.

  • ^... den Hinweis auf Wohnhäuser hattest Du zuallererst geliefert. Die Meisterhäuser in Dessau sind ja wohl Wohnhäuser.

    Ich denke ein Gebäude, in heutiger Zeit errichtet, welches Exponate und Dokumente des Bauhauses beherbergen soll, muß nicht so tun als wäre es auch aus eben dieser Epoche entsprungen. Eine zurückhaltende Farbgebung oder ein neutrales weiß (das Bauhaus hat sehr viel weiß verwendet) werden der Präsentation der Exponate eher guttun. Ich bin sonst einer der Ersten hier, der mehr Farbe fordert, in diesem Fall aber nicht. Ansonsten, einfach mal abwarten vielleicht gibt es ja noch ein Gestaltungskonzept, dass Deinen Vorstellungen „wie Bauhaus auszusehen hat“, näher kommt. Ansonsten möchte ich noch Anfügen , dass sich gute Gestaltung eher in einer zeitlosen Wahl der Materialien und in den Details ausdrückt, wie zum Beispiel die Gestaltung von Fenster- und Türgriffen, ein gutes Beleuchtungskonzept, handwerklich gute Verarbeitung etc, und nicht nicht durch irgendeine „Kunst am Bau“.


    https://www.dbz.de/artikel/tel…rchiv-berlin-3878196.html

  • Eine zurückhaltende Farbgebung oder ein neutrales weiß (das Bauhaus hat sehr viel weiß verwendet) werden der Präsentation der Exponate eher guttun.

    Ich habe eine ganze Reihe an Beispielen und Argumenten gebracht, weshalb ich das anders sehe. Du hingegen wiederholst nur deine Behauptung, ohne sie näher zu begründen. Schade.


    Das angeblich "neutrale Weiß" ist übrigens genau so ein Missverständnis, ein Bauhaus-Stereotyp:

    https://blog.restauratoren.de/…t-einem-missverstaendnis/


    Der Vorwurf, ich forderte ein...

    Gestaltungskonzept, dass Deinen Vorstellungen „wie Bauhaus auszusehen hat“, näher kommt

    ...fällt meiner Meinung nach auf dich selbst zurück.


    Die bisherigen Ausstellungskonzepte im Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung haben die Sammlung bereits in einem farbigen Kontext gezeigt:


    https://www.jebram-szenografie.de/die-sammlung-bauhaus.html


    Und auch das Bröhan-Museum hat in seiner Ausstellung „Von Arts and Crafts zum Bauhaus“ Wände, Decken und Sockel der Ausstellungsräume mit Farbfeldern gestaltet. Das ist einfach zeittypisch für den Entstehungskontext und daher angemessen.


    https://www.smow.de/blog/2019/…eit-brohan-museum-berlin/


    Oder hier in Leipzig, Im Grassi-Museum für angewandte Kunst:


    https://www.smow.de/blog/2019/…angewandte-kunst-leipzig/


    Frankfurt:


    https://www.museumangewandteku…gen/2019/moderne-am-main/


    Weimar:


    https://www.klassik-stiftung.d…bauhaus-kommt-aus-weimar/


    Dessau:


    https://www.bauhaus-dessau.de/orte/bauhaus-museum-dessau/


    Und so weiter.

    Ich hoffe, dass - wie bisher auch - die neuen Ausstellungskonzeptionen wieder einen farbigen Kontext herstellen.


    Auch deine Geringschätzung gegenüber...

    irgendeine[r] „Kunst am Bau“

    ...teilt das Bauhaus-Archiv nicht. Es wirbt auf seiner Startseite per Headline für "kunst am bau (haus archiv)." Den Preisträger des entsprechenden Wettbewerbs kannst du dir hier ansehen:


    https://stories.bauhaus.de/beitraege/5-fragen-an-martin/


    Ich würde es begrüßen, wenn dies nicht das letzte Projekt dieser Art wird und vor allem die straßenseitigen Beton-Fassaden eine Aufwertung erhalten.


