Klosterwall - Hochhäuser der Fünfziger

  • Historiker fordern Erhalt der City-Hochhäuser

    Siehe hierzu Artikel im HA vom 09.11.2013


    Trotz seiner spärlichen Ausführung spiegelt dieser Artikel, die von der Hamburgischen Architektenkammer und dem Denkmalverein initiierten Veranstaltung unter den Motto "Ist das ein Denkmal - oder kann das weg?", wunderbar wieder.


    Leider konnte unser OD Prof. Jörn Walter den Termin nicht selbst wahrnehmen, da er irgend so einer Preisverleihung beiwohnen durfte. Umso erfreulicher war, dass seine Vertretung Staatsrat Michael Sachs, den Standpunkt vom OD sehr unterhaltsam vortrug und zudem klar stellte, dass er nicht der selben Meinung sei.


    Der Auftritt des Bezirkschef Andy Grote hat bei den einen für Gelächter gesorgt, bei den anderen hat wahrscheinlich das Blut in den Adern gekocht und die drei Zeilen die das Abendblatt diesem Referenten gewidmet hat, sind mehr als schmeichelhaft.


    Es müsste eigentlich heißen: Bezirkschef Andy Grote redet sich (mal wieder) um Kopf und Kragen. Erst argumentiert er, dass eine Sanierung der City-Hochhäuser etwa 20 Millionen Euro kosten könnte und das genau der Betrag sei den die FHH gerade in das Gängeviertel steckt. Dann versucht er die Hörerschaft auch noch mit dem abenteuerlichen Argument zu überzeugen, dass die City-Hochhäuser doch aus der selben Zeit wie die Esso-Häuser stammen und auch auf einer Tiefgarage stehen. Es gibt zwar noch keine Gutachten, aber man könne davon ausgehen, dass es bei der Bebauung am Klosterwall ähnliche Mängel gibt…

  • Abreißen oder stehen lassen?

    Im Gegensatz zur bislang vernommenen öffentlichen Meinung, nach der, auch (deshalb?) von vielen Kommunalpolitikern getragen, überwiegend der Abriss der als hässlich empfundenen City-Hochäuser bevorzugt wird, sprachen sich die meisten Teilnehmer der Expertenrunde für deren Erhalt aus.


    Zitat aus dem Artikel im Hamburger Wochenblatt - St.Georg vom 15.01.2014


    Und selbst der Pöbel ist für einen Erhalt.


  • Die Finanzbehoerde empfiehlt den Abriss. Gottseidank. Hier der Bericht im Abendblatt.


    Unglaublich: Anstatt sich zu freuen und diese Riesen-Chance zu nutzen gibt es genuegend Stimmen welche diese Haeuser als Denkmal erhalten wollen.


    Das wirft die generelle Frage auf: Wenn es eine Zeit gab in welcher der Stadt durch voellig deplatzierte, destruktive, monotrukturelle und un-massstaebliche Architektur starker Schaden zugefuegt wurde, und wenn man jetzt die Chance hat dieses zu korrigieren....


    ...soll man ersthaft diese Chance versteichen lassen, weil das Denkmalschutzamt darauf besteht, dass es ein Baudenkmal gibt das zeigt wie ruecksichtslos man damals gebaut hat.


    Das ist also wuerde ein Chirurg sich weigern einem Patienten einen Tumor aus dem Gesicht zu schneiden - Mit der Begruendung der Tumor stuende unter Denkmalschutz, damit andere Menschen sehen koennen wie sehr ein Krebs entstellen kann. :nono:

  • müssen die denn als DENKMAL herhalten?
    Genügt nicht Entkernung und Fassadenerneuerung?


    So als Riegel gegen den Bahnlärm finde ich sie nämlich auch gut.
    Zum wohnen sowieso nicht.

  • Ich finde ja, dass man das Prinzip, was alles zum Denkmal erklärt wird, überdenken muss. Klar ist rein ästhetischer Geschmack subjektiv und der Mode unterworfen, aber eine Stadt ist auch nicht in erster Linie Architektur-Museum und Anschauungsmaterial für Architektur-Studenten. Wenn man etwas mit großer Mehrheit potthässlich findet, gehört es plattgemacht. Und die City-Hochhäuser sind für mich fast der schlimmste Schandfleck der inneren Innenstadt - meine subjektive Meinung.

  • Ein Artikel in der ZEIT plädiert für den Erhalt der Hochhäuser am Klosterwall: http://blog.zeit.de/hamburg/es-geht-nicht-um-schoenheit/


    Argumente liefert der Artikel leider nicht viele, außer das es eben unter Denkmalschutz steht.


