Bahnhofsviertel: Sanierung, Um- und Neubau

  • Niddastraße 68

    Interessantes tut sich im westlichen Teil der Niddastraße, also dort, wo die Straße zur Sackgasse wird. Dort war und ist das Herz des früher sehr bedeutenden Pelzverarbeitungs- und Pelzhandelsgewerbes, Rauchwaren im Branchenjargon.


    Nach einer Meldung im Onlineangebot der Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung von August 2007, leider nicht mehr online, entsteht in einem zum Bestand Ardi Goldmans gehörenden Gebäudekomplex zum einen das zweite Goldman-25hours-Hotel. 76 Zimmer sollen es hier werden. Das erste befindet sich bekanntlich seit ein paar Monaten an der Hanauer Landstraße (Website). Zum anderen entsteht in einem anderen Teil des Gebäudekomplexes, in welchem weiß ich nicht, die neue Deutschlandzentrale von Levi Strauss. Bisher befindet sich diese in Heusenstamm, Kreis Offenbach.


    Von der Karlstraße aus gesehen ist der Goldman-Komplex hinter dem kleinen VCI-Hochhaus. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, hier eine Ansicht aus Westen:



    Schilder aus den besseren Tagen des Rauchwarengewerbes an einer nahen Brandmauer, einige Betriebe dieser Branche gibt es im Viertel aber auch heute noch.



    Bilder: Schmittchen

  • Ecke Karl-/Düsseldorfer Strasse

    Weiß jemand, was mit dem Gebäude Ecke Karlstraße/Düsseldorfer Strasse geplant ist ??


    Das Gebäude ist fast leer (bis auf einen Fotoshop) und es gibt auch keinerlei Schilder mit Vermietangeboten (was wohl auch zwecklos wäre).


    DAs Gebäude ist neben dem Carlton, direkt gegenüber dem Tengelmann und grenzt an den Bahnhof. Es ist ein wahrer Schandfleck, aber angesichts der Lage müsste sich mE leicht ein Investor finden.

  • Das ist der ehemalige Sitz des Planungsverbands Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main, der nun in einem Neubau nördlich des Hauptbahnhofs sitzt. Das Gebäude steht in der Tat leer, von Abriss und Neubebauung war schon die Rede. Entschieden scheint noch nichts, wahrscheinlich wird zur Zeit ein Käufer gesucht.


    An dieser Stelle stand bis Mitte der 1970er ein Hotel, auch mit dem Namen Carton, nur viel größer und prächtiger als das heutige in der Karlstraße. Wie ärgerlich, dass dieses bis auf die Dächer intakte Gründerzeitgebäude abgerissen und durch den bewussten, schon 30 Jahre später wieder abbruchreifen Dreckskasten ersetzt wurde. Ein paar Jahre vor dem Abriss entstandene Fotos gibt es hier und da.

  • Levi Strauss und Hotel erhalten also jeweils die Hälfte der Straßenfront. Ziemlich schriller Entwurf, in diesen struppigen Winkel könnte er aber durchaus passen. Wird wohl letztlich auf die Ausführung der Details ankommen, ob man von einem gelungenen Umbau sprechen wird oder nicht. Das Bahnhofsviertel ist jedenfalls eindeutig wieder unter den Lebenden, wenn sich selbst in der schäbigsten Ecke ein stylisches Hotel und die Zentrale eines namhaften Unternehmens niederlassen. Sehr erfreulich!


    Guter Fund, J_M_D! Die Bilder hättest du ruhig gleich zeigen können:






    Bilder: Karl Dudler

  • An der Stelle des Carlton-Hotels kommt für mich nur eine Rekonstruktion in Frage. Fehlen dann nur noch das Schumann-Theater und Hotel Bristol, und die ganze östliche und nördliche Umgebung des Bahnhofs von der Münchner Straße bis hoch zur Poststraße würde wieder im alten Glanz erstrahlen.

  • (Teil-) Rekosntruktion wäre traumhaft.


    Gehört der Standort der Stadt ??


    Dann hätte man ja durch den zu bestimmenden Kaufpreis eine sehr schöne indirekte Subventionsmöglichkeit.

  • Das Carlton hatte glücklicherweise eine recht einfache Fassade. Die wenigen Dekoelemente sind anscheinend überall gleich, so dass hier eine preisgünstige Serienfertigung möglich wäre. Das würde die Kosten für eine reine Fassaden-Reko gegenüber einem Neubau sicherlich nur geringfügig erhöhen.


    Generell wäre am Bahnhofsvorplatz sicher wieder Potenzial für ein hochklassiges Hotel vorhanden. Nun bräuchte es nur noch einen finanzstarken Investor...

  • der Umbau des ehemaligen Fresseck auf der Kaiserstrasse geht nun auch außen voran:


    Die Leuchtreklame wurde heruntergerissen und ein Gerüst befindet sich im Aufbau.

  • Ecke Kaiser-/Weserstrasse

    Das Gerüst wurde aufgebaut, von Außenarbeiten ist aber noch nicht viel zu sehen. Wenn man Müncheners Beobachtungen im vorletzten Beitrag vergleicht hat sich seit Ende August auch nicht viel getan. :confused:
    Mal weiter beobachten ....