    Ein gelungenes Beispiel für die (Außen-)Wirkung von Farbe war der Bauhaus-Pavillon von Ines Miersch-Süß. Ich zitiere sie dazu selbst:


    "Mich überrascht, wie der doch sehr einfache und mit wenigen Mitteln gestaltete Pavillon tausende Besucher als "Urban Eyecatcher" zu Fotos mit unglaublicher Internetverbreitung inspirierte. Noch heute ist der Pavillon neben den Sheddach Ansichten das bildliche Synonym für das Bauhaus-Archiv in Berlin. Der Pavillon hat dem Bauhaus-Archiv ein Gesicht gegeben, eine einfache Identifikation für Bauhaus Fans weltweit. Und das freut mich."


    Die Frage ist doch überhaupt nicht, ob es ornamentale Gestaltung, Farbe und Kunst am Bau beim Bauhaus-Archiv gibt. Sondern in welchem Maß und in welcher Form.


    muß nicht so tun als wäre es auch aus eben dieser Epoche entsprungen

    Viele Architekten bauen so, in einem Retro-Stil, der stereotype Mythen über das Bauhaus reproduziert. Ich finde, es ist viel Bauhaus-Kitsch in Deutschland zu sehen. Staab machen es dankenswerterweise anders. Sie haben einen originellen, ausdrucksstarken Entwurf geliefert.


    Aber. Gerade der Gebäuderiegel an der Von-der-Heydt-Straße macht mich skeptisch. Und ebenso die zu erwartetende Gestaltung der Innenräume. Hier würde ich mir mehr Mut wünschen auf dem Weg, den man ja schon eingeschlagen hat. Und den kreativen Geist des ursprünglichen Bauhauses neu zu beleben, gereicht einem Bauhaus-Archiv ganz sicher zur Ehre. Wahre Kreativität ist kein "so tun als ob".


    Ansonsten möchte ich noch Anfügen , dass sich gute Gestaltung eher in einer zeitlosen Wahl der Materialien und in den Details ausdrückt, wie zum Beispiel die Gestaltung von Fenster- und Türgriffen, ein gutes Beleuchtungskonzept, handwerklich gute Verarbeitung etc

    Ich hoffe natürlich auch, dass Türklinken und Lichtkonzept handwerklich gut gemacht und auch gut gestaltet sind. Die Güte eines Bauwerks aber auf diese technischen Aspekte zu reduzieren, ist eine sehr zeitgenössische Haltung und keineswegs eine zeitlose.

  • ^... ich denke, da kommen wir beide jetzt nicht weiter ohne das Forum zu langweilen. Und es macht auch keinen Sinn den Anderen von der Richtigkeit seiner Sichtweise überzeugen zu wollen. Nur soviel noch, es ist immer gut die örtlichen Gegebenheiten zu kennen bevor man auf zig Beispiele aus anderen Städten verweist. Ich schrieb, weil Du mir vorhältst kein Argument für meine Sichtweise zu liefern, unter anderem, dass der Erweiterungsbau auch mit dem Bestandsgebäude von Gropius harmonieren sollte. Das tut er am besten wenn er ebenso in schlichtem weiß gehalten ist wie dieser. So wie von Staab-Architekten umgesetzt.

  • Ich habe theoretisch kein Problem damit, dass das Museumgebäude des Bauhaus-Archivs vom Maßstab her relativ bescheiden wirkt. Auch das ist eigentlich ein Merkmal der klassischen Moderne - Schlichtheit und Zurückhaltung.


    Die Lage des Museums macht es erst zu einem Problem. Gegen die riesigen Verkehrsschneisen vor dem Gebäude und dem generell zugigen Stadtraum drumherum kann sich das Bauvolumen nicht behaupten; es wird regelrecht verzwergt. Stünde es beispielsweise am/im Tiergarten, umgeben von Grün, wäre der Eindruck schon ein ganz Anderer.


    Nunja, ändern konnte man diesen Umstand eh nie, da sich der Neubau schließlich an den bereits vorhandenen Bestand anschließt, doch vielleicht hätte man dem Museum doch noch mehr Präsenz verleihen müssen, zB durch eine zusätzliche Etage sowohl auf dem Flachbau als auch auf dem Turm.