    Aus einigen Gesprächen mit Mitarbeitern der Denkmalschutzbehörde HH weiß ich das Ihnen das Gebäude sehr am Herzen liegt. Paradigmatischer Bau einer Epoche. Die übrigen Argumente habe ich vergessen oder verdrängt.


    Ich persönlich finde eigentlich nur die Fassadenverblendung so richtig hässlich. Kubatur und Proportionen wissen durchaus zu gefallen. Also eine Kernsanierung mit hochwertiger Naturstein-Fassadengestaltung würden m.E. schon reichen. Weißer Marmor als Fassadenverkleidung, mit goldenen Fensterrahmen wäre doch ein origineller Kontrast. ;) Gut, die Zubringerebenen UG, EG und 1.OG müssten auch noch eine filigranere Neugestaltung erfahren.

  • Dazu fällt mir doch auch noch einiges ein. :)


    Der Denkmalschutz bereitet uns doch immer mehr Problem. Es ist unmöglich alles so wie von den Herren gewünscht zu erhalten. Der Grund ist einfach wenn wir es nach unseren Heutigen Linien sanieren dann bleibt eigentlich nur noch das Skelett, dann ist aber der Denkmal Sinn weg. Zum anderen muss es aber wenn wir es erhalten wollen auch Öko sein. Wir können es aber nicht so lassen und immer nur Neues bauen dazu haben wir die Fläche nicht.


    Persönlich find ich die Meinung von nikolas sehr gut, Neue Fasade und innen auf den Heutigen Gebrauch, aber nicht einfach alles platt, das tun wir einfach zu viel.

  • Ich persönlich finde eigentlich nur die Fassadenverblendung so richtig hässlich

    Meine Frau arbeitet darin. Ich kann Dir versichern, daß nicht nur das Äußere ein Problem ist. Die super-niedrigen Deckenhöhen sind es ebenfalls - alles wirkt düster und unfreundlich. Im Grunde müsste man jeweils 2 Etagen zu einer zusammenfassen (ich weiß, daß das weder technisch noch wirtschaftlich machbar wäre). Die Gestaltung mit dem zugigen Hof ist für Wetterverhältbisse, wie wir sie nunmal 3/4 des Jahres in Hamburg haben, nicht praxisgerecht.


    Was immer man sich damals dabei gedacht hat - das Teil ist einfach schlechte Architektur.

  • Ich verstehe auch den Denkmalsinn nicht, wenn man die Fassade verändert und das Innere umgestaltet. Wo ist denn da der Denkmalsinn?

  • Auch wenn einige sich fuer die City-Hochhaeuser erwaeremen: Diese Gebauede haben keinerlei Wert, ausser ggf, den Wert, dass man an ihnen ablesen kann wie minderwertig und stadtschaedlich einmal gebaut wurde.


    Die Gebauede versagen klaeglich in jedem einzelnen halbwegs objektiv bewertbaren Kriterium:


    - Ihre Grundrisse (mies) und Deckenhoehen (extrem nieddrig) sind nicht mehr marktfaehig.


    - Ihre Materialitaet ist banal und kollidiert mit der Backstein-Architektursprache des Kontorhausviertels.


    - Ihre Bausubstanz ist schlecht und ueberdies marode.


    - Ihre staedtebauliche Form ist unmassstaeblich und verkehrt. Die innenliegende Passage mit ihren zahlreichen Barrieren hat nie funktioniert. Sie erfuellen keinerleie 'raumbildende' Funktion entlang der 'Museumsachse' und somit zur Hafencity.


    - Sie sind bis auf ein paar gammelige Laeden komplett monostrukturell.


    - Sie sind ein energetischer Albtraum.


    - Sie sind (nehme ich an) brandschutz- und arbeitsschutztechnisch ein Albtraum.


    - Sie funktionieren durch ihre Ost-West-Scheiben-Ausrichtung kaum als Laemschutz zwischen Kontorhausviertels und Bahntrasse.


    Also bitte - reisst diesen Scheiss endlich ab und baut ein gemischtes Quartier in Backsteinoptik, in geschlossener Form, mit einer Kombi-Nutzung aus Wohen, Laeden, Buero, Gastronomue und ggf Hotel!


