Gebäude die Berlin verdient hätte!

  • Gebäude die Berlin verdient hätte!

    Hier mal eine kleine Sammlung von Gebäuden, die mal in Berlin geplant wurde, bzw. zerstört wurden. Hier meine Top ten derjenigen, die wieder gebaut werden sollten!
    Einiges ist natürlich nicht ernst gemeint!;-)


    1. Ludwig Mies van der Rohe Glaswolkenkratzer 1922
    Klassiker


    2. Schloßturm Wilhelm von Raschdorf 1888
    WEnn das Schloß rekonstruiert wird, dann braucht es einen Turm! In Venedig steht ja auch ein Turm ;-) JA!


    3. Otto Kohtz, Reichhshaus am Königsplatz 1923?
    Ein MUss! Eine echte Majapyramide für Berlin schindet ein Eindruck wie sonst was! Man könnte das Ding ja neben das Bundeskanzleramt stellen und das Bundesinneministerium darin einquartieren! Hätte man das Gebäude statt des Paul Löbe Haus (das ich gar nicht so schlecht finde) gebaut, wäre die WElt wieder schön gewesen!


    4. Ludwig Mies van der Rohe Hochhaus am Bahnhof Friedrichstrasse 1921/1922; Klassiker der Moderne!


    5. Otto Kohtz Hochschulstadt 1937
    So ein kurioses Bauwerk hat die WElt noch nicht gesehen. Ein Gebäude das optisch einen Eindruck wie eine mittelalterliche Mauer macht, Toll!!


    6. Wiederaufbau der Gasometer die 1984 abgerissen wurden. Dort könnte man dann etwas ähnliches wie in Wien draus machen!


    7. Deutsche Meisterwerkstatt Richard Paulick, Entwurf für die Gestaltung der Kupfergrabenlandschaft 1952
    Das deutsche Industrie und Handelskammergebäude gehört abgerissen! hehe Aber bitte das Staatsratsgebäude nicht berühren!


    8. Josef Kaiser, Volkskammer als zentrales Gebäude mit Glaskuppel 1960! Für mich einer der besten Entwürfe für ein Parlament! Und dieser ist sogar aus der DDR!


    9. Helmut Jahn Hochhäuser für den Alexanderplatz 1993, aber nur!!!! die beiden Hochhäuser!! neben dem Fernsehturm.
    Grund: Beide versperren keine Sichtachsen und zitieren die Behrens Bauten. Keine ABgrenzung des Alexanderplatzes nach Osten als U Form.
    Der Rest von Jahns Plan muss nicht davon gebaut werden!


    10.
    Hochhaus: Paul Andrae, Das größere Berlin 1922/
    Hochhäuser an der Friedrichstraße 1913
    Dunkle "klassische Hochhäuser" hat Berlin noch nicht!


    Hmm top ten ist irgendwie unpraktisch mir fallen auf Anhieb noch eine ganze Menge moderner Gebäude ein.
    Und dazu noch eine ganze Menge älterer. Abbildungen werden demnächst folgen, wenn mein Scanner wieder in Ordnung ist.


    So jetzt seit ihr dran!
    Bin ganz schön gespannt was kommt!

  • Kann ich mal Bitteden Unterschied zwischen nummer eins und Nummer vier erläutert bekommen?


    Nach Bildern kann ich ja auch mal Ausschau halten. Muss mich allerdings erst belesen, wie sich das in diesem Forum mit dem Scannen aus Publikationen verhält.




    AeG - der auch mal über ein paar interessante Gebäude nachdenkt.



    Wie wärs mit dem ursprünglich geplanten Verlags- und Druckhaus des "Neuen Deutschland" an der Pariser Kommune?

  • Ja,
    genau wie sieht das mit Scans aus den einschlägigen Publikationen aus?



    (Der auf Calatrava, ALdo Rossi Entwürfe und Fans von anderne Architekten wartet!)
    Na los kommt schon, hier muss sich keiner schämen, wir sind ja unter uns! ;-)

  • Bei den zerstörten Gebäuden fällt mir spontan die Passage (Kaisergalerie genannT) zwischen Friedrichstraße und UdL ein. Diese würde trotz ihrer geringen Größe (vgl mit der Galleria Vittorio Emanuelle II) sehr viel großstädtisches Flair zaubern.
    Mindestens ebenso interessant: Die Dreifaltigkeitskirche und die Bethlehemkirche.
    Die skylineprägende Petri- und Georgenkirche wäre ebenfalls schön.. zumindest eine Rückgewinnung des Turms.