  • ^ ... Das ist mal ein interessantes Argument! :thumbup:

    Wenn man sich daran machen würde die Hofjäger-Alle in dem „Allee-Stil“ mit begrüntem Mittelstreifen und schönen Kandelabern, wie sie die Allee im Tiergartenbereich zieren, bis hin zur Urania zu führen, gleichzeitig den Lützow-Platz in einen annehmbaren Zustand versetzt wäre schon viel gewonnen und dies kleine Türmchen könnte seine volle Wirkung entfalten. Es müsste dazu garnicht höher sein, wenn man die umgebende Wildnis was bändigt geht es auch so. Beim stöbern bin ich auf dieses Bild gestoßen, ganz links wäre der Erweiterungsbau rechts daneben der Bestandsbau von Gropius und im Anschluß die Villa von der Heydt, seit 1980 Amtssitz des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    Die Straßenführung müßte was humaner gestaltet werden damit sie diesen kurvenartigen Ausfallstraßencharakter verliert. Im Zusammenspiel mit den anstehenden Veränderungen das Esplanade betreffend und um die Urania herum könnte hier ein sehr urbanes Stück Berlin wiedererstehen.


    Hier Das Bild von dem ich sprach:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lützowplatz#/media/Datei:Luetzowplatz.jpg

  • Kleines Foto-Update von heute. Die Aussparungen strassenseitig des Nebengebäudes wurde verblendet. Zu einen mit einem engmaschigen Gitter

    und zum anderen mit einer Art Jaluosie. Bin mir nicht sicher ob die zum Vogelschutz, Verdunklung oder sonstwas montiert wurden. Denkbar wäre auch eine Hinterleuchtung. Jedenfalls im oberen Bereich, der vom Erdgeschoss etwas zurückspringt. Im Erdgeschoss bleiben die Fenster wohl unverblendet.


    Überhaupt fand ich die Materialen sehr gelungen. Die leicht unterschiedliche Färbung in der Fassade und die unterschiedliche Oberflächenstruktur gibt dem Gebäude Halt. Der langgesteckte Baukörper an sich entwickelt an der Straße eine gewisse Dynamik.








    meine bilder

  • Und es macht auch keinen Sinn den Anderen von der Richtigkeit seiner Sichtweise überzeugen zu wollen.

    Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich ändere meine Meinung durchaus, wenn gute Argumente und Beispiele dafür sprechen.

    es ist immer gut die örtlichen Gegebenheiten zu kennen bevor man auf zig Beispiele aus anderen Städten verweist.

    Unsere Diskussion drehte sich um die Innenräume und ob denen Farbigkeit gut tun würde. Du behauptetest, das würde den Ausstellungsstücken Konkurrenz machen. Ich habe daraufhin auf die farbige Ausstellungskonzeption im Altbau des Bauhaus-Archivs verlinkt. Und ergänzend zusätzliche Beispiele anderer Städte. Offenbar sprechen also weder örtliche Gegebenheiten, noch allgemeine Überlegungen, wie Objekte präsentiert werden sollten, gegen farbige Innenräume.


    dass der Erweiterungsbau auch mit dem Bestandsgebäude von Gropius harmonieren sollte. Das tut er am besten wenn er ebenso in schlichtem weiß gehalten ist wie dieser. So wie von Staab-Architekten umgesetzt.

    Also ich sehe auf den Fotos nur beim Turm einen "schlicht weißen" Erweiterungsbau. Der Riegel ist eher grau-beige. Ich glaube nicht, das man noch einmal Gerüste hochzieht, um ihn weiß zu streichen. Letztlich ist das aber auch egal, denn mein Kritikpunkt ist die weitgehend geschlossene und monotone Fassade zur Von-der-Heydt-Straße. Hier würde etwas Auflockerung mithilfe von in die Fassade integrierten Vitrinen, Kunst am Bau etc. gut tun. Das würde die Einheit mit den Altbauten überhaupt nicht stören.


    Der sympatische Vorschlag, die Klingelhöferstraße aufzuwerten, würde am Vorbeigeh-Charakter der Fassade zur Von-der-Heydt-Straße nichts ändern.

