Bahnhofsviertel: Sanierung, Um- und Neubau

  • Die Häuser Kaiserstraße 75 und 77 waren Teil der Insolvenzmasse von Jürgen Schneider und gehörten seitdem einer Bank. Der Zustand soll sehr schlecht sein. Schneider begann damals bereits mit dem Teilabriss, die Reste hat dann die Bank über all die Jahre verfallen lassen. Dass nun aber abgerissen werden soll, ist mir trotzdem neu. Ein Jammer, dass Schneider damals nicht noch etwas durchgehalten hat, bei ihm wäre sicherlich eine 1A-Sanierung herausgesprungen.


    Hier ein Foto aus der Zeit bevor die Planen davorgehängt wurden.

  • Also Schmittchens Foto aus #23 nach zu urteilen, wäre es hauptsächlich um den oberen Teil der Fassade sehr schade - der Unterbau (zumindest soviel man sieht) ist schon von der ganz üblen Sorte. Schaut euch mal die Fensterzeile im schätzungsweise 1. Stock des rechten Gebäudes an.
    Wenn jetzt das Ding baufällig sein soll, hätte ich nichts gegen einen Abriss - sofern die Fassade vorher abgetragen und nachher wieder angebracht wird. Ich hoffe die Stadt wird sich dafür einsetzen!

  • Kaiserstrasse 48 (Ecke Weserstrasse) soll auch renoviert werden, so steht es in der FAZ . Hinter der 60er Jahre Fassade hat man angeblich die alte, aus dem Jahre 1900 stammende Fassade, wiedergefunden, die restauriert werden soll.


    Ausserdem ist der 10 Mio EUR Topf zur Renovierung des Bahnhofsviertels leer, aber es soll ein neuer aufgelegt werden.

  • Zitat von FAZ

    Die Stadt werde darauf bestehen, daß Neubauten im Bahnhofsviertel Fassaden im historischen Stil erhielten.


    ...heißt es im oben verlinkten FAZ-Artikel. Wenn ich mir die "Kreativität" heutiger Architekten vor Augen halte, kann ich aber nicht recht daran glauben, dass dabei jemals die architektonische Qualität des späten 19. Jahrhunderts erreicht wird.


    Vielleicht wird man auch irgendwann die Neubauten am Hauptbahnhof etwas besser ihrer Umgebung anpassen. Von Rekonstruktionen von Gebäuden wie dem Carlton-Hotel und Schumann-Theater wage ich gar nicht erst zu träumen... Was mittelfristig aber auf jeden Fall passieren sollte ist die Rekonstruktion der ursprünglichen Dächer an den erhaltenen Gründerzeitgebäuden am Hauptbahnhof. Die Nachkriegsprovisorien haben ihren Dienst lang genug erfüllt!

  • Das mit der Kaiserstraße 48 ist ja eine herausragende Neuigkeit! Gehört das bestehende Gebäude ("Fresseck") doch mit zu den störendsten auf der gesamten Kaiserstraße. Und weil statt Büros etwa 50 Wohnungen entstehen sollen, außerdem im - seltsamerweise die letzten Jahrzehnte größtenteils zugemauerten - Erdgeschoss wieder Läden und Gastronomie. Schließlich wird sich auch das vorgesehene Mandarddach besser einpassen als das jetzige Staffelgeschoss.


    So sieht das Gebäude heute aus. Die das Umbauprojekt leitende Asset-Firmengruppe entwickelt übrigens auch die hier bekannten Berliner Projekte "Prenzlauer Gärten" und "Wollgarnfabrik".

  • neue Investoren im Bahnhofsviertel

    Laut einem Artikel der FNP von heute stehen mehrere Neuinvestitionen im Bahnhofsviertel unmittelbar bevor:


    - das Gründerzeithaus an der Kaiserstraße 75, bzw. was noch davon übrig
    geblieben ist, auch bekannt als "Schneider-Ruine" hat anscheinend einen
    neuen Investor gefunden. Noch in diesem Jahr sollen die Pläne der
    Investoren vorgestellt werden.
    - Die Müncherstraße 58 ist schon im "Bau". Hier wird die nachträglich
    angebrachte Granitfassade abgetragen, um die alte, helle Natursteinfassade
    wieder frei zu legen. Ziel: 12 Wohnungen à 120qm.
    - Sanierung der Kaiserstraße 73, direkt neben der Schneider-Ruine, wird von
    der Firma Suma Immobilien vorbereitet.
    - Abschließend ein Verweis auf die Kaiserstraße 48 (bereits erwähnt)


    Alle Infos unter:
    Quelle: http://www.fnp.de
    Link: http://www.rhein-main.net/sixc…2_news_article&id=3318794

  • Ein Entwicklungskonzept für die Kaiserstr. 73 mit Bildern und Plänen des Bestands kann hier heruntergeladen werden (PDF, 1,6 MB).


    Und ein paar schnelle Bilder von den oben erwähnten Projekten, zunächst Kaiserstraße 48. Im Vergleich zum Nebengebäude gut zu erkennen: Auch hier Gründerzeit-Geschosshöhen.