    Die eigentliche Frage (bzw der Aufreger) ist doch nicht, warum der Denkmalschutz jetzt ausgesetzt wird, sondern warum diese Schrott-Immobilien je unter Denkmalschutz gestellt worden sind - von einer Behoerde in der sich ein paar 'Orchideenkinder' und volksdorfer Professoren schon seit Jahren geistig von den realen Beduerfnissen der Hamburger und des modernen Staedtebaus verabschiedet haben.

  • CRBauer
    Das mit der Umgestaltung ist meine Argumentation, nicht die des Denkmalschutzes. Ich wünsche mir hier ein wenig mehr Phantasie in der Diskussion um Bausubstanz. Also weder absoluten Denkmalschutz noch pauschal den Totalabriss. Dazwischen ist einiges möglich.


    Midas  
    Zitat: "Die eigentliche Frage (bzw der Aufreger) ist doch nicht, warum der Denkmalschutz jetzt ausgesetzt wird, sondern warum diese Schrott-Immobilien je unter Denkmalschutz gestellt worden sind - von einer Behoerde in der sich ein paar 'Orchideenkinder' und volksdorfer Professoren schon seit Jahren geistig von den realen Beduerfnissen der Hamburger und des modernen Staedtebaus verabschiedet haben."


    Mit der selben Argumentation wurden nach dem Krieg historistische Gebäude und alte Wegeführungen abgerissen bzw. zu mehr Autogerechtigkeit umgebaut. Der selbe Geist hat genau solche Bauten wie am Klosterwall ja erst ermöglicht: Sehr profan und damals an den realen Bedürfnissen der Hamburger und des modernen Städtebaus ausgerichtet. ;)
    Es besteht zudem kein Grund hier persönlich zu werden. Ich habe die Mitarbeiter/Innen der Denkmalbehörde als durchaus realitätsnah und bodenständig wahrgenommen. Aber ganz unabhängig davon, ein pauschal-polemischer Rundumschlag ist immer unangebracht!

  • Ich habe die Mitarbeiter/Innen der Denkmalbehörde als durchaus realitätsnah und bodenständig wahrgenommen.


    Scheon fuer Dich. Ich kann aus meiner Erfahrung zumindest fuer Hamburg leider das genaue Gegenteil behaupten.


    Mit der selben Argumentation wurden nach dem Krieg historistische Gebäude und alte Wegeführungen abgerissen bzw. zu mehr Autogerechtigkeit umgebaut. Der selbe Geist hat genau solche Bauten wie am Klosterwall ja erst ermöglicht.


    Das ist falsch, bzw. maximal in der grauen Theorie richtig, jedoch nicht in der Praxis. Der heutige Staedtebau richtet sich (im Idealfall) eben nicht mehr an kurzfristigen Idealen aus, sondern an jahrhundertelangen Traditionen der Europeaischen Stadt und an (moeglichst) nachhaltigen Zielen (Ressourcenschonung, Verkehrsvermeidung, etc).


    Der hier 'angeblich schuetzenswerte' Staedtebau der Nachkriegsjahre richtete sich hingegen komplett an einem kurzfirstigen hochgradig ideologischen Nachkriegszeitgeist mit inzwischen (gottseidank) vollkommen ueberlebten Weltbildern aus. Dies war eine in der jahrtausendealten Geschichte der Stadt wohl einmalige, wenige Jahre dauernde, Sondersituation direkt nach der groessten Katastrophe der Meschheitsgeschichte.


    Diese beiden 'Ideale' als gleichwertig und somit 'gleich schützenswert' anzusehen ist volkommen absurder Relativismus. Leider wird genau dieser eben immer noch in eingen Amtstuben oder bei erimitieren Volksdorfer Professoren gern geplegt.

  • ^^Hätte nicht gedacht dass in Hamburg diese Gebäude ähnlich polarisieren wie in Berlin hinsichtlich Nachkriegsmoderne Ost (und im übrigen auch West). Die Klosterwall-Gebäude müssen aus meiner Sicht weg. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eines Denkmals nicht würdig. Da hätte man eher das Millertorhochhaus stehen lassen und modernisieren sollen oder hegt und pflegt an der Esplanade die Nachkriegshochhäuser. Ebenfalls hätte man dann mit den Nachkriegsbauten am Alten Wall anders umgehen sollen. Anscheinend ist es aber so, dass sowohl die besondere Hässlichkeit als auch die besonders mindere Qualität an Nutzungsmöglichkeit gepaart mit der exponierten Lage als Stadteingang von Ost die Aufmerksamkeit allerseits anzieht... Was für Bauten da entstehen könnten zeigte ja bereits der Entwurf von Hadid... Hamburg braucht aus meiner Sicht neben den ganzen pragmatischen guten, nüchternen guten bis weniger guten Reinzweckbauten auch Highlights und an der Stelle wäre eine sehr gute bis optimale Gelegenheit. Wie gesagt aus meiner Sicht.