  • Ich stimme der Kritik an der Fassade hin zur Von-der-Heydt-Straße zu. Das Gebäude wendet sich von der Strasse ab. Das ist in vieler Hinsicht bedauerlich. Allein schon, weil es eine vertane Chance ist, hin zu den vielen Autofahrern, die dort täglich vorbei kommen, für das Museum zu werben. Oder auch im Hinblick auf die Verkehrswende-Ambitionen, mit einer attraktiven, nutzbaren Fassade Aufenthaltsqualität zu schaffen. Statt dessen nur eine Art Rückwand.

    Auch den Blick auf die Westseite (Stirnseite) des Nebengebäudes finde ich gewöhnungsbedürftig. Die Westseite scheint mir ausgesprochen lieblos und unambitioniert gestaltet. Erinnert mich an die Stirnseiten von traditionellen Güterschuppen der Eisenbahnen. Zumal diese Seite doch wohl sehr prominent sein wird - gut sichtbar für alle, die auf der Klinghöferstrasse vorbeikommen.

  • ^^ und ^... Ihr könnt mir nun nicht wirklich schlüssig erklären warum sich der Erweiterungsbau zur Von-der-Heydt-Straße hin öffnen sollte. Wie ich schon schrieb, ist es immer von Vorteil die Verhältnisse vor Ort zu kennen.

    Die Von-der-Heydt-Straße ist eine ziemlich üble Staustrecke von ca. 8:00 bis 20:00 steht man mehr als man fährt.

    Die Architekten haben nichts besseres tun können als sich mit dem Bau von der Straße abzuwenden und so für den gesamten Komplex dahinter eine beruhigte Zone zu schaffen.

    Vor drei Jahren gab es nichtmal einen ansatzweise begehbaren Bürgersteig auf dieser Seite.

    Und die KPMG gegenüber mit verschlossenen Tiefgaragentoren und der Paketstelle kommt auch nicht gerade einladend daher.

    Das Archiv/Museum ist für die Benutzer da, nicht für vorbeistehende Autofahrer in ihren stinkenden Karossen. Und wenn die Fassadengestaltung wie auf DerBe's Bildern zu sehen doch nicht so eintönig wie von Euch befürchtet daherkommt, sondern subtil versucht die Stäbe des Turms zu zitieren, ist das doch schonmal ein Fortschritt.

    https://www.google.com/maps/@5…8192?authuser=0&entry=ttu

  • Warum so schwarz-weiß argumentieren? Und wie kommst du überhaupt darauf, dass ich das Archiv und seine Umgebung nicht kenne?


    Mir ist bekannt, dass das Archiv in einer unwirtlichen Umgebung steht. Ist das eine "schlüssige Erklärung" dafür, eine weitere unwirtlichen Fassade hinzuzufügen?


    Schrieb ich davon, dass sich der Bau zur Straße hin öffnen sollte? Nein, ich schrieb von einer abwechslungsreichen Gestaltung, z. B. mit "in die Fassade integrierten Vitrinen, Kunst am Bau etc.". Lichtkunst oder Präsentationsflächen, wie sie bei der Scheune am Kulturforum mal geplant waren, wären eine weitere Idee. Das hat für den Lärmschutz der Archiv-Nutzer*innen null negative Auswirkung.


    Zu schreiben, das Archiv sei nur für die Benutzer da, nicht jedoch für die vielen anderen Menschen, die sich daran entlangbewegen, halte ich für eine absurde Sicht auf Architektur. Wer weiß, wie sich das ganze Areal in einigen Jahrzehnten entwickelt hat, ob dann das KPMG-Gebäude nicht auch umgebaut ist? Ein ambitionierter Neubau sendet positive und optimistische Impulse in den Stadtraum.


    Und wenn die Fassadengestaltung wie auf DerBe's Bildern zu sehen doch nicht so eintönig wie von Euch befürchtet daherkommt, sondern subtil versucht die Stäbe des Turms zu zitieren, ist das doch schonmal ein Fortschritt.

    Ich hatte das dezente Streifen-Ornament in seiner Gestaltungsabsicht exlizit gelobt. Aber es bräuchte mehr, damit es nicht so verschüchtert und unkreativ wirkt wie aktuell noch.

  • Ich hatte das dezente Streifen-Ornament in seiner Gestaltungsabsicht exlizit gelobt. Aber es bräuchte mehr, damit es nicht so verschüchtert und unkreativ wirkt wie aktuell noch.


