Entwicklungsgebiet Freiham (10.000 WE) [im Bau]

  • Die OB Kandidaten von CSU, SPD und Grünen einhellig: ÖPNV vor den Bewohnern.

    Na ja, das sagt sich immer so schön und leicht. Ich befürchte, es gehört in der Stadtentwicklung einfach dazu, dass nicht alles immer ganz genau in der idealsten Reihenfolge fertig werden kann. Wichtig ist, DASS überhaupt entwickelt wird, und da geht es dann um das langfristige Ergebnis. Es ist doch schon prima, wenn ich eine Wohnung in Freiham kaufe und beziehe und ich weiß verbindlich, dass in den nächsten Jahren die U-Bahn-Anbindung kommt. Natürlich wäre es schön, wenn der U-Bahn-Anschluss im 5-Minuten-Takt auf dem leeren Acker schon da wäre, bevor die ersten Wohnungen gebaut werden, aber in der Umsetzung wird das wohl meistens nicht funktionieren.

  • Immerhin verfügt das Areal mit den S-Bahnhöfen "Aubing" im Norden und "Freiham" im Süden wenigstens an seinen Rändern bereits über gute Gleisanschlüsse. Wenn man hier aus der Mitte des Areals heraus leistungsfähige Bus- oder gar Tramverbindungen zu den beiden Bahnhöfen führt, wäre das als Provisorium schon mal gar nicht sooo schlecht.

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    Ja, das mit den Bussen zur S-Bahn habe ich ja auch geschrieben, dennoch ist es unbefriedigend, dass dort bei 25.000 neuen Einwohnern nicht schon früher entschieden, geplant und gebaut wurde. Im 2. Bauabschnitt sind aktuell 7.000 WE vorgesehen, 1.000 mehr als ursprünglich geplant, aber der dortige BA lehnt dies unter Anführung der unzureichenden verkehrlichen Erschließung strikt ab. Die SZ schreibt von möglichen Verzögerungen, auch weil das Planungsreferat darlegen muss, ob die Erhöhung verträglich ist. Bei mangelnder ÖPNV-Anbindung und gleichzeitig geforderter Verkehrswende, schwierig und nachvollziehbar wenig glaubwürdig. Die CSU scheint ähnliches zu ahnen und brachte den bekannten Antrag zur homöopathischen Beschleunigung der U5-Planung ein :). Mal sehen, wie das MIV-Konzept vor Ort und im Stadtrat angekommen ist.


    Eine Tram von Pasing nach Freiham als Provisorium? Das bindet Personal und Kapital, eine U5 nach Freiham würde sich wohl um weitere 20 Jahre verzögern, wenn sie dann überhaupt noch käme.

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    Auch so eine nicht nachvollziebare Argumentation: 6000 WE sind ok, aber 7000 WE werden strikt abgelehnt, weil der Verkehrskollaps befürchtet wird. Warum denke ich dabei immer an das, was ich bei meinen Aufenthalten in Kairo erlebt habe? Wie definiert sich eigentlich der so oft verwendete Begriff des Verkehrskollaps?

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    Der BA beklagt die gesamte Planung, nur wurden nun nochmal mehr Wohnungen geplant, sodass der BA diese noch einmal explizit ablehnt, solange kein leistungsfähiges Gesamtverkehrskonzept vorliegt.


    Warum denke ich dabei immer an das, was ich bei meinen Aufenthalten in Kairo erlebt habe? Wie definiert sich eigentlich der so oft verwendete Begriff des Verkehrskollaps?

    Auf Frage 1 habe ich zwar auch keine Antwort, auf Frage 2 - ich gebe gern Antwort auf ironisch-rhetorische Fragen :) - bietet immerhin der Duden einen Anhaltspunkt.

    Demnach ist der "Verkehrskollaps" bedeutungsgleich mit dem "Verkehrsinfarkt", der so viel bedeutet wie "Stillstand des Verkehrs, besonders in Städten und Ballungsgebieten". "Stillstand" wiederum kennzeichnet laut Duden auch einen "Zustand, in dem etwas [...] unterbrochen wird"; als Synonym wird daher u.a. "Stau" angegeben.

    Der Begriff selbst kann dann den zunehmenden Anteil von sich stauendem Verkehr am Gesamtverkehr (sprich einem lokalen Verkehrskollaps) beschreiben (entspricht unserem Sprachgebrauch), oder auch den (abwegigen) Zustand, in dem der Verkehr in seiner Gesamtheit gleichzeitig zum Stillstand kommt.


