Entwicklungsgebiet Freiham (10.000 WE) [im Bau]

  • Die Menge an Sozialwohnungen in Freiham wird mit der ausgeführten Dichte schon eine große Herausforderung. Lasse mich ja gerne positiv überraschen, aber aktuell sehe ich Freiham in seiner sozialen Zusammensetzung noch extremer als die Messestadt. Gibt es neben dem Demos Projekt aktuell noch ein einziges anderes Projekt, was für die Mittelschicht gedacht ist?

  • Isek,

    Wieso bekommt man im Ausland viel preisgünstiger Wohnungen für die Mittelschicht bereit gestellt?

    Die Frage, die ich mir Stelle :

    Statt Zuschüsse besserer Wirkungsgrad

  • Weil es weniger Umlagen durch den Staat zur Subventionen von sozial Schwachen gibt, weil die Baulandpreise aufgrund von aktiver Stadterweiterungen und Landbesitzern, die gerne verkaufen wollen, deutlich billiger sind, weil Baukosten, wegen geringerer Anforderungen geringer sind (Wärmedämmung, Barrierefreiheit, Brandschutz, Schallschutz, ökologische Ausgleichsfächen...).

  • Danke Isek,

    Das mit den Umlagen verstehe ich nicht.

    Ich verstehe keine zerlegten Baumstrukturen, habe ein räumliches Vorstellungsvermögen.

    Ich reite immer wieder auf den selben Sachen herum:

    Chicago innerste Innenstadt :Qm- Preise ca 50% von hier, ohne Subventionen.

  • Gut, Chicago ist jetzt selbst für Amerika schon ein extremes Beispiel. Es hat von allen Metropolen in Nordamerika die mit Abstand geringste Dynamik, wenn wir mal Detroit oder Buffalo weglassen, die ich beide gar nicht mehr zu den Metropolen zähle. Und in Chicago wird es vermutlich weder eine SoBoN geben noch sind die Baukosten insbesondere im Bereich der Wohnungen und Häuser vergleichbar.

  • Isek,

    Ja, das mit der niedrigen Dynamik meinst du mit der Einwohner - Entwicklung?

    Interessant ist, dass es nach wie vor einen immensen Bauboom an Wohnhochhäusern gibt, in allen Segmenten und zu extrem moderaten Preisen. (Achtung, die haben dort sehr strenge Brandschutz Vorschrift en).

    Im übrigen steigt der Anteil an Grünflächen parallel zu den fortschreitenden Bauaktivitäten in diesen Stadtteilen weiter an. (Thema Ausgleichsflächen).


    Isek,

    Ich bin richtig froh, dass ich das dort live erleben kann was alles umgesetzt werden kann, wo man hier zu Lande sicher ist dass das alles nicht geht.

  • Chicago als Vergleich im Wohnungsbau heranzuziehen ist mit Blick auf die dortigen Sozialstrukturen und die Vergangenheit räumlicher Segregation vielleicht auch nicht die beste Idee. Wie Isek bereits gesagt hat, ist Chicago auch von der Dynamik nicht mit München vergleichbar, da müsste man eher nach San Francisco schauen - und im Vergleich dazu ist die Wohnsituation bei uns geradezu entspannt.


    In Bezug auf Freiham finde ich die Strategie der Stadt auch wenig verständlich und ich würde den Vergleich zur Messe gerne etwas ausbauen (ich selbst bin in Kirchtrudering aufgewachsen, meine Freundin kommt aus der Messe und ich bin erst 25; ich weiß ganz gut wie es dort aussieht):


    Die Messestadt ist super geplant, mit 2 U-Bahn Stationen, sehr stark beruhigtem Verkehr, direkten Autobahnanschluss, riesigem Park mit See und Rodelhügel, allen Geschäften die man so braucht. Besonders im 1. Bauabschnitt geht es auch sehr sehr grün zu. Leute, welche die Messe nicht so gut kennen, unterschätzen sie oft.