    ... Ich denke das mit der Fassadengestaltung geht so ganz gut in Ordnung. Für die vorbeistehenden Autofahrer und die in der KPMG Arbeitenden kann man ja auf der zur Von-der-Heydt-Straße zugewandten Seite große Transparente mit Hinweisen zu den Sammlungen oder Ausstellungen anbringen. Damit dürfte jedem geholfen sein. Und die Architektur kann bleiben wie sie ist.

  • Das ist für mich der entscheidende Satz von Ziegel :

    "Mir ist bekannt, dass das Archiv in einer unwirtlichen Umgebung steht. Ist das eine "schlüssige Erklärung" dafür, eine weitere unwirtlichen Fassade hinzuzufügen?"


    Das KMPG Gebäude ist ein privates Bürohaus. Es ist für Wenige da. Trotzdem schade genug, dass es sich nicht öffnet. Aber das Museum ist ein öffentlicher Ort. Es soll für Alle da sein. Ich hätte es gut gefunden, wenn man sich getraut hätte, diesen öffentlichen Ort - mit der für die Welt wichtigsten Sammlung Berlins (meines Erachtens) sichtbarer, einprägsamer und vor allem einladender zu machen. Einen Schritt hin zu Öffnung der Strasse - statt deren Abschottung zu zementieren.

    Das Türmchen (wenn ich es mal so nennen darf - obwohl es gerade mal Traufhöhe erreicht) ist mir viel zu verzagt. Das Hauptbauvolumen unter die Erde zu verbannen?! Naja - no more comments.

    Ich denke ein Grundproblem ist, dass der Gropius Bau nie als Museum gedacht war - sondern als Archiv. Dort sollten Archivare rumlaufen - nicht Besucher. Es sollte ja mal in Darmstadt stehen - aber die waren (sorry) zu blöd zu erkennen, welche Bedeutung es hat und wollten es nicht. Damit die Architektur an den neuen Ort passte, musste sie an noch mal ordentlich überarbeitet (verschlimmbessert) werden. Trotzdem hat das alte Archiv meines Erachtens mehr Gestaltungsansruch als das neue Museum. Siehe auch Link

  • Oranien, Ziegel,

    Was das Thema "unwirtliche Umgebung" angeht:

    Sowohl das Klingelhöfer-Dreieck, als auch das Köbis-Dreieck haben die Umgebung aufgewertet. In Richtung Osten geht der ganze Bereich zwischen Tiergartenstraße (im Norden) und Von-der-Heydt-Straße / Reichpietschufer (im Süden) ins Diplomatenviertel über mit Botschaften, Landesvertretungen, Stiftungen usw.. Unwirtlich wird es eigentlich nur dann, wenn man sich über den Lützow-Platz in Richtung Süden ins alte West-Berliner-Zentrum bewegt. Ansonsten scheint mir die Gegend nicht so unwirtlich zu sein.

  • Architektur-Fan: Camondo solltest du mit deinem Einwand vielleicht auch adressieren, denn immerhin bei der Unwirtlichkeit waren wir uns einig.


    Die Trennschärfe des Begriffs "Gegend" kann man natürlich diskutieren. Ich meinte damit das unmittelbare Umfeld, das von abweisenden Bürobauten geprägt ist. CDU-Zentrale (die immerhin lustige Plakate an der Fassade präsentiert), KPMG, Haus der Kreislaufwirtschaft, Botschaften (die wegen der Sicherheit ja auch nicht gerade offene Häuser sind). Deshalb finde ich es schade, wenn man in diese Umgebung eine weitere Fassade setzt, die ohne Not einen verschanzten Eindruck erzeugt.


    Ich gehe auch davon aus, dass das Archiv mit über die Fassade gespannten PVC-Bannern vom Werbemittel-Onlineversand für aktuelle Ausstellungen werben wird. Man kennt das ja. Das wäre dann die uneleganteste Lösung und endgültiges Zeichen dafür, dass die Architekten die Außenwirkung nicht genug mitgedacht haben.