    Zu deinen Vorschlägen kann ich nichts sagen, bis auf M.v.d.R.'s Hochhaus kenne ich die nicht. Und das passt m.M. nach nicht dorthin, ebensowenig wie das an der Dorotheenstraße.

  • So, ich hab' mal ein paar Abbildungen ungebauter Entwürfe "organisiert". Der Schwerpunkt liegt auf den Jahren vor 1970 und auf den östlichen zentralen Bereichen. Welche Entwürfe es "wert" wären, gebaut worden zu sein, kann jeder für sich entscheiden.
    Ich habe es einfach chronologisch sortiert und lediglich den Schloßplatz und die Stalin-Allee seperat (in folgenden Beiträgen) aufgeführt.



    Allgemeines:


    Umbauplan für die Gegend um den Anhalter und Potsdamer Bahnhof, Havestadt/Conrad, 1910


    "Stadtkrone", Taut, 1919


    Budapester Straße, Möhring/Jäger, 1920


    Reichsbürogebäude, Kohltz, 1920


    Neuplanung Charlottenburg, Scharoun, 1946


    Neubau sowjetische Botschaft Unter den Linden, unbekannt, 1949
    (man beachte den nicht ausgeführten Ostflügel; der Bau sollte ursprünglich den ganzen Block umschließen)


    sowjetische Botschaft, weiterer Entwurf, unbekannt, 1949


    sowjetische Botschaft, weiterer Entwurf, unbekannt, 1949


    sowjetische Botschaft, weiterer Entwurf, unbekannt, 1949


    Freie Universität, Sobotka/Müller, 1950


    Bebauungsplan Unter den Linden/Stadtzentrum, 1951


    "Haus der Frau", Paulick, 1951
    (das Gebäude steht am Platz des im Krieg stark beschädigten Kronprinzenpalais; man Beachte: statt Neubau hat der gleiche Architekt ein paar Jahre später den Wiederaufbau des Palais geleitet!)


    Verlagshaus "Neues Deutschland", Colden/Sommerer/Döhler, 1952


    Bauakademie, Henselmann, 1971
    (der geplante Standort befindet sich genau dort am Bahnhof Frankfurter Allee, wo vor kurzem das statt dessen gebaute Wohnhochhaus abgerissen wurde)


    Siegerentwurf Nikolaiviertel, Stahn, 1979


    Neubau Friedrichstadtpalast, Filipow/Kästner, 1981
    (an dessen Stelle wurde bekanntlich der "kasachische Bahnhof" errichtet)


    "Wintergarten" am Bahnhof Friedrichstraße, unbekannt, 1986
    (der geplante Standort lag gegenüber dem bereits bestehenden IHZ)


    Entwurf "Haus der Gastronomie und der Unterhaltung", unbekannt, 1986
    (Standort Leipziger- Ecke Friedrichstraße, sollte auch ein Casino beherbergen)


    das faktisch gleiche Gebäude während der Bauphase im Ausführungsentwurf
    (es stand nur kurz, wurde nie genutzt und 1991 abgerissen; an seiner Stelle steht heute der schwarze Granitkasten von Thomas van den Valentyn)



    Alexanderplatz:


    Entwurf, Henselmann, 1952



    Entwurf, Henselmann, 1963


    Bebauungsplan, 1964

  • Stalin-Allee:


    Entwurf für die Frankfurter Allee, Taut, 1946


    Entwurf für die Frankfurter Allee, Selmanagic, 1946


    Entwurf im Auftrag der "Heimstätten Berlin", Henselmann, 1950


    Entwurf Straussberger Platz, Henselmann, 1951
    (Ja, ist der gleiche Architekt wie zuvor, nur diesmal hat er einen politischen Auftrag)



    Der Wettbewerb von 1951:


    erster Preis, Hartmann
    (hat dann die Blöcke B Nord und Süd gebaut, zwischen Straußberger Platz und Andreasstraße gelegen)



    zweiter Preis, Paulick
    (hat dann die Blöcke C Nord und Süd gebaut, zwischen Straße der Pariser Kommune und Andreasstraße gelegen, in C-Süd ist heute die Architektenkammer)