    Andererseits ist die Messe mit enormen sozialen Herausforderungen konfrontiert, geht man allein nach den Zahlen des Indikatorenatlas (https://www.mstatistik-muenche…l?indicator=i63&date=2018) bzw. des Sozialmonitorings (https://www.mstatistik-muenche…tor=i0&date=2019&select=1) steht die Messe in manchen Bereichen an der (negativen) Spitze. Das merkt man auch teilweise. Es gibt - und braucht - jede Menge ehrenamtliches Engagement und eine Menge zusätzlicher Angebote und Förderung seitens der Stadt, um mit dieser Situation umzugehen. Hier wird sehr sehr viel geleistet, und viele Menschen haben negative Vorurteile über die Messe, die so nichts mit der Realität zu tun haben. Insbesondere ist die Messe sicherlich kein Ghetto. Man sollte nicht vergessen, dass es in der Messe auch eine ganze Menge teuerer ETW und teils auch Reihenhäuser gibt. Trotzdem gibt es in der Messe immer wieder/ einige Probleme, man bewegt sich immer auf einem dünnen Grad, mit dem Risiko, dass Probleme überhand nehmen, wenn man mal nicht aufpasst. Zum Beispiel gab es vor ein paar Jahren Probleme mit einer Gruppe Jugendlicher hinter den Riem Arkaden, hier konnten und mussten Street Worker am Schluss zwischen Jugendlichen und Polizei vermitteln, mittlerweile ist es dort wieder deutlich ruhiger.


    Zurück zu Freiham. Hier baut und plant man nun ein größeres Quartier, dass deutlich dichter bebaut wird, deutlich weiter von der Stadtmitte entfernt ist, deutlich schlechter angebunden ist also die Messe. Zusätzlich wird die Einwohnerstruktur nochmals herausfordernder, auch die angrenzende Bebauung Neuaubings ist sicherlich 'schwieriger' als Trudering/Riem. Die Messe hat in ihrer 20-jährigen Geschichte einen sehr starken Aufschwung Münchens mitgemacht, von dem sicherlich auch die Bewohner profitiert haben. Man kann sich aber nicht darauf verlassen, dass das bei Freiham ähnlich wird, und soziale Probleme werden in Krisen bekanntlich verschärft. Ein noch dichteres Unterstützungsnetzwerk aus StreetWorkern, ehrenamtlichen Gruppen und Schulförderung kann ich mir kaum vorstellen. Meine Prognose ist deshalb, dass Freiham deutlich 'schlimmer' als die Messe wird ( ich persönlich finde die Messe schön, aber es gibt dort definitiv Probleme).


    Richtig wäre m.E. bei der 'Münchner Mischung' zu bleiben und von den erlösten Erträgen MFH´s im Stadtgebiet aufzukaufen (und zum Beispiel Rücklagen zu bilden, um auslaufende Erbpachtgrundstücke der Deutschen Bahn aufzukaufen; siehe https://www.sueddeutsche.de/mu…ungen-in-gefahr-1.4019058).

  • Vielen Dank Truderinger für den ausführlichen Beitrag.


    Ich weiß nicht, wie ich das richtig erklären soll?


    Ich meine nicht den Markt

    Ich meine nicht die Bevölkerungszusammensetzung


    Was ich meine ist die Technik :


    Grosse Mengen an Neubau von aufwändigen grossen Wohnhochhäusern

    Bei anhaltend sehr moderaten Preisen

    welche sehr gepflegte Umgebungen erzeugen und eine Zunahme von Grünflächen.

    Und dies seit etwa 20 Jahren.

  • Man muss aber auch bitte berücksichtigen, dass München-Modell keine klassischen Sozialwohnungen sind. Die Einkommensgrenzen gehen rauf bis über 100000 Euro Jahreshaushaltseinkommen. Das ist nicht Unterschicht.


    Was ich mir erhoffe ist, dass die höhere Zahl an Genossenschaften in Freiham (und vor allem in der Bayernkaserne) zu einer besseren sozialen Durchmischung führen wird. Die Messestadt ist auch architektonisch armselig, vielleicht kann da Freiham auch trotz Gewofag und GWG andere Gruppierungen anziehen.

  • Schachbrett: eine einfache Erklärung für den billigen Wohnraum in Chicago ist halt, das Chicago eher schrumpft und sich zumindest teilweise im wirtschaftlichen Niedergang befindet mit niedrigen Haushaltseinkommen. München ist da eher mit San Francisco oder Boston vergleichbar (und die Mieten dort sind jenseits von gut und böse).