    So, jetzt aber genug der verschwurbelten Worte und stattdessen eine Gegenfrage: Wie schätzt du den Antrag der CSU ein - seriös oder heiße Luft - und was wären realistische Maßnahmen um Zeit bei der Planung / Umsetzung der U5 Verlängerung nach Freiham zu gewinnen?

  • Wäre interessant zu wissen, mit welcher Zahl der Verkehrskollaps verbunden wird. Stillstand gibt es ja schließlich für eine ge wisse Zeit vor jeder Ampel. Also etwas, das ich einen Kollaps nennen würde, habe ich innerhalb Münchens noch nicht erlebt. Stau ja, nervenaufreibend ja, aber kein Stillstand über 20 oder 30 Minuten oder eine Fahrt, die normalerweise 15 Minuten dauert aber im Kollaps dann 60 Minuten dauern würde. Etwas anders stellt sich da schon die Situation im ÖV dar. Da kann ich den Begriff Kollaps öfters dazuordnen.


    U5 nach Freiham? Das hängt von den mobilisierbaren Ressourcen ab. Das eine ist Geld, was der Staat ja grundsätzlich hat und es entsprechend nur hinlenken müsste. Das andere sind aber zum Beispiel personelle und organisatorisch planerische Strukturen, die auch im Fall von viel Geld nicht einfach so geändert werden können. Natürlich könnte man radikale Schritte gehen und U-Bahn Linien in Konzession bauen lassen. Damit könnten einige sagen wir mal schwierige Strukturen der öffentlichen Verwaltung umgangen werden. Aber ob das realistisch ist, bezweiflich ich. Vermutlich wird man über 10 Jahre den Busverkehr stark ausbauen und die beiden S-Bahnhöfe sowie Pasing selbst sehr dicht bedienen. Das gab es ja auch schon in der Messestadt oder akutell z.B. an der PGA. Langfristig muss sich aber ganz Deutschland die Frage stellen, wie es noch öffentliche Infrastruktur effizient planen und bauen kann. Entweder man wertet gewisse Abteilungen im ÖD massiv auf und bringt dann aber noch den erforderlichen Wettbewerb und mögliche Konsequenzen mit oder es wird tatsächlich in Richtung Projektgesellschaft gemäß privatwirtschaftlicher Orientierung gehen. Gute Ingenieure sind aktuell schon rar. Die Situation wird jedoch eher schlechter. Man konnte in der jüngsten Vergangenheit einiges durch Ingenieure aus Süd- und Osteuropa kompensieren. Aber diese Länder sind a) bereits leergefegt (der der bereit war zu gehen ist bereits gegangen) und b) ist wird dort die Wirtschaft tendenziell besser zumindest aber nicht derart schlechter dass weitere Tausende an Ingenieuren nach Deutschland wandern. Das Bild des Bauingenieurs in der deutschen Gesellschaft ist schlecht und deutlich schlechter als im europäischen Ausland. Die Bezahlung gegenüber den anderen Ingenieurdisziplinen erschreckend gering. Deutschland muss zusehen, dass es die Ingenieure halten kann. Teilweise für den deutschen Bauingenieur unvorstellbare Löhne werden in Skandinavien, Australien oder Kanada bezahlt. Schlussendlich muss sich die Gesellschaft fragen, was das Bauen kosten darf. Und da sehe ich mit dem Megatrend hin zu eher ökosozialistischen Strukturen mit einer dominanten Wachstumsskepsis bzw. bereits jetzt weit verbreiteten puren Ablehnung gegenüber baulichen "Erweiterungen" eigentlich gar keine sich ändernde Perspektive.

  • Insgesamt halte ich ein Areal, welches direkt an 2 S-Bahnhöfen angebunden ist alles andere als verkehrlich schlecht erschlossen. Es gibt keinen Punkt in Freiham der mehr als 1 km von einem Bahnhof entfernt liegt. Wenn man jetzt eine Buslinie mit je nach Bedarf 2-4 Gelenkbussen auf der Hauptachse zwischen den 2 Bahnhöfen pendeln lässt, dann ist das Gebiet 1A erschlossen.


    Und dass eine mögliche Tramanbindung an Pasing nicht schon in einer finalen Planung ist, liegt an der CSU, die auf die größtenteils sinnfreie Verlängerung der U5 nach Pasing und Freiham bestanden hat.

  • In der Seestadt Aspern wird die U2 überirdisch geführt und war bereits vor der Bebauung da. Aber Wien ist eine Weltstadt, zum Gegensatz von München das nur eine Großstadt ist!