    Sporthalle, Paulick, bereits 1960 wegen Baufälligkeit wieder abgetragen
    (Standort zwischen den Blöcken B und C Nord)


    dritter Preis, Hopp
    (hat später die Blöcke E Nord und Süd, das sind die mittleren langen Häuser zwischen Straße der Pariser Kommune und Frankfurter Tor sowei die Blöcke G Nord und Süd, vom Frankfurter Tor bis zum Ende an der Proskauer straße führend, gebaut)



    vierter Preis, Souradny
    (hat später die Blöcke F Nord und Süd, direkt westlich angrenzend an die Henselmann'schen Türme des Frankfurter Tors, gebaut)



    fünfter Platz, Leucht
    (hat später die beiden kurzen, asymetrischen Blöcke D Nord und Süd, östlich angrenzend an die Straße der Pariser Kommune, gebaut)



    ausgewählter weiterer Beitrag ohne Platzierung, Wolff


    ausgewählter weiterer Beitrag ohne Platzierung, unbekannt


    ausgewählter weiterer Beitrag ohne Platzierung, unbekannt


    ausgewählter weiterer Beitrag ohne Platzierung, unbekannt



    Die Fortführung:


    Frankfurter Tor, Henselmann, 1954
    (man beachte die nicht ausgeführten Flanken an den Übergängen zum Bestand )


    zweiter Bauabschnitt zwischen Straußberger und Alexanderplatz, Henselmann, 1957

  • Schlossplatz:


    Entwurf, Scharoun, 1950


    "Aufbauplan", 1950


    Entwurf, anonym, 1950


    Entwurf, Paulick, 1950


    Entwurf, Paulick/Collein, 1951
    (der Unterschied zum Vorentwurf scheint auf der Darstellung nur gering)


    Entwurf, Frenske, 1953
    (lange Zeit der einzige Entwurf, bei dem das "zentrale Gebäude" direkt auf dem Platz steht!)


    Entwurfsskizze, Kosel, 1955


    Blick Richtung NO auf "Regierungsgebäude", Kosel, 1957


    Entwurf A, Hopp, 1957


    Entwurf B, Hopp, 1957


    Entwurf, Kosel, 1958


    Entwurf, Hopp/Kosel/Mertens, 1958
    (bei Betrachtung der vorangegangenen Einzelarbeiten stellt man fest, Kosel war wohl das Alpha-Tier der Truppe ;))


    Entwurf, Gebhardt, 1958




    Der Wettbewerb von 1959:



    Kröber:



    Hopp:



    Schneider:



    Leucht:


    Rüpprich:


    Naumov:



    Tonev:



    Wimmer:



    ausser Konkurrenz lief:
    "Zentrumsplanung" mit Kongresshalle, Henselmann




    Nachfolgendes:



    "Gläsernes Parlament", Gericke/Kaiser, 1960


    "Zentrales Gebäude", Henselmann, 1961


    Bebauungsplan, 1961


    Entwurf "Palast der Republik", Krepp, 1973
    (dem zeitnah ausgeführten Gießke-Entwurf beachtlich ähnlich!)



    Gruss
    AeG

  • Hier ist noch eine Abbildung von Kent's Nummer 9, dem Jahn'schen Alexanderplatz:



    Welche "beiden" Türme meinst Du denn, Kent? Warst Du schon mal in Berlin? Der Turm links im Bild wurde tatsächlich(!) bereits gebaut ;). Und der Alexanderplatz wird auf diesem Bild selbstredend nicht nach Osten abgeschirmt. Wie auch, er ist ja nicht mehr da! ;)

  • Hier ist noch eine Abbildung von Kent's Nummer 9, dem Jahn'schen Alexanderplatz


    Der Entwurf gefällt mir sehr gut!
    Was hat es damit auf sich, von wann sind diese Planungen?