    Ecke und die deutlich längere Fassade zur Weserstraße. An dieser Seite wurde das Erdgeschoss in den 1960ern fast gänzlich zugemauert - man fragt sich schon, was sich Bauherr und Architekt damals dabei gedacht haben. Das gilt erst recht für das Zuhängen der Gründerzeitfassade mit Werkstein. Fand man das seinerzeit wirklich besser?



    Kaiserstraße 73. Hier scheint zumindest die Straßenfassade noch gut in Schuss zu sein (rechts im Bild ein Teil der verhängten "Schneiderhäuser", Kaiserstraße 75-77):



    Der Umbau der Münchener Straße 38 (Hausnr. 58 im vorigen Beitrag ist wohl ein Tippfehler) ist im Gange. Trotz Schutznetz und ungünstiger Lichtverhältnisse hoffentlich einigermaßen zu erkennen: Die alte Fassade und das neu aufgebaute Dach.



    Das Nachbarhaus Münchener Straße 36 ist bereits saniert. Im 1. OG befindet sich seit letztem Jahr das Hammermuseum:



    Alle Bilder: © Schmittchen

  • Kaiserstrasse 75-77

    Hallo,
    nur schnell ein paar Infos (wie versprochen):
    Das Gerüst mit der Fassadennachbildung kommt mitte November weg. Dann wird auch der Gehweg weiträumiger abgesperrt und es beginnen die Sicherungsmaßnahmen für die Fassade, DIE ERHALTEN BLEIBT. Die Fassade wird dann vom Gebäude getrennt, welches ab ende November abgebrochen wird. Der über die Jahre entstandene Urwald im Hinterhof wird gerodet und es entsteht ein neues Gebäude...

  • Vorab danke für die vielen neuen Infos und an Karla Kolumna, der rasenden Reporterin, für die aufklärenden Fotos.


    Wirklich Supernews. Endlich wird der Kaisersack aufgewertet.


    Was mich auch freut, ist dass es sich in 2 Fällen um Eckgebäude handelt. Das ist eine doppelte Aufwertung. Meiner Meinung nach ist eine hässliche Nachkriegsfassade an einem "Reihenhaus" erträglicher, da sie zwischen den beiden Nachbarhäusern untergeht. Eine hässliche Nachkriegsfassade an einem Eckhaus versaut allerdings den kompletten Eindruck.

  • Leider hat man den Kaissersack nicht wieder für den Verkehr geöffnet. Dadurch geht Urbanität verloren, die sich eigentlich für einen Boulevard dieses Typs gehört, zum anderen bietet man wieder den Pennern, Junkies und sonstigem Gesinde eine Aufenthaltsfläche, auf der sie sich zusammen rotten können.

  • rako :
    Der Kaisersack soll bitte bleiben wie er ist! Ich würde sogar noch weitergehen und die Kaiserstraße (zumindest den westlichen Teil) ganz für den Autoverkehr sperren. Gerade der fehlende Durchgangsverkehr verleiht der Kaiserstraße ihren Reiz - wenn dort wie anno dazumal hunderte Autos pro Minute durchrasen, würde viel von der Attraktivität der Straße verloren gehen. Leider scheint Deine Definition von "Urbanität" weitgehend der Verkehrspolitik der 60er Jahre zu entsprechen. Für mich ist eine Stadt ohne Autos aber in jedem Fall lebenswerter!

  • autos können sehr wohl urbanität mit sich bringen. ein grund für die urbanität des kudamms oder der friedrichstrasse in berlin, ist u.a. der verkehr. bei der debatte um eine öffnung der zeil für den verkehr (zumindest für busse), war der kudamm als positives beispiel genannt worden. die urbansten strassen der welt sind alle verkehrsadern.


    kleiner nachtrag: die berger strasse und die schweizer strasse gehören für mich zu den urbansten strassen in frankfurt. es gab vor kurzem eine (sehr kurze) diskussion über die schliessung der leipziger strasse für den autoverkehr. diese idee wurde sehr schnell verworfen.

  • Ich habe einige Zeit in der Leipziger Straße gewohnt. Das Problem war und ist dort, dass die Bürgersteige für eine Einkaufsstraße relativ schmal sind und der Weg oft durch Laternenmasten oder Werbetafel der Geschäfte noch weiter eingeengt ist. Von den chaotischen Ein- uns Ausparksituationen ganz zu schweigen. Die Diskussion konnte ich verstehen, dass die Straße letztendlich nicht gesperrt wird aber auch.


    Ich schlendere - unabhängig von den Geschäften - lieber über die Fressgass als durch die Goethestraße.

  • So wies jetzt ist, mit der furchtbaren Sackgasse, darfs aber auf keine Fall bleiben. Entweder komplett bis zur Moselstraße als Fußgängerzone, oder eben wieder für den Verkehr öffnen. Auch ich tendiere eher zu Letzterem (zumindest solange sich der Autoverkehr in Grenzen hält), und das nicht nur wegen der Junkies. Der U-Bahn-Abgang wie er jetzt ist hat ja ohnehin auch eine Umgestaltung dringend nötig. Da gehören Eisen-Geländer hin und keine Betonwände.