  • Ich frag mich manchmal schon, was hier in Hamburg bei einigen abgeht. Erinnert ein bischen an die Diskussionen um die "Esso-Häuser" an der Reperbahn, die Umgestaltung Neue Große Bergstraße, oder den Mc Donalds an der Hoheluftchaussee.


    In allen Fällen im Bestand städtebauliche Unfälle der Sonderklasse, aber eine bestimmte Clientel will den Quark erhalten. Warum blos? :nono:


    Hamburg hat nach den Verwüstungen des 2. Weltkrieges eine beispiellose 2. Welle der Zerstörung durch "Modernisierer" erlebt, die der Stadt viel von ihrem einmaligen Flair genommen haben. Anstatt sich zu freuen, wenn wenigstens minimale Korrekturen vorgenommen werden, wird versucht den Schei.. zu erhalten.


    Was soll denn bitte aus den Hochhäusern nach einer Renovierung werden? Wer will allen Ernstes unter solchen Bedingungen wohnen oder arbeiten, geschweige denn die Mieten bezahlen, die die Refinanzierung der Renovierungskosten ermöglichen? An den niedrigen Decken kann man nichs ändern, egal wie man das Äußere umgestaltet!

  • Hamburg hat nach den Verwüstungen des 2. Weltkrieges eine beispiellose 2. Welle der Zerstörung durch "Modernisierer" erlebt, die der Stadt viel von ihrem einmaligen Flair genommen haben. Anstatt sich zu freuen, wenn wenigstens minimale Korrekturen vorgenommen werden, wird versucht den Schei.. zu erhalten.


    In der Tat! Traurig aber wahr. Mir faellt zum Beispiel noch das Katharinenquartier ein.


    Hier musste am ende eine schlechtere Loesung realisiert werden als geplant, weil eine merkwuerdige Initiative auf einmal die angebliche 'Sichtachse' von einer sechspurigen Nachkriegs-Schnellstrasse auf das Ziffernblatt der Uhr der Katharinenkirche erhalten wollte, statt eine der schlimmsten Kriegs-Bauluecken in der Stadt endlich im selben Massstab wie das Umfeld zu schliessen. Durchsetzen wollte die Initiative alle Ernstes diese Bebauung... Der selbe Bloedsinn wiederholt sich aktuell grade 1:1 an der Trinitatis Kirche in Altona.


    Beim Bezirksamt Nord bahnt sich das naechste Drama an wo Nachkriegsmuell, der die ganze Ecke stadtraeumlich komplett zerstoert, nach dem Willen einiger Anwohner auf einmal erhalten werden soll...


    Ich kann nur hoffen, dass die Vernunft siegt und die Haeuser am Klosterwall so schnell wie moeglich pulverisiert werden.

  • Ein paar Impressionen von den Klosterwall-Hochhaeusern - Bilder von heute mittag.



    (Bild: ich)



    (Bild: ich)



    (Bild: ich)



    (Bild: ich)



    (Bild: ich)



    (Bild: ich)



    (Bild: ich)

  • danke für die Innenansichten - so wie es aussieht wirkt es in der Tat noch trostloser, als die treppe hinein.


    Dennoch - die 4 Blocks in ihrer Klarheit - irgendwie gefällt mir das.
    Natürlich ist pulverisieren auch immer günstiger und was Belüftung und Licht angeht, Energetik ist man mit Neu auf der sicheren und kostengünstigeren Seite wenn mannicht wieder andere Fehler einbaut.


    Bleib die Form übrig - in Backstein, angepasst ans Kontorviertel, würde uns das aber auch erschlagen.



    Innen kam mir auch der Verdacht, dass das womöglich Asbest beinhaltende Platten benutzt wurden.
    Der "Hof" -sollte er auch mal die Läden dort geöffnet haben ist ein Trauerspiel.

  • Ich kann einfach nur allen empfehlen, die die Häuser erhalten wollen, sich mal ins Innere zu begeben. Und sich dann ehrlich zu fragen, ob sie selbst dazu bereit wären, nach einer Renovierung für so was Spitzenmieten zu zahlen - die unvermeidlich wären, um die Kosten zu tragen.