  • Das meiste davon ist ebenso ein Mist, wie das, was entstanden ist. Und Scharouns Entwurf für Charlottenburg ist ja wohl ein schlechter Witz. Zum Glück ist es nie soweit gekommen! Es sieht jetzt auch schon schlimm genug aus, entlang der Otto-Suhr-Allee. Aber die Seitenstraßen sind wenigstens größtenteils geblieben, wie sie einst waren. Das "Zentrale Gebäude" sieht auch gut aus, trotz seines Standortes. Dieser Entwurf für den Alex wär mir lieber gewesen. Mit diesem Turm - den ich viel interessanter finde - hätte man sich den Fernsehturm sparen können und auf der Fläche wieder ein Marienviertel bauen zu können.

  • den entwurf von jahn finde ich schrecklich. wirkt ebenso wie in einer überdimensionale plattenbausiedlung. und es sieht auch schrecklich zugebaut aus.


    der entwurf von flöting und kaufmann für den alex gefiel mir eigentlich bisher immer am besten, auch wenn der alex dort auch ganz schön verdichtet ist.

  • Hallo,
    Ich meinte die beiden mittleren Hochhäuser die etwas "versetzt" neben dem Fernsehturm abgebildet sind. Ja den Fernsehturm kenn ich! Irgendjemand hat mir den mal auf
    Postkarte gezeigt! :lach: Aber wie der Architekt heißt weiß ich nicht. Hat der nicht sogar drei Erfinder? ähemm!


    Stimmt eigentlich die Geschichte, dass einer von denen nach der Wiedervereinigung einen Adler auf der Spitze positionieren wollte?


    Die von mir genannten Argumente gegen den Plan von Kohlhoff sind einmal von Bruno Flierl: Sichtachsen werden durch die neuen Hochhäuser zerstört! Deswegen funktioniert der Fernsehturm dann nicht mehr, im Sinne des europäischen klassischen Stadtbildes als Dominante.
    Flierl hatte deswegen doch noch einen Vorschlag unterbreitet, die Anzahl der Hochhäuser zu reduzieren


    Argument 2 stammt von Architekturkritiker Wolfgang Kil, der an dem Plan für den Alex bemängelte, dass durch die
    Hochhausansiedlung in U- Form eine Abschottung des Alex nach Osten erreicht werden würde, und Berlin damit baulich nicht den geforderten Transitcharakter vermitteln würde.


    Auf Seitenangaben verzichte ich einmal, man muss ja nicht immer wissenschaftlich arbeiten. (bitte hinter jede Fußnote einen Punkt!! :mad:


    Auch mag man von den Argumenten halten, was man will
    aber ich finde sie nicht nur diskussionswert!


    Frage an AeG: Neulich stand im Spiegel ein Artikel, dass der Sohn von Bruno Flierl mit seiner Behörde ins Haus des Lehrers von unserem geliebten Henselmann ziehenwollte. Glücklicherweise wurde noch Bruno F zitiert mit den Worten, "Der Bau des Hauses des Lehrers, stellte eine Wechsel der nationalen Bilder zu den internationalen Bildern dar"! Frage: stimmt es wirklich, dass das Haus des Lehrers das erste Gebäude im international Style in der DDR war? und zweitens kann man das nicht etwas früher entstandene (?) Staatsratsgebäude ebenso anführen?


    Vielen Dank für die Mühe mit den Bildern, ich werde mich auch daran beteiligen, wenn mein Scanner wieder heil ist.
    (in den nächsten 5 Tagen!)

  • Kent,


    ich verstehe Deine Argumentation nicht wirklich. Du unterschreibst die Bedenken von Flierl und anderen, durch die Hochhäuser Kollhoffs würden Sichtachsen zerstört. Dann allerdings schwärmst Du von den Häusern, die Murphy/Jahn auf der westlichen Seite des Bahnhofes Alexanderplatz positioneren. Aber genau das sind die Standorte, die problematisch für Sichtachsen sind, gerade aus Richtung der historischen Mitte betrachtet (daher auch der Stimmannsche Vorbehalt gegen ein Hochhaus an der Jannowitzbrücke) . Der Wettbewerb für den Alex war zweistufig. Gerade die Überarbeitung in Richtung des Erhaltes wichtiger Sichtachsen war eine wesentliche Forderung an die Teilnehmer, die zur zweiten Phase zugelassen wurden. Auch bei Kollhoff gab es in der ersten Runde Hochhäuser westlich des Platzes.