    Bild von mir

  • @ Schmittchen


    Interessantes tut sich im westlichen Teil der Niddastraße, also dort, wo die Straße zur Sackgasse wird. Dort war und ist das Herz des früher sehr bedeutenden Pelzverarbeitungs- und Pelzhandelsgewerbes, Rauchwaren im Branchenjargon.
    Interessanter Aspekt und möglicherweise habe ich jetzt die Erklärung, warum das eine Gebäude Haus Leipzig heißt. Leipzig war bis 1945 führende deutsche Stadt in der Pelzverarbeitungsindustrie. Aufgrund der drohenden Enteignungswelle im Osten flohen viele Händler in den Westen, vorwiegend nach Offenbach (m.W. auch die Mädlers, Stichpunkt Mädlerpassage) und Frankfurt.


    PS. Bild von mir


    Edit: Ich halte es noch für wichtig darauf hinzuweisen, dass die meisten Pelzhändler in Leipzig schon Opfer der Nazis wurden, da es sich oft um Juden handelte.

  • Danke für die Bilder Ahligator . Zum Kaiserzwei: Wer ist denn auf diese sinnfreie Idee gekommen die Dächer statt mit Schiefer mit so banalen Blechplatten einzudecken? Beim Ramada-Hotel hat man auch schon diesen Mist verzapft. Das ist ja furchtbar!
    Da war das Rendering deutlich vielversprechender.

  • Das war auch mein erster Gedanke als ich die Bilder sah. Das zieht das ganze Ergebnis dermaßen runter. Ich weiß echt nicht was das soll, solche schönen Häuser so zu verunstalten.

  • Sicher ist das Blechdach nicht der Weisheit letzter Schluss, aber in ein paar Monaten wird das Blech so verwittert sein, dass es nicht mehr so stark auffällt. Es hätte schlimmer kommen können, z.B. ein Staffelgeschoss mit Flachdach oder dergleichen.... Was mich dagegen wirklich stört sind die rechteckigen Dachgauben. Runde Gauben wären passender gewesen....

  • An der Kaiserstraße 48 (mehrere Infobeiträge und Fotos in diesem Thread) wurde nun mit dem Entfernen der Fassadenplatten aus Werkstein begonnen. Tatsächlich ist darunter die gründerzeitliche Fassade erhalten, es wird aber noch einigen Aufwand verursachen, diese von Mörtel zu befreien und Schäden auszubessern. Ein paar Fotos von heute:





    Und nochmals das fast fertig gestellte Projekt "kaiserzwei", man kann erkennen, dass die Blecheindeckung bereits dunkler geworden ist:




    Bilder: Schmittchen

  • Die Zeile wird wunderschön, so schön, dass man sich noch viel, viel mehr davon in Frankfurt wünscht.
    Nun sollte man noch per Satzung die Geschäftsbesitzer in den Erdgeschossen dazu bewegen, sich diesem Stil anzupassen.
    Oftmals zerstört ein Schaufenster mit dazugehöriger Werbetafel die Wirkung der gesamten Fassade.

  • Danke für die Bilder. Unglaublich wie man solche Fassaden so verkleiden konnte. Auf dem Bauschild steht übrigens "moderne Wohneinheiten mit dem Flair des klassizistischen Frankfurts"... die Unterscheidung zwischen Klassizismus, Gründerzeit und auch Jugendstil scheint einigen Leuten echt schwer zu fallen :D


    Das Dach beim Kaiserzwei sieht aber aus wie ein Fremdkörper, vor allem natürlich wegen dem Material - stand in der Gestaltungssatzung fürs Bahnhofsviertel nicht was von wegen Schiefer als Material? Wie kann man da überhaupt auf die Idee kommen Blech zu verwenden? Aber auch die ziemlich einfallslosen Dachgauben sind nicht gerade der Bringer. Vielleicht ändert man das in ein paar Jahren ja doch nochmal, wäre sehr zu wünschen (genau wie beim Ramada-Hotel weiter östlich). Wichtiger sind jetzt aber aktuell die Nachbargebäude, also Dach und Kuppel des Gebäudes am Bahnhofsvorplatz und die entstuckte Fassade des Eckgebäudes Moselstraße.


    Und wie mein Vorredner sagte: missratene Erdgeschosszonen können so viel zerstören (das trifft übrigens auch auf Nordend, Sachsenhausen,etc zu).
    Und auch auf den ersten Blick eher unwichtige Details wie die verwendeten Fenster sind in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen...

  • die Unterscheidung zwischen Klassizismus, Gründerzeit und auch Jugendstil scheint einigen Leuten echt schwer zu fallen
    Naja, die Abgrenzung ist in der Tat nicht so einfach, wie man übrigens auch bei dir sehen kann. Die Gründerzeit war kein architektonischer Stil, auch wenn man immer von Gründerzeithäusern spricht, sondern beschreibt einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung in der Zeit zwischen 1870/71 und 1914. Im Historismus, der als Stil in selbige Zeit fällt, gab es durchaus auch klassizistische Fassaden.


    Die von Schmittchen gezeigte Häuserzeile ist in der Tat eine der schönsten Frankfurts. Um so ärgerlicher die Blechverkleidung des Daches: Eine Chuzpe sondergleichen.


    missratene Erdgeschosszonen können so viel zerstören
    Wenn dir das BHV nicht passt, dann zieh nach Schmitten. ;)

  • Wer mal einen schön sanierten Altbau bewundern will, dem empfehle ich einen Blick auf die Weserstrasse 2: atemberaubend, was die aus der Baracke gemacht haben. Das Gebäude ist direkt rechts wenn man aus dem Tunnel kommt der in die Gutleutstrasse mündet, schräg gegenüber dem Herzen Afrikas, es ist noch teilweise mit einem Gerüst verpackt. Ist das beste vorher-nachher was ich in FFM gesehen habe.