  • ^ Ich finde die CDU-Zentrale (mit der Form eines Schiffs hinter Glas) überhaupt nicht abweisend. Und das Haus der Kreislaufwirtschaft ist sicher keine Schönheit, aber als abweisend würde ich es dennoch nicht bezeichnen. Das KPMG-Gebäude hat tatsächlich ein ziemlich abweisendes Erdgeschoss; trotz der horizontalen Betonung finde ich die Glasfassade nicht schlecht. Das Heydt-Eins (https://www.noefer.de/de/projekte/heydt-eins/) kann man gerne als Kitsch bezeichnen, ich kann mit dem Kitsch gut leben.


    Bevor wir jetzt jedes einzelne Gebäude im Umfeld bewerten:

    Vor 25 Jahren waren Klingelhöfer-Dreieck und Köbis-Dreieck noch wüste Fläche. Und heute ist es gefasster Stadtraum. Dabei mag nicht jede Fassade überzeugen. Dennoch ist der hier umgesetzte Städtebau deutlich besser der Städtebau südlich des Landwehrkanals in Richtung Nollendorfplatz und Wittenbergplatz, wo die Nachkriegsarchitektur des alten West-Berlin ihre hässliche Fratze zeigt.

  • Ob einem ein Haus gefällt, ist hier gar nicht die Frage. Das Konrad-Adenauer-Haus finde ich auch interessant. Dennoch ist der Sockel großteils abweisend. Der große verglaste Eingangsbereich kann zumindest theoretisch mit Außenwirkung bespielt werden. Der Nöfer-Bau hat Ladeneinheiten im Erdgeschoss.


    Klar ist "die Gegend" heute ansehnlicher als vor 30 oder gar 60 Jahren... Ist damit der bestmögliche Zustand schon erreicht? Erdgeschosszonen sollten nicht abweisend wirken. Das kann man durch Läden erreichen, durch architektonische Gestaltungsfreude, durch Kunst am Bau oder durch gut gemachte Begrünung. Große Glasflächen dagegen, die in der zeitgenössischen Architektur vielen immer noch als Wundermittel gelten, wirken kühl, reflektieren das Licht und haben erst recht keinen Sinn, wenn es dahinter nichts zu sehen gibt.


    Jedenfalls ragt die Erweiterung des Museum für Gestaltung trotz ihrer Bedeutung mit ihrer Fassade an der Von-der-Heydt-Straße nicht positiv hervor. Dort ist der Bau mindestens genauso abweisend wie die Nachbarn.

  • Ich empfinde das Nebengebäude als gar nicht abweisend. Zum Hof hin ist es komplett geöffnet, zur Straße hin aus Gründen eher geschlossen. Aber auch da gibt es Fenster. Selbst ein Zugang zur Plattform ist in die verlängerte Fassade eingeschnitten. Eine beidseitige Verglasung ist bei der Tiefe des Gebäudes doch eher sinnlos. Ich verstehe die Diskussion nicht. Obwohl, wir sind ja in Berlin, da muss selbstredend gemeckert werden...

    Ich freue mich jedenfalls auf die Fertigstellung des Ensembles und einen vom Autolärm abgeschirmten Vorplatz zum Archiv.

  • zur Straße hin aus Gründen eher geschlossen. Aber auch da gibt es Fenster. Selbst ein Zugang zur Plattform ist in die verlängerte Fassade eingeschnitten. Eine beidseitige Verglasung ist bei der Tiefe des Gebäudes doch eher sinnlos.

    Ich zitiere mich dazu einmal selbst:

    Große Glasflächen dagegen, die in der zeitgenössischen Architektur vielen immer noch als Wundermittel gelten, wirken kühl, reflektieren das Licht und haben erst recht keinen Sinn, wenn es dahinter nichts zu sehen gibt.

    Wie erwähnt, gäbe es viele andere Möglichkeiten, eine Fassade freundlich zu gestalten. Über den größten Teil der Länge präsentiert der Riegel nur Betonplatten. Die schmalen Fenster beginnen in etwa zwei Metern Höhe.


    Obwohl, wir sind ja in Berlin, da muss selbstredend gemeckert werden...

    Ich freue mich auch auf die Fertigestellung, dennoch dürfen vorhandene Kritpunkte genannt und diskutiert werden. Mit Berlin oder nicht hat das nichts zu tun.