    Und erst die Bezugnahme auf die Forderungen der Juroren manifestierte die U-Form (ohne die zu erhaltenden Behrens-Bauten sähe das sicher anders aus). Des Weiteren ist das Abschotten des Alexanderplatzes gen Osten eine Definitionsfrage. Erstens, der Fernsehturm steht nicht auf dem Platz - auch wenn das Gesamtensemble seit etwa 1970 als Alexanderplatz "verkauft" wird. Zweitens, von Abrenzung zu sprechen bedingt, man nimmt die Bauform solitäres Hochhaus nicht als positive Dominante, sondern als negativen Fremdkörper war. Sonst stellt sich nämlich die Frage andersherum: weshalb wird vorrangig der Osten mit Hochhäusern "gesegnet"? ;) Und Drittens ist es eine rein politische Frage, welche Sichtbeziehungen zu welchen Bauzeugnissen mit welchem Ausdruck zu protegieren seien. Man könnte lange darüber debattieren, weshalb die Stadtansicht gerade diese und jene historische Zäsur bewahren soll, wie kommende Generationen ihre Historie definieren werden etc.


    Der Eindruck einer Wand kommt höchstens dann auf, wenn die zu erwartenden Baukörper sehr ähnlich sind, die 150 Meter -Marke exakt eingehalten wird und der Himmel bedeckt ist (siehe dazu auch : "Alexanderplatz - eigenen Kreationen [...]") . Wer fordert eigentlich einen "baulichen Transitcharakter" für Berlin? Kil? Die Ausrichtung auf zentrale Dominanten am Ende von Achsen gehört zum Vokabular der europaischen Stadt. Dazu fühlt sich auch Berlin verpflichtet.




    Zum "Haus des Lehrers": Das Gebäude war 1961 tatsächlich das erste der in der DDR angekommenen "beliebigen und austauschbaren" Moderne. Allerdings bezieht sich das ausschließlich auf repräsentative, zentral gelegene Bauten (der Bau des Staatsratsgebäudes - das ja mit einem "nationalen" Zitat, dem Schlossportal IV, versehen ist - wurde erst ein Jahr später begonnen).


    Zuvor entstand aber bereits der zweite Bauabschnitt der Stalinalee samt seiner Pavillions (ab 1959) und auch das "Kino Kosmos" innerhalb des ersten Abschnittes (wobei sich Genannte in stark vereinfachter, beinahe unkenntlicher Form am ersten Bauabschnitt orientieren) . Allerdings war die Industrialisierung und Vereinfachung im Wohnungsbau der DDR fließend und findet allenfalls beim III. Parteitag, wo über die Entwicklungen im Bauwesen der UdSSR berichtet wurde, eine Zäsur. Genau genommen waren bereits die Laubenganghäuser der heutigen Karl-Marx-Allee und das dazu gehörende Wohngebiet der "Heimstätten Berlin" um die Hildegard-Jadamowitz-Straße von Herzenstein/Scharoun die frühesten Ankömmlinge der Moderne in Berlin.


    Das "Haus des Lehrers" ist auf jeden Fall der erste Baustein zur von Ulbricht in den 60er Jahren favorisierten Zentrumsplanung für die bedeutenden (Bezirks-)Städte der DDR. Und sein Wandfires von Womacka war der erste seiner Art, dem noch viele DDR-weit folgten. Er bezieht sich offiziell auf mexikanische Wandbilder Riveras und nicht mehr auf die "nationale Tradition".




    "Erfinder" des Fernsehturms gibt es tatsächlich einige. Ursprünglich wird es wohl ein Postbeamter gewesen sein, der einen Fernmeldemast in den Volkspark Friedrichshain stellen wollte ;). Henselmann hat ihn dann 1959 als Ersatz für das "zentrale Gebäude" - von Kosel gefordert - auf die Stelle westlich des Alexanderplatz verschoben. Obwohl der Turm technisch eine Meisterleistung war, ist er konstruktiv eigentlich nur ein Schornstein. Entworfen wurde er künstlerisch von Henselmann, geplant, konstruiert und gebaut von Dieter, Franke und Ahrendt. Der Sockelbereich stammt - entgegen der ursprünglich elliptischen Planung Henselmanns - von Aust und Herzog.


    Wer von den Genannten eine besondere Affinität zu Bundesadlern besitzt, weiß ich nicht ;).