  • Ich reite immer wieder auf den selben Sachen herum:

    Ja, und ich fände es gut, das dann auf den entsprechenden Thread "Wie weiter wachsen" in der Lounge zu beschränken. Tut mir leid, aber in diesem Forum wurde in den vergangenen Jahren (!) dutzendfach auf deine Vergleiche mit Chicago eingegangen. Nur drehen sich die Diskussionen im Kreis bzw. wiederholen sich beinahe im Wortlaut, da du die Argumente und Einwände bzgl. unterschiedlicher Rahmenbedingungen scheinbar ignorierst.


    Aber da hier schon so viel von Chicago und Ghetto die Rede ist... on a cold and grey Chicago morning... ;)


    In Bezug auf Freiham finde ich die Strategie der Stadt auch wenig verständlich


    Richtig wäre m.E. bei der 'Münchner Mischung' zu bleiben

    Aus welchen Gründen ist die mir unbekannte Strategie für dich wenig verständlich?


    Zur Wohnraumverteilung in Freiham:


    "Der neue Stadtteil Freiham soll möglichst alle Bevölkerungsschichten ansprechen und ein vielfältiges Wohnungsangebot für alle Einkommensgruppen bereitstellen. Deshalb wird ein bunter Mix (zirka 50 Prozent) aus gefördertem (Einkommensorientierte Förderung / EOF, München Modell), preisgedämpftem, freifinanziertem Mietwohnungsbau (Konzeptioneller Mietwohnungsbau / KMB) und freifinanzierten Wohnungen in vielfältigen Gebäudetypologien angeboten werden. Die Grundstücke werden nicht nach Höchstgebot vergeben, sondern über Konzeptausschreibungen an unterschiedliche Zielgruppen (Genossenschaften, Baugemeinschaften und Bauträger im Mietwohnungsbau)." https://www.muenchen.de/rathau…l-wohnungen-in-freiham_10


    So wird die "Münchner Mischung" explizit weiterverfolgt (Auszug aus dem Handlungsprogramm "Wohnen in München VI"):

    1. Erhöhung der Einkommensgrenzen im München Modell, damit weiterhin 50 bis 60 Prozent der Münchner Haushalte förderfähig bleiben.
    2. Förderung zielgruppenspezifischer Wohnprojekte für den Erhalt der Münchner Mischung.
    3. Erhöhung der Zielzahl für die Baurechtschaffung auf 4.500 Wohneinheiten pro Jahr. Zusammen mit der Bautätigkeit in Bestandsgebieten nach § 34 BauGB sollen so mittelfristig insgesamt 8.500 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt werden.
    4. Umsetzung der Strategien zur Langfristigen Siedlungsentwicklung (LaSie): Bis 2030 sollen möglichst viele Flächen für den Wohnungsbau mit den Instrumenten Nachverdichtung, Umstrukturierung und Neuentwicklung aktiviert werden.
    5. Dauerhafte Einführung des Konzeptionellen Mietwohnungsbaus (KMB) und eine noch stärkere Zielgruppenorientierung.
    6. Konzeptausschreibungen auf städtischen Grundstücken sollen weiterentwickelt werden. Die Vergabe von KMB-Flächen erfolgt im Erbbaurecht und dient damit der langfristigen Sicherung städtischer Flächen.
    7. Erhöhung der Zielzahl im geförderten und preisgedämpften Wohnungsbau auf 2.000 Wohneinheiten pro Jahr. Der Fokus der kommunalen Förderung liegt ausschließlich auf dem Mietwohnungsbau für die unteren und mittleren Einkommensgruppen.
    8. Vereinfachung städtischer Programme im geförderten Wohnungsbau: Zukünftig gibt es nur noch den Münchner Wohnungsbau und das München Modell.

    https://www.muenchen.de/rathau…agen/Wohnungspolitik.html


    Isek: Neben den oben genannten Wohnungen, die eben auch für mittlere Einkommen gedacht sind, sowie den Genossenschaftsprojekten und den Gebäuden der Stadibau entsteht aktuell das Stadtteilzentrum der Isaria & Rosa Alscher Gruppe mit über 500 Wohneinheiten (Hochbau ab Mai).


    Die städt. Gesellschaften GWG und Gewofag realisieren in Freiham Nord 1. RA zusammen 1.600 Wohneinheiten. 4.400 sind es insgesamt. Im 2. RA mit 6.000 - 7.000 Wohneinheiten dürfte das Verhältnis ähnlich sein. Erste Projektausschreibungen zum 1. BA des 2. RA starten in der zweiten Jahreshälfte 2021.