    Gruss
    AeG

  • Vielen Dank,
    genau so eine ausführliche Antwort hatte ich mich mir von dir gewünscht! Danke! :daumen:


    Das der Flierl wirklich lesenswert ist, hab ich ja schon mal angedeutet. Interessant ist, das das Kugelelement des Fernsehturmes bei Henselmann ursprünglich rot sein sollte, und eine Anspielung an den Sputnik Satellit darstellen sollte! Auch wenn dies später keine so große Rolle in der Planung gespielt haben sollte, finde ich diesen Hintergrundgedanken wirklich faszinierend. Da gewinnt der Turm noch mehr. (das steht im Flierl " Gebaute DDR" im Kapitel über Henselmann Seite reiche ich bei Bedarf nach! ;)


    Wolfgang Kil hat auch ein sehr interessantes Buch geschrieben. Bei ihm ist die Kritik teilweise hergeholt. Auch merkt ihm seinen Oststallgeruch sehr stark an! Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde, ich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen regionalen Hintergrund betont. Bei Kil stört mich allerdings, dass bei ihm immer eine gewisse Frustriertheit mit Kampfpositionen mitschwimmt! Aber ebenso lesenswert! Auch im Verlag Bauwesen erschienen. Welche Bücher über das Berliner Baugeschehen findet ihr denn noch ganz interessant?


    Beste Grüße Kent

  • Kent,


    ob Henselmann seinen Vorschlag vom rubin-roten (ich hab's gelesen ;)) Turmkopf ernst meinte, weiß man nicht. In frühen Entwürfen (als lediglich die Friedrichshain-Variante aufgeblasen wurde) gibt es überhaupt keine Kugel, sondern einen Zylinder. Wenn ich die Rot-Schwäche von gewöhnlichem S/W-Film einbeziehe, dann strafen die frühen Abbildungen von Henselmanns Turm Flierl Lügen (andererseits ist Flierl einer der profundesten Kenner der DDR-Architektur :mad: ). Der Sputnik an sich war nicht rot, er war es nur ideologisch. Das wird bei Flierl auch durch Kursiv-Schrift dargestellt. Dort steht auch - sehr interessant, wie ich finde - die (rote) Kugel sollte nachts leuchten. Aber gut, fixe Ideen haben Architekten öfter (siehe weiter oben ;)), umgesetzt wird das Wenigste.


    Bücher zur Berliner Baugeschichte gibt es jede Menge. Allein meine eigene Literatur zu sichten, Titel, Autor/Herausgeber, Verlag und Erscheinungsjahr aufzuführen, macht mir im Moment schon ein bischen viel Arbeit (ich will D noch fertig bekommen :)). Stellvertretend nenne ich mal in Kurzform:


    - Berlin und seine Bauten, diverse, Ernst & Sohn, seit 1877


    - Aufbau/Ostkreuz - Städte, Themen, Dokumente (Band I u. II), Dürth/Düwel/Gutschow, Campus, 1998


    - Bauen in Berlin 1900 - 2000, Kleihues/Becker-Schwering/Kahlfeldt (Hrsg.), Nicolai, 2000


    - Das Berliner Mietshaus (Band I-III, 1740 - 1989), Geist/Kürvers, Prestel, 1980, 1987, 1990


    - sowie die diversen broschürten Publikationen der SenStadt



    Und falls Du Dich mit dem Thema DDR-Architektur bzw. mit marxisitschem Bauen tatsächlich näher beschäftigen möchtest:


    - Von der Notwendigkeit der Architektur - Versuch einer marxistischen Theorie des Bauens, Plojahr, ProMedia, 2001


    - Grammatik sozialistischer Architekturen - Lesarten historischer Städtebauforschung zur DDR, Barth (Hrsg.), Reimer, 2001


    Oder wie wärs mit:
    Bauen - Mein Leben, Gießke, Dietz, 1988 (sehr komisch, die zeitgenössische Autobiographie von Honeckers Quasi-Chefarchitekt :))?



    Ich besitze auch irgendwo ein Werk, das sich ausschließlich mit nicht realisierten Berliner Projekten befasst und bereits einmal fortgeschrieben wurde. Ich kann es nur leider nirgends finden.


    Gruss
    AeG